{"id":151448,"date":"2026-06-02T13:00:24","date_gmt":"2026-06-02T11:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151448"},"modified":"2026-06-02T14:59:20","modified_gmt":"2026-06-02T12:59:20","slug":"public-value-medien-eine-zensur-findet-nicht-statt-nur-die-benachteiligung-von-unzuverlaessigen-meinungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151448","title":{"rendered":"Landesmedienanstalten wollen \u201enicht verl\u00e4ssliche\u201c Medien benachteiligen"},"content":{"rendered":"<p>Ein aktuell von deutschen Landesmedienanstalten vorangetriebener Plan sieht vor, Social-Media-Plattformen k&uuml;nftig vorzuschreiben, dass sie Inhalte von ausgew&auml;hlten &bdquo;verl&auml;sslichen&ldquo; Medien bevorzugt anzeigen. Medien, die von einer betreffenden Kommission nicht als &bdquo;verl&auml;sslich&ldquo; eingestuft werden, k&ouml;nnten dadurch massiv benachteiligt werden. Das Vorhaben ist skandal&ouml;s und bedroht die Meinungsvielfalt. Ein Kommentar von<strong> Tobias Riegel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Artikel liegt auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/260602_Landesmedienanstalten_wollen_nicht-verlaessliche_Medien_benachteiligen.pdf\">als gestaltetes PDF vor<\/a>. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit. Weitere Artikel in dieser Form <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?cat=54\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Ein aktuelles Papier dokumentiere das Vorhaben der Landesmedienanstalten, die Sichtbarkeit bestimmter Medien im Internet zu erh&ouml;hen, wie <a href=\"https:\/\/apollo-news.net\/so-bauen-die-medienanstalten-an-einer-pflicht-zur-bevorzugung-verlaesslicher-medien-in-den-sozialen-netzwerken\/\">das Medium <em>Apollo News<\/em> schreibt<\/a>. Eine Abbildung des Dokuments findet sich <a href=\"https:\/\/x.com\/s_thormann\/status\/2059174744470012040\">unter diesem Link<\/a>.<\/p><p><strong>Gesetzliche Pflicht zur Ungleichbehandlung?<\/strong><\/p><p>In dem Papier der Bayerischen Landeszentrale f&uuml;r neue Medien und der Landesanstalt f&uuml;r Medien NRW wird &uuml;ber eine Pflicht f&uuml;r soziale Netzwerke sinniert, Inhalte bestimmter Medien auf diesen Plattformen bevorzugt anzuzeigen, so <em>Apollo News<\/em>. Dem Medium liegen nach eigener Aussage Pl&auml;ne vor, die zeigen sollen, wie tief die Aufsichtsbeh&ouml;rden in die Reihenfolge der Inhalte eingreifen wollen.<\/p><p>Das Vorhaben laufe unter dem Stichwort &bdquo;Public-Value-Medien&ldquo;, das seien Medienangebote, die einen &bdquo;&ouml;ffentlichen Mehrwert&ldquo; liefern w&uuml;rden. Die Entscheidung, welche Medien das seien, w&uuml;rden die Landesmedienanstalten treffen.<\/p><p>In dem Dokument mit dem Titel &bdquo;Papier Weiterentwicklung Public Value&ldquo; wird laut dem Artikel skizziert, wie man &bdquo;das bereits vor Kurzem gesetzlich verankerte &sbquo;Public-Value&lsquo;-Prinzip, das bisher nur f&uuml;r App Stores gilt, nun erheblich ausweiten m&ouml;chte&ldquo;. Schon jetzt w&uuml;rden in App Stores die Apps bestimmter Medien, die von Landesmedienanstalten das Siegel &bdquo;Public Value&ldquo; bekommen h&auml;tten, bevorzugt. Aber manchen Landesmedienanstalten gehe das nicht weit genug.<\/p><p>&bdquo;Der Public-Value-Ansatz sollte daher von einer angebots- zu einer inhaltsbezogenen Logik weiterentwickelt werden&ldquo;, hei&szlig;t es laut <em>Apollo News<\/em> in dem Papier: Die Mediennutzung finde immer st&auml;rker in den sozialen Medien statt. Und dort bestehe die Gefahr, dass &bdquo;desinformierende, polarisierende oder lediglich aufmerksamkeitsstarke Inhalte systematisch bevorteilt&ldquo; werden. Dadurch w&uuml;rde &bdquo;die sachlich-informative Grundlage des &ouml;ffentlichen Diskurses&ldquo; erodieren.