{"id":151063,"date":"2026-05-27T09:04:53","date_gmt":"2026-05-27T07:04:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151063"},"modified":"2026-05-27T10:06:26","modified_gmt":"2026-05-27T08:06:26","slug":"angst-muss-man-nicht-vor-maschinen-haben-sondern-vor-den-menschen-die-sie-entwickeln-und-missbrauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151063","title":{"rendered":"\u201eAngst muss man nicht vor Maschinen haben, sondern vor den Menschen, die sie entwickeln und missbrauchen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Papst warnt in seiner ersten Enzyklika vor existenziellen Risiken der K&uuml;nstlichen Intelligenz f&uuml;r Individuen und V&ouml;lker. In den H&auml;nden von Monopolen drohten &bdquo;Entmenschlichung&ldquo; und &bdquo;Kolonialismus&ldquo;. Richtig und wichtig findet <strong>Ralf Lankau<\/strong> den Vorsto&szlig; und hofft auf neue Impulse in der Diskussion. Im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em> zeichnet der P&auml;dagoge, Medienwissenschaftler und Buchautor ein d&uuml;steres Bild der Zukunft f&uuml;r den Fall, dass man Elon Musk, Peter Thiel und andere Techmogule weiter gew&auml;hren l&auml;sst. Zugleich ist er sicher: Widerstand ist m&ouml;glich! Mit ihm sprach <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Ralf Lankau, Jahrgang 1961, ist Professor f&uuml;r Digitaldesign, Mediengestaltung und Medientheorie an der Hochschule Offenburg. Er leitet dort die grafik.werkstatt der Fakult&auml;t Medien, forscht zu Experimenteller Medienproduktion in Kunst, Lehre und Wissenschaft und publiziert zu Design, Kommunikationswissenschaft und (Medien-)P&auml;dagogik. Er ist Mitinitiator des &bdquo;B&uuml;ndnis f&uuml;r humane Bildung&ldquo; und betreibt die Projekte <a href=\"https:\/\/futur-iii.de\/\">&bdquo;futur iii &ndash; Digitaltechnik zwischen Freiheitsversprechen und Total&uuml;berwachung&ldquo;<\/a> und <a href=\"https:\/\/die-p%C3%A4dagogische-wende.de\/\">&bdquo;Die p&auml;dagogische Wende&ldquo;<\/a>. Dazu gab Lankau vor zwei Jahren im Beltz-Verlag das Buch &bdquo;Die p&auml;dagogische Wende: &Uuml;ber die notwendige (R&uuml;ck-)Besinnung auf das Unterrichten&ldquo; heraus.<\/em><\/p><p><strong>Ralf Wurzbacher: Herr Lankau, das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Leo XIV., warnt in seiner <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/papst-enzyklika-108.html\">ersten Enzyklika<\/a> eindringlich vor den Gefahren der K&uuml;nstlichen Intelligenz f&uuml;r Mensch, Gesellschaft und Natur. Er bezieht Stellung gegen &bdquo;Entmenschlichung&ldquo;, einen &bdquo;neuen Kolonialismus&ldquo; und dringt darauf, die KI zu &bdquo;entwaffnen&ldquo;. Hatten Sie mit dieser Sch&auml;rfe und Tiefe an Kritik gerechnet?<\/strong><\/p><p><strong>Ralf Lankau<\/strong>: Nein. Es gab zwar schon sehr kritische &Auml;u&szlig;erungen von Papst Franziskus, und Papst Leo XIV. bezeichnete bereits am zweiten Tag seines Pontifikats KI als eine der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2025-05\/papst-leo-xiv-erste-audienz-pontifikat-ki-kuenstliche-intelligenz\">&bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Herausforderungen f&uuml;r den Schutz der Menschenw&uuml;rde und der Gerechtigkeit der Arbeit&ldquo;<\/a> (Papst Leo XIV, 2025). Aber ich bin von dieser Enzyklika positiv &uuml;berrascht, weil sie so klar formuliert, dass diese Technik in der Hand kleiner Eliten maximalen Schaden f&uuml;r den einzelnen Menschen wie die sozialen Gemeinschaften anrichten kann.