{"id":15244,"date":"2012-11-26T14:30:10","date_gmt":"2012-11-26T13:30:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15244"},"modified":"2015-05-10T09:06:35","modified_gmt":"2015-05-10T07:06:35","slug":"spd-renten-beschluss-stellt-den-dgb-vorsitzenden-und-auch-die-nachdenkseiten-blos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15244","title":{"rendered":"SPD-Renten-Beschluss stellt den DGB-Vorsitzenden und auch die NachDenkSeiten blo\u00df."},"content":{"rendered":"<p>Der DGB-Vorsitzende Sommer hat in einem <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/dgb-chef-michael-sommer-rentenpolitik-das-ist-eine-verhoehnung-der-menschen\/v_print\/7404764.html?p=\">Interview mit dem Tagesspiegel vom 18.11.2012<\/a> davon gesprochen, &bdquo;dass sich die SPD in der Rentenpolitik deutlich bewegt hat&ldquo;. Als seine wesentlichen Elemente nennt er &bdquo;den Verzicht auf die Rente mit 67 und keine Absenkung des Rentenniveaus&ldquo;. In den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15140\">NachDenkSeiten hatte ich am 16.11.2012<\/a> nach Lekt&uuml;re des damals vorgelegten Leitantrags des SPD Vorstands geschrieben: &bdquo;Der SPD Vorstand bewegte sich in die richtige Richtung.&ldquo; Anlass f&uuml;r meine Hoffnung war wie bei Sommer die vorgesehene Sicherung des Rentenniveaus. Michael Sommer bekr&auml;ftigte seine Hoffnung mit folgender &Auml;u&szlig;erung: &bdquo;Die Positionierung der SPD in Sachen Rente ist f&uuml;r mich eine Hinwendung zu den Menschen, die dieses Land mit ihrer H&auml;nde Arbeit tragen.&ldquo; &ndash; Pustekuchen! Wir wurden beide &ndash; wie auch die Linke in der SPD &ndash; desavouiert. Die Sicherung des Rentenniveaus auf mindestens 50 % ist nicht festgeschrieben. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der vom Parteikonvent der SPD am <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/scalableImageBlob\/82046\/data\/20121124_pkonv2012_beschluss_ar1_rente-data.pdf\">24.11. verabschiedete Rentenbeschluss [PDF &ndash; 143 KB]<\/a>  mit dem Titel &bdquo;Die SPD-Rentenpolitik: Arbeit muss sich lohnen!&ldquo; enth&auml;lt zu den beiden wesentlichen Punkten folgende Formulierungen:<\/strong><\/p><ol>\n<li><strong>Rente mit 67 in Abschnitt VI.: <\/strong><br>\n&bdquo;Es bleibt bei unserem Parteitagsbeschluss &ndash; der f&uuml;r das Jahr 2012 vorgesehene Einstieg in die Erh&ouml;hung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre ist auszusetzen. Die Anhebung des Renteneintrittsalters ist erst dann m&ouml;glich, wenn die rentennahen Jahrg&auml;nge, also die 60-bis 64 -j&auml;hrigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, mindestens zu 50 % sozialversicherungspflichtig besch&auml;ftigt sind.&ldquo;<br>\nIst damit f&uuml;r die heute 30- oder 40-j&auml;hrigen klar, dass sie nicht mit einem Abschlag von zweimal 3,6 % rechnen m&uuml;ssen, wenn sie mit 65 Jahren kaputt sind? Es ist nicht klar, die Drohung bleibt erhalten. Und Spitzenkandidat Steinbr&uuml;ck unterstreicht diese Unsicherheit mit seiner Forderung nach &bdquo;Beinfreiheit&ldquo;. Die Unsicherheit der jungen potentiellen Riester-Renten-Kandidaten ist genau das, was die Versicherungswirtschaft und die Finanzdienstleister brauchen.<\/li>\n<li><strong>Keine Absenkung des Rentenniveaus. <\/strong><br>\nDas wird im Abschnitt V. des SPD-Beschlusses vom 24. November behandelt. Dort hei&szlig;t es:<br>\n&bdquo;Wir werden das derzeitige Sicherungsniveau bis zum Ende des Jahrzehnts aufrechterhalten. 2020 gilt es neu zu bewerten, wie &uuml;ber die Wirkungen der Reformen auf dem Arbeitsmarkt im Hinblick auf Besch&auml;ftigung, Einkommen und Produktivit&auml;t, die Ankopplung der Renten an die Erwerbseinkommen vorzunehmen ist.&ldquo;<br>\nEs gibt die behaupteten Unsicherheiten &uuml;ber Arbeitsmarkt, Besch&auml;ftigung, Einkommen und Produktivit&auml;t nicht in der von der SPD deklarierten Weise. Insoweit es sie gibt, gibt es gen&uuml;gend M&ouml;glichkeiten, die Unsicherheiten auszugleichen bzw. ihnen entgegenzuwirken: durch aktive Besch&auml;ftigungspolitik, durch eine gezielte Anhebung der Erwerbsquote, durch produktivit&auml;tsf&ouml;rdernde Ma&szlig;nahmen, durch ein Programm zur Erh&ouml;hung der Quote sozialversicherungspflichtiger Arbeitsvertr&auml;ge und letztlich dann noch durch die Anhebung des Beitragssatzes.