{"id":153350,"date":"2026-07-06T09:00:43","date_gmt":"2026-07-06T07:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153350"},"modified":"2026-07-06T10:37:50","modified_gmt":"2026-07-06T08:37:50","slug":"das-schweigen-um-die-reale-kriegsgefahr-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153350","title":{"rendered":"Das Schweigen um die reale Kriegsgefahr in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Zwei mit zunehmender Geschwindigkeit fahrende Z&uuml;ge rasen aufeinander zu: EU-Europa\/europ&auml;ische NATO-Staaten und Russland. Der Stellvertreterkrieg zwischen dem Westen und Russland &ndash; ausgefochten in der Ukraine um die Ukraine &ndash; droht zunehmend in einen direkten Krieg zu entgleiten. Die Lunten am Pulverfass sind vielf&auml;ltig &ndash; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151434\">im Ostseeraum<\/a>, aber auch zunehmend hinsichtlich der Angriffe der Ukraine weit in das russische Staatsgebiet hinein mit westlichen Waffensystemen, westlicher Zielaufkl&auml;rung und m&ouml;glicherweise auch westlicher Bedienung eben jener weitreichenden Waffensysteme. Die dr&uuml;ckende Frage lautet: Wie lange ist die russische F&uuml;hrung angesichts des wachsenden Drucks der sicherheitspolitischen Community in Russland, aber vor allem auch der russischen Gesellschaft noch bereit, diese Gegenangriffe hinzunehmen? Und warum diskutiert die deutsche &Ouml;ffentlichkeit diese Gefahren nicht hinreichend? Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDieser Beitrag stellt mitnichten eine Rechtfertigung des russischen Krieges in der Ukraine dar. Der russische Krieg ist v&ouml;lkerrechtlich eindeutig ein Angriffskrieg und somit rechtswidrig. Und selbstverst&auml;ndlich hat die Ukraine das nat&uuml;rliche Recht auf Selbstverteidigung und das ist auch in der UNO-Charta so verankert (Art. 51 UNO-Charta). Die Selbstverteidigungsma&szlig;nahmen d&uuml;rfen sich auf das Territorium des angreifenden Staates erstrecken &ndash; hier auch auf das Staatsgebiet der Russischen F&ouml;deration, um den Preis des Krieges f&uuml;r den Angreifer zu erh&ouml;hen &ndash; bestenfalls ihn inakzeptabel zu machen. In diesem Beitrag geht es aber nicht mehr um die latente, sondern um die bereits manifeste Gefahr, dass der Krieg aus dem Ruder l&auml;uft, dass der Westen und Russland in einen offenen Krieg schlittern. Und diese Gefahr soll in diesem Beitrag skizziert werden.<\/p><p><strong>Rechtliche Einordnung<\/strong><\/p><p>Wenn Drittstaaten &ndash; hier der Westen &ndash; sich in einem international bewaffneten Konflikt auf einer der Konfliktseiten &bdquo;engagieren&ldquo;, entstehen unterschiedliche Graustufen hin bis zum klaren Schwarz (des offenen Krieges) der milit&auml;rischen Partizipation: Wann wird der unterst&uuml;tzende Drittstaat selbst definitiv zur Kriegspartei? Im Folgenden werden Partizipationsformen skaliert:<\/p><ul>\n<li>Eine reine politische und diplomatische Parteinahme macht den Drittstaat m&ouml;glicherweise zur Konfliktpartei auf diplomatischer Ebene, indessen noch nicht zur Kriegspartei.<\/li>\n<li>Mit der Verh&auml;ngung von Sanktionen seitens der parteiergreifenden Drittstaaten gegen eine Kriegspartei wird der erste Schritt in den Krieg unterhalb der kinetischen Ebene, der Handels- und Wirtschaftskrieg, beschritten.