{"id":153436,"date":"2026-07-08T12:00:24","date_gmt":"2026-07-08T10:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153436"},"modified":"2026-07-08T10:29:59","modified_gmt":"2026-07-08T08:29:59","slug":"1-000-tage-voelkermord-in-gaza-un-bericht-kinder-werden-gezielt-getoetet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153436","title":{"rendered":"1.000 Tage V\u00f6lkermord in Gaza \u2013 UN-Bericht: Kinder werden gezielt get\u00f6tet"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Jede und jeder, die oder der seit Oktober 2023 in der israelischen Armee im Gazastreifen gedient hat, muss als Verd&auml;chtiger f&uuml;r die Begehung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und V&ouml;lkermord angesehen werden.&rdquo; Chris Sidoti, einer der weltweit anerkanntesten Experten f&uuml;r internationales Menschenrechtsrecht und Mitglied der UN-Untersuchungskommission zu Pal&auml;stina, UN-TV, 16. Juni 2026. Ein Artikel von <strong>Annette Groth<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Wenn die Vereinten Nationen feststellen, dass eine Armee Kinder in einem industriellen Ausma&szlig; t&ouml;tet und verletzt, sie foltert und sexuell missbraucht sowie ihnen den Zugang zu Wasser und Medikamenten verweigert, hat der Rest der Welt eine klare Verpflichtung: Er muss dieser Armee den Zugang zu Waffen unterbinden und daf&uuml;r sorgen, dass sie zur Rechenschaft gezogen wird.&rdquo; Bill Van Esveld, Stellvertretender Direktor, Abteilung f&uuml;r Kinderrechte, Human Rights Watch, 26. Juni 2026<\/p><p>&bdquo;Vater, werden wir morgen noch am Leben sein?&ldquo;, fragte der Sohn von Dr. Eyad Amawi, Arzt aus Gaza und Mitglied bei den &bdquo;&Auml;rzten gegen Genozid&ldquo;.<\/p><p>Auf dem Zweiten J&uuml;dischen Antizionistenkongress, der Ende Juni 2026 in Dublin stattfand, schilderte Dr. Amawi per Videoschaltung das Leben im Gazastreifen: &bdquo;Sie (die Israelis &ndash; PC) zerst&ouml;ren alles. Sie zerst&ouml;ren die Infrastruktur. Sie haben unsere Umwelt in ein Gebiet voller Krankheiten und Infektionen verwandelt.&rdquo; Dr. Amawi betonte, dass es kaum noch sauberes Trinkwasser gibt, weil viele Entsalzungsanlagen durch den Treibstoffmangel nicht funktionieren. Dadurch breiten sich Krankheiten in den v&ouml;llig &uuml;berf&uuml;llten Fl&uuml;chtlingslagern aus, w&auml;hrend die medizinische Versorgung zusammenbricht. F&uuml;r ihn sind diese Zust&auml;nde weder zuf&auml;llig noch einfach die unvermeidlichen Folgen des Krieges, sondern &bdquo;bewusste Bem&uuml;hungen zur Zerst&ouml;rung der pal&auml;stinensischen Gesellschaft selbst&ldquo;. &bdquo;Was wir erleben, ist die systematische Zerst&ouml;rung des sozialen Lebens und die gezielte Herbeif&uuml;hrung von Hungersnot.&rdquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><strong>1.000 Tage V&ouml;lkermord<\/strong><\/p><p>Am 3. Juli sind genau tausend Tage vergangen, seit Israel den V&ouml;lkermord in Gaza begonnen hat, keinen Tag ohne Tote oder Verletzte durch Bomben, Drohnen oder andere Waffen oder an vermeidlichen Krankheiten, verursacht durch Hunger oder verseuchtes Wasser.<\/p><p>Anl&auml;sslich dieses &bdquo;Jahrestages&ldquo; des andauernden Genozids hat das pal&auml;stinensische Menschenrechtszentrum (PCHR) eine eindrucksvolle Beschreibung der letzten Jahre in Gaza ver&ouml;ffentlicht. PCHR erinnert an die Blockade Gazas, die die israelische Besatzungsarmee IOF (Israeli Occupation Forces, israelische Besatzungsarmee) 2007 verh&auml;ngt hat, fast 20 Jahre, in denen nur sehr eingeschr&auml;nkt bestimmte Waren nach Gaza hereinkommen und der Personenverkehr nahezu unm&ouml;glich ist. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Kritiker bezeichneten Gaza als das &bdquo;gr&ouml;&szlig;te Freiluftgef&auml;ngnis der Welt&ldquo;!