{"id":152800,"date":"2026-06-24T14:00:49","date_gmt":"2026-06-24T12:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152800"},"modified":"2026-06-24T12:48:55","modified_gmt":"2026-06-24T10:48:55","slug":"medial-widerspruchslos-verbreiteter-irrsinn-gebt-dem-land-eine-zukunft-mit-satelliten-und-ruestungsguetern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152800","title":{"rendered":"Medial widerspruchslos verbreiteter Irrsinn: Gebt dem Land eine Zukunft \u2013 mit Satelliten und R\u00fcstungsg\u00fctern"},"content":{"rendered":"<p>Normal scheint inzwischen zu sein, braven B&uuml;rgern die Militarisierung unserer Gesellschaft Tag f&uuml;r Tag ohne Einspruch und Bedenken zu verklickern. Die &bdquo;Normalit&auml;t&ldquo; erlebt B&uuml;rger selbst bei kleinen Alltagsmomenten, beim Kauf einer Tageszeitung zum Beispiel. Die <em>S&auml;chsische Zeitung<\/em> an einem Kiosk mitnehmen ist das eine, man will ja informiert sein. Die Schlagzeile &bdquo;Freistaat ruft Space Saxony aus&ldquo; lesen ist das andere. Bei der Lekt&uuml;re unverd&auml;chtig sachlich wirkender Zeilen f&auml;llt dem Leser wom&ouml;glich das Schw&auml;rmen der Redaktion f&uuml;r den Umbau einer Industrielandschaft in einen Kriegswirtschaftsstandort gar nicht auf. Patriotisch wird er meinen: Endlich geht es aufw&auml;rts. Im Ernst? Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>R&uuml;stung statt Autos<\/strong><\/p><p>Mein Zuhause. Mein Thema. Die <em>S&auml;chsische Zeitung (SZ)<\/em> wirbt mit diesen zwei kurzen S&auml;tzen ganz oben auf ihrer Titelseite f&uuml;r ein Gef&uuml;hl der Verbundenheit mit der Region und den Menschen. Klingt gut. Weniger gut ist, dass die <em>SZ<\/em> (Partner des RedaktionsNetzwerks Deutschland) wie viele Publikationen des Medienmainstreams stramm im Gleichschritt der Order Militarisierung ohne Widerspruch folgt. Die SZ-Beitr&auml;ge sind harmlos wie geschickt geschrieben, sachlich und fest im Standpunkt. Man k&ouml;nnte sagen, sie sind vorab &bdquo;eingeordnet&ldquo;, damit der Leser ja nicht auf den Gedanken kommt, etwa Zweifel am eingeschlagenen Kurs zu hegen. Und wer kann schon etwas dagegen haben, wenn die Autorin des Artikels <a href=\"https:\/\/www.saechsische.de\/politik\/regional\/sachsen-will-satelliten-bauen-und-hofft-auf-grossauftrag-der-bundeswehr-YY7JLISGXBCKZAWGTALBIZ2HBE.html\">&bdquo;Weltraum statt Auto &hellip;&ldquo;<\/a> schreibt:<\/p><blockquote><p>\n<em>Sachsen zielt auf den Weltraum. Die Idee von &bdquo;Space Saxony&ldquo; soll dem Industrieland Zukunft geben, auch weil die Autobranche schw&auml;chelt.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Zugegeben, die Autobranche in Sachsen kriselt, das ist aber hausgemacht (die <em>SZ<\/em> ficht das nicht an), denn gro&szlig;en Konzernen wie VW reicht die Rendite, die im &ouml;stlichen Freistaat herauszuholen ist, wohl nicht. Daf&uuml;r klotzt Volkswagen weit weg in Fernost und hat die Marktf&uuml;hrerschaft in China zur&uuml;ckerobert. Die ostdeutsche Politik wendet sich halt vom Autobau ab, Satellitentechnik und R&uuml;stungsg&uuml;ter sollen es richten. Die <em>SZ<\/em> winkt die Aussage von Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) durch, dass Weltraumtechnologie und Verteidigungsindustrie &bdquo;Ersatz&ldquo; schaffen k&ouml;nnten, der Plan lautet &bdquo;Space Saxony&ldquo;.<\/p><p><strong>Klingt cool: &bdquo;Space Saxony&ldquo; &ndash; doch die Richtung ist gef&auml;hrlich und alles andere als vision&auml;r<\/strong><\/p><p>Weil die <em>SZ<\/em> ja in der Ober&uuml;berschrift &bdquo;Mein Thema&ldquo; stehen hat, stellt sie folglich auch fest, dass die Ost-Regierungschefs beim Thema R&uuml;stung wie beim Thema Weltall jetzt auch an einem Strang ziehen. Das ist doch klasse, nicht wahr? Sachsen hat beim Thema &bdquo;Space Saxony&ldquo; vor allem die Bundeswehr im Blick. Dort gibt es ordentlich was zu holen. Die <em>SZ<\/em> erl&auml;utert den Grund:<\/p><blockquote><p>\n<em>&hellip; die dank Ausnahme von der Schuldenbremse viel Geld in Ausr&uuml;stung und neue F&auml;higkeiten investiert.