{"id":152142,"date":"2026-06-12T10:00:49","date_gmt":"2026-06-12T08:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152142"},"modified":"2026-06-12T13:14:47","modified_gmt":"2026-06-12T11:14:47","slug":"gazacide-es-gibt-keinen-waffenstillstand-das-morden-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152142","title":{"rendered":"Gazacide \u2013 es gibt keinen Waffenstillstand, das Morden geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Der Tod menschlicher Empathie ist eines der fr&uuml;hesten und deutlichsten Zeichen einer Kultur, die im Begriff ist, in die Barbarei zu verfallen.&ldquo; (Hannah Arendt) Am 19. Mai erhielt der pal&auml;stinensische Journalist Rami Abu Jamous den Nord-S&uuml;d-Preis des Europarats. Jamous war Gr&uuml;nder der Agentur <em>GazaPress<\/em>, die westlichen Journalisten bei Recherchen und bei &Uuml;bersetzungen half. Im Oktober 2023 wurde Jamous von der israelischen Armee gezwungen, seine Wohnung in Gaza-Stadt zusammen mit seiner Familie zu verlassen. Sie flohen nach Rafah, dann nach Deir El-Balah und sp&auml;ter nach Nusseirat. Seit Oktober 2025 ist Rami mit seiner Familie wieder in Gaza-Stadt. Von <strong>Annette Groth<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3362\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-152142-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260612-Gazacide-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260612-Gazacide-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260612-Gazacide-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260612-Gazacide-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=152142-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260612-Gazacide-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260612-Gazacide-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>An der Preisverleihung in Lissabon las Portugals Pr&auml;sident Ant&oacute;nio Jos&eacute; Seguro aus dem &bdquo;Gaza-Tagebuch&ldquo; von Rami Abu Jamous vor. Das Schweizer Portal <em>Infosperber<\/em> dokumentiert die leicht gek&uuml;rzte Dankesrede von Jamous, die er per Video aus Gaza hielt: &bdquo;Ich spreche zu Ihnen aus Gaza. Aus diesem Land, dessen Tod die Welt live mitverfolgt. Aus diesem Freiluftgef&auml;ngnis, in dem wir einen Gazacide erleben. Ja, ich sage bewusst Gazacide. Ein V&ouml;lkermord bedeutet, ein Volk zu t&ouml;ten. Aber was wir erleben, ist nicht nur das T&ouml;ten eines Volkes. Es ist das T&ouml;ten der Geschichte. Es ist das T&ouml;ten des Landes. Es ist das T&ouml;ten von Bildung, Gesundheit, Arch&auml;ologie, der Vergangenheit, ja sogar der Zukunft &ndash; und vor allem ist es das T&ouml;ten der Menschlichkeit der Pal&auml;stinenser.<\/p><p> Wir sind zusammengepfercht, gejagt, ausgehungert. Ich spreche zu Ihnen aus dem Maison de la Presse &ndash; einer Einrichtung, an deren Gr&uuml;ndung ich gemeinsam mit mehreren Journalistenkollegen beteiligt war, darunter meinem Freund Bilal Jaddallah, den die Besatzungsarmee leider get&ouml;tet hat. Der gro&szlig;e portugiesische Dichter Fernando Pessoa schrieb: &bdquo;Freiheit ist die M&ouml;glichkeit, sich zur&uuml;ckzuziehen.&ldquo; In Gaza wird uns sogar diese Freiheit geraubt. Wir sind zusammengepfercht, gejagt, ausgehungert &ndash; aber wir weigern uns zu schweigen. M&ouml;ge dieser Preis auch ein Aufschrei sein: Der Gazacide darf nicht ungestraft bleiben.