{"id":151201,"date":"2026-05-30T12:00:17","date_gmt":"2026-05-30T10:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151201"},"modified":"2026-05-29T15:54:16","modified_gmt":"2026-05-29T13:54:16","slug":"gold-gegen-glasperlen-kritik-an-neuem-freihandelsabkommen-eu-mexiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151201","title":{"rendered":"\u201eGold gegen Glasperlen&#8221;: Kritik an neuem Freihandelsabkommen EU-Mexiko"},"content":{"rendered":"<p>Das Abkommen wurde neun Jahre verhandelt und braucht noch die Ratifizierung. 72 Organisationen aus Lateinamerika und der EU warnen vor einseitigen Vorteilen f&uuml;r Konzerne. Von <strong>Philipp Gerber<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMexiko-Stadt. Die EU-Kommissionspr&auml;sidentin Ursula von der Leyen und die mexikanische Pr&auml;sidentin Claudia Sheinbaum haben in Mexikos Hauptstadt ein neues Freihandelsabkommen unterzeichnet. Im Rahmen der Unterzeichnungszeremonie kritisierten 72 Organisationen aus Lateinamerika und der EU das Abkommen, da in erster Linie die Privilegien f&uuml;r Konzerne ausgeweitet w&uuml;rden.<\/p><p>Angesichts der Abschottungspolitik von US-Pr&auml;sident Donald Trump wollen Mexiko und die EU ihre Handelsbeziehungen und ihre internationale Zusammenarbeit ausbauen. Im Gegensatz zum ersten Freihandelsvertrag aus dem Jahr 2000 werden im &bdquo;modernisierten Globalabkommen&rdquo; neben Handelsfragen auch der Klimawandel, Menschenrechte und internationale Zusammenarbeit thematisiert.<\/p><p>Europ&auml;ische Unternehmen sollen k&uuml;nftig st&auml;rker in Bereichen wie Infrastruktur, Energie oder Pharmaindustrie investieren. Mexikanische Agrarbetriebe erhalten zollfreien Zugang zu europ&auml;ischen Absatzm&auml;rkten. Anl&auml;sslich der Unterzeichnung des Abkommens am 22. Mai sprach von der Leyen von einem &bdquo;fantastischen Abkommen&rdquo; und k&uuml;ndigte Investitionen im Wert von f&uuml;nf Milliarden Euro an. Sheinbaum erkl&auml;rte, der Vertrag biete die M&ouml;glichkeit, &bdquo;eine strategische Beziehung zu festigen&rdquo;, die auf gegenseitigem Respekt und einer gemeinsamen Zukunft beruhe.<\/p><p>Den hohen Erwartungen der mexikanischen Regierung zum Trotz kritisieren viele Organisationen die umstrittenen Aspekte des Abkommens, das neun Jahre lang ausgehandelt wurde und nun noch von den jeweiligen Parlamenten ratifiziert werden muss.<\/p><p>Bettina M&uuml;ller, Referentin f&uuml;r Handels- und Investitionspolitik der Berliner NGO PowerShift, kritisiert, dass im Abkommen Umwelt- und Menschenrechtsstandards unverbindlich bleiben, &bdquo;w&auml;hrend Unternehmen sehr konkrete Zugangsrechte erhalten&rdquo;. Zudem erleichtere das Abkommen europ&auml;ischen Unternehmen den Zugang zu mexikanischen Rohstoffen.<\/p><p>Auch die Mechanismen zum Schutz ausl&auml;ndischer Investitionen werden gest&auml;rkt, insbesondere in strategischen Sektoren wie Energie und Bergbau. Ra&uacute;l Benet, Biologe an der Fakult&auml;t f&uuml;r Naturwissenschaften der mexikanischen Universit&auml;t UNAM, warnt, dass diese Mechanismen es europ&auml;ischen Unternehmen erm&ouml;glichen, vor internationalen Schiedsgerichten Klage gegen den mexikanischen Staat zu erheben, wenn sie der Ansicht sind, dass neue Gesetze ihre Investitionen oder erwarteten Gewinne beeintr&auml;chtigen. &bdquo;Dies k&ouml;nnte beispielsweise der Fall sein, wenn Mexiko Umweltvorschriften versch&auml;rft, Bergbauprojekte einschr&auml;nkt, indigene Gebiete sch&uuml;tzt oder Energievorschriften &auml;ndert, wobei fairerweise anzumerken ist, dass das Abkommen die Energiesouver&auml;nit&auml;t und das Recht des mexikanischen Staates, in diesem Bereich Gesetze zu erlassen, formal anerkennt&rdquo;, schreibt Benet.