{"id":151068,"date":"2026-05-27T10:00:05","date_gmt":"2026-05-27T08:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151068"},"modified":"2026-05-27T09:31:57","modified_gmt":"2026-05-27T07:31:57","slug":"zwischen-vertreibung-und-hoffnung-wie-der-libanon-ums-ueberleben-kaempft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151068","title":{"rendered":"Zwischen Vertreibung und Hoffnung: Wie der Libanon ums \u00dcberleben k\u00e4mpft"},"content":{"rendered":"<p>Aus dem s&uuml;dlichen Libanon sind seit Anfang M&auml;rz mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben worden. Trotz eines von den USA verk&uuml;ndeten und k&uuml;rzlich erneut verl&auml;ngerten Waffenstillstandes greift die israelische Armee t&auml;glich D&ouml;rfer, Stra&szlig;en, Br&uuml;cken, medizinische Einrichtungen und Agrarland an. Die Zahl der Toten, Verletzten und der zerst&ouml;rten D&ouml;rfer steigt t&auml;glich. Eine Reportage von <strong>Karin Leukefeld<\/strong> (Tyros, Beissour\/Libanon).<br>\n<!--more--><br>\nIsrael will eine Pufferzone zum Schutz der eigenen Bev&ouml;lkerung einrichten. Es spricht von Verteidigung gegen die &bdquo;Terrororganisation Hisbollah&ldquo;, die entwaffnet, zerschlagen, vernichtet werden soll, wie der israelische Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanjahu gerade zum wiederholten Mal <a href=\"#flips-6396617289112:0\">erkl&auml;rt hat<\/a>. Der S&uuml;dlibanon und S&uuml;dbeirut w&uuml;rden aussehen wie Rafah und Khan Younis (Gazastreifen), so der israelische Verteidigungsminister Israel Katz.<\/p><p>Die libanesische Hisbollah beruft sich auf das <a href=\"https:\/\/ihl-databases.icrc.org\/en\/ihl-treaties\/api-1977\">1. Zusatzprotokoll der Genfer Konvention 1977<\/a> und erkl&auml;rt, dass sie die Souver&auml;nit&auml;t des Libanon gegen eine rassistische Kolonial- und Besatzungsmacht verteidigt.<\/p><p>Die Bewohner des s&uuml;dlichen Libanon suchen Zuflucht in der Hauptstadt Beirut, deren s&uuml;dliche Vororte ebenfalls in Tr&uuml;mmern liegen. Notunterk&uuml;nfte gibt es in Tyros, Sidon, in der Bekaa-Ebene und zahlreichen Orten im K&uuml;stengebirge. Die Hilfsbereitschaft der Bev&ouml;lkerung ist gro&szlig;, die Autorin hat verschiedene Orte besucht und mit denen gesprochen, die vertrieben wurden, und denen, die helfen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-00-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-00-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Litani Fluss. Foto von provisorisch reparierter Qasmiya Br&uuml;cke &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p><strong>Der umk&auml;mpfte S&uuml;dlibanon<\/strong><\/p><p>Der Verkehr auf der K&uuml;stenstra&szlig;e Richtung S&uuml;den wird deutlich weniger, je mehr man sich der Qasmiya-Br&uuml;cke n&auml;hert. Es ist die letzte Br&uuml;cke, die den Fluss Litani &uuml;berquert, bevor er in das Mittelmeer m&uuml;ndet. Am 9. April wurde die Br&uuml;cke von der israelischen Luftwaffe zwei Mal bombardiert und zerst&ouml;rt. Sieben Br&uuml;cken &uuml;berquerten den Litani und verbanden den S&uuml;dlibanon und die westliche Bekaa-Ebene mit dem Rest des Landes. Alle Br&uuml;cken hat Israel zerst&ouml;rt. Die Qasimiya-Br&uuml;cke wurde von der libanesischen Armee provisorisch wieder aufgebaut, um den Transport zum Hauptquartier der UN-Friedenstruppe UNIFIL in Naqoura und Hilfslieferungen in den besonders von israelischen Angriffen betroffenen S&uuml;dlibanon zu erm&ouml;glichen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-01-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-01-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Fahrt nach Tyros. Rote Kreuz Konvoi auf dem Weg in den S&uuml;dlibanon &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>Der Litani geh&ouml;rt zu einem weit verzweigten Netz von Wasserl&auml;ufen, die sich vom Norden &uuml;ber die Golanh&ouml;hen bis zum Tiberias-See erstrecken und das Gebiet gr&uuml;n und fruchtbar machen. Bis zum Ersten Weltkrieg geh&ouml;rte das fruchtbare Ackerland zu Pal&auml;stina oder Bilad as-Sham und war von dort ans&auml;ssigen Familien seit Jahrhunderten bewirtschaftet worden. Es war der Brotkorb f&uuml;r Damaskus im Osten, Jerusalem im S&uuml;den, f&uuml;r den Berg Libanon und Beirut im Norden.