{"id":151546,"date":"2026-06-06T15:00:00","date_gmt":"2026-06-06T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151546"},"modified":"2026-06-06T15:52:55","modified_gmt":"2026-06-06T13:52:55","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151546","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (20)"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Einige Unbelehrbare, darunter nat&uuml;rlich auch ich, waren mit dem freiwilligen Gang in die Gefangenschaft nicht einverstanden, nahmen uns die passenden Waffen aus dem Haufen (ich zwei Eihandgranaten, eine Pistole und mehrere gef&uuml;llte Ladestreifen einer MPi, die das gleiche Kaliber hatte) und wir zogen eigene Wege, um uns, wie wir uns verst&auml;ndigt hatten, nach Berlin durchzuschlagen.&ldquo;<\/p><p>In dieser 20. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; teilt unser Leser Heinz Grote die Erinnerungen seines Vaters Claus Grote an dessen Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft als 17-J&auml;hriger und seine Fluchtversuche.<\/p><p>Wir ver&ouml;ffentlichen diesen Beitrag aufgrund seiner L&auml;nge in zwei Teilen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4111\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-151546-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260606_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_20_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260606_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_20_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260606_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_20_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260606_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_20_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=151546-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260606_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_20_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260606_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_20_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.<\/p><p>Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816\">achten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812\">neunten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150802\">zehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038\">elften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151098\">zw&ouml;lften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151156\">dreizehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151209\">vierzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151229\">f&uuml;nfzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151393\">sechzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151418\">siebzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151461\">achtzehnten Teil<\/a>, sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151530\">neunzehnten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Noch keine 18 Jahre alt <\/strong><\/p><p><strong>Teil 1<\/strong><\/p><p>Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,<\/p><p>ich selbst bin erst 1954 geboren, habe also bisher das Gl&uuml;ck, keine Erfahrungen mit Krieg und den unmittelbaren Folgen zu haben. Trotzdem m&ouml;chte ich zu dem Aufruf etwas beisteuern:<\/p><p>In dem Nachlass meines Gro&szlig;vaters m&uuml;tterlicherseits (Jahrgang 1897) habe ich eine Beschreibung seiner Erlebnisse der letzten Kriegstage und seiner Zeit in sowjetischer Gefangenschaft gefunden, geschrieben unmittelbar nach seiner Heimkehr im September 1945. (&bdquo;Gefangenschaft&ldquo;)<\/p><p>Auch mein Vater (Jahrgang 1927 und noch am Leben) hat (allerdings erst viele Jahre sp&auml;ter) einen Bericht &uuml;ber seine Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft geschrieben, der im folgenden Anhang beigef&uuml;gt ist. (&bdquo;Kriegsgefangenschaft&ldquo;)<\/p><p>Beide Berichte sind zur Ver&ouml;ffentlichung m&ouml;glicherweise zu lang und ausf&uuml;hrlich. Gerade die Beschreibung einzelner Details hat mich bei der Lekt&uuml;re aber so fasziniert, dass ich sie einem gr&ouml;&szlig;eren Publikum nicht vorenthalten m&ouml;chte.