<\/p><p><strong>&bdquo;Verl&auml;ssliche Anbieter&ldquo; mit &bdquo;journalistischen Standards&ldquo;<\/strong><\/p><p>In dem Papier werde ein mehrstufiges Verfahren angeregt, um einzugreifen: Zuerst sollen ganze Medien den Status des &bdquo;Public Value&ldquo; zuerkannt bekommen. Das sollen &bdquo;verl&auml;ssliche Anbieter&ldquo; sein, die &bdquo;nach journalistischen Standards&ldquo; arbeiten und sich an die &bdquo;geltende Rechtsordnung&ldquo; halten. Jeder k&ouml;nne sich bewerben &ndash; die Entscheidung liege am Ende aber bei den Beh&ouml;rden, so der Artikel.<\/p><p>In einem zweiten Schritt sollen einzelne Inhalte, also Artikel oder Videos, als &bdquo;Public Value&ldquo; eingestuft werden. Die Kriterien: &bdquo;Aktualit&auml;t, Relevanz f&uuml;r das &ouml;ffentliche Informationsinteresse und journalistische Einordnung&ldquo;. Dabei sollen die Medien selbst die Inhalte als &ouml;ffentlichen Mehrwert kennzeichnen. Und weiter: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Die gekennzeichneten Inhalte sollten in algorithmischen Empfehlungssystemen leichter auffindbar gemacht werden<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Einzelne Artikel von Medien sollen also in Social-Media-Feeds bevorzugt werden. Dazu sollen die Algorithmen ver&auml;ndert werden: <\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Reguliert werden sollten algorithmische Empfehlungssysteme dann, wenn sie durch ihre Vermittlungsfunktion die Wahrnehmbarkeit journalistisch-redaktioneller Inhalte ma&szlig;geblich pr&auml;gen und damit meinungsrelevant wirken.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>&Uuml;ber die Vergabe der Auszeichnung &bdquo;Public Value&ldquo; bestimmt laut dem Artikel die landes&uuml;bergreifende <a href=\"https:\/\/www.die-medienanstalten.de\/zak\/\">&bdquo;Kommission f&uuml;r Zulassung und Aufsicht&ldquo; (ZAK)<\/a>, in der die Chefs der 14 Landesmedienanstalten zusammenarbeiten. <\/p><p><strong>&bdquo;Public-Value&ldquo; greift schon jetzt<\/strong><\/p><p>Eine abgeschw&auml;chte Variante des &bdquo;Public-Value&ldquo;-Instruments existiere bereits, so <em>Apollo News<\/em>: Medien, denen von den Landesmedienanstalten der Status des &bdquo;Public Value&ldquo; zuerkannt wurde, m&uuml;ssen demnach bereits jetzt auf Benutzeroberfl&auml;chen wie Smart-TVs, App Stores oder Bildschirmen in Autos leicht auffindbar sein. Ein Medium habe laut Satzung der Landesmedienanstalten dann einen &ouml;ffentlichen Mehrwert, wenn es &bdquo;in besonderem Ma&szlig; einen Beitrag zur Meinungs- und Angebotsvielfalt im Bundesgebiet leistet&ldquo; und &bdquo;grunds&auml;tzlich den anerkannten journalistischen Grunds&auml;tzen&ldquo; folgt.<\/p><p>Hier entscheidet also eine angeblich &bdquo;staatsferne&ldquo; Anstalt, wer &bdquo;journalistischen Grunds&auml;tzen&ldquo; folgt und wer nicht? M&ouml;glich sei das durch eine &Auml;nderung des Medienstaatsvertrags im Jahr 2020 geworden, der mit Paragraph 19 eine Aufsicht durch die Landesmedienanstalten einf&uuml;hrte. Alle &bdquo;Public-Value&ldquo;-Medien seien neben ihrem &bdquo;&ouml;ffentlichen Mehrwert&ldquo; verpflichtet, den Vorgaben nach Paragraph 19 zu entsprechen. 2025 wurde dieser Status laut <em>Apollo News<\/em> erstmals verschiedenen Medien zuerkannt, etwa der ARD- und ZDF-Mediathek, dem Online-Jugendangebot des &Ouml;RR, <em>Funk<\/em>, aber auch der <em>Welt-<\/em>App und der <em>Bild-<\/em>App f&uuml;rs Handy sowie zahlreichen regionalen Radiosendern wie <em>Radio Potsdam<\/em>.<\/p><p><strong>Ist die Besorgnis um die Meinungsfreiheit nur &bdquo;Geraune&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Norbert H&auml;ring kommentiert das aktuelle Vorhaben <a href=\"https:\/\/norberthaering.de\/propaganda-zensur\/public-value-angebote\/\">in diesem Artikel<\/a> treffend:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Wahrheitskomplex verliert fast jede Scheu bei der Ann&auml;herung an ein offenes Zensursystem. Die Landesmedienanstalten wollen den gro&szlig;en digitalen Medienplattformen vorschreiben, Inhalte mit dem Zuverl&auml;ssigkeitsstempel der Anstalten bevorzugt zu verbreiten und &mdash; im Umkehrschluss &mdash; nicht beh&ouml;rdlich zertifizierte