{"id":151881,"date":"2026-06-09T15:00:49","date_gmt":"2026-06-09T13:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151881"},"modified":"2026-06-09T07:22:44","modified_gmt":"2026-06-09T05:22:44","slug":"leserbeitraege-erinnerungen-gegen-den-krieg-aufruf-zum-8-mai-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151881","title":{"rendered":"Leserbeitr\u00e4ge \u201eErinnerungen gegen den Krieg\u201c &#8211; Aufruf zum 8. Mai (23)"},"content":{"rendered":"<p><em>&bdquo;Die st&auml;dtische Tr&uuml;mmerlandschaft der 50er-Jahre war f&uuml;r uns Kinder ideal. Ein Abenteuerspielplatz. Auf den Tr&uuml;mmerfeldern konnten H&uuml;tten gebaut, Feuer gemacht, Neugierde erweckende Gegenst&auml;nde gefunden werden. Besonders spannend wurde es dort, wo Neubauten entstanden. Sobald die Bauarbeiter Feierabend hatten, besetzten wir Kinder die Baustelle, erkundeten das noch unfertige Haus, bauten Buden aus dem Baumaterial und spielten im frisch angelieferten Sand.&ldquo;<\/em><\/p><p>In dieser 23. Folge der Reihe &bdquo;Erinnerungen gegen den Krieg&ldquo; drucken wir diesmal einen Essay unseres Lesers G&uuml;nter Scherzer ab.<\/p><p>Anl&auml;sslich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150104\">hier<\/a> unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindr&uuml;cke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.<\/p><p>Wir bedanken uns von Herzen f&uuml;r die vielen und ber&uuml;hrenden Beitr&auml;ge!<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6759\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-151881-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260608_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_23_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260608_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_23_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260608_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_23_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260608_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_23_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=151881-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260608_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_23_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260608_Leserbeitraege_Erinnerungen_gegen_den_Krieg_Aufruf_zum_8_Mai_Teil_23_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Hier k&ouml;nnen Sie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150403\">ersten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150464\">zweiten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150486\">dritten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150605\">vierten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150632\">f&uuml;nften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150671\">sechsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150740\">siebenten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150816\">achten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150812\">neunten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150802\">zehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151038\">elften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151098\">zw&ouml;lften Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151156\">dreizehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151209\">vierzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151229\">f&uuml;nfzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151393\">sechzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151418\">siebzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151461\">achtzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151530\">neunzehnten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151546\">zwanzigsten Teil<\/a>, den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151551\">einundzwanzigsten Teil<\/a> sowie den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151731\">zweiundzwanzigsten Teil<\/a> der Zusendungen unserer Leser nachlesen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Der Gro&szlig;vater wusste Bescheid<\/strong><\/p><p>Ob es zu einem Krieg kommt, wissen wir nicht. Dass es Kr&auml;fte gibt, die ihn herbeisehnen, scheint mir offensichtlich. Ich mag mich t&auml;uschen, w&uuml;rde Derartiges auch niemandem unterstellen wollen, kann mich jedoch meines gef&uuml;hlten Eindrucks nicht erwehren.<\/p><p>Vielleicht ist dies auch das Erbe meines K&ouml;lner Gro&szlig;vaters, der in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts den Zweiten Weltkrieg prognostizierte: Wenn Hitler an die Macht kommt, dann gibt es Krieg, sollen seine Worte gewesen sein. Er stand dem Zentrum nahe, einer katholischen Partei der 20er-\/30er-Jahre, Vorl&auml;uferin der CDU.<\/p><p>Was er, Schuhmacher, Ehemann und Vater von sieben Kindern mit nur siebenj&auml;hriger Volksschulbildung erkannte, blieb den Abgeordneten seiner Partei in Berlin offenbar verborgen.