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und weiter wird im Osten durchgeatmet. Jetzt geht&rsquo;s los, der Osten ist nicht mehr Stiefkind, wird der brave Leser jubeln, weil:<\/p><blockquote><p>\n<em>Auch f&uuml;r die Bundeswehr f&uuml;hrt an Dresden und an Silicon Saxony kein Weg vorbei. Sie geht dort hin, wo die Zukunft von Mikroelektronik und Informationstechnik spielt.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Tats&auml;chlich wird an einem Riesenprojekt mit mindestens 100 Satelliten gearbeitet. Die Bundeswehr will k&uuml;nftig ein eigenes System ins All schie&szlig;en. Und so k&ouml;nnte Sachsen ein gro&szlig;es St&uuml;ck vom Aufr&uuml;stungskuchen abbekommen.<\/p><p>Die <em>SZ<\/em> hofft schon in der zweiten &Uuml;berschrift, dass die R&uuml;stung dem Industrieland Sachsen &bdquo;eine Zukunft geben soll&ldquo;. Im s&auml;chsischen Vogtland wird auch gehofft, hat doch der Bremer Satellitenhersteller und R&uuml;stungsproduzent OHB dort einen Standort in Sch&ouml;neck erworben. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=141319\">Im NDS-Artikel vom Oktober 2025<\/a> jubelte der Sch&ouml;necker B&uuml;rgermeister, dass OHBs Engagement ein kleiner Schritt f&uuml;r ihn als B&uuml;rgermeister sei und ein gro&szlig;er Schritt f&uuml;r die kleine Stadt und sogar das ganze Vogtland. Ein anderer Mitspieler, ein Bundeswehrprofessor, f&uuml;hrte noch wichtigtuender aus, dass es gemeinsam gelingen m&ouml;ge, den entscheidenden Schritt f&uuml;r Sachsen hin zu einer neuen Industrie zu gestalten, auf dass dieser Aufbruch beginnen m&ouml;ge.<\/p><p>Da warten ja sch&ouml;ne Zeiten auf uns. Vielleicht brauchen dann die B&uuml;rger den G&uuml;rtel nicht mehr enger schnallen und es beginnen sogar wieder fette Jahre?<\/p><p><strong>Keine Autos, keine Eisenbahnwaggons &ndash; daf&uuml;r R&uuml;stung: Was f&uuml;r Zukunftsaussichten<\/strong><\/p><p>Im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=144154\">NDS-Beitrag<\/a> schrieb ich im Januar:<\/p><blockquote><p>\n<em>Wohin das Auge blickt, die zivile Wirtschaft wird in eine Kriegswirtschaft verwandelt. Das Drama wird dem Volk als alternativlos und wirtschaftlich sinnvoll verkauft. Mit Autos, Waggons oder Radioger&auml;ten werde halt viel weniger Geld verdient als mit Panzern und Komponenten f&uuml;r die R&uuml;stung. Arbeitspl&auml;tze w&uuml;rden geschaffen &ndash; wie im s&auml;chsischen G&ouml;rlitz. Dort beginnt nach Regie bellizistischen Wahnsinns eine neue Zeit. Zeitenwende eben. Nach 175 Jahren schlie&szlig;t der Waggonbau G&ouml;rlitz. Verkauft an den deutsch-franz&ouml;sischen R&uuml;stungskonzern KNDS, wird dieser ein Ort der Panzerproduktion. Erste R&uuml;stungsg&uuml;ter wurden produziert. K&uuml;nftig werden statt Eisenbahnwaggons Teile f&uuml;r den Kampfpanzer Leopard 2, den Sch&uuml;tzenpanzer Puma, den Radpanzer Boxer hergestellt &ndash; was f&uuml;r Zeiten. Zukunftsweisende nicht!<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>W&auml;hrend die <em>SZ<\/em> die Leserschaft auf Linie bringt, machen sich SPD-Schreiber Sorgen<\/strong><\/p><p>Lesen bildet, hei&szlig;t es immer so sch&ouml;n, Zeitunglesen ist gut daf&uuml;r, sich zu informieren. Doch gerade in diesen Zeitenwende-Zeiten f&uuml;hle ich mich als Leser von den Medienleuten oft geradezu verachtet. Warum wird f&uuml;r irrsinnige milit&auml;rische Projekte geworben? Ja &ndash; geworben! Sie sollen unsere Zukunft sein, in sie soll massiv viel Geld gesteckt werden? Die Bundeswehr ist der gro&szlig;e Geber, wo doch das ihr zur Verf&uuml;gung gestellte Geld unser Geld ist. Vor allem schmerzt, was damit nicht gemacht wird und was das f&uuml;r Folgen hat. Was ich in der <em>SZ<\/em> nicht lesen konnte, fand ich beim Online-Recherchieren im <a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.de\/meinung\/finanzkrise-die-kommunen-brauchen-hilfe-sonst-stirbt-die-demokratie\">SPD-Parteiorgan <em>Vorw&auml;rts<\/em><\/a>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Rote Zahlen, wohin man schaut: Deutschlands Kommunen stecken in einer tiefen Finanzkrise. Das bedroht nicht nur Schwimmb&auml;der, Buslinien oder Kultur &ndash; sondern das Vertrauen in die Demokratie selbst.