<\/li>\n<\/ul><p>Mit der Lieferung von Waffensystemen an einen kriegsf&uuml;hrenden Staat wird die Einsch&auml;tzung des rechtlichen Status jedoch immer schwieriger: <\/p><ul>\n<li>Handelt es sich um vorwiegend defensive Waffen (Luftabwehr, panzerbrechende Waffen etc.) oder auch um Waffensysteme mit gro&szlig;er Reichweite, die in das Staatsgebiet der anderen Kriegspartei eindringen?<\/li>\n<li>Werden diese weitreichenden Waffensysteme g&auml;nzlich nur von Experten des kriegsf&uuml;hrenden Staates &ndash; hier der Ukraine &ndash; bedient oder k&ouml;nnen sie teilweise oder g&auml;nzlich nur von Experten des Drittstaates bedient werden? <\/li>\n<li>Werden Ziele im anderen kriegsf&uuml;hrenden Staat &ndash; hier Russland &ndash; &bdquo;nur&ldquo; durch Aufkl&auml;rung identifiziert und diese Zielinformationen an die Ukraine &bdquo;blo&szlig;&ldquo; zur freien Nutzung weitergeleitet oder werden die Zielinformationen zu Zielkoordinaten in die weitreichenden Waffensysteme durch westliche Experten programmiert?<\/li>\n<li>Werden Angriffe auf von Drittstaaten identifizierte Ziele in Russland nur von der Ukraine bestimmt oder im &bdquo;engen Austausch&ldquo; mit Drittstaaten abgestimmt? <\/li>\n<\/ul><p>Diese Fragestellungen m&ouml;gen auf den ersten Blick wie Haarspalterei erscheinen, sind indessen essenziell f&uuml;r die Einordnung, ob es sich noch um einen Stellvertreterkrieg oder bereits um einen faktischen Krieg zwischen dem Westen und Russland handelt: Wenn westliche Waffen von ukrainischem Boden, mutma&szlig;lich programmiert von westlichen Experten, russische milit&auml;rische und zivile Infrastruktur in Russland angreifen und zerst&ouml;ren sowie Zivilisten t&ouml;ten &ndash; und das sogar in der Hauptstadt Moskau -, westliche S&ouml;ldner, Ausbilder und m&ouml;glicherweise Spezialkr&auml;fte in der Ukraine gegen die russische Armee wirken, dann bleiben nicht mehr allzu viele Interpretationsm&ouml;glichkeiten, dann ist es ein zwar noch nicht offizieller Krieg. Jedoch k&ouml;nnte man diese Handlungen als einen faktischen Krieg zwischen dem Westen und Russland qualifizieren: Es sieht aus wie eine Ente, es quakt wie eine Ente, also ist es eine Ente.<\/p><p>Die rechtlichen Einsch&auml;tzungen &uuml;ber die Qualit&auml;t dieses Konflikts m&uuml;ssen in Moskau nicht mit den Einsch&auml;tzungen in den westlichen Hauptst&auml;dten identisch sein.<\/p><p><strong>Russlands (Gegen-)Schlag und westliche (Fehl-)Perzeptionen<\/strong><\/p><p>Es obliegt Moskau, ab welchem Punkt Russland den Stellvertreterkrieg als direkten Krieg zwischen dem Westen und Russland qualifiziert, wann und welche milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen (konventionell oder nuklear) sie ergreifen. Nur zur Illustration: Wie lange w&uuml;rden die USA z&ouml;gern, solche Angriffe mit Waffen aus Russland oder Kuba auf US-Staatsgebiet zu beantworten? Die Antwort w&auml;re heftig. Und w&auml;hrend des Kalten Krieges hat es keine Seite gewagt, die andere Seite so herauszufordern. Die Sowjets haben es nicht gewagt, und die US-Amerikaner auch nicht &ndash; weil beiden Seiten die Konsequenzen bewusst waren &ndash; ein alles vernichtender Atomkrieg. Beide Seiten hatten ihre &bdquo;Spielwiesen&ldquo;, sei es Afghanistan, Vietnam etc. Aber ein Angriff auf das Staatsgebiet der anderen Supermacht oder auch nur auf dessen Milit&auml;rb&uuml;ndnis (NATO und Warschauer Pakt) waren undenkbar. Die &bdquo;MAD&ldquo; (&bdquo;Mutal Assured Destruction&ldquo; = &bdquo;gegenseitig gesicherte Vernichtung&ldquo;) funktionierte.