<\/p><p>Zwischen 2008 und 2021 &uuml;berzog die IOF den K&uuml;stenstreifen mit vier gro&szlig;en Milit&auml;roffensiven, die Tausenden von Pal&auml;stinensern das Leben kosteten, davon die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit Zivilisten. Schon diese Kriege zerst&ouml;rten Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Kulturst&auml;tten, Wohngeb&auml;ude, Industrie- und Landwirtschaftsanlagen, Stra&szlig;en, Stromnetze, Sanit&auml;r- und Wasserinfrastruktur. Durch die rigorose Blockadepolitik dauerte der Wiederaufbau sehr lange, viele Sch&auml;den wie beispielsweise an Solaranlagen konnten aufgrund fehlender Materialien nie repariert werden.<\/p><p>Die vom Pal&auml;stinensischen Zentrum f&uuml;r Menschenrechte (PCHR) durchgef&uuml;hrten Untersuchungen dieser Milit&auml;roffensiven zeigen, dass die IOF absichtlich auf Zivilisten und ziviles Eigentum abzielte und Kriegsverbrechen in gro&szlig;em Umfang beging. Diese Ergebnisse wurden von unabh&auml;ngigen internationalen Untersuchungskommissionen best&auml;tigt, darunter die Untersuchungsmission des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen, die nach der israelischen Offensive im Gazastreifen 2008 eingerichtet wurde: &bdquo;Die Zerst&ouml;rung von Nahrungsmittelversorgungsanlagen, Wassernetzen und Sanit&auml;ranlagen, Betonfabriken und Wohnh&auml;usern war das Ergebnis einer bewussten Politik der israelischen Streitkr&auml;fte.&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Laut offiziellen Angaben sind in den tausend Tagen &uuml;ber 73.000 Menschen get&ouml;tet worden, darunter 21.500 Kinder und 12.500 Frauen, die etwa 55 Prozent aller Toten ausmachen. Das renommierte Max-Planck-Institut berechnete im November 2025 die Zahl der Toten zwischen 100.000 und 125.000.<\/p><p>F&uuml;r die pal&auml;stinensischen Menschenrechtler war bereits nach den ersten gro&szlig; angelegten milit&auml;rischen Angriffen nach dem 7. Oktober die Absicht, V&ouml;lkermord zu begehen, unverkennbar, zumal israelische Politiker und Milit&auml;rs diese v&ouml;lkerm&ouml;rderische Absicht offen und wiederholt vor den Medien &auml;u&szlig;erten. Ein weiterer Hinweis war die massive Zerst&ouml;rung, &bdquo;die Zuf&uuml;gung schwerer K&ouml;rperverletzungen, die vors&auml;tzliche Zerst&ouml;rung der Lebensgrundlagen sowie die Schaffung von Lebensbedingungen, die darauf abzielen, den Fortbestand der Pal&auml;stinenser als nationale Gruppe unm&ouml;glich zu machen&ldquo;. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>PCHR bezeichnet Gaza als &bdquo;lebende H&ouml;lle&ldquo;, in der etwa 23.000 Menschen pro Quadratkilometer dicht gedr&auml;ngt miteinander leben, da die Bev&ouml;lkerung von etwa 2,3 Millionen Pal&auml;stinensern in ein schmales Grenzgebiet von nicht mehr als 100 Quadratkilometern zur&uuml;ckgedr&auml;ngt wurde, das sind 30 Prozent des Gazastreifens. Die anderen 70 Prozent hat die IOF unter seine Kontrolle gebracht.<\/p><p>F&uuml;r PCHR ist es unbegreiflich, dass die USA und viele westliche Staaten Israel nach wie vor Waffen und andere Ausr&uuml;stungsg&uuml;ter liefern und sie politisch unterst&uuml;tzen. &bdquo;Diese Staaten sind Schl&uuml;sselparteien f&uuml;r das Verbrechen des V&ouml;lkermords, sei es durch direkte Unterst&uuml;tzung oder Komplizenschaft. (&hellip;) Das Verbrechen des V&ouml;lkermords in Gaza ist das Ergebnis und H&ouml;hepunkt jahrzehntelanger westlicher Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Israel und f&uuml;r die Politik der Immunit&auml;t und Straflosigkeit. Es sind jedoch auch 1.000 Tage, an denen die internationale Staatengemeinschaft nicht nur keinerlei Ma&szlig;nahmen getroffen hat, um den Genozid zu beenden; sondern viele L&auml;nder Israel weiterhin wirtschaftlich und\/oder milit&auml;risch unterst&uuml;tzen. Es sind zudem 1.000 Tage, an denen die deutschsprachige Medienberichterstattung &ndash; sowohl in Deutschland als auch in &Ouml;sterreich &ndash; in einem ersch&uuml;tternden Ausma&szlig; versagt hat.