<br>\nWeitere Fragen oder Erg&auml;nzungen zu den Personen und deren Lebensumst&auml;nden kann ich gern beantworten.<\/p><p>Ihnen bei diesem und den anderen Projekten der NachDenkSeiten viel Erfolg w&uuml;nschend,<br>\nverbleibe ich mit solidarischen Gr&uuml;&szlig;en<\/p><p>Heinz Grote<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Anm. d. Red.: Wir ver&ouml;ffentlichen beide Berichte. Es folgt der Bericht &bdquo;Kriegsgefangenschaft&ldquo; des Vaters &uuml;ber seine Zeit in US-amerikanischer Gefangenschaft &ndash; Teil 1. <\/em><\/p><p><em>Den Bericht des Gro&szlig;vaters &uuml;ber die Zeit in sowjetischer Kriegsgefangenschaft <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151530\">finden sie hier<\/a>.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>&bdquo;Claus Grote<\/p><p>Berlin, 26.04.1992<\/p><p>Kriegsgefangenschaft 7.4.1945 bis 6.2.1946<\/p><p>Politisch bewu&szlig;t zu denken, ohne den Einflu&szlig; der Nazis, begann ich erst, als der Krieg f&uuml;r mich pers&ouml;nlich zu Ende war: mit meiner Gefangennahme durch die US-Armee. Im Gefangenenlager lernte ich Menschen kennen, die noch die Zeit vor 1933 als Erwachsene kennengelernt hatten und &ndash; im Gegensatz zur Kriegszeit &ndash; jetzt offen dar&uuml;ber sprechen konnten.<\/p><p>Ich h&ouml;rte, da&szlig; die Idee der Autobahn keineswegs von den Nazis stammte, da&szlig; man die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit durch die Nazis auch als Resultat der ungeheuerlichen Aufr&uuml;stung sehen konnte, und ich h&ouml;rte erstmals von den Verbrechen in den KZs. So br&ouml;ckelte die von den Nazis vermittelte &bdquo;Weltanschauung&rdquo; langsam, aber sicher ab, zumal ich den Eindruck haben mu&szlig;te, da&szlig; die betreffenden Mitgefangenen durch niemanden gezwungen wurden, diese ihre Meinungen zu vertreten. Irgendwelche ideologische Beeinflussungen seitens der amerikanischen Lagerleitung gab es nicht.<\/p><p>Daf&uuml;r gab es aber umso mehr indirekte Einfl&uuml;sse. Das war einmal die st&auml;ndig schlechter werdende Verpflegung, die medizinische Versorgung und die anderen Umst&auml;nde, unter denen wir leben mu&szlig;ten. Nach meiner Gefangennahme am 7.4.45. in einem W&auml;ldchen in der N&auml;he der th&uuml;ringischen Gemeinde Farnroda (bei Eisenach) wurde ich &uuml;ber die Zwischenstationen Thal und Hersfeld in das ber&uuml;chtigte Gefangenenlager Bad Kreuznach gebracht, wo ich etwa die Zeit vom 10.4. bis Ende Mai 1945 zubrachte, noch keine 18 Jahre alt.<\/p><p><strong>Wir schossen, ohne irgendetwas zu sehen<\/strong><\/p><p>&Uuml;brigens verlief die Gefangennahme recht wenig heldenhaft. Unser letzter Kampfauftrag lautete, die nachts in dem besagten W&auml;ldchen bezogene Stellung gegen amerikanische Angriffe zu halten. Am Morgen des 7.4.45 kam auch tats&auml;chlich ein solcher Angriff, nachdem wir in der Nacht zuvor eine f&uuml;rchterliche Schie&szlig;erei &uuml;berlebt hatten, wahrscheinlich mit nicht identifizierten zur&uuml;ckgehenden deutschen Soldaten. Wir schossen, ohne irgendetwas zu sehen, und &auml;hnlich war es w&auml;hrend des US-Angriffs. So blieb mir erspart, wie auch schon an den Tagen zuvor, da&szlig; ich bewu&szlig;t auf einen Menschen gezielt und abgedr&uuml;ckt habe, und ich habe auch keinen Menschen durch unser Feuer fallen sehen. Dabei glaube ich, heute einsch&auml;tzen zu m&uuml;ssen, da&szlig; mir so etwas damals keinerlei Gewissensbisse verursacht h&auml;tte, ich verteidigte ja Deutschland, mein Vaterland, und war au&szlig;erdem &uuml;berzeugt, da&szlig; die Frage nur so lautete: Entweder die &ndash; oder ich.