<\/p><p><strong>Ein Zitat des Papstes lautet: <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/news\/papst-leo-xiv--warnt-vor-gefahren-von-ki-fuer-intelligenz-junger-menschen-35827250.html\">&bdquo;Kein noch so ausgekl&uuml;geltes Computersystem erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt.&ldquo;<\/a> F&uuml;r Peter Thiel, milliardenschwerer KI-Investor und Gr&uuml;nder des US-Unternehmens Palantir, das &Uuml;berwachungssoftware f&uuml;r Polizei und Milit&auml;rs entwickelt, sind das ungeb&uuml;hrende Einmischungen. Wer die Technologie z&uuml;gele, bereite dem Antichristen den Weg, bemerkte er unl&auml;ngst. Wer von den beiden hat mehr zu melden?<\/strong><\/p><p>Papst Leo XIV. spricht als Oberhaupt der katholischen Kirche f&uuml;r 1,4 Milliarden Menschen weltweit. Er repr&auml;sentiert und pr&auml;gt die ethischen und moralischen Werte der christlichen Weltgemeinschaft, die seit 2000 Jahren unsere Kultur repr&auml;sentiert. Gemeinsam ist allen monotheistischen Religionen, zumindest in Demokratien, dass sie die Trennung von Staat und Glaubensgemeinschaft akzeptieren und versuchen, ein friedliches, interreligi&ouml;ses Miteinander zu erm&ouml;glichen, die &Ouml;kumene. Religi&ouml;se Gemeinschaften sind Wertegemeinschaften. Und mit seiner Enzyklika zeigt Papst Leo XIV. sehr klar, dass es ihm um W&uuml;rde und Gerechtigkeit geht.<\/p><p>Thiel hingegen ist der Repr&auml;sentant einer kleinen Clique von US-Milliard&auml;ren, die aufgrund der seit den 1990er-Jahren fehlenden Regulierung der IT- und KI-Anwendungen r&uuml;cksichtslos nur eigene Gesch&auml;ftsinteressen vertreten und sich immer weiter bereichern. Elon Musk wird vermutlich der erste Billion&auml;r, was den Wahnsinn der Daten&ouml;konomie verdeutlicht. Thiel k&uuml;mmert sich weder um Menschenw&uuml;rde noch um Rechtssysteme. Es geht ihm ausschlie&szlig;lich um Partikularinteressen der Techkonzerne. Als Mitgr&uuml;nder von Palantir und Risikokapitalgeber argumentiert er f&uuml;r einen komplett unregulierten Techsektor und missbraucht daf&uuml;r religi&ouml;se Symboliken wie den Antichristen oder religi&ouml;se Endzeitvisionen. Aber solchen Techmogulen geh&ouml;ren die wichtigsten digitalen, vor allem die sozial nur genannten Medien, und sie bestimmen daher, was Menschen in den Onlinekan&auml;len sehen und h&ouml;ren.<\/p><p><strong>Womit sie selbst eine neue Art Religion erschaffen haben?<\/strong><\/p><p>Ja. Es ist eine perfide Mischung aus Fortschritts- und Technikgl&auml;ubigkeit als eine Form von Ersatzreligion. Man muss das als zwei Strategien des Sp&auml;tkapitalismus sehen: die vermeintliche Individualisierung und Ich-Bezogenheit auf der einen, der Verlust der Gemeinschaft von Familie, Nachbarschaft, Gemeinde auf der anderen Seite. Das Verbindende und Hoffnungspendende religi&ouml;ser Gemeinschaften geht in s&auml;kularisierten Gesellschaften verloren. Diese Leerstelle sollen mit dem &bdquo;Solutionism&ldquo; &ndash; englisch f&uuml;r L&ouml;sungskonzepte &ndash; technische Systeme f&uuml;r alle Probleme f&uuml;llen, bis hin zur Unsterblichkeit durch den Transfer des Bewusstseins ins Netz. Das ist die &bdquo;Wiedergeburt auf digitalisch&ldquo;, absurd, aber ein Gesch&auml;ftsmodell.