{"id":152152,"date":"2026-06-12T09:00:22","date_gmt":"2026-06-12T07:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152152"},"modified":"2026-06-12T10:25:17","modified_gmt":"2026-06-12T08:25:17","slug":"faktencheck-jeffrey-sachs-kritiken-an-deutschlands-aussenpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152152","title":{"rendered":"Faktencheck \u2013 Jeffrey Sachs&#8217; Kritiken an Deutschlands Au\u00dfenpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/jeffrey-sachs-an-bundeskanzler-merz-verhindern-sie-offenen-krieg-mit-russland-10038620\"><em>Berliner Zeitung<\/em><\/a>, die <a href=\"https:\/\/weltwoche.de\/daily\/europa-und-russland-schlittern-in-einen-offenen-krieg-offener-brief-von-us-oekonom-jeffrey-sachs-an-bundeskanzler-merz\/\"><em>Weltwoche<\/em><\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151538\"><em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> ver&ouml;ffentlichten im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang Juni einen Offenen Brief des f&uuml;r kritische Analysen der internationalen Politik bekannten US-&Ouml;konomen Jeffrey D. Sachs an Bundeskanzler Merz. Es war der zweite Offene Brief binnen eines halben Jahres an den Kanzler. Mit dem zweiten Brief unterstreicht Sachs die absolut dringende Handlungsnotwendigkeit, einen immer wahrscheinlicher werdenden Krieg zwischen EU-Europa\/europ&auml;ischen NATO-Staaten mit Russland abzuwenden. Kanzler Merz m&uuml;sse nun endlich diplomatisch die Initiative zur Abwendung dieser Dynamik ergreifen, statt dem Krieg T&uuml;r und Tor zu &ouml;ffnen. In diesem Kontext benennt Sachs die seiner Meinung nach sechs Fehlentscheidungen in der deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik, die zu der gegenw&auml;rtigen Lage gef&uuml;hrt h&auml;tten. Die Argumente von Sachs sollen im Folgenden einem ideologiefreien Faktencheck unterzogen werden. Dabei verweise ich prim&auml;r auf Quellentexte, also auf Texte, die nicht zuvor &bdquo;eingeordnet&ldquo; wurden. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p>Dass dieser Offene Brief angesichts seiner schonungslosen Abrechnung mit den nach Auffassung Sachs&lsquo; eklatanten Fehlentscheidungen der deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik nicht von den Mainstreammedien ver&ouml;ffentlicht wurde, ist emp&ouml;renswert, jedoch nicht mehr verwunderlich. Denn seit dem NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 ist ein immer offensichtlich werdender Transformationsprozess weg vom Journalismus hin zum moralisierenden Haltungsjournalismus und Politaktivismus der Mainstreammedien zu beobachten. Das Ziel: durch &bdquo;journalistisch&ldquo; betreutes Denken nur noch die &bdquo;richtige Wahrheit&ldquo; zuzulassen. Wenn keine &uuml;berzeugenden Gegenargumente (bestellte &bdquo;Faktenchecker&ldquo; kriegen es nicht hin, die Tatsachen zu verdrehen) geliefert werden k&ouml;nnen, wird das Thema halt kurzerhand verschwiegen. Ganz nach dem Motto: Man kann vielleicht nicht verhindern, wie Menschen denken, jedoch kann man versuchen, zu verhindern, dass sie &uuml;ber das eine oder andere Thema nachdenken. <em>Weltwoche<\/em>, <em>Berliner Zeitung<\/em> und <em>NachDenkSeiten<\/em> sowie weitere alternative Onlinemedien geh&ouml;ren zu den Medien, die sich dem meinungsverengenden Politikaktivismus der Mainstreammedien widersetzen und die Meinungsvielfalt abzusichern versuchen.