<\/p><p>1916 wurde Pal&auml;stina und Bilad as-Sham durch Gro&szlig;britannien und Frankreich zerteilt (Sykes-Picot 1916), und mit der Erkl&auml;rung des britischen Au&szlig;enministers Lord Balfour (1917) wurde der Zionistischen Nationalbewegung zugesagt, dort eine &bdquo;j&uuml;dische Heimstatt in Pal&auml;stina&ldquo; zu errichten. Nach dem Ersten Weltkrieg, bei der Pariser Friedenskonferenz (1919\/20) hatte die Zionistische Nationalbewegung eine Landkarte vorgelegt, wonach ihr Gebietsanspruch f&uuml;r die &bdquo;j&uuml;dische Heimstatt&ldquo; in Pal&auml;stina im Norden bis zum Litani-Fluss reichen sollte. Heute macht die Netanjahu-Regierung keinen Hehl daraus, dass sie genau das mit ihren Angriffen im S&uuml;dlibanon und mit der Errichtung einer &bdquo;Pufferzone&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/DWW4El6j_Iu\/\">umsetzen will<\/a>.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-02-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-02-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Karte mit Gebietsanspruch f&uuml;r die &lsquo;j&uuml;dische Heimstadt&rsquo; in Pal&auml;stina bis zum Litani Fluss im Libanon &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p><strong>Aus einem Garten wird eine G&auml;rtnerei<\/strong><\/p><p>Die Qasimiya-Br&uuml;cke ist knapp 20 Kilometer von der historischen Hafenstadt Tyros entfernt. Schon 2024 hatte die Autorin dort in einem Geb&auml;ude der libanesischen Universit&auml;t von Tyros Inlandsvertriebene aus den s&uuml;dlichen D&ouml;rfern entlang der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; getroffen. Mit einem Arbeitsprogramm der UN-Frauenorganisation hatten Frauen dort einen Garten angelegt, wo sie Kr&auml;uter, Salat und Gem&uuml;se anpflanzen konnten.<\/p><p>Zwei Jahre sp&auml;ter sind die Fl&uuml;chtlingsfamilien noch immer dort. Aus dem Garten ist eine G&auml;rtnerei geworden, wo auch Blumenstauden, Rosmarin und Thymian zum Verkauf herangezogen werden. Daneben liegt ein gro&szlig;es Feld, auf dem im Wechsel Kartoffeln, Kohl oder anderes Gem&uuml;se w&auml;chst. Blumenstauden aller Art sind entlang der Umrandung gepflanzt. Drei gro&szlig;e Hallen begrenzen das Feld auf einer Seite, wo Tomaten und Paprika unter hohen Zeltd&auml;chern herangezogen werden.<\/p><p>Vor dem Universit&auml;tsgeb&auml;ude, in dem die Fl&uuml;chtlingsfamilien untergebracht sind, herrscht im Gegensatz zu 2024 reges Treiben. Die Union der Gemeinden von Tyros ist f&uuml;r die Versorgung der Menschen verantwortlich und hat auf dem Gel&auml;nde ihre Zentrale. Hier werden Inlandsvertriebene registriert, hier erhalten sie erste Hilfe, hier werden sie an andere Unterk&uuml;nfte weitergeleitet. Der Leiter der Einrichtung sitzt an einem gro&szlig;en Tisch und ist umgeben von Frauen und Kindern, die sich und ihre Familien registrieren wollen. Er h&ouml;rt sie an, vergleicht ihre Namen auf gro&szlig;en Listen, die vor ihm auf dem Tisch liegen, und verweist sie an andere Mitarbeiter, die an Computern die Registrierung fortsetzen.<\/p><p><strong>Leben und arbeiten in einer Notunterkunft<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Autorin hat er keine Zeit, verweist sie aber an die Medienabteilung, die von dem libanesischen Journalisten Bilal Kashmar geleitet wird. Er nimmt sich Zeit, um die Situation zu erkl&auml;ren.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-03-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-03-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Der Journalist Bilal Kashmar leited das Medienzentrum Union der st&auml;dtischen Mitarbeiter Tyros &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>Seit Beginn des neuen Krieges Anfang M&auml;rz gebe es in Tyros 13 Notaufnahmepl&auml;tze, in denen insgesamt 4.000 Personen untergebracht seien, sagt er. Au&szlig;erhalb dieser Unterk&uuml;nfte lebten weitere 17.000 Menschen in Zelten oder in Wohnungen, die sie gemietet h&auml;tten oder unentgeltlich nutzen k&ouml;nnten. Alle k&auml;men aus den Grenzd&ouml;rfern um Bint Jbeil, Marjajoun, Naqoura und aus dem Umland von Tyros.