{"id":153271,"date":"2026-07-04T13:00:58","date_gmt":"2026-07-04T11:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153271"},"modified":"2026-07-03T13:52:43","modified_gmt":"2026-07-03T11:52:43","slug":"kein-grund-zum-feiern-usa-philippinen-oder-wohlwollende-assimilierung-unter-uncle-sams-zuchtrute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153271","title":{"rendered":"Kein Grund zum Feiern: USA &amp; Philippinen oder \u201eWohlwollende Assimilierung\u201c unter Uncle Sams Zuchtrute"},"content":{"rendered":"<p>Vor genau 250 Jahren, am 4. Juli 1776, verabschiedete der Zweite Kontinentalkongress die von Thomas Jefferson verfasste Erkl&auml;rung und vollzog damit die Unabh&auml;ngigkeit der USA von Britannien, was seitdem als <em>Independence Day<\/em> gefeiert wird. Just am selben Tag vor 80 Jahren, am 4. Juli 1946, gew&auml;hrten die USA ihrer einstigen und einzigen Kolonie in Asien (1898-1946), den Philippinen, eine Unabh&auml;ngigkeit mit beschr&auml;nkter Haftung. Die eigene Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung im hehren Geiste der Aufkl&auml;rung und revolution&auml;rer Prinzipien &ndash; <em>&bdquo;Alle Menschen haben ein inh&auml;rentes Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Gl&uuml;ck (Life, Liberty, and the pursuit of Happiness)&ldquo; <\/em>und<em> &bdquo;Eine Regierung leitet ihre Macht nur aus der Zustimmung der Regierten ab&ldquo;<\/em> &ndash; blieb den Filipinos verwehrt. Auf sie blickte Uncle Sam stets herab; sie blieben bestenfalls <em>&bdquo;kleine braune Br&uuml;der&ldquo; (&bdquo;little brown brothers&ldquo;). <\/em>Ein Begriff, den William Howard Taft, der erste zivile US-Generalgouverneur in den Philippinen und 27. Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten (1909-13), gepr&auml;gt hatte. Eine wenig schmeichelhafte, unzeremonielle R&uuml;ckschau unseres S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Von hemisph&auml;rischer zur hegemonialen Macht<\/strong><\/p><p>Ende des 19. Jahrhunderts waren Siedler bis an die Westk&uuml;ste der USA vorgedrungen. Seit etwa 1890 wurde es laut um den Stillen Ozean. Die Weite dieses gr&ouml;&szlig;ten Weltmeeres befl&uuml;gelte zunehmend hitzigere Debatten: Sollten die US-Amerikaner dieses Meer &ndash; mit Berufung auf den Herrn &ndash; zu ihrer See <em>(mare nostrum)<\/em> machen? Diese Streitfrage spaltete die Vereinigten Staaten in &bdquo;Isolationisten&ldquo; und &bdquo;Interventionisten&ldquo; beziehungsweise &bdquo;Imperialisten&ldquo;. Erstere meinten, die USA gen&uuml;gten sich selbst und ihr Territorium stellte einen ausreichend gro&szlig;en Binnenmarkt dar. Die Bef&uuml;rworter eines Imperialismus waren Leute h&ouml;chst unterschiedlicher Couleur: Geistliche, Politiker, Gesch&auml;ftsleute und Intellektuelle. Im Wettstreit mit den europ&auml;ischen Kolonialm&auml;chten wollten sie nicht zu kurz kommen.<\/p><p>Ein damaliger Noch-Konkurrent der zwischenzeitlich eigene koloniale und imperiale Ziele hegenden Vereinigten Staaten war Spanien, das sich seit dem 16. Jahrhundert in S&uuml;damerika, in der Karibik und in den Philippinen festgesetzt hatte. Um 1900 jedoch war Madrids Imperium bereits betr&auml;chtlich geschrumpft, fr&uuml;here Kolonien wie Mexiko und Argentinien l&auml;ngst unabh&auml;ngig. Lediglich Puerto Rico, Kuba sowie die Marianeninsel Guam und die Philippinen im Pazifischen Ozean befanden sich noch in seinem Besitz. Doch auch in diesen Regionen hatten antikoloniale Revolten die einst sieggewohnten Konquistadoren geschw&auml;cht.<\/p><p>Gl&uuml;hende Imperialisten interessierte nicht, dass der philippinische General und damalige Revolution&auml;r <em>Emilio Aguinaldo<\/em> bereits am 12. Juni 1898 die erste freie Republik Asiens ausgerufen hatte. Diese Unabh&auml;ngigkeit war kurzlebig, und der <em>Spanisch-Amerikanische Krieg<\/em> f&uuml;hrte geradewegs in den <em>Amerikanisch-Philippinischen Krieg<\/em>. W&auml;hrend die philippinischen Revolution&auml;re den Spaniern zu Land gro&szlig;e Verluste zugef&uuml;gt hatten, setzte die <em>Fernostflotte der U.S. Navy<\/em> binnen eines Tages, am 1. Mai 1898, die marode spanische Armada in der Manila-Bucht au&szlig;er Gefecht. Doch erst Ende Juni betraten US-amerikanische GIs philippinischen Boden und annektierten so ein unabh&auml;ngiges Land.<\/p><p><strong>Toxischer Politcocktail aus Kapitalakkumulation, &bdquo;zivilisatorischer Mission&ldquo; und missionarischem Sendungsbewusstsein<\/strong><\/p><p>In einer Ansprache an eine Gruppe protestantischer Geistlicher 1898 begr&uuml;ndete der damalige US-Pr&auml;sident William McKinley, warum sich die USA der Inseln bem&auml;chtigt hatten:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>In Wahrheit wollte ich die Philippinen nicht, und als wir sie als Geschenk der G&ouml;tter bekamen, wusste ich nichts mit ihnen anzufangen. Ich lief Abend f&uuml;r Abend bis Mitternacht im Wei&szlig;en Haus umher; und ich sch&auml;me mich nicht, zu gestehen, dass ich <\/em>niederkniete <em>und den Allm&auml;chtigen mehr als einmal um Licht und F&uuml;hrung anging. Und eines Abends sp&auml;t d&auml;mmerte es mir, dass wir sie nicht an Spanien zur&uuml;ckgeben k&ouml;nnten, das w&auml;re feige und unehrenhaft. Zweitens, dass wir sie nicht Frankreich oder Deutschland &ndash; unseren Handelsrivalen im Osten &ndash; &uuml;berlassen konnten, das w&auml;re schlechter Gesch&auml;ftsstil und diskreditierend. Drittens, dass wir sie nicht einfach sich selbst &uuml;berlassen konnten; sie waren nicht reif f&uuml;r die Selbstverwaltung, sie h&auml;tten dort bald Anarchie und eine schlimmere Misswirtschaft gehabt, als es die spanische war, sodass uns nichts &uuml;brig blieb, als <strong>die Filipinos zu erziehen, sie emporzuheben, zu zivilisieren und zu christianisieren und mit Gottes Gnade das Beste f&uuml;r sie zu tun wie f&uuml;r unsere Mitmenschen, f&uuml;r die Christus ebenso gestorben ist<\/strong>.