{"id":152638,"date":"2026-06-22T10:00:33","date_gmt":"2026-06-22T08:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152638"},"modified":"2026-06-22T11:04:57","modified_gmt":"2026-06-22T09:04:57","slug":"nach-dem-drohnenangriff-auf-moskau-schadenfreude-und-russische-gelassenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152638","title":{"rendered":"Nach dem Drohnenangriff auf Moskau: Schadenfreude und russische Gelassenheit"},"content":{"rendered":"<p>Auf den gr&ouml;&szlig;ten ukrainischen Drohnenangriff auf Russland seit Beginn des Krieges reagierten die gro&szlig;en deutschen Medien mit kaum verhohlener Schadenfreude: &bdquo;Drohnenhagel auf Russland&ldquo; (<em>FAZ<\/em>). &bdquo;Moskau-Angriffe blamieren Putins Regime&ldquo; (<em>Bild<\/em>). Mitgef&uuml;hl f&uuml;r die 17 verletzten Zivilisten und ein totes M&auml;dchen sucht man in den deutschen Leitmedien vergeblich. Die Mehrheit der Russen nimmt die Drohnen-Attacken gelassen. Eine Analyse von <strong>Ulrich Heyden<\/strong>, Moskau.<br>\n<!--more--><br>\nDie Russen freuen sich, dass von 1.000 ukrainischen Drohnen immerhin 555 abgeschossen wurden. Ja, russische Raffinerien leiden unter dem Drohnenbeschuss. Aber man ist flexibel. Um L&uuml;cken zu stopfen, lockt die russische Regierung russische Unternehmen mit Subventionen, russisches &Ouml;l in Wei&szlig;russland und Asien zu Benzin verarbeiten zu lassen.<\/p><p>&bdquo;Rauchschwaden &uuml;ber der Stadt&ldquo; behauptete Paul Ronzheimer von der <em>Bild-Zeitung<\/em> w&auml;hrend des Brandes der Moskauer Raffinerie am 18. Juni. Korrekt h&auml;tte es hei&szlig;en m&uuml;ssen: Rauchschwaden am s&uuml;dlichen Rand von Moskau. Tats&auml;chlich hat von den 13,3 Millionen Einwohnern der Stadt nur ein Bruchteil die Rauchschwaden gesehen. Aber das passt nicht in das gew&uuml;nschte katastrophale Bild. Sorge um Menschenleben und vergiftete Luft war aus den Beitr&auml;gen deutscher Mainstream-Korrespondenten nicht herauszuh&ouml;ren, stattdessen Schadenfreude und Hohn. <\/p><p>Die Moskauer Fernsehkan&auml;le, die ich sah, zeigten die Br&auml;nde und Rauchschwaden in der Moskauer Raffinerie nicht. Alles, was an Bildern und Videos im Internet auftauchte, stammte von Hobby-Filmern und Bloggern. Sie verletzten die offizielle Anweisung, Einschlagstellen von Drohnen nicht zu filmen, um dem ukrainischen Milit&auml;r ihre Zielplanung nicht zu erleichtern. Strafma&szlig;nahmen gegen solche nicht erlaubten Videos gab es jedoch nicht. <\/p><p><strong>Flamingo-Lenkfl&uuml;gelraketen westlich von Moskau abgeschossen<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst eine Gesamt&uuml;bersicht: Dass russische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass am 18. Juni &uuml;ber Russland zehn Avia-Bomben, drei US-amerikanische HIMARS-Geschosse, vier ukrainische Lenkfl&uuml;gelraketen vom Typ Flamingo und 992 Drohnen abgeschossen wurden. Die russische Armee habe den ukrainischen Gro&szlig;angriff mit Schl&auml;gen auf ukrainische milit&auml;rische Objekte, Soldaten und S&ouml;ldner <a href=\"https:\/\/vz.ru\/news\/2026\/6\/18\/1428244.html\">&bdquo;in 142 Rayons&ldquo; beantwortet<\/a>.