{"id":151461,"date":"2026-06-04T15:00:53","date_gmt":"2026-06-04T13:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151461"},"modified":"2026-06-04T17:30:13","modified_gmt":"2026-06-04T15:30:13","slug":"mit-leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151461","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (18)"},"content":{"rendered":"<p>In dieser 18. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; erz&auml;hlt eine Leserin, wie ein &auml;lterer Kamerad ihrem 16-j&auml;hrigen Vater vermutlich das Leben rettete, und berichtet von einem bewegenden Gespr&auml;ch mit ihrem Enkel &uuml;ber den Kriegsdienst. Eine andere erz&auml;hlt davon, wie sich ihr als kleines M&auml;dchen der Anblick verwundeter Soldaten kurz vor Kriegsende ins Ged&auml;chtnis einbrannte. Ein anderer Leser teilt Geschichten &uuml;ber Verdr&auml;ngung und Aufarbeitung und die langen Schatten von Nationalsozialismus und Krieg in einem Ort in S&uuml;dniedersachsen. <\/p><p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. <\/p><p>Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7323\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-151461-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260603_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_18_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260603_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_18_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260603_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_18_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260603_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_18_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=151461-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260603_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_18_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260603_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_18_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816\">achten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812\">neunten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150802\">zehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038\">elften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151098\">zw&ouml;lften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151156\">dreizehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151209\">vierzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151229\">f&uuml;nfzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151393\">sechzehnten Teil<\/a>, sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151418\">siebzehnten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&bdquo;Er h&auml;tte das Rad auch selbst nehmen k&ouml;nnen.&rdquo;<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte NachDenkSeiten<br>\nliebes NDS-Team,<\/p><p>ich bin Jahrgang 1957. Oft, sehr oft holen&nbsp;mich in der neuen Zeit der Kriegst&uuml;chtigkeit die Erz&auml;hlungen meiner Eltern und meiner Schwiegermutter ein. Ich gebe sie hier aus meiner Erinnerung wieder.<\/p><p>Meine Mutter<br>\nIhr Vater verstarb fr&uuml;h an einer schweren Erkrankung. Da war meine Mutter erst zwei Jahre alt, ihr &auml;lterer Bruder war vier. Ihr j&uuml;ngerer Bruder wurde erst nach dem Tod des Vaters geboren. Er wurde im Alter von zwei Jahren auf dem Gutshof, auf dem die Mutter (meine Gro&szlig;mutter) arbeitete, von einem Pferd erschlagen. Meine Gro&szlig;mutter verlie&szlig; daraufhin den Hof und zog ihre beiden anderen Kinder unter viel Entbehrungen allein gro&szlig;. Dann kam der Krieg. Der &auml;ltere Bruder meiner Mutter erhielt im Jahre 1944 im Alter von 18 Jahren den &bdquo;Stellungsbefehl&rdquo; und wurde &bdquo;eingezogen&rdquo;. Im Januar 1945 verstarb meine kr&auml;nkliche und immer um ihren Sohn besorgte Gro&szlig;mutter. Meine Mutter lie&szlig; ihrem Bruder per Feldpost eine Nachricht zukommen, in der (naiven) Hoffnung,&nbsp;er m&ouml;ge Fronturlaub zum Tode der Mutter erhalten. Sie wartete jeden Tag auf seine Heimkehr. Stattdessen erhielt sie etwa vier Wochen nach dem Tod der Mutter ein Telegramm: &bdquo;Gefallen f&uuml;r F&uuml;hrer, Volk und Vaterland.