<\/p><p>Sie waren es, die am 23. M&auml;rz 1933 gemeinsam mit den Liberalen, Konservativen und Nationalsozialisten einstimmig dem Reichskanzler Adolf Hitler f&uuml;r vier Jahre die Vollmacht gaben, unter Ausschaltung des Reichstages zu regieren. Die NS-Diktatur war geboren.<sup><a href=\"#fn1\" id=\"fnref1\">[1]<\/a><\/sup><\/p><p>Nur die SPD-Fraktion widersetzte sich einstimmig, trotz Bedrohung durch die SA. Die KPD-Fraktion existierte bereits nicht mehr. Ihre Mitglieder waren in provisorischen Konzentrationslagern der SA inhaftiert worden, ins Ausland geflohen oder in den Untergrund abgetaucht.<\/p><p>Der NS-Staat war somit nicht das Ergebnis einer Machtergreifung, wie es bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts hinein und teilweise noch heute behauptet wird.<sup><a href=\"#fn2\" id=\"fnref2\">[2]<\/a><\/sup> Die NS-Diktatur wurde gezeugt durch die Verabschiedung eines Gesetzes, dem sogenannten Erm&auml;chtigungsgesetz. Eines der peinlichsten und verh&auml;ngnisvollsten Vorkommnisse deutscher Geschichte.<\/p><p>Was uns dies zeigt, ist, dass politisch informierte Profis mit teilweise hohem Bildungsgrad nicht in der Lage waren, die Zeichen ihrer Zeit zu erkennen.<sup><a href=\"#fn3\" id=\"fnref3\">[3]<\/a><\/sup><\/p><p>Der Krieg kam, wie vom Gro&szlig;vater vorhergesagt, ein paar Jahre sp&auml;ter. Zwei seiner S&ouml;hne mussten an die Front, weitere zwei S&ouml;hne und er selbst gegen Ende des Krieges zum Volkssturm oder als Luftwaffenhelfer an die Flak. Bomben zerst&ouml;rten das Dach seines Hauses. Eine seiner T&ouml;chter sah ihren Ehemann bis zu ihrem Lebensende nicht wieder. Er galt als vermisst. Keiner wusste, wo er geblieben war oder ob er noch lebte.<\/p><p>Meine Gro&szlig;mutter musste sich bei Bombenalarm mit ihren durch eine Gef&auml;&szlig;erkrankung bedingt offenen Beinen die Treppe hinab in den Luftschutzkeller qu&auml;len. Die beiden S&ouml;hne, die an die Front mussten, wurden verwundet, kamen jedoch wieder, einer von ihnen f&uuml;r sein Leben lang gehbehindert.<\/p><p>Die Familie &uuml;berlebte, versteckte ihre Kriegstraumata. Das Dach des Hauses wurde repariert, neue Familien gegr&uuml;ndet. Meine Gro&szlig;mutter weinte, wenn sie Kriegsszenen im Fernsehen sah.<\/p><p>Mein Vater, Unteroffizier bei der Artillerie, sprach wie sein kriegsversehrter Bruder kaum oder wenn, dann erst Jahre sp&auml;ter und sehr sp&auml;rlich &uuml;ber seine Kriegserlebnisse. Im h&ouml;heren Alter bat er mich mehr oder weniger wortlos, seine Auszeichnungen in den M&uuml;ll zu werfen. M&ouml;glicherweise gab meine Entscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, hierzu den letzten Ansto&szlig;.<\/p><p>Kein Hass bei ihm und seiner Familie auf Russen, Amerikaner, Briten und andere Nationalit&auml;ten, denen man als &bdquo;Feinde&ldquo; einmal gegen&uuml;bergestanden oder mit denen man als Besatzer zu tun hatte.<\/p><p>Gehasst wurden vor allem die Bomben. K&auml;lte und Hunger der Nachkriegszeit hatten sich tief ins Ged&auml;chtnis eingegraben.<\/p><p>Ein Metallsplitter des russischen Geschosses, das meinen Vater getroffen und vom Dienst an der Front befreite, nahm er mit ins Grab. Er steckte in seinem linken Oberarm.<\/p><p>Anders als viele Eltern aus dem b&uuml;rgerlichen Milieu, deren Kinder das ihnen in Art. 4 Abs. 3 GG verbriefte Recht auf Kriegsdienstverweigerung in Anspruch nahmen, hatte er keine Einw&auml;nde gegen meine Entscheidung. Ohnehin spielten weder Nationalbewusstsein noch die im Kalten Krieg herrschende Ideologie vom Westen als Ort der Freiheit bei ihm und seiner Familie eine Rolle. Fu&szlig;ballweltmeisterschaften ausgenommen.<\/p><p>Sie lebten ihr Leben. Das Leben kleiner Leute. &Uuml;berleben in der unmittelbaren Nachkriegszeit, pragmatisches und gedeihliches Auskommen mit der Nachbarschaft und dem entfernteren sozialen Umfeld waren die Kernelemente ihres gesellschaftlichen Daseins. Staatlichen Beh&ouml;rden stand man eher skeptisch gegen&uuml;ber. Der eigene Kopf z&auml;hlte.<\/p><p>Eines allerdings gab mir mein Vater bei meiner Entscheidung, den Kriegsdienst zu verweigern, mit auf den Weg: Pass auf, wenn es so weit ist, dann holen sie dich und du bist dran. Eine Erfahrung aus dem Krieg.<sup><a href=\"#fn4\" id=\"fnref4\">[4]<\/a><\/sup><\/p><p>Die Familie m&uuml;tterlicherseits stammte aus einem hinteren Winkel Ostpreu&szlig;ens. Einem Dorf im Memelland, seit 1919 in Folge des Versailler Vertrages zun&auml;chst mit ungewisser staatlicher Zukunft franz&ouml;sisch besetzt, dann v&ouml;lkerrechtswidrig vom litauischen Staat annektiert und schlie&szlig;lich vom NS-Staat wieder ans Deutsche Reich angegliedert. Von alldem unabh&auml;ngig verlief ihr Leben weiter wie eh und je, bodenst&auml;ndig und weitestgehend unpolitisch. Getreideanbau, Gem&uuml;segarten, Schweine, G&auml;nse, H&uuml;hner bestimmten den Tagesablauf. Hinzu kam die T&auml;tigkeit meines Gro&szlig;vaters im Wald als Forstarbeiter.