&ldquo; (Hervorhebung: RW)<\/em><\/p><\/blockquote><p>Mit dieser &bdquo;Offenbarung&ldquo; leugnete der Pr&auml;sident die knapp 350-j&auml;hrige Kolonialherrschaft des christlichen Spaniens sowie die geostrategischen Interessen seines Landes. Verbr&auml;mt wurden diese fortan als <em>&bdquo;benevolent assimilation&ldquo;.<\/em> Zur &bdquo;wohlwollenden Assimilierung&ldquo; geh&ouml;rte auch, dass die neuen Besatzer das amerikanische Englisch als Amtssprache im Bildungs-, Gesch&auml;fts- und Verwaltungsbereich durchsetzten. Sie erm&ouml;glichten kooperativen Filipinos das Studium an Eliteuniversit&auml;ten in den USA und betrauten diese schrittweise mit administrativen Aufgaben. Au&szlig;erdem errichteten die USA auf dem Archipel mit der <em>Subic Naval Base<\/em> und dem <em>Clark Air Field<\/em> die gr&ouml;&szlig;ten Milit&auml;rst&uuml;tzpunkte au&szlig;erhalb der Vereinigten Staaten und schufen unter der &Auml;gide von <em>General Arthur MacArthur<\/em> den Kern einer willf&auml;hrigen Armee, der <em>Streitkr&auml;fte der Philippinen (AFP).<\/em><\/p><p>Die Filipinos leisteten auch den neuen Kolonialherren erbittert Widerstand; sie hatten f&uuml;r Selbstbestimmung und nicht f&uuml;r die Unterordnung unter ein neues Kolonialjoch gek&auml;mpft. Der Amerikanisch-Philippinische Krieg begann Anfang Februar 1899 und endete offiziell dreieinhalb Jahre sp&auml;ter. Im S&uuml;den der Philippinen, in der Sulu-See und auf der Insel Mindanao dauerte die amerikanische &bdquo;Befriedung&ldquo; indes bis 1916. In diesem bis dahin gr&ouml;&szlig;ten Kolonialmassaker in S&uuml;dostasien wurde die damals gut sechs Millionen Menschen z&auml;hlende Bev&ouml;lkerung buchst&auml;blich dezimiert. Einige Sch&auml;tzungen sprechen sogar von &uuml;ber einer Million niedergemetzelter Filipinos. Es war der erste Guerillakrieg in Asien, in den ann&auml;hernd 160.000 GIs involviert waren. Im besonders &bdquo;unruhigen S&uuml;den&ldquo; des Archipels gingen Gener&auml;le wie Leonard Wood und John Joseph Pershing [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] als &bdquo;Schl&auml;chter&ldquo; in die Annalen der Geschichte ein.<\/p><p>Im Mutterland selbst war diese Haudegenpolitik keineswegs unumstritten. Scharfe politische Proteste gegen den Krieg hagelte es vor allem seitens der r&uuml;hrigen <em>Antiimperialistischen Liga<\/em>. Deren Vizepr&auml;sident war von 1901 bis zu seinem Tode 1910 der ber&uuml;hmte Schriftsteller Samuel Langhorne Clemens alias Mark Twain.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">**<\/a>] Er begr&uuml;ndete seine Haltung mit den Worten:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Noch vor einem Jahr war ich kein Antiimperialist. Ich dachte, es sei eine gro&szlig;artige Sache, den Filipinos ein gro&szlig;es St&uuml;ck an Freiheit zu geben. Heute allerdings glaube ich, es ist besser, dass die Filipinos sich selbst darum k&uuml;mmern.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Und weiter:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Ich bin dagegen, dass der Adler seine Krallen auf ein anderes Land setzt.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Berichte &uuml;ber das Gemetzel in den Philippinen machten auch Schlagzeilen in der US-Presse. Vor allem waren es Milit&auml;rkommandeure wie Jacob H. Smith, die Emp&ouml;rung ausl&ouml;sten. Dieser Befehlshaber, der den Spitznamen <em>&bdquo;Bloody Jake&ldquo; (&bdquo;Blutiger Jakob&ldquo;)<\/em> trug, hatte auf der zentralphilippinischen Insel Samar den Tagesbefehl ausgegeben:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Pl&uuml;ndern, morden und niederbrennen sollt ihr. Je mehr ihr das tut, desto gr&ouml;&szlig;er wird mein Wohlgefallen sein.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Es war das historische Verdienst der Antiimperialistischen Liga, die eigene Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die Geschehnisse in der US-amerikanischen Kolonie in Asien informiert zu haben. Vor allem ihr Vizepr&auml;sident Mark Twain galt im letzten Jahrzehnt seines Lebens als landesweit einflussreichster Antiimperialist.<\/p><p><strong>Schaffung einer h&ouml;rigen Elite<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst von einer US-amerikanischen Milit&auml;rregierung verwaltet, ging Washington sp&auml;ter dazu &uuml;ber, an die Spitze der Exekutive auf den Inseln einen Gouverneur zu stellen. Die legislative, mit begrenzten Befugnissen ausgestattete Versammlung wurde mit Filipinos besetzt, die im Geiste der Kolonialmacht als Ebenbild beziehungsweise als gelehrige &bdquo;kleine braune Br&uuml;der&ldquo; erzogen worden waren. Diese <em>&bdquo;brown yankees&ldquo;<\/em> f&uuml;hlten sich den Ideen und Vorstellungen ihrer Kolonisatoren enger verbunden als den sozialen Forderungen ihrer eigenen Bev&ouml;lkerung nach Land und Reis. Was u.a. dazu f&uuml;hrte, dass sich die US-h&ouml;rige Elite in Manila daf&uuml;r einsetzte, dass w&auml;hrend des Ersten Weltkrieges 6.000 Filipinos in der <em>U.S. Navy<\/em> dienten und weitere 4.000, die auf Hawaii lebten, der <em>U.S. Army<\/em> beitraten. Au&szlig;erdem bot sie den USA neben Soldaten ein Unterseeboot und einen Zerst&ouml;rer an. Filipinos zeichneten &uuml;berdies eine Kriegsanleihe, die <em>&bdquo;Liberty Bonds&ldquo;,<\/em> und sammelten f&uuml;r das US-amerikanische Rote Kreuz.