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Schon stellte sich mir der Zusammenhang ein, das Gegen&uuml;berstellen von Vor- und Nachteilen wurde mir offenbar, jedoch durch mein eigenes St&ouml;bern und nicht dank der Sorgfalt und des gesunden Misstrauens journalistischer Akteure. Da wird f&uuml;r Satelliten geschw&auml;rmt und R&uuml;stung als Zukunftsverhei&szlig;ung, w&auml;hrend die Zivilgesellschaft in die Knie geht. Wir werden einst hochger&uuml;stet sein, die Profiteure werden Tag f&uuml;r Tag feiern und die Demokratie wird Geschichte sein. Und weiter las ich:<\/p><blockquote><p>\n<em>Denn um eine gute Idee umzusetzen, braucht es oft Geld &ndash; sei es, um ein Stadtfest auf die Beine zu stellen oder um den kaputten Rasen des &ouml;rtlichen Fu&szlig;ballvereins auszubessern. Genau diese finanziellen Mittel fehlen in den meisten Kommunen. Schlimmer noch: Sie m&uuml;ssen bestehende Angebote zusammenstreichen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Schlie&szlig;lich sind weitere S&auml;tze nur noch ein Kopfsch&uuml;tteln wert, spricht doch gerade ein Vizekanzler Dinge aus, die er und seine politische Klasse seit Jahr und Tag zu verantworten haben und &auml;ndern k&ouml;nnten, g&auml;be es diesen ber&uuml;hmten politischen Willen.<\/p><blockquote><p>\n<em>Sogar Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) wei&szlig;, welche Erfahrung die frisch ins Amt gew&auml;hlten Mandatstr&auml;ger*innen im Rathaus h&auml;ufig machen: &bdquo;Dann gehst du da als junger Mensch rein und die erste Entscheidung, die du treffen kannst, ist, ob du das Schwimmbad oder die Stadtb&uuml;cherei zumachst.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em>Die Demokratie st&auml;rke das nicht, meint Klingbeil &ndash; und hat recht.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Im Artikel der <em>SZ<\/em> lernte ich, dass der politische Wille bei der R&uuml;stung wie selbstverst&auml;ndlich &uuml;beraus aktiv vorhanden ist, im richtigen Leben jedoch nicht, wie Vizekanzler Klingbeil treffend beschreibt. Ist das nicht alles irre?<\/p><p><small>Titelbild: MeshCube \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normal scheint inzwischen zu sein, braven B&uuml;rgern die Militarisierung unserer Gesellschaft Tag f&uuml;r Tag ohne Einspruch und Bedenken zu verklickern. Die &bdquo;Normalit&auml;t&ldquo; erlebt B&uuml;rger selbst bei kleinen Alltagsmomenten, beim Kauf einer Tageszeitung zum Beispiel. Die <em>S&auml;chsische Zeitung<\/em> an einem Kiosk mitnehmen ist das eine, man will ja informiert sein. Die Schlagzeile &bdquo;Freistaat ruft Space Saxony<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152800\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":152801,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[172,183,30],"tags":[358,2052,1544,893,575,3571,906,1788,3321],"class_list":["post-152800","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aufruestung","category-medienkritik","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-bundeswehr","tag-investitionen","tag-kampagnenjournalismus","tag-militarisierung","tag-ostdeutschland","tag-raumfahrt","tag-ruestungsindustrie","tag-saechsische-zeitung","tag-zeitenwende"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/shutterstock_2716970233.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152800","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=152800"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152800\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":152808,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/152800\/revisions\/152808"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/152801"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=152800"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=152800"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=152800"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}