{"id":15216,"date":"2012-11-22T08:10:24","date_gmt":"2012-11-22T07:10:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15216"},"modified":"2019-07-05T11:08:10","modified_gmt":"2019-07-05T09:08:10","slug":"eurozonen-finanzminister-lassen-griechen-am-abgrund-taumeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15216","title":{"rendered":"Eurozonen-Finanzminister lassen Griechen am Abgrund taumeln"},"content":{"rendered":"<p>Die S&uuml;ddeutsche Zeitung trifft den Nagel auf den Kopf: &bdquo;Zoff statt Zaster&ldquo; lautet der Titel des Berichts &uuml;ber die vergeblichen Bem&uuml;hungen der Eurozone, sich mit dem IMF auf ein gemeinsames Rezept f&uuml;r Griechenland zu einigen. F&uuml;r Athen ist das ein bitteres Resultat, schreibt die Zeitung: &bdquo;Am Ende bleibt nur die Wut der Griechen und ein neuer Termin. Geld bekommt Griechenland vorerst nicht.&ldquo; Dabei dr&auml;ngt die Zeit, denn sp&auml;testens bis Anfang Dezember muss Griechenland die zugesagten 31,5 Milliarden Euro (bis Jahresende sogar 44 Milliarden) aus dem EFSF-&bdquo;Rettungsprogramm&ldquo; erhalten, um Geh&auml;lter und Renten auszahlen zu k&ouml;nnen.<br>\nVon <strong>Niels Kadritzke<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein Grundsatzstreit zwischen Eurozone und IWF<\/strong><\/p><p>Ob die Finanzminister der Eurozone am kommenden Montag endlich ein verbindliches Konzept und damit die Auszahlung beschlie&szlig;en werden, ist derzeit offen. Denn nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters r&uuml;hrt die Verz&ouml;gerung keineswegs von &bdquo;technischen&ldquo; Schwierigkeiten, wie Eurozonen-Chef Juncker besch&ouml;nigend meinte. Vielmehr gibt es grunds&auml;tzliche Differenzen zwischen der Eurozone (bzw. ihren dominierenden Kr&auml;ften) und dem IWF, was die &bdquo;Tragf&auml;higkeit&ldquo; (viability) des griechischen Schuldenabbauprogramms betrifft (diese Differenzen habe ich mehrfach in meinen letzten Beitr&auml;gen dargestellt). <\/p><p>Die 15-seitige Vorlage f&uuml;r die Euro-Finanzminister, auf die sich Reuters bezieht, geht von einer klaren Pr&auml;misse aus: Das urspr&uuml;ngliche Kriterium f&uuml;r die Tragf&auml;higkeit, n&auml;mlich die Reduzierung der griechischen Gesamtverschuldung auf 120 Prozent des BIP bis zum Jahr 2020, ist unm&ouml;glich zu erreichen &ndash; es sei denn die Staaten der Eurozone und die EZB &bdquo;schreiben einen Teil ihrer Kredite an Griechenland ab&ldquo;. Das aber wird von Deutschland und anderen Nordl&auml;ndern strikt abgelehnt bzw. ist nach dem EZB-Statut rechtlich nicht m&ouml;glich (siehe dazu auch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14982\">Jens Berger vom 7. November<\/a>). In der Vorlage hei&szlig;t es dazu (nach Reuters), ohne weitere Ma&szlig;nahmen w&uuml;rde die griechische Verschuldung 2020 immer noch bei 144 Prozent des BIP liegen. Diesen Schuldenstand weiter zu senken, erfordere Ma&szlig;nahmen, die auf Einbu&szlig;en an Kapital oder an &ouml;ffentlichen Geldern der Gl&auml;ubigerstaaten hinauslaufen w&uuml;rden. Das aber w&uuml;rde &bdquo;zumindest in einigen Mitgliedsstaaten, die politische und &ouml;ffentliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Gew&auml;hrung von Finanzhilfen gef&auml;hrden&ldquo;. <\/p><p>Das Papier geht davon aus, dass das 120-Prozent-Ziel erst 2022 erreicht werden kann &ndash; und auch das nur mit zus&auml;tzlichen Ma&szlig;nahmen, &uuml;ber die man sich noch nicht einigen konnte. Der IWF dagegen h&auml;lt diese Verschiebung um zwei Jahre f&uuml;r Augenwischerei und bezweifelt grunds&auml;tzlich die &bdquo;Tragf&auml;higkeit&ldquo; des ganzen Programms ohne einen Schuldenschnitt auch f&uuml;r die &bdquo;offiziellen&ldquo; Gl&auml;ubiger Griechenlands. Ohne ein &bdquo;tragf&auml;higes&ldquo; Konzept aber hat der IWF analoge Probleme wie die Eurozone und die EZB: Zum einen verbietet in diesem Fall das IWF-Statut, weitere Kredite zu gew&auml;hren, zum anderen sind innerhalb der Organisation die nicht-europ&auml;ischen L&auml;nder immer weniger bereit, im Fall Griechenland ein Auge zuzudr&uuml;cken.