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Solange diese skandal&ouml;se Unterst&uuml;tzung und das Schweigen &uuml;ber die monstr&ouml;sen Kriegsverbrechen anhalten, wird die israelische Regierung Mord und Vertreibung &ndash; auch im Westjordanland, in Ostjerusalem und im Libanon &ndash; fortsetzen, darin sind sich alle Menschenrechtler einig.<\/p><p><strong>Bericht der Vereinten Nationen: &bdquo;Israel begeht weiterhin V&ouml;lkermord und andere Gr&auml;ueltaten&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ein erschreckendes Dokument ist der am 23. Juni 2026 vorgestellte Bericht der Vereinten Nationen mit dem Titel &bdquo;Israel begeht weiterhin V&ouml;lkermord und andere Gr&auml;ueltaten&ldquo;. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p>Dieser Bericht der &bdquo;Unabh&auml;ngigen Internationalen Untersuchungskommission der Vereinten Nationen f&uuml;r die besetzten pal&auml;stinensischen Gebiete, einschlie&szlig;lich Ostjerusalem, und Israel&ldquo; betont, dass &bdquo;die gezielte Bek&auml;mpfung von Kindern eines der Schl&uuml;sselelemente ist, die die V&ouml;lkermordabsicht der israelischen Beh&ouml;rden und Streitkr&auml;fte belegen, die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerungsgruppe im Gazastreifen ganz oder teilweise zu vernichten&ldquo;. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Laut dem Vorsitzenden der Kommission, Srinivasan Muralidhar, zeigen Beweise, &bdquo;dass pal&auml;stinensische Kinder von den israelischen Streitkr&auml;ften gezielt angegriffen und get&ouml;tet wurden. (&hellip;) Selbst wenn die Bomben und Waffen im Gazastreifen und im Westjordanland verstummen, werden sich pal&auml;stinensische Kinder nicht einfach &uuml;ber Nacht erholen. Die Zerst&ouml;rung ihrer Gesundheit, Bildung und Entwicklung ist irreversibel&rdquo;, betont Muralidhar.<\/p><p>Er beklagt, dass auch nach dem Waffenstillstand vom Oktober 2025 weiterhin Kinder get&ouml;tet und schwer verletzt werden, &bdquo;w&auml;hrend Israel den Waffenstillstand und den pal&auml;stinensischen Kindern nach internationalem Recht zustehenden Schutz weiterhin missachtet&rdquo;. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/p><p>Die Kommission hat milit&auml;rische Einheiten innerhalb der israelischen Streitkr&auml;fte identifiziert, die f&uuml;r die T&ouml;tung und Verwundung pal&auml;stinensischer Kinder verantwortlich sind. Aussagen von Soldaten deuten darauf hin, dass sie davon ausgehen, vor Strafverfolgung gesch&uuml;tzt zu sein. &bdquo;Sie scheinen von der Rhetorik israelischer Politiker und Amtstr&auml;ger beeinflusst worden zu sein, die alle Pal&auml;stinenser*innen als legitime Ziele darstellen &ndash; eine Denkweise, die sich in den Reihen der israelischen Armee durchgesetzt hat.&ldquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>Es wurden F&auml;lle &bdquo;untersucht und dokumentiert, die ein konsistentes Muster belegen, wonach Kinder von den israelischen Streitkr&auml;ften im Gazastreifen gezielt ins Visier genommen wurden. Dazu geh&ouml;ren F&auml;lle, in denen Kinder erschossen wurden, w&auml;hrend sie versuchten, mit ihren Familien zu fliehen, sowie an Zufluchtsorten wie Vertriebenenlagern, Lebensmittelausgabestellen oder anderen Orten im gesamten Gazastreifen. Die Kommission hat Videos, Fotos und medizinische Berichte, einschlie&szlig;lich CT-Aufnahmen, gesammelt, analysiert und gesichert sowie Untersuchungsberichte mehrerer unabh&auml;ngiger Stellen gepr&uuml;ft.