<\/p><p>Aus den Kriegsjahren 2023 und 2024 seien noch 60 Familien in Tyros untergebracht. Damals sei auch das Agrarprojekt der UN-Frauenorganisation ins Leben gerufen worden. Die meisten Frauen aus den s&uuml;dlichen D&ouml;rfern seien B&auml;uerinnen und konnten so ihre Kenntnisse in der Landwirtschaft nutzen, erkl&auml;rt Bilal Kashmar. Die Fl&uuml;chtlingsfrauen arbeiteten jeweils einen Monat in dem Projekt und erhielten f&uuml;r ihre Arbeit einen Tageslohn. Nach einem Monat &uuml;bernehme eine andere Gruppe von Frauen die Arbeit und so rotierten die Arbeiterinnen, damit alle in den Genuss bezahlter Arbeit kommen k&ouml;nnten.<\/p><p>Neu hinzugekommen sei eine K&uuml;che, die t&auml;glich f&uuml;r die Fl&uuml;chtlinge koche. Die K&uuml;chenarbeiterinnen arbeiteten nach dem gleichen Prinzip wie die Frauen in dem Agrarprojekt. Arbeit und Aufgaben w&uuml;rden wechseln, monatlich werde ein K&ouml;chinnenteam durch ein anderes ersetzt. Nach dem gleichen Prinzip h&auml;tten auch die M&auml;nner Arbeit gefunden. Sie verteilten die Hilfspakete mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln, Matratzen und spezielle Pakete mit Babynahrung an die Familien. &bdquo;Jeder Einzelne wird hier registriert und erh&auml;lt nach Gr&ouml;&szlig;e der Familie monatlich ein oder zwei Hilfspakete&ldquo;, erkl&auml;rt Bilal Kashmar und f&uuml;gt hinzu, dass die Hilfe alle Inlandsvertriebenen erhielten: &bdquo;Die 4.000, die in Notunterk&uuml;nften leben, und die 17.000, die au&szlig;erhalb der Notunterk&uuml;nfte eine Bleibe gefunden haben.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-04-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-04-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Verteilung von Hilfsg&uuml;tern an Inlandsvertriebene in Tyros &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>Aktuell seien 691 pal&auml;stinensische und 400 syrische Fl&uuml;chtlinge bei ihnen registriert, hinzu k&auml;men etwa 15 Personen aus afrikanischen L&auml;ndern wie Sudan und &Auml;thiopien. 3.555 Kinder im Alter zwischen 0 und 17 Jahren seien registriert, weder Kindergarten noch Schulunterricht k&ouml;nnte angeboten werden. Die Hilfe werde von der Regierung in Beirut, genauer gesagt vom Rat f&uuml;r den S&uuml;dlibanon zur Verf&uuml;gung gestellt. Finanziert werde die Hilfe durch ausl&auml;ndische Regierungen, teilweise auch durch Hilfsorganisationen. &bdquo;Wir sehen hier allerdings sehr, sehr viel weniger ausl&auml;ndische Hilfsorganisationen als bei fr&uuml;heren Konflikten&ldquo;, f&uuml;gt der Journalist hinzu. &bdquo;Das hat nat&uuml;rlich politische Gr&uuml;nde.&ldquo;<\/p><p>Der Journalist f&uuml;hrt die Gr&uuml;nde nicht weiter aus, doch schon an anderer Stelle hat die Autorin geh&ouml;rt, dass vor allem europ&auml;ische Regierungen nicht helfen wollen, weil Hisbollah und Israel involviert seien. Israel sieht Hilfe f&uuml;r die libanesische Bev&ouml;lkerung als Hilfe f&uuml;r Hisbollah an, eine Sichtweise, die von Verb&uuml;ndeten Israels in den USA oder Europa nicht erkl&auml;rt, aber offenbar doch &uuml;bernommen wird.<\/p><p>Die Notunterk&uuml;nfte und die rotierende Arbeit f&uuml;r die Vertriebenen in Tyros werden vor allem von der Union der Gemeinden von Tyros, von libanesischen, spanischen, einer australischen Hilfsorganisation und von der Frauenorganisation der Vereinten Nationen unterst&uuml;tzt. Das libanesische Rote Kreuz schickt zwei Mal w&ouml;chentlich eine Ambulanz, wo die Leute sich untersuchen lassen k&ouml;nnen. Allerdings gibt es in Tyros auch Arztpraxen und Kliniken, die die Vertriebenen versorgen.