{"id":152049,"date":"2026-06-10T13:33:07","date_gmt":"2026-06-10T11:33:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152049"},"modified":"2026-06-10T16:06:55","modified_gmt":"2026-06-10T14:06:55","slug":"bundesregierung-moechte-china-im-indopazifik-herausfordern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152049","title":{"rendered":"Bundesregierung m\u00f6chte China im Indopazifik herausfordern"},"content":{"rendered":"<p>BlackRock-Kanzler Merz dr&auml;ngt Deutschland in eine geopolitische Konfrontation mit China. Mit neuen Abkommen im Indopazifik und aggressiver Handelspolitik der EU positioniert sich Berlin als transatlantischer Vasall &ndash; auf Kosten eigener Interessen. Von <strong>Sevim Da&#287;delen<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5996\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-152049-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260610-Bundesregierung-moechte-China-herausfordern-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260610-Bundesregierung-moechte-China-herausfordern-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260610-Bundesregierung-moechte-China-herausfordern-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260610-Bundesregierung-moechte-China-herausfordern-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=152049-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260610-Bundesregierung-moechte-China-herausfordern-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260610-Bundesregierung-moechte-China-herausfordern-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>NATO-Globalanspruch und deutsch-australische Vereinbarung<\/strong><\/p><p>Der Anspruch der NATO zur &bdquo;globalen Machtprojektion&ldquo; (Rutte) f&uuml;r die USA manifestiert sich auch in den j&uuml;ngsten bilateralen Vereinbarungen, die die Bundesregierung zur geopolitischen Einflussnahme im Indopazifik abgeschlossen hat. Kurz: Deutschland soll China im Indopazifik herausfordern. Die Bundesrepublik beansprucht den Indopazifik als eigene geopolitische Einflusszone.<\/p><p>Im Ergebnis der &bdquo;dritten sicherheitspolitischen Konsultationen zwischen den Au&szlig;en- und Verteidigungsministerien Australiens und Deutschlands&ldquo; am 8. Juni 2026 in Berlin &ndash; auf Ministerebene mit Bundesau&szlig;enminister Johann Wadephul und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf deutscher Seite sowie dem stellvertretenden Premierminister und Verteidigungsminister Australiens, Richard Marles, und der australischen Au&szlig;enministerin Penny Wong &ndash; wurde eine &bdquo;immer engere Zusammenarbeit&ldquo; auch f&uuml;r den &bdquo;Indopazifik-Raum&ldquo; vereinbart.<\/p><p>Deutschland und Australien erheben den Anspruch, sich um &bdquo;Frieden und Stabilit&auml;t in der gesamten Taiwanstra&szlig;e&ldquo; k&uuml;mmern zu wollen. Die Ein-China-Politik, das hei&szlig;t die Anerkennung der staatlichen Integrit&auml;t der Volksrepublik, wird in der gemeinsamen Erkl&auml;rung unterlaufen. Deutschland und Australien haben vereinbart, &bdquo;die sinnvolle Beteiligung Taiwans an internationalen Organisationen als Mitglied, wo Staatlichkeit keine Voraussetzung ist, und als Beobachter oder Gast, wo dies der Fall ist&ldquo;, zu unterst&uuml;tzen. Das ist de facto eine Unterst&uuml;tzung des Separatismus und ein bewusster Affront gegen&uuml;ber Peking.<\/p><p><strong>Kolonialer Anklang und Einmischung in Territorialkonflikte<\/strong><\/p><p>In China f&uuml;hlen sich zu Recht viele an die Kolonialzeit erinnert und den imperialistischen Grundsatz &bdquo;Teile und Herrsche&ldquo;. Aber es geht nicht nur um geopolitische Herausforderungen Chinas, sondern auch um eine konkrete milit&auml;rische Zusammenarbeit mit Australien, um die Bundeswehr mit einem f&uuml;r Ende 2026 geplanten &bdquo;Streitkr&auml;fteaufenthaltsabkommen&ldquo; im Indopazifik auch milit&auml;risch in Stellung bringen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Immer deutlicher sch&auml;lt sich der Anspruch der Bundesregierung heraus, nicht nur bis 2039 die &bdquo;st&auml;rkste