{"id":151219,"date":"2026-05-29T13:05:27","date_gmt":"2026-05-29T11:05:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151219"},"modified":"2026-05-29T14:23:36","modified_gmt":"2026-05-29T12:23:36","slug":"schlafwandelt-deutschland-in-den-atomkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151219","title":{"rendered":"Schlafwandelt Deutschland in den Atomkrieg?"},"content":{"rendered":"<p>Wie nah steht Europa am nuklearen Abgrund? W&auml;hrend die offizielle Sicherheitspolitik Gefahren verharmlost, warnen Diplomaten und Wissenschaftler eindringlich vor der aktuellen Eskalationsdynamik. Auf Einladung der BSW-Europaabgeordneten Ruth Firmenich und Michael von der Schulenburg analysierten Politiker und Wissenschaftler in Berlin den Kriegskurs der EU.<br>\n<strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong> fasst die Analysen zusammen und verdeutlicht, warum der sicherheitspolitische Kurs der Bundesregierung Deutschland existenziellen Gefahren aussetzt.<br>\n<!--more--><br>\nDass die USA ihre Pl&auml;ne zur Stationierung neuer atomar best&uuml;ckbarer Mittelstreckenraketen in Deutschland vorerst auf Eis gelegt haben, ist nach Ansicht des renommierten Atomphysikers Theodore Postol &bdquo;zwar eine gute Nachricht, aber keine Entwarnung&ldquo;. Der Wissenschaftler, der in seiner aktiven Zeit selbst an der strategischen Planung von Atomkriegen beteiligt war, betonte, dass diese Entscheidung keineswegs auf rationaler Einsicht beruhe. Die Gefahr bleibt pr&auml;sent, zumal die Bundesregierung laut der BSW-Au&szlig;enpolitikerin Sevim Da&#287;delen bereits eigene Alternativen erw&auml;gt. Da&#287;delen bezeichnet den Aufbau von Raketenkapazit&auml;ten als &bdquo;gef&auml;hrliches Vabanquespiel&ldquo;.<\/p><p>Durch die Veranstaltung f&uuml;hrte Michael von der Schulenburg als Moderator; gemeinsam mit Sevim Da&#287;delen, Theodore Postol und Ivana Nikoli&#263; Hughes legte er die reale Gefahr einer nuklearen Eskalation aus physikalischer und v&ouml;lkerrechtlicher Sicht offen, gefolgt von einer Fragerunde mit dem Publikum.<\/p><p><strong>Verlust der Vernunft<\/strong><\/p><p>Zu Beginn unterstrich der ehemalige hochrangige UN-Diplomat Michael von der Schulenburg die Dringlichkeit der Lage. Angesichts von weltweit rund 15.000 Atomwaffen schwebe die Welt in einer gr&ouml;&szlig;eren Gefahr als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg. Besonders kritisch bewertete der erfahrene Vermittler in Konflikten die aktuelle europ&auml;ische Au&szlig;enpolitik:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir Europ&auml;er kratzen st&auml;ndig an den roten Linien und provozieren. Wir gehen immer weiter und h&auml;ngen uns immer tiefer in diesen Krieg hinein.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Er verwies auf Debatten &uuml;ber Drohnenlieferungen, die strategische Kontrolle der Ostsee oder theoretische Planspiele, Kaliningrad im Handstreich zu nehmen: &bdquo;Dass es da hei&szlig;t, man k&ouml;nne mit 22.000 Soldaten Kaliningrad einfach &uuml;berrennen &ndash; all das w&uuml;rde ganz sicher zu einem Atomkrieg f&uuml;hren.&ldquo;<\/p><p>Ein Vergleich zur Kubakrise fiel d&uuml;ster aus: &bdquo;Es ist heute viel gef&auml;hrlicher als damals&ldquo;, stellte der Diplomat fest. W&auml;hrend man 1962 mit John F. Kennedy, Nikita Chruschtschow und Papst Johannes XXIII. noch Staatsm&auml;nner gehabt habe, die &ndash; teilweise gegen den Widerstand ihrer eigenen Milit&auml;rs &ndash; zum Frieden f&auml;hig waren, fehle es heute an einem solchen diplomatischen Korrektiv.