{"id":152179,"date":"2026-06-14T13:00:10","date_gmt":"2026-06-14T11:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152179"},"modified":"2026-06-12T19:28:09","modified_gmt":"2026-06-12T17:28:09","slug":"leserbriefe-zu-reiche-superreiche-und-linke-denkfehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152179","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eReiche, Superreiche und linke Denkfehler\u201c"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><br>\n<strong>Jens Berger<\/strong> diskutiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152029\">in diesem Beitrag<\/a> &uuml;ber Verm&ouml;gen. Unumstritten sei, dass die Verm&ouml;genden in Relation zu ihrer finanziellen Leistungsf&auml;higkeit viel zu wenig zur Finanzierung des Allgemeinwohls beitragen und zu wenig Steuern zahlen. Bei der Frage, was Verm&ouml;gen ist und wie sich die gro&szlig;en Verm&ouml;gen zusammensetzen, sei Differenzierung angebracht. Die entscheidende Frage sollte lauten, wie es zu bewerkstelligen sei, dass Unternehmer mehr zur Finanzierung des Allgemeinwohls beitragen, ohne die Volkswirtschaft als Ganzes und damit die Basis unseres Wohlstandes zu sch&auml;digen. Sinnvoll sei es, dem Steuersystem ein Update zu verpassen: &bdquo;Man k&ouml;nnte eine Digitalsteuer auf Ums&auml;tze erheben, man k&ouml;nnte eine Gewinnsteuer nach nationalem Umsatzanteil einf&uuml;hren, man k&ouml;nnte eine Datensteuer, eine Plattformabgabe, eine Besteuerung von Marktbeherrschung und so vieles andere einf&uuml;hren.&ldquo; Jedes dieser Modelle sei jedoch kompliziert und politisch sicher nicht einfach umzusetzen. Da sei es &bdquo;nat&uuml;rlich leichter, dem W&auml;hler einfache &sbquo;L&ouml;sungen&lsquo; vorzugaukeln&ldquo;. <em>Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. K&uuml;rzungen aus redaktionellen Gr&uuml;nden bleiben vorbehalten. Von unseren Leserinnen und Lesern haben wir dazu zahlreiche und interessante Zuschriften bekommen, in denen auch andere Meinungen enthalten sind<\/em>. Daf&uuml;r bedanken wir uns. Die nun folgende Auswahl der Leserbriefe hat <strong>Christian Reimann<\/strong> f&uuml;r Sie zusammengestellt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Guten Tag Herr Berger,<\/p><p>ich m&ouml;chte die volkswirtschaftliche Perspektive hinzuf&uuml;gen, was die immer reicher werdenden Individuen angeht.<\/p><p>Da die Privaten (private Haushalte) Nettosparer sind, muss dieser Nachfrageausfall kompensiert werden. Hierzu stehen die Unternehmen, der Staat und das Ausland zur Verf&uuml;gung. Die Unternehmen kommen ihrer Funktion als Netto-Kreditnehmer, der damit Investitionen durchf&uuml;hrt und somit an Produktivit&auml;t gewinnt, die dann unter den Beteiligten aufgeteilt werden kann, nicht mehr nach. Die Unternehmen sind ebenfalls ins Lager der Nettosparer gewechselt.<\/p><p>In Deutschlands j&uuml;ngerer Vergangenheit zwischen den Jahren 2014 und 2019 brauchte der Staat ebenfalls keine zus&auml;tzlichen Kredite aufnehmen. Das war m&ouml;glich, weil das Ausland sich gegen&uuml;ber Deutschland immer mehr verschuldete. Nichts anderes waren die rekordhohen &Uuml;bersch&uuml;sse in der Leistungsbilanz.<\/p><p>Die steigende Staatsverschuldung f&uuml;hrt dazu, dass sich der Staat zur&uuml;ckzieht und den Privaten, Unternehmen (Investoren) immer mehr &ouml;ffentliche Monopole der Daseinsf&uuml;rsorge &uuml;berl&auml;sst. Auch der Wohnungsbau ist diesem Wandel ausgesetzt. &Uuml;ber das Thema PPP (public private partnership = &ouml;ffentlich-private Partnerschaften) wurde genug berichtet; Staatsverschuldung wird in staatlich garantierte Schulden gewandelt. <\/p><p>Die Art der Besteuerung hat sich in den letzten Dekaden dahingehend gewandelt, direkte Steuers&auml;tze senken und indirekte Steuers&auml;tze erh&ouml;hen. Das f&uuml;hrt ebenfalls zu ungleichen Verm&ouml;gensverh&auml;ltnissen, die Bestandsgr&ouml;&szlig;e Verm&ouml;gen speist sich aus der Stromgr&ouml;&szlig;e Einkommen. Die n&auml;chste Umsatzsteuererh&ouml;hung lauert.<\/p><p>So lange beim B&uuml;rger, W&auml;hler kein Bewusstsein herrscht, geht es weiter, auch wenn f&uuml;r den B&uuml;rger offensichtlich ist, dass immer mehr leiden und immer weniger profitieren.<\/p><p>Der Staat nach dem ich mich sehne, zeichnet sich durch eine kompetente, humanistische Regierung und einen unbestechlichen &ouml;ffentlichen Dienst aus. Leider glaubt der Staat seine St&auml;rke auf dem Feld des Autoritarismus, wenige verk&ouml;rpern das wie Joachim-Friedrich Martin Josef Merz.<\/p><p>Friedliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJan Schulz<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Redaktion, lieber Herr Berger,<\/p><p>die Debatte &uuml;ber Reichensteuern greift aus meiner Sicht zu kurz, wenn sie nur danach fragt, wie viel Geld der Staat Verm&ouml;genden abnehmen soll. Die eigentliche Machtfrage lautet doch: Wem geh&ouml;ren die Unternehmen, wer entscheidet &uuml;ber Investitionen, Standorte, L&ouml;hne und Gewinne?<\/p><p>Eine klassische Verm&ouml;genssteuer kann in der Tat problematisch sein, wenn Verm&ouml;gen vor allem in produktiven Unternehmen steckt. Dann entsteht schnell Liquidit&auml;tsdruck, der am Ende nicht die Finanzoligarchie trifft, sondern inhabergef&uuml;hrte Betriebe schw&auml;cht und sie f&uuml;r Konzerne oder Finanzinvestoren noch leichter aufkaufbar macht. Genau deshalb braucht es ein anderes Modell.<\/p><p>Die logische Antwort w&auml;re aus meiner Sicht: &Uuml;berm&auml;&szlig;ige Eigentumskonzentration wird nicht einfach in Steuerzahlungen umgewandelt, sondern schrittweise in Belegschaftseigentum. Gro&szlig;e Unternehmen m&uuml;ssten j&auml;hrlich einen Teil ihrer Anteile in unverk&auml;ufliche Mitarbeiterfonds oder Belegschaftsstiftungen &uuml;bertragen. So w&uuml;rde dem Unternehmen kein Geld entzogen, aber die Eigentumsmacht w&uuml;rde langsam demokratisiert. Die Mitarbeiter w&auml;ren nicht nur Lohnabh&auml;ngige, sondern Miteigent&uuml;mer des Produktivverm&ouml;gens.<\/p><p>Entscheidend w&auml;re allerdings: Umgehung darf nicht belohnt werden. Wer seine Holding ins Ausland verlegt, Gewinne verschiebt oder Briefkastenkonstruktionen nutzt, um sich dieser Verpflichtung zu entziehen, darf nicht einfach weiter ungest&ouml;rt im Inland Gesch&auml;fte machen. Marktzugang ist kein Naturrecht des Kapitals. Wer hier verkauft, arbeitet, Infrastruktur nutzt und Gewinne erzielt, muss sich auch hier den Regeln unterwerfen.