<\/p><p>Honoriert wurde das Verhalten dieser Elite mit der Unterzeichnung des <em>Tydings-McDuffie-Gesetzes<\/em> im Jahr 1934. Dieses sah u.a. die Schaffung einer <em>Commonwealth-Regierung<\/em> vor, die das Land nach einer &Uuml;bergangszeit von zehn Jahren schlie&szlig;lich in die Unabh&auml;ngigkeit f&uuml;hren sollte. Erster Pr&auml;sident des ein Jahr sp&auml;ter entstandenen <em>Commonwealth of the Philippines <\/em>wurde Manuel L. Quezon. Das Land genoss demnach begrenzt innere Autonomie, allerdings mussten die in Manila verabschiedeten Gesetze weiterhin vom Wei&szlig;en Haus und dem US-Senat gebilligt werden. Der Handel mit den wichtigsten Exportprodukten wie Zucker, Hanf und Kopra (getrocknetem Kokosnussfleisch) blieb fest in den H&auml;nden amerikanischer Gesch&auml;ftsleute, wie denn auch der in Manila residierende<em> US-Hochkommissar <\/em>die Oberaufsicht &uuml;ber Finanzen, Verteidigung und internationale Beziehungen aus&uuml;bte.<\/p><p>Das gr&ouml;&szlig;te soziale Problem vor, w&auml;hrend und nach der Commonwealth-&Auml;ra waren die extrem ungleichen Boden- und Besitzverh&auml;ltnisse im Lande und die daraus resultierende Armut der &uuml;berwiegend b&auml;uerlichen Bev&ouml;lkerung. Die ausgedehnten L&auml;ndereien, die einst der spanischen Krone und M&ouml;nchsorden geh&ouml;rt hatten, wurden von den Amerikanern entweder aufgekauft oder entsch&auml;digungslos neuen Eigent&uuml;mern &uuml;bertragen. Vertretern der philippinischen Oberschicht, die bereits vor der Ankunft der neuen Kolonialherren &uuml;ber Grund und Boden verf&uuml;gt hatten, konnten sich unter ihnen nochmals bereichern. Denn erstmalig entstanden Kataster&auml;mter, in denen die Beg&uuml;terten und die des Lesens und Schreibens Kundigen ihre tats&auml;chlichen oder fingierten Landtitel gegen eine Geb&uuml;hr offiziell registrieren, sich somit als rechtm&auml;&szlig;ige Eigent&uuml;mer ins Grundbuch eintragen lassen konnten. Die Masse der Filipinos hingegen, Kleinbauern und P&auml;chter, blieb arm wie eh und je.<\/p><p>Was den Bauern unter den N&auml;geln brannte, waren Pachtraten, die vielfach Abgaben von bis zu 75 Prozent ihrer durchschnittlichen Ernteertr&auml;ge vorsahen. Wenngleich die Commonwealth-Regierung unter Pr&auml;sident Quezon die politische Brisanz dieser Probleme erkannte und Ende der 1930er-Jahre eine Sozialreform ank&uuml;ndigte, blieben tats&auml;chliche Reformen aus. Die Folge: Widerstand und Protest radikalisierten sich. Ende 1938 vereinigte sich die seit ihrer Gr&uuml;ndung im Jahre 1930 verbotene Kommunistische Partei mit der 1932 entstandenen Sozialistischen Partei zur <em>Kommunistischen Partei der Philippinen (Partido Komunista ng Pilipinas, PKP). <\/em>Die PKP verband in den Jahren darauf die soziale Forderung nach einer Land- und Agrarreform mit dem politischen Appell, gleichzeitig die Landesverteidigung zu st&auml;rken, um gegen einen m&ouml;glichen japanischen Angriff gewappnet zu sein. Nach dem Nanking-Massaker um die Jahreswende 1937\/38 hatten japanische Truppen ihren Vormarsch gegen andere chinesische Gro&szlig;st&auml;dte fortgesetzt und keinen Zweifel daran gelassen, den Krieg auch auf S&uuml;dostasien auszuweiten.<\/p><p>Im Zentrum der Insel Luzon, der traditionellen Reiskammer des Landes, entstand auf Initiative der PKP am 29. M&auml;rz 1942 die landesweit gr&ouml;&szlig;te und einflussreichste Guerillabewegung in Gestalt der <em>Antijapanischen Volksarmee (kurz: Hukbalahap <\/em>bzw.<em> Huk).<\/em> Ihre Ziele waren, im bewaffneten Widerstand gegen die japanischen Besatzer den Kampf f&uuml;r die Unabh&auml;ngigkeit des Landes zu f&uuml;hren und ferner die Umw&auml;lzung der ungleichen Boden- und Besitzverh&auml;ltnisse. Letztere schloss eine umfassende Agrarreform ein, in deren Verlauf das Land denen &uuml;bereignet werden sollte, die es bebauten &ndash; den Kleinbauern und P&auml;chtern in den von feudalem Gro&szlig;grundbesitz gepr&auml;gten Regionen Luzons. Gemeinsam mit Guerillaorganisationen in anderen Landesteilen und philippinischen Verb&auml;nden der <em>US-Streitkr&auml;fte im Fernen Osten (USAFFE) <\/em>unter dem Oberbefehl von Douglas MacArthur, dem Sohn von Arthur MacArthur, leisteten die Huks die &bdquo;Drecksarbeit&ldquo; im Kampf gegen die japanischen Militaristen w&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs. MacArthur, der sich beim Vorr&uuml;cken der japanischen Truppen auf Manila nach Australien abgesetzt hatte, und die Regierung in Washington hatten den in die USAFFE integrierten Filipinos eine Gleichbehandlung mit GIs nach Kriegsende in Aussicht gestellt. Damit waren Verg&uuml;tungen und vor allem Pensionen gemeint.