{"id":153362,"date":"2026-07-06T10:00:38","date_gmt":"2026-07-06T08:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153362"},"modified":"2026-07-06T10:44:36","modified_gmt":"2026-07-06T08:44:36","slug":"leserbriefe-zu-deutschland-in-der-selbstfindungskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153362","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201eDeutschland in der Selbstfindungskrise\u201c"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><br>\nImperien steigen auf und gehen auch wieder unter, so zeigt es die Geschichte &ndash; nun zu beobachten in Deutschland. Nach dem 2. Weltkrieg bl&uuml;hte Deutschland wieder auf: Wiederaufbau; soziale Aufstiegsperspektiven; gute gesellschaftliche Einbettung auch &auml;rmerer Schichten, denn &bdquo;die alten Eliten konnten dies nicht allein stemmen, weshalb die gesellschaftlichen Strukturen durchl&auml;ssiger wurden&ldquo;; &bdquo;preiswerte Energie und keine machtpolitischen Ambitionen&ldquo;. &bdquo;Wir waren ein Volk der guten Nachbarn, das sich &ndash; zumindest f&uuml;r deutsche Ma&szlig;st&auml;be &ndash; harmonisch in das Weltgeschehen einf&uuml;gte.&ldquo; Heute sind all diese Errungenschaften erkennbar im Abstieg begriffen: &bdquo;eine ges&auml;ttigte Gesellschaft, in der es vor allem darum geht, Privilegien und Pfr&uuml;nde gegen Aufsteiger zu verteidigen&ldquo;, verhindert eine vern&uuml;nftige, f&uuml;r alle B&uuml;rger gedeihliche Politik. Im weltweiten Vergleich ist Deutschland inzwischen nicht mehr &bdquo;Weltmeister&ldquo; sondern ganz normales Mittelma&szlig;. Die Kluft zwischen Selbstbild und Realit&auml;t w&auml;chst. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153159\">In seinem Essay<\/a> geht <strong>Jens Berger<\/strong> der Frage nach, warum sich Deutschland in einer Selbstfindungskrise befindet. Als Metapher dient der Fu&szlig;ball: Deutschland reist als &bdquo;Favorit&ldquo; zur WM in die USA, scheidet jedoch gegen Underdogs aus und erkennt den Wandel nicht. Um aus dieser Selbstfindungskrise herauszukommen, m&uuml;sste sich nach Meinung des Autors unser Land n&uuml;chtern als globales Mittelma&szlig; annehmen, statt Macht- und Anspruchsphantasien zu pflegen. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. K&uuml;rzungen aus redaktionellen Gr&uuml;nden bleiben vorbehalten. Wir danken unseren Leserinnen und Lesern f&uuml;r die interessanten Zuschriften, eine Auswahl hat <strong>Ala Goldbrunner<\/strong> f&uuml;r Sie zusammengestellt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<br>\nDeutschland mittelm&auml;&szlig;ig? W&auml;re ja sch&ouml;n wenn das so w&auml;re. Und wenn sich das Land (von &ldquo;wir&rdquo; will ich gar nicht mehr reden) dann auf das Wesentliche besinnen k&ouml;nnte, k&ouml;nnte es ein &ldquo;Volk der guten Nachbarn&rdquo; sein und mit dem Aufbau der wichtigen Dingen beginnen. Ist ja inzwischen alles kaputt im Land.<\/p><p>Aber das Land befindet sich in einem rasanten Abstieg. Und sich da &uuml;ber die &ldquo;Mitte&rdquo; zu freuen, ist etwa so wie der Mann, der aus dem 120. Stock f&auml;llt und beim 60. denkt &ldquo;bis jetzt ist alles gut gegangen&rdquo;. Die wesentliche Frage scheint mir nicht der Platz auf einer Werteskala zu sein, sondern die Frage, wie hart der Aufprall sein wird.