<\/p><p>Auf ein historisches Detail, das im &ouml;ffentlichen Bewusstsein kaum pr&auml;sent ist, machte von der Schulenburg aufmerksam: Deutschland hatte zuletzt im Jahr 1939 eine explizite Milit&auml;rstrategie, bevor Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) k&uuml;rzlich eine solche wieder vorstellte. Die Ank&uuml;ndigung, die Bundeswehr bis zum Jahr 2039 zur st&auml;rksten konventionellen Armee Europas auszubauen, bewertete der ehemalige UN-Diplomat als ein brandgef&auml;hrliches Spiel. Da Russland darin als ausgemachter Feind benannt werde, wirke dieses Vorhaben wie eine direkte Provokation. Schulenburg warnte davor, dass genau jene Gefahr, die durch die Aufr&uuml;stung abgewendet werden solle, durch dieses aggressive Vorgehen erst heraufbeschworen werde.<\/p><p><strong>Eskalationsrisiken statt Abschreckung<\/strong><\/p><p>Eine fundamentale Dekonstruktion der aktuellen Berliner Regierungsstrategie stellt die sicherheitspolitische Analyse von Sevim Da&#287;delen (BSW) dar. Sie ordnet das Handeln der Bundesregierung nicht als Reaktion auf externe Bedrohungen ein, sondern als Teil einer bewussten, offensiven Transformation Deutschlands. In ihrer Rede bezeichnete die BSW-Au&szlig;enpolitikerin das Vorgehen als &bdquo;ungeheuerliches, absolut verantwortungsloses Vabanquespiel&ldquo; und stellte die zentrale Frage in den Raum: &bdquo;Riskiert Berlin einen Atomkrieg gegen Russland und zulasten ganz Europas?&ldquo;<\/p><p>Sie kritisierte, dass Deutschland seine Rolle als Stabilit&auml;tsfaktor im Zentrum Europas zugunsten einer untergeordneten, aber risikoreichen Rolle in der NATO-Struktur aufgegeben habe. &bdquo;Die geplante massive Aufr&uuml;stung und die Einbindung der Ukraine in EU-Beistandsstrukturen dienen als Katalysator, um Deutschland als konventionelle Milit&auml;rmacht in eine geostrategische Arbeitsteilung mit den USA zu zwingen&ldquo;, urteilte die fr&uuml;here Bundestagsabgeordnete.<\/p><p>Nach ihrer Auffassung werde Deutschland damit gezielt als &bdquo;zentraler logistischer und operativer St&uuml;tzpunkt&ldquo; instrumentalisiert. Besonders kritisch bewertete sie den Erwerb sogenannter Deep-Strike-Systeme. Diese Waffen, die Angriffe auf milit&auml;rische Infrastrukturen weit im russischen Hinterland erm&ouml;glichen, bezeichnete sie als strategischen Fehler, der die Schwelle f&uuml;r eine nukleare Eskalation systematisch absenke.<\/p><p><strong>V&ouml;lkerrechtliche Erosion<\/strong><\/p><p>Einen zentralen Teil ihrer Argumentation widmete die BSW-Au&szlig;enpolitikerin dem Bruch v&ouml;lkerrechtlicher Normen. Da&#287;delen erinnerte nachdr&uuml;cklich an den Zwei-plus-Vier-Vertrag, der Deutschland v&ouml;lkerrechtlich zur Abwesenheit von atomaren, biologischen und chemischen Waffen verpflichtet. &bdquo;Die heutige deutsche Politik unterl&auml;uft diese Vertr&auml;ge systematisch, indem sie &sbquo;nukleare Teilhabe&lsquo; und Deep-Strike-F&auml;higkeiten als Sicherheitsgarantien verkauft, die in Wahrheit das Zielgebiet Deutschland bei einer Eskalation nur noch vulnerabler machen&ldquo;, so Da&#287;delen.<\/p><p>Sie prangerte in diesem Zusammenhang eine &bdquo;v&ouml;lkerrechtliche Schizophrenie&ldquo; an: W&auml;hrend die Bundesregierung auf dem Papier internationale Standards bekr&auml;ftige, werde durch die Stationierung von US-Atomwaffen und die Ablehnung des Vertrags &uuml;ber das Verbot von Atomwaffen (TPNW) die diplomatische Architektur der Krisenpr&auml;vention de facto ausgeh&ouml;hlt.