<\/p><p><strong>Griechenland schleppt sich zur Ziellinie, die keine war<\/strong><\/p><p>Bei der griechischen Regierung ist die Entt&auml;uschung &uuml;ber den Ausgang des Br&uuml;sseler Treffens nat&uuml;rlich gro&szlig;. Denn die Eurozonen-Finanzminister haben ihr bescheinigt, dass sie mit der Verabschiedung des neuen &bdquo;Sparprogramms&ldquo; und neuer massiver Haushaltsk&uuml;rzungen f&uuml;r 2013 &bdquo;ihren Teil der Arbeit&ldquo; durchaus erledigt habe. In Athen hat man deshalb das Gef&uuml;hl, dass sich die Regierung Samaras abermals &uuml;ber eine Ziellinie geschleppt, die keine ist. Ein gewisses Mitgef&uuml;hl f&uuml;r die Regierung l&auml;sst sogar die oppositionelle linke Syriza erkennen, die das Ergebnis von Br&uuml;ssel mit dem Satz kommentiert: &bdquo;Die Regierung erf&uuml;llt alle W&uuml;nsche (der Eurogruppe), und wird als Belohnung nur gedem&uuml;tigt.&ldquo;<\/p><p>Der griechische Sparmarathon geht also weiter, und die Distanz, die noch zu bew&auml;ltigen ist, bleibt auf l&auml;ngere Zeit unbekannt. Derweil spitzt sich die &ouml;konomische und soziale Krise weiter zu. Im dritten Quartal 2012 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 7.2 Prozent eingebrochen, damit hat sich die Rezession noch vertieft und wird f&uuml;r das gesamte Jahr 2012 deutlich &uuml;ber 7 Prozent liegen. Das bedeutet zugleich, dass der f&uuml;r 2013 erwartete R&uuml;ckgang des BIP um 5 Prozent aus heutiger Sicht eine zu optimistische Annahme ist. Die Arbeitslosenrate ist bei 25 Prozent angelangt &ndash; und diese Zahl wurde f&uuml;r den August, einen vom Tourismus belebten Ferienmonat ermittelt. Ende dieses Jahres wird sich die Quote der 30 Prozent-Grenze n&auml;hern. Zudem hat heute mindestens die H&auml;lfte aller noch Besch&auml;ftigten lediglich einen Teilzeitjob oder aber eine nicht regul&auml;re also unversicherte Arbeit.<\/p><p>Die parlamentarische Mehrheit der Regierung Samaras ist weiter geschrumpft. Nach den neuesten Umfragen gehen drei Viertel Prozent der Bev&ouml;lkerung davon aus, dass die Dreier-Koalition (ND, Pasok, Dimar) die volle Legislaturperiode nicht &uuml;berleben wird. Und 60 Prozent der Befragten rechnen im Fall von Neuwahlen mit einem Sieg der linkssozialistischen Oppositionspartei Syriza. Deshalb will ich im folgenden Beitrag nicht nur den Hintergrund und die Folgen der j&uuml;ngsten Haushaltsbeschl&uuml;sse darstellen, sondern auch die &Uuml;berlebenschancen der Regierung Samaras untersuchen, und &ndash; damit verbunden &ndash; die Perspektiven und das Dilemma der sozialistischen Opposition.<\/p><p><strong>Neue Kosten f&uuml;r den griechischen Haushalt<\/strong><\/p><p>Am 7. November verabschiedete das griechische Parlament ein Gesetzespaket, das die rechtlichen Voraussetzungen f&uuml;r ein neues &bdquo;Sparprogramm&ldquo; schaffen sollte, mit dem die Regierung Samaras das &ouml;ffentliche Defizit in den Haushaltsjahren 2013 und 2014 um 13,5 Milliarden Euro reduzieren will. Vier Tage sp&auml;ter folgte die Abstimmung &uuml;ber den Staatshaushalt 2013, mit dem die erste Etappe dieses neuen &bdquo;Sparprogramms&ldquo; umgesetzt wird. Dieses Programm ist das dritte, das seit Mai 2010 auf Gehei&szlig; der Troika (EU, EZB, IWF) beschlossen wurde, und zwar nach monatelangen Verhandlungen mit vielen Unterbrechungen und Konflikten, sowohl zwischen der Troika und Athen als auch innerhalb der griechischen Regierungskoalition. Da die Auflagen der Troika wieder in einem &bdquo;Memorandum&ldquo; (griechisch: mnim&oacute;nio) formuliert wurden, wird das neue Sparpaket allgemein als &bdquo;Memorandum 3&ldquo; bezeichnet.<\/p><p>Aber selbst mit den beiden Abstimmungs-&bdquo;Siegen&ldquo; im 300-sitzigen Parlament &ndash; der erste mit der extrem knappen Mehrheit von 153 Stimmen, der zweite mit 167 Stimmen &ndash; hat die Regierung Samaras ihr Etappenziel noch nicht erreicht. Das ist erst erreicht, wenn die Finanzminister der Euro-Zone die 31,5 Milliarden Euro aus dem ESFS-Rettungsprogramm freigeben, die Griechenland eigentlich schon f&uuml;r Juli zugesagt waren. Zudem sind Athen nach dem 2. Memorandum (vom M&auml;rz 2012) bis Ende des Jahres weitere 13,3 Milliarden Euro zugesagt. In Athen geht man trotz der Konflikte zwischen Eurozone und IWF immer noch davon aus, dass die Gesamtsumme von fast 45 Milliarden Euro sp&auml;testens am 5. Dezember ausgezahlt werden kann.