<\/p><p>Noch wirkungsvoller w&auml;re ein solches Modell auf europ&auml;ischer Ebene. Der EU-Binnenmarkt ist gro&szlig; genug, um Konzernen klare Bedingungen zu stellen. Statt Europa als Durchleitungsraum f&uuml;r Kapitalinteressen zu organisieren, m&uuml;sste Europa ein Schutzraum gegen Kapitalerpressung werden.<\/p><p>Das w&auml;re keine plumpe Enteignung, sondern eine friedliche, schrittweise Demokratisierung wirtschaftlicher Macht. Und genau das w&auml;re die eigentliche Antwort auf die wachsende Verm&ouml;genskonzentration. <\/p><p>Niki Beckmann <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens, <\/p><p>alles soweit richtig und grunds&auml;tzlich bekannt. Aber mit Besteuerung nur der &ldquo;Dividenden bzw. die Summen, die Anteilseigner, Unternehmer, Vermieter und sonstige Menschen mit nennenswerten Zinseink&uuml;nften dem Kapitalstock oder eben dem Unternehmen zur pers&ouml;nlichen Nutzung entziehen&rdquo; k&auml;me man auch nicht sehr weit, weil die Superreichen einen Gro&szlig;teil ihrer Gewinne bzw. Verm&ouml;genswertsteigerungen gerade nicht entnehmen, sondern im Unternehmen lassen oder in verbundenen Kapitalgesellschaften, schon um die Abgeltungsteuer bzw. Kapitalertragsteuer zu sparen. Da man an dem Problem, dass der deutsche Fiskus nicht in der ganzen Welt besteuern kann, grunds&auml;tzlich nicht vorbeikommt, aber sich auch nicht davon abhalten lassen darf, sonst landet man in der neoliberalen Logik des internationalen Steuersenkungswettbewerbs, spricht das m.E. f&uuml;r die Besteuerung auch von Kapitalgesellschaften als solchen, und allen Betriebsverm&ouml;gen, deren Standort in Deutschland ist, egal wer und wo die Eigent&uuml;mer sind. So wie es bei der alten Verm&ouml;gensteuer auch war.<\/p><p>Die Frage ist dann die nach der H&ouml;he der Steuer (die ja faktisch eine zus&auml;tzliche Gewinnbesteuerung ist) und dem Verh&auml;ltnis zwischen Besteuerung bzw. Doppelbesteuerung von Gesellschaft und ggf. inl&auml;ndischen Eigent&uuml;mern, deren weltweites Gesamtverm&ouml;gen der Steuer unterliegt (soweit es nicht im Ausland schon besteuert wird und Doppelbesteuerungsabkommen bestehen). Am saubersten erscheint zun&auml;chst ein Anrechnungsverfahren, das wirft aber sehr viele praktische Probleme auf. Machbarer ist wahrscheinlich eine Befreiung von Anteilen bei der Besteuerung der Eigent&uuml;mer, wenn das Unternehmen Verm&ouml;genssteuer zahlt. Da sind aber wiederum Regelungen notwendig, die eine ungerechte Privilegierung der Verm&ouml;gensanlage in Aktien gegen&uuml;ber anderen Verm&ouml;gensarten verhindern. Im Anhang ein schneller Chat mit Copilot dazu, m.E. instruktiv. <\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nRalf Kr&auml;mer<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/260612-vermoegensbesteuerung.pdf\">Verm&ouml;gensbesteuerung von K&ouml;rperschaften und ihren Eigent&uuml;mern, Anrechnung und Alternativen [PDF]<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>zu Ihrem Artikel m&ouml;chte ich mehrere Kritikpunkte bzgl. &ouml;konomischer Begrifflichkeiten &auml;u&szlig;ern. <\/p><ol>\n<li>In Ihrem Artikel wird zwischen guten und b&ouml;sen Kapitalisten unterschieden. Auf der einen Seite die b&ouml;sen &lsquo;auf der gesamten Welt verteilten Gro&szlig;aktion&auml;re&rsquo; und auf der anderen Seite die guten: &lsquo;das Modell des klassischen Unternehmers, der Arbeitspl&auml;tze schafft und standorttreu ist&rsquo;. Diese &lsquo;Unterscheidung&rsquo; ist uralt aber falsch, willk&uuml;rlich und irref&uuml;hrend und wird oft hervorgeholt um der eigenen Argumentation ein pseudolinkes M&auml;ntelchen &uuml;berzust&uuml;lpen. In der Formel &lsquo;raffendes versus schaffendes Kapital&rsquo; findet man sie ebenso in extrem rechten Kreisen die mit wahrhaftiger Kapitalismuskritik freilich wenig am Hut haben. Das das BSW sich dieser Formel inhaltlich ebenso bedient  (siehe z.B. &lsquo;Die Selbstgerechten&rsquo;, Wagenknecht) macht sie nicht weniger falsch. Herr Berger soll doch bitte versuchen ein scharfes Kriterium zu definieren mit der er das gesch&auml;ftliche Gebahren des &lsquo;biederen schw&auml;bischen Maschinenbauers&rsquo; von dem des &lsquo;unanst&auml;ndigen Tech-Milliard&auml;rs&rsquo; abgrenzen kann. Er wird keines finden. Und ja, auch der &lsquo;schw&auml;bische Maschinenbauer&rsquo; wird Tesla-\/Amazon\/-&hellip; Aktien im Betriebsverm&ouml;gen haben wenn die Rendite passt. Auch der schw&auml;bische Maschinenbauer wird Lohnarbeiter entlassen oder die Produktion verlagern wenn die Rendite anderswo gr&ouml;sser ist&hellip;.usw&hellip;die Unterscheidung ist, wie gesagt, rein willk&uuml;rlich.<\/li>\n<li>Die Debatte um Verm&ouml;genssteuer\/Erbschaftsteuer wird meiner Meinung nach vom falschen Ende her gef&uuml;hrt. Es ist doch eine inh&auml;rente Eigenschaft der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, dass der Lohnarbeiter immer mehr Wert erarbeitet als er durch den Lohn ausgezahlt bekommt und die Differenz sich der Arbeitgeber einstreicht. Die Kapitalakkumulation in den H&auml;nden der Arbeitgeber ist damit systemisch vorgesehen und gewollt. Jetzt zu versuchen, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, mit irgendeiner Steuer daran nochmal etwas zu &auml;ndern, ist genauso sinnvoll wie der Versuch einen Fluss bergauf fliessen zu lassen.<\/li>\n<\/ol><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nR.H.<\/p><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>w&auml;re 1. April gewesen, h&auml;tte ich gedacht, Ihr Artikel zu den &laquo;Reichen, Superreichen und linken Denkfehlern&raquo; sei der Aprilscherz der NachDenkSeiten. Ein solches Pl&auml;doyer f&uuml;r die Unternehmer nehme ich in Kauf, wenn ich die NZZ oder FAZ lese, was ich nicht mehr tue, weil es mich zu sehr aufregt. Aber bei den NachDenkSeiten erhoffe ich mir doch etwas mehr soziales Gewissen. <\/p><p>Sie verstehen ganz sicher mehr von Wirtschaft als ich. Aber was ich weiss aus meinem Dasein als Angestellte: Es geht jeder Unternehmerfamilie weitaus besser als der Familie eines einfachen Lohnempf&auml;ngers. Die Unternehmer sitzen immer noch in ihren Villen, w&auml;hrend die Angestellten oft seit Jahrzehnten keine Lohnerh&ouml;hung mehr bekommen haben, am Ende eines jeden Monats in den roten Zahlen sind, sich keine Ferien mehr leisten k&ouml;nnen, von den steigenden Mieten und Nebenkosten ganz zu schweigen. Und das geht vom Arbeiter bis zum Akademiker sehr vielen so. <\/p><p>Die Unternehmer steuerlich zu schonen, um sie konkurrenzf&auml;hig zu halten &ndash; das scheint mir der falsche Ansatz zu sein, angesichts der Tatsache, dass ihre Angestellten sich kaum mehr ihr Leben leisten k&ouml;nnen.