<\/p><p>Besonders scharf ins Gericht ging die Au&szlig;enpolitikerin mit der Debatte um eigene deutsche Atomwaffen. &bdquo;Allein die Tatsache dieser Enttabuisierung zeigt, wie irre die politischen Eliten geworden sind. Die eigene Atombombe w&auml;re nach der konventionellen Raketenr&uuml;stung der letzte gro&szlig;e Dammbruch&ldquo;, warnte Da&#287;delen. Dass f&uuml;hrende Vertreter der Union &ndash; wie etwa Johann Wadephul &ndash; &bdquo;insgeheim l&auml;ngst darauf zielen&ldquo;, nannte sie einen v&ouml;lkerrechtlichen Skandal, da der Atomwaffenbesitz im &bdquo;Fundament unserer Wiedervereinigung&ldquo;, dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, &bdquo;unumst&ouml;&szlig;lich ausgeschlossen&ldquo; sei.<\/p><p><strong>Soziale Kosten des &bdquo;Vabanquespiels&ldquo;<\/strong><\/p><p>Da&#287;delen stellte auch den Zusammenhang zwischen Aufr&uuml;stung und sozialer Stabilit&auml;t her. Sie kritisierte, dass die &bdquo;Zeitenwende&ldquo; als ein &bdquo;soziales Umverteilungsprogramm von unten nach oben&ldquo; fungiere.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das ist nichts anderes als ein einseitig erkl&auml;rter sozialer Krieg gegen die eigene Bev&ouml;lkerung, um diese Aufr&uuml;stung zu finanzieren! Wir erleben eine systematische Entwertung der &ouml;ffentlichen Daseinsvorsorge, um eine Milit&auml;rstrategie zu finanzieren, die unsere Sicherheit in Wahrheit untergr&auml;bt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Sie mahnte, dass Deutschland als &bdquo;Frontstaat&ldquo; sich selbst die &bdquo;&ouml;konomische und soziale Luft zum Atmen&ldquo; nehme. Ihre Schlussfolgerung fiel drastisch aus: &bdquo;Unsere Politiker sind entweder so fundamental schlecht informiert oder so skrupellos, dass sie dem deutschen Volk einen historischen B&auml;rendienst erweisen. Sie bringen Sie alle in t&ouml;dliche Gefahr und f&uuml;hren potenziell dazu, dass Deutschland zum logischen Ausl&ouml;ser einer globalen nuklearen Katastrophe wird.&ldquo;<\/p><p>Mit Blick auf die mediale Berichterstattung zeigte sich die fr&uuml;here Bundestagsabgeordnete fassungslos &uuml;ber die Normalisierung des Unvorstellbaren. &bdquo;Nach dem Beginn des Krieges im Jahr 2022 gab es in den gro&szlig;en deutschen Tageszeitungen tats&auml;chlich ernsthafte Artikel und Anleitungen, wie man sich im eigenen Vorgarten einen &sbquo;Ein-Mann-Bunker&lsquo; baut&ldquo;, erinnerte Da&#287;delen. Sie bezeichnete diese Berichterstattung als &bdquo;absurd, infantil und v&ouml;llig verbl&ouml;det&ldquo;.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Den Menschen wird ernsthaft suggeriert, mit einem Betonrohr im Vorgarten sei die eigene Sicherheit im nuklearen Ernstfall gew&auml;hrleistet! Diese Akteure haben jeden Verstand verloren. Und diesen Treibern des Krieges gilt es jetzt mit aller Entschlossenheit in den Arm zu fallen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Da&#287;delen schloss ihren Appell mit der Mahnung vor der Logik der gegenseitigen Hochr&uuml;stung. Sie betonte, dass Extremisten auf beiden Seiten des Konflikts wie &bdquo;kommunizierende R&ouml;hren&ldquo; funktionierten und sich gegenseitig in eine Eskalationsspirale trieben. &bdquo;Deshalb ist es unsere historische Aufgabe, diesen Teufelskreis zu durchbrechen: Deeskalation statt S&auml;belrasseln, Diplomatie statt Konfrontation!