&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Am 8. Juni wurde der diesj&auml;hrige Europ&auml;ische Pressepreis an die investigative Reportage &bdquo;Was die Wunden erz&auml;hlen&ldquo; von Maud Effting und Willem Feenstra von der niederl&auml;ndischen Zeitung <em>De Volkskrant<\/em> verliehen. Die beiden Journalisten dokumentieren die F&auml;lle von 114 Kindern in Gaza unter 15 Jahren, die von einer einzigen Kugel in Kopf oder Brust getroffen wurden. Fast alle von ihnen starben oder blieben schwer behindert. &bdquo;Eine einzelne Kugel in diesen K&ouml;rperteilen ist ein klarer Hinweis darauf, dass diese Kinder gezielt angegriffen wurden&ldquo;, schreiben die Preistr&auml;ger. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Obwohl der European Press Prize eine der h&ouml;chsten europ&auml;ischen journalistischen Auszeichnungen ist, wurde &uuml;ber die Preisverleihung nicht berichtet, auch nicht &uuml;ber den Preis des Europarats, soweit bekannt.<\/p><p>Dadurch, dass die Aufmerksamkeit der Welt&ouml;ffentlichkeit auf den eskalierenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine gerichtet ist sowie auf die Bombardierung und die Zerst&ouml;rung des Libanon, einhergehend mit einer massiven Vertreibung von weit &uuml;ber einer Million Menschen, und auf den eskalierenden Krieg zwischen Israel und dem Iran, wird &uuml;ber die katastrophale Situation in Gaza kaum berichtet.<\/p><p>&bdquo;Israel intensiviert das T&ouml;ten, w&auml;hrend die Welt wegschaut&ldquo; titelt das elektronische Nachrichtenportal <em>Drop Site News<\/em> am 9. Juni. Anlass war die T&ouml;tung eines achtj&auml;hrigen Jungen, der von der provisorischen Schule nach Hause kam, und zwei weiteren Pal&auml;stinensern. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Laut dem Pal&auml;stinensischen Menschenrechtszentrum war der Monat Mai 2026 der t&ouml;dlichste, in dem mindestens 119 Menschen von der israelischen Armee ermordet wurden, darunter 19 Kinder. In den ersten neun Tagen des Juni 2026 wurden mindestens 46 Pal&auml;stinenserinnen und Pal&auml;stinenser get&ouml;tet, darunter wie immer etliche Kinder.<\/p><p>&bdquo;Dieser 15-j&auml;hrige Junge wurde von den anhaltenden Angriffen auf Gaza verletzt. Ein Splitter durchbohrte sein Herz, und innerhalb weniger Minuten starb er. Das ist die Realit&auml;t in Gaza: Die Angriffe h&ouml;ren einfach nie auf.&ldquo; Dr. Abdel Wahab, pal&auml;stinensischer Chirurg im Norden von Gaza, 7. Juni 2026 [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>&bdquo;Der Krieg ist zur&uuml;ckgekehrt. Jeden Tag gibt es Dutzende von M&auml;rtyrern und Dutzende von Verwundeten. Er ist zur&uuml;ckgekehrt, ohne dass es angek&uuml;ndigt wurde. &Uuml;ber Gaza wird nicht berichtet&ldquo;, sagte Azmi Abu Sharby, ein Pal&auml;stinenser, der in Shujaiyeh, einem Stadtteil &ouml;stlich von Gaza-Stadt, lebt, gegen&uuml;ber <em>Drop Site<\/em>. &bdquo;Es dreht sich alles um den Iran und um den Libanon, und Gaza wird jeden Tag bombardiert und jeden Tag geschlachtet.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Das UN-Menschenrechtsb&uuml;ro (OHCHR) best&auml;tigt ebenfalls eine Zunahme israelischer Attacken in Gaza und ver&ouml;ffentlichte am 4. Juni einen Bericht &uuml;ber &bdquo;wiederholte Angriffe&ldquo; und &bdquo;routinem&auml;&szlig;ige gezielte Angriffe&ldquo; auf Polizeibeamte in Gaza. Seit Januar 2026 hat das OHCHR mindestens zw&ouml;lf Angriffe auf die Polizei registriert, bei denen mehr als 53 Zivilisten get&ouml;tet wurden, darunter 35 Polizeibeamte. Allein im Mai wurden vier Angriffe verzeichnet, bei denen zw&ouml;lf Polizeibeamte ums Leben kamen. Mayy El Sheikh, Sprecherin des OHCHR in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten, betont, dass die &bdquo;systematische gezielte Bek&auml;mpfung&ldquo; wichtiger &ouml;ffentlicher Einrichtungen und Mitarbeiter zu einem Zusammenbruch der zivilen und &ouml;ffentlichen Ordnung gef&uuml;hrt habe. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Yanis Varoufakis, griechischer Wirtschaftswissenschaftler, ehemaliger Finanzminister, Autor und Politiker, kommentiert am 2. Juni 2026 auf <em>X (Twitter)<\/em>: &bdquo;Nun, da Gaza in Tr&uuml;mmern liegt &ndash; zerschmettert wie ein geliebtes Gesicht nach lang andauernder Brutalit&auml;t &ndash;, schreitet Israel mit schrecklicher Selbstsicherheit zum n&auml;chsten Akt &uuml;ber: dem Akt, jeden Menschen dort nicht nur verwundet, sondern dauerhaft handlungsunf&auml;hig zur&uuml;ckzulassen. Verletzt, krank, hungrig, obdachlos, ohne Arbeit, ohne Hoffnung. Das sind keine Kollateralsch&auml;den des Krieges. Das ist Absicht. Wie mein Freund Gideon Levy schreibt &ndash; und er wei&szlig; es nur zu gut &ndash;, ist dies der Auftakt zur Vertreibung. Man stelle sich das vor: eine Gesellschaft ohne Lehrerinnen und Lehrer, ohne &Auml;rztinnen und &Auml;rzte, ohne Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, ohne Ingenieure, ohne Angestellte. Das ist keine Gesellschaft. Das ist ein Pferch. Ein langsames Ausl&ouml;schen. Und wenn nichts mehr funktioniert &ndash; keine Schule, kein Krankenhaus, kein B&uuml;ro, kein Herz &ndash;, dann wird es &bdquo;einfach&ldquo;, die Menschen in alle Winde zu zerstreuen. Wie Samen aus einer zerbrochenen Schote, nur dass kein Boden sie aufnehmen wird. Wir m&uuml;ssen das beim Namen nennen. Nicht nur mit Wut, obwohl Wut ehrlich ist. Sondern mit den kalten, klaren Tr&auml;nen der Erkenntnis: Sie machen das Leben unm&ouml;glich, damit die Migration zur einzigen &bdquo;Wahl&ldquo; wird. Und die Welt schaut zu, r&uuml;ckt ihre Brille zurecht und ruft zur Zur&uuml;ckhaltung auf. Zur&uuml;ckhaltung! Es gibt keine Zur&uuml;ckhaltung beim langsamen Ertrinken.&ldquo; [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Varoufakis bezieht sich auf einen Artikel von Gideon Levy, einer der renommiertesten israelischen Journalisten, der am 30. Mai 2026 titelte: &bdquo;Israels L&ouml;sung f&uuml;r das Gaza-Problem ist bereits in vollem Gange &ndash; Die einzige Alternative zur Herrschaft der Hamas ist derzeit die Anarchie, und dieses Chaos kommt Israel zugute, um seinen Nachkriegsplan zu verwirklichen: den vollst&auml;ndigen sozialen Zerfall und schlie&szlig;lich die Vertreibung.&ldquo; Levy f&auml;hrt fort: &bdquo;Sobald die Bev&ouml;lkerung Gazas zu einer heterogenen Masse ohne organisierte Gesellschaft, ohne grundlegende Versorgung, ohne wesentliche Institutionen und nat&uuml;rlich ohne F&uuml;hrung reduziert ist, wird der vollst&auml;ndige Zerfall des sozialen Gef&uuml;ges es Israel erleichtern, zur n&auml;chsten Phase &uuml;berzugehen, die es nie aufgegeben hat: der Phase der Vertreibung. Erst dann wird das Gaza-Problem endg&uuml;ltig gel&ouml;st sein. Ohne eine funktionierende Gesellschaft ist es ein Leichtes, die Bewohnerinnen und Bewohner Gazas in alle Winde zu vertreiben&ldquo;, zieht Gideon Levy das Fazit. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Verteidigungsminister Israel Katz schrieb auf <em>X<\/em>: &bdquo;Wir haben versprochen, dass die Hamas im Gazastreifen weder zivil noch milit&auml;risch herrschen wird, und so soll es auch sein. Auch der Plan zur freiwilligen Auswanderung wird umgesetzt werden, und zwar zum richtigen Zeitpunkt und auf die richtige Art und Weise.&ldquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Einen Hinweis auf diesen Vertreibungsplan gab auch Benjamin Netanjahu und verk&uuml;ndete, dass der von Israel kontrollierte Teil des Gazastreifens von 60 Prozent auf 70 Prozent ausgeweitet werden wird. D.h. &uuml;ber zwei Millionen Menschen werden in ein noch kleineres Gebiet zusammengepfercht. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich die jetzt schon katastrophale Situation der Bev&ouml;lkerung weiter versch&auml;rft.<\/p><p>Es kommen immer weniger Hilfsg&uuml;ter in den Gazastreifen. Seit dem 24. Mai ist der Grenz&uuml;bergang Zikim im Norden von Gaza geschlossen. Seit dem 4. Juni ist Kerem Shalom der einzige Grenz&uuml;bergang, &uuml;ber den von den Israelis erlaubte Waren in den Gazastreifen gelangen k&ouml;nnen.<\/p><p>Am 1. Juni haben israelische Streitkr&auml;fte damit begonnen, humanit&auml;re Konvois &uuml;ber eine neue Stra&szlig;e mit einem neuen Kontrollpunkt umzuleiten, um Kerem Shalom von innerhalb des Gazastreifens aus zu erreichen. Seitdem sind die LKW am neuen Kontrollpunkt mit erheblichen Problemen konfrontiert &ndash; darunter Verz&ouml;gerungen, Staus, technische St&ouml;rungen und langsame Kontrollen. Infolgedessen wurde nur ein Teil der in Kerem Shalom gelagerten Hilfsg&uuml;ter abgeholt, auch die Mengen an angeliefertem Treibstoff sind reduziert worden.<\/p><p>Ein zus&auml;tzliches gro&szlig;es Problem sind mangelnde Finanzen, sodass humanit&auml;re Dienst- und Hilfsleistungen erheblich einschr&auml;nkt sind. Alle diese Faktoren f&uuml;hren zu einer schlechteren Versorgung der Bev&ouml;lkerung mit Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten, Treibstoff und dergleichen mehr. Ein gro&szlig;er Teil der Gazaner muss mit nur einer Mahlzeit am Tag auskommen. Insbesondere Kinder und schwangere bzw. stillende Frauen leiden unter akuter Mangelern&auml;hrung. Dazu kommt die st&auml;ndige Pr&auml;senz von Drohnen und die Ger&auml;usche von Kampfflugzeugen, die bei vielen Menschen zu schweren psychischen Traumata f&uuml;hren.<\/p><p>Was k&ouml;nnen einzelne B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger gegen dieses schreiende Unrecht tun au&szlig;er Protestbriefe schreiben, Mahnwachen und Demonstrationen organisieren?<\/p><p>Eine M&ouml;glichkeit ist, das europ&auml;ische B&uuml;rgerbegehren zu unterschreiben, das die Aussetzung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens fordert. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Das Assoziierungsabkommen ist f&uuml;r die israelische Wirtschaft von zentraler Bedeutung, da die EU Israels gr&ouml;&szlig;ter Handelspartner ist. Handel und Kooperation mit der EU bringen f&uuml;r Israels R&uuml;stungsindustrie, den Technologiesektor und die Wissenschaft enorme Vorteile.<\/p><p>In Artikel 2 ist als zentraler Faktor die Achtung der Menschenrechte verankert, wie es auch auf der EU-Webseite steht: &bdquo;Die Wahrung der Menschenrechte, der demokratischen Grunds&auml;tze und der Rechtsstaatlichkeit sind wesentliche Elemente des Abkommens. Die EU kann die Zusammenarbeit mit L&auml;ndern unterbrechen, wo diese Prinzipien anhaltend verletzt werden.&ldquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Bereits im Juni 2025 stellte die Europ&auml;ische Kommission fest, dass Israel gegen Artikel 2 des Abkommens verst&ouml;&szlig;t, und schlug deshalb eine teilweise Aussetzung des Abkommens sowie gezielte Sanktionen gegen einzelne Mitglieder der israelischen Regierung sowie gegen gewaltt&auml;tige Siedlerinnen und Siedler vor. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.<\/p><p>Insbesondere Deutschland und Italien blockieren die Aussetzung des Abkommens bislang. Wenn einer der beiden Staaten zustimmt, w&uuml;rde es f&uuml;r eine qualifizierte Mehrheit und damit f&uuml;r eine teilweise Aussetzung des Abkommens reichen.