<\/p><p>Seit die israelischen Angriffe immer n&auml;her r&uuml;ckten, seien nur noch wenige Journalisten in Tyros, sagt Bilal Kashmar. Es sei wichtig, dass es Fotos und Berichte aus ihrem Gebiet g&auml;be, doch &bdquo;&auml;ndern werden sie nichts&ldquo;. Die Zeit des Vietnamkrieges, als Berichte von Journalisten &uuml;ber Gr&auml;ueltaten und Kriegsverbrechen noch einen Krieg stoppen konnten, diese Zeit sei vorbei. Neue Waffen, politische R&uuml;cksichtslosigkeit, Missachtung internationalen Rechts und der Vereinten Nationen bestimmten das Geschehen. In Europa, auch in Deutschland gehe es um Auftr&auml;ge f&uuml;r die R&uuml;stungsindustrie. Und diejenigen, die angegriffen w&uuml;rden, d&auml;chten auch nur daran, Waffen zu bekommen, mit denen sie sich wehren und ihr Land verteidigen k&ouml;nnten. &bdquo;Wir hatten immer Sympathien f&uuml;r Europa und f&uuml;hlten uns den Gesellschaften dort nahe&ldquo;, so der Journalist. &bdquo;Aber jetzt sehen wir niemanden von dort hier, bei uns.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-05-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-05-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Munifa Odaibi ist K&uuml;chenchefin. T&auml;glich werden 4000 Mahlzeiten f&uuml;r die Inlandsvertriebenen in Tyros zubereitet &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>Es ist Mittagszeit. Aus der gegen&uuml;berliegenden K&uuml;che zieht der Duft von Essen durch die G&auml;nge. Bilal Kashmar begleitet die Autorin hin&uuml;ber und stellt sie dem Team um Munifa Obeida vor, die K&uuml;chenchefin. Munifa teilt die Arbeit ein, kontrolliert, ob die Kocht&ouml;pfe nicht zu hei&szlig; werden, und beh&auml;lt den &Uuml;berblick. An der Wand h&auml;ngt der Essensplan f&uuml;r die Woche: Reis und Gem&uuml;se, Reis und Huhn, Reis und Gulasch, Kartoffeln und Gem&uuml;se. Heute gibt es <em>Mujadarrah<\/em>, ein einfaches, typisches s&uuml;dlibanesisches Gericht der Landbev&ouml;lkerung. Daf&uuml;r werden Zwiebeln angebraten und mit Linsen und Gew&uuml;rzen zu einem Eintopf gemischt. Gekocht wird auf Gaskochern, die Frauen wechseln sich beim Umr&uuml;hren des Essens in den gro&szlig;en T&ouml;pfen ab.<\/p><p>&bdquo;Wir fangen morgens um acht Uhr an und sind meist gegen vier Uhr am Nachmittag fertig&ldquo;, sagt Munifa fr&ouml;hlich. Die Vorbereitung des Gem&uuml;ses werde drau&szlig;en gemacht, dann gehe es in der K&uuml;che weiter. Wenn das Essen fertig sei, werde es in Plastikschalen gef&uuml;llt, in Kisten verpackt und zu den einzelnen Notunterk&uuml;nften gefahren. In der K&uuml;che gehe es dann an das Abwaschen und Aufr&auml;umen, damit am n&auml;chsten Morgen alles bereit f&uuml;r die Arbeit sei. Munifa strahlt unter ihrem eng anliegenden Kopftuch und scherzt mit den K&ouml;chinnen. &bdquo;F&uuml;r <em>Mujadarrah<\/em> brauchen wir Geduld. Es muss immer ger&uuml;hrt werden, damit es nicht anbrennt.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-06-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-06-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>K&ouml;chinnen des K&uuml;chenprojekts. T&auml;glich werden 4000 Mahlzeiten f&uuml;r die  Notunterk&uuml;nfte gekocht. &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>An der Wand weisen die Logos auf die f&uuml;nf Organisationen hin, die die Arbeit im K&uuml;chenprojekt und auch in der G&auml;rtnerei finanziell unterst&uuml;tzen. Beide Projekte werden von einer &bdquo;Auf Frauen ausgerichteten Notfallhilfe&ldquo; getragen. Die Tr&auml;ger sind zwei libanesische Hilfsorganisationen, eine Organisation aus Australien und UN-Women, das Frauenprogramm der Vereinten Nationen.<\/p><p><strong>Meine Kinder sind mein Leben<\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ck im B&uuml;ro von Bilal Kashmar geht es noch einmal um die Frage, ob die Autorin mit Familien sprechen k&ouml;nne. Die Familien f&uuml;hlten sich aber inzwischen oft gest&ouml;rt und bedr&auml;ngt, vor allem weil ihre Lebensumst&auml;nde sehr beengt und einfach seien, der libanesischen Gastfreundschaft nicht angemessen. Also hat der Journalist eine Frau aus dem K&uuml;chenprojekt gebeten, die Fragen der ausl&auml;ndischen Journalisten zu beantworten.