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn in 50 Jahren meine Enkel auswandern und als Kellner in einem deutschen Brauhaus in Shanghai arbeiten m&uuml;ssen, dann ist das vor allem eins: Historische Gerechtigkeit&rdquo;.<\/p><\/blockquote><p>Vor etwa 25 Jahren war meine Prognose, angesichts der Zust&auml;nde in den Unis und der Industrie: In 50 Jahren wird der deutsche Ingenieur Chinesische Touristen mit der Fahrradrikscha zur Lorelei kutschieren. Und es ist bald soweit. Wenn man sich die aktuellen Verhandlungen in Sachen Wirtschaft zwischen EU mit China anschaut, dann &auml;hnelt das eher einem verzweifelten Abwehrkampf, als einer Kooperation auf Augenh&ouml;he (von EU-Seite, versteht sich).<\/p><blockquote><p>&ldquo;Der Traum vom Aufstieg war real. Wer sich anstrengte, wurde belohnt. Eine solche Aufstiegsgesellschaft &hellip;&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Das war das Zeitfenster etwa zwischen 1968 und 1978, die Endphase des Aufbaus der Industrie nach WK-II. Jetzt ist die Klassengesellschaft zur&uuml;ck. Und wenn ich die Deutsche Geschichte anschaue, &uuml;ber Jahrhunderte, dann scheint es mir die Klassengesellschaft zu sein, die den ewigen Geist der &ldquo;deutschen Seele&rdquo; ausmacht. Heinrichs Manns &ldquo;Der Untertan&rdquo; ist immer noch aktuell. Blo&szlig; nicht daran r&uuml;tteln, sonst schallt es von allen Seiten &ldquo;Kommunist!&rdquo;<\/p><p>Der Zustand der derzeitigen Deutschen Gesellschaft ist aktuell am besten beschrieben in Hans-Joachim Maaz&rsquo; Buch &ldquo;Die narzisstische Gesellschaft&rdquo;. Und damit geht die Entwicklung leider nicht in Richtung Besinnung, Vernunft, Ausgleich und Wiederaufbau, sondern in Wahnsinn und Niedergang.<\/p><p>Gewisse Lichtblicke gibt es, wie die 299.500 von 300.000, die den Aufruf zum Milit&auml;rdienst negativ beantwortet haben. Aber von Abwehr gegen das Schlimmste bis zur Besinnung auf eine positive Perspektive, ist noch ein weiter Weg.<\/p><p>Beste Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nRolf Henze<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr gesch&auml;tzter Jens Berger,<\/p><p>danke f&uuml;r Ihren Artikel, von dem ich mich jedoch hin- und hergerissen f&uuml;hle!<\/p><p>Ich stimme Ihnen voll und ganz zu was das &ldquo;Mittelma&szlig;&rdquo; betrifft und das man sich darin gut einrichten und gut leben kann &ndash; auch die diesbez&uuml;gliche zutreffende Metapher zum derzeitigen deutschen Fu&szlig;ball ist darin einzubeziehen.<\/p><p>In nachfolgendem Textauszug sehe ich jedoch einen Widerspruch:<\/p><blockquote><p>&ldquo;Wir m&uuml;ssen nicht Weltmeister sein. Weder im Fu&szlig;ball, noch in der Wirtschaft. Deutschland ist im globalen Ma&szlig;stab ein mittelm&auml;&szlig;iges Land. Da k&ouml;nnen wir Bundestrainer und Bundeskanzler austauschen so viel wir wollen &ndash; daran &auml;ndern wird sich nichts. Auch Finnland, D&auml;nemark und Island sind in den Ma&szlig;st&auml;ben, in denen wir gerne denken, nur mittelm&auml;&szlig;ig. Anders als Deutschland haben diese L&auml;nder jedoch auch gar nicht den Anspruch, machtpolitisch oder wirtschaftlich in der Champions League mitzuspielen. Vielleicht ist das ja das Rezept, um mit sich selbst ins Reine zu kommen?