<\/p><p><strong>Kann ausgerechnet der Papst dem etwas entgegensetzen?<\/strong><\/p><p>Leo XIV. referiert &uuml;ber die schon heute bekannten Folgen f&uuml;r Kinder, Jugendliche und &uuml;brigens auch Erwachsene durch netzbasierte Bildschirmmedien. Weltweit wird &uuml;ber die zwingend notwendige Regulierung von KI diskutiert. Die zugrunde liegenden Techniken haben ein &auml;hnlich m&auml;chtiges Potenzial wie die Kernspaltung. Norbert Wiener, Vordenker und Namensgeber der Kybernetik, warnte schon 1947 im Vorwort zu seinem Buch &bdquo;Kybernetik&ldquo;: &bdquo;Wir haben nicht einmal die M&ouml;glichkeit, diese neuen technischen Entwicklungen zu unterdr&uuml;cken. Sie geh&ouml;ren zu diesem Zeitalter, und das H&ouml;chste, was irgend jemand von uns tun kann, ist, zu verhindern, dass die Entwicklung des Gebietes in die H&auml;nde der verantwortungslosesten und k&auml;uflichsten unserer Techniker gelegt wird.&ldquo;<\/p><p><strong>Genau das ist passiert &hellip;<\/strong><\/p><p>Leider ja. Diese verantwortungslosesten und k&auml;uflichsten Techniker und ihre Partner lassen sich heute von A &ndash; Sam Altman, Open AI &ndash; bis Z &ndash; Marc Zuckerberg, Meta &ndash; durchbuchstabieren. Seit November 2022 werden Tools und Bots der generativen KI wie ChatGPT, Claude, Gemini oder X-AI ohne R&uuml;cksicht auf die Folgen f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit und die Menschen verbreitet. &bdquo;The business of business is business&ldquo;, hei&szlig;t es bei den Neoliberalen. Investoren wie Marc Andreessen und Peter Thiel verdienen pr&auml;chtig damit, aber die demokratischen Staaten k&auml;mpfen mit den Folgen und sind, aus Angst vor den Techkonzernen und Donald Trump, erschreckend z&ouml;gerlich bei der Regulierung. Dabei w&auml;re es Aufgabe des Gesetzgebers, die Rahmenbedingungen f&uuml;r den Einsatz von Technik festzulegen. Im Bundestag gibt es daf&uuml;r sogar einen eigenen Ausschuss zur Technikfolgenabsch&auml;tzung.<\/p><p><strong>Von dem aber nichts zu h&ouml;ren ist. Etwa zu der fundamentalen Frage, was aus der Erwerbsarbeit wird, wenn KI sukzessive menschliche Fertigkeiten und T&auml;tigkeiten &uuml;bernimmt.<\/strong><\/p><p>Nein. Das ist unverantwortlich, zumal &uuml;ber die Folgen von KI f&uuml;r den Arbeitsmarkt oder Sozialsysteme wie Gesundheit, Bildung oder den sozialen Zusammenhalt demokratischer Gesellschaften schon l&auml;nger diskutiert wird. Ich erinnere nur an die 2017 von rund 100 US-Wissenschaftlern formulierten <a href=\"https:\/\/futureoflife.org\/open-letter\/ai-principles-german\/\">23 KI-Leits&auml;tze von Asilomar<\/a>. Wobei auch diese Grunds&auml;tze der typischen Ideologie des Technikdeterminismus und Utilitarismus folgen, die vom Glauben an Fortschritt und Machbarkeit gepr&auml;gt sind.