{"id":1516,"date":"2006-08-14T16:40:05","date_gmt":"2006-08-14T14:40:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1516"},"modified":"2016-01-30T11:17:32","modified_gmt":"2016-01-30T10:17:32","slug":"zur-studie-von-at-kearney-wonach-85-der-mitarbeiter-in-betrieblichen-verwaltungsfunktionen-deutscher-schlusselindustrien-in-den-nachsten-funf-bis-zehn-jahren-ihren-job-verlieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1516","title":{"rendered":"Zur Studie von A.T. Kearney, wonach 85% der Mitarbeiter in betrieblichen Verwaltungsfunktionen deutscher Schl\u00fcsselindustrien in den n\u00e4chsten f\u00fcnf bis zehn Jahren ihren Job verlieren"},"content":{"rendered":"<p>Die weitere Verunsicherung der Angestellten wird von vielen &Ouml;konomen und Arbeitgebern gewiss gerne gesehen. Doch ob das wirklich der einzige Zweck ist? Und wie wird diese Prognose begr&uuml;ndet?<br>\n<!--more--><br>\nIn der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/08\/12\/a0084.1\/text.ges,1\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/08\/12\/a0084.1\/text.ges,1\">TAZ vom 12. August<\/a> war der folgende Beitrag erschienen:<\/p><blockquote><p><strong>Software ersetzt den Kollegen<\/strong><br>\nStudie: In der Verwaltung von Gro&szlig;unternehmen fallen in den n&auml;chsten f&uuml;nf bis zehn Jahren 85 Prozent der Jobs weg. Grund: Neue Technologien. Die Mitarbeiter sind schon jetzt unter Druck.<\/p><\/blockquote><p>In <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/08\/12\/a0126.1\/text.ges,1\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/08\/12\/a0126.1\/text.ges,1\">derselben Ausgabe der TAZ<\/a> gab es dazu einen Kommentar:<\/p><blockquote><p><strong>Der Grund f&uuml;r den Abbau von Jobs in der Verwaltung ist Profitgier<\/strong><br>\nDass erneut und auch noch fast 85 Prozent aller Arbeitspl&auml;tze abgebaut werden, ohne dass die Unternehmen massivst an Qualit&auml;t und Kundenn&auml;he verlieren, ist nicht denkbar. Die Studie &ndash; in Eigeninitiative von einer gro&szlig;en Managementberatung durchgef&uuml;hrt &ndash; kann deshalb nur einen Zweck verfolgen: die Besch&auml;ftigten auch in lange als sicher geltenden Angestelltenjobs zu verunsichern.<\/p><\/blockquote><p>Eine Zusammenfassung der Studie ist auf der <a href=\"http:\/\/www.atkearney.de\/content\/veroeffentlichungen\/executivebriefs.php\/id\/49671\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.atkearney.de\/content\/veroeffentlichungen\/executivebriefs.php\/id\/49671\">Website von A.T.Kearney<\/a> zug&auml;nglich. Deren Schw&auml;chen sind offensichtlich und lassen sich in zwei Punkten zusammenfassen:<\/p><ol>\n<li><strong>Die angeblich so gro&szlig;en Rationalisierungspotentiale werden nur sehr vage angedeutet.<\/strong>\n<p>Wer behauptet, dass innerhalb von f&uuml;nf bis zehn Jahren 120.000 von 150.000 Arbeitspl&auml;tzen wegrationalisiert werden, sollte schon etwas genauer sagen k&ouml;nnen, welche technischen Innovationen einen so gro&szlig;en Produktivit&auml;tsschub erm&ouml;glichen sollen. Die in der Studie erw&auml;hnten Beispiele &uuml;berzeugen nicht:<\/p>\n<ul>\n<li>So werden als Beispiel f&uuml;r die Integration externer Abl&auml;ufe zwischen Unternehmen Bestellausl&ouml;sung und Rechnungsstellung im Rahmen der Just-in-Time-Belieferung genannt. Das ist nicht gerade ein Blick in die Zukunft, denn Just-in-Time wird von der Automobilindustrie schon seit &uuml;ber 15 Jahren praktiziert!