<\/p><p><strong>&bdquo;Unabh&auml;ngig&ldquo; von Tokios Gnaden<\/strong><\/p><p>Die alte Commonwealth-Regierung verlegte Mitte Mai 1942 ihren Sitz nach Washington, w&auml;hrend die japanische Milit&auml;rverwaltung eine Vorbereitungskommission f&uuml;r die philippinische Unabh&auml;ngigkeit einsetzte. Diese Kommission erarbeitete eine neue Verfassung, die sodann von einer Tokio ergebenen Nationalversammlung ratifiziert wurde. Deren Generalversammlung w&auml;hlte <em>Jos&eacute; P. Laurel<\/em> zum Pr&auml;sidenten der neuen Republik der Philippinen und Benigno S. Aquino zu ihrem Sprecher. Offiziell blieb Laurel Pr&auml;sident von Japans Gnaden vom 14. Oktober 1943 bis zum 15. August 1945, als er von seinem japanischen Exil aus die japanische Besatzung f&uuml;r beendet erkl&auml;rte. Anerkannt war diese Zweite Philippinische Republik au&szlig;er von den Achsenm&auml;chten Italien, Deutschland und Japan lediglich von Spanien unter General Franco und dem Vatikan.<\/p><p>Wie kaum ein anderer politischer Clan im Lande hatten es die Laurels verstanden, mit den jeweils M&auml;chtigen zu paktieren. Unter den Spaniern waren sie zu Ehren gelangt, die US-Amerikaner hofierten sie ebenso ungeniert wie die neuen japanischen Kolonialherren, um danach wiederum ihre Herzen im Takt mit dem transpazifischen Sieger schlagen zu lassen. Dieser zeigte sich nach Kriegsende &uuml;beraus gro&szlig;m&uuml;tig. Auf Dr&auml;ngen des &bdquo;Amerikanischen C&auml;sar&ldquo; &ndash; so hatte William Manchester seine 1978 erschienene MacArthur-Biographie aufgrund des Generals Machtf&uuml;lle betitelt &ndash; kam Laurel trotz des Vorwurfs der Kollaboration sowie des Hochverrats und weiterer damit verbundener Anklagen ungeschoren davon. Er musste sich vor keinem Gericht verantworten, geriet in den Genuss einer Generalamnestie, um bereits 1951 erneut in den Senat der mittlerweile auch von den USA unabh&auml;ngig gewordenen Republik der Philippinen einzuziehen.<\/p><p>Jos&eacute; P. Laurel wertete seine Politik nach der Flucht der Commonwealth-Regierung und General MacArthurs als aufopferungsvollen Einsatz im Dienst des Volkes, dem so gr&ouml;&szlig;eres Blutvergie&szlig;en erspart worden sei. Doch als Pr&auml;sident eines Vasallenregimes setzte er sich kompromisslos f&uuml;r die Interessen des Besatzungsregimes ein. Eine der ersten Amtshandlungen von Pr&auml;sident Laurel war die Anweisung an alle Reis- und Maisproduzenten, ihre Ernten und Vorr&auml;te unverz&uuml;glich an Regierungsstellen abzuliefern, damit diese ihrer vorrangigen Verpflichtung nachkommen konnten, die japanischen Truppen mit Lebensmitteln zu versorgen.<\/p><p><strong>Comeback der Eliten<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend des Krieges waren nicht weniger als 260.000 Filipinos in unterschiedlichen Guerillaorganisationen aktiv. Die <em>Hukbalahap<\/em> mit etwa 30.000 K&auml;mpfern kontrollierte auf dem H&ouml;hepunkt der Kampfhandlungen den gr&ouml;&szlig;ten Teil der Nordinsel Luzon. Es waren ihre Verb&auml;nde, die ma&szlig;geblichen Anteil an der verlustreichen R&uuml;ckeroberung Manilas im Fr&uuml;hjahr 1945 hatten und zahlreiche US-Soldaten aus japanischer Gefangenschaft befreiten. Umso gr&ouml;&szlig;er war das Erstaunen, dass noch vor der Kapitulation Japans die erste Generalorder des zwischenzeitlich zur&uuml;ckgekehrten <em>USAFFE-Chefs MacArthur<\/em> an die Huks adressiert war. Unverz&uuml;glich sollten diese die Waffen strecken und sie den philippinischen US-Einheiten bzw. US-amerikanischen Kommandeuren &uuml;bergeben. Andernfalls w&uuml;rden sie als &bdquo;gesetzlos&ldquo; und &bdquo;Banditen&ldquo; behandelt.<\/p><p>Ein Dauerkonflikt zwischen den alt-neuen Machthabern und der Guerilla war programmiert. Folgerichtig benannte sich die Hukbalahap Ende der 1940er-Jahre in <em>Volksbefreiungsarmee<\/em> um, die nunmehr die Regierung und die US-Streitkr&auml;fte auf den Inseln bek&auml;mpfte. Erst Mitte der 1950er-Jahre gelang es vereinten amerikanisch-philippinischen Eliteeinheiten im Rahmen eines gezielten &bdquo;Aufstandsbek&auml;mpfungs&ldquo;programms, der Organisation das R&uuml;ckgrat zu brechen. In der Folgezeit musste die PKP im Untergrund verharren, militante Bauernorganisationen und Gewerkschaften wurden kriminalisiert.<\/p><p>Die &bdquo;Befriedung&ldquo; der Huks mit milit&auml;rischen Mitteln wurde flankiert von gezielter Kooptation auch vormals projapanischer Elemente aus Politik und dem Polizeiapparat. Deren Einbinden in die Nachkriegsordnung hatte den Vorteil, dass sie erpressbar, zumindest aber manipulierbar waren. Herausragendes Beispiel: Manuel Roxas. Die politische Karriere dieses letzten Commonwealth-Pr&auml;sidenten und ersten Oberhaupts der am 4. Juli 1946 unabh&auml;ngig gewordenen Republik der Philippinen begann vor dem Krieg als Brigadegeneral in der Armee und als Politiker. W&auml;hrend der japanischen Okkupation oblag ihm als hochrangigem Mitglied des Marionettenregimes die Aufgabe, die japanischen Truppen mit Reis zu versorgen. Nach dem Krieg wurde Roxas zun&auml;chst mit etwa 5.000 anderen Kollaborateuren von US-Milit&auml;reinheiten gefangen genommen, um aber schon bald auf Anweisung von Pr&auml;sident Sergio Osme&ntilde;a und General MacArthur wieder auf freien Fu&szlig; gesetzt zu werden. Roxas war so etwas wie der Darling MacArthurs, dessen politisches Comeback er aktiv f&ouml;rderte.