&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Sie haben zwar meiner Meinung nach recht damit das wir die Mittelm&auml;&szlig;igkeit sowohl im Fu&szlig;ball wie auch in der Wirtschaft nicht eklatant durch den Tausch von Bundestrainer und Bundeskanzler ver&auml;ndern k&ouml;nnen. Doch die derzeitige (globalistische) Politik von DieLinke &uuml;ber Gr&uuml;ne, SPD, CDU\/CSU und FDP verhindert aus meiner Sicht das sich die Bev&ouml;lkerung in diesem Mittelma&szlig; gut einrichten und gut leben kann. Und zwar genau wegen dem verfolgten &ndash; in meinen Augen realit&auml;tsfernen &ndash; Anspruch machtpolitisch oder wirtschaftlich in der Champions League (zu Lasten der Bev&ouml;lkerung) mitspielen zu wollen. Beispiele hierf&uuml;r sind meiner Meinung nach nicht zuletzt deren innenpolitische (z.B. Sozial- od. Krisenpolitik) sowie deren au&szlig;enpolitische Konfrontationspolitik (insbesondere hinsichtlich Russland und China).<\/p><p>Insofern behaupte ich, dass ein Politikwechsel weg von der globalistischen Agenda erst die M&ouml;glichkeiten\/Vorraussetzungen schaffen w&uuml;rde\/k&ouml;nnte, dass sich die deutsche Bev&ouml;lkerung im Mittelma&szlig; gut einrichten und gut leben kann &ndash; was bisher aus meiner Sicht bewu&szlig;t verhindert wird.<\/p><p>Soweit die spontane kritische Reaktion von mir auf Ihren Essay, das jedoch auch aus meiner Sicht ohne Frage grunds&auml;tzlich in die richtige\/eine gute Richtung zielt.<\/p><p>Herzliche Gr&uuml;&szlig;e<br>\nAndreas Rommel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Liebe Nachdenkseiten,<\/p><p>sehr geehrter Herr Berger, <\/p><p>Leider kommen Sie in Ihrem Artikel nicht darauf zu sprechen, dass es den Deutschen wohl erst mal erheblich besser ginge, wenn die Reichen nicht stetig reicher w&uuml;rden und die Armen nicht stetig &auml;rmer. Und wenn die Sozialsysteme nicht infolge einer gr&ouml;ssenwahnsinnigen, geschichtsvergessenen und v&ouml;llig verantwortungslosen Hochr&uuml;stung und auch der trotzigen und h&ouml;chst gef&auml;hrlichen milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung der Ukraine massiv beschnitten w&uuml;rden. <\/p><p>Und ist es nicht vielleicht so, dass die Menschen in D&auml;nemark, Finnland oder Island schlicht bessere Sozialsysteme haben?<\/p><p>Beste Gr&uuml;sse, Susanne Holz<\/p><p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong><\/em><br>\n<em>Liebe Frau Holz,<\/em><\/p><p><em>was genau diese L&auml;nder von Deutschland unterscheidet, w&uuml;rde sich als Thema f&uuml;r einen weiteren Artikel lohnen. Teils m&uuml;sste ich da recherchieren, da ich &uuml;ber das isl&auml;ndische Sozialsystem so gut wie nichts wei&szlig;. D&auml;nemark hat zweifelsohne ein besseres Sozialsystem und Finnland hat eines der besten und gerechtesten Bildungssysteme. Der Hintergrund ist &uuml;brigens interessant. Traditionell war Finnland ja vor allem f&uuml;r seine Holzwirtschaft und Papierindustrie bekannt &ndash; selbst Nokia war urspr&uuml;nglich ein Papierhersteller. Irgendwann in 1970ern erkannte man, dass man mit der diesem alten Wirtschaftsmodell nicht zukunftssicher ist und setze alles auf ein breites Bildungssystem und High Technology. Heute ist Finnland eins der modernsten L&auml;nder der Welt. <\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Berger,<\/p><p>Liebe NDS-Redaktion,<\/p><p>&ldquo;es hat sich ausgeexportweltmeister&rdquo; &ndash; na, Gott sei Dank, den Titel Exportweltmeister muss man sich vom Munde absparen, bzw. er wird den abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten vom Munde abgespart. (karge L&ouml;hne, sp&auml;ter schmale Renten &ndash; deutsche Wirtschaft will offensichtlich dahin zur&uuml;ck).