<\/p><p>Allerdings hat die Verz&ouml;gerung f&uuml;r den griechischen Haushalt schon jetzt bittere Konsequenzen. Um Geh&auml;lter und Renten bis Ende des Jahres auszahlen zu k&ouml;nnen, musste die staatliche Schuldenverwaltung PDMA am 13. und 15. November neue kurzfristige Staatspapiere (sog. T-bills von ein- bzw. dreimonatiger Laufzeit) im Wert von 5 Milliarden Euro per Auktion verkaufen, wobei die Zinsbelastung von etwas &uuml;ber 4 Prozent nat&uuml;rlich wieder den Haushalt belastet (zum Vergleich: in derselben Woche verkaufte die Bundesrepublik T-Bills im Wert von 4.3 Milliarden Euro zu einem negativen Zinssatz von 0,02 Prozent). Eine weitere Folge ist, dass ohne die Milliarden aus dem Rettungsschirm weder die Banken rekapitalisiert noch die Schulden der Regierung gegen&uuml;ber dem privaten Wirtschaftssektor (sch&auml;tzungsweise 7 bis 8 Milliarden Euro) bezahlt werden k&ouml;nnen. <\/p><p>Die f&auml;lligen 44 Milliarden Euro werden also dringend gebraucht, um akute L&ouml;cher zu stopfen. Sie sind noch keineswegs das viel beschworene Konjunkturprogramm, sondern erlauben es dem griechischen Staat lediglich, sich zum n&auml;chsten Zwischenziel zu schleppen, das bezeichnenderweise nur negativ zu definieren ist: als abermaliges Hinausschieben der Zahlungsunf&auml;higkeit, sprich des offenen Staatsbankrotts. <\/p><p>Aber auch dies w&auml;re nicht m&ouml;glich gewesen ohne die &bdquo;Streckung&ldquo; des Schuldenabbau-Programms um zwei Jahre, also bis Ende 2016. Offiziell hat die Troika diese Fristverl&auml;ngerung erst eine Woche vor der Verabschiedung des 3. Memorandums bewilligt, obwohl allen Beteiligten seit Monaten klar war, dass diese &bdquo;Entlastung&ldquo; der griechischen Seite unabdingbar ist. Der Poker um die Verl&auml;ngerung, der von Berlin und vor allem von Finanzminister Sch&auml;uble inszeniert wurde, sollte die Athener Regierung unter Druck setzen, hatte aber tats&auml;chlich vor allem zur Folge, die Popularit&auml;t der Regierung Samaras und die Plausibilit&auml;t ihrer &bdquo;Sparpolitik&ldquo; noch weiter zu untergraben (siehe dazu meine Darstellung auf den NachDenkSeiten vom <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14288\">30. August<\/a> und vom <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14519\">24. September<\/a>). <\/p><p>Durch die Fristverl&auml;ngerung entsteht allerdings eine weitere Finanzl&uuml;cke, die von EZB-Seite auf &uuml;ber 30 Milliarden Euro gesch&auml;tzt wird. Wie diese L&uuml;cke gef&uuml;llt werden soll, muss noch innerhalb der Eurozone entschieden werden. Die Debatte dar&uuml;ber hat wesentlich dazu beigetragen, die Bewilligung der n&auml;chsten griechischen &bdquo;Rettungsrate&ldquo; weiter hinauszuz&ouml;gern, zumal wegen des erh&ouml;hten Finanzbedarfs auch noch die nationalen Parlamente zustimmen m&uuml;ssen. <\/p><p><strong>Ein drittes &bdquo;Sparprogramm&ldquo; &ndash; aber kein Plan f&uuml;r die Zukunft<\/strong><\/p><p>Was also wurde mit den beiden Parlamentsbeschl&uuml;ssen in Athen erreicht? Ein Kommentar in der Tageszeitung Ta Nea bringt es auf den Punkt: &bdquo;Wir haben ein neues Sparprogramm, aber keinen Plan f&uuml;r die Zukunft.&ldquo; Das dritte Sparpaket besiegelt in der Tat nur eine Politik, deren Scheitern nicht mehr bezweifelt werden kann. Der Kommentator Nikos Markoutsis schrieb am 7. November in der Kathimerini: &bdquo;Es gibt wohl niemanden, der im Ernst glaubt, dass die 13,5 Milliarden an Ausgabenk&uuml;rzungen und Steuererh&ouml;hungen, die f&uuml;r die n&auml;chsten beiden Jahre beschlossen wurden, dazu beitragen werden, den unaufhaltsamen wirtschaftlichen Niedergang Griechenlands aufzuhalten.&ldquo; Was die Troika den Griechen abverlangt, sei demnach kein Rettungsplan, sondern vielmehr &bdquo;die Ank&uuml;ndigung eines &ouml;konomischen Suizids&ldquo;. Wobei Markoutzis darauf verweist, dass die f&uuml;r 2013 geforderten Sparma&szlig;nahmen &ndash; in H&ouml;he von 9,5 Milliarden Euro, was 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht &ndash; inzwischen nicht nur von f&uuml;hrenden Wirtschaftswissenschaftlern, sondern auch vom IWF als &bdquo;nicht nur kontraproduktiv, sondern sogar als destruktiv eingesch&auml;tzt werden&ldquo;.