<\/p><p>Der Politikwissenschaftler und Publizist Richard Heydarian gelangte deshalb in seiner am 2. Juni 2026 ver&ouml;ffentlichten Kolumne in Manilas Tageszeitung <em>Philippine Daily Inquirer<\/em> zu dem wenig schmeichelhaften Fazit:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Trotz unserer mutigsten demokratischen Bestrebungen und Momente revolution&auml;rer Brillanz war die philippinische Politik so gut wie nie vorbildlich. Man denke nur daran, wie nahtlos sich viele unserer Gr&uuml;nderv&auml;ter (&hellip;) in das amerikanische Imperium integrierten, nicht lange nachdem sie das schwindende spanische Imperium tapfer besiegt hatten. Nachdem uns die Amerikaner auf den Tr&uuml;mmern des Zweiten Weltkriegs unsere &sbquo;Unabh&auml;ngigkeit&lsquo; &uuml;berreicht hatten, begannen einige Dynastien, das Land in ihre eigenen kleinen Lehensg&uuml;ter aufzuteilen. Genau vor diesem Hintergrund demokratischer Schw&auml;chung schuf der ehemalige Pr&auml;sident Ferdinand Marcos Sr. im Namen der nationalen Erneuerung einen selbsternannten &sbquo;konstitutionellen Autoritarismus&lsquo;. Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bis die oppositionellen Kr&auml;fte gen&uuml;gend organisatorische St&auml;rke und externe Unterst&uuml;tzung aufbringen konnten, um eine der korruptesten und unf&auml;higsten Diktaturen der Menschheitsgeschichte zu st&uuml;rzen. Der revolution&auml;re Bruch wurde schnell durch die R&uuml;ckkehr der alten Oligarchen und, nur wenige Jahre sp&auml;ter, durch die nahtlose R&uuml;ckkehr der Marcoses aus ihrem luxuri&ouml;sen Exil (auf Hawaii &ndash; RW) untergraben.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>US-amerikanische Neokolonie<\/strong><\/p><p>Das von US-Pr&auml;sident Franklin D. Roosevelt noch im August 1943 bekr&auml;ftigte Versprechen, den Philippinen f&uuml;r angerichtete Kriegssch&auml;den &ndash; von mindestens 1,25 Milliarden Dollar war urspr&uuml;nglich die Rede &ndash; Reparationszahlungen zu gew&auml;hren, wurde ebenso wenig eingehalten wie die Zusage zur Zahlung von Pensionen f&uuml;r alle Filipinos, die auf Seiten der USAFFE gegen Japan gek&auml;mpft hatten. In Washington und Manila begann stattdessen ein politisch-diplomatisches Gerangel um die H&ouml;he der zu leistenden Kriegsreparationen und die Art und Weise, wie und in welchem Zeitraum diese ausgezahlt werden sollten.<\/p><p>Im Herbst 1945 war im US-Senat zun&auml;chst eine Nothilfelieferung f&uuml;r die Philippinen in H&ouml;he von 620 Millionen Dollar vorgesehen, die allerdings schon bald um 100 Millionen abgesenkt wurde. Dar&uuml;ber hinaus wurde die Zahlung von der Erf&uuml;llung bestimmter Auflagen seitens Manilas abh&auml;ngig gemacht. Dazu z&auml;hlten die Einrichtung einer Beh&ouml;rde zur Taxierung der Kriegssch&auml;den und das Festschreiben von <em>Gleichheitsklauseln (parity rights).<\/em> Demnach sollten US-Amerikanern in den Philippinen k&uuml;nftig dieselben Rechte wie Filipinos in den USA einger&auml;umt werden &ndash; ein nachgerade klassischer Goliath-David-Deal. Derma&szlig;en schleppend und ineffektiv arbeitete die <em>War Damage Corporation<\/em>, dass erste Zahlungen erst Ende 1946 flossen und individuelle Anspr&uuml;che nicht vor April 1947 ber&uuml;cksichtigt wurden. Als diese Beh&ouml;rde 1950 ihre Arbeit einstellte, hatte sie lediglich 388 Millionen Dollar an &uuml;ber eine Million private Antragsteller ausgezahlt. In den Genuss dieser Zahlungen kamen diejenigen, die N&auml;he zum Machtzentrum genossen oder dank Schmiergelder ins Auswahlverfahren ger&uuml;ckt waren.<\/p><p>Das nach einem US-Kongressabgeordneten benannte philippinische Handelsgesetz aus dem Jahre 1946, der <em>Bell Trade Act<\/em>, akzeptierte letztlich die <em>&bdquo;parity rights&ldquo;.<\/em> Au&szlig;erdem garantierte es acht Jahre lang den Freihandel mit den USA, koppelte den philippinischen Peso an den Dollar mit der Auflage, den vereinbarten Wechselkurs von 2:1 nur mit US-amerikanischer Zustimmung zu &auml;ndern, und verl&auml;ngerte schlie&szlig;lich den zollfreien Handel mit bestimmten Produkten f&uuml;r weitere 28 Jahre. Die wirtschaftliche Hegemonie der USA &uuml;ber die politisch &bdquo;unabh&auml;ngig&ldquo; gewordene Neokolonie blieb ungebrochen &ndash; nicht zuletzt wegen der Erpressbarkeit der Regierung in Manila.<\/p><p>In die Amtszeit von Pr&auml;sident Roxas fiel ebenfalls die Entscheidung, den USA den Unterhalt und Ausbau milit&auml;rischer St&uuml;tzpunkte zu gestatten und ihnen daf&uuml;r auf der Basis eines 99 Jahre w&auml;hrenden Pachtvertrags Grund und Boden zur Verf&uuml;gung zu stellen. Unterzeichnet wurde dieser <em>Vertrag zur Regelung der allgemeinen Beziehungen<\/em> am 14. M&auml;rz 1947. Eine <em>Vereinte US-Milit&auml;rberatungsgruppe (JUSMAG)<\/em> erlaubte hochrangigen US-Milit&auml;rs jederzeit Einblicke in strategische und taktische &Uuml;berlegungen der AFP und wachte dar&uuml;ber, dass diese kein anderes als US-amerikanisches Kriegsger&auml;t akquirierten. Wenngleich die US-Basen nach dem Kalten Krieg und einer denkbar knappen Entscheidung des philippinischen Senats, der eine landesweit massive Protestbewegung vorausgegangen war, im Jahre 1992 geschlossen wurden, blieben f&uuml;r Washington auch danach Hintert&uuml;ren offen, auf den Inseln milit&auml;rische Pr&auml;senz zu demonstrieren und sie als vorgeschobenen Br&uuml;ckenkopf gegen China zu nutzen und sukzessiv mit Kriegslogistik auszustatten.