&ldquo;<\/p><p><strong>Diplomatie als &Uuml;berlebensnotwendigkeit<\/strong><\/p><p>Ivana Nikoli&#263; Hughes, Wissenschaftlerin an der Columbia University und Pr&auml;sidentin der <em>Nuclear Age Peace Foundation<\/em>, erg&auml;nzte die Debatte um die v&ouml;lkerrechtliche Dimension. Sie betonte, dass der Fortbestand der Menschheit untrennbar mit der Integrit&auml;t der UN-R&uuml;stungskontrollarchitektur verbunden ist, und lieferte eine kritische Bestandsaufnahme der zentralen Vertragswerke.<\/p><p><strong>Von Kennedy zu heute<\/strong><\/p><p>Sie erinnerte an die historischen Lehren der Kubakrise. Der Teilweise Teststoppvertrag (PTBT) von 1963, initiiert von John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, sei &bdquo;die Einsicht in den nuklearen Abgrund&ldquo; gewesen, die als &bdquo;Motor f&uuml;r konkrete Deeskalation&ldquo; fungierte. Der PTBT setzte damals ein globales Zeichen gegen die radiologische Verseuchung der Biosph&auml;re durch Tests in der Atmosph&auml;re, im Weltraum und unter Wasser.<\/p><p>Der darauf aufbauende Atomwaffensperrvertrag (NVV), heute eines der zentralen R&uuml;stungskontrollabkommen, ruhe auf der Nichtverbreitung, der friedlichen Nutzung der Kernenergie und &ndash; als zentralem Versprechen &ndash; der nuklearen Abr&uuml;stung durch die f&uuml;nf anerkannten Atomm&auml;chte. &bdquo;Dass diese M&auml;chte ihre rechtliche Verpflichtung zur vollst&auml;ndigen Abschaffung der Arsenale seit Jahrzehnten ignorieren, markiert die Tr&auml;gheit und das wiederholte Scheitern der heutigen Diplomatie&ldquo;, konstatierte die Abr&uuml;stungsexpertin. Mit Verweis auf die j&uuml;ngst &bdquo;krachend gescheiterte&ldquo; 11. &Uuml;berpr&uuml;fungskonferenz in New York unterstrich sie, wie weit die heutige geopolitische Realit&auml;t hinter den 1968 ausgehandelten Anspruch zur&uuml;ckf&auml;llt.<\/p><p><strong>Der Umfassende Teststoppvertrag (CTBT) als unvollendetes Projekt<\/strong><\/p><p>Der 1996 ausgearbeitete Umfassende Teststoppvertrag (CTBT), der jegliche Form von Kernwaffenexplosionen verbieten soll, befindet sich nach Einsch&auml;tzung der Wissenschaftlerin in einem gef&auml;hrlichen &bdquo;diplomatischen Schwebezustand&ldquo;. Obwohl er von 177 Staaten ratifiziert wurde, blockieren Schl&uuml;sselstaaten wie die USA, China, der Iran und Israel sein Inkrafttreten. Die R&uuml;cknahme der russischen Ratifizierung im Jahr 2023 kritisierte Hughes scharf, betonte jedoch gleichzeitig die Verantwortung der westlichen F&uuml;hrungsm&auml;chte:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Eine wirksame R&uuml;stungskontrolle erfordert Vorbildfunktion. Wenn die USA den Vertrag unterzeichnen, aber den Ratifizierungsprozess im Senat nicht abschlie&szlig;en, schw&auml;chen sie das gesamte internationale Regelwerk.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Das Verbot als humanit&auml;rer Imperativ<\/strong><\/p><p>Als &bdquo;Spitze der Pyramide&ldquo; der internationalen R&uuml;stungskontrolle bezeichnete Hughes den Vertrag &uuml;ber das Verbot von Atomwaffen (TPNW), der 2017 verabschiedet wurde und 2021 in Kraft trat. Dieser Vertrag stellt eine v&ouml;lkerrechtliche Absage an den Besitz, die Entwicklung, die Lagerung und explizit die blo&szlig;e Androhung des Einsatzes von Atomwaffen dar.<\/p><p>Hughes hob hervor, dass der TPNW &uuml;ber die reine R&uuml;stungskontrolle hinausgehe und humanit&auml;re Bestimmungen zur Opferhilfe und Umweltsanierung enthalte &ndash; eine notwendige Anerkennung des Leids der indigenen Bev&ouml;lkerung in ehemaligen Testgebieten wie den Marshallinseln, Kiribati oder Kasachstan. Dass Deutschland seine Beobachterrolle bei den Staatenkonferenzen unter Verweis auf NATO-Verpflichtungen aufgegeben hat, bewertete die Abr&uuml;stungsexpertin als einen bedauerlichen R&uuml;ckschritt in der diplomatischen Verantwortungs&uuml;bernahme.