&ldquo; Sie war nun allein, mit 17 Jahren. Meine Gro&szlig;mutter hatte vom Tod ihres Sohnes nicht mehr erfahren, ob der Bruder meiner Mutter (mein Onkel, von dem ich nur aus den Erz&auml;hlungen meiner Mutter wei&szlig;) noch vom Tode der Mutter erfahren hat, wusste sie nicht. Vermutlich aber wohl nicht. Das hoffte sie jedenfalls.<\/p><p>Mein Vater<br>\nEr wurde Anfang 1945 mit 16 Jahren noch eingezogen und an die Front in Marsch gesetzt. Doch er ist, wie er sagte, &bdquo;dort nicht mehr angekommen&rdquo;. Vorher kam der Befehl zum R&uuml;ckzug. Seinen Kompanief&uuml;hrer, ein D&auml;ne, erw&auml;hnte mein Vater mehrmals anerkennend: &bdquo;Er wollte nur noch, dass wir alle nach Hause kommen.&rdquo; Es war ein eiliger Fu&szlig;marsch von vielen endlosen Kilometern, eine Flucht vor dem heranr&uuml;ckenden &bdquo;Feind&rdquo;. <\/p><p>Am Wegesrand habe er viele Erfrorene und Get&ouml;tete gesehen. Mein Vater ging diesen langen Weg zusammen mit einem etwa 40-j&auml;hrigen Kameraden, der aus der heimatlichen Nachbargemeinde stammte. Dieser Kamerad fand dann im Stra&szlig;engraben ein altes Fahrrad. Er sagte: &bdquo;Junge, nimm das Rad und fahr damit nach Hause&rdquo;. Das tat mein Vater. M&ouml;glicherweise hat es sein Leben gerettet. Er hat seinen &auml;lteren Kameraden nie wieder gesehen. Ob er &uuml;berlebt hat, wei&szlig; er nicht. Mein Vater sagte immer: &bdquo;Er h&auml;tte das Rad auch selbst nehmen k&ouml;nnen.&rdquo;<\/p><p>Meine Schwiegermutter<br>\nAuch ihr Bruder fiel mit 19 Jahren. Er war der &Auml;lteste und der einzige Bruder von vier Schwestern, die mit den Eltern zur&uuml;ckblieben.<\/p><p>Mein Schwiegervater<br>\nEr war Jahrgang 1921 und meldete sich im Alter von 17 Jahren freiwillig. Er nahm am Russland-Feldzug teil, wurde verletzt und kam ins Lazarett. Nach der Genesung kam er nach Nordafrika. In Tunesien geriet er in franz&ouml;sische Kriegsgefangenschaft. In der Gefangenschaft musste er S&uuml;dfr&uuml;chte auf Schiffe verladen. Auf Entwendung einer Frucht (vor Hunger) stand die Todesstrafe. Er hatte gelernt, vor Ersch&ouml;pfung im Stehen zu schlafen. <\/p><p>Erst im Jahre 1952 kam er im Alter von 31 Jahren endlich nach Hause. 1953 heiratete er und 1954 wurde das erste Kind (mein sp&auml;terer Mann) geboren. Aus den Erz&auml;hlungen meiner Schwiegermutter und meines Mannes schlie&szlig;e ich, dass er auf Grund seiner Kriegserfahrungen wohl an schweren chronischen Depressionen litt. Am rechten Bein hatte er eine Kriegsverletzung davongetragen, die ihm zus&auml;tzlich und dauerhaft auch sehr zusetzte. Im Jahre 1968, als er 47 Jahre alt war, sollte das Bein amputiert werden. Das war dann der letzte Ausl&ouml;ser f&uuml;r ihn, sich das Leben zu nehmen. Da war mein Mann 14 Jahre alt, seine j&uuml;ngere Schwester war neun Jahre. Letztlich forderte der Krieg 23 Jahre nach Kriegsende noch seinen Tribut.<\/p><p>Wir sind die Kinder der Kriegsgeneration. Es war nicht immer leicht mit unseren Eltern. Aber heute weine ich manchmal um sie &ndash; und um uns. Ich hoffe inst&auml;ndig, dass der Krieg nachfolgenden Generationen erspart bleibt, auch wenn es manchmal hoffnungslos erscheinen mag. NIE wieder, hei&szlig;t NIE wieder!<\/p><p>Ich habe f&uuml;nf Enkelkinder. Mein jetzt neunj&auml;hriger Enkel antwortete mir kurz vor seinem achten Geburtstag auf meine Frage, ob er denn wie sein Vater und seine Mutter auch einmal zur Bundeswehr gehen m&ouml;chte: &bdquo;Nein, das m&ouml;chte ich nicht, das ist ja lebensgef&auml;hrlich!&rdquo; Das best&auml;tigte ich ihm und auf meine R&uuml;ckfrage sagte er: &bdquo;ICH WILL NICHT T&Ouml;TEN UND ICH WILL NICHT GET&Ouml;TET WERDEN!