<\/p><p>Die Vereinigung Deutscher Wissenschaft hat die Asilomar-Leitlinien 2018 in einer Stellungnahme deshalb auch als nicht weitreichend genug kritisiert. Statt aber diese Diskussion aufzugreifen und f&uuml;r generative KI zu aktualisieren, dominieren die Digitalenthusiasten, geblendet von den Milliardeninvestitionen, w&auml;hrend die Realisten auf den KI-Crash warten, weil weder die Large Language Models (LLM) noch die notwendigen, immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Rechenzentren mit ihrem immensen Strom- und Wasserbedarf zukunftsf&auml;hig sind. Die Blase wird implodieren wie beim Internethype im Jahr 2000 oder beim Bankencrash 2008.<\/p><p><strong>Beklemmend sind zwei weitere Perspektiven: Sofern die KI den Menschen nicht gleich ausl&ouml;scht, was Experten inzwischen ernsthaft in Betracht ziehen, treibt die Technik eine radikale Entmenschlichung voran, indem sie auf die Kontrolle unserer K&ouml;pfe und K&ouml;rper zielt.<\/strong><\/p><p>Dass Maschinen die Weltherrschaft anstreben k&ouml;nnten, geh&ouml;rt zu den albernen Visionen und Stereotypen, um Menschen Angst zu machen. Das ist und bleibt Science-Fiction. Maschinen haben kein Bewusstsein, keinen Willen, keine Absichten. Angst muss man daher nicht vor Maschinen haben, sondern vor den Menschen, die sie entwickeln und sie zu eigenen Zwecken einsetzen. Ich denke dabei etwa an Drohnen, die in der Ukraine und in Gaza eingesetzt werden. Damit kann man schon heute Personen per Gesichtserkennung oder Irisscan identifizieren und liquidieren.<\/p><p>Die Frage ist daher, warum diese Fantastereien immer wieder aufgekocht werden. Es sind Ablenkungsstrategien, um zu kaschieren, was bereits alles mit KI-gesteuerten Ger&auml;ten gemacht werden kann und gemacht wird. Dieses automatisierte T&ouml;ten ohne Eingriff eines Menschen ist einer der Gr&uuml;nde, warum der neue Papst wie schon sein Vorg&auml;nger Franziskus bei KI <a href=\"https:\/\/reliplus.de\/die-paepste-und-die-ki\/\">interveniert<\/a>. Techfirmen blenden ethische Fragen entweder aus oder werden f&uuml;r richtige Entscheidungen sanktioniert.<\/p><p>Anthropic aus den USA hat f&uuml;r sein KI-Modell Claude festgelegt, dass es weder US-B&uuml;rger &uuml;berwachen noch als System f&uuml;r Drohnen autonom t&ouml;ten darf. Daraufhin wurde das Unternehmen vom Pentagon zum nationalen Sicherheitsrisiko erkl&auml;rt und von staatlichen Auftr&auml;gen abgeschnitten. Amazon, Google, Microsoft, Nvidia, Open AI und weitere AI-Konzerne haben die Vereinbarungen mit dem Pentagon unterschrieben. Das Gesch&auml;ft geht vor.<\/p><p><strong>Was steht auf dem Spiel?<\/strong><\/p><p>Es geht um die Frage, ob es gelingt, IT und KI als Werkzeuge zugunsten einer humanen und demokratischen Gesellschaft einzusetzen, oder ob ein paar Oligarchen sie weiterhin daf&uuml;r missbrauchen, ihre eigene Vorherrschaft zu festigen. Wenn es nach Investoren wie Marc Andreessen geht, werden wir alle, vom Kleinkind bis zum Senior, immer eine digitale Nanny dabei haben, die uns sagt, was wir tun sollen. Das gruselige Manifest dazu hei&szlig;t <a href=\"https:\/\/a16z.com\/ai-will-save-the-world\/\">&bdquo;Why AI will save the world&ldquo;<\/a>, also &bdquo;Warum KI die Welt retten wird&ldquo;.