&ldquo; [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>In dem Zusammenhang weist der UN-Bericht auf die ITVX-Dokumentation &bdquo;Breaking Ranks: Inside Israel&rsquo;s War&rdquo; hin, in der mehrere israelische Soldaten, die im Gazastreifen im Einsatz waren, best&auml;tigen, dass sie auf unbewaffnete Pal&auml;stinenser, darunter auch Kinder, geschossen h&auml;tten. Ein Soldat sagte: &bdquo;Der erste Schuss geht direkt in den Kopf.&rdquo; Ein anderer Soldat berichtete: &bdquo;Wir sahen zwei Teenager, die eine Art Karren schoben, und der erste Schuss ging direkt in den Kopf.&rdquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Laut dem UN-Bericht wurden seit dem 7. Oktober 2023 &uuml;ber 1.655 Kinder im Westjordanland, einschlie&szlig;lich Ostjerusalem, inhaftiert, davon 600 im Jahr 2025. Zum 31. Dezember 2025 befanden sich 51 Prozent der 351 pal&auml;stinensischen inhaftierten Kinder in &bdquo;Administrativhaft&rdquo;, unter der Kinder wie Erwachsene ohne Anklage auf unbestimmte Zeit inhaftiert werden. Die &uuml;brigen 49 Prozent der inhaftierten Kinder befanden sich in Untersuchungshaft, &bdquo;wurden gem&auml;&szlig; dem Gesetz &uuml;ber unrechtm&auml;&szlig;ige K&auml;mpfer festgehalten oder verb&uuml;&szlig;ten eine Strafe nach einer Verurteilung&ldquo;. Kinder, die in Milit&auml;rhaftanstalten oder Verh&ouml;rzentren festgehalten werden, die au&szlig;erhalb des Strafvollzugssystems betrieben werden, sind nicht erfasst.<\/p><p>Seit dem 7. Oktober 2023 haben sich die Haftbedingungen erheblich verschlechtert. Der f&uuml;r Gef&auml;ngnisse zust&auml;ndige Minister, der wegen Rechtsextremismus verurteilte Minister f&uuml;r nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, hat die W&auml;rter angewiesen, den Gefangenen wesentlich strengere Bedingungen aufzuerlegen. Eine Kinderrechtsorganisation legte der Kommission die Aussage eines 17-j&auml;hrigen Jungen aus Nablus vor, der seine Erfahrungen in der Jugendabteilung des Meggido-Gef&auml;ngnisses detailliert schilderte. Dort blieb das Licht die ganze Nacht &uuml;ber an, es gab h&auml;ufig unangek&uuml;ndigte Kontrollen w&auml;hrend der Nachtstunden, wodurch die Inhaftierten am Schlafen gehindert wurden. Die Kinder mussten h&auml;ufig die Gef&auml;ngniszellen wechseln und waren t&auml;glich Beschimpfungen und Schl&auml;gen durch die W&auml;rter ausgesetzt.<\/p><p>Wie hoch die Zahl der inhaftierten Kinder aus dem Gazastreifen ist, ist unbekannt, da die israelischen Beh&ouml;rden keine Informationen &uuml;ber die festgenommenen Kinder herausgeben. 44 pal&auml;stinensische Kinder, die nach dem 7. Oktober 2023 im Gazastreifen inhaftiert worden waren, wurden aber von Israel im Rahmen des Geiselaustauschabkommens vom Januar 2025 freigelassen.<\/p><p>Ein Kapitel des UN-Berichts befasst sich mit der &bdquo;sexuellen und geschlechtsspezifischen Gewalt gegen pal&auml;stinensische Kinder&ldquo; und zieht den Schluss, dass &bdquo;pal&auml;stinensische Jungen und M&auml;nner aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Identit&auml;t als Pal&auml;stinenser spezifischen Handlungen sexueller Natur ausgesetzt waren, die mit dem Ziel begangen wurden, sie speziell f&uuml;r die am 7. Oktober 2023 begangenen Taten zu bestrafen und zu dem&uuml;tigen&ldquo;. Die Kommission verwies auch auf einen fr&uuml;heren Bericht, in dem mehrere Vorf&auml;lle sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, die von israelischen Streitkr&auml;ften gegen Kinder &ndash; sowohl Jungen als auch M&auml;dchen &ndash; begangen wurden, dokumentiert sind.