<\/p><p>Als der Angriff wegen unserer Gegenwehr zur&uuml;ckgezogen wurde, erwarteten wir die &uuml;bliche amerikanische Reaktion, Fl&auml;chenbombardement durch Flieger oder Artillerie, aber unser Zugf&uuml;hrer war doch so vern&uuml;nftig, uns aus unseren Stellungen zur&uuml;ckzurufen und zu erkl&auml;ren, wir h&auml;tten gemeinsam gek&auml;mpft und gingen nun gemeinsam in Gefangenschaft.<\/p><p>Auf dem Sammelplatz, ein Hohlweg im Wald, lag bereits ein ansehnlicher Haufen von Waffen, vom leichten Granatwerfer bis zur MPi. Einige Unbelehrbare, darunter nat&uuml;rlich auch ich, waren mit dem freiwilligen Gang in die Gefangenschaft nicht einverstanden, nahmen uns die passenden Waffen aus dem Haufen (ich zwei Eihandgranaten, eine Pistole und mehrere gef&uuml;llte Ladestreifen einer MPi, die das gleiche Kaliber hatte) und wir zogen eigene Wege, um uns, wie wir uns verst&auml;ndigt hatten, nach Berlin durchzuschlagen. Da sch&ouml;nes Wetter war, konnten wir uns nach der durch die Baumwipfel scheinenden Sonne richten.<\/p><p><strong>Wir zerrissen unsere Soldb&uuml;cher und vergruben die Schnitzel im Gartenland<\/strong><\/p><p>Unser erster Ausflug in die Selbst&auml;ndigkeit endete bereits nach einer halben Stunde, als wir in etwa 150 m Entfernung eine ganze Kompanie US-Soldaten erblickten, die in Sch&uuml;tzenkette den Wald durchk&auml;mmte, die Schnellfeuergewehre im Anschlag. Uns f&uuml;nf halben Kindern sank das Herz in die Hose, wir warfen uns auf den Boden, und als die Amerikaner etwa auf 30 Meter herangekommen waren, ohne uns zu bemerken, rief ich laut &bdquo;Don&rsquo;t shoot&rdquo; und stand mit erhobenen H&auml;nden auf. Gl&uuml;cklicherweise taten das dann auch die vier anderen, und die schrecklich aufgeregten Amerikaner hielten zu unserem Gl&uuml;ck ihre Zeigefinger gerade. Sie sammelten nur die Waffen ein, die wir abgelegt hatten, und f&uuml;hrten uns, die die H&auml;nde &uuml;ber dem Kopf verschr&auml;nken mu&szlig;ten, bis zu einer kleinen Lichtung, wo wir einige verletzte deutsche Gefangene aufgeladen bekamen, die wir dann bis ins Tal hinunter in das Dorf Thal tragen mu&szlig;ten.<\/p><p>Dort wurden die Verletzten mit Sanit&auml;tskraftwagen abtransportiert, wir wurden unter Bewachung f&uuml;r einige Stunden in einem eingez&auml;unten Vorgarten eingesperrt. Dort befolgten wir gehorsam eine Anweisung, die wir noch bei der Wehrmacht bekommen hatten: Wir zerrissen unsere Soldb&uuml;cher und vergruben die Schnitzel im Gartenland. Die Amerikaner sollten ja nicht wissen, mit welchen Eliteeinheiten der Deutschen Wehrmacht sie es zu tun hatten &ndash; das alles angesichts der von allen Seiten in das geschrumpfte Deutsche Reich eindringenden alliierten Truppen.<\/p><p><strong>Pechv&ouml;gel, die in den halbgef&uuml;llten Schei&szlig;graben fallen<\/strong><\/p><p>Die Amerikaner hatten uns im Eifer des Gefechts (und wohl auch im Bewu&szlig;tsein ihrer ungeheuren &Uuml;berlegenheit) nicht nach Waffen abgetastet, und so bemerkte ich erst sp&auml;ter (im Durchgangslager Hersfeld), da&szlig; ich noch zwei scharfe Eihandgranaten in den Hosentaschen hatte. Da ich mich nicht traute, mit denen an einen amerikanischen Posten heranzutreten, landeten die Handgranaten schlie&szlig;lich in dem um das ganze Lager gezogenen Graben, der den Gefangenen als Latrine dienen mu&szlig;te.