{"id":151393,"date":"2026-06-02T15:00:30","date_gmt":"2026-06-02T13:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151393"},"modified":"2026-06-01T18:35:36","modified_gmt":"2026-06-01T16:35:36","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151393","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (16)"},"content":{"rendered":"<p>In dieser 16. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; erfahren wir von schrecklichen Erlebnissen bei der Flucht aus Schlesien und von den Erinnerungen eines kleinen Jungen an fliegende Funken bei einem Brandbombenangriff. Eine Leserin erinnert sich an die Phosphorbomben auf D&uuml;sseldorf und daran, wie ihre Familie sich in Armut und Krieg durchschlug. Im letzten Beitrag geht es um Trauer in der Familie und die Verantwortung f&uuml;r heutige Kinder und Enkel.<\/p><p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.<\/p><p>Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816\">achten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812\">neunten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150802\">zehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038\">elften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151098\">zw&ouml;lften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151156\">dreizehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151209\">vierzehnten Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151229\">f&uuml;nfzehnten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Meine Haare brennen<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes NDS-Team,<\/p><p>mein verstorbener Vater (Jahrgang 1932) erz&auml;hlte von einer Begebenheit, die er als Vertriebener aus Schlesien im Fl&uuml;chtlingstreck erlebt hat. Die Fl&uuml;chtlinge mussten einen Fluss &uuml;ber eine Br&uuml;cke &uuml;berqueren. Die Br&uuml;cke wurde von polnischen Soldaten kontrolliert. Alle Fl&uuml;chtlinge mussten ihre Wertsachen den Soldaten &uuml;bergeben. Eine junge Frau mit einem S&auml;ugling auf dem Arm wurde kontrolliert und gab an, keine Wertsachen zu haben.<\/p><p>Daraufhin durchsuchte ein Soldat die Frau und fand ihren Ehering, der im Rock eingen&auml;ht war. Der Soldat riss ihr daraufhin den S&auml;ugling aus den Armen und warf ihn in den Fluss.<\/p><p>Meine verstorbene Mutter (Jahrgang 1934) wohnte in einer Mansardenwohnung mit ihren Eltern und ihren 4 Schwestern in der N&auml;he des Krankenhauses. Nach einem Bombenangriff auf den G&uuml;terbahnhof fuhren LKWs mit verletzten Soldaten an ihrem Haus vorbei zum Krankenhaus. Sie konnten von oben sehen, wie die verletzten Soldaten auf den Pritschen der LKWs lagen, und ihre Schmerzschreie hat sie nie vergessen.<\/p><p>Ein Nachbar (Jahrgang 1940) erz&auml;hlte uns, wie seine Mutter mit ihm auf dem Arm aus dem Haus fl&uuml;chtete, da das Haus bei einem Bombenangriff von einer Brandbombe getroffen wurde. Die Angst, die dieses Kind und seine Mutter hatten, hat sich tief in die Erinnerung eingegraben, sodass er bis heute die Eindr&uuml;cke des brennenden Hauses noch vor Augen hat, obwohl er in einem Alter war, in dem er noch nicht richtig sprechen konnte. Aber was er w&auml;hrend der Flucht aus dem Haus rief, hat ihm seine Mutter noch erz&auml;hlt. Durch die herabfliegenden Funken rief er immer wieder: &bdquo;Meine Hage bennt&rdquo;, sollte hei&szlig;en: Meine Haare brennen.<\/p><p>Mein Schwiegervater (Jahrgang 1940) ist nur durch Zufall dem Tod entkommen. Er spielte drau&szlig;en mit seinem Freund zusammen und wurde von seiner Mutter hereingerufen, damit er seinen Mittagsschlaf abhalten sollte. Sein Freund spielte alleine drau&szlig;en weiter. Kurz darauf gab es Fliegeralarm, manchmal kam dieser jedoch zu sp&auml;t. So lief mein Schwiegervater (damals ca. 5 Jahre alt) nach dem Bombenangriff nach drau&szlig;en, um seinen Freund zu suchen. Man fand ihn zusammen mit einem erwachsenen Mann, der sich offensichtlich sch&uuml;tzend &uuml;ber den Jungen geworfen hatte. Beide waren jedoch tot.