<\/p><p>Beschrieben wird auch die Zerst&ouml;rung des Bildungssystems und seine Auswirkungen auf Kinder. &bdquo;Vor den israelischen Angriffen auf Gaza ab Oktober 2023 wies Gaza historisch gesehen eine der h&ouml;chsten Alphabetisierungsraten der Welt auf. Die israelischen Angriffe haben den Bildungssektor massiv getroffen. Kinder in Gaza haben drei Jahre formaler Bildung verpasst. Im Januar 2026 waren &uuml;ber 335.000 Kinder unter f&uuml;nf Jahren aufgrund des Zusammenbruchs der fr&uuml;hkindlichen Betreuungseinrichtungen von schweren Entwicklungsverz&ouml;gerungen bedroht. (&hellip;) Selbst dort, wo Kinder Zugang zu Online-Unterricht hatten, hat die harte Realit&auml;t st&auml;ndiger Angriffe, Hungersnot und unmenschlicher Lebensbedingungen ihren Fokus vom Lernen auf das &Uuml;berleben verlagert. (&hellip;) Eine Mutter berichtete der Kommission, dass ihr 17-j&auml;hriger Sohn fr&uuml;her Klassenbester war, nun aber Zigaretten verkauft, anstatt zu lernen.&ldquo; [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Erw&auml;hnt werden die Auswirkungen der Zerst&ouml;rung der Infrastruktur, einhergehend mit der absoluten Unterversorgung von Energie, auf die Situation der Neugeborenen und ihrer M&uuml;tter. &bdquo;In meiner gesamten beruflichen Laufbahn &ndash; und ich bin mittlerweile 72 Jahre alt &ndash; habe ich noch nie ein solches Ausma&szlig; an Leid bei Neugeborenen gesehen, das absichtlich von Israel verursacht wurde. Eine derart extreme Situation hat es in Gaza noch nie gegeben. Es ist nicht normal, dass Neugeborene an Unterk&uuml;hlung sterben.&rdquo; &ndash; Ein Kinderarzt<\/p><p>Das Kapitel &uuml;ber &bdquo;Angriffe auf und Sch&auml;den an Einrichtungen zur Betreuung von Kindern (Waisenh&auml;usern) im Gazastreifen und deren Auswirkungen&ldquo; befasst sich mit der Situation der Tausenden von Waisen: &bdquo;Nach Angaben des Pal&auml;stinensischen Zentralamts f&uuml;r Statistik lebten im Jahr 2020 in Gaza 26.349 Kinder (im Alter von 0 bis 17 Jahren) als Waisen, nachdem sie einen oder beide Elternteile verloren hatten. Zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 7. Oktober 2025 verloren sch&auml;tzungsweise 58.554 Kinder einen oder beide Elternteile, und zwischen 17.000 und 18.000 Kinder waren unbegleitet oder von ihren Eltern getrennt.&ldquo;<\/p><p>Die Kommission analysiert die psychische Gesundheit und weist auf eine Untersuchung von UNFPA vom M&auml;rz 2026 hin, der zufolge 96 Prozent der Kinder in Gaza das Gef&uuml;hl hatten, der Tod stehe unmittelbar bevor. (UNFPA ist die Agentur der Vereinten Nationen f&uuml;r sexuelle und reproduktive Gesundheit) &bdquo;Mehrere Quellen haben berichtet, dass Kinder &uuml;ber den Tod und das Sterben sprechen und Selbstmordgedanken unter Kindern weit verbreitet sind. Eine Krankenschwester berichtete der Kommission, dass sie in der Klinik in Tal al-Sultan einen Teenager gesehen habe, der durch das Trinken einer Chemikalie einen Selbstmordversuch unternommen habe.&ldquo;<\/p><p>Bereits im Jahr 2024 sch&auml;tzte UNICEF, dass fast alle der 1,2 Millionen Kinder in Gaza psychologische und psychosoziale Unterst&uuml;tzung bei Depressionen, Angstzust&auml;nden und Selbstmordgedanken ben&ouml;tigten.<\/p><p><strong>Westjordanland<\/strong><\/p><p>Auch im Westjordanland sterben jedes Jahr Dutzende Kinder durch die Kugeln israelischer Soldaten und Polizisten. 2025 waren es 58 get&ouml;tete Minderj&auml;hrige, mehr als ein Kind pro Woche &ndash; ein trauriger historischer Rekord, so die Reporter Philippe Levasseur und Claire Duhamel, die eine Reportage f&uuml;r den Fernsehsender <em>Arte<\/em> machten. Sie dokumentieren Schicksale von Kindern und Jugendlichen, die ermordet wurden, und machten einen ehemaligen Scharfsch&uuml;tzen der israelischen Armee ausfindig, der vor der Kamera aussagte.<\/p><p>Dieser Soldat prangert eine m&ouml;rderische Fehlentwicklung an: &bdquo;das Fehlen von offiziellen Untersuchungen von Seiten der israelischen Justizbeh&ouml;rden; die Konfiszierung der Leichen der Opfer und den Einsatz von Einheiten, die der Veteran der Armee als &sbquo;Todesschwadronen&lsquo; bezeichnet&ldquo;. [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/p><p>Zwar versprechen die israelischen Beh&ouml;rden den trauernden Familien, dass sie alles untersuchen werden, doch diese Untersuchungen verlaufen in den meisten F&auml;llen im Sand. So wird die Straflosigkeit perpetuiert und die Soldaten sind der Meinung, dass sie nichts Verbotenes tun, denn das T&ouml;ten ist zur Normalit&auml;t geworden.