<\/p><p><strong>Abschreckung als t&ouml;dliches Risiko<\/strong><\/p><p>Neben der diplomatischen Analyse untermauerte die Wissenschaftlerin ihre Forderung mit den physikalischen Konsequenzen eines nuklearen Konflikts, die jede milit&auml;rische Abschreckungslogik ad absurdum f&uuml;hren:<\/p><ul>\n<li><strong>Jenseits von Hiroshima:<\/strong> W&auml;hrend die 1945 eingesetzten Atombomben physikalisch limitiert waren, basieren moderne Wasserstoffbomben auf Kernfusion &ndash; mit einer &bdquo;nach oben hin praktisch unbegrenzten&ldquo; Sprengkraft.<\/li>\n<li><strong>Der Nukleare Winter:<\/strong> Basierend auf Studien der Rutgers University verdeutlichte Hughes, dass Ru&szlig;massen aus st&auml;dtischen Feuerst&uuml;rmen bei einem regionalen Atomkrieg (etwa zwischen Indien und Pakistan) die globale Temperatur um 10 bis 15 Grad Celsius senken w&uuml;rden. Dies w&uuml;rde den Zusammenbruch der globalen Landwirtschaft und den Hungertod von &uuml;ber zwei Milliarden Menschen bedeuten. Ein Konflikt zwischen den USA und Russland w&uuml;rde, bei Einsatz von nur einem Drittel der Arsenale, &uuml;ber f&uuml;nf Milliarden Todesopfer fordern.<\/li>\n<li><strong>Die Illusion der Bunker:<\/strong> Der Vorstellung, eine nukleare Apokalypse k&ouml;nne in privaten Schutzbunkern &uuml;berdauert werden, erteilte die Expertin eine klare Absage. Durch die Zerst&ouml;rung der Ozonschicht um 70 Prozent w&auml;re die Erdoberfl&auml;che biologisch unbewohnbar und die Vegetation durch ungefilterte UV-Strahlung vollst&auml;ndig vernichtet.<\/li>\n<\/ul><p>Das Fazit der Wissenschaftlerin bleibt ein eindringlicher Appell:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir wissen, wie man diese Waffen verschrottet. Wir haben &uuml;ber 70 Staaten, die den Verbotsvertrag bereits ratifiziert haben. Die notwendige Handlungsmaxime f&uuml;r die deutsche Zivilgesellschaft muss sein, den Druck auf die Regierung zu erh&ouml;hen, zumindest als Beobachter an der kommenden &Uuml;berpr&uuml;fungskonferenz teilzunehmen, um den diplomatischen Dialog nicht vollends abrei&szlig;en zu lassen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Nackte Wahrheit&ldquo; als Abschreckung<\/strong><\/p><p>Der Physiker und ehemalige Berater des US-Milit&auml;rs Theodore Postol untermauerte diesen dringlichen Appell mit physikalischen Fakten &uuml;ber die Folgen eines Atomwaffeneinsatzes (ausf&uuml;hrlicher dazu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=140714\">hier<\/a>). Seine Ausf&uuml;hrungen waren gepr&auml;gt von der sachlichen H&auml;rte eines Insiders, der lange Jahre an der strategischen Planung von Atomkriegen beteiligt war. Der Experte verzichtete auf diplomatische Floskeln und legte den Fokus auf die mathematisch-physikalische Unausweichlichkeit einer nuklearen Eskalation.<\/p><p>Offen bekannte der US-Physiker, dass es das Ziel seines Vortrags gewesen sei, &bdquo;mit der nackten Wahrheit eine Heidenangst einzujagen&ldquo;. Er betonte, dass seine drastische Darstellung der physikalischen Folgen von Kernwaffenexplosionen keinem Selbstzweck diene, sondern der Vermittlung der unmittelbaren Realit&auml;t nuklearer Gewalt geschuldet sei.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn man die Wahrheit und die einfachen Fakten kennt, wird eines klar: Kein vern&uuml;nftiger Mensch w&uuml;rde jemals Atomwaffen einsetzen. Ein politischer F&uuml;hrer, der angemessen und umfassend informiert ist, w&uuml;rde niemals Atomwaffen gegen einen anderen, ebenfalls atomar bewaffneten Staat einsetzen. So einfach ist das, denn das w&auml;re unweigerlich kollektiver Selbstmord.