<\/p><p>Farah (Die Gl&uuml;ckliche) Ali Hejazi beginnt z&ouml;gernd, sch&uuml;chtern zu erz&auml;hlen. Sie komme aus Aita Shaab, an der Grenze, wo sie mit Mann und Kindern gelebt habe. Zum ersten Mal sei sie mit der Familie 2023 nach Tyros geflohen. Doch nach dem Waffenstillstand Ende 2024 seien sie zur&uuml;ck ins Dorf gegangen und h&auml;tten dort 15 Monate leben k&ouml;nnen, bevor sie Anfang M&auml;rz erneut vertrieben wurden. F&uuml;nf Kinder habe sie, vier M&auml;dchen und Mohammad, einen 14-j&auml;hrigen Jungen. Das Leben in der Notunterkunft sei f&uuml;r sie alle schwierig, r&auml;umt sie ein. Sie teilten sich einen Klassenraum mit einer anderen Familie, ihre jeweiligen Bereiche seien durch eine Trennwand geteilt. Besonders schwierig sei, sich das Bad mit so vielen Frauen zu teilen. Alle hofften, bald wieder in ihre D&ouml;rfer zur&uuml;ckkehren zu k&ouml;nnen.<\/p><p>&bdquo;Niemand ist gl&uuml;cklich&ldquo;, sagt sie leise. &bdquo;Wir sind alle m&uuml;de.&ldquo; Die Flucht sei furchtbar gewesen, das Auto sei kaputt gegangen, sie h&auml;tten mehr als einen Tag gebraucht, um Tyros zu erreichen. Gut sei, dass sie in der K&uuml;che arbeiten k&ouml;nne. Sie bereite das Gem&uuml;se zu, das anschlie&szlig;end gekocht werde. Ihr Arbeitsplatz mit den anderen Frauen sei drau&szlig;en vor der K&uuml;che, aber manchmal w&uuml;rden sie auch wechseln. Ihr Mann k&ouml;nnte immer mal wieder im Lager arbeiten, doch so ein Leben seien sie nicht gewohnt. &bdquo;Im Dorf hat er wie alle anderen gearbeitet und auch ich hatte meine Aufgaben. Die Kinder gingen zur Schule (&hellip;)&ldquo;. Die schmale Frau verstummt und blickt auf ihre H&auml;nde. &bdquo;Ich m&ouml;chte nur, dass es meinen Kindern gut geht, dass sie gl&uuml;cklich werden, dass sie in Frieden leben k&ouml;nnen, mit allen anderen Menschen.&ldquo; Und nach einer kurzen Pause f&uuml;gt Farah hinzu: &bdquo;Meine Kinder sind mein Leben, durch sie atme ich.&ldquo; Ein L&auml;cheln zieht &uuml;ber ihr Gesicht, sie steht auf und legt den Arm um einen Jungen, der durch die T&uuml;re sieht: &bdquo;Mein Sohn Mohammad&ldquo;, sagt sie stolz.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-07-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-07-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Farah Ali Hejazi mit ihrem Sohn Mohammad. meine Kinder sind mein Leben. &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>Der Weg zur&uuml;ck nach Beirut f&uuml;hrt erneut &uuml;ber die provisorisch errichtete Qasimiya-Br&uuml;cke. Rechts und links liegt Agrarland, das weiterhin von der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung und syrischen Landarbeitern bearbeitet wird. Was f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung des Libanon Lebensgrundlage, Souver&auml;nit&auml;t und Bewegungsfreiheit bedeutet, ist f&uuml;r den Staat Israel milit&auml;risches Gel&auml;nde. Geht es nach Tel Aviv und seinen Verb&uuml;ndeten, soll der Litani-Fluss die zuk&uuml;nftige Grenze werden.<\/p><p><strong>Gastfreundschaft im Berg Libanon<\/strong><\/p><p>Auch im Drusengebiet des Berg Libanon haben Inlandsvertriebene aus den s&uuml;dlichen Vororten von Beirut und aus dem S&uuml;dlibanon Zuflucht gefunden. Der Ort Beissour hat rund 10.000 Einwohner und versorgte im Krieg 2024 mehr als 5.000 Hilfesuchende. Dieses Mal haben die Beh&ouml;rden 4.000 Inlandsvertriebene registriert. Nur wenige von ihnen sind in der einzigen Notunterkunft des Ortes, einer Schule untergekommen. Die meisten Vertriebenen wurden von Familien aufgenommen oder haben sich, wenn sie genug Geld hatten, in eine der Ferienwohnungen in Beissour eingemietet.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-08-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-08-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Auf den H&ouml;hen des Berg Libanon K&uuml;stengebirge &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>Der Ort liegt rund 900 Meter &uuml;ber dem Meeresspiegel und ist etwa 25 Kilometer von Beirut entfernt. Beissour ist wegen der frischen k&uuml;hlen Luft und den umliegenden Pinienw&auml;ldern ein beliebter Ferienort und Ausgangspunkt zahlreicher Wanderwege. In dem Ort leben Drusen und Christen, die Vertriebene und Hilfesuchende nicht abweisen.