<\/p><p>Dabei ist schon jetzt durch zahlreiche Studien belegt, dass die Lernleistungen in Schulen seit Jahren kontinuierlich schlechter werden. Der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath von der Universit&auml;t Melbourne hat im Januar 2026 in einer <a href=\"https:\/\/die-paedagogische-wende.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Horvath_Written-Testimony_de-DE_-END02.pdf\">schriftlichen Stellungnahme<\/a> vor dem US-Senatsausschuss f&uuml;r Handel, Wissenschaft und Verkehr dargelegt, dass die Generation Z trotz ihres beispiellosen Zugangs zu Technologie kognitiv weniger leistungsf&auml;hig ist als fr&uuml;here Generationen. Diese Generation ist demnach die erste in der modernen Geschichte, die in standardisierten Tests schlechter abschneidet als vorherige Generationen.<\/p><p>Horvath lehnt Technologie nicht per se ab. Er will allerdings Bildungsinstrumente an die tats&auml;chlichen Lernprozesse des Menschen anpassen statt umgekehrt das Lernen an die digitalen Prozesse. Diese Fehlentwicklung hat auch schon die UNESCO in ihrem <a href=\"https:\/\/die-p%C3%A4dagogische-wende.de\/unesco-bericht-zu-it-in-schulen-fordert-mehr-bildungsgerechtigkeit\/\">&bdquo;2023 Global Education Monitor&ldquo;<\/a> beklagt. Nicht das Lernen und der p&auml;dagogische Nutzen st&uuml;nden im Mittelpunkt, sondern wirtschaftliche Interessen der IT-Anbieter und Aspekte der Daten&ouml;konomie.<\/p><p><strong>Haben Sie den Eindruck, dass das den politischen und wirtschaftlichen Eliten in Deutschland wenigstens d&auml;mmert?<\/strong><\/p><p>Nein. Die politisch Verantwortlichen haben von den IT-Lobbyisten jahrelang geh&ouml;rt, Deutschland hinke bei IT und KI hinterher und m&uuml;sse die digitale Transformation m&ouml;glichst schnell vorantreiben. Das ist aus Sicht der Techmonopole logisch. Dadurch wird die Infrastruktur f&uuml;r den digitalen Faschismus aufgebaut, den Rainer M&uuml;hlhoff in seinem Buch &bdquo;K&uuml;nstliche Intelligenz und der neue Faschismus &ndash; Wie Tech-Milliard&auml;re Macht und Zukunft formen&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.reclam.de\/produktdetail\/kuenstliche-intelligenz-und-der-neue-faschismus-9783150146668\">treffend beschreibt<\/a>). Ob man den technologischen Autoritarismus nun digitalen Faschismus, Despotismus oder Feudalismus nennt, ist eigentlich egal. So oder so werden wir im Netz der Datenkraken gefangen gehalten.<\/p><p><strong>Wenn Mensch dabei ist, immer mehr zu verbl&ouml;den: Wo soll das hinf&uuml;hren? Auch Bl&ouml;de haben irgendwann Hunger, aber ohne Lohnarbeit gibt es kein Essen. Ahnen diese Technofaschisten gar nicht, in welchen Mist sie die Menschheit und den Planeten reiten?<\/strong><\/p><p>Doch, sie wissen sehr genau, was passieren wird: Die sozialen Spannungen steigen bis zum B&uuml;rgerkrieg, die Ressourcen der Erde werden von wenigen Oligarchen gnadenlos ausgebeutet. Und die Menschen k&auml;mpfen um die wenigen verbliebenen Ressourcen wie Wasser und Nahrung, statt sich gegen die Potentaten zu wehren. Und das Schlimme ist: Die wollen es genau so. Das Ziel ist ein autokratischer Staat mit wenigen Techf&uuml;rsten an der Spitze, drumherum ein Kokon an Loyalisten und Speichelleckern plus Armee und Polizei.