<\/p><p>In Hersfeld brachten wir nur einige Tage unter freiem Himmel zu, die Verpflegung war relativ gut, jedenfalls besser als in Bad Kreuznach, der n&auml;chsten Station. &Uuml;ber das Gefangenenlager Bad Kreuznach ist zumindest ein Buch geschrieben worden, das ich kenne. Es gibt die Situation ziemlich korrekt wieder: Auf einem etwa 30 &ndash; 40 ha gro&szlig;en, durch einen doppelten Stacheldrahtzaun eingeschlossenen Acker sind ungef&auml;hr 100 000 Gefangene untergebracht, unter freiem Himmel. Etwa 5 m vom inneren Zaun entfernt befindet sich die Latrine, ein durchgehender Graben von 1 1\/2 m Tiefe, etwa 1\/2 m breit, man hockt sich quer dar&uuml;ber. Der Graben ist nur unterbrochen am Eingang. Der ist scharf bewacht, Ann&auml;herung auf mehr als 20 m ist lebensgef&auml;hrlich. Ab und zu knallt es zur Warnung. Etwas weiter weg sind einige Kesselwagen aufgestellt, die einigerma&szlig;en regelm&auml;&szlig;ig mit Wasser gef&uuml;llt werden, so da&szlig; jeder, der sich anstellt, pro Tag ungef&auml;hr 1\/2 bis 1 Liter bekommen kann, je nachdem, ob er nur eine alte Konservenb&uuml;chse hat oder noch ein richtiges Kochgeschirr. Zum Waschen reicht es auf keinen Fall, und die Pechv&ouml;gel, die nach einem Regen auf dem aufgeweichten Boden ausgleiten und in den halbgef&uuml;llten Schei&szlig;graben fallen, m&uuml;ssen bis zum n&auml;chsten Regen warten, um den Gestank und den Dreck halbwegs wieder loszuwerden.<\/p><p>In der N&auml;he der Wasserkessel sind auch zwei Sanit&auml;tszelte aufgestellt, mit deutschen &Auml;rzten und Sanit&auml;tern, aber ohne jeden Verband, ohne Medikamente und ohne jedes Ger&auml;t. Das bemerke ich nach etwa zwei Wochen Aufenthalt, als ich an einem Abend f&uuml;rchterliche Ohrenschmerzen bekomme, weinend zum Zelt schleiche und au&szlig;er seelischem Zuspruch und wohlmeinenden Ratschl&auml;gen keinerlei Hilfe bekommen kann. Der Zufall hat mich vor Schlimmerem bewahrt, da mir nichts weiter &uuml;brigblieb, legte ich mich auf das schmerzende Ohr, hielt es so warm wie m&ouml;glich, schlief schlie&szlig;lich sp&auml;t nachts ein. Am n&auml;chsten Morgen wachte ich auf, als wenn nichts gewesen w&auml;re.<\/p><p><strong>Der Hunger wurde zum st&auml;ndigen Begleiter<\/strong><\/p><p>Die Verteilung der Verpflegung in Bad Kreuznach war an jedem Tag das wichtigste Ereignis. Sie erfolgte nach dem Prinzip des Hammelsprungs. Alle Gefangenen wurden auf eine H&auml;lfte des Lagers getrieben, in der Mitte wurden die Verpflegungskisten aufgestellt, jeder erhielt beim Durchgang seine Portion, und das wurde zweimal am Tage wiederholt. In der ersten Zeit gab es die Ration C, Army-Verpflegung in B&uuml;chsen, zwei B&uuml;chsen pro Tag. Man erhielt entweder eine B&uuml;chse mit einem Fleisch-Gem&uuml;se-Gemisch, das nat&uuml;rlich nur kalt gegessen werden konnte, oder eine B&uuml;chse mit f&uuml;nf Keksen, einem kleinen Riegel Schokolade, einem Nescaf&eacute;- oder Teebeutel und W&uuml;rfelzucker, evtl. 3 Zigaretten. Zwei B&uuml;chsen entsprachen 2\/3 der Ration eines US-Soldaten. Manchmal erhielten wir eine K-Ration, die qualitativ noch besser, aber quantitativ weniger war. Der Hunger wurde zum st&auml;ndigen Begleiter, ich war ja erst 17 Jahre alt.<\/p><p>Schlimm wurde es aber erst, als die Verpflegung auf D-Ration umgestellt wurde. D-Ration ist identisch mit den Men&uuml;-Paketen, die nach dem Krieg auch massenweise von deutschen US-Amerikanern als CARE-Pakete nach Deutschland an ihre Verwandten geschickt wurden. Sie enthielten ein qualitativ hochwertiges Sortiment an Lebensmitteln, von denen die H&auml;lfte aber warm zubereitet werden mu&szlig;te. Da das in Bad Kreuznach nicht m&ouml;glich war, wurden die entsprechenden Teile (also Grie&szlig;, Trockenkartoffeln usw.) eben roh gegessen. Jeweils 16 Gefangene erhielten ein Paket pro Tag und die mu&szlig;ten sich das so gerecht wie m&ouml;glich teilen. Ungeschriebenes Gesetz war: Wer teilt, mu&szlig; die letzte &uuml;brig bleibende Portion nehmen. Dieses Gesetz wurde in zunehmendem Ma&szlig;e durchbrochen, wenn der Teilende besonders gro&szlig; und kr&auml;ftig war oder eine Leibgarde besa&szlig;. &Auml;hnlichkeiten mit dem gegenw&auml;rtig in Deutschland verlaufendem und von de Maizi&egrave;re beschworenen Teilungsproze&szlig; sind auffallend.