{"id":153185,"date":"2026-07-02T09:00:26","date_gmt":"2026-07-02T07:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153185"},"modified":"2026-07-02T11:08:19","modified_gmt":"2026-07-02T09:08:19","slug":"bsw-brief-bei-weidel-de-masi-bei-lanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153185","title":{"rendered":"BSW-Brief bei Weidel \u2013 De Masi bei Lanz"},"content":{"rendered":"<p>Die BSW-F&uuml;hrung hat einen <a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/bsw-fordert-duell-mit-afd\/\">Offenen Brief<\/a> an die AfD geschrieben, dessen Intention l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig war, sollten gesellschaftliche Mehrheiten f&uuml;r Frieden mit Russland endlich au&szlig;erparlamentarisch, aber auch im Parlament von Sachsen-Anhalt in Bewegung zu setzen sein. Von <strong>Diether Dehm<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nTino Chrupalla, aber auch Alice Weidel haben zun&auml;chst professionell reagiert. Sie h&auml;tten auch arrogant aus der H&uuml;fte zur&uuml;ckballern k&ouml;nnen, etwa so: &bdquo;Was will das abgeschlagene BSW jetzt mit seinen l&auml;ppischen 3,5 Prozent von uns, die wir gerade um 40 Prozent in Umfragen gehandelt werden.&ldquo; Das hat Weidel aber nicht geschrieben.<\/p><p>Offenbar wei&szlig; man in der AfD-Spitze, dass es nat&uuml;rlich weit &uuml;ber zehn Prozent in der AfD-W&auml;hlerschaft gibt, die sich vorstellen k&ouml;nnten, BSW und AfD zu w&auml;hlen. Es ist die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde, die da wie immer ihre abschreckende Wirkung tut &ndash; f&uuml;r die AfD. Es geht in Sachsen-Anhalt also nicht so sehr um &bdquo;Leihstimmen&rdquo;, die mit der Aufforderung des BSW an die AfD, &ouml;ffentlich zusammen aufzutreten, &bdquo;abgeworben&rdquo; werden sollen. Es geht vielmehr um ein Fischen im sachsen-anhaltinischen (Noch-)Nichtw&auml;hler-Becken, das gegenw&auml;rtig mit 35 bis 45 Prozent eingesch&auml;tzt werden darf &ndash; und das in jeder Sonntagsfrage ausgespart bleibt.<\/p><p>Der <em>Spiegel<\/em> und dessen Follower <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/sahra-wagenknecht-will-rededuelle-mit-alice-weidel-und-schmiedet-regierungsplaene-a-fc38b70b-aa5f-4188-9d1d-149f20806792\">versuchen jetzt zwar<\/a>, die Antwort von Alice Weidel an das BSW nach feindseligen T&ouml;nen auszuwringen. Aber der &Auml;rger der NATO-Medien dar&uuml;ber, dass auch Frau Weidel in ihrer Stellungnahme &ndash; vier Tage vor deren Bundesparteitag &ndash; f&uuml;r entschieden mehr diplomatische Aktivit&auml;ten zur Beendigung des Ukraine-Krieges wirbt, ist un&uuml;berh&ouml;rbar. Ein gutes Zeichen f&uuml;r die Demokratie, ein schlechtes f&uuml;r den geheimdienstlich-medialen Komplex &ndash; und seinen <em>Spiegel<\/em>.