<\/p><p>Die NachDenkSeiten fordern in ihrem Beitrag zum Offenen Brief etwas, was eigentlich selbstverst&auml;ndlich sein sollte, es aber nicht mehr ist: Es ist in der Natur der Sache liegend f&uuml;r eine Demokratie &ndash; n&auml;mlich Informationen zu rezipieren, freie Diskussionen und Debatten zu f&uuml;hren, um Positionen entwickeln zu k&ouml;nnen. Kurzum: Ohne freie Meinungs&auml;u&szlig;erung, ohne Pressefreiheit, ohne Informationsrezeptionsfreiheit ist eine Demokratie eben keine Demokratie mehr &ndash; es sei denn, man reduziert das Demokratieverst&auml;ndnis auf den alle paar Jahre stattfindenden technischen Wahlakt.<\/p><p>&bdquo;<em>Seine <\/em>[Jeffrey Sachs&lsquo;]<em> Argumente k&ouml;nnen kritisiert, widerlegt oder diskutiert werden. Doch dazu m&uuml;ssten sie zun&auml;chst einmal bekannt sein<\/em>&ldquo;, so die NachDenkSeiten. Und genau das soll im Folgenden in Form eines tats&auml;chlich ideologiefreien Faktenchecks geschehen:<\/p><p><strong>Sechs Kritikpunkte an der deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik<\/strong><\/p><p>Unter der Unter&uuml;berschrift &bdquo;<em>Deutschlands Verantwortung: Sechs Punkte<\/em>&ldquo; erl&auml;utert Sachs sechs in seinen Augen politische Fehlentscheidungen deutscher Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik, die zur gegenw&auml;rtigen Eskalation gef&uuml;hrt h&auml;tten:<\/p><p><strong>&bdquo;Erstens &ndash; der Zwei-plus-Vier-Vertrag und die Osterweiterung der NATO&ldquo;<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Am 12. September 1990 unterzeichnete Deutschland in Moskau den Vertrag &uuml;ber die endg&uuml;ltige Regelung der Angelegenheiten Deutschlands &ndash; den &bdquo;Zwei-plus-Vier-Vertrag&ldquo; &ndash;, der die deutsche Wiedervereinigung vollendete. Dieser Vertrag kam zustande, weil Michail Gorbatschow von Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, James Baker und anderen westlichen Staats- und Regierungschefs die feierliche Zusicherung erhielt, dass die NATO nicht nach Osten expandieren w&uuml;rde. Die freigegebenen Akten &ndash; darunter die nun &ouml;ffentlich zug&auml;nglichen Memoranden des National Security Archive der George Washington University &ndash; sind eindeutig: Diese Zusicherungen wurden gegeben und sollten sich, wie damals klar formuliert, &uuml;ber das Gebiet der ehemaligen DDR hinaus auf Osteuropa erstrecken. Sie wurden 1990 und 1991 bekr&auml;ftigt. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag beschr&auml;nkt die Stationierung von NATO-Truppen in der ehemaligen DDR und erinnert an die Grunds&auml;tze der Schlussakte von Helsinki, die betont, dass die Sicherheit keiner Nation auf Kosten der Sicherheit einer anderen gehen darf. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Sowjetunion westliche Truppen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ablehnte, aber NATO-Armeen in Warschau, Vilnius oder Kiew gleichg&uuml;ltig gegen&uuml;berstand? Nat&uuml;rlich nicht. Die NATO-Erweiterung wurde ausf&uuml;hrlich er&ouml;rtert, und Deutschland gab der sowjetischen F&uuml;hrung ausdr&uuml;ckliche Zusicherungen, die Erweiterung nach Osten zu verweigern &ndash; und brach diese sp&auml;ter. Deutschland profitierte am meisten von diesen Zusicherungen, die die Gegenleistung f&uuml;r die deutsche Wiedervereinigung darstellten. Doch bereits 1993 begannen deutsche Politiker, diese Zusicherungen zu brechen.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Faktencheck:<\/strong><\/p><p>Die von Sachs genannten Dokumente sind tats&auml;chlich <a href=\"https:\/\/nsarchive.gwu.edu\/briefing-book\/russia-programs\/2017-12-12\/nato-expansion-what-gorbachev-heard-western-leaders-early\">&uuml;ber folgenden Link abrufbar<\/a>. Rund 30 Originaldokumente k&ouml;nnen dort eingesehen werden.