<\/p><p>Warum geht man heute in der politischen Klasse des Westens und den massenmedialen Hofschranzen davon aus, Russland werde den Weg der Vergeltung nicht beschreiten? Welche Logik soll das sein, der sie anh&auml;ngen? Ist es eine rationale Logik oder nur ein gef&auml;hrliches Wunschdenken? Ist es der vermeintliche Schutz der NATO (Artikel 5)? Mit hoher Wahrscheinlichkeit tr&auml;gt der Artikel 5 noch dazu bei, dass Russland noch keine europ&auml;ischen Staaten f&uuml;r ihr &bdquo;Engagement&ldquo; in der Ukraine angegriffen hat &ndash; einmal davon abgesehen ist es ohnehin fraglich, ob Washington f&uuml;r die Europ&auml;er die nukleare Zerst&ouml;rung der USA riskieren w&uuml;rde. <\/p><p>Nun aber scheint es, dass &ndash; nachdem die sicherheitspolitische Community in Russland sich seit l&auml;ngerem so positioniert &ndash; auch bei Putin nach dem offiziellen Scheitern der Anchorage-Gespr&auml;che (Alaska) die Erkenntnis gereift ist, der Westen &ndash; einschlie&szlig;lich den USA &ndash; befinde sich im Krieg mit Russland. Damit bekommt der Konflikt eine neue, grundlegend andere Dimension: Es geht nun nicht mehr so sehr um die Ukraine, es geht um mehr. Es geht nun zunehmend um das Konfliktverh&auml;ltnis zwischen dem Westen und Russland direkt. Es geht um die Frage, welchen Status Russland k&uuml;nftig in der Weltpolitik noch haben wird und haben will, und sodann, welche Ma&szlig;nahmen das Land nun entsprechend beschreiten wird, um den Status als glaubhafte Nuklearmacht zu wahren oder gar wiederherzustellen. Ein Nichthandeln kann durchaus als eine strategische Niederlage Russlands betrachtet werden. <\/p><p>Was ist die logische milit&auml;rische Konsequenz? Entweder entscheidet sich die russische F&uuml;hrung, den Krieg zwischen dem Westen und Russland trotz aller Angriffe auf russisches Territorium ausschlie&szlig;lich auf ukrainischem und russischem Staatsgebiet fortzusetzen, bis die Kriegsziele in der Ukraine erreicht sind &ndash; also den in den Augen Russlands eigentlichen Kriegsgegner (den Westen) nicht auf dessen Territorium anzugreifen. Dies allerdings w&uuml;rde nur auf Kosten des nuklearen Supermachtstatus gehen. Eine Nuklearmacht, die sich auf ihrem Territorium fortgesetzt angreifen l&auml;sst, ohne die nukleare Karte zu zeigen, b&uuml;&szlig;t ihre nukleare Abschreckung ein. Denn diese funktioniert nur, wenn sie glaubw&uuml;rdig ist. <\/p><p>Russland hat 2024 die Nukleardoktrin (<em>&bdquo;GRUNDLAGEN der staatlichen Politik der Russischen F&ouml;deration zu Nuklearen Abschreckung&ldquo;<\/em>) aktualisiert und versch&auml;rft, um dem Westen die Roten Linien nochmals aufzuzeigen. Die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125274\">dort aufgef&uuml;hrten Roten Linien<\/a> sind durch die westliche Ukraine-Unterst&uuml;tzung bereits in Teilen wieder Geschichte &ndash; die Glaubw&uuml;rdigkeit wieder untergraben. Der Preis des Nichthandelns ist f&uuml;r Russland hoch: Die nukleare Abschreckungspolitik verkommt zur Karikatur. Russland w&auml;re sodann keine glaubw&uuml;rdige Nuklearmacht mehr. Der Preis stiege weiter, betrachtet man die Sekund&auml;rkonsequenzen: Potentielle Verb&uuml;ndete