<\/p><p>In einer Schule wartet Kamal Matar vom Ministerium f&uuml;r soziale Angelegenheiten. Hier sei die einzige Notunterkunft des Ortes, erkl&auml;rt er, 247 Personen seien in der Schule registriert. Das Ministerium sorge f&uuml;r Essen, das t&auml;glich von einer Gro&szlig;k&uuml;che geliefert werde. Die Familien in der Schule k&ouml;nnten die K&uuml;che nutzen, sie w&uuml;rden mit Strom, Wasser und die Kinder f&uuml;r Online-Unterricht auch mit Internet versorgt. Medizinische Versorgung sei mehrmals w&ouml;chentlich m&ouml;glich, dabei w&uuml;rden die &ouml;rtlichen Gesundheitszentren auch von <em>M&eacute;decins sans Fronti&egrave;res<\/em>, den &Auml;rzten ohne Grenzen, unterst&uuml;tzt. Pro Klassenraum seien zwei bis drei Familien untergebracht, je nachdem, wie gro&szlig; diese seien. Innerhalb der Klassenr&auml;ume w&uuml;rden die Bereiche mit Schutzw&auml;nden abgetrennt. Meist seien die Familien innerhalb eines Klassenraums miteinander verwandt. Lebensmittel und Hygieneartikel w&uuml;rden monatlich verteilt.<\/p><p>Das Gespr&auml;ch wird wiederholt von Bewohnern der Schule unterbrochen, die mit ihren Fragen zu den Mitarbeitern des Ministeriums kommen: Wann wird das Essen geliefert, wann bekommen wir Internetverbindung, wann wird wieder ein Arzt in die Schule kommen? Ansonsten herrscht in der Eingangshalle und auf dem Schulhof reges Treiben. Die Menschen sitzen in kleinen Gruppen zusammen, manche rauchen Narquila, die beliebte Wasserpfeife. Jungs spielen Fu&szlig;ball, die &auml;lteren Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler sitzen mit ihren Handys abseits, zeigen sich kleine Filme oder diskutieren miteinander.<\/p><p>Die meisten k&auml;men aus den s&uuml;dlichen Vororten von Beirut, antwortet Kamal Matar auf die Frage nach der Herkunft der Vertriebenen. Doch auch aus dem S&uuml;dlibanon, aus Nabatieh, Toul, Qana seien Familien gekommen. Die beiden Ministeriumsmitarbeiter werden von &ouml;rtlichen Freiwilligen wie Omar al Aridi unterst&uuml;tzt. Es sei gut, dass die Hilfsg&uuml;ter zentral durch das Ministerium verteilt w&uuml;rden, sagt er. Doch die Regierung habe wenig Erfahrung mit der Unterst&uuml;tzung von Vertriebenen, und so dauere manches sehr lang. 93 Kinder unter 18 Jahren seien registriert, die eigentlich zur Schule gehen m&uuml;ssten. Das aber sei nicht gew&auml;hrleistet und f&uuml;r Kinder und Eltern ein Problem. Allerdings g&auml;be es unter den Vertriebenen eine Lehrerin aus den s&uuml;dlichen Vororten von Beirut, die habe sich bereit erkl&auml;rt, die Kinder t&auml;glich zu unterrichten.<\/p><p><strong>Nimm Deinen Stift und ein Blatt Papier und l&auml;chele<\/strong><\/p><p>Die Lehrerin hei&szlig;t Ghazal, ihre Familie musste Ruweiss verlassen, einen Ortsteil im s&uuml;dlichen Beirut, der bei israelischen Angriffen schwer verw&uuml;stet wurde. Sie, ihr Mann und die beiden Jungen seien schon vor dem Krieg in Beissour gewesen, um Urlaub zu machen, erz&auml;hlt sie. Von Anfang an h&auml;tten sie sich sehr wohl unter den Bewohnern von Beissour gef&uuml;hlt, sie seien gastfreundlich, aufgeschlossen und ohne Vorurteile. Sie h&auml;tten sich wie in einer gro&szlig;en Familie gef&uuml;hlt und mit einigen seien sie in Verbindung geblieben. Als der Krieg 2024 begann, seien sie sofort nach Beissour gefahren und dann erneut im M&auml;rz 2026.