<\/li>\n<li>Als Automatisierungsm&ouml;glichkeit wird das Scannen und automatische Lesen von Rechnungen erw&auml;hnt. Zum einen ist auch das ein alter Hut (zwar nicht &uuml;berall m&ouml;glich, aber bereits vielerorts realisiert); zum anderen stellt die Beibehaltung eines Medienbruchs (die Digitalisierung von in Papierform erhaltenen Rechnungen) nicht gerade die eleganteste Form der Prozessintegration dar.<\/li>\n<li>Externe Anbieter von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shared_Services\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shared_Services\">Shared Services<\/a> sollen helfen, durch die Nutzung von Niedriglohnstandorten die Kosten zu senken. Nun wird in der Studie aber auch festgestellt, dass der Markt f&uuml;r Shared Services in Europa noch in den Kinderschuhen steckt. Und aus nahe liegenden Gr&uuml;nden spricht viel daf&uuml;r, dass deren l&auml;nder&uuml;bergreifende Nutzung durch Kunden au&szlig;erhalb des englischen Sprachraums auch in Zukunft eher die Ausnahme bleiben wird.<\/li>\n<li>Die &bdquo;<strong>volle<\/strong> (Hervorhebung KR) Integration und Automatisierung betrieblicher Verwaltungsabl&auml;ufe &uuml;ber Unternehmensgrenzen hinweg&ldquo; ist ein sehr anspruchsvolles Ziel, um es vorsichtig auszudr&uuml;cken. Wer selbst beruflich damit befasst ist, solche Integrationen wenigstens innerhalb einzelner Unternehmen &uuml;ber die Abteilungs- und Bereichsgrenzen hinweg umzusetzen, der ahnt, dass bis dahin noch ein weiter Weg ist &ndash; zu weit, um jetzt schon so konkrete Zahlen nennen zu k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Die Faktenbasis der Studie scheint f&uuml;r so weitgehende Prognosen nicht auszureichen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Die Studie begn&uuml;gt sich damit, gro&szlig;e Rationalisierungseffekte zu behaupten. Kompensierende Effekte durch die &Uuml;bernahme neuer Aufgaben als Ergebnis komplexerer Gesch&auml;ftsprozesse werden ausgeblendet.<\/strong>\n<p>Die Autoren von A.T. Kearney befassen sich ausschlie&szlig;lich mit der Automatisierung einfacher, betrieblicher Verwaltungst&auml;tigkeiten. Doch die softwaregest&uuml;tzte Prozessintegration und Automatisierung dient keineswegs nur der Rationalisierung, sondern er&ouml;ffnet auch ganz neue M&ouml;glichkeiten. Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Die im Vergleich zu fr&uuml;her gesunkene Fertigungstiefe bringt es mit sich, dass immer mehr Unternehmen in firmen&uuml;bergreifenden und oft auch internationalen Verb&uuml;nden arbeiten (z.B. Entwicklungs- und Fertigungsverb&uuml;nde). Mit jedem weiteren Teilnehmer eines solchen Verbunds (der seinerseits mit seinen Subunternehmern Teilverb&uuml;nde bilden kann) steigt die Komplexit&auml;t der Prozesse. Das kann man bew&auml;ltigen, indem man neues Personal einstellt &ndash; und\/oder intelligente Softwarel&ouml;sungen einsetzt.