Inhalte weniger sichtbar zu machen. (&hellip;) Den Regierenden geht es nicht darum, das unzweifelhaft vorhandene Unwesen der Manipulation der Plattform-Nutzer durch Empfehlungssysteme einzud&auml;mmen. Sie wollen diese Manipulationsm&ouml;glichkeiten vielmehr f&uuml;r eigene Zwecke nutzen<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Florian Warweg hat k&uuml;rzlich <a href=\"https:\/\/x.com\/FWarweg\/status\/2060320223392113053\">auf der Bundespressekonferenz nachgefragt<\/a>, wie der Kanzler zu den hier besprochenen Pl&auml;nen der Landesmedienanstalten steht &ndash; die sehr &bdquo;beruhigende&ldquo; Antwort lautete:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Weil es dar&uuml;ber einiges Geraune gibt, m&ouml;chte ich f&uuml;r die Bundesregierung noch einmal ganz klar sagen, dass die Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland nat&uuml;rlich ein ganz hohes Gut ist<\/em>.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Eine Zensur findet nicht statt &hellip;<\/strong><\/p><p>Auf die Praxis, dass in Deutschland eine angeblich nicht existente Zensur teilweise an private Akteure ausgelagert wird, ist Hannes Hofbauer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82773\">in diesem Interview<\/a> eingegangen, in dem er sagt: &bdquo;YouTube, Facebook und Co erledigen nur die Drecksarbeit&ldquo;. Beispiele daf&uuml;r aus der Corona-Zeit finden sich etwa <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76198\">in diesem Artikel<\/a>.<\/p><p>Einblicke in die neuesten Methoden, Rechtfertigungen und Netzwerke der Zusammenarbeit zwischen Regierung, Geheimdiensten, NGOs, Universit&auml;ten, Stiftungen und den gro&szlig;en Internetunternehmen bei der Meinungssteuerung hat Maike Gosch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117818\">in diesem Artikel thematisiert<\/a>. Wie aus &bdquo;Zensur&ldquo; der &bdquo;Kampf gegen Desinformation&ldquo; geworden ist, beschreibt Gosch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116908\">hier<\/a>.<\/p><p><strong>Die Phrasen von der Meinungsvielfalt<\/strong><\/p><p>Die Macht der Internetkonzerne soll hier keineswegs verniedlicht werden, sie ist ein Problem, ebenso wie die teils fragw&uuml;rdige Nutzung der Algorithmen durch die Konzerne &ndash; all das muss diskutiert werden. Aber dass die Medienanstalten der H&uuml;ter &uuml;ber die Sichtbarkeit politischer Inhalte im Internet sein sollen und dass daf&uuml;r h&ouml;chstwahrscheinlich ausgerechnet jene &bdquo;Leitmedien&ldquo; bevorteilt werden sollen, die bei zahlreichen zentralen Themen unseri&ouml;s und kampagnenhaft agieren &ndash; das ist einfach nur absurd. <\/p><p>Die Landesmedienanstalten wollen mit dem aktuellen Vorsto&szlig; keine Inhalte l&ouml;schen lassen. Der Effekt der indirekten Zensur stellt sich durch die ungleiche Sichtbarkeit ein, umsetzen sollen es private Konzerne. Das Vorhaben muss als sehr bedenklich bezeichnet werden &ndash; es widerspricht allen offiziellen Phrasen vom Schutz der Meinungsvielfalt und es sollte Widerstand hervorrufen. <\/p><p><small>Titelbild: monticello \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69883\">Alternativmedien im Visier der Medienanstalten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=120329\">Landesmedienanstalt schikaniert Multipolar<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72356\">Landesmedienanstalt: Verfahren gegen KenFM<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=66501\">Millionen f&uuml;r die gro&szlig;en Medien &ndash; Zensur f&uuml;r die Alternativ-Medien<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ec05a3e9f5724d759d33cf9803ca4150\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein aktuell von deutschen Landesmedienanstalten vorangetriebener Plan sieht vor, Social-Media-Plattformen k&uuml;nftig vorzuschreiben, dass sie Inhalte von ausgew&auml;hlten &bdquo;verl&auml;sslichen&ldquo; Medien bevorzugt anzeigen. 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