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich habe gesehen, wie Eltern ihre Kinder in eine Notaufnahme trugen, obwohl sie bereits wussten, dass es keine Hoffnung mehr gab. Ich habe gesehen, wie Geschwister Namen riefen, die niemals erh&ouml;rt werden w&uuml;rden. Ich habe in die Gesichter von Kindern geblickt, deren Leben endete, bevor sie die Chance hatten, gro&szlig; zu werden. Kein politisches Ziel, keine milit&auml;rische Strategie, kein Vorwurf, keine Nation, kein F&uuml;hrer kann das jemals rechtfertigen. Wenn das wiederholte T&ouml;ten von Kindern nicht etwas Entschlossenes und Kompromissloses in uns weckt, dann sind nicht nur diese Kinder die gr&ouml;&szlig;ten Opfer. Es ist unsere eigene Menschlichkeit.&rdquo; Dr. Mark Brauner, US-amerikanischer Notarzt, der im Nasser-Spital in Gaza auf medizinischer Hilfsmission war, 1. Juli 2026. [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Das ist das Erschreckende, die Menschlichkeit stirbt. Die Welt schaut dem Morden zu und die Bundesregierung unterst&uuml;tzt die m&ouml;rderische und verbrecherische israelische Besatzungspolitik weiterhin mit Waffen und anderen Privilegien wie beispielsweise dem Cyberabkommen Anfang des Jahres 2026 &ndash; Innenminister Dobrindt nannte damals Israel &bdquo;unser Premiumpartner&ldquo;. Unsere viel beschworenen Werte wie Demokratie und Humanit&auml;t sind nichts als Worth&uuml;lsen.<\/p><p>Und wenn der bayrische Ministerpr&auml;sident Markus S&ouml;der anl&auml;sslich der 15-Jahr-Feier des israelischen Generalkonsulats in M&uuml;nchen &bdquo;die enge Verbundenheit Bayerns mit Israel&ldquo; betont und mit keinem Wort die aktuelle politische Situation in Pal&auml;stina erw&auml;hnt, ist das einfach nur besch&auml;mend.<\/p><p>Markus S&ouml;der und die Bundesregierung sollten sich jetzt dringend f&uuml;r die sofortige Freilassung des Arztes Dr. Hussam Abu Safiya einsetzen, dessen Leben in akuter Gefahr ist.<\/p><p>Der Anwalt von Dr. Abu Safiya, Nasser Odeh, hat ihn am 2. Juli besucht und berichtete von einem &auml;u&szlig;erst besorgniserregenden Gesundheitszustand. Nach seinen Angaben ist Dr. Abu Safiya seit Dezember 2024 t&auml;glich Folter und Misshandlungen ausgesetzt. W&auml;hrend des Besuchs habe er kaum aufrecht sitzen k&ouml;nnen, &auml;u&szlig;erst ver&auml;ngstigt gewirkt und mehrfach beinahe das Bewusstsein verloren. &bdquo;Dies ist das letzte Mal, dass du mich siehst &hellip; Sie haben mich hierher gebracht, um mich zu t&ouml;ten&ldquo;, sagte Dr. Abu Safiya zu seinem Anwalt. Nach Angaben von Nasser Odeh haben sich Folter und Misshandlungen versch&auml;rft, seit im vergangenen Monat richterliche Anh&ouml;rungen zu seiner Freilassung begonnen haben.<\/p><p>&bdquo;Wir rufen alle Akteur:innen, insbesondere Journalist:innen und Angeh&ouml;rige medizinischer Berufe, dazu auf, den &ouml;ffentlichen und politischen Druck f&uuml;r die sofortige Freilassung des akut bedrohten Dr. Husam Abu Safiya und seiner Kolleg:innen zu erh&ouml;hen!&ldquo;, so <a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/aktiv-werden\/kampagnen\/freiheit-fuer-dr-hussam-abu-safiya.html\">die IPPNW-Mailkampagne &bdquo;Freiheit f&uuml;r Dr. Hussam Abu Safiya&ldquo;<\/a>.