<\/p><p>Nun zu Moskau: B&uuml;rgermeister Sergej Sobjanin gab bekannt, es seien 194 ukrainische Drohnen vor Moskau abgeschossen worden. <\/p><p>Bemerkenswert war, dass westlich von Moskau im Gebiet Istra vier der <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/neue-ukrainische-wunderwaffe-und-drohnenangriffe-auf-russische-raffinerien\/\">neuen &bdquo;Flamingo&ldquo;-Lenkfl&uuml;gelraketen<\/a> vom Himmel geholt wurden. Diese Raketen baut die Ukraine, auf Grundlage einer sowjetischen Rakete, mit finanzieller Hilfe aus Deutschland. <\/p><p>Von ukrainischen Drohnen getroffen wurden die gro&szlig;en Einkaufszentren im S&uuml;den von Moskau, &bdquo;Wei&szlig;e Datscha&ldquo; und &bdquo;Sadowod&ldquo;, <a href=\"https:\/\/msk1.ru\/text\/incidents\/2026\/06\/18\/76486352\/\">wo ein Feuer ausbrach<\/a>.<\/p><p>Die Moskauer Flugh&auml;fen Scheremetewo, Wnukowo, Domodedowo und Schukowski stellten wegen Drohnengefahr f&uuml;r einige Stunden ihren Betrieb ein. 527 Fluglinien waren betroffen. Im Flughafen Scheremetjewo wurden Passagiere in Schutzr&auml;ume evakuiert. Auch Flugh&auml;fen in einigen russischen St&auml;dten, wie Kaluga, Pensa, Saratow, Nischni-Nowgorod und Nischnekamsk, stellten vor&uuml;bergehend die Abfertigung von Flugzeugen ein. <\/p><p>Ukrainische Drohnen trafen am 18. Juni nicht nur Ziele im Moskauer Umland, sondern auch Ziele in den Gebieten Kursk, Belgorod, Saporoschje, Cherson und Brjansk. <\/p><p><strong>Russischer Milit&auml;rblogger: &bdquo;Aufkl&auml;rung, &Uuml;berpr&uuml;fung, Angriff&ldquo;<\/strong><\/p><p>Mit dem Angriff auf die Raffinerie am S&uuml;drand von Moskau hat Kiew die Region Moskau empfindlich getroffen. Drei Tage zuvor war die Raffinerie schon einmal angegriffen worden. Der <a href=\"https:\/\/t.me\/rybar\">Telegram-Kanal <em>Rybar<\/em><\/a>, der von einem russischen Milit&auml;rkorrespondenten betrieben wird, berichtete, das ukrainische Milit&auml;r &bdquo;sondierte die verschiedenen Ebenen, suchte nach Schwachstellen und testete die Reaktionszeiten.&ldquo; Sobald &bdquo;sie eine Schwachstelle entdecken, starten sie einen Gro&szlig;angriff&ldquo;. <\/p><p>Am 16. Juni habe es die erste Gro&szlig;angriffswelle mit 90 Drohnen gegeben. Eine Drohne sei zur Raffinerie durchgebrochen. Am 17. Juni habe es einen zweiten Testlauf gegeben. Am 18. Juni folgte dann ein massiver Angriff &bdquo;entlang des bereits erkundeten Korridors&ldquo;. Es sei &bdquo;eine Operation in drei Phasen: Aufkl&auml;rung, &Uuml;berpr&uuml;fung, Angriff&ldquo;.<\/p><p>Dass die Raffinerie getroffen wurde, sei &bdquo;unangenehm&ldquo;, schreibt der russische Milit&auml;rblogger Aleksandr Koz. Aber insgesamt habe die russische Drohnenabwehr erfolgreich gearbeitet, denn von den 555 angreifenden Drohnen seien &bdquo;nur einzelne nach Moskau durchgesto&szlig;en&ldquo;. Die hohe Abfangrate sei nicht nur ein Erfolg traditioneller russischer Luftabwehrgesch&uuml;tze wie Panzir. Es sei auch ein Erfolg von &bdquo;kleinen Konstruktionsb&uuml;ros&ldquo;, die vor noch nicht allzu langer Zeit &bdquo;in Garagen gearbeitet haben&ldquo;. Wichtig sei auch die verbesserte radioelektronische Abwehr und die Arbeit derjenigen, die Abfangdrohnen steuern. Die Zusammenarbeit der verschiedenen milit&auml;rischen Strukturen werde &bdquo;von Tag zu Tag besser&ldquo;.