<\/p><p><strong>&bdquo;Monsterjagd&ldquo; und &bdquo;Arroganz der Macht&ldquo; oder Die vereitelte Auf-Hebung geistloser Zust&auml;nde<\/strong><\/p><p>Der <em>U.S. Congressional Research Service (CRS)<\/em> dokumentiert seit 1798 insgesamt 469 Eins&auml;tze der US-Streitkr&auml;fte im Ausland. Davon werden 36 gemeinhin als gr&ouml;&szlig;ere Konflikte eingestuft. Nur f&uuml;nf davon wurden vom Kongress offiziell erkl&auml;rt. Die &uuml;brigen wurden durch Resolutionen, Exekutivverordnungen oder &ndash; in vielen F&auml;llen &ndash; gar nicht genehmigt. Die Vereinigten Staaten befanden sich seit ihrer Gr&uuml;ndung mithin 229 Jahre im Krieg oder in einem bewaffneten Konflikt &ndash; das sind rund 92 Prozent ihrer Existenzzeit!<\/p><p>Allein der von Washington seit 9\/11 entfesselte <em>&bdquo;Antiterrorfeldzug&ldquo; (&bdquo;War on Terror&ldquo;)<\/em> verschlang laut Berechnungen des <em>Projekts &bdquo;Costs of War&ldquo;<\/em> der<em> Brown University <\/em>allein bis zur Jahresmitte 2023 acht Billionen US-Dollar und forderte 900.000 Menschenleben.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">***<\/a>] Ber&uuml;cksichtigt man indirekte Folgen wie Krankheiten und zerst&ouml;rte Infrastruktur, bel&auml;uft sich die Gesamtzahl der Todesopfer auf 4,5 bis 4,7 Millionen &ndash; haupts&auml;chlich in &bdquo;Einsatzgebieten&ldquo; wie Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien und Jemen. Mehr als 7.000 US-Soldaten verloren in diesen Konflikten ihr Leben, ebenso wie Tausende von US-Auftragnehmern und alliierten Truppen. Millionen von Menschen im Nahen Osten und in Zentralasien wurden innerhalb ihres Landes vertrieben oder mussten aus ihren Heimatl&auml;ndern fliehen. Der <em>&bdquo;War on Terror&ldquo; <\/em>schuf letztlich erst die Probleme, die er zu eliminieren vorgab.<\/p><p>Bereits Mitte der 1960er-Jahre &ndash; auf dem H&ouml;hepunkt des Kalten Krieges und des in Vietnam so genannten <em>&bdquo;Amerikanischen Krieges&rdquo;<\/em> &ndash; ver&ouml;ffentlichte J. William Fulbright (1905-1995) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des <em>US-Senatskomitees f&uuml;r Ausw&auml;rtige Angelegenheiten<\/em> das viel beachtete Buch <em>&bdquo;Die Arroganz der Macht&ldquo;. <\/em>Es erschien 1966 in den USA und 1967 in der Bundesrepublik. Es ward dies ein Buch, das wesentlich mit dazu beitrug, den selbstgef&auml;lligen, gottgef&auml;lligen (bigotten?!) und missionarischen amerikanischen Exzeptionalismus nachhaltig zu ersch&uuml;ttern. Und welch&lsquo; schriller Kontrast zum Diktum des sechsten US-Pr&auml;sidenten John Quincy Adams (1825-29), der in seiner Antrittsrede am 4. Juli 1821 den Kongress beschworen hatte:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Amerika zieht nicht ins Ausland, um Monster zu jagen und zu vernichten. Es ist ein Verfechter der Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit aller. Es ist jedoch nur der Verfechter und Verteidiger seiner eigenen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p><em>&bdquo;In God We Trust&ldquo;<\/em> (auch als &bdquo;In God we trust&ldquo; wiedergegeben) ist u.a. das offizielle Motto der Vereinigten Staaten. Es wurde 1956 vom US-Kongress durch eine gemeinsame Resolution angenommen und ersetzte damit <em>E pluribus unum<\/em> (&bdquo;Aus vielen eins&ldquo;), das seit der urspr&uuml;nglichen Gestaltung des Gro&szlig;en Siegels der Vereinigten Staaten das De-facto-Motto gewesen war. Die Urspr&uuml;nge von &bdquo;In God We Trust&ldquo; als politisches Motto liegen im amerikanischen B&uuml;rgerkrieg, als Anh&auml;nger der Union ihre Verbundenheit mit Gott betonen und die Moral st&auml;rken wollten. Die gro&szlig;geschriebene Form &bdquo;IN GOD WE TRUST&ldquo; erschien erstmals 1864 auf der Zwei-Cent-M&uuml;nze und war anfangs nur auf M&uuml;nzen zu finden, wurde aber nach und nach von den Amerikanern akzeptiert. Ein im Juli 1955 durch eine gemeinsame Resolution des 84. Kongresses verabschiedetes und von Pr&auml;sident Dwight D. Eisenhower gebilligtes Gesetz schrieb vor, dass der Schriftzug <em>&bdquo;In God We Trust&ldquo;<\/em> fortan auf allen US-Banknoten erscheinen muss.<\/p><p>Apropos Exzeptionalismus oder Amerikas vermeintliche Einzigartig- oder Au&szlig;ergew&ouml;hnlichkeit: Dar&uuml;ber lie&szlig; sich der namhafte US-Historiker Howard Zinn im Jahre 2005 in einem bemerkenswerten Vortrag am <em>Massachusetts Institute of Technology (MIT) <\/em>aus, als er dazu u.a. mit Blick auf die Philippinen ausf&uuml;hrte:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Und dann nat&uuml;rlich der Einmarsch in die Philippinen und die Verbreitung der Zivilisation, wie McKinley sagte: &sbquo;Wir werden die Filipinos christianisieren und zivilisieren, denn wir sind anders, wir sind besser.&lsquo; Zur Zeit der Invasion der Philippinen gab der amerikanische Kriegsminister Elia Root eine Art klassische Erkl&auml;rung des amerikanischen Exzeptionalismus ab. Er sagte: &sbquo;Der amerikanische Soldat unterscheidet sich von allen anderen Soldaten aller anderen L&auml;nder seit Anbeginn der Welt. Er ist die Vorhut der Freiheit und Gerechtigkeit, von Recht und Ordnung sowie von Frieden und Gl&uuml;ck.&lsquo; Der amerikanische Soldat ist anders. Nat&uuml;rlich klingt das jetzt, genau jetzt, unmittelbar nach Abu Ghraib[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">****<\/a>], nach all diesen Enth&uuml;llungen, die jeden Tag &uuml;ber Folter und Gr&auml;ueltaten und so weiter ans Licht kommen &ndash; das klingt nicht richtig. Aber man k&ouml;nnte sagen: &sbquo;Nun, Root konnte Abu Ghraib nicht vorhersehen.