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-09-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-09-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Hadi (links) und Mehdi (rechts) S&ouml;hne der Lehrerin Ghazal &ndash; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/div><p>Ghazal stellt ihre beiden Jungen vor: Hadi ist 16 und Mehdi 14,5. Beide seien sehr gut in der Schule, f&uuml;gt sie stolz hinzu. &bdquo;Das liegt an unserer Mutter, sie ist stellvertretende Leiterin einer Schule und hat uns von Anfang an an das Lernen gew&ouml;hnt&ldquo;, sagt Hadi und zwinkert mit den Augen. Er bereitet sich auf das Baccalaureate vor, etwa vergleichbar mit dem deutschen Abitur. Ihm fehle die Schule sehr, die angebotenen Online-Kurse nehme er wahr, aber es sei nicht vergleichbar mit richtigem Unterricht. Mehdi, der j&uuml;ngere von beiden, strahlt und sagt, er sei froh &uuml;ber die Freizeit ohne Schule. &bdquo;Kein Unterricht bedeutet, niemand kann mich hier wie eine Zitrone ausquetschen&ldquo;, erkl&auml;rt er. Er wolle Ingenieur werden, sagt Mehdi. Sp&auml;ter wolle er eine eigene, libanesische Autoproduktion aufbauen. Auf seinem Handy zeigt er die Pl&auml;ne, die er entworfen hat, um das erste &bdquo;rein libanesische Auto&ldquo; zu entwickeln und zu bauen. Der &auml;ltere Bruder Hadi sch&uuml;ttelt den Kopf und sagt, Mehdi sei ein Tr&auml;umer und habe immer wieder neue Ideen. Er selbst wolle im Libanon studieren, vielleicht k&ouml;nne er Bankkaufmann werden und sich in K&uuml;nstlicher Intelligenz schulen lassen. Die Zukunft f&uuml;r beide ist offen, meint die Mutter, doch beide seien wirklich sehr, sehr gute Sch&uuml;ler.<\/p><p>Die beiden Jungen vermissen ihr Zuhause. Alles habe sich ver&auml;ndert, ihre eigene Lebensart, Familienkultur, ihre Freunde, die Schule, die Nachbarn fehlten. Auch die Mutter vermisst ihr Zuhause, sagt sie. &bdquo;Ich vermisse meine K&uuml;che, meine Arbeit und ich vermisse meine Mutter sehr. Sie ist bei der Familie meines Bruders.&ldquo;<\/p><p>Um die Zeit gut zu nutzen, biete sie den Jugendlichen in der Notunterkunft t&auml;glich drei Stunden Unterricht an. Die 49 Sch&uuml;ler und Sch&uuml;lerinnen habe sie in drei Gruppen aufgeteilt: die Vorschulkinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die Grundsch&uuml;ler im Alter von sechs bis zehn Jahren und die fortgeschrittenen Sch&uuml;ler im Alter von zehn bis 13 Jahren. F&uuml;r die &auml;lteren Sch&uuml;ler &ndash; auch f&uuml;r ihre S&ouml;hne &ndash; werde Online-Unterricht angeboten.<\/p><p>Gelernt wird in einem gro&szlig;en Raum, in dem die drei Gruppen verteilt sitzen. Entsprechend der Altersstufe mache sie mit allen Sch&uuml;lern das Gleiche: arabische Sprache, englische Sprache und Mathematik. Sie bereite Arbeitsb&ouml;gen mit Fragen vor, die von den Sch&uuml;lern beantwortet werden m&uuml;ssten. Die B&ouml;gen w&uuml;rden von ihr korrigiert und manchmal gebe es Pr&uuml;fungen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-10-leukefeld.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/260507-10-leukefeld.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div><small>Die Familie der Lehrerin Ghazal mit der Autorin &ndash; &copy; Privat<\/small><\/div><p>&bdquo;Die Kinder haben viele Probleme&ldquo;, berichtet die Lehrerin. &bdquo;Jedes einzelne Kind hat viel, manche haben alles verloren. Ihr Zuhause, beide Eltern oder einen Elternteil, Geschwister.&ldquo; Das treffe besonders auf die Kinder zu, die aus dem S&uuml;dlibanon geflohen seien. Manche seien mit Onkel oder Tante oder mit Gro&szlig;eltern gekommen. Ein, zwei Mal die Woche k&auml;me eine Psychologin mit einem Kinderarzt, die mit den Kindern sprechen und sie untersuchen w&uuml;rden. &bdquo;Wir alle sind traurig&ldquo;, sagt sie auf die Frage, wie sie pers&ouml;nlich das Leid, von dem sie erfahre, verarbeiten k&ouml;nne. F&uuml;r die Kinder sei es furchtbar, manche w&uuml;rden nicht mehr sprechen, nicht mehr essen, isolierten sich von den anderen, w&uuml;rden krank.<\/p><p>Auch f&uuml;r sie pers&ouml;nlich, f&uuml;r ihren Mann und die S&ouml;hne sei es schwer. Besonders der &auml;ltere, Hadi, sei sehr traurig und leide unter der Situation. &bdquo;F&uuml;r Mehdi, den J&uuml;ngeren, ist es anders. Er findet immer etwas, wof&uuml;r er sich begeistern kann, er hat ein fr&ouml;hliches Gem&uuml;t.&ldquo; Doch &bdquo;auch wenn wir lachen, wir alle sind sehr traurig. Es ist schwer, nicht zu Hause sein zu k&ouml;nnen.&ldquo; Sie selbst sehe jeden Morgen in den Spiegel und sage zu sich: &bdquo;L&auml;chele!