<\/p><p>Der Krieg ver&auml;nderte alles. Beide S&ouml;hne zogen ideologisch infiltriert in den Krieg. Einer &uuml;berlebte schwer verletzt. Der andere fand sehr fr&uuml;h seinen Tod in Frankreich. Die Gro&szlig;eltern und meine Mutter lie&szlig;en im Winter 1945 alles hinter sich und machten sich mit ihrem Pferdefuhrwerk auf in Richtung Westen. Ihre Flucht vor der heranr&uuml;ckenden russischen Armee verlief durch meterhohen Schnee, &uuml;bers zugefrorene Frische Haff und endete schlie&szlig;lich in Norddeutschland. Zumindest f&uuml;r meine Gro&szlig;eltern. Meine Mutter geriet f&uuml;r zwei Jahre in polnische Gefangenschaft.<\/p><p>Am Ziel angelangt, wurde meine Gro&szlig;mutter Opfer eines britischen Bombenangriffs. Sie wurde versch&uuml;ttet, &uuml;berlebte jedoch. Das Ganze kurz nach Kriegsende. Wahrscheinlicher Grund des Angriffs: ein Hakenkreuz aus Dachziegeln auf dem Dach des Bauernhauses, in dem sie als Gefl&uuml;chtete Unterschlupf gefunden hatten.<sup><a href=\"#fn5\" id=\"fnref5\">[5]<\/a><\/sup><\/p><p>Ihr infolge einer Kopfverletzung f&uuml;r sein Leben gekennzeichneter Sohn zog in ihre N&auml;he, heiratete und baute eine Kleinlandwirtschaft auf. Nebenher verdiente er sein Geld als ungelernter Arbeiter im Kanalbau. Dem Gro&szlig;vater ging es &auml;hnlich. Der ehemals Selbst&auml;ndige musste sich nun als Arbeiter in einer Fleischfabrik verdingen.<\/p><p>Die Lebensverh&auml;ltnisse der Gro&szlig;eltern verbesserten sich im Laufe der Zeit. In einem Geb&auml;ude eines ehemaligen Torfabbau-Unternehmens am K&uuml;stenkanal erhielten sie zwei Zimmer. Ohne Wasseranschluss und Toilette. Frischwasser gab es drau&szlig;en am Brunnen, ein Plumpsklo fand sich hinterm Haus. In einem Nebengeb&auml;ude hatten sie einen kleinen Stall f&uuml;r ihr Schwein. Im Gr&uuml;nstreifen daneben baute der Gro&szlig;vater seinen Tabak an. Zum Heizen musste Torf gestochen werden. Eine m&uuml;hselige Arbeit f&uuml;r ihn, den bereits an die 60 Jahre alten Mann. Im Herbst dann Arbeit bei der Kartoffelernte. Ein riesiges Feld musste per Hand abgeerntet werde. Als Lohn hierf&uuml;r erhielt er vom Bauern ein paar Sack voll mit diesen Erdfr&uuml;chten. Dies musste bis zur n&auml;chsten Ernte reichen. Das Zusammenleben mit anderen Familien in der Fl&uuml;chtlingsunterkunft war nicht einfach. Normales Sozialverhalten hatte der Krieg zerst&ouml;rt.<sup><a href=\"#fn6\" id=\"fnref6\">[6]<\/a><\/sup><\/p><p>Als Kind verbrachte ich etwa anderthalb Jahre mit meiner Mutter bei ihnen. In K&ouml;ln hatten meine Eltern ihr gemietetes Zimmer infolge behaupteten Eigenbedarfs des Vermieters verloren. So zogen meine Mutter und ich zu meinen Gro&szlig;eltern nach Norddeutschland. Ich war damals etwas &auml;lter als ein Jahr. Mein Vater fand Unterschlupf in seinem Elternhaus. Er hatte nach einer Umschulung wieder Arbeit in K&ouml;ln gefunden. Aus dem ehemaligen Chemielaboranten war ein Maurer geworden.<\/p><p>Die Wohnverh&auml;ltnisse in Norddeutschland waren sehr beengt. Wir schliefen zu viert in einem Bett. In zwei nicht zusammenh&auml;ngenden Zimmern spielte sich unser Alltag ab. Den Umst&auml;nden entsprechend hatte ich es h&auml;ufig mit Infektionskrankheiten zu tun. Diese waren teilweise &bdquo;nicht ohne&ldquo; und zwangen mich oft ins Bett. Kein Arzt, keine Medikamente.<\/p><p>Positiv in Erinnerung geblieben ist mir, dem inzwischen Zweij&auml;hrigen, der Aufenthalt auf den Kartoffel&auml;ckern, auf denen meine Mutter meinem Gro&szlig;vater bei der Ernte half. Auf dem Boden kniend wurde mit der Hand geerntet. Dies war damals so &uuml;blich. Erntemaschinen gab es nicht. W&auml;hrend sie arbeiteten, spielte ich, beerdigte einen beim Erntevorgang erschlagenen Maulwurf, sammelte Kartoffeln ein, trug sie wie die Erwachsenen in einem Korb zu einer Miete, in der sie bis zu ihrem Abtransport mit dem Pferdefuhrwerk gelagert wurden. Immer wieder flogen britische Milit&auml;rflugzeuge im Tiefflug &uuml;ber die Felder. Ihr unertr&auml;glicher L&auml;rm erschrak mich, den Erwachsenen machte er Angst. Anweisung meines Gro&szlig;vaters: Kopf auf den Boden, Ohren zu.<\/p><p>Nachkriegsterror einer Siegermacht.<\/p><p>Zur&uuml;ck in K&ouml;ln konnten wir nach einer &Uuml;bergangszeit bei der Familie meines Vaters &ndash; zwei Br&uuml;der hatten inzwischen geheiratet und waren nun au&szlig;er Haus &ndash; eine Wohnung in der K&ouml;lner Innenstadt beziehen. Die H&auml;lfte der Grundst&uuml;cke unserer Stra&szlig;e waren Tr&uuml;mmerfelder. St&auml;ndig mussten Blindg&auml;nger, nicht explodierte britische oder amerikanische Bomben, entsch&auml;rft werden. Fenster &ouml;ffnen, die Wohnung verlassen, hallte es h&auml;ufig aus dem Lautsprecher eines Polizeifahrzeuges. Durchorganisierte Evakuierungen gab es nicht.<\/p><p>Heute, mehr als 80 Jahre nach Kriegsende, werden in K&ouml;ln immer noch mehrmals im Jahr Fliegerbomben gefunden und entsch&auml;rft. Menschen m&uuml;ssen dann zu Hunderten ihre Wohnung verlassen. Manchmal zu Tausenden. Ganze Stadtteile einschlie&szlig;lich Altenheime und Kliniken m&uuml;ssen hin und wieder evakuiert werden.