<\/p><p>Um die EU dazu zu bringen, sich weiterhin mit dem Abkommen zu besch&auml;ftigen, wurde eine europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative organisiert und in den EU-Mitgliedsstaaten Unterschriften daf&uuml;r gesammelt. Mit mehr als einer Million Stimmen ist die Mindestanforderung erf&uuml;llt und verpflichtet die Europ&auml;ische Kommission, sich mit dem Abkommen weiterhin auseinanderzusetzen.<\/p><p>Es w&auml;re ein wichtiges Zeichen der Kritik an der deutschen Regierungspolitik gegen&uuml;ber Israel, wenn weiterhin Unterschriften gesammelt werden. Bislang gibt es &uuml;ber 65.000 in Deutschland, aber es fehlen hier noch 900 Unterschriften bis zum Erreichen des erforderlichen Quorums, das derzeit bei 80 Prozent liegt. Zum Vergleich: Zw&ouml;lf L&auml;nder haben das Quorum &uuml;bererf&uuml;llt (Belgien, D&auml;nemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Polen, Portugal, Schweden, Spanien). Luxemburg hat bislang &uuml;ber die H&auml;lfte des Quorums erreicht, sechs L&auml;nder haben 20 Prozent des Quorums noch nicht erreicht. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Angesichts der gro&szlig;en weltweiten Proteste sowie einiger Ermittlungsverfahren gegen Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir, der f&uuml;r massive Misshandlungen der Aktivisten der Global Sumud Flotilla verantwortlich ist, ist zu hoffen, dass zumindest Italien jetzt der Aussetzung des Assoziierungsabkommens zustimmt. Mitte Mai hat die italienische Justiz ein Ermittlungsverfahren wegen des Umgangs mit festgenommenen Gaza-Aktivisten gegen Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir eingeleitet. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts auf Folter und Freiheitsberaubung.<\/p><p>Es w&auml;re mehr als w&uuml;nschenswert, wenn Ben-Gvir sowie alle Regierungsmitglieder auf die EU-Sanktionsliste k&auml;men und gegen sie ermittelt w&uuml;rde! Die Straflosigkeit, auch von israelischen Verbrechen, muss ein Ende haben.<\/p><p>Aktuelle Infos: <a href=\"https:\/\/www.sand-im-getriebe.org\/artikel\/ebi-2026\">sand-im-getriebe.org\/artikel\/ebi-2026<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.justiceforpalestine.eu\/post\/press-conference-1-million-signatures\">justiceforpalestine.eu\/post\/press-conference-1-million-signatures<\/a>; <a href=\"https:\/\/bip-jetzt.de\/2026\/06\/08\/bip-aktuell-399-das-assoziierungsabkommen-mit-der-eu-ist-fuer-israel-von-enormer-bedeutung\/\">bip-jetzt.de\/2026\/06\/08\/bip-aktuell-399-das-assoziierungsabkommen-mit-der-eu-ist-fuer-israel-von-enormer-bedeutung\/<\/a><\/p><p><small>Titelbild: Anas-Mohammed \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/welt\/israel-darf-mit-dem-gazacide-nicht-durchkommen\/\">infosperber.ch\/politik\/welt\/israel-darf-mit-dem-gazacide-nicht-durchkommen\/<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.pressenza.com\/de\/2026\/06\/israel-darf-mit-dem-gazacide-nicht-durchkommen\/\">pressenza.com\/de\/2026\/06\/israel-darf-mit-dem-gazacide-nicht-durchkommen\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.palestinemission.at\/single-post\/was-uns-die-wunden-erz%C3%A4hlen-internationale-%C3%A4rztinnen-und-%C3%A4rzte-berichten-von-gaza\">palestinemission.at\/single-post\/was-uns-die-wunden-erz%C3%A4hlen-internationale-%C3%A4rztinnen-und-%C3%A4rzte-berichten-von-gaza<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.dropsitenews.com\/p\/gaza-genocide-yellow-line-israel-killing-palestinians-ceasefire\">dropsitenews.com\/p\/gaza-genocide-yellow-line-israel-killing-palestinians-ceasefire<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>]  Zitat aus der Aussendung des B&uuml;ros (9. Juni 2026) der Vertretung des Staates Pal&auml;stina in &Ouml;sterreich, Slowenien und Kroatien und st&auml;ndige Beobachtermission des Staates Pal&auml;stina bei der UN und den