&lsquo; Doch er musste es nicht vorhersehen, denn zu der Zeit, als er dies sagte, begingen die Vereinigten Staaten bereits Gr&auml;ueltaten und Massaker in den Philippinen durch amerikanische Soldaten, die sich angeblich so sehr von den weltweiten Soldaten unterscheiden.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Was tun, wenn der Kolonisator den Kolonialisierten mit dem Faktum konfrontiert, ausgerechnet seinen eigenen Unabh&auml;ngigkeitstag gleichzeitig als Geburtstag der &bdquo;Ex&ldquo;-Kolonie feierlich zu begehen? Der philippinische Unabh&auml;ngigkeitstag wurde von Pr&auml;sident <em>Diosdado Macapagal<\/em> (1961-65) durch die <em>Proklamation Nr. 28<\/em> vom 12. Mai 1962 offiziell vom 4. Juli auf den 12. Juni verlegt. Damit wurde der Feiertag neu ausgerichtet, um die Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung von Spanien aus dem Jahr 1898 anstatt das Datum der Unabh&auml;ngigkeit von den Vereinigten Staaten im Jahr 1946 zu w&uuml;rdigen. Von 1946 bis 1961 ward der Unabh&auml;ngigkeitstag am 4. Juli gefeiert, zeitgleich mit der amerikanischen Unabh&auml;ngigkeit. Macapagal erkl&auml;rte, dass der 12. Juni 1898 &ndash; als Emilio Aguinaldo in Kawit (in der s&uuml;dlich von Manila gelegenen Provinz Cavite) die Unabh&auml;ngigkeit proklamierte &ndash; die &bdquo;wahre Geburt&ldquo; der philippinischen Nation darstelle. Die &Auml;nderung wurde am 4. August 1964 gesetzlich besiegelt, als Pr&auml;sident Macapagal das <em>Gesetz Nr. 4166<\/em> unterzeichnete, das den 12. Juni offiziell zum philippinischen Unabh&auml;ngigkeitstag erkl&auml;rte. Mit der &Auml;nderung wurde der 4. Juli in <em>&bdquo;Tag der philippinisch-amerikanischen Freundschaft&ldquo;<\/em> umbenannt. Dieser Schritt sollte ein tieferes Nationalgef&uuml;hl f&ouml;rdern, indem der Fokus auf die philippinische Revolution gegen die Fremdherrschaft gelegt wurde anstatt auf das Datum, an dem Uncle Sam die &bdquo;Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; gew&auml;hrte.<\/p><p>Apropos &bdquo;wahre Geburt&ldquo; der philippinischen Nation. Just in Kawit (Cavite) versammelten sich progressive Aktivisten unter dem Banner des Linksb&uuml;ndnisses <em>Bagong Alyansang Makabayan (BAYAN) Southern Tagalog <\/em>am 12. Juni 2026, um auf ihre Art den 128. Jahrestag der Verk&uuml;ndung der Unabh&auml;ngigkeit des Landes durch Emilio Aguinaldo zu begehen.<\/p><p><em>&bdquo;Die Frage, die wir am 12. Juni stellen, ist einfach: Sind die Filipinos wirklich frei?&ldquo;<\/em>, fragte Lucky Oraller, der Sprecher des B&uuml;ndnisses. Die Antwort lieferte er selbst:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Mehr als ein Jahrhundert nach der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung der Philippinen kontrollieren Ausl&auml;nder und einige einflussreiche Familien nach wie vor die wichtigen Ressourcen und unsere Wirtschaft. Unabh&auml;ngigkeit bedeutet nicht, die Flagge zu schwenken. Echte Freiheit bedeutet Land f&uuml;r die Bauern, angemessene L&ouml;hne f&uuml;r die Arbeiter, einen w&uuml;rdigen Lebensunterhalt f&uuml;r die Fischer und die Achtung der Grundrechte des Volkes.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p><em><strong>Weiterf&uuml;hrende Lekt&uuml;re &amp; Links<\/strong><\/em><\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/John_Quincy_Adams\">wikipedia.org\/wiki\/John_Quincy_Adams<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/vor-120-jahren-als-hawaii-amerikanisch-wurde-100.html\">deutschlandfunk.de\/vor-120-jahren-als-hawaii-amerikanisch-wurde-100.html<\/a><\/li>\n<li>Executive Order | <em>The American Presidency Project<\/em> * <a href=\"https:\/\/www.presidency.ucsb.edu\/documents\/executive-order-132\">presidency.ucsb.edu\/documents\/executive-order-132<\/a><\/li>\n<li>\n<p>Sidita Kushi &amp; Monica Duffy Toft (2022):<em> <a href=\"https:\/\/phys.uri.edu\/~nigh\/MilitaryIntervention.pdf?ref=newintermag.com\">Introducing the Military Intervention Project: A New Dataset on US Military Interventions<\/a>, 1776&ndash;2019<\/em>\n<\/p><li>Tim McNeese (2021): <em>Time in the Wilderness: The Formative Years of John &ldquo;Black Jack&rdquo; Pershing in the American West. <\/em>Potomac Books: An imprint of the University of Nebraska Press<\/li>\n<li>Stuart Creighton Miller (1982): <em>Benevolent Assimilation: The American Conquest of the Philippines, 1899-1903.<\/em> New Haven, CT: Yale University Press<\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/direct.mit.edu\/isec\/article\/48\/2\/49\/118109\/The-Meddler-s-Trap-McKinley-the-Philippines-and\">The Meddler&rsquo;s Trap: McKinley, the Philippines, and the Difficulty of Letting Go<\/a> | International Security | MIT Press<\/em><\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/www.msc.edu.ph\/centennial\/mc981221.html\">Philippine History &ndash; Benevolent Assimilation Proclamation of President William McKinley<\/a> &ndash; Dec 21, 1898<\/em><\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/shec.ashp.cuny.edu\/items\/show\/878?ref=hir.harvard.edu\">President McKinley Puts the Philippines on the U.S. Map<\/a> &middot; SHEC: Resources for