<\/p><p>Die Oma meiner Schwiegermutter hat auch nach Kriegsende w&auml;hrend eines Gewitters mit gepackten Koffern zusammen mit ihren beiden T&ouml;chtern auf der Bettkante gesessen und das Ende des Gewitters abgewartet. Dieses Verhalten h&ouml;rte ich von anderen Bekannten.<\/p><p>In dieser Hinsicht m&ouml;chte ich daran erinnern, dass die oben genannten Erfahrungen sicher auch von den Menschen im Gazastreifen, im Libanon, im Iran und &uuml;berall dort, wo Krieg gef&uuml;hrt wird, heute noch gemacht werden.<\/p><p>Wie schlimm derartige Dinge sind, kann man wohl nur nachvollziehen, wenn man sie selbst erlebt hat oder &uuml;ber sehr viel Empathie verf&uuml;gt. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich in unserer Gesellschaft die Empathie in sehr engen Grenzen h&auml;lt. Im Hinblick auf unsere derzeitigen politischen F&uuml;hrungskr&auml;fte kann ich keinerlei Empathie oder auch nur F&uuml;rsorge &ndash; nicht einmal f&uuml;r die eigenen B&uuml;rger &ndash; erkennen.<\/p><p>Vielen Dank f&uuml;r Ihre Arbeit bei den NachDenkSeiten.<\/p><p>Es gr&uuml;&szlig;t Sie<\/p><p>Ralf Glahn<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Menschen versuchten, sich in den Rhein zu retten<\/strong><\/p><p>Liebes NDS-Team,<\/p><p>ich bin Jahrgang 1957, also 12 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ins &bdquo;Wirtschaftswunder&ldquo; geboren. Mein Bruder wurde am 10. Mai 1945 geboren und hat als noch Ungeborener die Schrecken der Bombenn&auml;chte erlebt und die Zeit unmittelbar nach dem Krieg. Er kannte das verw&uuml;stete D&uuml;sseldorf.<\/p><p>Meine engste Familie (Gro&szlig;eltern, Eltern und deren Geschwister) haben alle den Krieg &uuml;berlebt. Einige Gro&szlig;tanten haben M&auml;nner (auch bereits im Ersten Weltkrieg) und S&ouml;hne verloren, ein Onkel sein Bein.<\/p><p>Mein Gro&szlig;vater (*1890) war in Verdun, wo er durch einen Granatsplitter der eigenen Leute (hei&szlig;t heute wohl &bdquo;friendly fire&ldquo;) eine Kopfverletzung erlitt, die ihm letztlich sein Leben gerettet hat, denn als Kriegsinvalide kam er nach Hause und wurde auch im folgenden Krieg nicht eingezogen.<\/p><p>Meine Mutter (1925) und meine Gro&szlig;eltern lebten in D&uuml;sseldorf. Meine Mutter war im BDM (Bund Deutscher M&auml;del). Sie war 14 Jahre zu Kriegsbeginn, und als 1940 die ersten Bomben auf D&uuml;sseldorf fielen, war das f&uuml;r die Menschen in und um D&uuml;sseldorf eine Attraktion, die Sensationstourismus hervorbrachte. Aber schon bald wurden die Bombenangriffe heftiger und D&uuml;sseldorf wurde fast t&auml;glich bombardiert, d.h. die N&auml;chte mussten in Luftschutzkellern der H&auml;user verbracht werden.<\/p><p>Die Familie lebte in Benrath im S&uuml;den der Stadt, die Angriffe galten eher den Innenstadtbezirken und n&ouml;rdlichen Bezirken, auch insofern hatten sie &bdquo;Gl&uuml;ck&ldquo;, sie wurden nicht ausgebombt und wohnungslos. 1945 bestand D&uuml;sseldorf aus Schutt und Asche, nur sehr wenige Wohn- und Gesch&auml;ftsh&auml;user und &ouml;ffentliche Geb&auml;ude standen noch.<\/p><p>Mein Vater (*1919) stammte aus Urach in S&uuml;ddeutschland, er war in der HJ (Hitlerjugend). Nach Ableistung seines Arbeitsdienstes wurde er eingezogen und war 20 Jahre, als der Krieg begonnen wurde. Er hatte &bdquo;Gl&uuml;ck&rdquo;, er war anfangs in Norwegen, sp&auml;ter in Deutschland und zuletzt in der N&auml;he von D&uuml;sseldorf bei der Flugabwehr stationiert.