<\/p><p>Unser Bildungssystem ist aber immer noch so gut, dass wir nach den USA, GB und Australien die meisten ausl&auml;ndischen Studenten haben. Immerhin.<\/p><p>D&auml;nemark war &uuml;brigens schon 1992 Fu&szlig;ball-Europameister &ndash; hat gegen Deutschland (damals amtierender Weltmeister) gewonnen. Oder Griechenland, nach taktischer Meisterleistung von Trainer Rehagel in der Defensive. Gegen die Betonwand waren die Portugiesen ratlos.<\/p><p>Ansonsten verstr&ouml;mt die WM (und unsere Mannschaft der 11 Million&auml;re) keine gro&szlig;e Begeisterung hier im Land &ndash; Show, Pomp, Big Money, zus&auml;tzliche Trinkpausen f&uuml;r Werbespots, Videobeweis &ndash; je gr&ouml;&szlig;er die Perfektion, desto langweiliger. F&uuml;r mich jedenfalls.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e<\/p><p>Michael Wrazidlo<\/p><p><em><strong>Anmerkung Jens Berger:<\/strong><\/em><br>\n<em>Lieber Herr Wrazidlo,<\/em><\/p><p><em>1992 ist ein tolles Beispiel. W&auml;hrend Deutschland als amtierender Weltmeister mit den Spr&uuml;chen des Fu&szlig;ball-Gro&szlig;kotzes Franz Beckenbauer im R&uuml;cken (&bdquo;Wir werden f&uuml;r viele Jahre nun unschlagbar sein&ldquo;) und zum ersten Mal mit den DDR-Stars bis an die Unterkante ideologisch aufgeladen als haushoher Favorit aufmarschierte, kamen die D&auml;nen frisch aus dem Urlaub. Sie waren ja nur dabei, weil Jugoslawien wegen des Kriegs kurzfristig zur&uuml;ckziehen musste bzw. zur&uuml;ckgezogen wurde. Verbissene Gro&szlig;mannssucht hier, lockere Bescheidenheit dort &ndash; der Rest ist (Fu&szlig;ball)-Geschichte.<\/em><\/p><p><em>Beste Gr&uuml;&szlig;e<\/em><br>\n<em>Jens Berger<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Berger,<\/p><p>das k&ouml;nnen Sie nicht ernst meinen. Deutschland mit Finnland oder D&auml;nemark vergleichen. Wo k&auml;men wir denn da hin! Deutschland in der Selbstfindungskrise, l&auml;cherlich. Es mag sein, da&szlig; wir unseren Platz in der Welt nicht mehr finden, f&uuml;r unsere Rolle haben wir uns allerdings l&auml;ngst entschieden. Die des ewigen Besserwissers, des Moralapostels und Blockwarts, der auch gern mal anderen die Instrumente zeigt. Nein, da ist jede Hoffnung vergebens.<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nJ&uuml;rgen Keller<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Berger,<\/p><p>sehr geehrte Nachdenken-Redaktion,<\/p><p>vielen Dank f&uuml;r Ihren Artikel &laquo;Deutschland in der Selbstfindungskrise&raquo;<\/p><p>[1].Zwei Aussagen dieses Artikels haben mich motiviert, eine Bemerkung zu schreiben:<\/p><p>(a) &bdquo;k&ouml;nnten wir uns ja endlich damit besch&auml;ftigen, die wirklich wichtigen Dinge anzupacken.&ldquo; und<\/p><p>(b) &bdquo;Das alles schaffen wir aber nur, wenn wir lernen, dass Gr&ouml;&szlig;e nicht alles ist&ldquo;<\/p><p>Zu (a): was ist uns &uuml;berhaupt wirklich wichtig, warum folgenden wir dem &laquo;Wichtigen&raquo; nicht jetzt, tun alles, um es zu verwirklichen? M&uuml;ssen wir es vielleicht erst wieder finden und wenn ja, wie?<\/p><p>Zu (b): warum orientieren wir uns &uuml;berhaupt an Gr&ouml;&szlig;e, und woran orientieren wir uns dabei gleichzeitig nicht?