&rdquo;. Das waren exakt seine Worte. Ich habe sie t&auml;glich im Kopf und sein Wort ist mir Befehl. Diese Metapher sei mir in diesem Zusammenhang ausnahmsweise erlaubt.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e<br>\nAngelika Achterkamp&nbsp;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>&bdquo;Wir mu&szlig;ten das tote Kind im Stra&szlig;engraben zur&uuml;cklassen.&rdquo;<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter, lieber Herr M&uuml;ller, sehr geehrte Damen und Herren der NDS,<\/p><p>leider komme ich erst heute dazu, eine von vielen Dutzenden Erinnerungen zu formulieren. Bitte entschuldigen Sie den Verzug.<\/p><p>Meine damals vierzehnj&auml;hrige Mutter erz&auml;hlte oft diese Geschichte:<\/p><p>Ihre Mutter mu&szlig;te im M&auml;rz 1945 aus einem kleinen Dorf aus Hinterpommern vor der herannahenden Roten Armee von ihrem mittelgro&szlig;en Bauernhof fliehen. Weil mein Gro&szlig;vater schon verstorben war, war meine damals 40-j&auml;hrige Gro&szlig;mutter allein verantwortlich f&uuml;r ihre 4 halbw&uuml;chsigen Kinder und das wenige Hab und Gut, was sie auf dem Pferdewagen mitnehmen konnten. <\/p><p>Mit auf dem Treck war auch ein franz&ouml;sischer Hilfsarbeiter sowie andere Dorfbewohner, darunter weitere Verwandte und eine Mutter mit einem S&auml;uglingsm&auml;dchen. <\/p><p>Erst wenige Kilometer unterwegs, konnte sie ihr Kind nicht mehr n&auml;hren. &bdquo;Sie hatte keine Milch mehr. Wir mu&szlig;ten das tote Kind im Stra&szlig;engraben zur&uuml;cklassen.&rdquo; <\/p><p>Das war der Grund f&uuml;r meine Mutter ihrer Tochter, 15 Jahre sp&auml;ter den Namen dieses M&auml;dchens zu geben. Meine Schwester ist somit lebenslang Erinnerungstr&auml;gerin an dieses f&uuml;r meine Mutter traumatische Erleben.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e!<br>\nBernd Ebener, Greifswald (*1958)<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Die Zugfahrt &uuml;ber die besch&auml;digten Br&uuml;cken verfolgt mich noch heute.<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes Team der NDS,<\/p><p>leider komme ich erst heute dazu, von meinen Erinnerungen zu berichten, die mich seit meinen Kindertagen zur absoluten Pazifistin gemacht haben.<\/p><p>Ich bin Jahrgang 1940, geboren in Essen. Mein Vater war 1943 schon sehr krank und wurde nicht mehr eingezogen. Er blieb in Essen zur&uuml;ck, w&auml;hrend meine Mutter und ich nach Sulzberg bei Kempten evakuiert wurden. Da beginnen auch meine Erinnerungen. <\/p><p>Es gab Fliegeralarm, die Sirenen heulten, was noch heute in meinen Ohren schrecklich klingt. Wir sa&szlig;en im verdunkelten Zimmer oder versteckten uns im Stra&szlig;engraben, wenn wir auf der Chaussee unterwegs waren. Bei einem Besuch in Kempten gab es Fliegeralarm, wir flohen in den Luftschutzbunker. Nach der Entwarnung lag vor dem Bunker eine Brandbombe und auf dem nahen Bahnhof stand ein Lazarettzug mit verwundeten Soldaten. Diese Bilder sehe ich noch heute nach 80 Jahren. <\/p><p>In den letzten Kriegsmonaten kam auch mein schwerkranker Vater ins Allg&auml;u, da unsere Wohnung in Essen bei einem Bombenangriff zerst&ouml;rt wurde. Eine Cousine mit einem Kleinkind und einem Baby musste aus Posen fliehen und kam im tiefsten Winter zu uns ins Allg&auml;u. <\/p><p>Nach Kriegsende kamen erst Franzosen und dann Amerikaner ins Dorf. Wir mussten zeitweise die H&auml;user r&auml;umen und in den umliegenden Bauernh&auml;usern unterkommen.&nbsp;<\/p><p>Meine Eltern wollten dann zur&uuml;ck nach Essen. Die Zugfahrt &uuml;ber die besch&auml;digten Br&uuml;cken verfolgt mich noch heute. Essen lag in Tr&uuml;mmern und wir hatten lange nur verschiedene Notunterk&uuml;nfte. Dann starb mein Vater. Meine Mutter bekam Arbeit als Tr&uuml;mmerfrau auf der Margarethenh&ouml;he und auch ein Mansardenzimmer wurde uns zugewiesen.<\/p><p>Ich wurde 1947 eingeschult. Einen Schulranzen hatte ich nicht, sondern nur eine selbstgen&auml;hte Stofftasche. Es war eine schwierige Zeit, da meine Mutter aber zum Hamstern aufs Land fuhr, mussten wir nicht hungern.