<\/p><p><strong>Viele Gefangene begannen, sich f&uuml;r die Nacht Gruben zu buddeln<\/strong><\/p><p>Die letzten Wochen meines Aufenthalts wurden schlie&szlig;lich unertr&auml;glich. Jetzt fiel die amerikanische Verpflegung ganz weg und wurde durch Verpflegung aus alten Wehrmachtbest&auml;nden ersetzt. Rohe Kartoffeln (drei St&uuml;ck pro Tag), Kohl und hartes Geb&auml;ck (aus den eisernen Rationen) wurden verteilt, auch das in der Menge v&ouml;llig unzureichend. Viele Gefangene begannen, sich f&uuml;r die Nacht Gruben zu buddeln, in denen man besser schlief, weil man die Form des Bodens dem K&ouml;rper anpassen konnte und auch vor dem kalten Nachtwind besser gesch&uuml;tzt war. Diese Gruben waren auch g&uuml;nstig, weil bei tats&auml;chlichen oder bef&uuml;rchteten Ausbruchsversuchen von den Posten mit Leuchtmunition quer &uuml;ber das Lager geschossen wurde, zur Abschreckung, und wenn eine Kugel zuf&auml;llig zu tief abkam, dann konnte schon einmal jemand Pech haben, der v&ouml;llig unbeteiligt war.<\/p><p>Bei dieser Grabenbuddelei entdeckte ich eines Tages zwiebelartige Knollen im Boden, die man essen konnte, jedenfalls waren sie etwas gegen den Hunger, wahrscheinlich waren es Blumenzwiebeln. Da zur Wehrmachtverpflegung manchmal auch Trockenpflaumen geh&ouml;rten, machte ich mich &uuml;ber die Kerne her, die, mit einem Stein zertr&uuml;mmert, im Innern einen nach Mandeln schmeckenden Kern hergaben. Ich hatte das als einer der ersten gemerkt, und der Hunger veranla&szlig;te mich, auch nach fremden Pflaumenkernen zu suchen, zum Gl&uuml;ck mit wenig Erfolg &ndash; bereits einige Dutzend Kerne enthalten eine t&ouml;dliche Dosis Blaus&auml;ure, wie ich heute wei&szlig;.<\/p><p>Bei der Einsch&auml;tzung der Situation mu&szlig; man ber&uuml;cksichtigen, da&szlig; die Amerikaner offenbar &uuml;berfordert waren, als im April\/Mai die deutschen Wehrmachtangeh&ouml;rigen zu Hunderttausenden in die Gefangenenlager str&ouml;mten. Es ist aber kein Zweifel, da&szlig; Korruption und Desorganisation das Ihre taten, um die Situation regional zu verschlimmern. Bad Kreuznach jedenfalls geh&ouml;rt zu den Negativposten der damaligen Sieger, und die in diesen Wochen gepr&auml;gte Abneigung gegen den &bdquo;american way of life&rdquo; hat sicher auch zur Entwicklung meiner &Uuml;berzeugungen und Anschauungen beigetragen.<\/p><p><strong>Weil die Nazipropaganda immer noch tief genug sa&szlig;<\/strong><\/p><p>Etwa vier Wochen nach meiner Ankunft in Bad Kreuznach wurde angrenzend an unser Lager ein weiteres, etwas kleineres St&uuml;ck Land eingez&auml;unt und mit Zelten versehen. In der Zwischenzeit wurden Parolen ausgegeben, man k&ouml;nne sich zur franz&ouml;sischen Fremdenlegion melden. Dann erhielte man in einer &Uuml;bergangszeit sofort warme Kleidung, Unterkunft in Zelten und volle Milit&auml;rverpflegung einschlie&szlig;lich Zigaretten und andere Genu&szlig;mittel. Da diese Propaganda offenbar nicht ausreichte, begann mit dem Einzug der ersten Kandidaten f&uuml;r die Legion in das Zeltlager die n&auml;chste Etappe der Beeinflussung, die sich ein heutiger PR-Manager nicht besser ausdenken k&ouml;nnte: Nur durch f&uuml;nf Meter Zwischenraum zwischen den Stacheldrahtz&auml;unen getrennt, wirkten jetzt die frischgewonnenen Legion&auml;re als Multiplikatoren der Anwerber, rauchend, vollgefressen und gut gekleidet.