<\/p><p>Und nun war der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi am vergangenen Dienstag (wahrscheinlich eingeladen, bevor die Presse vom BSW-Brief Wind bekam) <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/play\/talk\/markus-lanz-114\/markus-lanz-vom-30-juni-2026-100\">bei &bdquo;Markus Lanz&ldquo;<\/a>. Um es vorweg zu sagen: Er hat sich klug geschlagen. In der ersten Phase der Sendung wurde De Masi von den mitverpflichteten B-Promis (SPD-MdEP Katarina Barley und ZDF-&bdquo;Auslandsexperten&rdquo; Ulf R&ouml;ller) und von Lanz ungewohnt freundschaftlich behandelt. Da ging es noch um die Zukunft der EU. Dann aber, als Lanz bei De Masi den BSW-Brief an die AfD ansprach, wurden die drei NATO-Freunde b&ouml;se.<\/p><p>Zun&auml;chst wurde endlich mal einger&auml;umt, der Krieg in der Ukraine habe bereits 2014 begonnen. Aber von Barley, Lanz und R&ouml;ller wurde dies in das demagogische Framing gesetzt, der boshafte Kreml habe schon ewig lange den &bdquo;m&ouml;rderischen&rdquo; Krieg im Schilde gef&uuml;hrt. W&auml;hrend der arglose Westen, das friedfertige &bdquo;Verteidigungsb&uuml;ndnis NATO&ldquo; und die liebenswerte EU noch &ndash; von Willy Brandt und Helmut Schmidt traumselig geblendet &ndash; an den russischen Friedenswillen geglaubt h&auml;tten.<\/p><p>Hier h&auml;tte De Masi sch&auml;rfer intervenieren m&uuml;ssen, um die Geschichte vom Kopf auf die F&uuml;&szlig;e zu stellen: Das u.a. von Au&szlig;enminister Steinmeier sorgsam eingef&auml;delte Minsk-I und -II-Abkommen lieferte der NATO Zeitfenster &uuml;ber Zeitfenster f&uuml;r den Aufbau von US-Biolaboren, Drohnen-Aufr&uuml;stung und f&uuml;r Raketenstationierungspl&auml;ne in der Ukraine. Und eben gerade nicht f&uuml;r das vorgebliche Ziel der Abkommen, die ostukrainischen &bdquo;Volksrepubliken&rdquo; vor den postfaschistischen M&ouml;rsern und Scharfsch&uuml;tzen der Asow-Milizen mit Hakenkreuzen, Bandera- und SS-Emblemen wirklich zu sch&uuml;tzen. Die hatten noch in den acht Wochen vor dem russischen Einmarsch Tausende Ostukrainer &ndash; auch Frauen und Kinder &ndash; hingemetzelt. Nur eine kurze Zitierung von Merkel h&auml;tte De Masi bei Lanz Luft verschafft: &bdquo;Das Minsker Abkommen 2014 war der Versuch, der Ukraine Zeit zu geben. Sie hat diese Zeit auch genutzt, um st&auml;rker zu werden, wie man heute sieht.&ldquo; (Merkel, in: DIE ZEIT, 7. Dezember 2022, neun Monate nach dem Einmarsch)<\/p><p>Auch in Bezug auf die Sozialwut &bdquo;kleiner&rdquo; Leute &uuml;ber das Wegschleudern ihrer Steuergelder in den NATO-Aufmarsch gegen Russland hat De Masi &ndash; um es in der Fu&szlig;ballsprache zu sagen &ndash; nicht &bdquo;alle K&ouml;rner auf den Platz gebracht&rdquo;. Aber es darf De Masi zugutegehalten werden, dass bei Lanz um Mitternacht die Zahl derer &uuml;berschaubar bleibt, die sich am folgenden Tag an Zapfs&auml;ulen und steigenden Spritpreisen von Tankrabatt-Wegfall und Konzerngier existenziell bedroht und betroffen f&uuml;hlen m&uuml;ssen; oder durch Inflation, geplante &bdquo;Reform&ldquo;-Einschnitte in B&uuml;rgergeld, Renten und Bildung; und durch weiteren R&uuml;ckgang der Tarifbindungen, durch kaufkraftbedingtes Siechtum des &bdquo;Mittelstands&rdquo; und durch weitere Kahlschl&auml;ge am Sozialstaat, die da im Windschatten der Fu&szlig;ball-Weltmeisterschaft von Merz und Pistorius durchgezogen werden sollen.