<\/p><p>Man kann diesen Hinweis noch erg&auml;nzen: Es sind nicht nur der IWF bzw. IWF-Chefin Christine Lagarde und und dessen Chef&ouml;konom, Olivier Blanchard, die sich seit einiger Zeit dem von Berlin dominierten Diskurs der EU-Retter widersetzen (siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14982\">Jens Berger auf den NachdenkSeiten vom 7. November<\/a>). &Auml;hnlich sieht es Charles Dallara, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des internationalen Bankenverbands IIF (Institute of International Finance), der im Fr&uuml;hjahr 2012 federf&uuml;hrend den haircut der griechischen Schulden gegen&uuml;ber dem privaten Sektor (PSI) ausgehandelt hat. In einem Interview mit der <a href=\"http:\/\/www.ekathimerini.com\/4dcgi\/_w_articles_wsite2_1_12\/11\/2012_469643\">Kathimerini vom 11. November<\/a> erkl&auml;rte der IIF-Chef: &bdquo;Geschw&auml;chte M&auml;nner und Frauen, die gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurden, m&ouml;gen versuchen, einen Marathonlauf zu bestreiten, aber sie werden ihn nicht gewinnen.&ldquo; Die den Griechen auferlegten Sparziele seien unm&ouml;glich zu realisieren gewesen. Der Teufelskreis immer wieder &bdquo;verfehlter Ziele&ldquo; m&uuml;sse ein Ende haben. Daraus ergeben sich f&uuml;r Dallara drei Schlussfolgerungen:<\/p><ol>\n<li>Die von Griechenland geforderten &bdquo;Reformen&ldquo; sind nicht in wenigen Monaten umzusetzen: &bdquo;Die Schaffung einer effizienteren und dynamischeren Wirtschaft wird f&uuml;nf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. Ich sage nicht, dass Griechenland nicht bald wieder zu Wachstum zur&uuml;ckfinden kann, aber ich sage, dass wir Geduld haben m&uuml;ssen.&ldquo;<\/li>\n<li>Um die Rate der Staatsverschuldung &ndash; also das Verh&auml;ltnis von Schuldensumme zu Wirtschaftsleistung (BIP) &ndash; zu senken, darf man nicht nur auf den Z&auml;hler (die Schulden) starren, man muss vor allem den Nenner (das BIP) beeinflussen: &bdquo;Der Schl&uuml;ssel zu einem nachhaltigen Schuldenabbau liegt im Nenner, das hei&szlig;t: wir brauchen wirtschaftliches Wachstum.&ldquo;<\/li>\n<li>F&uuml;r die R&uuml;ckkehr zum Wachstum sind drei Dinge erforderlich: Kredite, Investitionen und Zuversicht. Den letzten Faktor h&auml;lt Dallara f&uuml;r besonders wichtig: &bdquo;Die Europ&auml;er m&uuml;ssen sich unisono und eisern zu dem Ziel bekennen, dass Griechenland in Europa, in der Eurozone bleiben muss, dass also nicht stets aufs Neue jene zweifelnden und ambivalenten Stimmen aufkommen, die immer wieder die Stimmung auf den (Finanz-) M&auml;rkten &uuml;berschattet haben.&ldquo;<\/li>\n<li>Letzten Endes brauchen wir einen &bdquo;klarer Plan f&uuml;r die Zukunft der Eurozone&ldquo;: Der Fall Griechenland sei nicht nur ein &bdquo;griechisches Problem&ldquo;, sondern resultiere aus &bdquo;einer Reihe von strukturellen Ungewissheiten in der Eurozone&ldquo;.<\/li>\n<\/ol><p>In einem Vortrag in Athen am letzten Mittwoch warnte Dallara noch einmal: &bdquo;Wir m&uuml;ssen uns bewusst werden,  dass eine nur auf Sparen versessene Politik nicht nur Griechenland, sondern die ganze Eurozone zu einer l&auml;ngeren Periode eines geringen oder eines Null-Wachstums verurteilt&ldquo; (zitiert nach Kathimerini vom 14. November). <\/p><p><strong>Ein Ausweg aus der griechischen Schuldenfalle?<\/strong><\/p><p>Dallara bietet allerdings noch kein alternatives Rezept f&uuml;r die vordringlichste Aufgabe: die Bew&auml;ltigung des kurzfristigen griechischen Schuldenproblems. Wichtige &Uuml;berlegungen zu dieser Frage wurden in letzter Zeit auf den NachdenkSeiten dokumentiert, zum Beispiel von Jens Berger (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14982\">7. November<\/a>), von Rudolf Hickel (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15052#h01\">12. November<\/a>) und von Ulrike Hermann (<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Kommentar-griechische-Schulden\/!105481\/\">taz-Kommentar vom 13. November<\/a>). Bedenkenswert ist in diesem Kontext auch ein detaillierter Vorschlag, der vom Br&uuml;sseler Think-Tank Bruegel am 7. November ver&ouml;ffentlicht wurde. Unter dem Titel &bdquo;The Greek debt trap: an escape plan&ldquo; tr&auml;gt Zsolt Darvas ein Konzept vor, das den von Jens Berger benannten Einw&auml;nden gegen einen haircut f&uuml;r die Kredite des offiziellen Sektors Rechnung tr&auml;gt (das sogenannte Official Sector Involvement oder OSI w&uuml;rde griechische Bonds im Besitz der EZB und der nationalen Zentralbanken betreffen). Darvas schl&auml;gt keinen glatten OSI- Schuldenschnitt vor, sondern drei anderweitige Schritte zur Reduzierung der Belastung: <\/p><ul>\n<li>eine &bdquo;Absenkung der Zinsrate f&uuml;r die offiziellen Kredite auf 0 Prozent bis 2020&ldquo;; <\/li>\n<li>eine &bdquo;Verl&auml;ngerung der F&auml;lligkeitsfristen f&uuml;r alle offiziellen Kredite&ldquo;;<\/li>\n<li>die &bdquo;Bindung des Nominalwert aller offiziellen Kredite an den Index des griechischen BIP&ldquo;.