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Eindringlich pl&auml;dierte der ehemalige Berater des US-Milit&auml;rs in Berlin f&uuml;r eine R&uuml;ckkehr zur rationalen Interessenabw&auml;gung. Er widersprach der Darstellung, Russland strebe nach einer milit&auml;rischen Expansion in Richtung Westen. Stattdessen konstatierte der Atomphysiker:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Was sie von Deutschland wollen, ist, in Ruhe gelassen zu werden. Lasst sie in Ruhe, und sie werden euch in Ruhe lassen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>F&uuml;r Postol ist die aktuelle Politik der Bundesregierung daher nicht nur unn&ouml;tig, sondern gef&auml;hrlich: Indem Deutschland sich als Frontstaat inszeniere und die russische Seite permanent provoziere, werde ein Sicherheitsdilemma konstruiert, das keinen rationalen Nutzen f&uuml;r Deutschland habe, sondern das Land lediglich ins Zentrum eines potenziellen nuklearen Schlagabtauschs r&uuml;cke.<\/p><p><strong>Die Gefahr des Systemversagens<\/strong><\/p><p>Nicht in einer geplanten nuklearen Aggression, sondern im &bdquo;Systemversagen&ldquo; liege nach der Analyse des ehemaligen Professors am MIT die zentrale Bedrohung. Die existenzielle Gefahr bestehe darin, dass Akteure Signale falsch interpretieren oder Situationen missverstehen. Dies k&ouml;nne zu einem &bdquo;versehentlichen Ersteinsatz&ldquo; f&uuml;hren, der sich aufgrund der unkontrollierbaren Eskalationsdynamik und der Vernichtungsmacht der Waffen unmittelbar verselbstst&auml;ndige.<\/p><p>Mit Blick auf die geplante Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland warnte der Physiker eindringlich: &bdquo;Die geplante Verk&uuml;rzung der nuklearen Vorwarnzeit gegen Russland gewinnt f&uuml;r Deutschland keinen Krieg. Sie verursacht diesen Krieg erst.&ldquo; Er argumentierte, dass ein &bdquo;unter massivem Zeitdruck stehender, nerv&ouml;ser Gegner&ldquo; in einer Krisensituation dazu gezwungen sei, pr&auml;ventiv zu handeln, weil ihm die Zeit f&uuml;r eine rationale Verifizierung fehle. &bdquo;Jeder Politiker, der das Gegenteil behauptet, l&uuml;gt oder ist gef&auml;hrlich uninformiert.&ldquo;<\/p><p><strong>Pl&auml;doyer f&uuml;r Abr&uuml;stung<\/strong><\/p><p>Radikal kritisierte Postol die aktuelle sicherheitspolitische Ausrichtung: &bdquo;Was wir also tun sollten, ist genau das Gegenteil der aktuellen Politik.&ldquo; Statt durch die Stationierung weiterer Waffen oder die Erh&ouml;hung der Sprengkopfzahl den Gegner weiter einzusch&uuml;chtern, m&uuml;sse man anerkennen, dass bereits eine minimale nukleare Kapazit&auml;t beim Gegen&uuml;ber als hinreichende Abschreckung fungiere.<\/p><p>Seine Handlungsmaxime f&uuml;r die Zukunft lautet: &bdquo;Wir m&uuml;ssen unsere strategischen Systeme so gestalten, dass es mathematisch und praktisch &auml;u&szlig;erst unwahrscheinlich wird, dass jemand unter Zeitdruck einen fatalen Fehler begeht.&ldquo; Als &bdquo;einzig moralische Aufgabe&ldquo; eines Atomwaffenplaners identifizierte der Insider den aktiven Widerstand gegen eine Politik, die den Gegner in die Enge treibe.