<\/p><p><strong>Russischer Experte: Ballons und Laserwaffen gegen Drohnen<\/strong><\/p><p>Der Milit&auml;rexperte und Leiter des Moskauer Luftabwehrmuseums, Juri Knutow, erkl&auml;rte <a href=\"https:\/\/www.ridus.ru\/voenekspert-knutov-predskazal-ataki-rossii-5-tysyachami-bpla-v-sutki-874696.html\">im Gespr&auml;ch mit der Internetplattform <em>Ridus<\/em><\/a>, er rechne damit, dass sich die Intensit&auml;t der ukrainischen Drohnenangriffe &bdquo;um das F&uuml;nffache oder mehr&ldquo; steigern wird. Offizielle Vertreter der Ukraine h&auml;tten bekanntgegeben, 2026 sieben bis zehn Millionen Drohnen zu bauen. Der Experte schlug vor, Laser- und elektromagnetische Gesch&uuml;tze und &ndash; wie im Zweiten Weltkrieg &ndash; Ballons gegen Drohnen einzusetzen. Die politische F&uuml;hrung Russlands m&uuml;sse entscheiden, ob in der EU milit&auml;rische Schl&auml;ge gegen Produktionsst&auml;tten, die ihre Drohnen-Produkte in die Ukraine liefern, durchgef&uuml;hrt werden. <\/p><p><strong>Das Ausma&szlig; ukrainischer Schl&auml;ge auf H&auml;fen und Tanker<\/strong><\/p><p>Der Milit&auml;rkorrespondent von <em>Rybar<\/em> gibt zu bedenken, dass Kiew mit Unterst&uuml;tzung des Westens seit Monaten den gesamten russischen Energiekomplex angreift, also nicht nur Raffinerien, sondern auch die russischen H&auml;fen an der Ostsee und am Schwarzen Meer, Ust Luga und Noworossisk. <\/p><p>Zuletzt sei der Tanker FINA A vor dem Hafen Noworossisk mit einer Drohne angegriffen worden. Das Schiff f&auml;hrt unter der Flagge von Equatorial Guinea. Seit Januar seien bereits mehr als 15 russische Tanker von ukrainischen Drohnen oder unbemannten Kampfbooten angegriffen worden. Das Ziel sei, den russischen Handel auf See mit &Ouml;lprodukten zu stoppen. Wenn Russland diesen Versuchen nicht entschieden entgegentrete, w&uuml;rden diese Attacken zunehmen, schreibt <em>Rybar<\/em>. &bdquo;M&ouml;glichkeiten zu entschiedener Gegenwehr&ldquo; g&auml;be es. <\/p><p><strong>Bedeutung der Moskauer Raffinerie<\/strong><\/p><p>Die Moskauer &Ouml;lraffinerie am S&uuml;drand der Stadt hat f&uuml;r die Hauptstadt-Region eine gro&szlig;e Bedeutung. Die Anlage verarbeitet im Jahr 12 Millionen Tonnen &Ouml;l in Benzin, Diesel und Kerosin. 40 Prozent des in Moskau verkauften Benzins kommen aus dieser Raffinerie, die auch alle Moskauer Flugh&auml;fen beliefert. <\/p><p>Igor Juschkow, ein Wissenschaftler der Moskauer Finanz-Universit&auml;t <a href=\"https:\/\/yandex.ru\/video\/preview\/7363791632218235753\">berichtete<\/a>, Kiew ziele bei Angriffen auf die Sch&uuml;sselsegmente einer Raffinerie, welche die ganze Anlage zum Stillstand bringt. Wie ernsthaft die Moskauer Raffinerie besch&auml;digt wurde, stehe noch nicht fest. <\/p><p>Mit Besch&auml;digungen von Raffinerien und Reparaturen g&auml;be es schon Erfahrungen. Da man Ersatzteile aus der EU nicht mehr beziehen k&ouml;nne, m&uuml;ssten die Teile in Russland selbsthergestellt, aus Asien oder &uuml;ber den grauen Markt aus Europa bezogen werden. <\/p><p><strong>Russische Regierung plant Benzinproduktion im Ausland zu subventionieren<\/strong><\/p><p>Unterdessen berichten russische Medien &uuml;ber steigende Benzinpreise im ganzen Land. Die Ma&szlig;gabe der russischen Regierung, der Benzinpreis d&uuml;rfen nicht st&auml;rker steigen als die Inflation, werde zurzeit nicht eingehalten, erkl&auml;rte Juschkow.