<\/p><p>Beste Gr&uuml;sse, S. H.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Jo, Herr Berger ! <\/p><p>Linke Denkfehler, und da ist kein Ende abzusehen!<\/p><p>Da berufen sich ja immer wieder linke Leute auf den Ursprung eines Gedankengutes, dass  jetzt nur wegen einer Sitzordnung eine Bedeutung findet.<\/p><p>Weit vor Marx haben auch b&uuml;rgerliche &Ouml;konomen die Gegens&auml;tze von &bdquo;Arm und Reich&ldquo; hinreichend beschrieben.<\/p><p>Der Unterschied ist ja nur, dass jener die Aufl&ouml;sung dieses &bdquo;Gordischen Knotens&ldquo; herausarbeitete.<\/p><p>Verwies er doch darauf, dass jenes gesellschaftliche Grundproblem nicht eine ungerechte Verteilung, sondern der Besitz an den Produktionsmitteln sei. <\/p><p>Die die Kapital einsetzen (geerbt, geklaut, geliehen) und dann Arbeitspl&auml;tze schaffen ( wie nett), h&auml;ufen Geld an, dass aus der T&auml;tigkeit der Arbeit gewonnen wurde. Also ein gesellschaftliches(!) Verm&ouml;gen.<\/p><p>Schlie&szlig;lich bestimmen diese, &uuml;ber welche Kan&auml;le auch immer, was ein Staat von diesem Kapital abkn&uuml;pfen kann. <\/p><p>Im Extremsten wird der Staat eben auch diktatorisch ausgerichtet, um ein Zuviel zu verhindern.<\/p><p>Und solange haben wir ein System, in dem versucht wird eine &bdquo;gerechte Besteuerung&ldquo; zu erfinden.<\/p><p>&bdquo;Durch die Aufspaltung der W&auml;hler in das politische Parteiensystem k&ouml;nnen wir sie dazu bringen, ihre Energie f&uuml;r K&auml;mpfe aufzubrauchen, f&uuml;r Fragen, die keinerlei Bedeutung haben.&ldquo; (Montagu Norman, von 1920&ndash;1944 Gouverneur der Bank of England, bei einer Rede vor der Bankiersvereinigung der USA in New York)&hellip;<\/p><p>Wie banal es doch klingt&hellip;&hellip;! <\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<br>\nJ&ouml;rg Jaskolka<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Obwohl ich seit den ersten Ausgaben der Nachdenkseiten ein aufmerksamer und dankbarer Leser dieses Mediums bin, f&uuml;hle ich mich nicht hinreichend qualifiziert, in dieser Angelegenheit beschlussf&auml;hige Vorschl&auml;ge zu unterbreiten, denn selbst diejenigen, deren Aufgabe es w&auml;re, vern&uuml;nftige und gerechte L&ouml;sungen zu pr&auml;sentieren, scheinen ein wenig am Thema vorbei zu regieren. Nebenbei gesagt, bin ich auch Ostdeutscher, der nach der Wende lernen musste, dass wir fortan in einer Leistungsgesellschaft leben und das finde ich bis zu einem gewissen Grade auch gut so. In diesem Zusammenhang haben wir auch gelernt, dass sich Leistung auch lohnen muss. Jetzt ist es aber so, dass in dieser Gesellschaft das Einkommen in einem betr&auml;chtlichen Ausma&szlig; aus leistungslosen Eink&uuml;nften generiert wird. Nach Professor Christian Krei&szlig; waren das in Deutschland zum Zeitpunkt seiner Erhebung ca. &euro; 500 Mrd. j&auml;hrlich, die steuerlich vergleichsweise unbehelligt bleiben. Das dahinter stehende Kapital f&ouml;rdert nicht die Produktivit&auml;t der Wirtschaft, sondern vermehrt sich ziemlich erfolgreich aus sich selbst heraus, anderenfalls w&auml;re das Gegenteil zu beweisen. Das empfinde ich in einer Leistungsgesellschaft als ausgesprochen unseri&ouml;s. Das Privatverm&ouml;gen in Deutschland (ohne Immobilien) wuchs in 2025 um &euro; 442 Mrd. (6-7%) auf &gt;&euro; 10 Bio gegen&uuml;ber Staatsschulden von aktuell &euro; 2,8 Bio, w&auml;hrend das Wirtschaftswachstum nominal nur ca. 140 Mrd. (0,2%) betrug (wenn man den Angaben der Google-Maschine vertrauen darf). Das scheint mir ein ziemliches Ungleichgewicht zu sein. Wo, bitte sch&ouml;n, haben die Verm&ouml;genden ihr Kapital als Triebkraft der Volkswirtschaft eingesetzt (was gerne kolportiert wird) und worin schl&auml;gt sich das nieder? Dass Tante K&auml;thchen an der Supermarktkasse ma&szlig;geblich an der Verm&ouml;gensbildung beteiligt war, kann man wohl getrost vergessen. Als Staat w&uuml;sste ich (auch aus Gr&uuml;nden der Gerechtigkeit), wo ich mit der Besteuerung ansetzen muss. Letztendlich ist das aber eine Frage des politischen Willens und der ist bei der jetzigen politischen Kaste nicht zu erwarten. Man kann in der parlamentarischen Demokratie w&auml;hlen, wen man will, es wird sich bis zum Zusammenbruch daran auch nichts &auml;ndern. <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nBj&ouml;rn Ehrlich<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Herr Berger,<\/p><p>zun&auml;chst einmal dank f&uuml;r Ihren Artikel.<\/p><p>Sind die Reichen wirklich reicher geworden und nicht nur nominal?  Was meine ich damit?<\/p><p>Schauen Sie sich die deutschen Durchschnittseinkommen von 1960, 1990 und 2025 an und dr&uuml;cken Sie diese <\/p><p>in oz Gold, Hauspreis, Autopreis und offizieller Inflation aus.  Da wird eigentlich offentsichtlich, dass die Menschen<\/p><p>&uuml;ber die Jahre mehr Einkommen brauchen, um sich die vergleichbare G&uuml;ter zu kaufen.<\/p><p>Rechnet man auch noch hinzu, <\/p><table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%; margin: 20px 0;\">\n<thead>\n<tr style=\"background-color: #f0f0f0; border: 1px solid #ccc;\">\n<th style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: left;\">Kennzahl<\/th>\n<th style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">1960<\/th>\n<th style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">1990<\/th>\n<th style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">2026<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr style=\"border: 1px solid #ccc;\">\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px;\">Durchschnittliches Bruttojahreseinkommen<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">ca. 6.000 DM<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">ca. 25.900 DM<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">ca. 53.000 &euro;<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"border: 1px solid #ccc; background-color: #fafafa;\">\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px;\">Kaufkraftindex (1960 = 100)<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">100<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">268<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">564<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"border: 1px solid #ccc;\">\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px;\">Kaufkraftverlust gg&uuml;. 