<\/p><p>Abschlie&szlig;end appellierte der Wissenschaftler an die Verantwortung der Zivilgesellschaft, den politischen Entscheidungstr&auml;gern bei derartigen &bdquo;katastrophalen Fehlentscheidungen&ldquo; entgegenzutreten: &bdquo;Unsere Aufgabe muss es sein, einen gemeinsamen Konsens zu finden: die Einigung, dass kein vern&uuml;nftiger Mensch diese Waffen jemals einsetzen darf. Und diese Waffen so sicher wie m&ouml;glich zu machen &ndash; und sie nat&uuml;rlich letztendlich ganz abzuschaffen.&ldquo;<\/p><p><strong>Appell zur diplomatischen Umkehr<\/strong><\/p><p>Zum Abschluss der Berliner Debatte unterstrich Michael von der Schulenburg die Verantwortung der Zivilgesellschaft in einer Zeit, in der das politische Handeln in Berlin den Kontakt zur diplomatischen Realit&auml;t verloren zu haben scheint. Sein Pl&auml;doyer war ein direkter Appell an den gesellschaftlichen Zusammenhalt als notwendiges Gegengewicht zum milit&auml;rischen Eskalationskurs.<\/p><p>&bdquo;Wir haben heute gesehen&ldquo;, so der ehemalige UN-Diplomat, &bdquo;dass die technische Logik der atomaren Abschreckung &ndash; so wie sie uns von der Politik verkauft wird &ndash; in Wahrheit eine Logik der Selbstzerst&ouml;rung ist.&ldquo; Die systematische D&auml;monisierung des russischen Gegen&uuml;bers, die jegliche Verhandlungsgrundlage im Keim ersticke, kritisierte von der Schulenburg: &bdquo;Wenn wir den Dialog mit Russland verweigern, nehmen wir uns selbst die einzige Versicherung, die wir in einer nuklear bewaffneten Welt haben: das Gespr&auml;ch.&ldquo; Er warnte eindringlich davor, dass die Politik die &bdquo;strategische Geduld&ldquo; Russlands f&auml;lschlicherweise als Schw&auml;che interpretiere, was zu einer gef&auml;hrlichen Fehleinsch&auml;tzung der Lage f&uuml;hre.<\/p><p>Sein Aufruf an die Anwesenden war unmissverst&auml;ndlich: &bdquo;Wir m&uuml;ssen auf jeder gesellschaftlichen Ebene den Faden des Gespr&auml;chs suchen. Es gibt auch in Russland Menschen, die unsere Sorgen teilen und die wissen, dass ein Atomkrieg keine Gewinner kennt. Diese Stimmen m&uuml;ssen wir st&auml;rken.&ldquo;<\/p><p><strong>Die historische Aufgabe<\/strong><\/p><p>Mit einer Einordnung, welche die historische Dringlichkeit des Augenblicks betonte, schloss der ehemalige UN-Diplomat. Schulenburg verwies darauf, dass die heutige Krise kein Naturereignis sei, sondern das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen, die ebenso bewusst r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht werden k&ouml;nnten:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es ist unsere historische Aufgabe, diesen Teufelskreis zu durchbrechen: Deeskalation statt S&auml;belrasseln, Diplomatie statt Konfrontation.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der erfahrene Vermittler forderte die B&uuml;rger dazu auf, den politischen Druck zu erh&ouml;hen und den &bdquo;nuklearen Wahnsinn&ldquo; nicht l&auml;nger hinzunehmen.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir d&uuml;rfen uns nicht daran gew&ouml;hnen, dass wir in einem Land leben, das zum logischen Ausl&ouml;ser einer globalen Katastrophe aufgebaut wird. Wir m&uuml;ssen den Mut haben, die Waffenruhe und den Frieden zur obersten Pr&auml;misse unseres politischen Handelns zu machen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: &copy; Eva Peli<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/0efb6b4a646e4811b3d77ace02e4066e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie nah steht Europa am nuklearen Abgrund? W&auml;hrend die offizielle Sicherheitspolitik Gefahren verharmlost, warnen Diplomaten und Wissenschaftler eindringlich vor der aktuellen Eskalationsdynamik. 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