<\/li>\n<\/ul><p>Darvas geht davon aus, dass man damit die griechische Verschuldungsquote bis 2020 unter die Grenze von 100 Prozent des BIP dr&uuml;cken kann. Und er verweist auf einen weiteren Vorteil: &bdquo;Sollte sich die Wirtschaftslage weiter verschlechtern, werden keine neuen Regelungen n&ouml;tig werden. Wenn jedoch das Wachstum &uuml;ber Erwarten zulegt, werden die offiziellen Gl&auml;ubiger davon profitieren.&ldquo; (<a href=\"http:\/\/www.bruegel.org\/publications\/publication-detail\/publication\/759-the-greek-debt-trap-an-escape-plan\/\">der gesamte Text ist nachzulesen hier<\/a>)<\/p><p>Kann die griechische Staatsverschuldung auf mittlere Sicht nicht unter 120 Prozent des BIP gedr&uuml;ckt werden, sieht Darvas keine Hoffnung: &bdquo;Wenn Griechenland so weitermacht wie bisher, steuert es auf eine Katastrophe zu. Die Verschuldungsrate wird innerhalb der n&auml;chsten Jahre die Marke von 190 Prozent des BIP &uuml;bersteigen, die Wirtschaft wird gegen&uuml;ber dem Vorkrisen-Niveau um fast ein Viertel geschrumpft sein, und die Zahl der besch&auml;ftigten Griechen wird n&auml;chstes Jahr unter das Niveau von 1980 fallen.&ldquo; Vor allem aber sieht Darvas massive politische Risiken voraus, wenn  die hohe Verschuldungsrate und die &ouml;konomische Rezession sich weiterhin gegenseitig aufschaukeln, zumal dies auch die Grexit-Phantasien weiter n&auml;hren wird: &bdquo;Wenn ein Sparpaket auf das andere folgt, k&ouml;nnte es so weit kommen, dass die Regierung und das Parlament nicht mehr f&auml;hig oder willens sind, neue Ma&szlig;nahmen zu beschlie&szlig;en, weil sie mit gesellschaftlichem Gegendruck und politischen Unruhen rechnen m&uuml;ssen. Das kann zum Zusammenbruch der Regierung, zu innenpolitischer L&auml;hmung und zur Beendigung der externen finanziellen Hilfsprogramme f&uuml;hren.&ldquo;<\/p><p><strong>Hat die Regierung Samaras noch eine politische Zukunft?<\/strong><\/p><p>Bei der Diskussion um das Memorandum 3 im Parlament hat Regierungschef Samaras feierlich versichert, dieses Sparprogramm werde das letzte sein. Nach der neusten Umfrage (des Instituts GOP f&uuml;r den Sender Mega-TV), die nach den Parlamentsbeschl&uuml;ssen gemacht wurde, nehmen ihm nur 13 Prozent diese Versicherung ab, w&auml;hrend 83 Prozent nicht daran glauben. Und knapp zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass die ganze Politik der Regierung in die falsche Richtung f&uuml;hrt. Zugleich gehen &uuml;ber zwei Drittel der W&auml;hler davon aus, dass der &bdquo;Sieg&ldquo; bei den Abstimmungen der letzten Woche das Ende der Koalitionsregierung n&auml;her ger&uuml;ckt hat.<\/p><p>In der Tat zeigen die Abstimmungen, dass die parlamentarische Mehrheit der Regierung deutlich geschrumpft ist. Bei der Verabschiedung des Memorandums 3 stimmten zwei Abgeordnete der Nea Dimokratia und sechs der Pasok nicht mit ihrer Fraktion und wurden anschlie&szlig;end ausgeschlossen. Insgesamt haben die Regierungsparteien seit den Wahlen vom Juni bereits 12 Abgeordnete verloren: 4 der ND und 7 der Pasok, die heute als unabh&auml;ngige Abgeordnete im Parlament sitzen; ein Abgeordneter der linkssozialdemokratischen Dimar ist zur Syriza-Fraktion &uuml;bergetreten. Die Dimar verzeichneten bei den Abstimmungen der letzten Woche drei weitere &bdquo;Abweichler&ldquo;, die Partei hat allerdings  bislang noch nicht &ndash; wie ihre beiden Koalitionspartner &ndash; mit Ausschl&uuml;ssen reagiert.  <\/p><p>Damit ist die Koalitionsmehrheit seit Juni von 179 auf 167 Sitze geschrumpft. Bei der Abstimmung vom 7. November brachte es die Regierung Samaras sogar nur auf 153 Stimmen. Die Dimar-Fraktion hatte Stimmenthaltung beschlossen, weil sie nicht den tiefgreifenden Eingriffen ins Arbeitsrecht zustimmen wollte, die als Teil des Gesamtspakets &bdquo;Memorandum 3&ldquo; verabschiedet wurden. In einem &bdquo;normalen&ldquo; parlamentarischen System w&uuml;rde die Enthaltung einer Koalitionspartei in einer so wichtigen Frage zum Platzen der Koalition f&uuml;hren. Aber davon ist in Athen nicht die Rede, weil die Regierung Samaras ohne die Dimar auf ihr blo&szlig;es &bdquo;Existenzminimum&ldquo; reduziert w&auml;re, sodass ihr bei jeder kritischen Abstimmung eine Niederlage drohen w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Pasok im freien Fall<\/strong><\/p><p>Ungeachtet des formalen Fortbestands der Koalition geben die meisten Beobachter der Regierung Samaras allerdings keine lange Lebensdauer mehr. Das hat vor allem mit den unsicheren Perspektiven der beiden kleinen Koalitionsparteien dazu &ndash; wobei das Wort &bdquo;unsicher&ldquo; im Fall der Pasok eher zu harmlos ist. Die meisten Beobachter in Athen sehen die Partei nur noch als politischen Leichnam, der wie ein gek&ouml;pftes Huhn noch eine Weile in der politischen Arena herumtaumelt. Die ehemals so selbstbewusste und machtarrogante &bdquo;Panhellenische Sozialistische Bewegung&ldquo; wird sp&auml;testens nach den n&auml;chsten Wahlen zerbr&ouml;seln. In den letzten Umfragen liegt die Pasok nur noch bei 5 bis 7 Prozent, gegen&uuml;ber 12,3 Prozent bei den letzten Wahlen im Juni 2012. Damit w&uuml;rde sie nicht einmal mehr drittst&auml;rkste Partei werden, sondern auf die vierte oder f&uuml;nfte Stelle zur&uuml;ckfallen (und in jedem Fall hinter die faschistische Partei Chrysi Avgi, die bei den Umfragen inzwischen die Zehn-Prozent-Grenze durchbrochen hat). <\/p><p>Noch signifikanter erscheint, dass die Pasok heute unter den sieben im Parlament vertretenen Partei die unpopul&auml;rste ist, und dass ihr Vorsitzender Venizelos in der Popularit&auml;tstabelle unter den F&uuml;hrern der demokratischen Parteien an letzter Stelle liegt. Die Trag&ouml;die der Pasok, deren letzte historische Mission sich ironischerweise in der Rolle des Mehrheitsbeschaffers f&uuml;r die Samaras-Regierung ersch&ouml;pft, ger&auml;t in ihrem Endstadium zu einer veritablen Farce. Der Niedergang der Partei h&auml;ngt aufs engste mit der Krise und der seit 2009 betriebenen kontraproduktiven Krisenpolitik zusammen. Doch mit einer ernsthaften Selbstkritik und mit glaubhaftem Personal h&auml;tte sich die Partei durchaus noch als dritte Kraft der griechischen Politik behaupten k&ouml;nnen. Aber inzwischen hat sie in den Augen der W&auml;hler ihr letztes Vertrauenskapital verspielt. Den Todeskuss hat ihr dabei ihr eigener Vorsitzender Evangelos Venizelos versetzt, der in seiner Rolle als Finanzminister systematisch zu verhindern wusste, dass steinreiche Steuerhinterzieher und Steuerschuldner erfasst und verfolgt wurden. <\/p><p><strong>Was geschah mit der Lagarde-Liste?<\/strong><\/p><p>Diese Geschichte mit der &bdquo;Lagarde-Liste&ldquo; kam Anfang Oktober ans Licht, aber ihre Pointe besteht darin, dass diese Liste bereits seit Sommer 2010 in griechischen H&auml;nden war, ohne dass ihr Potential zum Aufsp&uuml;ren m&ouml;glicher Steuers&uuml;nder genutzt wurde. Die damalige franz&ouml;sische Finanzministerin Christin Lagarde hatte das Verzeichnis von Inhabern hoher Geldbest&auml;nde auf  der Schweizer HSBC-Bank (das ein Bankmitarbeiter dem franz&ouml;sischen Geheimdienst zugespielt hatte) ihrem griechischen Kollegen Papakonstaninou (bis Juni 2011 Finanzminister der Regierung Papandrou) in Form einer CD zukommen lassen. 2011 wanderte diese Liste, jetzt in Form eines USB-Stick, zu Papakonstantinous Nachfolger Venizelos weiter, der sie nach Hause mitgenommen und dann angeblich &bdquo;vergessen&ldquo; hat. <\/p><p>Dass die Finanzpolizei niemals beauftragt wurde, die Liste systematisch nach Steuerbetr&uuml;gern zu durchforschen, ist ein Skandal f&uuml;r sich. Zwar stehen nicht alle der &uuml;ber 1900 Namen auch f&uuml;r Steuers&uuml;nder, aber die k&ouml;nnte man aus der Liste herausfiltern, wenn die Beh&ouml;rden die Kontobest&auml;nde mit den deklarierten Einkommen und Verm&ouml;gen der Kontoinhaber abgleichen w&uuml;rden. Ich habe in meinen Beitr&auml;gen wiederholt (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14544\">zuletzt am 26. September<\/a>) dargestellt, wie diese Aufgabe immer wieder vernachl&auml;ssigt oder verschleppt wurde. Aber dass eine hochkar&auml;tige Quelle wie die Lagarde-Liste von h&ouml;chster Stelle einfach weggeschlossen wurde, &uuml;bersteigt alle Phantasien &uuml;ber die Unverfrorenheit der politischen Klasse. <\/p><p>Noch suspekter ist die