<\/p><p>Die Posten hatten auch nichts dagegen, wenn zum Anf&uuml;ttern mal gro&szlig;z&uuml;gig eine Zigarette oder ein St&uuml;ckchen Schokolade zu den mit gierigen Augen starrenden, aber mit ihrer Freiwilligenmeldung noch z&ouml;gernden Gefangenen hin&uuml;bergeworfen wurde. Ich widerstand dieser Verlockung &ndash; so mu&szlig; ich heute einsch&auml;tzen &ndash; vor allem, weil die Nazipropaganda immer noch tief genug sa&szlig;, um die Fremdenlegion als etwas schrecklich Verwerfliches zu empfinden, nicht weil sie als Instrument der kolonialen Unterdr&uuml;ckung fremder V&ouml;lker diente, sondern weil sie etwas &bdquo;absolut Undeutsches&rdquo; darstellte. So entschied ich mich dann, als die Werbung f&uuml;r die Fremdenlegion schlie&szlig;lich durch die Anwerbung von Freiwilligen f&uuml;r einen Arbeitseinsatz in Frankreich &ndash; mit nur etwas weniger materiellen Anreizen verbundenen Versprechungen &ndash; erg&auml;nzt wurde, f&uuml;r eine solche Arbeit.<\/p><p><strong>Kaum jemand hatte am zweiten Tag noch etwas zu essen<\/strong><\/p><p>Diese Wahl f&uuml;hrte zu schnellen Konsequenzen. Nach wenigen Tagen schon wurde ein erster Transportzug zusammengestellt, zu unserer &Uuml;berraschung befand sich auf den G&uuml;terwagen (f&uuml;r acht Pferde oder 40 Mann) auch reichliche Verpflegung f&uuml;r 40 Mann &ndash; die allerdings, wie wir dann erfahren mu&szlig;ten, f&uuml;r volle drei Tage reichen sollte und damit genau so knapp war wie die alte Wehrmachtsverpflegung, die wir vorher erhalten hatten &ndash; eine bittere Entt&auml;uschung und meine erste Bekanntschaft mit verlogenen Wahlversprechen. Kaum jemand hatte am zweiten Tag noch etwas zu essen, zu trinken bekamen wir gl&uuml;cklicherweise bei jedem Halt auf kleinen Bahnh&ouml;fen.<\/p><p>Solange wir durch das besetzte Deutschland fuhren, sahen wir ab und zu Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, die uns mitf&uuml;hlend zuwinkten. V&ouml;llig anders wurde es auf den Reisekilometern in Frankreich. Hier wurden schon ha&szlig;erf&uuml;llte Schimpfworte laut, und manchmal flog auch ein Stein. F&uuml;r mich war das v&ouml;llig unverst&auml;ndlich, in meiner Naivit&auml;t dachte ich &uuml;berhaupt nicht daran, da&szlig; ein ganzes Volk die Deutschen anders sehen k&ouml;nnte als ich und da&szlig; die Franzosen mit der deutschen Besatzung auch andere Erfahrungen gemacht haben k&ouml;nnten als gelegentliche gemeinsame Verbr&uuml;derungsszenen bei gutem franz&ouml;sischen Rotwein, das pa&szlig;te nicht in meine beschr&auml;nkten Vorstellungen. Was mir pers&ouml;nlich aber noch unmittelbare Beschwerden brachte, war die Tatsache, da&szlig; ich bei Beginn der Fahrt volle 8 Tage keinen Stuhl gehabt hatte &ndash; offenbar versuchte der ausgehungerte K&ouml;rper, das Allerletzte aus den wenigen Nahrungsmitteln herauszuholen, nichts blieb an F&uuml;llstoffen.<\/p><p>Am neunten Tag, dem zweiten unserer Fahrt, konnte ich dann mit ungew&ouml;hnlicher Anstrengung ein knochenhartes St&uuml;ck Kot herauspressen, was mir vor allem aus einem Grund wichtig war: Ich hatte mich mit einem etwa ein Jahr &auml;lteren &bdquo;Kumpel&rdquo;, einem Wolfgang D&uuml;rselen aus Berlin, entschlossen, nachts vom Zug abzuspringen und zu versuchen, uns in die neutrale Schweiz durchzuschlagen, wir hatten von der Gefangenschaft genug. Da wir mit l&auml;ngerem Aufenthalt unterwegs rechneten und in &bdquo;Feindesland&rdquo; waren, h&auml;tte uns ein Darmverschlu&szlig; gezwungen, zivilisierte Hilfe anzunehmen und damit unsere Flucht zu beenden. Logisch denken konnte ich also offenbar.<\/p><p>Es reichte jedoch nicht, zu erkennen, da&szlig; die Schweizer Regierung, die sich w&auml;hrend der Hitler&rsquo;schen Siegesz&uuml;ge kaum antifaschistisch verhielt, nach dem alliierten Sieg kaum Interesse daran haben konnte, die unterlegenen deutschen Soldaten aufzunehmen. Meine Illusionen gingen aber so weit, da&szlig; ich in der dritten Nacht unseres Transports &ndash; wir waren inzwischen schon etwa 100 km in Frankreich &ndash; etwa ein bis zwei Minuten nach Wolfgang vom Zug absprang.