<sup><a href=\"#fn7\" id=\"fnref7\">[7]<\/a><\/sup><\/p><p>Der Zweite Weltkrieg ist noch pr&auml;sent.<\/p><p>Ein mir bekannter Ingenieur, der im Bereich der Kampfmittelentsorgung t&auml;tig war, teilte mir einmal mit, dass die gesamte Ostsee noch voller Bomben und Granaten sei. Tickende Zeitbomben. M&ouml;glicherweise finden sich auch noch auf dem Boden des Frischen Haffs russische Bomben, mit denen seine Eisdecke im Winter 1945 aufgebrochen werden sollte, um die Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me am Weiterkommen zu hindern.<\/p><p>Die st&auml;dtische Tr&uuml;mmerlandschaft der 50er-Jahre war f&uuml;r uns Kinder ideal. Ein Abenteuerspielplatz. Auf den Tr&uuml;mmerfeldern konnten H&uuml;tten gebaut, Feuer gemacht, Neugierde erweckende Gegenst&auml;nde gefunden werden. Besonders spannend wurde es dort, wo Neubauten entstanden. Sobald die Bauarbeiter Feierabend hatten, besetzten wir Kinder die Baustelle, erkundeten das noch unfertige Haus, bauten Buden aus dem Baumaterial und spielten im frisch angelieferten Sand. Einz&auml;unungen von Baustellen gab es nicht.<\/p><p>Es klingelten aber auch immer wieder mal Menschen an der Wohnungst&uuml;re, um nach Brot zu fragen. Ehemalige Soldaten, jetzt verelendete M&auml;nner auf dem Weg nach ihrem Zuhause oder auf der Suche nach einer neuen Bleibe, weil es ein Zuhause f&uuml;r sie nicht mehr gab. In den Fahrst&uuml;hlen der Kaufh&auml;user M&auml;nner mit Arm- und Handprothesen. Man hatte sie als Fahrstuhlf&uuml;hrer angestellt. Meinem Volksschullehrer fehlten an zwei Fingern seiner linken Hand jeweils die Endgelenke. Ein entfernter Verwandter &uuml;bte seinen Beruf als Maler und Tapezierer mit nur einem Arm aus. Der kaputte war mit einer Prothese versehen. Er hatte seine Tricks. Blinde und Menschen mit einem Glasauge waren keine Seltenheit. Ebenso die gro&szlig;en, mit br&auml;unlichen Planen bedeckten Rollst&uuml;hle mit manuellem Antrieb.<\/p><p>Die am schlimmsten Kriegsversehrten bekam man, wenn &uuml;berhaupt, nur selten zu Gesicht. &Auml;hnlich wie heute. In der Berichterstattung zum Krieg in der Ukraine erf&auml;hrt man nichts von denen, denen eine Gesichtsh&auml;lfte zertr&uuml;mmert oder der Unterkiefer weggeschossen wurde. Solche Bilder k&ouml;nnten die Wahrnehmung dessen, was Krieg f&uuml;r den Einzelnen bedeutet, beeinflussen. W&auml;re ung&uuml;nstig f&uuml;r diejenigen, die den Krieg als Mittel ihrer Politik bef&uuml;rworten.<\/p><p>Ebenso blieben die &Auml;ngste von Kriegsteilnehmern im Verborgenen. Enuresis, n&auml;chtlicher Angstschwei&szlig;, Tremorattacken in Sch&uuml;tzengr&auml;ben oder gepanzerten Fahrzeugen, so etwas gab es nicht, wurde tabuisiert. Heute ist es nicht viel anders. Ein Soldat hat mutig zu sein. Dass Krieg Mord und Totschlag bedeutet, normales Sozialverhalten zerst&ouml;rt, die Psyche destabilisiert, das eigene Leben buchst&auml;blich auf den Kopf stellt, wird gerne unter den Teppich gekehrt.<sup><a href=\"#fn8\" id=\"fnref8\">[8]<\/a><\/sup><\/p><p>In unseren &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien erfahren wir allenfalls von Einzelf&auml;llen, die infolge ihres Kriegseinsatzes im Kosovo oder in Afghanistan ihr psycho-mentales Gleichgewicht verloren haben oder an einer posttraumatischen Belastungsst&ouml;rung leiden. Dabei belegen wissenschaftliche Studien, dass derartige Ph&auml;nomene durchaus zur Normalit&auml;t von Kriegseins&auml;tzen geh&ouml;ren.<sup><a href=\"#fn9\" id=\"fnref9\">[9]<\/a><\/sup><\/p><p>Ein Krieg, auch wenn er l&auml;ngst vorbei ist, hinterl&auml;sst nicht nur seine Spuren. Er l&auml;sst die Zivilbev&ouml;lkerung auch nicht zur Ruhe kommen. Vor allem dann, wenn er als Option politischen Handelns nicht ausgeschlossen wird.<\/p><p>In einer solchen Situation befinden wir uns derzeit.<\/p><p>Obwohl ein Krieg mit Russland f&uuml;r unausweichlich gehalten und sein Beginn im Rahmen von Szenarien bereits zeitlich festgelegt wird<sup><a href=\"#fn10\" id=\"fnref10\">[10]<\/a><\/sup>, erf&auml;hrt die Frage nach der Sicherheit f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung relativ wenig Aufmerksamkeit. Weder die fehlenden Schutzr&auml;ume noch die Aufrechterhaltung eines funktionierenden Gesundheitssystems scheinen ein Problem zu sein. Eine breit gef&uuml;hrte &ouml;ffentliche Diskussion diesbez&uuml;glich findet jedenfalls nicht statt.<\/p><p>Zwar wird das Zusammenwirken von Milit&auml;r, zivilen Einrichtungen und Blaulichtorganisationen seitens der Bundeswehr bereits ge&uuml;bt<sup><a href=\"#fn11\" id=\"fnref11\">[11]<\/a><\/sup>, ein der &Ouml;ffentlichkeit zug&auml;ngliches Konzept zur medizinischen Versorgung der Bev&ouml;lkerung im Kriegs- oder Verteidigungsfall liegt jedoch bislang nicht vor.