<\/p><p>Es wurden auch Phosphorbrandbomben auf D&uuml;sseldorf geworfen. Meine Eltern erz&auml;hlten, dass Menschen versuchten, sich in den Rhein zu retten, aber der Phosphor lie&szlig; sich im Wasser nicht l&ouml;schen, im Gegenteil.<\/p><p>Die Erz&auml;hlungen von den Tieffliegern, die auf alles, was sich bewegte, schossen, haben sich mir besonders ins Ged&auml;chtnis gegraben.<\/p><p>Meine Gro&szlig;eltern waren keine Widerstandsk&auml;mpfer, aber sie waren auch keine Nazis. Ich glaube auch nicht, dass sie den Nazis 1933 ihre Stimme gegeben haben, ich wei&szlig; es aber nicht. Was ich wei&szlig;: Mein Gro&szlig;vater war lange erwerbslos, das Geld reichte kaum zum Leben und meine Mutter bekam von der Vermieterfamilie Mittagessen, was dann in der Familie geteilt wurde. 1933 hat mein Gro&szlig;vater eine Stelle bei der DEMAG (Deutsche Maschinenfabrik AG) bekommen, meine Gro&szlig;mutter und ihre Schwester tanzten vor Freude.<\/p><p>Nach Ende des Krieges arbeitete mein Gro&szlig;vater f&uuml;r ein Mittagessen und Brot bei einem Bauern, das Brot war f&uuml;r Frau und Tochter.<\/p><p>Meine Eltern haben 1944 geheiratet. In Urach war die Not weniger gro&szlig; und meine Familie in D&uuml;sseldorf erhielt von dort Unterst&uuml;tzung. Urach hat erst 1945 f&uuml;nf Luftangriffe erlebt.<\/p><p>In meiner Familie wurde &uuml;ber das Naziregime, KZ, Judenverfolgung, Verfolgung von Kommunisten u.a., den bestialischen Krieg gesprochen, &uuml;ber Propaganda und Verf&uuml;hrung der Kinder und Jugendlichen, auch dar&uuml;ber, dass 1943 die im Sportpalast in Berlin Versammelten auf die Frage von Goebbels &bdquo;Wollt ihr den totalen Krieg?&rdquo; voller Inbrunst und Begeisterung &bdquo;Jaaaa!&rdquo; br&uuml;llten.<\/p><p>Von meinen Eltern und Gro&szlig;eltern habe ich gelernt, was Propaganda und Manipulation anrichten und was Krieg bedeutet: Tod, Elend und Verzweiflung f&uuml;r die einfachen Menschen. Nie wieder sollte dergleichen von diesem Land ausgehen.<\/p><p>Ich f&uuml;hle mich manchmal verzweifelt, wenn ich dieses Land heute betrachte, und ich sch&auml;me mich f&uuml;r Politik und Medien in diesem Land. Und ich bin froh, dass es Sie alle gibt, Sie sind mir eine Familie geworden.<\/p><p>Friedvolle und herzliche Gr&uuml;&szlig;e<\/p><p>Renate Lau-Gaiser<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Sie hatte ein Foto vom Grab ihres Sohnes in ihrem Schlafzimmer<\/strong><\/p><p>Hallo liebes NDS-Team,<\/p><p>Gott sei Dank, sind wir bisher noch vom Krieg verschont geblieben. Aber leider gibt&rsquo;s in unserem Land viele, die entweder nichts wissen und\/oder Krieg f&uuml;r ein Computerspiel halten. Inzwischen ist leider aus meinem direkten Umfeld niemand mehr am Leben, der den 2. WK bewusst erlebt hat.<\/p><p>Ich selbst wurde 1962 geboren und bin in Mei&szlig;en aufgewachsen.<\/p><p>Im Nachhinein &auml;rgere ich mich sehr dar&uuml;ber, dass ich nicht nachdr&uuml;cklicher nachgefragt habe und damals auch nichts aufgeschrieben habe. Denn leider haben sowohl meine Gro&szlig;eltern als auch meine Eltern nicht gern &uuml;ber diese Zeit gesprochen.<\/p><p>Eine wichtige Ber&uuml;hrung mit den Schrecken des Zweiten Weltkrieges hatte ich durch meine erste Klavierlehrerin. Sie hatte die Zerst&ouml;rung Dresdens miterleben m&uuml;ssen, dabei au&szlig;er ihrem Zuhause auch ihre Mutter verloren und war dann bei ihrem Bruder untergekommen, der Arzt in Mei&szlig;en war.<\/p><p>Meine Heimatstadt wurde gl&uuml;cklicherweise von der Zerst&ouml;rung durch Bomben verschont.<\/p><p>W&auml;hrend meiner Grundschulzeit (Unterstufe) hatte ich einen sehr guten Lehrer, der sehr viel Wert auf die Erziehung zur Friedensliebe gelegt hat. Ich wei&szlig; gar nicht mehr, wann ich das erste Mal in Dresden die Ruine der Frauenkirche gesehen habe, jedenfalls ist auch durch diesen Anblick in mir die grundlegende &Uuml;berzeugung, Nie wieder Krieg, gewachsen.