Armee Europas&ldquo; aufstellen zu wollen, sondern diese auch global zu positionieren. Deutschland will Weltmacht spielen, das ist die Quintessenz der deutsch-australischen Vereinbarung f&uuml;r den Indopazifik. <\/p><p>In der Vereinbarung wird deutlich, dass sich Berlin und Canberra auch in die Territorialkonflikte im S&uuml;dchinesischen Meer einmischen wollen. Man muss in der Geschichte weit zur&uuml;ckgehen, bis zu den kaiserlichen S&uuml;dseekolonien wie Deutsch-Neuguinea und der Errichtung des Flottenst&uuml;tzpunkts in Kiautschou als Basis der Kolonisierung eines Teils Chinas, um einen vergleichbaren Machtanspruch Deutschlands feststellen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Der koloniale Anspruch der Kaiserzeit wurde als Weltordnungsanspruch getarnt. In der deutsch-australischen Erkl&auml;rung wird das V&ouml;lkerrecht entsprechend nur als Steinbruch zur Legitimierung eigener Anspr&uuml;che instrumentalisiert. <\/p><p>Statt den unprovozierten, v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran zu verurteilen, spielen die Bundesregierung und ihre australischen Partner verkehrte Welt. &bdquo;Die Minister verurteilten entschieden die gef&auml;hrlichen Eskalationen durch Iran&ldquo;, hei&szlig;t es im gemeinsamen Kommuniqu&eacute;. Ob die dreiste L&uuml;ge als Wahrheit deklariert wird, sei dahingestellt. Die Weltordnungsmacht in spe nimmt es jedenfalls mit der Wirklichkeit nicht so genau.<\/p><p><strong>Handelskrieg gegen China<\/strong><\/p><p>Auch handelspolitisch stehen alle Zeichen auf Sturm. Es dr&auml;ngt sich der Eindruck auf, als lie&szlig;en sich Bundesregierung und EU von den USA die n&auml;chste Konfrontation zum eigenen Schaden aufn&ouml;tigen &ndash; diesmal gegen China. Es k&ouml;nnte eine existentielle Entscheidung f&uuml;r die Wirtschaft in der EU werden.<\/p><p>Vor dem EU-Gipfel, der am 18. Juni &uuml;ber m&ouml;gliche Strafma&szlig;nahmen gegen China entscheiden soll, positionieren sich die Br&uuml;sseler Entscheidungstr&auml;ger denkbar aggressiv. Der Vorsitzende der gr&ouml;&szlig;ten Parlamentariergruppe im Europ&auml;ischen Parlament, Manfred Weber von den deutschen Christdemokraten, er&ouml;ffnete am 8. Juni einen regelrechten verbalen Krieg gegen China. &bdquo;Die Zeit der Naivit&auml;t ist vorbei&ldquo;, sagte Weber einer deutschen Boulevard-Zeitung und forderte Z&ouml;lle gegen chinesische Produkte sowie einen Ausschluss chinesischer Unternehmen beim Aufbau der neuen 6G-Technologie.<\/p><p>Was aber als Verteidigung nationaler Interessen daherkommt, ist in Wirklichkeit allein das Bedienen von US-Unternehmen. Manfred Weber ist gl&uuml;hender Transatlantiker und Mitglied der Atlantikbr&uuml;cke, einer Lobbyorganisation f&uuml;r die Durchsetzung von US-Interessen in Deutschland und Europa. &bdquo;Entweder wir wehren uns, oder China macht Teile unserer Industrie platt&ldquo;, mit diesen Worten ruft Weber zum Angriff auf die Handelsbeziehungen mit China auf.<\/p><p>Es bleibt abzuwarten, wie viel Restvernunft die EU-Spitzen am 18. Juni beweisen werden. Aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit ist Skepsis angebracht. <\/p><p>Die Bundesregierung hat sich jedenfalls entschieden, als treuer Vasall der USA zum eigenen Verderb nach Russland jetzt auch China herausfordern zu wollen. Beim deutschen Griff nach der Weltmacht allerdings gilt das Wort von Marx aus dem 18. Brumaire: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Hegel bemerkte irgendwo, dass alle gro&szlig;en weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen. Er hat vergessen, hinzuzuf&uuml;gen: das eine Mal als Trag&ouml;die, das andere Mal als Farce.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: Tomas Ragina \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BlackRock-Kanzler Merz dr&auml;ngt Deutschland in eine geopolitische Konfrontation mit China. Mit neuen Abkommen im Indopazifik und aggressiver Handelspolitik der EU positioniert sich Berlin als transatlantischer Vasall &ndash; auf Kosten eigener Interessen. 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