<\/li>\n<li>Die oben beschriebenen Verb&uuml;nde m&uuml;ssen von heterogen zusammengesetzten Projektteams organisiert werden. Diese Teams bestehen aus Mitarbeitern verschiedener Bereiche und Unternehmen, oft auch aus mehreren L&auml;ndern. Unter solchen Bedingungen Termine zu koordinieren, Ressourcen zu buchen, allen Beteiligten die jeweils notwendigen und aktuellen Informationen zur Verf&uuml;gung zu stellen, bei Qualit&auml;tssicherungsma&szlig;nahmen Eskalationsprozesse zu steuern, Leistungen zum angemessenen Zeitpunkt &uuml;ber W&auml;hrungsgrenzen hinweg abzurechnen usw. stellt neue und h&ouml;here Anforderungen nicht nur an operative T&auml;tigkeiten, sondern eben auch an betriebliche Verwaltungsfunktionen.<\/li>\n<li>Viele Produkte werden immer komplizierter, w&auml;hrend die Produktlebenszyklen sich verk&uuml;rzen. Daher muss, was bislang sequentiell erledigt werden konnte, nun immer h&auml;ufiger parallel gemacht werden. Damit steigt der Aufwand f&uuml;r die Koordination der T&auml;tigkeiten deutlich. Entwicklung, &Auml;nderungswesen, Fertigung und vieles mehr w&auml;ren unter solchen Bedingungen ohne eine Softwareunterst&uuml;tzung der Prozesse oft gar nicht mehr m&ouml;glich. Verbesserungen der Prozesse f&uuml;hren, sobald sie von einem Unternehmen umgesetzt wurden, zu noch h&ouml;heren Anforderungen an die Wettbewerber. Am Personalbedarf &auml;ndert sich dabei in der Praxis h&auml;ufig nichts.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol><p>All diese M&ouml;glichkeiten, die Industrialisierung betrieblicher Verwaltungsfunktionen nicht nur zur Rationalisierung, sondern auch f&uuml;r Qualit&auml;tsverbesserungen und die Bew&auml;ltigung neuer Aufgaben zu nutzen, werden in der Studie von A.T. Kearney als strategische Ziele noch nicht einmal erw&auml;hnt. Da stellt sich die Frage nach dem Sinn dieses Papiers. A.T. Kearney adressiert explizit das Topmanagement. K&ouml;nnte es sein, dass die Autoren sich blo&szlig; an dem orientierten, was Top-Manager h&ouml;ren wollen, um sich durch schnelle Renditesteigerungen die n&auml;chste Erfolgspr&auml;mie zu sichern? Dass vor allem aus diesem Grund der Schwerpunkt darauf gelegt wurde, drastische Einsparungen zu versprechen? <\/p><p>Deutschland ist seit vielen Jahren schon einem vollkommen irrationalen Trend zum K&uuml;rzen und Sparen verfallen. Unzureichende Investitionen des Staates in Bildung, Forschung und Infrastruktur gef&auml;hrden die Zukunftsf&auml;higkeit. Analog dazu begegnet man in der Wirtschaft immer h&auml;ufiger der Tendenz, kurzfristig die Gewinne zu steigern, statt auf lange Sicht in Zukunftsprojekte zu investieren.<br>\nNoch aber gibt es andere Unternehmensberatungen, die sich diesem verh&auml;ngnisvollen Trend entgegenstemmen und ihre Kunden vor den Gefahren dieser Sparwut warnen. Siehe dazu unser Hinweis des Tages Nr.2 vom 2.8.2006:<\/p><p><strong>Sparwut in deutschen IT-Abteilungen wird zum Risiko<\/strong><br>\nDeutsche IT-Manager zeigen sich in einer Umfrage von Accenture und IDC wenig phantasievoll und kennen nur eine Priorit&auml;t: Bei der IT-Infastruktur geht es um Kostensenkung. Mit dieser Haltung sind sie inzwischen allein auf weiter Flur.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.computerwoche.de\/578424\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.computerwoche.de\/578424\">Computerwoche<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die weitere Verunsicherung der Angestellten wird von vielen &Ouml;konomen und Arbeitgebern gewiss gerne gesehen. Doch ob das wirklich der einzige Zweck ist? 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