<\/p><p>Und auch heute, bei aller Anerkennung der Leistungen zur wieder aufgebauten Frauenkirche, die ich auch mit meiner Mutti besucht habe, bin ich der &Uuml;berzeugung, dass die Ruine als Mahnung h&auml;tte stehen bleiben sollen.<\/p><p>Gerade jetzt, wo Deutschland, zumindest die herrschenden Eliten, die Schrecken und Leiden des 2. WK vollkommen ausblenden und die gef&auml;hrliche Militarisierung und Aufr&uuml;stung betreiben.<\/p><p>Ich muss in letzter Zeit sehr oft an meinen Vati denken, er war noch als junger Mann eingezogen worden, war an der Westfront und dann in Gefangenschaft in den ber&uuml;chtigten Rheinwiesen-Lagern. Mit zwei seiner ehemaligen Kameraden war er lebenslang befreundet.<\/p><p>&Uuml;brigens, sowohl meine Mutti und mein Vati haben ihre einzigen Br&uuml;der im Krieg verloren. Meine Oma hatte ein Foto vom Grab ihres Sohnes in ihrem Schlafzimmer &ndash;<\/p><p>Von Muttis Bruder Heinz wei&szlig; ich nur, dass er Funker an der Ostfront war und 1944 mit 19 Jahren gefallen ist.<\/p><p>Vom Bruder meines Vaters ist mir noch weniger bekannt. &ndash;<\/p><p>Mein Vati, Jahrgang 1926, ist Ende 2007 gestorben. Im Nachgang &auml;rgere ich mich sehr &uuml;ber mich selbst, dass ich ihn nicht mehr ausgefragt habe.<\/p><p>Auf jeden Fall, mein Vati und auch sein bester Freund, der mit ihm in Krieg und Gefangenschaft war, haben ihr ganzes Leben &bdquo;Nie wieder Krieg&rdquo; aus tiefster Seele vertreten. Auch hatten sie keinen Hass auf die Russen.<\/p><p>Wobei sie sogar daf&uuml;r Gr&uuml;nde gehabt h&auml;tten, denn sie haben miterlebt, wie die Anlagen ihrer Betriebe demontiert wurden und gen Osten abtransportiert wurden. Mein Vater hat dann seine Chance genutzt und studiert und danach als Konstrukteur gearbeitet.<\/p><p>Bei meiner Mutter sah es anders aus. Da ihr Bruder nicht wiedergekommen war, hat sie es als ihre Pflicht angesehen, zu Hause zu bleiben und ihren Eltern in der Landwirtschaft zu helfen. Erst als mein Opa bereit war, der LPG beizutreten, hat sie den elterlichen Hof verlassen.<\/p><p>Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, war gerade bei den Eltern meiner Mutti eine st&auml;ndige Traurigkeit und Sprachlosigkeit erkennbar. Sie hatten ihren Sohn verloren, und beim Radioh&ouml;ren wurde der Name des Dirigenten des Leipziger Orchesters genannt &ndash; es war der Name ihres gefallenen Sohnes.<\/p><p>Inzwischen habe ich au&szlig;er meinem erwachsenen Sohn auch zwei niedliche kleine Enkels&ouml;hne und ich bin sehr besorgt um deren Zukunft.<\/p><p>Ich bin mit dem Bewusstsein aufgewachsen, dass der 2. WK mit seinen f&uuml;rchterlichen Auswirkungen und Folgen sich nicht wiederholen wird und alles zur Friedenserhaltung getan wird. Aber jetzt habe ich die Bef&uuml;rchtung, dass unser Land, auch durch den wiedererwachten Gr&ouml;&szlig;enwahn, als F&uuml;hrungsmacht das Weltgeschehen beeinflussen will.<\/p><p>Was muss noch geschehen, damit die Leute endlich aufwachen?<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e,<\/p><p>Christina Merbitz<\/p><p><small>Titelbild: daengnambung \/ shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser 16. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; erfahren wir von schrecklichen Erlebnissen bei der Flucht aus Schlesien und von den Erinnerungen eines kleinen Jungen an fliegende Funken bei einem Brandbombenangriff. Eine Leserin erinnert sich an die Phosphorbomben auf D&uuml;sseldorf und daran, wie ihre Familie sich in Armut und Krieg durchschlug. 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