<\/p><p>Auch ein Weltspiegel-Beitrag aus dem Jahre 1990 st&uuml;tzt die Aussage von Sachs.<\/p><p>Der deutsche Au&szlig;enminister <a href=\"https:\/\/youtu.be\/F2iOAtNlleg?si=pm_hGidOMfVMDwq5\">Genscher sagte<\/a> im Beisein seines US-Au&szlig;enministerkollegen Baker: &bdquo;<em>Wir waren uns einig, dass nicht die Absicht besteht, das NATO-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt &uuml;brigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir da nicht einverleiben wollen, sondern gilt ganz generell&ldquo;<\/em>. Mit dieser Formulierung wird deutlich, dass es nicht nur um die DDR, sondern generell um Osteuropa ging.<\/p><p>Und das mit der nicht bestehenden Absicht scheint in der deutschen Politik eine Garantie f&uuml;r das Gegenteil des Zugesagten zu sein. Bereits der damalige DDR-Staatschef Ulbricht erkl&auml;rte 1961, &bdquo;<em>niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten<\/em>&ldquo;. Zwei Monate sp&auml;ter wurde bekannterweise die Mauer gebaut wie auch acht Jahre nach Genschers Versprechen die NATO nach Osten erweitert.<\/p><p>Was zutreffend ist, ist, dass keine belastbare v&ouml;lkerrechtliche Vereinbarung zwischen Washington\/Br&uuml;ssel und Moskau &uuml;ber eine Nichterweiterung der NATO geschlossen wurde. Jenseits dieses nicht vorhandenen v&ouml;lkerrechtlichen Dokuments gab es jedoch eine Vielzahl von klaren Aussagen, auf die sich die sowjetische\/russische Seite verlassen hatte. Warum die Moskauer Diplomatie sich derart naiv darauf einlie&szlig;, bleibt das Geheimnis Gorbatschows.<\/p><p><strong>&bdquo;Zweitens&ndash; Bundeskanzlerin Merkels eigene Aussagen&ldquo;<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In ihren Memoiren schreibt Angela Merkel mit bemerkenswerter Offenheit, dass sie zum Zeitpunkt des Bukarester Gipfels 2008 verstand, dass die Einladung der Ukraine und Georgiens in die NATO einer Kriegserkl&auml;rung an Russland gleichk&auml;me. Sie kannte Russlands rote Linie. Und dennoch gab sie dem amerikanischen Druck nach und akzeptierte die Kompromisserkl&auml;rung, wonach die Ukraine und Georgien irgendwann NATO-Mitglieder &bdquo;werden k&ouml;nnen&ldquo;. Dieser eine Satz setzte die Katastrophen von 2014 und 2022 in Gang. Merkels sp&auml;tere Offenheit ist ein Geschenk an ihre Nachfolger: Sie hat Ihnen klar und deutlich gesagt, was damals klar war. Deutschland sollte jetzt nicht so tun, als ob nicht.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Faktencheck:<\/strong><\/p><p>Tats&auml;chlich machte sich Angela Merkel 2008 gegen eine NATO-Integration der Ukraine und Georgiens stark. Sie verhinderte, dass mit den beiden L&auml;ndern zu diesem Zeitpunkt Beitrittsgespr&auml;che aufgenommen wurden. Allerdings widersetzte sie sich nicht einem perspektivischen Beitritt. Dieser wurde in der Abschlusserkl&auml;rung auch so &ndash; unter anderem mit dem Membership Action Plan &ndash; festgehalten. Kurzum, kein unmittelbarer, jedoch perspektivischer Beitritt. Dass die Vorbehalte Moskaus gegen einen Beitritt der Ukraine und Georgiens nicht nur eine Laune des Moments waren, d&uuml;rfte der Kanzlerin klar gewesen sein. Dennoch wagte sie es nicht, sich dem Druck des US-Pr&auml;sidenten George W. Busch jr. zu widersetzen. Der Preis f&uuml;r eine ausgelagerte Sicherheitspolitik ist eben, dass die USA, nicht die Europ&auml;er &uuml;ber die Grundlagen europ&auml;ischer Sicherheit entscheiden.