<\/p><p>Nachzulesen ist das alles in den Papieren der Heritage Foundation zum &bdquo;Project 2025&ldquo;, aktualisiert zum &bdquo;Project 2026&ldquo;. Der &bdquo;Rest&ldquo; der Bev&ouml;lkerung dient als Arbeitssklaven und wird ansonsten per Streaming und sogenannten sozialen Diensten als Konsum&auml;ffchen an diversen Bildschirmen ruhiggestellt. Als Science-Fiction kennt man das schon, etwa im Film &bdquo;Elysium&ldquo; von Neill Blomkamp. Wenige Reiche leben im Luxus auf dem Raumschiff, w&auml;hrend die Bev&ouml;lkerung auf der zerst&ouml;rten Erde ums &Uuml;berleben k&auml;mpft und von Armee und Polizei kontrolliert wird.<\/p><p><strong>W&auml;re das dann eine Mixtur aus Aldous Huxleys &bdquo;Brave New World&ldquo; und George Orwells &bdquo;1984&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Das Konzept nennt sich Elitismus, ist aber nur eine Variante der Oligarchie, zu der die USA verkommen sind. Es ist eine Mischung aus Ausbeutung, reiner Gier, allerdings mit bisher unbekannten Mengen an Geld und Einfluss in Privath&auml;nden. Wie Kraken haben sich die Techkonzerne in alle Gesellschaftsbereiche hineingefressen und steuern die Kommunikation und den Konsum. Selbst die US-Armee funktioniert nicht mehr ohne die Software Palantir von Alex Karp und Mitgr&uuml;nder Peter Thiel.<\/p><p>Die ICE-Beh&ouml;rde arbeitet mit der Software Gotham, ebenfalls von Palantir, um Migranten zu verhaften und ohne Prozess abzuschieben, Menschen, die zwar arbeiten und Steuern zahlen, aber keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Die Daten f&uuml;r ICE hat Elon Musk in seinen vier Wochen im Wei&szlig;en Haus abgegriffen. Es geht um solit&auml;re Macht weniger Techmonarchen, die sich die Welt nach ihren psychotischen und rassistischen Vorstellungen wei&szlig;er, m&auml;nnlicher Vorherrschaft gestalten. Auch das l&auml;sst sich nachlesen, im Manifest von Alex Karp: <a href=\"https:\/\/x.com\/PalantirTech\/status\/2045574398573453312\">&bdquo;The Technological Republic&ldquo;<\/a>.<\/p><p><strong>Elon Musk will die Menschheit mit einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142014\">humanoiden Roboter namens Optimus<\/a> begl&uuml;cken, der uns in Zukunft in Milliardenzahl zur Hand gehen und ein &bdquo;universell hohes Einkommen&ldquo; garantieren soll. Ist es nicht schlicht das viele Geld, dass diesen Techmogulen die Sinne vernebelt?<\/strong><\/p><p>Nicht nur das Geld, auch der fehlende Widerspruch und Widerstand sowohl der Politik wie der Gesellschaft. Elon Musk ist ja das Paradebeispiel eines drogengesteuerten Psychopathen, der nicht nur gr&ouml;&szlig;enwahnsinnige Projekte initiiert, die fr&uuml;her oder sp&auml;ter scheitern. Er verfolgt sogar eugenische Projekte, indem er Frauen daf&uuml;r bezahlt, f&uuml;r ihn Kinder auszutragen. Selbst der Mensch ist f&uuml;r ihn nur ein Produkt, das man durch k&uuml;nstliche Befruchtung und Genkontrolle nach den eigenen Vorstellungen herstellen kann. Thiel und ein Sohn von Trump sponsern die &bdquo;Enhanced Games&ldquo;, Menschenversuche mit kontrolliertem Doping, um die Leistungsgrenzen des K&ouml;rpers auszutesten.