<sup><a href=\"#fn12\" id=\"fnref12\">[12]<\/a><\/sup><\/p><p>Hingegen liegt ein unter Federf&uuml;hrung der Bundeswehr seit 2023 erarbeiteter Strategieplan zur verpflichtenden zivilen Unterst&uuml;tzungsleistung f&uuml;r das Milit&auml;r im Fall der Landes- und B&uuml;ndnisverteidigung vor. Dieser am 1. Januar 2025 in Kraft getretene &bdquo;Operationsplan Deutschland&ldquo; unterliegt allerdings der Geheimhaltung.<\/p><p>Ein Blick ins GR&Uuml;NBUCH ZMZ 4.0 erm&ouml;glicht jedoch, einen Eindruck von dem zu erhalten, was uns erwarten k&ouml;nnte.<sup><a href=\"#fn13\" id=\"fnref13\">[13]<\/a><\/sup><\/p><p>Deutschland w&auml;re im Spannungs- und B&uuml;ndnisfall Drehscheibe f&uuml;r die NATO-Truppen. Aufmarsch und R&uuml;ckmarsch verliefen &uuml;ber Flug- und Seeh&auml;fen sowie Knotenpunkte des zivilen Stra&szlig;en- und Schienenverkehrs. Im B&uuml;ndnisfall k&auml;me die R&uuml;ckf&uuml;hrung verletzter Soldaten hinzu.<\/p><p>Das im GR&Uuml;NBUCH zugrunde gelegte Szenario geht davon aus, dass 2030 infolge russischer Mobilmachung zur Abschreckung ein Aufmarsch von bis zu 100.000 Soldaten inklusive ihres milit&auml;rischen Ger&auml;ts in &ouml;stliche Richtung erfolgen k&ouml;nnte. Im B&uuml;ndnisfall k&ouml;nnten es bis zu 800.000 Soldaten sein. Ihre technische Unterst&uuml;tzung, Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Gew&auml;hrleistung medizinischer Hilfe bspw. w&auml;ren durch die Zivilgesellschaft sicherzustellen.<sup><a href=\"#fn14\" id=\"fnref14\">[14]<\/a><\/sup><\/p><p>Zur medizinischen Versorgung geh&ouml;rt auch die haus&auml;rztliche.<sup><a href=\"#fn15\" id=\"fnref15\">[15]<\/a><\/sup> Nun wei&szlig; jeder, dass es mit unserem Gesundheitswesen nicht zum Besten bestellt ist. Je nach Region und Anzahl versorgungsbed&uuml;rftiger Soldaten d&uuml;rften daher seine vorhandenen Kapazit&auml;ten schnell ausgelastet, wenn nicht gar ersch&ouml;pft sein. Dies k&ouml;nnte bereits f&uuml;r den Spannungsfall zutreffen, wenn Infektionskrankheiten sich endemisch oder epidemisch verbreiten.<sup><a href=\"#fn16\" id=\"fnref16\">[16]<\/a><\/sup><\/p><p>Zur medizinischen Versorgung im Kriegsfall lesen wir im IPPNW-Forum 181\/2025<sup><a href=\"#fn17\" id=\"fnref17\">[17]<\/a><\/sup>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die erwarteten Patientenzahlen, die von unserem Gesundheitswesen (im B&uuml;ndnisfall &ndash; G. Sch.) versorgt werden m&uuml;ssten, &uuml;bersteigen alles, was wir von Katastrophen oder aus Pandemiezeiten kennen. Die Bundeswehr rechnet mit bis zu 1.000 verletzten NATO-Soldat*innen t&auml;glich, &uuml;ber Jahre hinweg. Zudem wird eine massive Fl&uuml;chtlingswelle von verletzten Zivilist*innen erwartet. Dem stehen nur f&uuml;nf Bundeswehrkrankenh&auml;user mit 1.800 Betten gegen&uuml;ber &ndash; eine Kapazit&auml;t, die in zwei Tagen ersch&ouml;pft w&auml;re. Das zivile Gesundheitssystem m&uuml;sste einen erheblichen Teil seiner r&auml;umlichen und personellen Ressourcen dem Milit&auml;r zur Verf&uuml;gung stellen. Gro&szlig; w&auml;re auch der Bedarf an medizinischer Rehabilitation. &lsquo;Zahlen aus der Ukraine deuten darauf hin, dass aktuell in der Ukraine ca. 100.000 Amputierte behandelt werden m&uuml;ssen.&rsquo; Unser Gesundheitswesen w&auml;re restlos &uuml;berfordert.<\/p>\n<p>Im Verteidigungsfall w&auml;re die Zahl der Verletzten noch h&ouml;her. Die Zahl verletzter Zivilist*innen w&auml;re gr&ouml;&szlig;er und die Versorgung erschwert durch die Zerst&ouml;rung von Infrastruktur und Krankenh&auml;usern, sowie durch verletztes oder get&ouml;tetes medizinisches Personal.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Schlussfolgerungen jenseits der Annahme eines nuklearen Schlagabtauschs.<\/p><p>Derartige Szenarien in Verbindung mit den Erfahrungen meiner vom Zweiten Weltkrieg gezeichneten Verwandtschaft und meinem Erleben der Nachkriegszeit einschlie&szlig;lich der noch heute wirksamen Kriegsfolgen reichen aus, um mit Wolfgang Borchert ein unmissverst&auml;ndliches Nein zu sagen.<sup><a href=\"#fn18\" id=\"fnref18\">[18]<\/a><\/sup> Nein zum Krieg, dessen Vorbereitung oder Inkaufnahme.<\/p><p>Einfache Menschen gleich wo, ob in K&ouml;ln, Warschau oder Moskau, brauchen und wollen keinen Krieg. Auch keine Kriegst&uuml;chtigkeit. Sie wollen ihr Leben leben, f&uuml;r und mit anderen. Sie sind aber auch anf&auml;llig f&uuml;r das Gift ideologischer Fremdbestimmung. Dies ist unser Dilemma.