<\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=28NfX2MscA4\">Screenshot Amnesty International &Ouml;sterreich<\/a>, (0:01) \/ Der pal&auml;stinensische Kinderarzt Dr. Hussam Abu Safiya<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.palestinechronicle.com\/father-will-we-still-be-alive-tomorrow-a-gaza-doctors-appeal-from-jazic\/\">palestinechronicle.com\/father-will-we-still-be-alive-tomorrow-a-gaza-doctors-appeal-from-jazic\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/pchrgaza.org\/one-thousand-days-of-genocide-in-the-gaza-strip\/\">pchrgaza.org\/one-thousand-days-of-genocide-in-the-gaza-strip\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Originalbeitrag in englischer Sprache: <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/press-releases\/2026\/06\/israel-continues-commit-genocide-and-other-atrocity-crimes-deliberately\">ohchr.org\/en\/press-releases\/2026\/06\/israel-continues-commit-genocide-and-other-atrocity-crimes-deliberately<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Vollst&auml;ndiger Bericht abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/hrbodies\/hrcouncil\/sessions-regular\/session62\/a-hrc-62-crp-2.pdf\">ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/hrbodies\/hrcouncil\/sessions-regular\/session62\/a-hrc-62-crp-2.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Ebenda<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.itv.com\/watch\/breaking-ranks-inside-israels-war\/10a7329a0001B\/10a7329a0001\">itv.com\/watch\/breaking-ranks-inside-israels-war\/10a7329a0001B\/10a7329a0001<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/hrbodies\/hrcouncil\/sessions-regular\/session62\/a-hrc-62-crp-2.pdf\">ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/hrbodies\/hrcouncil\/sessions-regular\/session62\/a-hrc-62-crp-2.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/131395-000-A\/westjordanland-sie-schiessen-auf-kinder\/?utm_source=ios&amp;utm_medium=share&amp;utm_campaign=131395-000-A\">arte.tv\/de\/videos\/131395-000-A\/westjordanland-sie-schiessen-auf-kinder\/?utm_source=ios&amp;utm_medium=share&amp;utm_campaign=131395-000-A<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Aussendung vom B&uuml;ro des Botschafters A34\/2026, 3. Juli 2026, Vertretung des Staates Pal&auml;stina in &Ouml;sterreich, Slowenien und Kroatien und st&auml;ndige Beobachtermission des Staates Pal&auml;stina bei der UN und den internationalen Organisationen in Wien, <a href=\"http:\/\/www.palestinemission.at\">palestinemission.at<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Jede und jeder, die oder der seit Oktober 2023 in der israelischen Armee im Gazastreifen gedient hat, muss als Verd&auml;chtiger f&uuml;r die Begehung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und V&ouml;lkermord angesehen werden.&rdquo; Chris Sidoti, einer der weltweit anerkanntesten Experten f&uuml;r internationales Menschenrechtsrecht und Mitglied der UN-Untersuchungskommission zu Pal&auml;stina, UN-TV, 16. Juni 2026. Ein Artikel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153436\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":150760,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,171],"tags":[2637,927,302,1917,3093,1494,1557,304,305,849,2360],"class_list":["post-153436","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-embargo","tag-folter","tag-gaza","tag-genozid","tag-haftbedingungen","tag-infrastruktur","tag-israel","tag-kriegsverbrechen","tag-menschenrechte","tag-nahrungsmittel","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/260520-Ratten-in-Gaza.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153436","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153436"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153436\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153439,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153436\/revisions\/153439"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/150760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}