{"id":151209,"date":"2026-05-31T15:00:05","date_gmt":"2026-05-31T13:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151209"},"modified":"2026-05-30T16:02:12","modified_gmt":"2026-05-30T14:02:12","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151209","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (14)"},"content":{"rendered":"<p>In dieser 14. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; haben wir einige k&uuml;rzere Beitr&auml;ge gesammelt: Kindheitserinnerungen eines kleinen M&auml;dchens, das im Keller des Flughafens Tempelhof auf seine Mutter wartet, Berichte &uuml;ber den Verlust eines guten Freundes, &uuml;ber ein gef&auml;hrliches Missverst&auml;ndnis mit feindlichen Soldaten, das sich zum Gl&uuml;ck aufkl&auml;ren lie&szlig;, und &uuml;ber Familien, in denen der Krieg tiefe Wunden riss.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3104\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-151209-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260531_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_14_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260531_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_14_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260531_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_14_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260531_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_14_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=151209-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260531_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_14_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260531_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_14_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.<\/p><p>Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816\">achten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812\">neunten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150802\">zehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038\">elften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151098\">zw&ouml;lften Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151156\">dreizehnten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Wir Kinder kannten nicht den Grund<\/strong><\/p><p>&bdquo;Ich bin in 1938 geboren. Wir wohnten in Tempelhof nahe dem Flughafen. Als die Angriffe immer heftiger wurden und wir fast jede Nacht im Keller verbrachten, erfuhr meine Mutter von der M&ouml;glichkeit, kleine Kinder abends zum Flughafen zu bringen, damit sie die Nacht ruhig ohne Fliegeralarm dort verbringen konnten. Am Morgen wurden sie wieder von ihren M&uuml;ttern abgeholt. Ich war 4-5 Jahre. Wir Kinder wurden mit dem Fahrstuhl in den unteren Teil des Flughafens gebracht. Und ich glaube, es gab auch ein Abendbrot. Die gr&ouml;&szlig;te Sorge, die ich hatte, war, dass meiner Mutter etwas passiert sei und sie mich nicht am Morgen abholen k&ouml;nnte.<\/p><p>Ca. 1942 bin ich mit meiner Mutter nach Schlesien verschickt worden, um weiter ein etwas ruhiges Leben zu haben. Dort wurde ich ca. 1944 eingeschult und in der Erinnerung war unser Leben dort gut, bis die Russen im Dorf einmarschierten. Meine Mutter und andere M&uuml;tter mit den Kindern mussten jede Nacht ein geheimes Quartier suchen, um zu &uuml;bernachten. Wir Kinder kannten nicht den Grund, aber viel sp&auml;ter verstand ich den Grund: die Angst, dass die Russen sie vergewaltigen k&ouml;nnten.<\/p><p>Diese Erlebnisse lassen mich nicht los und ich verstehe nicht, warum wir &ldquo;kriegst&uuml;chtig&rdquo; werden m&uuml;ssen, anstatt alles daf&uuml;r zu tun, um in keinen Krieg gezogen zu werden.&ldquo;<\/p><p>Diese Zeilen habe ich heute von meiner Mutter auf meine Bitte, etwas aufzuschreiben, bekommen, handgeschrieben, fotografiert und per WhatsApp verschickt. Sie ist Gro&szlig;mutter von vier &ldquo;Jungs&rdquo; zwischen 27 und 36 Jahren und einer kleinen Enkelin.