Teachers<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.archives.gov\/research\/military\/spanish-american-war\">archives.gov\/research\/military\/spanish-american-war<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.shafr.org\/primary-documents-and-history-united-states-foreign-relations\">shafr.org\/primary-documents-and-history-united-states-foreign-relations<\/a><\/li>\n<li>Angel Velasco Shaw &amp; Luis H. Francia (Eds. \/ 2002): <em>Vestiges of War: The Philippine-American War and the Aftermath of an Imperial Dream 1899-1999<\/em>. New York University Press<\/li>\n<li>Dr. Frank E. Vandiver (1963): <a href=\"http:\/\/www.worldwar1.com\/dbc\/pervandiver.htm\"><em>Pershing and the Anatomy of Leadership<\/em><\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.warcosts.org\/us-wars-list\">warcosts.org\/us-wars-list<\/a><\/li>\n<li>Rainer Werning\/J&ouml;rg Schwieger (Hrsg. * 2019): <a href=\"https:\/\/www.regiospectra.de\/buecher\/asien\/suedostasien\/philippinen\/handbuch-philippinen-detail\">regiospectra.de\/buecher\/asien\/suedostasien\/philippinen\/handbuch-philippinen-detail<\/a><\/li>\n<li>Rainer Werning\/J&ouml;rg Schwieger (Hrsg. * 2025): <a href=\"https:\/\/mediashop.at\/buecher\/von-marcos-zu-marcos\/\">mediashop.at\/buecher\/von-marcos-zu-marcos\/<\/a><\/li>\n<li>Philip Zelikow (2017): <em>Why Did America Cross the Pacific? Reconstructing the U.S. Decision to Take the Philippines, 1898-99.<\/em> Texas National Security Review: Volume 1, Issue 1 (December)<\/li>\n<li>Howard Zinn at MIT (2005):<em> <a href=\"https:\/\/www.howardzinn.org\/collection\/myth-american-exceptionalism-mit\/\">The Myth of American Exceptionalism<\/a><\/em><\/li>\n<li>Jim Zwick (2007): <em>Confronting Imperialism: Essays on Mark Twain and the Anti-Imperialist League.<\/em> West Conshohocken, PA: Infinity Publishing<\/li>\n<\/ul><p><small>Titelbild: TSViPhoto \/ Shutterstock<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Pikanterweise diente dieser General Ende der 1970er-Jahre als Namensgeber jener Raketen, die, zusammen mit <em>Cruise Missiles<\/em>, zur &bdquo;Nachr&uuml;stung&ldquo; in Westeuropa disloziert wurden, um die vermeintliche milit&auml;rische &Uuml;berlegenheit der Sowjetunion zu brechen. Der US-amerikanische Milit&auml;rhistoriker Frank E. Vandiver (1925-2005) war derma&szlig;en angetan vom Wirken des Generals, dass er Pershing als &bdquo;den gr&ouml;&szlig;ten Menschen seit Jesus Christus&ldquo; bezeichnete &ndash; siehe u.a. Rainer Werning (2016): <a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/politik\/welt\/der-groesste-mensch-seit-jesus-christus\/?highlight=rainer%20werning\"><em>&bdquo;Der gr&ouml;&szlig;te Mensch seit Jesus Christus&ldquo;<\/em><\/a>. Pershings Spitzname <em>&bdquo;Black Jack&ldquo;<\/em> r&uuml;hrte daher, dass die erste milit&auml;rische Einheit, die er kommandierte, aus Afroamerikanern bestand.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;**<\/a>] Die meisten Schriften oder Biographien &uuml;ber Mark Twain blenden seine aktive Zeit in der Liga einfach aus.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;***<\/a>] Das 2010 ins Leben gerufene und an der <em>Thomas J. Watson Jr. School of International and Public Affairs der Brown University<\/em> in Providence, der Hauptstadt des (kleinsten) US-Bundesstaates Rhode Island, angesiedelte Projekt <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/\"><em>&bdquo;Costs of War&ldquo;<\/em><\/a> st&uuml;tzt sich auf die Arbeit von &uuml;ber 70 Wissenschaftlern, Experten, Menschenrechtsaktivisten und &Auml;rzten aus aller Welt<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;****<\/a>] Das <em>Abu Ghraib<\/em>-Gef&auml;ngnis in Bagdad war ein ber&uuml;chtigter irakischer Haftkomplex, der w&auml;hrend der US-Besatzung des Landes ab 2003 weltweit bekannt wurde. US-Soldaten ver&uuml;bten dort systematisch schwere Folterungen, Misshandlungen und Dem&uuml;tigungen an irakischen Gefangenen, was durch sp&auml;ter ver&ouml;ffentlichte Beweisfotos f&uuml;r internationale Emp&ouml;rung sorgte.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor genau 250 Jahren, am 4. Juli 1776, verabschiedete der Zweite Kontinentalkongress die von Thomas Jefferson verfasste Erkl&auml;rung und vollzog damit die Unabh&auml;ngigkeit der USA von Britannien, was seitdem als <em>Independence Day<\/em> gefeiert wird. Just am selben Tag vor 80 Jahren, am 4. Juli 1946, gew&auml;hrten die USA ihrer einstigen und einzigen Kolonie in Asien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153271\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":153272,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,171],"tags":[2311,2986,1426,2529,2175,1792,304,1311,2840,2069,1971,1366,3415,2991,1556],"class_list":["post-153271","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-befreiungsbewegungen","tag-exzeptionalismus","tag-hegemonie","tag-imperialismus","tag-interventionspolitik","tag-kolonialismus","tag-kriegsverbrechen","tag-landgrabbing","tag-massenmord","tag-militaerstuetzpunkte","tag-philippinen","tag-reparationen","tag-staatliche-souveraenitaet","tag-unabhaengigkeitsbewegungen","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/shutterstock_2778906779.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153271"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153290,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153271\/revisions\/153290"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/153272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}