<\/p><p>Gleichwohl: Der BSW-Brief und De Masis Auftritt bei Lanz sind nachgerade historisch &ndash; auch mit seiner eigentlich lapidaren Feststellung, keinesfalls einen CDU-Ministerpr&auml;sidenten in Sachsen-Anhalt mitw&auml;hlen zu wollen. Also: die &bdquo;Anf&auml;ngerfehler&rdquo; von Th&uuml;ringen und Brandenburg zu meiden. Weil das &bdquo;Alle gegen die AfD&rdquo;-Angebot von NATO-Medien und -Parteien 2024 ein vergifteter Apfel war. (Wohlbemerkt: Im dritten Wahlgang zum MP von Sachsen-Anhalt z&auml;hlt die relative Mehrheit im Landtag. Da k&ouml;nnte Enthaltung schon entscheidend werden.)<\/p><p>Dass allerdings das BSW mit seiner Hilfskr&uuml;cke eines parteilosen Technokraten als Ministerpr&auml;sident in Sachsen-Anhalt meint, vorl&auml;ufig noch &uuml;ber die Runden kommen zu k&ouml;nnen, ist naiv. Wenn so ein parteiloser MP in Sachsen-Anhalt kein blutleeres T&auml;terprofil bleiben sollte, m&uuml;sste eine solche Pers&ouml;nlichkeit wenigstens ungef&auml;hr konfiguriert werden (z.B.: &bdquo;jemand wie Max Otte, Uwe Steimle, Petra Erler oder, wenn sie zwanzig Jahre j&uuml;nger w&auml;ren: G&uuml;nter Verheugen, Klaus von Dohnanyi&rdquo; &ndash; aber dazu h&auml;tte das BSW die erstmal fragen m&uuml;ssen: mit M&uuml;he statt Hauruck!). Ansonsten halten die &bdquo;kleinen&rdquo; Leute bei solchen &bdquo;Experten&ldquo; ohnehin &ndash; gel&auml;utert von &bdquo;Wirtschaftsweisen&rdquo; und &bdquo;Finanzforschern&rdquo; in <em>ARD<\/em>, <em>ZDF<\/em>, <em>RTL<\/em> und <em>SAT.1<\/em> &ndash; nur ihr Portemonnaie fest.<\/p><p>De Masi hat in toto in der Lanz-Sendung mit Sachwissen Frau Barley und Herrn Lanz &uuml;bertrumpft und auch Contenance bewahrt, als es heikel wurde in Bezug auf den BSW-Brief an die AfD.<\/p><p>Dass die punktuelle Kooperationstendenz dieses Briefs sehr, sehr sp&auml;t kommt und nicht in den letzten Jahren im BSW und der gesellschaftlichen Linken ausgiebig diskutiert wurde, bringt das BSW jetzt in die Zwickm&uuml;hle, damit im September in Sachsen-Anhalt m&ouml;glicherweise zwar zu punkten, aber in Westberlin W&auml;hler vom BSW zur Linkspartei zu treiben, wo die Landtagswahl zwei Wochen sp&auml;ter stattfindet. Beim BSW-Parteivorstand, 48 Stunden vor seiner Ver&ouml;ffentlichung, war der Brief nicht mal angesprochen, geschweige denn diskutiert worden. Dass er dann &ndash; VOR der Zustellung an eine zudem falsche Adresse der AfD &ndash; an Medien durchgestochen worden war, deutet weniger auf Anf&auml;ngerfehler. Dies war unh&ouml;flich und unprofessionell und weist zudem auf Uneinigkeit in der Spitze des &bdquo;B&uuml;ndnis Sahra Wagenknecht&rdquo;.<\/p><p>Statt den Brief zuerst friedensorientierten Medien (die das BSW bereits bei seinen Koalitionsgespr&auml;chen in Th&uuml;ringen und Brandenburg h&auml;tte hinzuziehen k&ouml;nnen) wie <em>Berliner Zeitung<\/em>, <em>Ostdeutsche Allgemeine Zeitung<\/em> oder <em>NachDenkSeiten<\/em> zuzustellen, landete das Schreiben taufrisch bei den sch&auml;rfsten Gegnern eines Friedens mit Russland: bei <em>BILD<\/em> und <em>Tagesspiegel<\/em>.