<\/p><p>Unsere Familie in Berlin war in meiner Erinnerung ziemlich gro&szlig;, ich hatte auch das Gl&uuml;ck, meine Urgro&szlig;eltern m&uuml;tterlicherseits kennenzulernen. An meinen Urgro&szlig;vater erinnere ich mich noch sehr gut: Er war steinalt und hatte einen Klumpfu&szlig;; Verletzung aus dem Ersten Weltkrieg, wie es mir erz&auml;hlt wurde.<\/p><p>Der Vater meines Vaters ist gefallen. Er wurde 31 Jahre alt.<\/p><p>Ich danke euch sehr f&uuml;r diese Initiative und den Ansto&szlig;, mit den Erinnerungen &bdquo;rauszur&uuml;cken&ldquo;. Im Laufe der Jahre habe ich schon ab und zu etwas geh&ouml;rt &uuml;ber die Kriegsjahre &ndash; nicht viel. Dass meine Mutter im Alter von vier Jahren ohne ihre Mutter in den Luftschutzkeller abstieg, h&ouml;rte ich erst vor Kurzem, und die Geschichte mit Oma in Schlesien las ich heute zum ersten Mal. <\/p><p>Wer will seine Kinder auch mit solchen Sachen belasten? Es bleiben eben Kinder, auch wenn sie 25, 40 oder jetzt 60 sind. <\/p><p>Und? Haben wir genug gefragt? Ich glaube, wir haben es vers&auml;umt. <\/p><p>Und wir waren gutgl&auml;ubig in dem Mantra, dass so etwas niemals mehr passieren darf.<\/p><p>Petra Kabisch<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&ldquo;Er lag da, als w&auml;re er gar nicht tot&rdquo;<\/strong><\/p><p>Liebe NachDenkSeiten,<\/p><p>herzlichen Dank f&uuml;r ihre unermesslich wertvolle Arbeit.<\/p><p>Ver&ouml;ffentlichen Sie gern unentgeltlich &ndash; wenn es passt &ndash; meinen kurzen Artikel &uuml;ber die Kriegserinnerungen meines Vaters.(&hellip;)<\/p><p>Danke<br>\nMichael Haas<\/p><p>Menschen, die im Frieden aufgewachsen sind, k&ouml;nnen sich das Grauen des Krieges nicht vorstellen. Danke, dass ihr Erinnerungen daran ver&ouml;ffentlicht und so dem Frieden dient.<\/p><p>Ich bin Jahrgang 1958, also 13 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren.<\/p><p>Meine Eltern haben mir vom Krieg erz&auml;hlt. Meine Mutter sagte einmal: &bdquo;Die Besten sind nicht zur&uuml;ckgekommen.&rdquo; Einmal habe ich einen Brief meines Vaters aus dem Lazarett an seine Eltern gelesen, der irgendwie die Jahre &uuml;berdauert hat.<\/p><p>Er ist 1924 geboren, hat sich mit 17 freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, war lange in Russland im Krieg. Er starb vor 20 Jahren. Ein Freund von ihm, Michael, ist bei einem Angriff gefallen. Wie besch&ouml;nigend dieses Wort ist: &bdquo;gefallen&ldquo;. Niemand w&uuml;rde bei einem Opfer w&auml;hrend eines Bankraubs von gefallen sprechen. Ein wenig klingt es, als k&ouml;nne das Sterben im Krieg richtig sein, notwendig vielleicht, als w&auml;re es etwas Ehrenvolles.<\/p><p>&bdquo;Er lag da, als w&auml;re er gar nicht tot&rdquo;, erz&auml;hlte mein Vater. &bdquo;Mit offenem Mund, auf dem R&uuml;cken, die Augen geschlossen, als schliefe er, die Arme und Beine entspannt. Sein Gesicht war friedlich. Als wir ihn umdrehten, sahen wir das Loch im Hinterkopf. Beim Laufen im Sturmangriff rei&szlig;t du den Mund auf.&rdquo; Mein Vater wischte sich mit der Hand eine Tr&auml;ne aus dem Augenwinkel. Ich frage mich manchmal, ob mein Vorname eine Erinnerung an diesen &lsquo;Gefallenen&lsquo; ist. Und stelle mir vor, wie es ist, einen Freund auf solche Weise zu verlieren.<\/p><p>&bdquo;Die Propaganda der Nazis war raffiniert. Da gab es den widerlichen Film &lsquo;Jud S&uuml;&szlig;&lsquo;, der das scheinbar Absto&szlig;ende dieser Menschen auf den Punkt bringen sollte. Die Slaven Russlands wurden als Untermenschen bezeichnet, dabei sahen sie aus wie wir und k&auml;mpften, scheinbar ohne Angst vor dem Tod. Es wurden Bilder von armen slavischen Menschen ver&ouml;ffentlicht. Das waren die angeblichen Untermenschen. Wenn du nichts zu essen hast, siehst du schnell &auml;ngstlich und hilflos aus und kannst als scheinbarer Beweis f&uuml;r Untermenschentum missbraucht werden.