1960<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">0 %<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">63 %<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">82 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"border: 1px solid #ccc; background-color: #fafafa;\">\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px;\">Unzen Gold pro Durchschnittsgehalt<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">ca. 49 oz<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">ca. 34 oz<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">ca. 16 oz<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"border: 1px solid #ccc;\">\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px;\">Jahreseinkommen f&uuml;r Mittelklassewagen<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">1,25<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">1,16<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">0,85<\/td>\n<\/tr>\n<tr style=\"border: 1px solid #ccc; background-color: #fafafa;\">\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px;\">Jahreseinkommen f&uuml;r Reihenhaus<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">5,8<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">9,7<\/td>\n<td style=\"border: 1px solid #ccc; padding: 10px; text-align: right;\">9,4<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table><p>Dies sind Bruttowerte.  Ber&uuml;cksichtigt man noch Steuern und Abgaben, dann haben die Lohnempf&auml;nger noch mehr an Kaufkraft verlohren.  H&auml;tten wir weiterhin eine intakte Goldgedeckte W&auml;hrung,<\/p><p>dann m&uuml;ssten die Einkommen nominal doppelt so hoch sein.  Bei der gemessenen Inflation muss man noch ber&uuml;cksichtigen, dass Verbesserungen herausgerechnet werden und diese eigentlich gr&ouml;sser ist.<\/p><p>Jetzt ist ja bekannt, dass Reiche und Superreiche &uuml;berwiegend in Assets (Unternehmen, Immobilien, Aktien, usw) investieren und von der Abwertung des Geldes weniger Betroffen sind.  <\/p><p>Nat&uuml;rlich kann man politisch fordern, die Reichen zugunsten der Masse zu enteignen.  In der Diskussion wird wenig ber&uuml;cksichtigt, dass schon heute jedes Jahr rd 300.000 der Leistungstr&auml;ger gehen und sich damit dem Zugriff der dt Steuern entzieht.  Reiche und Superreiche vergleichbar.  Die Staaten sind nicht nur bei den Unternehmen sondern auch bei den Leistungstr&auml;gern im Wettbewerb.<br>\nMit jedem Leistungstr&auml;ger oder Reichen der geht, verliehrt der Staat Steuern und muss die Ausf&auml;lle entweder &uuml;ber Sparen, Schulden oder mehr Steuern kompensieren.  <\/p><p>Ausgaben sind grosse Bl&ouml;cke festgeschrieben:  R&uuml;stung, Soziales, Energiewende, Ukraine, und Fl&uuml;chtlinge.  Jedes dieser Bereiche unfasst ca 100 Mrd oder mehr pro Jahr &ndash; oft gut versteckt und &uuml;ber mehrere Haushaltstitel zerstreut.  Die Kosten zerst&ouml;ren den vorhandenen Wohlstand.  Politisch erwartet man den geringsten Widerstand bei Sozialem und dort wird jetzt fleissig reformiert und am Ende abgebaut.  <\/p><p>Die Reichen investieren zum einen in Assets und zum anderen profitieren diese von den Staatlichen Interventionen (Subventionen bei Energiewende, Wohnungen f&uuml;r Fl&uuml;chtlinge).<\/p><p>Nat&uuml;rlich kann man jedes dieser Felder isoliert betrachten.  Dies verhindert aber das System zu verstehen.  Inflation reduziert die Kaufkraft.  Steuern auf nominelle Einkommen reduziert die Kaufkraft weiter.<\/p><p>Alle davon profitieren m&uuml;ssen durch Steuern auf Verm&ouml;gen, virtuelle Gewinne usw enteignet werden, denn dies zwingt die Politik zum Sparen.<\/p><p>Sicher kann man jetzt dar&uuml;ber diskutieren, ob dies Demokratie immanent ist.  Bei einer Wahl kann ich Ausgaben f&uuml;r eine bestimmte Gruppe besser verkaufen als Sparen.  <\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;ssen<br>\nHarald Schmidt<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>ich sch&auml;tze grunds&auml;tzlich den Tiefgang Ihrer Artikel und Ihrer Analysen, aber in diesem Fall ruft Ihr Artikel ein wenig Widerspruch in mir hervor.<\/p><p>Die Staatsb&uuml;rgerschaft des Verm&ouml;gens<\/p><p>Sie beschreiben zu Recht, dass eine Ungleichbehandlung von Unternehmen, die sich den selben Markt teilen, f&uuml;r die einen ein Nachteil und f&uuml;r die anderen einen Vorteil bedeutet. Hier in Bezug auf inl&auml;ndische und ausl&auml;ndische Unternehmen. Hier stelle ich mir allerdings eine viel grunds&auml;tzlichere Frage. Warum gibt es &uuml;berhaupt ausl&auml;ndisches Verm&ouml;gen\/Betriebsverm&ouml;gen in Deutschland? Die einzige Antwort, die ich f&uuml;r mich darauf finden konnte war die, dass wir im Gegenzug daf&uuml;r auch als Deutsche Verm&ouml;gen im Ausland haben d&uuml;rfen. Fehlendes Geld kann es ja nicht sein, wenn man unbedingt &bdquo;ausl&auml;ndische Investoren&ldquo; braucht, da es genug Kreditinstitute in Deutschland gibt. Fehlender Unternehmergeist und Innovationskraft kann es auch nicht sein, weil man damit ja das deutsche Unternehmertum f&uuml;r &bdquo;r&uuml;ckst&auml;ndiger&ldquo; h&auml;lt, als das des Auslandes. Technologietransfer und Knowhow kann es auch nicht sein, da wir ja einen Au&szlig;enhandel haben.<\/p><p>Wenn ich mir unter diesen Gesichtspunkten anschaue, wer &uuml;berhaupt Verm&ouml;gen im Ausland hat, dann f&auml;llt mir recht schnell auf, dass es gar nicht die Mehrheit der Deutschen ist, die so etwas hat, sondern dass es sich beim Auslandsverm&ouml;gen bzw. Verm&ouml;gen durch Ausl&auml;nder wieder um ein Spielzeug &bdquo;der Reichen&ldquo; handelt. Also: Weg damit. Verm&ouml;gen in Deutschland muss an die deutsche Staatsb&uuml;rgerschaft gekoppelt sein und mit einem Maximalverm&ouml;gen pro Kopf begrenzt werden. (Siehe unten). Das &bdquo;Schlimmste&ldquo; was passieren kann, ist doch lediglich, dass uns das Ausland nicht mehr erlaubt irgendwas in deren L&auml;ndern zu besitzen als Rache. Und? Das ist doch nicht der normale B&uuml;rger, den das betrifft und es lie&szlig;e sich wunderbar national umsetzen ohne auf den Rest der Welt warten zu m&uuml;ssen.