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small><strong>Anmerkungen<\/strong><\/small><\/p><div id=\"fn1\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[1] Das Zentrum stimmte am 23. M&auml;rz 1933 einstimmig dem von der NSDAP eingebrachten &bdquo;Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich&ldquo; zu. Zuvor hatte es nach vorangegangener geheimer Absprache mit der NSDAP einer verfassungswidrigen &Auml;nderung des Abstimmungsverfahrens zugestimmt. Diese sah vor, dass bei der Ausz&auml;hlung der Stimmen nicht mehr die Anzahl der Parlamentsabgeordneten zugrunde gelegt wird. Es sollte nur noch die Anzahl der anwesenden und schriftlich entschuldigten Abgeordneten ber&uuml;cksichtigt werden. Da die Abgeordneten der KPD infolge Verhaftung und Verfolgung nicht mehr im Reichstag anwesend sein konnten, wurde bereits auf diesem Wege die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit f&uuml;r die NSDAP gesichert. <a href=\"#fnref1\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn2\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[2] Der in der Geschichtsforschung verwendete Begriff &bdquo;Machtergreifung&ldquo; suggeriert, dass die NSDAP das allein verantwortliche Subjekt f&uuml;r die Umwandlung der Weimarer Republik in eine Diktatur war. Diese begrifflich irref&uuml;hrende Bestimmung entspricht den Verdr&auml;ngungsmechanismen der bundesrepublikanischen Gesellschaft bis in die 80er-Jahre hinein. Erstaunlicherweise findet er heute immer noch Verwendung. Vgl. das Zitat eines Staatsrechtlers im <em>Infotext &bdquo;Man stelle sich nur vor, die NSDAP w&auml;re 1932 verboten gewesen.&ldquo;, K&ouml;lnische Rundschau vom 26.05.2025, Seite 3.<\/em> <a href=\"#fnref2\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn3\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[3] Der zu dieser Zeit Vorsitzende des Zentrums, Pr&auml;lat Ludwig Kaas, war u. a. habilitierter und anerkannter Kirchenrechtler sowie Berater des Apostolischen Nuntius in Deutschland. Er hatte in Theologie und Philosophie promoviert. Vgl. <a href=\"https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/ludwig-kaas\"><em>https:\/\/www.dhm.de\/lemo\/biografie\/ludwig-kaas<\/em><\/a> sowie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_Kaas\"><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_Kaas<\/em><\/a> <em>(abgerufen am 17.02.2026)<\/em><\/small>\n<p><small>Auch der sp&auml;tere Bundespr&auml;sident Dr.-rer.-pol. Theodor Heuss, in den 20er- und 30er-Jahren Mitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei, sp&auml;ter Deutsche Staatspartei, stimmte dem Erm&auml;chtigungsgesetz, wenn auch widerwillig, zu. Beruflich war er zun&auml;chst journalistisch t&auml;tig und &uuml;bte sp&auml;ter eine Lehrt&auml;tigkeit an der Deutschen Hochschule f&uuml;r Politik aus, deren Vorstandsmitglied er auch wurde. Er hielt Vorlesungen und f&uuml;hrte Seminare zur deutschen Verfassungs- und Parteiengeschichte sowie Gegenwartsfragen durch. 1933 endeten seine dortigen T&auml;tigkeiten. Er verblieb in Deutschland, wurde wieder journalistisch t&auml;tig und verfasste Biografien.<\/small><\/p>\n<p><small>Vgl. <a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/biografie\/theodor-heuss\"><em>https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/biografie\/theodor-heuss<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_Heuss\"><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Theodor_Heuss<\/em><\/a> <em>(abgerufen am 17.02.2026)<\/em> <a href=\"#fnref3\">&#8617;<\/a><\/small><\/p><\/div><div id=\"fn4\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[4] Der Historiker G&ouml;tz Aly verweist darauf, dass 180.000 Feldgerichtsakten der deutschen Milit&auml;rjustiz noch nicht ausgewertet wurden. Sch&auml;tzungen gingen von 18.000 bis 35.000 Todesurteilen aus. Er selbst geht von etwa 25.000 exekutierten F&auml;llen aus. Vgl. <em>G&ouml;tz Aly: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 &ndash; 1945, Frankfurt am Main 2025, 6. Aufl., S. 554<\/em> <a href=\"#fnref4\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn5\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[5] Im Rahmen der Melioration norddeutscher Landfl&auml;chen wurden in der Zeit 1933 &ndash; 1939 auf den neu gewonnenen Anbaufl&auml;chen vom NS-Staat Bauern angesiedelt. Die D&auml;cher der Bauernh&ouml;fe wurden aus Propagandazwecken mit einem Hakenkreuz aus wei&szlig;en Dachziegeln versehen. <a href=\"#fnref5\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn6\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[6] Mein Gro&szlig;vater erz&auml;hlte einmal, dass ihn m&auml;nnliche Mitbewohner der Fl&uuml;chtlingsunterkunft in den K&uuml;stenkanal sto&szlig;en wollten, weil es Meinungsverschiedenheiten in einer Angelegenheit gab. <a href=\"#fnref6\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn7\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[7] Das Amt f&uuml;r Presse- und &Ouml;ffentlichkeitsarbeit der Stadt K&ouml;ln teilt f&uuml;r das Jahr 2024 mit, dass bei 17 Evakuierungen insgesamt mehr als 36.000 K&ouml;lner betroffen waren. Im Durchschnitt mussten 2.125 Anwohner evakuiert werden. Vgl. <a href=\"https:\/\/www.stadt-koeln.de\/politik-und-verwaltung\/presseservice\/bomben-bilanz-2024\"><em>https:\/\/www.stadt-koeln.de\/politik-und-verwaltung\/presseservice\/bomben-bilanz-2024<\/em><\/a> <a href=\"#fnref7\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn8\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[8] Erfahrungen