&rdquo;<\/p><p>Er erz&auml;hlte von Reiterangriffen in Russland in deutschem Maschinengewehrfeuer, das alles, Soldaten und Pferde niederm&auml;hte. Eine Mischung aus Grauen und Erstaunen &uuml;ber diese Bilder spiegelte sich in seinem Gesicht. &bdquo;Hunderte starben sinnlos. Und sie wussten, dass sie keine Chance hatten. Es kam mir vor, als wollten sie uns zeigen, dass wir Russland nur besiegen k&ouml;nnen, wenn wir jeden umbringen.&rdquo;<\/p><p>&bdquo;Du kannst dir nicht vorstellen, was Menschen zu leiden im Stande sind. Wir gruben uns frierend H&ouml;hlen im Schnee, manchmal mit blo&szlig;en H&auml;nden. Nach der Kapitulation von General Paulus in Stalingrad war der Krieg im Grunde verloren. Aber wer das sagte, riskierte, wegen Wehrkraftzersetzung erschossen zu werden. Irgendwie hofften wir auf ein Wunder und darauf, dass sich die Engl&auml;nder und Amis doch noch gegen die Russen werfen w&uuml;rden. Abwegig war diese Hoffnung nicht. Schlie&szlig;lich soll Churchill nach dem Krieg gesagt haben: &sbquo;Wir haben das falsche Schwein geschlachtet.&lsquo;&rdquo;<\/p><p>&bdquo;Wir waren auf Erkundung in einem Wald, die Maschinenpistolen im Anschlag. Pl&ouml;tzlich sah ich M&uuml;ndungsfeuer. Im selben Moment hat mich die Kugel erwischt. Die Russen sa&szlig;en in den B&auml;umen. Verletzt lag ich im Schnee zwischen jungen Tannen, wo ich kaum zu sehen war. Unsere Einheit musste sich zur&uuml;ckziehen. Ich hoffte, dass mich der Feind nicht finden w&uuml;rde. Am Abend gelang unseren M&auml;nnern ein Gegenangriff. Ich wurde in ein Lazarett gebracht.&rdquo;<\/p><p>Die Lebenspartnerin meines Vaters zeigte mir Jahre nach seinem Tod den Brief an seine Eltern aus dem Lazarett. Er war voll Respekt ihnen gegen&uuml;ber und dem Gedanken an seine Pflicht als Soldat gepr&auml;gt. Au&szlig;erdem schrieb er von seiner unendlichen M&uuml;digkeit und der Hoffnung, dass der Wahnsinn ein Ende f&auml;nde.<\/p><p>Ein Loch in der Schulter meines Vaters erinnerte an den Schuss des Russen. Einmal fragte meine Schwester Sylvia den passionierten J&auml;ger: &ldquo;Papi, haben die Russen gedacht, du bist ein Bock?&rdquo;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Meine Mutter guckte direkt in das Kanonenrohr eines Panzers<\/strong><\/p><p>Kleine Episode aus Kriegszeiten:<\/p><p>Meine Mutter wohnte in einem besch&auml;digten Haus, der Luftdruck einer Bombe in der Nachbarschaft hatte den Dachstuhl eingedr&uuml;ckt. Ihr erster Mann ist in Smolensk an Fleckfieber gestorben. Meinen Vater lernte sie in dieser Zeit kennen, da er als Elektriker einen Job als Strom-Z&auml;hler-Ableser hatte. Ob es noch im Krieg war, wei&szlig; ich nicht. Jedenfalls klopfte es heftig an der Eingangst&uuml;r, meine Mutter &ouml;ffnete und guckte direkt in das Kanonenrohr eines Panzers, der direkt vor der T&uuml;r stand. Eine Stimme rief: &bdquo;Hier vor einigen Minuten bum-bum&rdquo;. Nach einigen Minuten &Uuml;berlegen kam die L&ouml;sung &ndash; mein Vater hatte die Eigenart, die Holz-Rolladen an den Fenstern immer besonders schnell herunterzulassen, was ein Maschinengewehr-&auml;hnliches Ger&auml;usch erzeugte. Der Panzerfahrer gab sich erst dann zufrieden, nachdem mein Vater noch einmal das Rolladen-Herunterlassen demonstrierte, das war das &bdquo;bum-bum&ldquo;.<\/p><p>Mein Vater war im Krieg am Scheinwerfer zu Gange, mit denen nachts die Flieger angestrahlt wurden, um sie zu lokalisieren. Ein sehr gef&auml;hrlicher Job, denn nicht selten er&ouml;ffneten die Flieger dann das Maschinengewehrfeuer in Richtung Scheinwerfer. Er hatte Gl&uuml;ck.<\/p><p>Ich habe nach 18 Monaten Wehrdienst anschlie&szlig;end verweigert und wurde auch anerkannt, da mich der Militarismus regelrecht angewidert hat.