<\/p><p>Ein Zusammenhang zwischen den Benzinpreisen und den Angriffen ukrainischer Drohnen auf russische Raffinerien und H&auml;fen wird von russischen Medien nicht hergestellt. F&uuml;r die Benzinpreissteigerungen werden nur saisonale Gr&uuml;nde &ndash; wie vermehrter Benzinverbrauch durch Landwirtschaft und Tourismus &ndash; genannt. <\/p><p>Dass die ukrainischen Drohnen jedoch Einfluss auf die Versorgung des Marktes mit Benzin haben, liegt im Fall der Krim auf der Hand. Die Lieferung von Benzin auf die Halbinsel wird durch ukrainischen Drohnenbeschuss immer schwieriger, weshalb der Verkauf von Benzin auf der Krim seit Ende Mai auf 20 Liter pro K&auml;ufer beschr&auml;nkte wurde. Seit dem 21. Juni bekommen auf der Krim nur noch staatliche Einrichtungen Benzin. <\/p><p>Die russische Regierung arbeitet schon seit einiger Zeit an Ma&szlig;nahmen, welche die angespannte Lage entspannen. Energieminister Aleksandr Nowak plant <a href=\"https:\/\/www.rbc.ru\/business\/01\/06\/2026\/6a1d69409a7947ec1fee3d9f\">Ma&szlig;nahmen zur Stabilisierung des Benzin-Inlandmarktes<\/a>. Er m&ouml;chte die Benzin-Importe aus Wei&szlig;russland verst&auml;rken und er m&ouml;chte die verf&uuml;gbare Menge an Benzin in Russland erh&ouml;hen, indem die Verarbeitung von russischem &Ouml;l im Ausland mit Subventionen gef&ouml;rdert wird. Der zollfreie Import von Benzin soll bis zum 30. Juni 2027 verl&auml;ngert werden. Au&szlig;erdem seien neue Beschr&auml;nkungen f&uuml;r den Export von Diesel und Benzin geplant.<\/p><p><strong>Warum Putin schwieg<\/strong><\/p><p>Dass Wladimir Putin, der am Tag des Raffinerie-Beschusses in Moskau auf einer Konferenz der ASEAN-Staaten 600 Kilometer &ouml;stlich von Moskau weilte, sich nicht zu der Drohnenattacke auf Moskau &auml;u&szlig;erte, wurde von den deutschen Medien als Schw&auml;che interpretiert. Tagesschau.de titelte am Donnerstagabend: &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ukraine-russland-angriffe-170.html\">Putin in Kasan: Kein Wort zum Gro&szlig;angriff auf Raffinerie in Moskau<\/a>&ldquo;. <\/p><p>Es war offensichtlich: Putin wollte sich seinen au&szlig;enpolitischen Erfolg, ein Treffen von Regierungschefs aus dem Pazifik-Raum auf russischem Territorium, nicht durch den Kiewer Milit&auml;rschlag vermiesen lassen.<\/p><p>Die &bdquo;Tagesschau&ldquo; h&auml;tte es sicher gerne so gehabt, denn je mehr L&auml;rm es um milit&auml;rische Erfolge der Ukraine in Russland gibt, desto besser l&auml;sst sich die These vom &bdquo;schwachen Russland&ldquo; und einer &bdquo;erfolgreichen Ukraine&ldquo; verbreiten.<\/p><p>Die <em>Komsomolskaja Prawda<\/em> stellte dem Pressesprecher des russischen Pr&auml;sidenten, Dmitri Sergejewitsch Peskow, ein paar Fragen zu der Informiertheit des Pr&auml;sidenten. Offenbar hatte ein gro&szlig;er Teil der Russen auf eine klare Ansage von Putin zu der ukrainischen Drohnenattacke gehofft. <\/p><p>Hier ein <a href=\"https:\/\/www.kp.ru\/daily\/277791.5\/5265362\/\">Auszug aus dem Interview<\/a> der <em>Komsomolskaja Prawda<\/em>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Reporter: Dmitri Sergejewitsch, k&ouml;nnen Sie die gestrigen Ereignisse in Moskau kommentieren? Hat Pr&auml;sident Putin, w&auml;hrend er in Kasan ist, die Bilder der brennenden Raffinerie gesehen, und gibt es einen Kommentar?