<\/p><p>Maximalverm&ouml;gen pro Kopf!<\/p><p>Ich selbst gehe &uuml;ber die Forderungen von h&ouml;heren Steuern f&uuml;r &bdquo;Reiche&ldquo; weit hinaus und fordere ein &bdquo;Maximalverm&ouml;gen pro Kopf&ldquo;, welches bei ca. 650.000&euro;\/Kopf liegen w&uuml;rde. Formel: (Gesamtverm&ouml;gen in DE) geteilt durch (Anzahl der Einwohner) multipliziert mit (1,3), also mit 30% Aufschlag. Auf Grund der Verm&ouml;genssch&auml;tzungen der letzten Jahre, m&uuml;ssten das so um die 650.000&euro; sein, die man als Single haben darf. Bei einem P&auml;rchen w&auml;ren es 1,3 Millionen und bei einer 4-k&ouml;pfigen Familie 2,6 Millionen maximal. Wenn es um Betriebsverm&ouml;gen geht, so gilt dies auch dort. Dieses wird auf die Angestellten\/Kopf &uuml;bertragen mit den entsprechenden dazugeh&ouml;rigen Renditen\/Dividenden (z.B. &uuml;ber Ausgabe von Aktien) oder auf mehrere K&auml;ufer aufgeteilt. Bei einem Betrieb\/Unternehmen ist es n&auml;mlich egal, wem es geh&ouml;rt, um zu funktionieren. Da zur Idee eines Maximalverm&ouml;gens pro Kopf aber sehr viele Details geh&ouml;ren, die den Rahmen eines Leserbriefes deutlich sprengen w&uuml;rden, w&uuml;rde ich an dieser Stelle der Einfachheit halber gerne auf mein eBook verweisen, in dem es neben einer Reform der Arbeitslosenquote und der Einf&uuml;hrung eines regional flexiblen Arbeitslosengeldes (ReflAg) bei Abschaffung von ALGI und &bdquo;Hartz4&ldquo;, auch um das angesprochene Maximalverm&ouml;gen pro Kopf geht:<\/p><p>&bdquo;Falsche Narrative &ndash; Neoliberalismus&ldquo; von Andre Klein &ndash; ISBN: 9783759210760 <\/p><p>Die Sache mit den Zinsen\/Renditen\/Dividenden<\/p><p>Diese entstehen nicht aus dem Nichts heraus, sondern es ist das, was wir uns innerhalb geldbasierter Wirtschaftssysteme gegenseitig aus den Taschen ziehen. Die einen gewinnen unter dem Strich dabei, die anderen verlieren. Problematisch wird es, wenn das Zinssaldo negativ ist und dadurch den Konsum einschr&auml;nkt (Stichwort Rezession), w&auml;hrend es an anderer Stelle gespart wird, weil man eh alles hat. Dieses Problem w&auml;re nicht vorhanden, wenn das Verm&ouml;gen gleichm&auml;&szlig;ig verteilt w&auml;re. Eine Gesellschaft, die ein Horten von Verm&ouml;gen erlaubt, stranguliert durch die Zinslast\/Renditen\/Dividenden irgendwann automatisch seine eigene Realwirtschaft und bekommt Massenarbeitslosigkeit und Rezession. Das war schon immer so. Je ungleicher die Verm&ouml;gen verteilt sind, desto geringer sind die j&auml;hrlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes, bis sie sogar ins Minus rutschen, weil &bdquo;das Verm&ouml;gen&ldquo; zu viel Geld aus dem Realwirtschaftskreislauf zieht. Die einzigen L&ouml;sungen sind dann nur noch der Ausgleich dieses Negativsaldos durch neue Schulden f&uuml;r alle, die in der Realwirtschaft &ldquo;leben&rdquo; oder eben ein Maximalverm&ouml;gen pro Kopf, um die Zinsen\/Renditen\/Dividenden wieder in die Realwirtschaft zu bekommen. Und ich pers&ouml;nlich habe kein Interesse an st&auml;ndig neuen Schulden f&uuml;r die Masse, um das Problem gehorteten Verm&ouml;gens zu kompensieren.<\/p><p>LG Andre Klein<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Jens Berger,<\/p><p>Einspruch Euer Ehren.<\/p><p>Anstatt dem Steuersystem ein Update zu verpassen und neue Steuern wie z.B. eine Digitalsteuer etc. einzuf&uuml;hren, sollte die Politik erstmal das bestehende Steuersystem entsprechend und konsequent umsetzen. <\/p><p>Nach Sch&auml;tzungen von einschl&auml;gigen WissenschaftlerInnen entgehen dem deutschen Staat j&auml;hrlich Steuereinnahmen in H&ouml;he von ca. 100 Mrd. &euro; durch legale Steuervermeidung, die zum Teil durch Finanzbeamte in hochkar&auml;tigen Seminaren der entsprechenden Klientel vermittelt wird und noch einmal ca. 100 Mrd. &euro; durch illegale Steuerhinterziehung. <\/p><p>M&ouml;glich ist das weil die zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden sowohl personell, als auch technisch mit unzureichenden Ressourcen ausgestattet sind.<\/p><p>Und dieses passiert nicht einfach, sondern ist durchaus politisch so gewollt. <\/p><p>In Deutschland gibt es ca. 300 Milliard&auml;re mit einem gesch&auml;tzten Gesamtverm&ouml;gen von 1,5 Billionen &euro;.<\/p><p>Und ca. 30 000 Einkommensmillion&auml;re, das aber nur nebenbei.<\/p><p>(Nichts genaues wei&szlig; man &uuml;brigens nicht, weil es f&uuml;r &Uuml;berreiche keine Pflicht zur Angabe ihres Verm&ouml;gens gibt.<\/p><p>Anders wie bei einfachen Arbeitern und Arbeitnehmern. Die m&uuml;ssen ihre Eink&uuml;nfte dem Finanzamt offen legen.)<\/p><p>Wenn man nun davon ausgeht, dass diese Milliard&auml;re (und auch die Million&auml;re) sehr gute Steuerberater haben, dann rechnet man mit einer j&auml;hrlichen Rendite von ca. 7 %. <\/p><p>Durch das Auslagern des Verm&ouml;gens und der Gewinne in Stiftungen und in Offshore Konten und internationale Anlageobjekte, entgehen dem Staat j&auml;hrlich Einnahmen in nicht geringer H&ouml;he. <\/p><p>Da kommt schon ganz sch&ouml;n etwas zusammen. Was man ja auch daran sieht, dass die &Uuml;berreichen in den letzten Jahren massiv an Verm&ouml;gen zugelegt haben. Z. B. ein Dieter Schwarz wurde bei der letzten Forbes Liste noch mit 48 Mrd. Taxiert und jetzt sind es angeblich schon 60 Mrd.. Ich glaube kaum, dass 12 Lidl Filialen mehr im letzten Jahr diese 12 Mrd. ausmachen. <\/p><p>A propos, wir sprechen hier von Milliarden Euros. <\/p><p>Dazu muss man sich immer mal vergegenw&auml;rtigen von was wir dabei sprechen, hier ein Beispiel dazu:<\/p><blockquote><p>&ldquo;Stellen Sie sich vor: Eine Million Sekunden sind elf Tage, eine Milliarde Sekunden dagegen 32 Jahre. Der Unterschied ist gewaltig.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Bek&auml;me ich also jede Sekunde einen &euro; w&auml;re ich nach elf Tagen Million&auml;r. Aber erst nach 32 Jahren Milliard&auml;r!<\/p><p>Das macht die Dimension schon deutlich, oder?