<\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.nato.int\/en\/about-us\/official-texts-and-resources\/official-texts\/2008\/04\/03\/bucharest-summit-declaration\">&bdquo;Erkl&auml;rung des Bukarester Gipfels<\/a><\/strong><br>\n<strong>Herausgegeben von den Staats- und Regierungschefs, die an der Sitzung des Nordatlantikrates am 3. April 2008 in Bukarest teilnehmen&ldquo;<\/strong><\/p><blockquote><p>\n\t&bdquo;<em>18. Der laufende Erweiterungsprozess der NATO war ein historischer Erfolg bei der F&ouml;rderung von Stabilit&auml;t und Zusammenarbeit und brachte uns unserem gemeinsamen Ziel eines ganzen und freien Europas n&auml;her, vereint in Frieden, Demokratie und gemeinsamen Werten. Die T&uuml;r der NATO wird den europ&auml;ischen Demokratien offen bleiben, die gem&auml;&szlig; Artikel 10 des Washingtoner Vertrags die Verantwortung und Pflichten der Mitgliedschaft &uuml;bernehmen wollen. Wir bekr&auml;ftigen, dass die Entscheidungen &uuml;ber die Erweiterung f&uuml;r die NATO selbst getroffen werden m&uuml;ssen.<\/em><\/p>\n<p>\t<em>23. Die NATO begr&uuml;&szlig;t die euro-atlantischen Bestrebungen der Ukraine und Georgiens nach Mitgliedschaft in der NATO. Wir haben heute vereinbart, dass diese L&auml;nder Mitglieder der NATO werden. Beide L&auml;nder haben wertvolle Beitr&auml;ge zu den Allianzoperationen geleistet. Wir begr&uuml;&szlig;en die demokratischen Reformen in der Ukraine und in Georgien und freuen uns auf freie und faire Parlamentswahlen in Georgien im Mai. MAP ist der n&auml;chste Schritt f&uuml;r die Ukraine und Georgien auf ihrem direkten Weg zur Mitgliedschaft. Heute machen wir deutlich, dass wir die Antr&auml;ge dieser L&auml;nder f&uuml;r MAP unterst&uuml;tzen. Daher werden wir nun eine Phase intensiver Auseinandersetzung mit beiden auf hoher politischer Ebene beginnen, um die noch offenen Fragen zu ihren MAP-Bewerbungen anzugehen. Wir haben die Au&szlig;enminister gebeten, auf ihrer Sitzung im Dezember 2008 eine erste Bewertung der Fortschritte vorzunehmen. Die Au&szlig;enminister haben die Befugnis, &uuml;ber die MAP-Antr&auml;ge der Ukraine und Georgiens zu entscheiden.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>&bdquo;Drittens &ndash; der Verrat am Abkommen vom 21. Februar 2014&ldquo;<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Am 21. Februar 2014 vermittelte der damalige deutsche Au&szlig;enminister Frank-Walter Steinmeier in Kiew gemeinsam mit seinen polnischen und franz&ouml;sischen Amtskollegen ein Abkommen zwischen Pr&auml;sident Janukowitsch und der Opposition. Das Abkommen sah die Wiedereinf&uuml;hrung der Verfassung von 2004, die Bildung einer nationalen Einheitsregierung und vorgezogene Pr&auml;sidentschaftswahlen vor. Pr&auml;sident Putin wurde konsultiert; das Abkommen wurde best&auml;tigt. Es war ein bedeutender diplomatischer Erfolg in einer Situation heftiger Spannungen und offener Gewalt. Doch innerhalb von 24 Stunden wurde Janukowitsch durch einen gewaltsamen Putsch gest&uuml;rzt. Deutschland bestand nicht auf dem Abkommen, das es gerade noch garantiert hatte. Stattdessen unterst&uuml;tzte Deutschland, dem Beispiel der USA folgend, die neue Regierung, als ob es nie ein Abkommen gegeben h&auml;tte. Diese Entscheidung best&auml;rkte Moskau in der Annahme, dass westlichen Unterschriften nicht zu trauen sei.