<\/em><\/p>\n<p><em>Peskow: Tats&auml;chlich, die Drohnen-Attacken gehen weiter. Es werden die entsprechenden Ma&szlig;nahmen zur Beseitigung der Folgen ergriffen. Die Luftabwehr hat trotz allem gute Arbeit geleistet. Was den Pr&auml;sidenten betrifft, er bekommt regelm&auml;&szlig;ig, mehrmals am Tag, operative Berichte und wenn es n&ouml;tig ist, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Suchen Sie mehr Bilder verschiedener St&auml;dte der Ukraine. Es sind eindrucksvolle Fotos &uuml;ber die Resultate der Schl&auml;ge unserer Streitkr&auml;fte. Diese Schl&auml;ge werden fortgesetzt.<\/em>&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Eine Lehrerin: &bdquo;Ich sah keine Angst in ihren Augen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wie haben die einfachen Russen die ukrainische Drohnenattacke erlebt? Eine Bekannte von mir ist Lehrerin an einer Mittelschule in Schukowski. Die 40 Kilometer s&uuml;d&ouml;stlich von Moskau gelegene Stadt hat 100.000 Einwohner und viele Forschungsinstitute der Flugzeugindustrie. Dass gerade Schukowski von ukrainischen Drohnen angegriffen wird, ist wohl kein Zufall. <\/p><p>Meine Bekannte ist 24 Jahre alt. Sie wirkte gefasst, als sie von der Nacht auf den 18. Juni erz&auml;hlte. &bdquo;Ich wachte um vier Uhr morgens auf. Ich hatte einen Knall geh&ouml;rt.&ldquo; Das sei wohl die Luftabwehr gewesen. Und sie habe sich vorgestellt, dass eine Drohne direkt &uuml;ber ihrem Mehrfamilienhaus abgeschossen wurde. &bdquo;Ich hatte Angst, dass die Drohne auf unser Haus f&auml;llt.&ldquo; Die Tr&uuml;mmer der Drohne seien dann aber neben das Haus gefallen. Irgendwann sei sie dann wieder eingeschlafen, obwohl es noch weiter knallte.<\/p><p>Im Laufe des 18. Juni fanden Sicherheitskr&auml;fte neben dem Haus meiner Bekannten den nichtexplodierten Sprengsatz der abgeschossenen Drohne. Daraufhin wurden die Bewohner zweier Wohnh&auml;user &ndash; vor allem Rentner &ndash; in das nahegelegene Kulturhaus evakuiert. <\/p><p>Ob sie Angst vor einem neuen Angriff habe, fragte ich meine Bekannte. Obwohl sie nicht gl&auml;ubig sei, w&uuml;rde sie gerne einen Priester bitten, einmal um das Haus zu gehen. Vielleicht k&ouml;nne so eine Begehung ihr Haus sch&uuml;tzen. Aber sie hoffe, dass nichts Weiteres passiert, denn wie ein russisches Sprichwort sage, &bdquo;kommt ein Ungl&uuml;ck nicht zweimal an derselben Stelle&ldquo;.<\/p><p>Obwohl ihr Haus von einer Drohne attackiert wurde, ging meine Bekannte am 18. Juni um acht Uhr zu ihrer Schule. Den Sch&uuml;lern sei der Angriff egal gewesen, erz&auml;hlte sie. &bdquo;Ich sah keine Angst in ihren Augen. Sie maulten nur, dass sie m&uuml;de seien.&ldquo; M&ouml;glicherweise hing die Stimmung der Sch&uuml;ler mit einer gewissen Gew&ouml;hnung zusammen. Denn die junge Lehrerin berichtete, es sei schon der f&uuml;nfte Drohnenalarm in den letzten zw&ouml;lf Monaten gewesen. In ihrer Schule w&uuml;rden regelm&auml;&szlig;ig Evakuierungs&uuml;bungen wegen Feuer oder Drohnenbeschuss durchgef&uuml;hrt. Die Kinder w&uuml;ssten genau Bescheid, in welcher Ordnung und durch welchen Ausgang sie die Schule verlassen m&uuml;ssen. <\/p><p>Ob denn nicht Kinder in so einem Krisenfall zu Hause bleiben k&ouml;nnen, fragte ich meine Bekannte, worauf sie antwortete, der Wunsch der Eltern sei es, dass ihre Kinder w&auml;hrend solcher Krisensituationen in der Schule sind. Dort seien sie sicherer. Ein aktueller Fall vom 18. Juni zeige, dass diese Vorsicht begr&uuml;ndet ist. Durch eine Drohne geriet in Schukowski ein Haus in Brand. Dabei wurde ein achtj&auml;hriges M&auml;dchen, welches dort bei seiner Oma war, get&ouml;tet. &bdquo;Das M&auml;dchen ging in unsere Schule, in die zweite Klasse,&ldquo; erz&auml;hlte meine Bekannte.