<\/p><p>E.J.A.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&bdquo;Ihr wart ja nicht im Krieg, ihr wart ja nicht im Krieg&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Jahrgang 1950:<\/p><p>Aufgewachsen in einem Dorf, durch das der Westwall ging, alle 500 Meter ein Bunker, dort gespielt und auf Tr&uuml;mmergrundst&uuml;cken und Feldern, auf denen Granaten lagen, Handgranate mit nach Hause genommen, sah so interessant aus, hatte einen Schutzengel. <\/p><p>Keinen Schutzengel hatten der Bruder meiner Mutter, die M&auml;nner meiner Tanten, Nachbar Onkel Willy im Rollstuhl &bdquo;Onkel Willy, warum hast du keine Beine&ldquo;, Opa vom Nachbarjungen lag zerfetzt im abgedunkelten Zimmer.<\/p><p>Und immer wieder mein Vater &bdquo;Ihr wart ja nicht im Krieg, ihr wart ja nicht im Krieg&ldquo;.<\/p><p>Krieg h&ouml;rt nicht auf mit dem Ende des Krieges.<\/p><p>Johanna St&uuml;rtzel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Er war auf der &bdquo;Tirpitz&ldquo; gewesen.<\/strong><\/p><p>Als Jg. 65 geh&ouml;re ich zu den Begnadeten, die noch keinen Krieg erleben mussten. <\/p><p>Erinnern kann ich mich an die Erz&auml;hlungen von Gro&szlig;onkel Willi, der beide Weltkriege als Soldat mitgemacht hat. Wirklich betroffen gemacht hat mich, als ich herausgefunden habe, dass mein Gro&szlig;vater, der kurz vor meiner Geburt starb, noch weitere S&ouml;hne gehabt hat, die alle den Krieg nicht &uuml;berlebt haben. Es wurde so gut wie nie dar&uuml;ber gesprochen. Irgendwann wurde dann der Letzte f&uuml;r tot erkl&auml;rt. Er war auf der &bdquo;Tirpitz&ldquo; gewesen.<\/p><p>Als ich im Winter auf einem Schiff in den nordnorwegischen Gew&auml;ssern unterwegs war &ndash; warm, satt und unbedroht -, bin ich nachts drau&szlig;en gewesen, habe die K&auml;lte gesp&uuml;rt und in das undurchsichtige, tiefschwarze Wasser geschaut. Ich habe mir vorgestellt, wie die jungen M&auml;nner, die kaum erwachsen geworden sind,im Stahlrumpf des Schiffes eingeschlossen, gekentert, ohne gro&szlig;e Chance auf Rettung in Dunkelheit im eisigen Wasser auf ihren Tod gewartet haben. Sie konnten nicht mal mehr um ihr Leben k&auml;mpfen. Nach dem ersten Chaos, nach dem vergeblichen Versuch, irgendetwas zu finden, um der Situation zu entkommen, wird ihnen t&ouml;dlich bewu&szlig;t geworden sein, dass sie hier, mutterseelenallein, irgendwo im Nirgendwo, elendig verrecken werden. Die schiere Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Panik und &Uuml;berlebenskampf werden sich bis zum bitteren Ende abgewechselt haben.<\/p><p>Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt es, Menschen einem derartigen Horror auszusetzen. Kriege werden <strong>immer<\/strong> Oben gegen Unten gef&uuml;hrt.<\/p><p>Ute Giesen<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&bdquo;Denn wir waren ja im falschen Krieg gewesen!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Liebe Journalisten der NachDenkSeiten,<\/p><p>mit gro&szlig;er Hochachtung vor Ihrem unerm&uuml;dlichen Bem&uuml;hen um Frieden<\/p><p>danke und gr&uuml;&szlig;e ich herzlich,<\/p><p>Karen Bauer<\/p><p>W&auml;hrend wieder Luftwaffe mit ihren &Uuml;bungen &uuml;ber unsere K&ouml;pfe und H&auml;user donnert, erinnere ich mich:<\/p><p>Mein Vater wurde mit 18 Jahren kurz vor dem Abitur aus der Schule heraus rekrutiert, kurzzeitig ausgebildet und als ju&#776;ngster Kapita&#776;nleutnant der Marine nach Norwegen entsendet. Sein Schiff, ein als Minensuchboot umgebauter Walfischfa&#776;nger als Begleitboot eines Flottenverbands, wurde von der englischen Luftwaffe angegriffen.