&nbsp;Meine Mutter hat sp&auml;ter wieder geheiratet. Mein Stiefvater kam aus Ostpreu&szlig;en. Er hat &uuml;ber seine Flucht geschrieben. Die Aufzeichnungen befinden sich noch in meinem Besitz. Sollten Sie Interesse haben, w&uuml;rde ich sie Ihnen gerne schicken.&nbsp;<\/p><p>Obwohl ich schon seit mehreren Jahren eine treue NDS-Leserin bin, ist dies mein erster Leserbrief. Ich bedanke mich recht herzlich f&uuml;r die vielen guten und n&uuml;tzlichen Artikel. <\/p><p>Bitte weiter so, Sie werden gebraucht.&nbsp;<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en&nbsp;<br>\nMally Hahl<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Als die verkohlten Papierfetzen bis nach Moringen flogen<\/strong><\/p><p>Sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team,<\/p><p>ihre Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; hat mich sehr ber&uuml;hrt und inspiriert, meine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit aufzuschreiben. Die &Ouml;rtlichkeiten und Personen k&ouml;nnen Sie gern mit ver&ouml;ffentlichen, sie sind allgemein bekannt.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>Nachkriegserinnerungen:<\/p><p>Ich wurde 1947 geboren und wuchs in der kleinen Stadt Moringen in S&uuml;dniedersachsen auf. &Uuml;ber die Kriegszeit erfuhr ich von meiner Familie nur sehr sp&auml;rlich etwas, wenn ich als 10-\/12-j&auml;hriger Fragen stellte. <\/p><p>Der &auml;lteste Sohn meiner Oma v&auml;terlicherseits war in Russland als vermisst registriert, aber seine Mutter sagte: &bdquo;Der Herrmann hat bestimmt eine nette russische Frau geheiratet und einen kleinen Bauernhof in der Ukraine, irgendwann kommt er zu Besuch und erz&auml;hlt, wie gut es ihm geht.&ldquo; Unter Tr&auml;nen hat sie ihn dann Anfang der 1960er-Jahre f&uuml;r tot erkl&auml;ren lassen. <\/p><p>Sein j&uuml;ngerer Bruder, mein Vater, wurde 1944 mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen und sollte in Salzgitter feindliche Flugzeuge abschie&szlig;en. Kurz vor Kriegende warf er seine Waffen weg und ging zu Fu&szlig; nach Hause. <\/p><p>Meine Oma hat nicht viel vom Krieg erz&auml;hlt, nur von der Bombennacht 1943 in Kassel, als die verkohlten Papierfetzen bis nach Moringen flogen und dass die Moringer Juden auf den Knien das Gras aus den Steinritzen der B&uuml;rgersteige rupfen mussten, dar&uuml;ber h&auml;tte sich keiner aufgeregt, auch dann nicht, als die dann verschwunden waren. <\/p><p>Mein Opa war Lehrer und Tischler und ein Nazi- Gegner: &bdquo;Die haben den d&uuml;mmsten Bauern zum Ortsgruppenleiter gemacht, das konnte nichts Gutes werden.&ldquo; Aber er musste in seiner Werkstatt f&uuml;r die Wehrmacht Munitionskisten bauen, um zu &uuml;berleben, und wurde kurz vor Kriegsende noch &bdquo;zum Schanzen&ldquo; eingezogen. <\/p><p>Erst Mitte der 1960-er Jahre haben zwei evangelische Pfarrer (der eine fuhr einen Amischlitten, der andere hatte lange Haare) aufgedeckt, dass es in Moringen ein Konzentrationslager gab. Zuerst war es ein Frauen-KZ, das sp&auml;ter nach Ravensbr&uuml;ck verlegt wurde, und dann ein KZ f&uuml;r Jugendliche, &bdquo;Swingboys, Landstreicher, Verwahrloste und Kleinkriminelle&ldquo;. Die mussten in der Landwirtschaft und bei der Firma Piller Zwangsarbeit leisten, &uuml;ber 100 wurden ermordet oder verhungerten und wurden auf dem &ouml;rtlichen Friedhof begraben. <\/p><p>Als das &ouml;ffentlich bekannt wurde, haben viele Einheimische das geleugnet, dabei haben sie jeden Tag das Klappern der Holzpantinen geh&ouml;rt, wenn die H&auml;ftlinge zur Arbeit und wieder zur&uuml;ck getrieben wurden. Der bis 1945 t&auml;tige &auml;rztliche KZ- Direktor Dr. Krack hat nach Kriegsende eine Arztpraxis betrieben und einer der Wachleute einen Milchladen aufgemacht. Als Jugendliche haben wir das alles mit Abscheu wahrgenommen und als &bdquo;Wiedergutmachung&ldquo; den von den Nazis verw&uuml;steten Judenfriedhof