aus Kampfgebieten ver&auml;ndern den Menschen. Sobald es ihm nicht mehr gelingt, seine Verdr&auml;ngungsmechanismen aufrechtzuerhalten, sucht er nach neuen Wegen, sein Leben zu bew&auml;ltigen. Das enorme Anwachsen der Trappistenkl&ouml;ster in den sp&auml;ten 40er- und 50er-Jahren in den USA belegt dies ebenso wie der enorme Anstieg des Drogenkonsums infolge des Vietnamkrieges. Der Abt von Gethsemani, Kentucky, musste laut Fr. Louis OCSO, mit b&uuml;rgerlichem Namen Thomas Merton, Armeezelte im Kreuzgang seines Klosters aufstellen lassen, um die gro&szlig;e Zahl von Novizen unterzubringen. Eine Folge des Zweiten Welt- und Koreakrieges. Siehe auch <a href=\"https:\/\/de.catholicnewsagency.com\/article\/2334\/wie-sich-die-trappisten-nach-dem-zweiten-weltkrieg-im-land-der-mormonen-angesiedelt-haben\"><em>https:\/\/de.catholicnewsagency.com\/article\/2334\/wie-sich-die-trappisten-nach-dem-zweiten-weltkrieg-im-land-der-mormonen-angesiedelt-haben<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mJkSCh6met4\"><em>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mJkSCh6met4<\/em><\/a> Zweiter Weltkrieg und Vietnamkrieg d&uuml;rften auch zum Entstehen der Rockermilieus beigetragen haben. <a href=\"#fnref8\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn9\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[9] In ihrem Beitrag <em>Psychische Traumatisierung bei Soldaten: Herausforderung f&uuml;r die Bundeswehr, Deutsches &Auml;rzteblatt 9\/2012<\/em> befassen sich <em>Olaf Schulte-Herbr&uuml;ggen<\/em> und <em>Andreas Heinz<\/em> mit einer Studie, &bdquo;in der zum ersten Mal Daten der Bundeswehr zu einsatzbedingten Belastungen vorgestellt&ldquo; wurden. Nach dieser Studie leiden &bdquo;bezogen auf 10 000 Soldaten &ndash; nach einem durchschnittlich viermonatigen Einsatz 291 Soldaten unter einer PTBS.&ldquo; Dies entspricht einer &bdquo;Pr&auml;valenz von 2,9 Prozent posttraumatischer Belastungsst&ouml;rungen&ldquo;. Bei anderen Armeen ist diese h&ouml;her.<\/small>\n<p><small>Vgl. <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/psychische-traumatisierung-bei-soldaten-herausforderung-fuer-die-bundeswehr-8b2d0ae8-f75c-4e92-bb8f-baf94d140ee9\"><em>https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/psychische-traumatisierung-bei-soldaten-herausforderung-fuer-die-bundeswehr-8b2d0ae8-f75c-4e92-bb8f-baf94d140ee9<\/em><\/a> <a href=\"#fnref9\">&#8617;<\/a><\/small><\/p><\/div><div id=\"fn10\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[10] Carlo Masala, Politikwissenschaftler und Professor an der Universit&auml;t der Bundeswehr in M&uuml;nchen, geht in seinem 2025 erschienenem Buch <em>Wenn Russland gewinnt. Ein Szenario<\/em> von einem durch Russland inszenierten geopolitischem Kr&auml;ftespiel mit dem Westen, genauer der NATO aus und setzt in diesem Zusammenhang das Datum 27. M&auml;rz 2028 fest.<\/small>\n<p><small>Vgl. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wenn_Russland_gewinnt._Ein_Szenario\"><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wenn_Russland_gewinnt._Ein_Szenario<\/em><\/a> <em>(abgerufen am 14.05.2026)<\/em><\/small><\/p>\n<p><small>Mit solchen Spekulationen ist er nicht alleine. Der Milit&auml;rhistoriker S&ouml;nke Neitzel von der Universit&auml;t Potsdam &auml;u&szlig;erte sich im April 2025, dass der Sommer 2025 m&ouml;glicherweise der letzte im Frieden sei.<\/small><\/p>\n<p><small>Vgl. <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/Letzter-Sommer-in-Frieden-Tag-1136-mit-Soenke-Neitzel,audio1847488.html\"><em>https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/Letzter-Sommer-in-Frieden-Tag-1136-mit-Soenke-Neitzel,audio1847488.html<\/em><\/a> <a href=\"#fnref10\">&#8617;<\/a><\/small><\/p><\/div><div id=\"fn11\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[11] Im NATO-Man&ouml;ver Red Storm Bravo Ende September 2025 wurde infolge einer angenommenen Havarie auf einer Korvette die Bergung, Erstversorgung und der Weitertransport verwundeter Soldaten in medizinische Einrichtungen ge&uuml;bt. Die gr&ouml;&szlig;te Verteidigungs&uuml;bung seit Ende des Kalten Krieges.<\/small>\n<p><small>Vgl. <a href=\"https:\/\/www.sat1regional.de\/bundeswehruebung-red-storm-bravo-szenario-versorgung-von-vielen-verletzten-in-hamburg\/\"><em>https:\/\/www.sat1regional.de\/bundeswehruebung-red-storm-bravo-szenario-versorgung-von-vielen-verletzten-in-hamburg\/<\/em><\/a> <em>(abgerufen am 14.05.2026)<\/em> und <a href=\"https:\/\/www.feuerwehrmagazin.de\/nachrichten\/news\/verteidigungsuebung-red-storm-bravo-in-hamburg-139334\"><em>https:\/\/www.feuerwehrmagazin.de\/nachrichten\/news\/verteidigungsuebung-red-storm-bravo-in-hamburg-139334<\/em><\/a> <em>(abgerufen am 14.05.2026)<\/em> <a href=\"#fnref11\">&#8617;<\/a><\/small><\/p><\/div><div id=\"fn12\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[12] Siehe <em>Bundesgesundheitsministerin Nina Warken im Interview mit der WELT AM SONNTAG