Tatsache, dass die Liste aus Paris als CD angeliefert, von Venizelos aber als Stick aufbewahrt wurde. Das n&auml;hrt den Verdacht, dass sie in der Zwischenzeit von Namen &bdquo;ges&auml;ubert&ldquo; wurde, die besonders peinlich gewesen w&auml;ren. Ob damit reiche Griechen (und wom&ouml;glich Politiker) vor der steuerlichen Verfolgung bewahrt werden sollten, oder ob Steuers&uuml;ndern sogar (wie die Syriza &ouml;ffentlich mutma&szlig;te) Schutzgelder abgepresst werden sollten, ist f&uuml;r die Beurteilung des Falles sekund&auml;r. In den Augen der griechischen Normalb&uuml;rger reicht es aus, dass Venizelos keinerlei Ehrgeiz zeigte, aus den Auslandsguthaben reicher Griechen mehrere Milliarden an ausstehenden Steuerschulden einzutreiben, w&auml;hrend er zugleich die Lohn- und Rentenk&uuml;rzungen und den Abbau der Sozialleistungen als unvermeidlich, ja als h&ouml;chstes Gebot der Staatsraison darstellte. <\/p><p><strong>Widerspr&uuml;chliche Haltung der Demokratischen Linken (Dimar)<\/strong><\/p><p>Das werden die griechischen W&auml;hler &ndash; egal ob sie es als Versagen oder als Verbrechen sehen  &ndash; Venizelos und seiner Partei niemals verzeihen. Ganz anderer Natur ist das Problem des zweiten kleinen Koalitionspartners, der Dimar (Demokratische Linke). Die linken Sozialdemokraten, die mit ihrem Vorsitzenden Fotis Kouvelis bei den Juniwahlen 6,25 Prozent der Stimmen und 17 Parlamentsmandate gewonnen haben, behaupten sich bei den Umfragen etwa auf demselben Niveau. Auch ist Kouvelis nach wie vor der am meisten geachtete Parteif&uuml;hrer, weil er als ehrlich und integer gilt, wenn auch seine Popularit&auml;tsquote im November erstmals unter 50 Prozent gesunken ist. <\/p><p>In gewisser Weise hat die Dimar jedoch ein gr&ouml;&szlig;eres Problem als die Pasok, weil sie als Partei, die gegen die Sparpolitik angetreten ist, ihre Beteiligung an der Regierung Samaras immer weniger rechtfertigen kann. Von Anfang an musste sich die Partei gegen den Vorwurf ihrer ehemaligen Genossen von der Syriza wehren, sie diene nur als Feigenblatt der &bdquo;Memorandums-Regierung&ldquo; und helfe damit, die Macht der langj&auml;hrigen Systemparteien ND und Pasok weit &uuml;ber deren politisches Verfallsdatum hinaus zu konservieren. Kouvellis hat demgegen&uuml;ber den Beitritt zur Koalition mit zwei Argumenten gerechtfertigt: Man wolle daf&uuml;r sorgen, dass erstens das Memorandum 2 neu verhandelt, sprich abgemildert wird; und dass zweitens die sozialen Lasten des Sparens gerechter verteilt werden. <\/p><p>Das erste Ziel hat die Dimar glatt verfehlt: Statt das Memorandum 2 zu mildern, musste sie das noch h&auml;rtere Memorandum 3 schlucken und mittragen. Umso wichtiger war es f&uuml;r die Partei, ihr zweites Ziel zu verteidigen. Daf&uuml;r hat sie sich auch wochenlang beharrlich eingesetzt, was einer der Gr&uuml;nde war, warum sich die Verhandlungen &uuml;ber das neue Sparprogramm bis Anfang November hinzogen. Am l&auml;ngsten sperrten sich die Dimar und der von ihr benannten Minister gegen eine ultimative Forderung der Troika, die mit den Sparzielen eigentlich gar nichts zu tun hat: den fast vollst&auml;ndigen Abriss des griechischen Arbeitsrechts. Dem k&ouml;nne seine Partei nicht zustimmen, erkl&auml;rte Kouvellis im Parlament: &bdquo;Die Arbeitsrechte sind bereits verst&uuml;mmelt&ldquo;, jetzt wolle die Troika, &bdquo;dass die letzten Reste auch noch liquidiert werden&ldquo;. In diesem Punkt blieb die Dimar konsequent. Ihre Parlamentarier enthielten sich der Stimme (ein Abgeordneter stimmte entgegen der Fraktionsdisziplin mit Nein). Damit haben sie ihr Gesicht gewahrt, ohne ihre Beteiligung an der Regierung aufzuk&uuml;ndigen. Diese widerspr&uuml;chliche Politik verschafft der Dimar allerdings keine neuen Anh&auml;nger. Die erste Umfrage, die nach den beiden Parlaments-Beschl&uuml;ssen durchgef&uuml;hrt wurde, bescheinigt ihr einen W&auml;hleranhang von lediglich 5 Prozent.