wiederhergerichtet, daf&uuml;r wollte uns die Kyffh&auml;userjugend nachts verpr&uuml;geln. <\/p><p>Als dann anl&auml;sslich der 1.000-Jahr-Feier herauskam, dass in der von einem G&ouml;ttinger &bdquo;Historiker&ldquo; geschriebenen Chronik als Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Kriegsbeginn 1939 geschrieben stand, dass nach dem durch einen Juden ver&uuml;bten Attentat auf den deutschen Botschafter in Paris am 07.11.1938 &bdquo;Deutschland gezwungen war, einen Selbstbehauptungskrieg anzufangen&ldquo;, wurde die &Ouml;ffentlichkeit aufmerksam, sodass diese Chronik eingestampft werden musste und neu geschrieben wurde. Dar&uuml;ber wurde sogar in den USA berichtet, und als Folge davon wurden die beiden evangelischen Pfarrer zwangsversetzt. <\/p><p>All diese Ereignisse: das Relativieren der Nazigr&auml;uel, die Verharmlosung der Kriegsereignisse und eine systematische Kultur des Vergessens und der Verdr&auml;ngung haben sp&auml;ter f&uuml;r mich zu der Erkenntnis gef&uuml;hrt, dass die beginnende Militarisierung und die erstarkenden faschistisch gepr&auml;gten rechten Parteien wie NPD und auch AfD auf die Nicht-Aufarbeitung der Nazi-Diktatur zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind. <\/p><p>Und wieder wird durch den Aufbau von Feindbildern (die Russen kommen) eine wahnsinnige Aufr&uuml;stung betrieben, und wieder profitieren davon die R&uuml;stungsmonopole, die Finanzwirtschaft und deren Aktion&auml;re. Diese Sofakrieger gehen nat&uuml;rlich nicht an die Front, sondern es werden die &bdquo;normalen&ldquo; jungen Menschen in den Krieg geschickt, die dann traumatisiert, zerschossen oder &uuml;berhaupt nicht wiederkommen. <\/p><p>Wann fangen die Menschen an zu begreifen, was Kriege bedeuten und dass jeder die Pflicht hat, diese zu verhindern? <\/p><p>A. Hilke<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small>Titelbild: &Uuml;berlebende aus &#321;&oacute;d&#378; auf dem Weg nach Berlin. \/ <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Overlevenden_uit_Lodz_op_weg_naar_Berlijn,_Bestanddeelnr_901-3302.jpg\">wikicommons<\/a> \/ <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/publicdomain\/zero\/1.0\/deed.en\">CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser 18. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; erz&auml;hlt eine Leserin, wie ein &auml;lterer Kamerad ihrem 16-j&auml;hrigen Vater vermutlich das Leben rettete, und berichtet von einem bewegenden Gespr&auml;ch mit ihrem Enkel &uuml;ber den Kriegsdienst. Eine andere erz&auml;hlt davon, wie sich ihr als kleines M&auml;dchen der Anblick verwundeter Soldaten kurz vor Kriegsende ins Ged&auml;chtnis<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151461\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":151462,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3652,3260,1055,1403,3390,2104,2394,893,2250,3230,966],"class_list":["post-151461","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-erinnerungen-gegen-den-krieg-serie","tag-feindbild","tag-fluechtlinge","tag-konzentrationslager","tag-kriegsgefangene","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-militarisierung","tag-nachkriegszeit","tag-revisionismus","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Overlevenden_uit_Lodz_op_weg_naar_Berlijn_Bestanddeelnr_901-3302.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151461","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=151461"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151461\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151639,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151461\/revisions\/151639"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/151462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=151461"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=151461"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=151461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}