<\/p><p><strong>Drohnenangriff auf Bus mit Kindern aus Wei&szlig;russland<\/strong><\/p><p>Immerhin: Der 18. Juni endete f&uuml;r eine Gruppe von Kindern gl&uuml;cklich. In Wei&szlig;russland traf ein Bus mit Kindern ein, die einen ukrainischen Drohnenangriff erlebt hatten. Es handelte sich um eine wei&szlig;russische Fu&szlig;balljugendmannschaft, deren Bus einen Tag zuvor im russischen Gebiet Brjansk von einer ukrainischen Drohne angegriffen worden war. Wie in einer russischen Fernsehreportage zu sehen war, lagen mehrere der etwa elf Jahre alten Kinder ihren M&uuml;ttern weinend in den Armen. Ein Junge erz&auml;hlte unter Schluchzen, der Bus sei &bdquo;voller Rauch und voller Blut gewesen&ldquo;.<\/p><p>Der Bus mit den jungen Sportlern war aus Wei&szlig;russland auf dem Weg in den russischen Schwarzmeerkurort Gelendschik. 19 Kinder und 22 Erwachsene wurden verletzt. Eine erwachsene Begleiterin wurde get&ouml;tet. Wie ein wei&szlig;russischer Arzt erkl&auml;rte, seien zwei Kinder schwerverletzt.<\/p><p>In einer Besprechung mit wei&szlig;russischen Milit&auml;rs <a href=\"https:\/\/sarafan23.ru\/incidents\/u-nas-poley-ne-khvataet-lukashenko-rezko-vyskazalsya-o-poezdke-belorusskikh-detey-futbolistov-v-gele.html\/?ysclid=mqnt9fbpfz566282995\">erkl&auml;rte der wei&szlig;russische Pr&auml;sident<\/a> Aleksandr Lukaschenko am 18. Juni, &bdquo;wir wollen die Wahrheit. Die Ukrainer sagen, sie h&auml;tten nicht auf Brjansk geschossen, aber der Fahrer des Autobusses hat gesagt, er habe mehrere Drohnen gesehen, die &uuml;ber dem Bus kreisten. Das ist kein Terror, das ist Faschismus, wenn man Kinder beschie&szlig;t.&ldquo; Wenn es jemanden g&auml;be, &bdquo;der uns provozieren will und versucht, uns in den Krieg hineinzuziehen, wird das schlecht f&uuml;r den enden, der das versucht.&ldquo; Man werde kein &uuml;berst&uuml;rztes Urteil f&auml;llen, &bdquo;aber wir stellen fest, dass es eine ukrainische Drohne war&ldquo;. <\/p><p>Der Vertreter des wei&szlig;russischen Au&szlig;enministeriums, Ruslan Warankow, erkl&auml;rte: &bdquo;Wei&szlig;russland fordert von der Ukraine eine Erkl&auml;rung zu dem Vorfall.&ldquo;<\/p><p>Immerhin: <em>Spiegel<\/em> und <em>Stern<\/em> berichteten &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/ukraine-krieg-russland-meldet-drohneneinschlag-in-bus-mit-kindern-kyjiw-dementiert-a-cc4ffd93-f376-44b6-8fee-3a1fcc5b35f5\">den Angriff auf den Bus mit den jungen Fu&szlig;ballern<\/a>. <em>ARD<\/em> und <em>ZDF<\/em> berichteten nicht. <\/p><p><small>Titelbil: Screenshot\/ARD<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152523\">Drohnen auf Moskau: Je schlechter es f&uuml;r Russland l&auml;uft, umso gef&auml;hrlicher wird es<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/089a163c685b42989dd4cb18f855c929\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den gr&ouml;&szlig;ten ukrainischen Drohnenangriff auf Russland seit Beginn des Krieges reagierten die gro&szlig;en deutschen Medien mit kaum verhohlener Schadenfreude: &bdquo;Drohnenhagel auf Russland&ldquo; (<em>FAZ<\/em>). &bdquo;Moskau-Angriffe blamieren Putins Regime&ldquo; (<em>Bild<\/em>). 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