&ldquo; Und den gleichen Rat gebe sie ihren S&ouml;hnen und ihren Sch&uuml;lern jeden Tag mit auf den Weg: &bdquo;Nimm Deinen Stift, ein Blatt Papier und l&auml;chele!&ldquo;<\/p><p><strong>Helfen steht an erster Stelle<\/strong><\/p><p>Der Schulleiter ist gekommen und m&ouml;chte die Autorin sehen, die in seiner Schule Recherchen &uuml;ber die Vertriebenen anstellt. Er k&ouml;nne zwar einer ausl&auml;ndischen Journalistin kein Interview geben, da ihm die Genehmigung des libanesischen Schulministeriums fehle, seines Arbeitgebers. Doch gegen ein Gespr&auml;ch habe er nichts einzuwenden, m&ouml;chte nur namentlich nicht genannt werden. Dann wird starker Kaffee eingeschenkt.<\/p><p>Die Libanesen seien ein geduldiges Volk, sagt der Schulleiter, der auch Lehrer der Physik ist. Es g&auml;be verschiedene Parteien, doch wenn es um Libanon gehe und um die Vertriebenen, stehe &bdquo;Helfen immer an erster Stelle&ldquo;. Die meisten seien im Laufe ihres Lebens schon einmal von israelischen Truppen vertrieben worden, auch Beissour wollten die Israelis 1982 einnehmen, doch sie alle &ndash; Drusen und Christen &ndash; haben sich ihnen entgegengestellt. Aktuell sei die Lage im Libanon schwierig, weil es enormen Druck von au&szlig;en g&auml;be. &bdquo;Wir sind mit starker Einmischung konfrontiert, aus politischem Interesse.&ldquo; Die ausl&auml;ndischen Kr&auml;fte, die sich einmischten, suchten sich jedes Mal wieder F&uuml;hrer innerhalb des Landes, die sie f&uuml;r ihre Interessen nutzen k&ouml;nnten, f&uuml;gt er hinzu: &bdquo;F&uuml;hrer von Familien, von Unternehmen, von Religionen, von Parteien.&ldquo; Die w&uuml;rden dann mit Macht und Geld unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Die Libanesen, die Bev&ouml;lkerung allgemein h&auml;tten damit nichts zu tun, seufzt er. Sie seien diejenigen, die den Preis bezahlen m&uuml;ssten. Auf die Frage, welches das gr&ouml;&szlig;te Problem f&uuml;r den Libanon sei, die Religion oder die ausl&auml;ndische Einmischung, sagt der Schulleiter nach einer kurzen Denkpause: &bdquo;Israel ist unser zentrales Problem. Seit meiner Kindheit ist Israel hier viele Male einmarschiert, und mit jedem Mal ist die Einmischung und sind die Probleme im Libanon gr&ouml;&szlig;er geworden. Ich sage dazu nur eins: Wer mein Land besetzt, ist mein Feind.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: &ldquo;Verteilung von Hilfsg&uuml;tern an Inlandsvertriebene in Tyros&rdquo; &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem s&uuml;dlichen Libanon sind seit Anfang M&auml;rz mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben worden. Trotz eines von den USA verk&uuml;ndeten und k&uuml;rzlich erneut verl&auml;ngerten Waffenstillstandes greift die israelische Armee t&auml;glich D&ouml;rfer, Stra&szlig;en, Br&uuml;cken, medizinische Einrichtungen und Agrarland an. Die Zahl der Toten, Verletzten und der zerst&ouml;rten D&ouml;rfer steigt t&auml;glich. Eine Reportage von <strong>Karin Leukefeld<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151068\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":151069,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,171],"tags":[1651,1055,2829,2222,1557,1583,303,2376,2360],"class_list":["post-151068","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-aerzte-ohne-grenzen","tag-fluechtlinge","tag-hisbollah","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-libanon","tag-palaestina","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/260507-04-leukefeld.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151068","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=151068"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151068\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151073,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151068\/revisions\/151073"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/151069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=151068"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=151068"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=151068"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}