<br>\nEs gibt wirklich ausreichend Stellschrauben, um der Altersarmut und der Absenkung des Rentenniveaus entgegenzuwirken. Man muss das allerdings wollen. Die SPD will offensichtlich dies nicht. Sie will vor allem nicht die Konzentration aller Mittel auf eine Stabilisierung und Erh&ouml;hung des Niveaus der gesetzlichen Rente.<\/li>\n<\/ol><p><strong>H&auml;ngepartie statt Sicherheit f&uuml;rs Alter und die Rente<\/strong><\/p><p>Beide oben genannten Beschl&uuml;sse f&uuml;hren zu H&auml;ngepartien. Die Leute brauchen aber Gewissheit. Jene, die diese absurden H&auml;ngepartien durchgesetzt haben, wollen offensichtlich die Unsicherheit, weil damit die Verkaufsargumente f&uuml;r die Agenten der Privatvorsorge erhalten bleiben. Ich will dieses Argument anschaulich machen und zitiere dazu die Einlassung des ber&uuml;hmtesten Lobbyisten der Versicherungswirtschaft, des Professors Raffelh&uuml;schen. Er hat vor Versicherungsvertretern folgendes gesagt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Rente ist sicher &ndash; sag ich Ihnen ganz unverbl&uuml;mt. (Gel&auml;chter unter den Versicherungsvertretern.) Die Rente ist sicher, nur hat kein Mensch mitgekriegt, dass wir aus der <strong>Rente schon l&auml;ngst eine Basisrente<\/strong> gemacht haben. Das ist alles schon passiert. Wir sind runter gegangen durch den Nachhaltigkeitsfaktor und durch die modifizierte Bruttolohnanpassung. Diese beiden Dinge sind schon l&auml;ngst gelaufen, ja, waren im Grunde genommen nichts anderes <strong>als die gr&ouml;&szlig;te Rentenk&uuml;rzung<\/strong>, die es in Deutschland jemals gegeben hat. (&hellip;) Aus dem Nachhaltigkeitsproblem der Rentenversicherung <strong>ist quasi ein Altersvorsorgeproblem der Bev&ouml;lkerung geworden<\/strong>. So, das m&uuml;ssen wir denen erz&auml;hlen! Also, ich lieber nicht, ich hab genug Drohbriefe gekriegt! Kein Bock mehr, irgendwie. Aber Sie m&uuml;ssen das, das ist Ihr Job!&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>(Quelle: ARD Sendung &bdquo;Rentenangst&ldquo; (ausgestrahlt am 10.3.2008 im Vormittagsprogramm der ARD)<\/p><p>Mit dem Beschluss der SPD vom 24.11.2012 ist die Sorge vor der &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Rentenk&uuml;rzung&ldquo; nicht beseitigt. Mindestens weitere acht Jahre k&ouml;nnen die Versicherungsvertreter mit der Verunsicherung arbeiten, wie ihnen Raffelh&uuml;schen das empfohlen hat.<\/p><p>Die SPD hat <strong>nicht<\/strong> beschlossen, die Rentenformel von den K&uuml;rzungselementen zu bereinigen. Das w&auml;re n&ouml;tig. (Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15140\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14782\">hier<\/a> in einem einschl&auml;gigen Vortrag zum Thema &bdquo;Armut im Alter &ndash; Schicksal oder gesellschaftliches Versagen? Absicht! Und weitgehend vermeidbar&ldquo;.)<\/p><p><strong>Fazit: Offensichtlich hat im Hintergrund die Lobby der Versicherungswirtschaft gro&szlig;en Einfluss auf den Beschluss der SPD gehabt.<\/strong><\/p><p>Es gibt keine Konzentration auf die Gesetzliche Rente.<\/p><p>Riester-Rente und R&uuml;rup-Rente sollen fortgesetzt werden, obwohl sie sich weitgehend als unrentabel und unsicher erwiesen haben.<br>\nDas Rentenniveau wird nicht klar gesichert. <\/p><p>Die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters ist nur ausgesetzt.<\/p><p>Die betriebliche Altersvorsorge und offenbar auch ihre staatliche F&ouml;rderung sollen ausgebaut werden. Das ist heute schon ein eintr&auml;gliches Gesch&auml;fts f&uuml;r Versicherungskonzerne und im &uuml;brigen leider irrelevant f&uuml;r einen gro&szlig;en Teil der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten, die nicht zu den vergleichsweise bl&uuml;henden Industriezweigen von Chemie und Metall geh&ouml;ren, oder in kleinen Betrieben arbeiten.<\/p><p>Die Beitragsobergrenze soll &ndash; wie im geltenden Rentenrecht vorgesehen &ndash; bei 22 % liegen. Warum denn das? Das ist nicht damit zu erkl&auml;ren, dass man den Geldbeutel der jungen Beitragszahler schonen will. Denn dieser wird hier nicht geschont, wenn diese Arbeitnehmer tun, was man ihnen empfiehlt, n&auml;mlich zus&auml;tzlich zur gesetzlichen Rente mit einem Beitrag von bisher 19,6 % noch f&uuml;r 4 % zu &bdquo;riestern&ldquo;. Damit erreichen diese Menschen &ndash; den Arbeitgeberbeitrag mit eingerechnet &ndash; heute schon einen Beitragssatz von 23,6%. &ndash; Der Beitragssatz f&uuml;r die gesetzliche Rente wird festgeschrieben, weil man damit die Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente niedrig halten und nicht ausbauf&auml;hig machen will. Die nicht reichende Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente ist das Hauptargument der Verk&auml;ufer von Privatvorsorge. Auch hier also das Zusammenspiel mit der Versicherungswirtschaft.