<\/p><p>So viel mal zum Thema &bdquo;es ist kein Geld mehr da&ldquo; und anderen t&auml;glichen Erz&auml;hlungen nach dem Motto, &bdquo;wir k&ouml;nnen uns diesen Sozialstaat nicht mehr leisten&ldquo; und deswegen muss es jetzt dringend Reformen geben, getreu dem Prinzip noch weitere und krasseres Umverteilung von unten nach oben. <\/p><p>Mal sehen wie lange das noch gut geht. Man sagt ja gern, &bdquo;Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht&ldquo;!<\/p><p>Von den hunderten von Milliarden die in R&uuml;stung und Kriegst&uuml;chtigkeit verschleudert werden (auch dies &uuml;brigens nach dem Muster der Umverteilung), m&ouml;chte ich an dieser Stelle nicht anfangen, das w&uuml;rde uferlos werden. <\/p><p>Auch wenn es keine einfache Aufgabe ist, ein gerechteres Steuersystem zu etablieren, so sollten wir dennoch ganz dringend damit anfangen. <\/p><p>Die Verm&ouml;genssteuer ist &uuml;brigens schon seit 1997 ausgesetzt, also seit fast 30 Jahren. <\/p><p>Jens Biester<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>11. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Damen und Herren, <\/p><p>Jens Berger spricht in seinem Artikel &ldquo;Reiche, Superreiche und linke Denkfehler&rdquo; vom 10. Juni wichtige Zusammenh&auml;nge an. Es gibt einfach sehr viele nachvollziehbare H&uuml;rden bzw. in der Praxis unl&ouml;sbare Probleme, wenn es darum geht, ein gerechtes Steuersystem aufzubauen. Warum wird besonders die politische Linke (ich verzichte auf eine Begriffsdefinition, wer diese &uuml;berhaupt ist; ich w&uuml;rde nur daran scheitern; es verh&auml;lt sich doch wie beim Fu&szlig;ball; keiner kann Abseits erkl&auml;ren, aber jeder erkennt es im Spiel) nicht m&uuml;de, die faire Besteuerung als hehres politisches Ziel zu formulieren und darauf Energie zu verwenden bzw. verschwenden?<\/p><p>Kann es tats&auml;chlich damit zu tun haben, dass dahinter nur eine Forderung steht, die man leicht aussprechen (oder auch wiederkehrend auf vielen Seiten gegen Entgelt publizieren) kann, ohne daran gemessen zu werden, ob man diese umsetzt, eben gerade weil es solch eine Herkulesaufgabe ist? Wo f&auml;ngt man an, wo h&ouml;rt man auf? Welche Steuer nimmt man sich zuerst vor, auf welche Zielgruppe einigt man sich? Und wer sollte daf&uuml;r auf die Stra&szlig;e gehen, wen spricht man damit an? Junge, Alte, Rentner, Pension&auml;re, M&auml;nner, Frauen, Arbeiter, Angestellte, Arbeitslose, Selbst&auml;ndige?<\/p><p>Letztendlich geht es bei dem Thema gerechte Besteuerung um eine vern&uuml;nftige Umverteilung bzw. um es weniger oder vielleicht auch nur anders ideologisch vorbelastet auszudr&uuml;cken, man denkt hierbei an eine gr&ouml;&szlig;ere Teilhabe f&uuml;r jene an der Wertsch&ouml;pfung, welche diese haupts&auml;chlich durch eigene Leistung erbringen. Doch ist eine entsprechende Neuausrichtung des Steuersystems &uuml;berhaupt ein Werkzeug daf&uuml;r, Einkommen gerecht zu verteilen? Wer garantiert denn nach all den politischen M&uuml;hen, zus&auml;tzliche Steuern erheben zu k&ouml;nnen, dass die in der Theorie auf einmal vorhandenen weiteren Mittel f&uuml;r das allgemeine oder ein individuelles Wohl eingesetzt werden? Den g&auml;nzlich anderen Aspekt hierbei, dass ein Staat mit Steuern nur steuern sollte, aber nicht finanzieren m&uuml;sste, weil er mittels Zentralbankfinanzierung im Einklang mit den nationalen produktiven Kapazit&auml;ten (Modern Monetary Theory) imstande w&auml;re, alle notwendigen Ausgaben zu decken, k&ouml;nnte man hier noch einbringen, muss man aber nicht.<\/p><p>Ich will auf das Folgende hinaus: Warum ist es gerade im linken politischen Spektrum mittlerweile unm&ouml;glich geworden, den Wald vor lauter B&auml;umen zu sehen? Es ist doch jedem Arbeitslosen, Auszubildenden, Studenten, Besch&auml;ftigten, Selbst&auml;ndigen oder Ruhest&auml;ndler vollkommen egal, wer am anderen Ende der Einkommensskala wie viel Erbschafts-, Kapitalertrags-, Verm&ouml;gens-, Spekulations- oder Digitalsteuer zahlt, solange man selbst unter vern&uuml;nftigen &ouml;konomischen Bedingungen lebt, also genau den Anteil der erzielten Wertsch&ouml;pfung behalten darf, der ein sorgenfreies Leben m&ouml;glich macht. Und dieser entsteht nicht durch Besteuerung, sondern dadurch, dass man als arbeitender Mensch L&ouml;hne und Geh&auml;lter erzielt, die mit der Produktivit&auml;tsentwicklung steigen. Warum &uuml;ber Steuern nachtr&auml;glich vom Erwirtschafteten etwas wegnehmen und dabei als Einzelner hoffen, dass st&auml;ndig wechselnde politische Mehrheiten sich daran erinnern werden, diese Mittel gerecht zu verteilen und so etwas davon zur&uuml;ckzubekommen, anstatt von Vornherein das von der erbrachten Leistung zu behalten, was angemessen ist?<\/p><p>Warum versteht es die Linke als Str&ouml;mung nicht, anstatt viele verschiedene innen- wie au&szlig;enpolitische Ziele dann doch nur ein vorrangiges zu formulieren, welches eine gro&szlig;e Mehrheit in der Gesellschaft unterst&uuml;tzen w&uuml;rde? Und dieses sollte konkret sein:<\/p><p>Einer Familie muss es m&ouml;glich sein, mit einem Gehalt ein gutes Leben zu f&uuml;hren. Dies bedeutet: Mit nur einem Einkommen kann man so wohnen, konsumieren, sich erholen, die eigenen Kinder erziehen und gro&szlig; bekommen, wie man sich das w&uuml;nscht und zusammen gl&uuml;cklich sein.<\/p><p>Welches Geschlecht der Broterwerber dabei hat und ob diese Aufgabe wechselt oder untereinander aufgeteilt wird, ist unerheblich. Klar ist aber auch, dass das Leben kein Wunschkonzert ist. Nicht jede Ausbildung garantiert das gew&uuml;nschte Einkommen, nicht jede Auszeit erm&ouml;glicht einen beruflichen Wiedereinstieg ohne finanzielle Nachteile. Wirtschaftliche Unabh&auml;ngigkeit, die es nur in Kombination mit einer echten w&uuml;rdevollen staatlichen Absicherung ohne Druck gibt &ndash; letztere aber eben gerade nicht, um es deutlich zu sagen, ein bedingungsloses Grundeinkommen ist &ndash; erm&ouml;glicht individuelle Freiheit in einer sozialen Gesellschaft.<\/p><p>Wer in solch einem System als Einzelner eine Familie ern&auml;hren kann, kann dies auch alleine f&uuml;r sich. Wer es sich leisten kann, den Nachwuchs daheim gro&szlig; werden zu lassen, ist nicht auf staatliche Betreuungseinrichtungen angewiesen, zu denen man mittlerweile nur Zugang erh&auml;lt, nachdem man faktische medizinische Zwangsbehandlungen der eigenen Kinder zu akzeptieren hatte. Als Besch&auml;ftigter kann man Einkommensforderungen stellen, allein oder im Zusammenschluss, ohne die wirtschaftlichen Konsequenzen f&uuml;rchten zu m&uuml;ssen, wie sie heute bestehen. Wenn beide verdienen m&uuml;ssen, damit man gerade so &uuml;ber die Runden kommt, l&auml;hmt dies die Bereitschaft, sich kenntlich f&uuml;r bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen.<\/p><p>Die Gegenseite, wie immer man sie nennen will, hat letztendlich genau ein &uuml;bergeordnetes Ziel: Machtanh&auml;ufung. Dies ist jedes Mal sehr deutlich zu erkennen, wenn es um Fragen der Einkommenssteigerung, den Ausbau bzw. den Erhalt der sozialen Sicherung und ganz allgemein die Rechte der Besch&auml;ftigten geht. Die entsprechenden Auseinandersetzungen dazu verteilen Macht neu. Mit der gewonnenen Macht k&ouml;nnen weitere Ziele formuliert und erreicht werden. Aus diesem Grund werden vern&uuml;nftige Tariferh&ouml;hungen, also gerade solche, welche die Reall&ouml;hne steigen lassen, heftig bek&auml;mpft oder eben Hartz IV eingef&uuml;hrt, als Warnung an alle Besch&auml;ftigten, dass auf den Arbeitsplatzverlust die Mittellosigkeit folgt.<\/p><p>Die klare Forderung, hinter die sich die &uuml;berwiegende Mehrheit der Menschen stellen k&ouml;nnte, mit nur einem Gehalt in einer Familie bereits ein gl&uuml;ckliches Leben f&uuml;hren zu k&ouml;nnen, vereint libert&auml;r-individualistische wie auch soziale &Uuml;berzeugungen. Sie ist klar und deutlich kommunizierbar, auch gerade weil viele sich noch selbst daran erinnern, dass dies die eigene fr&uuml;here Lebensrealit&auml;t war. Daf&uuml;r kann man demonstrieren, die eigene Wahlstimme abgeben und sich sonst engagieren. Ist dies erreicht, reduzieren sich sehr viele weitere politische Anliegen zu Aufgaben, die von den Verantwortlichen lediglich abgearbeitet werden m&uuml;ssen bzw. sie stellen sich nicht mehr.<\/p><p>Ob ein Multimilliard&auml;r zwei oder zehn Yachten hat und in drei Jahren sogar 20, ist jedem normalen Menschen vollkommen egal, wenn die eigenen Kinder gesund und man selbst und als (famili&auml;re) Gemeinschaft zukunftsfroh ist. Eine wichtige Voraussetzung hierf&uuml;r ist nicht die Existenz einer Erbschafts- oder Verm&ouml;genssteuer, sondern ein w&uuml;rdevolles Einkommen, das ein selbstbestimmtes Leben m&ouml;glich macht und alle als Kollektiv in eine starke Machtposition bringt.<\/p><p>Mit bestem Dank und Gru&szlig;<br>\nDr. Christian Tartler<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>12. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>Sie schreiben unter anderem &ldquo;Dass auch diese Unternehmer mehr zur Finanzierung des Allgemeinwohls beitragen sollten, soll hier gar nicht abgestritten werden. Die entscheidende Frage sollte nur lauten: Wie ist dies zu bewerkstelligen, ohne die Volkswirtschaft als Ganzes und damit die Basis unseres Wohlstandes zu sch&auml;digen? Und diese Frage ist alles andere als profan.&rdquo;<\/p><p>Sicherlich wird niemand bestreiten, dass das profan ist. Auch ich bestreite das nicht. Das grundlegende Problem in &ldquo;unserer Demokratie&rdquo; 2026 aber ist, dass in der &ouml;ffentlichen Debatte und diesen sogenannten &ldquo;Mainstream-Medien&rdquo; (von ARD &uuml;ber FAZ und RTL bis zum ZDF) dar&uuml;ber gar nicht debattiert wird. Wenn dar&uuml;ber debattiert bzw. diskutiert wird, dann im Sinne von &ldquo;Trickle-Down&rdquo;, der neoliberalen Pferde&auml;pfel-Spatzen-Theorie: Wenn man die reichen\/&rdquo;superreichen&rdquo; Pferde (aka &ldquo;Leistungstr&auml;ger&rdquo;) steuerlich entlastet, dann w&uuml;rde auch etwas f&uuml;r die vielen kleinen Spatzen (= &ldquo;Leistungserbringer&rdquo;) abfallen, die in den Pferde&auml;pfeln nach unverdauten K&ouml;rnern suchen. Das funktioniert aber nur in den B&uuml;chern neoklassischer bzw. neoliberaler Wirtschaftstheoretiker.<\/p><p>&Ouml;konomisch profan denken allenfalls Libert&auml;re, die am liebsten alle Steuern abschaffen w&uuml;rden und jeder zahlt nur noch das, was er f&uuml;r das Gemeinwohl (Regierung, Polizei und Armee ausgenommen) zahlen will. Reiche und &ldquo;Superreiche&rdquo; haben bzw. h&auml;tten damit sicherlich keinerlei Probleme. Aber was ist mit den anderen 90, 95 oder 99 Prozent der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, je nachdem, wie man &ldquo;reich&rdquo; bzw. &ldquo;superreich&rdquo; definiert.<\/p><p>Wenn man zum Beispiel die Frage stellt, wie reich m&uuml;ssen die &ldquo;Superreichen&rdquo; noch werden, damit Geringverdiener keine Angst mehr haben m&uuml;ssen vor der n&auml;chsten Mieterh&ouml;hung, dann hat das nichts mit &ldquo;Enteignung&rdquo; zu tun oder?<\/p><p>An dieser Stelle m&ouml;chte ich den Satiriker und Kabarretisten Volker Pispers mit einem 20 oder sogar 30 Jahre alten Satz zitieren (sinngem&auml;&szlig;): Die L&uuml;ge der Neoliberalen besteht darin, den hart arbeitenden Menschen vorzugaukeln, jeder k&ouml;nne reich werden, wenn er flei&szlig;ig und nicht allzu dumm ist. ABER NICHT ALLE!<\/p><p>Das funktioniert nicht. Es hat vor 100 Jahren nicht funktioniert und es wird in 100 Jahren nicht funktionieren, dass alle &ldquo;superreich&rdquo; werden, falls die Spezies des &ldquo;Homo sapiens&rdquo; auf diesem Planeten dann noch existieren sollte.<\/p><p>Tatsache ist, dass die Verm&ouml;gensteuer in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben wird. Nicht weil sie verfassungswidrig w&auml;re, sondern weil bis zu diesem Zeitpunkt die Verm&ouml;gensarten bei der Bemessungsgrundlage steuerlich unterschiedlich bewertet wurden.<\/p><p>Die Gewerbekapitalsteuer wurde 1998 eliminiert. Der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer lag in den 1970er Jahren bei sagenhaften 56 Prozent, heute betr&auml;gt er 47,475 Prozent und zwar inklusive &ldquo;Reichensteuer&rdquo;. Wichtig aber ist: Diese sog. &ldquo;Reichensteuer&rdquo; f&auml;ngt bereits bei einem zu versteuernden Einkommen in H&ouml;he von derzeit 277.826 Euro an. Wenn die Bundestagsabgeordneten (&ldquo;Volksvertreter&rdquo;), die diese Steuergesetze verabschieden, das als &ldquo;reich&rdquo; bezeichnen, wie bezeichnen sie dann eine Dividendenauszahlung (= Kapitaleink&uuml;nfte) von 622 Mio. Euro, die ein einzelner Aktion&auml;r vor ein paar Jahren in einem einzigen Jahr kassierte? Netto bleiben da immerhin noch rund 458 Millionen (+\/- 50.000) Euro Einkommen &uuml;brig, falls die Dividendenauszahlung legal versteuert wurde. Viele Menschen in diesem Land w&auml;ren sicherlich gl&uuml;cklich, wenn sie in ihrem gesamten Leben (netto) eine Million Euro verdienen w&uuml;rden. &Uuml;ber die Geringverdiener, die f&uuml;r derzeit 13,90 brutto pro Stunde (= gesetzlicher Mindestlohn) arbeiten, m&uuml;ssen wir erst gar nicht reden. Das macht monatlich rund 2.400 Euro brutto und rund 1.700 netto (ESt I\/0, GKV-Zusatzbeitrag 2,90 Prozent, KiSt=0).