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Faktencheck:<\/strong><\/p><p>Hier das <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ukraine-vereinbarung-ts-102.html\">Abkommen in deutscher &Uuml;bersetzung<\/a>. Das Original zur M&ouml;glichkeit des Abgleichs sei einsehbar, so die &bdquo;Tagesschau&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/cae\/servlet\/contentblob\/671348\/publicationFile\/190025\/140221-UKR_Erklaerung.pdf\">mit diesem Link<\/a>. Allerdings gibt es diese Seite nicht mehr auf der Homepage des Ausw&auml;rtigen Amtes unter diesem Link. Erst mit Hilfe von KI l&auml;sst <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/resource\/blob\/260130\/db4f5326f21530cad8d351152feb5e26\/140221-ukr-erklaerung-data.pdf\">sich das Dokument finden<\/a>. Warum das Ausw&auml;rtige Amt den Link nicht mehr zur Verf&uuml;gung stellt, ist sicherlich glaubhaft erkl&auml;rbar.<\/p><blockquote><p>\n\t&bdquo;<em><strong>Abkommen zur Beilegung der Krise in der Ukraine<\/strong><\/em><\/p>\n<p>\t<em>Besorgt &uuml;ber den tragischen Verlust von Menschenleben in der Ukraine, bestrebt, das Blutvergie&szlig;en unverz&uuml;glich zu beenden und entschlossen, den Weg f&uuml;r eine politische L&ouml;sung der Krise zu ebnen, haben wir, die Unterzeichnerstaaten, Folgendes vereinbart:<\/em><\/p>\n<p>\t<em><strong>Erstens:<\/strong> Innerhalb von 48 Stunden nach der Unterzeichnung des Abkommens soll ein Sondergesetz angenommen, unterschrieben und ver&ouml;ffentlicht werden, das die Verfassung von 2004 wieder in Kraft setzt. Damit m&uuml;sste der Pr&auml;sident Macht an die Regierung und das Parlament abgeben. Zudem wollen die Unterzeichner dann innerhalb von zehn Tagen eine &bdquo;Regierung der nationalen Einheit&rdquo; bilden.<\/em><\/p>\n<p>\t<em><strong>Zweitens:<\/strong> Eine Verfassungsreform soll umgehend in Angriff genommen und bis September 2014 abgeschlossen werden. Ziel ist es der Erkl&auml;rung zufolge, die Macht zwischen Pr&auml;sident, Regierung und Parlament neu auszubalancieren.<\/em><\/p>\n<p>\t<em><strong>Drittens:<\/strong> Pr&auml;sidentschaftswahlen sollen abgehalten werden &bdquo;sobald die neue Verfassung angenommen ist, aber nicht sp&auml;ter als Dezember 2014&Prime;. Zudem sollen neue Wahlgesetze verabschiedet und eine neue Wahlkommission &bdquo;auf der Grundlage von Proportionalit&auml;t&rdquo; gebildet werden.<\/em><\/p>\n<p>\t<em><strong>Viertens:<\/strong> Die Gewalt in der Ukraine soll unter gemeinsamer Aufsicht von Regierung, Opposition und dem Europarat untersucht werden.<\/em><\/p>\n<p>\t<em><strong>F&uuml;nftens:<\/strong> Die Regierung verpflichtet sich in dem Abkommen, keinen Ausnahmezustand zu verh&auml;ngen. &bdquo;Die Regierung und die Opposition werden von Gewalt absehen&rdquo;, hei&szlig;t es weiter. Beide Seiten sagen zudem zu, sich um eine R&uuml;ckkehr zum Normalzustand in St&auml;dten und D&ouml;rfern zu bem&uuml;hen, indem besetzte Geb&auml;ude sowie Stra&szlig;en, Pl&auml;tze und Parks ger&auml;umt werden. Illegale Waffen sollen innerhalb von 24 Stunden nach Inkrafttreten des unter Punkt 1 genannten Sondergesetzes an das Innenministerium &uuml;bergeben werden.<\/em><\/p>\n<p>\t<em><strong>Sechstens:<\/strong> Zuletzt rufen die Au&szlig;enminister von Deutschland, Frankreich und Polen &ndash; Steinmeier, Laurent Fabius und Radoslaw Sikorski &ndash; sowie der Sondergesandte Russlands, Wladimir Lukin, zu einem &bdquo;sofortigen Ende aller Gewalt und Konfrontation&rdquo; auf. Das Abkommen war unter Vermittlung der drei Au&szlig;enminister und des russischen Gesandten zustande gekommen, der aber nicht unterschrieb.