vom 15. Februar 2026<\/em> [<a href=\"http:\/\/www.bundesgesundheitsministerium.de\/ministerium\/meldungen\/wams-15-02-26\"><em>www.bundesgesundheitsministerium.de\/ministerium\/meldungen\/wams-15-02-26<\/em><\/a>] <a href=\"#fnref12\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn13\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[13] <em>GR&Uuml;NBUCH ZMZ 4.0: Zivil-Milit&auml;rische Zusammenarbeit 4.0 im milit&auml;rischen Krisenfall. Eine Situationsbeschreibung, Analyse und Handlungsempfehlungen, Hrsg. Sandra Bubendorfer-Licht MdB, Leon Eckert MdB, Dr. Andr&eacute; Hahn MdB, Dr. G&uuml;nter Krings MdB, Ingo Sch&auml;fer MdB, Berlin, 2. Auflage, M&auml;rz 2025<\/em> <a href=\"#fnref13\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn14\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[14] Vgl. ebd., S. 25. Die zugrunde gelegten Zahlen widersprechen sich. Im Szenarium zur Provokation durch Russland 2030 wird von einem Aufmarsch mit 60.000 Mann ausgegangen. Vgl. ebd., S. 27 u. 34. Bei den detaillierten Ausf&uuml;hrungen zu Organisation und Unterst&uuml;tzung eines Aufmarschs wird von 80.000 gesprochen. Vgl. ebd., S. 28. Ich lese S. 25 so, dass 100.000 eine Obergrenze darstellt. <a href=\"#fnref14\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn15\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[15] Vgl. ebd., S. 34 <a href=\"#fnref15\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn16\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[16] Diese Annahme vertreten die Autoren des GR&Uuml;NBUCH lediglich f&uuml;r den Kriegsfall. Vgl. ebd., S. 35 <a href=\"#fnref16\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn17\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[17] Vgl. <em>Die schleichende Militarisierung der Medizin. Das Gesundheitswesen soll auf die Erfordernisse der Kriegsf&uuml;hrung vorbereitet werden. IPPNW-Forum 181\/2025<\/em> [<a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/frieden\/kriegsursachen\/artikel\/de\/die-schleichende-militarisierung-der.html\"><em>https:\/\/www.ippnw.de\/frieden\/kriegsursachen\/artikel\/de\/die-schleichende-militarisierung-der.html<\/em><\/a>] <a href=\"#fnref17\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div id=\"fn18\" style=\"padding-bottom: 15px\"><small>[18] Siehe <em>Wolfgang Borchert: Dann gibt es nur eins, 1947<\/em> [<a href=\"https:\/\/www.nonviolent-resistance.info\/files\/Borchert\/Wolfgang%20Borchert%20(1947)%20-%20Dann%20gibt%20es%20nur%20eins.pdf\"><em>https:\/\/www.nonviolent-resistance.info\/files\/Borchert\/Wolfgang%20Borchert%20(1947)%20-%20Dann%20gibt%20es%20nur%20eins.pdf<\/em><\/a>] <a href=\"#fnref18\">&#8617;<\/a><\/small><\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><small>Titelbild \/ Bildbeschreibung: Berlin, Kinder spielen in Tr&uuml;mmern | <a title=\"Bundesarchiv, Bild 183-2005-0803-519 \/ CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE &lt;https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/de\/deed.en&gt;, via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bundesarchiv_Bild_183-2005-0803-519,_Berlin,_Kinder_spielen_in_Tr%C3%BCmmern.jpg\">via Wikimedia Commons<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><em>&bdquo;Die st&auml;dtische Tr&uuml;mmerlandschaft der 50er-Jahre war f&uuml;r uns Kinder ideal. Ein Abenteuerspielplatz. Auf den Tr&uuml;mmerfeldern konnten H&uuml;tten gebaut, Feuer gemacht, Neugierde erweckende Gegenst&auml;nde gefunden werden. Besonders spannend wurde es dort, wo Neubauten entstanden. Sobald die Bauarbeiter Feierabend hatten, besetzten wir Kinder die Baustelle, erkundeten das noch unfertige Haus, bauten Buden aus dem Baumaterial und spielten<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151881\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":151883,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3293,3652,1055,2104,2394,893,2250,416,3609,966,3457],"class_list":["post-151881","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-bellizismus","tag-erinnerungen-gegen-den-krieg-serie","tag-fluechtlinge","tag-kriegsopfer","tag-kriegstrauma","tag-militarisierung","tag-nachkriegszeit","tag-nationalsozialismus","tag-operationsplan-deutschland","tag-weltkrieg","tag-zivilschutz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Bundesarchiv_Bild_183-2005-0803-519_Berlin_Kinder_spielen_in_Truemmern.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=151881"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151881\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151979,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/151881\/revisions\/151979"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/151883"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=151881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=151881"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=151881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}