<\/p><p><strong>Die n&auml;chtliche Orientierung nach dem Polarstern war uns beiden noch von der milit&auml;rischen Ausbildung her bekannt<\/strong><\/p><p>Wir hatten uns vorher genau &uuml;berlegt, wie wir das zu tun h&auml;tten. Etwa jeder 6. Waggon war mit Wachtposten besetzt, die bei langsamer Fahrt mit Taschenlampen am Zug entlang leuchteten, um sofort auf Fl&uuml;chtende schie&szlig;en zu k&ouml;nnen. Der Zug mu&szlig;te also schnell fahren, aber nicht so schnell, da&szlig; wir uns verletzten. Wir mu&szlig;ten au&szlig;erdem sofort nach dem Absprung dicht an die Schiene heran, damit wir nicht so leicht gesehen w&uuml;rden, und aus dem gleichen Grund m&uuml;&szlig;ten wir das Gesicht solange nach unten halten, bis der letzte Wagen weit genug entfernt w&auml;re. Wie durch ein Wunder klappte alles genau.<\/p><p>Nur eins funktionierte nicht gleich. Wie verabredet, lief ich nach einem tiefen Atemholen und mit einem Gef&uuml;hl der Befriedigung zur&uuml;ck, Wolfgang sollte dem Zug nachlaufen, und so h&auml;tten wir uns begegnen m&uuml;ssen. Jedoch hatten wir offenbar beide die Fahrstrecke zwischen unseren beiden Abspr&uuml;ngen falsch eingesch&auml;tzt, jedenfalls gaben wir nach l&auml;ngerer Suche auf und gingen in die vorgesehene s&uuml;dliche Richtung &ndash; dahin, wo wir die schweizerische Grenze vermuteten, zumindest die n&auml;chtliche Orientierung nach dem Polarstern war uns beiden noch von der milit&auml;rischen Ausbildung her bekannt. Und so geschah ein zweites Wunder in dieser Nacht: In einem kleinen W&auml;ldchen auf einer Lichtung, etwa 1 km von der Bahnstrecke entfernt, sah ich pl&ouml;tzlich gegen den schwach schimmernden Horizont eine hochaufgeschossene Gestalt &ndash; es war Wolfgang.<\/p><p>Dieses kaum noch erwartete Zusammentreffen, in einer zwar sternklaren, aber doch sehr dunklen Nacht, mitten in einem fremden Land, h&auml;tte unseren Optimismus bis zur Euphorie gesteigert, wenn uns nicht der st&auml;ndig knurrende Magen sofort an die n&uuml;chterne Realit&auml;t erinnert h&auml;tte. Wir mu&szlig;ten uns erst einmal etwas zu essen besorgen.<\/p><p><strong>Wir brachten es beide nicht &uuml;bers Herz, mit einem Messer auf das Tierchen loszugehen<\/strong><\/p><p>Da wir keine Ahnung hatten, wo wir uns befanden, entschlossen wir uns, zur Bahnstrecke zur&uuml;ckzugehen, um erst einmal wieder in die N&auml;he menschlicher Siedlungen zu kommen &ndash; da war die Wahrscheinlichkeit gr&ouml;&szlig;er, etwas E&szlig;bares zu finden. Die &Uuml;berlegung war korrekt, wir fanden in einer Art leerem Bahnw&auml;rterh&auml;uschen etwa 10 vertrocknete Scheiben ger&ouml;stetes Wei&szlig;brot &ndash; eine Delikatesse &ndash;, dazu angebrochene Flaschen oder Dosen mit Saft und Kondensmilch, und als Kr&ouml;nung eine gro&szlig;e Konservendose, deren Inhalt sich erst sp&auml;ter entpuppte: eingemachte Aprikosen, wegen des hohen Zuckergehalts besonders nahrhaft.<\/p><p>Dann gingen wir wieder zur&uuml;ck in das W&auml;ldchen, wo wir uns f&uuml;r den Rest der Nacht und den ganzen folgenden Tag aufhielten, da wir uns erst einmal wieder ein bi&szlig;chen aufm&ouml;beln wollten. Das war aber nicht ganz einfach. Am Tage, es war immerhin Anfang Juni, brannte die Sonne unbarmherzig, wenn wir uns auszogen, kamen scharenweise M&uuml;cken, und wenn wir uns anzogen, schwitzten wir und verursachten eine doppelte Aktivit&auml;t der L&auml;use, die wir uns schon in Bad Kreuznach geholt hatten und die wir trotz t&auml;glicher gr&uuml;ndlicher und auch erfolgreicher Jagd nicht vollst&auml;ndig beseitigen konnten.<\/p><p>So war die kommende Nacht nicht nur Ausgangspunkt unseres weiteren Fluchtweges, sondern auch Erquickung. Da wir uns nicht auf die Stra&szlig;en wagten, gingen wir meist querfeldein und nahmen mit, was wir unterwegs fanden. Auf einem einsamen Bauernhof fanden wir einige Eier im H&uuml;hnerstall, vor dem Bauernhaus waren zum Abholen gro&szlig;e Milchkannen aufgestellt &ndash; wir sch&ouml;pften ohne R&uuml;cksicht auf die Hygiene mit unseren reichlich verschmutzten leeren Konservendosen die k&ouml;stlich schmeckende Sahne ab, wir fanden im Schafstall ein r&uuml;hrend kleines L&auml;mmchen, brachten es aber beide nicht &uuml;bers Herz, mit einem Messer auf das Tierchen loszugehen &ndash; der Hunger war offenbar noch nicht stark genug, oder er war durch Eier und Sahne schon etwas gestillt.