{"id":151674,"date":"2026-06-05T09:07:05","date_gmt":"2026-06-05T07:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151674"},"modified":"2026-06-05T09:45:52","modified_gmt":"2026-06-05T07:45:52","slug":"der-bundeskanzler-ist-kein-koenig-das-hat-der-spiegel-nicht-verstanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151674","title":{"rendered":"Der Bundeskanzler ist kein K\u00f6nig: Das hat der Spiegel nicht verstanden"},"content":{"rendered":"<p>Eine Spiegel-Kolumnistin darf selbstverst&auml;ndlich Respekt vor Friedrich Merz haben &ndash; sie sollte aber aufh&ouml;ren, zu erwarten, dass &bdquo;wir&ldquo; einen solchen Respekt haben. Doch genau das fordert sie in einer <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/friedrich-merz-es-ist-nicht-irgendein-fritze-es-ist-der-bundeskanzler-a-e3106d2c-a447-4bbe-ba97-40a38ec26e27\">aktuellen Kolumne<\/a>. Interessant ist der Beitrag deshalb, weil er einen tiefen Einblick in eine Grundhaltung gibt, die im Journalismus nichts verloren hat. Aus ihren Zeilen spricht der Geist des Untertanentums, der fehlenden Respekt vor &bdquo;Amt und W&uuml;rde&ldquo; beklagt und nicht begreifen will: Ein Politiker verdient keinen Respekt durch sein Amt, sondern durch seine Politik und sein Verhalten. &Uuml;berhaupt: Die Perspektive ist verr&auml;terisch. In einer Demokratie hat an erster Stelle ein Politiker Respekt vor den B&uuml;rgern zu haben. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAus medienanalytischer Sicht ist der Kolumnenbeitrag von Susanne Beyer wertvoll. An ihm l&auml;sst sich ablesen, wie nicht wenige Journalisten aus dem Medienmainstream ticken. Anstatt in die Vollen zu gehen und anzuklagen, dass ein B&uuml;rger von einem Amtsgericht verurteilt wird, der den Bundeskanzler als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151513\">&bdquo;L&uuml;genfritz&ldquo;<\/a> bezeichnet hat, schreibt Beyer in der &Uuml;berschrift: &bdquo;Es ist nicht irgendein Fritze, es ist der Bundeskanzler&ldquo;. Die ganze Tragik des Mainstreamjournalismus ist in diesen Aussagen verdichtet &ndash; und damit auch das Elend der Demokratie, die unter einer <a href=\"https:\/\/schneider-franziska.de\/2020\/11\/17\/journalismus-die-selbstgemachte-zensur\/\">herrschaftsnahen &bdquo;Berichterstattung&ldquo;<\/a> seit langem leidet.<\/p><p>F&uuml;r die Kolumnistin ist der Bundeskanzler nicht &bdquo;irgendein Fritze&ldquo; &ndash; und als Leser dr&auml;ngt sich einem die Frage auf: Was ist f&uuml;r die Dame wichtiger? Will sie ihrer journalistischen Pflicht nachkommen und Politiker mit der dringend notwendigen H&auml;rte kritisieren? Oder den publizistischen Schutzmantel um die Schultern des Kanzlers legen, vor dem man zwar keine Ehrfurcht zu haben brauche, aber doch bittesch&ouml;n Respekt?<\/p><p>Mit dieser Grundhaltung darf man gerne Pressesprecher des Kanzlers sein. Im Journalismus ist diese Grundhaltung fehl am Platz.<\/p><p>Da steht der Kanzler der Bundesrepublik hinter einer Politik, die das gesamte Land <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127039\">kriegst&uuml;chtig<\/a> machen will, da flie&szlig;en Milliarden und noch mehr Milliarden zum schweren Nachteil Deutschlands in einen <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/interview-mit-michel-wyss-es-ist-der-erste-stellevertreter-krieg-zwischen-russland-und-der-nato-in-europa_id_94392173.html\">Stellvertreterkrieg<\/a>, und Beyer vertritt die Ansicht, Respekt vor dem Kanzler sei angebracht.<\/p><p>Zwischen den Zeilen offenbart sich eine Art Psychogramm des Untertanentums. In v&ouml;lliger Verkehrung politischer M&uuml;ndigkeit und in maximaler Nichtemanzipation wird missverstanden: Der Bundeskanzler ist <em>kein<\/em> K&ouml;nig. B&uuml;rger w&auml;hlen ihn &ndash; die &uuml;berwiegende Mehrheit aller B&uuml;rger wollte ihn &uuml;brigens nicht als Bundeskanzler &ndash; und geben ihm damit einen politischen Auftrag. Merz hat den Rang eines Dieners. Genauer: Er ist Diener dieses Staates &ndash; und damit ein Diener von uns allen. Denn wir sind der Staat. Er hat Respekt vor seinem &bdquo;Herrn&ldquo; &ndash; dem Volk &ndash; zu haben. Ein Diener, der so agiert wie Merz, hat jeden Respekt im Hinblick auf sein politisches Amt und seine Funktion verloren.<\/p><p>Gewiss, da hat die Kolumnistin recht: Merz ist auch Mensch. Und vom Grundsatz her ist Respekt vor Mitmenschen angebracht. Aber so wie man in den Wald reinruft, so schallt es bekanntlich raus. Ein Kanzler sollte nun mal nicht einen Amtseid abgeben, das hei&szlig;t, feierlich geloben: &bdquo;Ich schw&ouml;re, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden&ldquo;, um dann dem Volk vor die F&uuml;&szlig;e zu spucken.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2024-03\/08\/merz-frieden-gibt-es-auf-jedem-friedhof\">&bdquo;Frieden gibt es auf jedem Friedhof&ldquo;<\/a>, sagte Merz. Wie sollen B&uuml;rger mit einem gesunden Demokratieverst&auml;ndnis, die in einem Land mit einer furchtbaren Weltkriegsgeschichte leben, einem solchen Kanzler &bdquo;Respekt&ldquo; entgegenbringen?<\/p><p>Die Spiegel-Kolumnistin vertritt die Auffassung, Merz sollte zuerst als &bdquo;Mensch&ldquo; betrachtet werden. Was sie offenbar nicht versteht: Die Kritik an Merz richtet sich nicht gegen den Menschen, sondern entz&uuml;ndet sich an einer Politik, die mit &bdquo;gro&szlig;e Sauerei&ldquo; noch sehr zur&uuml;ckhaltend umschrieben ist.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot Spiegel<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/1b9aaaf41d89452b830dcbdd96c8b463\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Spiegel-Kolumnistin darf selbstverst&auml;ndlich Respekt vor Friedrich Merz haben &ndash; sie sollte aber aufh&ouml;ren, zu erwarten, dass &bdquo;wir&ldquo; einen solchen Respekt haben. Doch genau das fordert sie in einer <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/friedrich-merz-es-ist-nicht-irgendein-fritze-es-ist-der-bundeskanzler-a-e3106d2c-a447-4bbe-ba97-40a38ec26e27\">aktuellen Kolumne<\/a>. 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