k&ouml;nnten sich abwenden (siehe Armenien), da sie Russland als glaubw&uuml;rdiger Schutzmacht nicht mehr vertrauten: Wenn Russland sich nicht selbst effektiv verteidige, wie soll es denn seine Verb&uuml;ndeten verteidigen, so die logische Fragestellung. Und auch innenpolitisch schw&auml;nde das Vertrauen der Gesellschaft in die Schutzf&auml;higkeiten ihres Staates. Der wachsende Druck auf Putin ist un&uuml;bersehbar. Seine Zustimmungswerte sinken, wenn auch moderat, <a href=\"https:\/\/x.com\/gerhard_mangott\/status\/2073027553132986515\">aber die Tendenz ist erkennbar<\/a>.<\/p><p>Wenn der Preis f&uuml;r die Fortsetzung des bisherigen Kurses in den Augen der russischen F&uuml;hrung h&ouml;her zu werden scheint als der Preis f&uuml;r zun&auml;chst selektive Schl&auml;ge auf westliche Unterst&uuml;tzerstaaten, um die russische Abschreckung im Sinne des russischen Sicherheitsexperten Karaganov wiederherzustellen, dann wird der Weg des offenen Krieges gegen den Westen beschritten &ndash; also der ukrainische Kriegsraum auf Europa erweitert in der Hoffnung, mit dem gro&szlig;en Hammer den Krieg f&uuml;r sich zu entscheiden, ohne dass es zum nuklearen Armageddon mit den USA kommt. W&uuml;rden die USA an der Stelle Russlands anders handeln &ndash; wohl nicht. <\/p><p>Und hier kommt die mangelnde Vernunft auch westlicher Politikentscheider zum Tragen: Sie verstehen nicht oder wollen nicht verstehen, dass sie bei allen Unterst&uuml;tzungsw&uuml;nschen gegen&uuml;ber der Ukraine diese letzten Roten Linien Russlands nicht &uuml;berschreiten d&uuml;rfen, damit die russische F&uuml;hrung nicht in die Ecke gedr&auml;ngt wird und als vermeintlichen Befreiungsschlag Europa angreift. Denn es geht, wie bereits erw&auml;hnt, hierbei nicht mehr um die Ukraine, sondern um Russlands Selbstverst&auml;ndnis als nukleare Supermacht.<\/p><p><strong>Seltsame Stille in der westlichen und deutschen &Ouml;ffentlichkeit<\/strong><\/p><p>In der westlichen und deutschen &Ouml;ffentlichkeit herrscht eine seltsame Stille, wenn es darum geht, dass der Krieg ganz konkret nach Europa auszugreifen droht. Kanzler Merz, Verteidigungsminister Pistorius &ndash; angeblich der beliebteste Politiker im Lande &ndash; und der eine oder andere Bundeswehroffizier &auml;u&szlig;ern sich in einer Form, die nicht deeskalierend wirkt. Aus der deutschen Gesellschaft ist angesichts des Ernstes der Lage erstaunlich wenig Protest bis auf die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen (Friedensbewegung) zu vernehmen. Im Gegenteil &ndash; Kirchen, Gewerkschaften, Kulturschaffende, sogenannte NGOs &ndash; allesamt sind sie passiv oder unterst&uuml;tzen gar den eingeschlagenen fatalen Weg in die Einbahnstra&szlig;e Richtung Krieg. Ganz so, als g&auml;be es keine Furcht mehr vor dem Krieg, keine Furcht mehr vor einem alles vernichtenden Atomkrieg. <\/p><p>Und die Mainstreammedien? Nicht nur ein Totalversagen, sondern sie wirken bisweilen sogar als Brandbeschleuniger &ndash; ganz so, als w&uuml;rde der Krieg sie nicht auch erreichen, sondern nur die Soldaten, das Kanonenfutter, an der Front. Dies w&auml;re eine gewaltige Fehleinsch&auml;tzung der medialen Hofschranzen. Denn ein Krieg zwischen dem Westen und Russland wird weder ein Stellungs-, noch ein Bewegungskrieg im klassischen Sinne sein. Weder werden russische Soldaten