{"id":151862,"date":"2026-06-08T09:42:44","date_gmt":"2026-06-08T07:42:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151862"},"modified":"2026-06-08T11:23:28","modified_gmt":"2026-06-08T09:23:28","slug":"vom-schluessigen-niedergang-der-spd-unaufhaltsam-ist-er-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151862","title":{"rendered":"Vom schl\u00fcssigen Niedergang der SPD: Unaufhaltsam ist er nicht"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich hatten politische Beobachter und auch die SPD selbst bei Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 annehmen k&ouml;nnen, dass die SPD als &auml;lteste Partei im deutschen Bundestag und als nahezu einzige Partei mit einer Tradition des Widerstands gegen die Nazis so gut abschneiden w&uuml;rde, um die Regierung im neuen Deutschland &uuml;bernehmen zu k&ouml;nnen. Aber es reichte damals nicht. Das war vor allem die Folge der Gr&uuml;ndung von CDU und CSU. Sie hatten, &uuml;brigens ausgestattet mit einem so genannten Arbeitnehmerfl&uuml;gel, nicht nur die Stimmen aus dem christlich gepr&auml;gten Mittelstand und aus der Wirtschaft eingesammelt, sondern durchaus auch gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer. Typisch daf&uuml;r war im sp&auml;teren Verlauf der sympathische Norbert Bl&uuml;m.<strong> Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMit Unterst&uuml;tzung der FDP und einiger anderer eher konservativer Parteien, zum Beispiel der DP, der Deutschen Partei, und des BHE, des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten, stellte die Union bis zum Jahre 1969 den Bundeskanzler, also 20 Jahre lang. In den L&auml;ndern hatte die SPD &uuml;brigens etwas mehr Erfolg, vor allem in Hessen, in Hamburg, in Bremen, sp&auml;ter dann auch in Nordrhein-Westfalen.<\/p><p>Bei der Bundestagswahl 1969 erreichte die SPD 42,7 Prozent der Zweitstimmen. Sie war vorher, im Dezember 1966, in eine Gro&szlig;e Koalition mit CDU und CSU eingetreten und hatte vor allem dank des Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller und des Au&szlig;enministers Willy Brandt ihre Regierungsf&auml;higkeit bewiesen. Obwohl wichtige SPD-F&uuml;hrungskr&auml;fte, beispielsweise Herbert Wehner und Helmut Schmidt, die Gro&szlig;e Koalition fortsetzen wollten, kam ihnen der Parteivorsitzende und Au&szlig;enminister Willy Brandt nach den Wahlen 1969 zuvor, indem er dem FDP-Vorsitzenden Walter Scheel ohne R&uuml;cksprache mit seinen Stellvertretern Wehner und Schmidt die Zusammenarbeit in einer sozial-liberalen Koalition anbot. Ab November 1969 regierte dann im damaligen Bonn der sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt mit Vizekanzler Walter Scheel von der FDP.<\/p><p>Die konservative Seite der Republik gab sich damit nicht zufrieden. Vor allem Personen mit viel Geld griffen dann 1972 in den n&auml;chsten Bundestagswahlkampf ein. Sie schalteten eine F&uuml;lle von Anzeigen in Tageszeitungen und Illustrierten &ndash; Anzeigen waren damals neben Fernsehspots die wichtigsten Wahlkampfwerbemittel. Die Hinterm&auml;nner dieser gro&szlig; angelegten Kampagne hatten nicht damit gerechnet, dass die SPD die Intervention des Gro&szlig;en Geldes, wie wir es nannten &ndash; ich war f&uuml;r diesen Wahlkampf, seine Konzeption und Umsetzung verantwortlich &ndash; zum gro&szlig;en Wahlkampf-Thema machten.<\/p><p>Mit dem Thema &bdquo;Intervention des Gro&szlig;en Geldes in den Wahlkampf&ldquo; erreichte die SPD W&auml;hlerkreise weit &uuml;ber den traditionellen sozialdemokratischen Bereich hinaus. Das Ergebnis bei der Bundestagswahl am 19. November 1972 war dementsprechend gut: 45,8 Prozent der Zweitstimmen. &ndash; Damit Sie absch&auml;tzen k&ouml;nnen, wie hoch dieses Ergebnis war, sei hier das SPD-Ergebnis der letzten Bundestagswahl angef&uuml;gt: 2025 erreichte die SPD 16,41 Prozent. Das ist ein klein bisschen mehr als ein Drittel des Ergebnisses von 1972, also ein rundum katastrophales Ergebnis.<\/p><p>Aus meiner Sicht ist dieses schlechte Ergebnis vor allem darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass die SPD ihren guten Ruf als Partei des Friedens und der Verst&auml;ndigung aufgegeben, ja quasi zerst&ouml;rt hat.<\/p><p>Als die SPD 1969 zum ersten Mal die Kanzler-Mehrheit gewann, lautete die Hauptbotschaft des neuen Bundeskanzlers Brandt beim zentralen Thema des Umgangs mit anderen V&ouml;lkern: Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein. &ndash; Wenige Jahre vorher hatte der Parteivorsitzende Willy Brandt und sein Mitarbeiter Egon Bahr bei einer Tagung in Tutzing verk&uuml;ndet: Wandel durch Ann&auml;herung.<\/p><p>Die damalige SPD hat also auf Verst&auml;ndigung mit unseren Nachbarn, nicht nur mit den Franzosen, den Belgiern, den Niederl&auml;ndern und den Briten, sondern auch mit Russen, Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn gesetzt. Heute lautet die laut vernehmbare Parole eines wichtigen Ministers, den die SPD stellt: &bdquo;Wir m&uuml;ssen bis 2029 kriegst&uuml;chtig sein&ldquo; &ndash; so Pistorius am 5. Juni 2024.<\/p><p>Diese Parole hat mit der wichtigen politischen Aussage von 1969, &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo;, nichts mehr zu tun. Es ist das Gegenteil.<\/p><p>Dass bei solchen Hauptaussagen eines Ministers, den die SPD stellt, W&auml;hlerinnen und W&auml;hler in Scharen davonlaufen, kann einen nicht wundern.<\/p><p>Witzigerweise ist der Minister dann nach einschl&auml;gigen Meinungsumfragen der popul&auml;rste Minister im gesamten Kabinett. Das ist kein Widerspruch. Was Pistorius ausposaunt, ist halt auch popul&auml;r bei W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern der konservativen und nicht friedenspolitisch gepr&auml;gten Parteien. Sie finden Pistorius gut und w&auml;hlen CSU, CDU, FDP oder AfD.<\/p><p>F&uuml;r die SPD hat diese Situation &uuml;brigens weitreichende Folgen, nicht nur bei den Umfragen. In Rheinland-Pfalz zum Beispiel, wo die SPD jahrelang regiert hatte, verlor sie gerade die Ministerpr&auml;sidenten-Rolle an die CDU. Alexander Schweitzer von der SPD musste abtreten, Schnieder von der CDU wurde neuer Ministerpr&auml;sident. Mit einem gewissen Recht verortet die SPD die Ursache f&uuml;r dieses Desaster in Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hatten politische Beobachter und auch die SPD selbst bei Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 annehmen k&ouml;nnen, dass die SPD als &auml;lteste Partei im deutschen Bundestag und als nahezu einzige Partei mit einer Tradition des Widerstands gegen die Nazis so gut abschneiden w&uuml;rde, um die Regierung im neuen Deutschland &uuml;bernehmen zu k&ouml;nnen. 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