<\/p><p>In einem abgestellten Wagen der US-Army requirierten wir einen amerikanischen Stahlhelm und eine regendichte Uniformjacke, beides erwies sich wenige Stunden sp&auml;ter als n&uuml;tzlich, als wir zu sp&auml;t Autoscheinwerfer bemerkten &ndash; wir schauspielerten vor dem sich n&auml;hernden Wagen eine Liebesszene zwischen einem US-Soldaten und einer Franz&ouml;sin, und das Auto fuhr ohne Halt vorbei.<\/p><p>Ich bin heute nicht mehr ganz sicher, ob wir noch eine dritte Nacht in Freiheit verbrachten oder ob schon am Morgen nach der zweiten Nacht das passierte, was eigentlich schon viel fr&uuml;her kommen mu&szlig;te: Beim Picknick im Walde &ndash; nicht mehr das erste W&auml;ldchen, sondern ein etwas gr&ouml;&szlig;eres St&uuml;ck &ndash; &uuml;berraschte uns pl&ouml;tzlich ein franz&ouml;sischer Bauer oder Forstgehilfe oder was auch immer. Der war sicher genauso erschrocken wie wir, Wolfgang stammelte irgendetwas, was er f&uuml;r franz&ouml;sisch hielt, und der Angesprochene machte sich ohne besondere Hast wieder aus dem Staube. Unsere ungebrochene Naivit&auml;t lie&szlig; uns nun erst einmal beraten, ob der Franzose uns nun wohl an die Amis verraten w&uuml;rde oder nicht, nach einer Stunde jedenfalls entschieden wir uns, vorsichtig bis zum Waldrand zu gehen und erst einmal Ausschau nach potentiellen H&auml;schern zu halten, und richtig liefen wir genau einer amerikanischen Streife in die H&auml;nde, und so erfolgte meine zweite Gefangennahme.<\/p><p>ENDE TEIL 1<\/p><p><em>(Teil 2 folgt morgen)<\/em><\/p><p><small>Titelbild: United Kingdom Government \/ <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/public_domain\">public domain<\/a> \/ Junger deutscher Kriegsgefangener mit anderen Gefangenen, die w&auml;hrend des Vormarschs in Deutschland gefangen genommen wurden, 29. M&auml;rz bis 4. April 1945<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Einige Unbelehrbare, darunter nat&uuml;rlich auch ich, waren mit dem freiwilligen Gang in die Gefangenschaft nicht einverstanden, nahmen uns die passenden Waffen aus dem Haufen (ich zwei Eihandgranaten, eine Pistole und mehrere gef&uuml;llte Ladestreifen einer MPi, die das gleiche Kaliber hatte) und wir zogen eigene Wege, um uns, wie wir uns verst&auml;ndigt hatten, nach Berlin durchzuschlagen.&ldquo;<\/p>\n<p>In<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151546\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":151547,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3652,1055,1043,3093,3390,2394,966],"class_list":["post-151546","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-erinnerungen-gegen-den-krieg-serie","tag-fluechtlinge","tag-frankreich","tag-haftbedingungen","tag-kriegsgefangene","tag-kriegstrauma","tag-weltkrieg"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/The_British_Army_in_North-west_Europe_1944-45_BU3037.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151546","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=151546"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151546\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151660,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151546\/revisions\/151660"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/151547"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=151546"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=151546"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=151546"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}