<\/p><p>Mein Vater wurde schwer verwundet, Granatensplitter durchdrangen seinen Bauchraum, seine Geda&#776;rme purzelten auf den Schiffsboden, er sammelte sie wieder ein, dru&#776;ckte sie in den Bauch zuru&#776;ck und blieb auf der Bru&#776;cke. Weitere Splitter verankerten sich in seinen Beinen. Sp&auml;ter im Lazarett gab man nichts auf sein Leben, ein Sarg stand schon bereit. Er schwebte lange zwischen Leben und Tod.<\/p><p>Den zersto&#776;rten Ko&#776;rper behielt er sein Leben lang, die Splitter in den Beinen wurden nie entfernt, die Giftstoffe des Metalls waren im Verdacht, seinen Tod sp&auml;ter durch Hautkrebs verursacht zu haben.<\/p><p>Mein Vater kam als 22-ja&#776;hriger junger Mann aus dem Krieg heim und durfte nicht hoffen, einmal eine Frau zu finden, die mit den Verletzungen zurechtkam. Welch Kummer! Er verlor seinen Heimatort und Elternhaus, seine Eltern und Geschwister waren geflohen und zerstreut. Er sagte einmal zu mir: <\/p><p>&bdquo;Das Grausamste aber war, heimzukehren und vom eigenen Volk angespuckt zu werden, denn wir waren ja im falschen Krieg gewesen!&rdquo;<\/p><p>Mein Gro&szlig;vater m&uuml;tterlicherseits starb als Soldat 1939. Meine Gro&szlig;mutter zog ihre drei kleinen Kinder alleine gro&szlig;.<\/p><p>Meine Gro&szlig;tante und ihr Gatte verloren im Ersten Weltkrieg alle vier So&#776;hne als Soldaten an der Front.<\/p><p>Mein Schwiegervater wurde mit 16 Jahren an die Front geworfen, Zeit seines Lebens durfte man ihn nicht nach seinen Erfahrungen fragen, er schwieg &uuml;ber seine Erlebnisse.<\/p><p>Meine Tante mit ihren 16 Lenzen stand in der Verantwortung fu&#776;r ein Dutzend weiterer Ma&#776;dchen an Flakscheinwerfern. Alle ihre Kameradinnen verloren bei einem Luftangriff ihr Leben, allein meine Tante blieb zuru&#776;ck. Das hat sie nie verwunden.<\/p><p>Eine Gro&szlig;tante und ihre Tochter wurden von russischen Soldaten vergewaltigt. Als weitere Truppen kamen, wurde die Tochter in einem Erdloch versteckt. Diese Gro&szlig;tante kannte man nie mehr wirklich fro&#776;hlich.<\/p><p>Jungen Menschen lege ich einige Bu&#776;cher ans Herz, dies nur eine kleine Auswahl:<\/p><ul>\n<li>Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses,Dee Brown<\/li>\n<li>Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque<\/li>\n<li>Eleni, Niclas Gage<\/li>\n<li>Geschichte eines Deutschen, Sebastian Haffner<\/li>\n<li>Christus kam nur bis Eboli,Carlo Levi<\/li>\n<li>Trotzdem ja zum Leben sagen, Viktor Frankl<\/li>\n<li>Geboren am 4 Juli, Ron Kovic<\/li>\n<li>Imperium USA, Daniele Ganser<\/li>\n<li>Das Ukraine-Kartell, Thomas Ro&#776;per<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser 14. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; haben wir einige k&uuml;rzere Beitr&auml;ge gesammelt: Kindheitserinnerungen eines kleinen M&auml;dchens, das im Keller des Flughafens Tempelhof auf seine Mutter wartet, Berichte &uuml;ber den Verlust eines guten Freundes, &uuml;ber ein gef&auml;hrliches Missverst&auml;ndnis mit feindlichen Soldaten, das sich zum Gl&uuml;ck aufkl&auml;ren lie&szlig;, und &uuml;ber Familien, in denen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151209\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":151210,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3652,2104,2394,966],"class_list":["post-151209","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-erinnerungen-gegen-den-krieg-serie","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Tromsoe_Royal_Air_Force_Bomber_Command_1942-1945_CL2830.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=151209"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151339,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151209\/revisions\/151339"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/151210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=151209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=151209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=151209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}