<\/p><p>Es ist letztlich der Wahn, den Menschen, ganze Gesellschaften und die Welt durch Technik nach eigenen Vorstellungen zu formen. Das ist das Prinzip der kybernetischen Steuerung als Hybris, Perversion und gelebte Psychose. Karp, Thiel, Musk und ein paar andere halten sich f&uuml;r die Weltherrscher und kapieren gar nicht, dass sie lediglich die westlichen Demokratien zerst&ouml;ren und so den Raum schaffen f&uuml;r eine &Uuml;bergangsphase der Ochlokratie, also der Herrschaft des P&ouml;bels. Zu bestaunen in den USA mit Donald Trump und J. D. Vance als Marionetten der Techmonarchen an der vermeintlichen Spitze des Staates, bevor das System in einem technologischen Totalitarismus m&uuml;ndet. Technik ist nur das Mittel und die Infrastruktur, es geht um Macht und Herrschaft.<\/p><p><strong>Ergo m&uuml;sste zuerst der Kapitalismus &uuml;berwunden werden, um den Wahnsinn zu &uuml;berwinden?<\/strong><\/p><p>Wenn man das, was derzeit in den USA zu beobachten ist, noch Kapitalismus nennen will, ja. Es ist ja eher eine marktradikale Version neoliberaler, libert&auml;rer Monopolisierung von Infrastruktur und Diensten, die nur dem Eigennutz weniger Narzissten und Psychos dient. Das schlie&szlig;t den Kreis zur Enzyklika des Papstes, der einfordert, dass Technik und Wirtschaft dem Gemeinwohl und der Humanit&auml;t dienen m&uuml;ssen und kein Selbstzweck im Dienst kleiner Eliten sein d&uuml;rfen. Und das Wichtigste dabei ist: Man kann sich wehren.<\/p><p><strong>Wie?<\/strong><\/p><p>In Deutschland muss man dazu nur das Grundgesetz lesen &ndash; und umsetzen. In Artikel 14 hei&szlig;t es: &bdquo;Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen&ldquo;, und laut Absatz 3 ist eine Enteignung &bdquo;zum Wohle der Allgemeinheit zul&auml;ssig&ldquo;. Die Bundes- und Landesregierungen haben die Pflicht, den Einsatz von Wirtschaftsmacht und Technologien wie der KI zugunsten des Gemeinwohls zu steuern, zu reglementieren und notfalls Unternehmen zu vergesellschaften und\/oder zu zerschlagen beziehungsweise Dienste, die sich gegen Demokratie und Gemeinwohl richten, in Europa zu verbieten.<\/p><p>So, wie wir in der Politik wieder eine wehrhafte Demokratie werden m&uuml;ssen, m&uuml;ssen wir in der Wirtschaft wieder eine soziale und humane Wirtschaft werden, die nicht nur auf Shareholder Value und Rendite schielt, sondern auf soziale Verantwortung, Gemeinschaft und Gemeinwohl ausgerichtet ist. Dass Papst Leo XIV. seine erste Lehrschrift diesem Thema widmet, zeigt nur, wie weit wir uns durch Fortschrittsglauben und Technikfixierung von einer humanen und sozialen Gemeinschaft entfernt haben.<\/p><p><strong>Vielen Dank f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><p><small>Titelbild: CineVI\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/5ee000c4f230498593483d04d4331153\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Papst warnt in seiner ersten Enzyklika vor existenziellen Risiken der K&uuml;nstlichen Intelligenz f&uuml;r Individuen und V&ouml;lker. In den H&auml;nden von Monopolen drohten &bdquo;Entmenschlichung&ldquo; und &bdquo;Kolonialismus&ldquo;. Richtig und wichtig findet <strong>Ralf Lankau<\/strong> den Vorsto&szlig; und hofft auf neue Impulse in der Diskussion. 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