<\/p><p><strong>Positiv zu erw&auml;hnen bleibt der Versuch, mit der so genannten Solidarrente von 850 &euro; etwas f&uuml;r die Niedrigl&ouml;hner zu tun<\/strong><\/p><p>Aber auch dieses Modell hat seine T&uuml;cken und ist in vielerlei Hinsicht unzureichend. Damit werden nur Versicherte erfasst, die 30 Beitragsjahre\/40 Versicherungsjahre hinter sich haben. Was ist mit den anderen? Wenn schon steuerfinanziert etwas f&uuml;r die Opfer der Arbeitslosigkeit und des Ausbaus des Niedriglohnsektors getan wird, dann ist schon die Frage erlaubt, warum man dieses Problem nicht einheitlich l&ouml;st.<\/p><p>Insgesamt hat sich die SPD ein verwirrendes und hoch b&uuml;rokratisches System ausgedacht. Das w&uuml;rde, w&uuml;rde es umgesetzt, keine gute L&ouml;sung sein.<\/p><p>Positiv zu erw&auml;hnen bleibt in diesem Zusammenhang auch noch der Abschnitt I. mit der &Uuml;berschrift &bdquo;Bessere L&ouml;hne: Erwerbsarmut bek&auml;mpfen&ldquo;. Dort wird eine Kurz-Analyse der eingetretenen Erwerbsarmut und ihrer Ursachen geliefert, die beachtlich ist. Ich zitiere:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wer &uuml;ber Altersarmut redet, darf &uuml;ber Erwerbsarmut nicht schweigen, denn ohne die Bek&auml;mpfung der Erwerbsarmut kann der Altersarmut nicht wirksam begegnet werden. Das Rentensystem kann nicht dauerhaft die w&auml;hrend des Arbeitslebens entstandenen sozialen Ungerechtigkeiten am Ende des Arbeitslebens korrigieren.<br>\nWir werden uns deshalb vor allem an den konkreten Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung von Erwerbsarbeit und prek&auml;rer Besch&auml;ftigung messen lassen.<br>\nAm Anfang steht eine deutlich ver&auml;nderte Arbeitsmarktpolitik mit einem gesetzlichen Mindestlohn und 8,50 &euro; &hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Diese Klagen &uuml;ber Niedrigl&ouml;hne und prek&auml;re Besch&auml;ftigung passt wie die Faust aufs Auge zu der bekannten Einlassung des ehemaligen Bundeskanzlers und SPD-Vorsitzenden Gerhard Schr&ouml;der. Er, damals noch Bundeskanzler, erkl&auml;rte am 28.1.2005 in Davos vor den illustren Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir m&uuml;ssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Diese von CDU\/CSU; von FDP und von den Gr&uuml;nen mitgetragene Fehlentwicklung l&auml;sst sich offensichtlich schwer mit halbherzigen Rentenbeschl&uuml;ssen korrigieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der DGB-Vorsitzende Sommer hat in einem <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/dgb-chef-michael-sommer-rentenpolitik-das-ist-eine-verhoehnung-der-menschen\/v_print\/7404764.html?p=\">Interview mit dem Tagesspiegel vom 18.11.2012<\/a> davon gesprochen, &bdquo;dass sich die SPD in der Rentenpolitik deutlich bewegt hat&ldquo;. Als seine wesentlichen Elemente nennt er &bdquo;den Verzicht auf die Rente mit 67 und keine Absenkung des Rentenniveaus&ldquo;. In den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15140\">NachDenkSeiten hatte ich am 16.11.2012<\/a> nach Lekt&uuml;re des damals<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15244\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[129,39,40,191],"tags":[273,363,1381,1007],"class_list":["post-15244","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-rente","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","category-spd","tag-privatvorsorge","tag-raffelhueschen-bernd","tag-solidarrente","tag-sommer-michael"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15244","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15244"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15244\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26031,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15244\/revisions\/26031"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}