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Deutschland, Frankreich und Polen traten nicht nur als Verhandlungspartner gegen&uuml;ber dem ukrainischen Pr&auml;sidenten Janukowitsch auf, sondern auch als Garanten des Abkommens. Als die Maidan-Aufst&auml;ndischen jedoch ihre Gewaltma&szlig;nahmen fortsetzten und Pr&auml;sident Janukowitsch fluchtartig das Land verlie&szlig; bzw. von russischen Sicherheitskr&auml;ften evakuiert wurde, stellten die drei Garantiem&auml;chte sich dem nicht entgegen, sondern verga&szlig;en praktischerweise ihre Garantien kurzerhand. Damit wurde der gewaltsame Putsch, der in der Berliner Politik nicht so genannt werden darf, faktisch von den scheinbaren Garantiem&auml;chten mindestens akzeptiert. Aufschlussreich f&uuml;r mich war folgende Erfahrung im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages wenige Wochen nach dem Putsch: Das Thema Ukraine und Maidan wurde sowohl mit dem damaligen Au&szlig;enminister Steinmeier als auch der damaligen Verteidigungsministerin von der Leyen im Ausschuss diskutiert. In meinen Redebeitr&auml;gen verwendete ich jeweils den Begriff &bdquo;Putsch&ldquo; &ndash; und in beiden F&auml;llen reagierten Steinmeier als auch von der Leyen empfindlich auf meine Wortwahl und legten besonderen Wert darauf, dass es sich nicht um einen Putsch gehandelt habe.<\/p><p><em>Ende Teil 1 &ndash; der zweite und abschlie&szlig;ende Teil erscheint zeitnah.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: lev radin \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/5d56030e467145659db3a7794b697b3b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/jeffrey-sachs-an-bundeskanzler-merz-verhindern-sie-offenen-krieg-mit-russland-10038620\"><em>Berliner Zeitung<\/em><\/a>, die <a href=\"https:\/\/weltwoche.de\/daily\/europa-und-russland-schlittern-in-einen-offenen-krieg-offener-brief-von-us-oekonom-jeffrey-sachs-an-bundeskanzler-merz\/\"><em>Weltwoche<\/em><\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151538\"><em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> ver&ouml;ffentlichten im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang Juni einen Offenen Brief des f&uuml;r kritische Analysen der internationalen Politik bekannten US-&Ouml;konomen Jeffrey D. Sachs an Bundeskanzler Merz. Es war der zweite Offene Brief binnen eines halben Jahres an den Kanzler. Mit dem zweiten Brief<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152152\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":152153,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169],"tags":[1543,1645,466,2582,663,2785,2147,260,3418],"class_list":["post-152152","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","tag-deutsche-einheit","tag-georgien","tag-nato","tag-offener-brief","tag-putsch","tag-sachs-jeffrey","tag-sowjetunion","tag-ukraine","tag-zwei-plus-vier-vertrag"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/shutterstock_2390812925.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152152","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=152152"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152152\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":152178,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152152\/revisions\/152178"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/152153"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=152152"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=152152"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=152152"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}