nach Deutschland vordringen &ndash; allenfalls in das Baltikum und in die Suwalki-L&uuml;cke &ndash; noch werden deutsche\/westliche Soldaten russischen Boden betreten. Angesichts der &Auml;u&szlig;erungen russischer Experten und Politiker ist es naheliegender, dass Russland zun&auml;chst mit konventionell best&uuml;ckten weitreichenden Waffensystemen deutsche R&uuml;stungsunternehmen angreifen w&uuml;rde. Diese Angriffe sind skalierbar: Weitere Angriffe auf politische Entscheidungszentren, milit&auml;rische, logistische und zivile Infrastruktur und letztlich sogar mit Nuklearwaffen. Die in Russland f&uuml;hrenden Sicherheitsexperten D. Trenin und S. Karaganov haben in ihrem Werk &bdquo;<em>Von der passiven zur aktiven Abschreckung<\/em>&ldquo; aus dem Jahr 2024 die &bdquo;notwendigen&ldquo; milit&auml;rischen Eskalationsschritte beschrieben: <\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>F&uuml;hren von Schl&auml;gen mit nicht-nuklearer Munition zun&auml;chst auf milit&auml;rische und logistische Ziele in L&auml;ndern, die den Krieg gegen Russland aktiv unterst&uuml;tzen, und dann auf symbolische politische Ziele wie Regierungsgeb&auml;ude und Parlamente. Diese Schritte sollten von deutlichen Hinweisen darauf begleitet sein, dass auf eine ,Antwort&acute; die nukleare Vergeltung folgt.<\/em>&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Befanden sich beide Sicherheitsexperten, insbesondere Karaganov, 2024 mit ihrer falkenhaften Position noch in der Minderheit, so verk&ouml;rpern sie nun die Mehrheitsmeinung in der sicherheitspolitischen Community &ndash; und was noch schwerer wiegt, wohl auch in der russischen Gesellschaft.<\/p><p>Sollten diese Ma&szlig;nahmen tats&auml;chlich umgesetzt werden, so w&uuml;rde aus der NATO-Logistikdrehscheibe Deutschland die Zielscheibe Deutschland. Was die deutsche Politik und die Bundeswehrf&uuml;hrung vor Jahren veranlasst haben mag, sich mit stolzgeschwellter Brust zur NATO-Logistikdrehscheibe zu erkl&auml;ren, ist mit rationalem Verstand kaum nachzuvollziehen. Glauben diese Entscheider wirklich, die Russen w&uuml;rden warten, bis Hunderttausende NATO-Soldaten und Material durch Deutschland an die Ostfront gekarrt w&uuml;rden? Glauben diese Entscheider wirklich, sie w&uuml;rden damit Deutschland und seinen 83 Millionen Einwohnern dienen &ndash; als priorit&auml;re Zielscheibe?<\/p><p>Diese Bedrohung ist harte Realit&auml;t und sie ist nah, n&auml;her als der deutsche Michel denkt. Dass er nicht realit&auml;tsn&auml;her denkt, daf&uuml;r sorgen die Mainstreammedien, die die Tragweite eines offenen Krieges mit Russland aus Ignoranz oder ideologischer Verbohrtheit nicht thematisieren, damit eine umfassende gesellschaftliche Diskussion verhindern, sondern stattdessen von einem m&ouml;glichen Sieg der Ukraine schwadronieren. Diese Kriegsgefahr ist die blanke Tatsache, die die Menschen in Deutschland verstehen m&uuml;ssen. Der ehemalige milit&auml;rische Berater von Altkanzlerin Merkel, Erich Vad, hat ein solches Szenario sehr anschaulich in seinem Buch &bdquo;<em>Ernstfall f&uuml;r Deutschland<\/em>&ldquo; illustriert.<\/p><p><strong>Nachwort<\/strong><\/p><p><strong>Ukrainische Erfolge, Wende im Krieg oder eine Fata Morgana?