<\/p><p>Ein paar Beschimpfungen darin h&auml;tten sich De Masi und Mohamed Ali im Brief au&szlig;erdem verkneifen k&ouml;nnen. Gegen&uuml;ber Adressaten, von denen man ja etwas will &ndash; zumindest n&auml;mlich mehr &Ouml;ffentlichkeit. Bei einer Alice Weidel und vor allem einem Tino Chrupalla muss das wahrscheinlich weder fair noch diplomatisch klingen; und auch nicht immer zutreffend, zumal die AfD-Spitze sich gegen Irankrieg, Gaza-Gemetzel, Wehrpflicht, Nord-Stream-2-Sprengung und auch gegen traditionellen Nazismus differenziert ausgesprochen hatte. Zudem hatte die AfD-Spitze f&uuml;r die Neuausz&auml;hlung der BSW-Stimmen bei der Bundestagswahl und jetzt f&uuml;r die Freiheit des linken Journalisten H&uuml;seyin Dogru und des Aufkl&auml;rers Jacques Baud pl&auml;diert.<\/p><p>In ihrer Antwort hat sich Frau Weidel nun verkniffen, gegen die BSW-Beschimpfungen selbstgef&auml;llig zur&uuml;ckzuholzen. Sie ahnt wohl, dass der BSW-Brief einen historischen Einschnitt bedeutet, weil er mit der unseligen Position des BSW bricht: zwar Frieden mit Russland zur Kardinalfrage zu erheben, aber dann mit Aufr&uuml;stungs-Parteien in Th&uuml;ringen und Brandenburg bis zuletzt um Minister- und Staatssekret&auml;rsposten zu feilschen.<\/p><p>F&uuml;r mich &uuml;berwiegt in der BSW-Initiative, beim Lanz-Auftritt von De Masi und dann in der Weidel-Antwort jedenfalls das Konstruktive &ndash; besonders in Bezug auf eine Ausweitung von Friedensbewegung, zumal auch die BRICS-Staaten gerade zeigen, wie komplizierte Breite produktiv sein kann. Und: Der Rechtsstaat gilt auch f&uuml;r die AfD &ndash; statt W&auml;hlereinsch&uuml;chterung via Verbotsandrohung.<\/p><p>Mag sein, dass es auf einem Marktplatz unserer Republik doch noch zu einem widerspruchsgeladenen Zusammentreffen kommt &ndash; vielleicht von Chrupalla mit Lafontaine, vielleicht doch mit Weidel und Wagenknecht. Der Weg ist erstmal frei(er), wird aber weiter durch die Schaumberge von Wut der NATO-Medien zu waten sein.<\/p><p>Wenn dann beide Seiten Frieden und Meinungsfreiheit &ndash; die beide in Todesgefahr sind &ndash; sowie den Kampf gegen einen dritten Weltkrieg &uuml;ber das Schielen nach schnell verg&auml;nglichen Prozenten und Ministerposten heben, w&uuml;rde auch die Kritik des BSW an mangelnder Sozialstaatlichkeit der AfD wirkm&auml;chtiger, aber eben auch die Kritik der AfD an der altlinken Ignoranz gegen den deutschen Nationalstaat. Im Skat gilt: Ein gutes Blatt wird offen gespielt. Punktuelle Gemeinsamkeit und scharfe Kritik aneinander &ndash; das ist reale Dialektik &ndash; geh&ouml;ren beide auf die Stra&szlig;e: hic Rhodus &ndash; hic salta!<\/p><p><small>Titelbild: BSW<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die BSW-F&uuml;hrung hat einen <a href=\"https:\/\/bsw-vg.de\/bsw-fordert-duell-mit-afd\/\">Offenen Brief<\/a> an die AfD geschrieben, dessen Intention l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig war, sollten gesellschaftliche Mehrheiten f&uuml;r Frieden mit Russland endlich au&szlig;erparlamentarisch, aber auch im Parlament von Sachsen-Anhalt in Bewegung zu setzen sein. 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