<\/p><p>Ich glaube Selbstentfremdung ist eines der zentralenThemen hierbei.<\/p><p>Unter Selbstentfremdung verstehe ich, vereinfacht beschrieben, einen Zustand, in dem der Mensch nicht aus &bdquo;inneren&ldquo; Bed&uuml;rfnissen heraus sein Leben aktiv gestaltet, sondern seine Handlungsalternativen oftmals von Au&szlig;en steuern l&auml;sst. Der so vom Au&szlig;en &bdquo;gesteuerte&ldquo; Mensch ist vom Konsum gepr&auml;gt, der weit &uuml;ber die &bdquo;inneren&ldquo; Bed&uuml;rfnisse hinaus geht, sich dadurch allerdings auch den Tag versch&ouml;nert, das Leben angenehmer macht oder einfacher machen kann. Dazu z&auml;hlen bspw. der Kauf von Produkten, die w&ouml;chentlichen Events, die den Kalender f&uuml;llen, die kommunizierten Ma&szlig;st&auml;be (welche Kleidung ist gerade en vogue, wie bewertet &bdquo;man&ldquo; gerade dieses oder jenes, was sollte &bdquo;man&ldquo; tun\/unterlassen usw.).<\/p><p>Zum Konsum z&auml;hle ich auch die reine Aufnahme von Nachrichten. Aufnahme und Wiedergabe erlauben, &uuml;ber die derzeit angesagten Themen und Meinungen mitzureden und damit u. a. auch am sozialen Miteinander teilzunehmen. Dies bedient zwar das innere Bed&uuml;rfnis der Neugierde, nicht jedoch das Streben nach Wahrheit. Denn letzteres w&uuml;rde bedeuten, dass ein eigenes Verst&auml;ndnis der jeweiligen Thematik erarbeitet und die Nachricht mitsamt ihren Gegendarstellungen in das eigene, Puzzle eingeordnet wird, was &uuml;ber die reine Aufnahme weit hinaus geht. Dieses Hinterfragen kostet viel Zeit, denn es muss auch die Logik der Gegendarstellungen nachvollziehen und diskutieren k&ouml;nnen. Es verlangt auch ein sehr hohes Ma&szlig; an Offenheit ab, da in letzter Konsequenz die urspr&uuml;ngliche Nachricht und vielleicht sogar das eigene Weltbild pl&ouml;tzlich anders gesehen werden kann. In so einem Raum w&auml;re kein Platz f&uuml;r spaltendes Links\/Rechts\/Querdenker\/Putinversteher und &auml;hnlichen Begriffen (die &uuml;brigens ebenfalls von Au&szlig;en kommen).<\/p><p>Mit dem sehr knapp gehaltenen Gesagten halte ich Punkt (b) f&uuml;r erkl&auml;rbar: wir orientieren uns an bestimmte Gr&ouml;&szlig;en eben genau deswegen, da sie im Au&szlig;en mannigfaltig, in unterschiedlichsten Lebenskontexten, &ndash; situationen, auf verschiedenste Arten und Weisen und vielleicht auch nicht immer bewusst(!) pr&auml;sentiert werden und wir uns eben am Au&szlig;en stark orientieren. Das kann im Prinzip jede Person einfach f&uuml;r sich selbst feststellen. Wer in entsprechenden L&auml;ndern zu Besuch war kann sehr schnell erkennen, wie unglaublich viele Konsumg&uuml;ter\/Gadgets wir daheim haben und immer noch nicht ges&auml;ttigt sind! Woher kommt dieser Drang? Woher kommt meine Vorstellung von Mode? Wieso &auml;u&szlig;ere ich mich derzeit nicht offen zu allen Themen? Usw.<\/p><p>Was Punkt (a), dem Anpacken der &bdquo;wirklich wichtigen Dinge&ldquo; angeht glaube ich, das wir diese &bdquo;wichtigen Dinge&ldquo; vermutlich gar nicht genau benennen k&ouml;nnen, denn dazu m&uuml;ssten wir von der enorm ausgepr&auml;gten Au&szlig;enorientierung wieder die Sicht auf unsere inneren, &bdquo;wirklich&ldquo; wichtigen Bed&uuml;rfnisse bekommen. Erst wenn wir diese Sicht bek&auml;men, denke ich, w&uuml;rden wir zu vielen Entwicklungen ein klares &bdquo;Nein!