<\/strong><\/p><p>Die zunehmenden, auch erfolgreichen ukrainischen Angriffe auf die russische Energie- und Milit&auml;rinfrastruktur f&uuml;hren im Energiesektor zu Engp&auml;ssen. Es wird davon berichtet, Benzin und Diesel w&uuml;rden je nach russischer Region zur Mangelware f&uuml;r die B&uuml;rger. Damit wird der Krieg sp&uuml;rbar nach Russland ausgeweitet. Ziel ist es, die russische Gesellschaft gegen ihre Regierung aufzubringen und den Krieg zu beenden. Und tats&auml;chlich w&auml;chst der Unmut gegen den Kreml, aber nicht, weil die russische Regierung den Krieg fortf&uuml;hrt, sondern weil Pr&auml;sident Putin nach Ansicht von &ndash; nicht nur russischen &ndash; Milit&auml;rexperten und wachsenden Teilen der Gesellschaft weit hinter den M&ouml;glichkeiten russischer milit&auml;rischer F&auml;higkeiten zur&uuml;ckbleibe. In den Telegram-Kan&auml;len tobt die Diskussion: Warum m&uuml;ssen russische Soldaten oder Zivilisten sterben, wenn das eigene Milit&auml;r doch &uuml;ber ganz andere F&auml;higkeiten verf&uuml;ge? Mit diesen Kritiken ist Putin zunehmend konfrontiert &ndash; der Druck auf ihn wird erh&ouml;ht.<\/p><p>Im Westen schwadronieren einige &bdquo;Experten&ldquo; angesichts der Energieengp&auml;sse von einer Wende im Krieg &ndash; die Ukraine k&ouml;nne den Krieg doch noch gewinnen. Dabei verschweigen diese &bdquo;Experten&ldquo;, dass die Angriffe auf die Energieinfrastruktur zwar &ouml;konomisch schmerzhaft f&uuml;r Russland sind, jedoch keine strategische Wende des Krieges herbeif&uuml;hren werden, da die russische Armee auf dem unmittelbaren Schlachtfeld stetig vorr&uuml;ckt und auch wichtige strategische Gewinne macht. Auf der einen Seiten r&uuml;cken die russischen Streitkr&auml;fte faktisch weiter vor, auf der anderen Seite erkl&auml;ren uns die Mainstreammedien, Teile der politischen Klasse und Talkshow-&bdquo;Experten&ldquo;, Russland werde schw&auml;cher, Russlands Niederlage komme n&auml;her etc. <\/p><p>Was erkl&auml;rt die gravierende L&uuml;cke oder gar den Widerspruch zwischen den Realit&auml;ten auf dem Schlachtfeld und den westlichen Narrativen? Es mag bei einigen Journalisten und in Teilen der politischen Klasse einfach die Unkenntnis oder ein Wunschdenken sein. Andere hingegen konstruieren dieses Narrativ der &Ouml;ffentlichkeit gegen&uuml;ber, da nur so die Fortsetzung der milliardenschweren Finanzierung der Ukraine, des Engagements des Westens f&uuml;r die Ukraine und die massiven Aufr&uuml;stungsprojekte der Streitkr&auml;fte der NATO- und EU-Staaten dem heimischen Michel verkauft werden k&ouml;nnen. Es geht darum, die gesellschaftliche Duldung des eingeschlagenen Weges aufrechtzuerhalten: Wenn nun die Ukraine nach langem Kampf den Krieg doch noch f&uuml;r sich entscheiden k&ouml;nnte, darf die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r sie nicht nachlassen, so die dahinterstehende Botschaft, w&auml;hrend in anderen Politikbereichen der Rotstift angesetzt wird.<\/p><p>Nur irgendwann ist die L&uuml;cke zwischen der Realit&auml;t und dem kontrafaktischen Narrativ nicht mehr zu &uuml;berdecken.<\/p><p><small>Titelbild: Alones\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/0d1ed90230c24f278f9282511f08a137\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei mit zunehmender Geschwindigkeit fahrende Z&uuml;ge rasen aufeinander zu: EU-Europa\/europ&auml;ische NATO-Staaten und Russland. 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