internationalen Organisationen, das B&uuml;ro in Wien sendet auf Anfrage regelm&auml;&szlig;ig Informationen aus Pal&auml;stina und &uuml;bersetzte Artikel an Interessierte. <a href=\"https:\/\/www.palestinemission.at\/\">palestinemission.at<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.dropsitenews.com\/p\/gaza-genocide-yellow-line-israel-killing-palestinians-ceasefire\">dropsitenews.com\/p\/gaza-genocide-yellow-line-israel-killing-palestinians-ceasefire<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>]  Gaza&rsquo;s public servants systematically targeted in Israeli strikes UN-OHCHR, 4. Juni 2026 <a href=\"https:\/\/palestine.un.org\/en\/316694-gaza%E2%80%99s-public-servants-systematically-targeted-israeli-strikes\">palestine.un.org\/en\/316694-gaza%E2%80%99s-public-servants-systematically-targeted-israeli-strikes<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>]  Zitat aus der Aussendung des B&uuml;ros (9. Juni 2026) der Vertretung des Staates Pal&auml;stina, Wien<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>]  Originalbeitrag in englischer Sprache: <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/opinion\/2026-05-30\/ty-article-opinion\/.premium\/israels-solution-to-the-gaza-problem-is-well-underway\/0000019e-79d5-d12e-afdf-ffff5b890000\">haaretz.com\/opinion\/2026-05-30\/ty-article-opinion\/.premium\/israels-solution-to-the-gaza-problem-is-well-underway\/0000019e-79d5-d12e-afdf-ffff5b890000<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>]  Zitat aus der Aussendung des B&uuml;ros (9. Juni 2026) der Vertretung des Staates Pal&auml;stina, Wien<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>]  Online kann man hier unterschreiben: <a href=\"https:\/\/eci.ec.europa.eu\/055\/public\">eci.ec.europa.eu\/055\/public<\/a>, weitere Informationen bei der Deutsch-Pal&auml;stinensischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/dpg-netz.de\/\">dpg-netz.de\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.eu-info.de\/europa\/EU-Assoziierungsvertraege\/\">eu-info.de\/europa\/EU-Assoziierungsvertraege\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>]  <a href=\"https:\/\/citizens-initiative.europa.eu\/initiatives\/details\/2025\/000005_de\">citizens-initiative.europa.eu\/initiatives\/details\/2025\/000005_de<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Der Tod menschlicher Empathie ist eines der fr&uuml;hesten und deutlichsten Zeichen einer Kultur, die im Begriff ist, in die Barbarei zu verfallen.&ldquo; (Hannah Arendt) Am 19. 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Im Oktober<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152142\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":152143,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,171],"tags":[1652,1435,1108,1055,302,1917,2222,304,849,2360],"class_list":["post-152142","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-abwanderung","tag-buergerinitiative","tag-eu-assoziierungsabkommen","tag-fluechtlinge","tag-gaza","tag-genozid","tag-humanitaere-hilfe","tag-kriegsverbrechen","tag-nahrungsmittel","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/shutterstock_2730253391.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=152142"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":152202,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152142\/revisions\/152202"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/152143"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=152142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=152142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=152142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}