<\/p><p>Der steuerliche &ldquo;Witz&rdquo; kommt aber noch: Wenn jemand ein zu versteuerndes Einkommen (zvE) aus selbst&auml;ndiger oder nichtselbst&auml;ndiger T&auml;tigkeit (= &ldquo;Arbeit&rdquo;) in H&ouml;he von 277.826 Euro erzielen w&uuml;rde, dann ist der Grenzsteuersatz, wenn er noch 100 Euro mehr verdienen w&uuml;rde, wesentlich h&ouml;her als bei einem Aktion&auml;r, der 622.000.000 Euro + 100 Euro Dividende kassiert. Der betr&auml;gt n&auml;mlich lediglich 25 Prozent + SoliZ (und ggf. freiwilliger Kirchensteuer). Das gilt aber auch f&uuml;r zu versteuernde Einkommen, die weit darunter liegen. Auch bei einem zu versteuernden Einkommen aus selbst&auml;ndiger oder nichtselbst&auml;ndiger Arbeit von 50.000 Euro j&auml;hrlich ist der Grenzsteuersatz h&ouml;her als bei Kapitaleink&uuml;nften (Zinsen, Dividenden usw.) in gleicher H&ouml;he (= 50.000 Euro). <\/p><p>In diesem Land wird auch immer noch von einem progressiven Einkommensteuertarif geredet (Kapitaleink&uuml;nfte ausgenommen, siehe oben). Die Progressionsbreite lag allerdings in den 1980er Jahren bei rund 27 Prozent, heute betr&auml;gt sie rund sechs Prozent (ohne &ldquo;Reichensteuer). Die Krankenschwester, die sicherlich niemand in den 1980er Jahren zu den &ldquo;Besserverdienern&rdquo; gez&auml;hlt hat und die auch heute niemand dazu z&auml;hlen wird, wird heute einkommensteuerlich aber behandelt als ob sie eine Besserverdienerin w&auml;re, weil ihr Brutto-Einkommen von 1980 bis 2026 zweifelsohne gestiegen ist, aber der Beginn der letzten Tarifzone beim Einkommensteuertarif vom Gesetzgeber seit Jahrzehnten nicht erh&ouml;ht wurde.<\/p><p>Wir reden hier von Einkommen und nicht von Verm&ouml;gen in H&ouml;he von 50 Milliarden Euro oder noch mehr. Ist es schon &ldquo;Enteignung&rdquo;, wenn &ldquo;Superreiche&rdquo; mit einem Verm&ouml;gen von 50 Milliarden = 50.000 Millionen Euro nicht noch schneller immer noch reicher werden?<\/p><p>Zur neoliberalen Wirtschafts- und Steuerpolitik geh&ouml;rt aber auch die Mehrwertsteuer. Der Umsatzsteuersatz (ugs. &ldquo;Mehrwehrsteuer&rdquo; genannt) wurde seit den 1960er Jahren kontinuierlich erh&ouml;ht. 1970 lag er bei 11 Prozent, 1980 bei 13 Prozent, 1990 bei 14 Prozent, seit 2021 betr&auml;gt der (allgemeine) Mehrwertsteuersatz 19 Prozent. Diese Mehrwertsteuer zahlen Grundsicherungs- und B&uuml;rgergeldempf&auml;nger, Geringverdiener, Normalverdiener bzw. &ldquo;Durchschnittsverdiener&rdquo;, Besserverdiener, Reiche und &ldquo;Superreiche&rdquo;, wenn sie sich etwas kaufen, denn dieser Prozentsatz ist f&uuml;r alle B&uuml;rgerinnen\/B&uuml;rger (=&rdquo;Konsumenten&rdquo;), ganz egal ob arm, reich oder &ldquo;superreich&rdquo; gleich hoch.<\/p><p>Er betr&auml;gt 19 Prozent, wenn man sich ein paar neue Socken f&uuml;r 10 Euro kauft, er betr&auml;gt 19 Prozent, wenn man sich ein paar Wanderschuhe f&uuml;r 100 Euro kauft, er betr&auml;gt 19 Prozent, wenn man sich einen neuen Laptop f&uuml;r 1.000 Euro kauft, und er betr&auml;gt 19 Prozent, wenn man sich einen Bugatti oder Maserati f&uuml;r 10 Mio. = 10.000.000 Euro kauft. Sogar Obdachlose zahlen Umsatzsteuer, denn mir ist bislang nicht bekannt, dass Obdachlose von der Mehrwertsteuer befreit w&auml;ren, wenn sie sich bei aldi, Kaufland, Lidl oder wo auch immer etwas zum Essen und eine Flasche Rotwein oder zwei Dose Bier kaufen (Achtung: Vorurteil!).<\/p><p>Das gilt auch f&uuml;r die &ldquo;erm&auml;&szlig;igte&rdquo; Umsatzsteuer. Geringverdiener zahlen 7 Prozent Umsatzsteuer, wenn sie sich im Supermarkt 1 kg Tomaten kaufen, und Superreiche zahlen 7 Prozent Umsatzsteuer, wenn sie sich ein 1 kg Tomaten kaufen. Dabei ist davon auszugehen ist, dass sie die Tomaten nicht selbst kaufen, sondern von ihrer Haush&auml;lterin, Haushaltshilfe bzw. Zugehfrau, wie man das fr&uuml;her mal nannte, kaufen lassen.<\/p><p>Fazit: Es gibt nicht nur die negativ konnotierte &ldquo;Verm&ouml;gensteuer&rdquo;, wenn man eine sozial gerechte Steuerpolitik machen will, die auch noch zu mehr Wirtschaftswachstum, zu mehr Arbeitspl&auml;tzen und zu mehr Wohlstand f&uuml;r alle B&uuml;rgerinnen\/B&uuml;rger f&uuml;hrt und von der nicht nur die oberen 10 Prozent profitieren. Es gibt bzw. g&auml;be viele steuerliche M&ouml;glichkeiten. Es setzt aber voraus, dass man diese Politik auch machen will.<\/p><p>Und jetzt zitiere ich wieder den genialen Volker Pispers (sinngem&auml;&szlig;): Es gibt im demokratischen Deutschland offenkundig keine Mehrheit f&uuml;r eine Politik, von der 90 Prozent der B&uuml;rgerinnen\/B&uuml;rger profitieren und die reichen oberen 10 Prozent (&ldquo;Superreiche&rdquo; inklusive) nicht &auml;rmer werden. Das ist aber kein &ouml;konomisches bzw. wirtschaftswissenschaftliches, sondern ein demokratisches, gesellschaftliches und vor allem sozialpsychologisches Problem.<\/p><p>Abschlie&szlig;end noch ein sch&ouml;nes Zitat des 2022 verstorbenen Herbert Achternbusch: &ldquo;Das sch&ouml;ne Gef&uuml;hl, viel Geld zu haben, ist nicht so intensiv wie das Schei&szlig;gef&uuml;hl kein Geld zu haben.&rdquo; Der gesellschaftskritische &ndash; f&uuml;r manche zu kritische &ndash; Filmemacher, H&ouml;rspielautor, Schriftsteller usw. kannte offenkundig beides und auch ich kenne beides aus eigener Erfahrung.<\/p><p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en<br>\nDetlef Schmiedel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103],"tags":[],"class_list":["post-152179","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=152179"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152179\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":152246,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152179\/revisions\/152246"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=152179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=152179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=152179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}