&ldquo; sagen und nicht nur murren, es beklagen oder Wegbegr&uuml;nden. Wir w&uuml;rden uns Zeit nehmen f&uuml;r die Themen, eben weil es uns ein inneres Bed&uuml;rfnis ist und es uns wichtig ist. So w&uuml;rden die schon seit Jahrzehnten andauernden und weiterhin versch&auml;rfenden Missst&auml;nde in Schulen und im Sozialen einen deutlicheren Gegenwind erfahren und nicht einfach nur nach Wahlen als Thema der Gew&auml;hlten gesehen werden. Ein tiefgr&uuml;ndigeres Besch&auml;ftigen mit Kriegen (und wir haben gerade genug &bdquo;Vorlagen&ldquo;) w&uuml;rde die Grausamkeiten, deren Konsequenzen und damit verbundene &Auml;ngste st&auml;rker hervorbringen und sich nicht auf Recht haben, Aufr&uuml;sten, Eskalieren und Weiterkonsumieren fokussieren. Vielleicht w&uuml;rde auch das Bed&uuml;rfnis des Gemeinsamen genauer gesehen werden. Das sch&ouml;ne Miteinander und Musizieren muss nicht allein in der Weihnachtszeit erfolgen, sondern k&ouml;nnte w&ouml;chentlich stattfinden. Das so praktizierte, liebenswerte Miteinander ben&ouml;tigt h&auml;ufig weniger Konsumprodukte, erweitert den Blick auf die eigene Gesellschaft (deren Ungleichheiten eingeschlossen) und Umgebung, st&auml;rkt Empathie und Liebe. Wie k&ouml;nnten &uuml;berhaupt die derzeitigen, politischen Entwicklungen stattfinden? Welche davon sind denn in unserem &bdquo;wirklichen&ldquo; Interesse. Wollen wir verarmen? Wollen wir uns tats&auml;chlich auf Krieg einlassen? Wollen wir uns digital ersetzen lassen? Wollen wir an Kranken und Schwachen sparen? Wollen wir sozialen Unfrieden riskieren? Eine Politik, die unsere wirklichen Interessen bedient w&uuml;rden von uns sogar unterst&uuml;tzt werden. Die derzeitige, politische Realit&auml;t f&auml;hrt genau in die Gegenrichtung und nimmt dabei auch noch Fahrt auf!<\/p><p>Daher vermute ich, dass wir uns die Erkennung des &bdquo;wirklich Wichtigen&ldquo; erarbeiten m&uuml;ssen. Das wiederum sehe ich alles andere als einfach, denn Selbstentfremdung erschwert, kann auch diesen Weg erschweren: regelm&auml;&szlig;ig sagt uns das Au&szlig;en, das wir &bdquo;medienkompetent&ldquo; seien, selbstbestimmt Leben sollten und das, wenn wir dies oder jenes nicht machen w&uuml;rden, ganz Schlimmes auf uns zukommen wird. Ich bin mir sicher, dass wir dies &uuml;berwinden k&ouml;nnen, denn als Kinder waren wir bereits in einer starken, inneren Orientierung und haben dies geliebt und lieben es, auch bei unseren Kinder zu sehen(*). Der Weg dorthin ist bestimmt nicht einfach, er erfordert unter anderem Offenheit, Liebe und Selbstliebe und auch den Vorzug des Lebens im Hier und Jetzt gegen&uuml;ber des denkbar Zuk&uuml;nftigen.<\/p><p>Tats&auml;chlich sehen ich die verschiedenen Krisen und auch den zunehmenden Einfluss der k&uuml;nstlichen Intelligenz auf Gesellschaft und Individuum durchaus auch als Chance, dass wir uns wohl m&ouml;glich eben durch diese Gegebenheiten zunehmend fragen, was uns wirklich wichtig ist.<\/p><p>Eine sch&ouml;ne Sommerzeit w&uuml;nscht<br>\nOliver Langer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103],"tags":[],"class_list":["post-153362","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153362"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153369,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153362\/revisions\/153369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}