<\/p><p><strong>Abriss des Arbeitsrechts im Interesse des Bankensektors<\/strong><\/p><p>Ein kleiner, aber wichtiger Exkurs: Warum die Troika so unerbittlich auf liquidatorischen &bdquo;Reformen&ldquo; des Arbeitsrechts besteht, die <a href=\"http:\/\/eu.greekreporter.com\/2012\/11\/03\/syriza-mep-chountis-says-labor-reforms-unlawful\/\">in zentralen Punkten geltendem europ&auml;ischen Recht widersprechen<\/a>, ist f&uuml;r die meisten Beobachter ein R&auml;tsel geblieben. Ein Athener &Ouml;konom hat mir allerdings erkl&auml;rt, dass f&uuml;r dieses Projekt einen pr&auml;zisen aktuellen Grund gibt: die Abfindungsanspr&uuml;che bei Entlassungen, die nach dem Troika-Konzept drastisch reduziert werden. Dies liegt im ganz speziellen Interesse des griechischen Bankensektors, in dem sich ein gro&szlig;formatiger Fusionsprozess anbahnt. An dessen Ende wird es nur noch drei Gro&szlig;banken geben: die Nationalbank oder Ethniki (Ethniki Trapeza Ellados, die selbst von Wirtschaftsjournalisten h&auml;ufig mit der Zentralbank verwechselt wird), Alpha Bank und Pir&auml;us Bank (<a href=\"http:\/\/www.businessinsider.com\/greek-banking-sector-braces-for-super-deal-2012-10\">eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die vollzogenen und bevorstehenden Fusionen bietet<\/a>.)<\/p><p>Dieser Konzentrationsprozess wird Zehntausende von Bankangestellten &bdquo;freisetzen&ldquo;. Da die Gewerkschaften des Bankensektors in der Vergangenheit ausgesprochen g&uuml;nstige Abfindungsregelungen durchgesetzt haben, w&uuml;rde die Bedienung der alten Anspr&uuml;che die Bilanzen der drei Gro&szlig;banken, die ohnehin auf einen Rekapitalisierungsschub aus EFSF-Mitteln angewiesen sind, erheblich belasten. Genau das soll durch die neuen Regeln verhindert werden. <\/p><p><strong>Gibt es eine Alternative zu der gescheiterten Regierung?<\/strong><\/p><p>Das einzige Argument, das nach den Abstimmungen vom November f&uuml;r das Weiterbestehen der Regierung Samaras spricht, ist ein negatives: Die reduzierte Mehrheit im Parlament schwei&szlig;t die Dreier-Koalition st&auml;rker zusammen als zuvor, weil sie jetzt auf die Mitwirkung der Dimar angewiesen ist. Die Sozialdemokraten um Kouvelis sind also nicht mehr nur eine &bdquo;linke Dekoration&ldquo; des B&uuml;ndnisses der beiden alten Systemparteien, sondern werden gebraucht. Und da die Dimar versprochen hat, alles zu tun, um Griechenlands Ausscheiden aus der Eurozone zu verhindern, wird sie diese Regierung st&uuml;tzen. Dabei kann sie sich sogar durch die Umfragen best&auml;tigt sehen. Denn zum Euro bekennt sich nach wie vor eine breite Mehrheit der Griechen, wenn auch nicht mehr fast 80 Prozent (wie noch bei den Juni-Wahlen). Heute sagen nur noch 63 Prozent, dass ihr Land &bdquo;um jeden Preis&ldquo; in der Eurozone bleiben m&uuml;sse, w&auml;hrend der Anteil der Euro-Skeptiker auf 34 Prozent gestiegen ist. <\/p><p>Ein verbl&uuml;ffendes Argument f&uuml;r die Regierung ergibt sich jedoch aus einem anderen Umfrage-Resultat: W&auml;hrend eine gro&szlig;e Mehrheit die aktuelle Sparpolitik f&uuml;r verfehlt, ungerecht und kontraproduktiv h&auml;lt, sind zugleich 62 Prozent der potentiellen W&auml;hler der Meinung, dass eine andere Regierung auch keine bessere L&ouml;sung bieten w&uuml;rde. Diese Skepsis erkl&auml;rt auch, dass sich &uuml;ber die H&auml;lfte aller Griechen derzeit keine Neuwahlen w&uuml;nscht.<\/p><p><em>Dieses Resultat verweist auf das grunds&auml;tzliche Dilemma der linken Opposition, die nach den letzten Umfragen die n&auml;chsten Wahlen knapp, aber sicher gewinnen w&uuml;rde. In meinem n&auml;chsten Beitrag werde ich die Perspektiven und Probleme der Syriza genauer darzustellen versuchen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die S&uuml;ddeutsche Zeitung trifft den Nagel auf den Kopf: &bdquo;Zoff statt Zaster&ldquo; lautet der Titel des Berichts &uuml;ber die vergeblichen Bem&uuml;hungen der Eurozone, sich mit dem IMF auf ein gemeinsames Rezept f&uuml;r Griechenland zu einigen. F&uuml;r Athen ist das ein bitteres Resultat, schreibt die Zeitung: &bdquo;Am Ende bleibt nur die Wut der Griechen und ein<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15216\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,173,156],"tags":[672,589,325],"class_list":["post-15216","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-griechenland","category-schulden-sparen","tag-esmefsf","tag-iwf","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15216"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15216\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53104,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15216\/revisions\/53104"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}