<\/p><p>Der Aktivist und Biologe erinnert daran, dass europ&auml;ische Unternehmen in Mexiko nicht unbedingt als Tr&auml;ger fortschrittlicher Umweltstandards auftreten, sondern vielmehr &bdquo;an Rohstoffgewinnung, Energieversorgung, Industrie, Immobilienwirtschaft und Tourismus beteiligt sind, die zu territorialen Konflikten f&uuml;hren&rdquo;. Das Paradoxon bestehe darin, dass ein als &bdquo;gr&uuml;n&rdquo; pr&auml;sentiertes Abkommen letztendlich &bdquo;unter dem Deckmantel der Dekarbonisierung eine neue Welle der Rohstoffausbeutung in mexikanischen Territorien&rdquo; ausl&ouml;sen k&ouml;nnte. &bdquo;Wir tauschen immer noch Gold gegen Glasperlen ein&rdquo;, bedauert Benet.<\/p><p>Die j&uuml;ngsten Beispiele f&uuml;r solche Projekte sind der umstrittene Bau der gr&ouml;&szlig;ten Ammoniakfabrik Lateinamerikas auf indigenem Gebiet in Sinaloa durch das schweizerisch-deutsche Unternehmen Proman, finanziert durch die deutsche KfW IPEX-Bank (<em>amerika21<\/em> berichtete). In Michoac&aacute;n beschuldigen Vertreter von indigenen Nahua-Gemeinden das Bergbauunternehmen Ternium mit Hauptsitz in Luxemburg, in das gewaltsame Verschwinden des Anwalts Ricardo Lagunes und des Aktivisten Antonio D&iacute;az Valencia verwickelt zu sein (<em>amerika21<\/em> berichtete).<\/p><p>Auch Manuel P&eacute;rez Rocha, Forscher am Institute for Policy Studies mit Sitz in Washington, sieht &bdquo;eine sehr starke Ungleichheit&rdquo; in den Freihandelsabkommen. &bdquo;Die Gewinner sind die gro&szlig;en Konzerne, die exportieren und importieren; ich glaube nicht, dass dies f&uuml;r den Kleinbauern von Vorteil ist&rdquo;, erkl&auml;rt er. P&eacute;rez Rocha ist der Ansicht, das Hauptinteresse der europ&auml;ischen Unternehmen sei es, sich in Mexiko als Exportplattform f&uuml;r den US-Markt zu etablieren.<\/p><p>Das f&uuml;r Mexiko besorgniserregendste Thema, betont P&eacute;rez Rocha, seien &bdquo;die zahlreichen Klagen ausl&auml;ndischer Unternehmen, bei denen Zahlungen in H&ouml;he von mehreren Milliarden US-Dollar ausstehen&rdquo;. Er bedauert, dass &bdquo;es in Mode gekommen ist, zu sagen, man m&uuml;sse Rechtssicherheit schaffen, um Investitionen anzuziehen, doch Rechtssicherheit sollte eigentlich dem Staat und den Gemeinden zugutekommen&rdquo;.<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2026\/05\/285688\/freihandelsabkommen-eu-mexiko\">Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Zafer Kurt \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Abkommen wurde neun Jahre verhandelt und braucht noch die Ratifizierung. 72 Organisationen aus Lateinamerika und der EU warnen vor einseitigen Vorteilen f&uuml;r Konzerne. Von <strong>Philipp Gerber<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":151202,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,30],"tags":[2760,3360,380,895,2052,1570],"class_list":["post-151201","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-bodenschaetze","tag-europaeische-union","tag-export","tag-freihandel","tag-investitionen","tag-mexiko"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/shutterstock_2590925595.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151201","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=151201"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151260,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151201\/revisions\/151260"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/151202"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=151201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=151201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=151201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}