{"id":153811,"date":"2026-07-17T09:00:56","date_gmt":"2026-07-17T07:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153811"},"modified":"2026-07-17T08:35:43","modified_gmt":"2026-07-17T06:35:43","slug":"geleaktes-video-belegt-israel-hat-in-gaza-die-hannibal-direktive-ausgerufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153811","title":{"rendered":"Geleaktes Video belegt: Israel hat in Gaza die Hannibal-Direktive ausgerufen"},"content":{"rendered":"<p>Im Jahre 1986 f&uuml;hrte die israelische Armeef&uuml;hrung eine bis heute hoch kontroverse geheime Milit&auml;rdoktrin ein. Die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hannibal_Directive\">&bdquo;Hannibal-Direktive&ldquo;<\/a> erlaubt es israelischen Milit&auml;rs, im Falle der Verschleppung eines Milit&auml;rangeh&ouml;rigen alle zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel einzusetzen, um eine erfolgreiche Geiselnahme zu verhindern &ndash; darunter auch die T&ouml;tung des entf&uuml;hrten Soldaten. Offiziell wurde die Direktive 2016 ausgesetzt, doch <a href=\"https:\/\/archive.vn\/863CP\">Recherchen israelischer Medien<\/a> gaben bereits 2024 Hinweise darauf, dass auch w&auml;hrend des Hamas-&Uuml;berfalls am 7. Oktober 2023 die Hannibal-Direktive ausgerufen wurde und damit ein Teil der israelischen Opfer durch den Beschuss der eigenen Armee get&ouml;tet wurde. Da echte Beweise fehlten, verebbten diese Vorw&uuml;rfe jedoch schon bald. Das k&ouml;nnte sich nun durch ein geleaktes Video, das im Februar 2026 vom israelischen <em>Channel 12<\/em> <a href=\"https:\/\/www.thecanary.co\/skwawkbox\/2026\/06\/29\/hannibal-directive-video\/\">ausgestrahlt, aber zun&auml;chst nicht weiter beachtet wurde<\/a>, &auml;ndern. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Dieser Artikel ist eine erweiterte Neuauflage eines Artikels zur Hannibal-Direktive, der 2024 <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117787\">auf den NachDenkSeiten erschienen ist<\/a><\/em>.<\/p><p>Das Video wurde offenbar in den Morgenstunden im israelischen Polizei-Kommandozentrum in Jerusalem aufgenommen. Zu sehen ist ein Gespr&auml;ch zwischen dem damaligen israelischen Polizeichef <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ya%E2%80%99akov_Schabtai\">Kobi Shabtai<\/a> und anderen hochrangigen Vertretern von Polizei und Milit&auml;r. Dort f&auml;llt der entscheidende Satz. &bdquo;Nein in Gaza. Zerst&ouml;rt alles. Zusammen mit den entf&uuml;hrten Soldaten.&ldquo; Kurze Zeit sp&auml;ter betritt der damalige Minister f&uuml;r &Ouml;ffentliche Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, den Raum und unterbindet das weitere Filmen.<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\" data-media-max-width=\"560\" data-two-click-embeds-script=\"https:\/\/platform.x.com\/widgets.js\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">&#128680;&#127470;&#127473; JUST IN: Leaked video emerges showing that IDF commanders ordered the killing of abducted Israelis on October 7.<\/p>\n<p>This is also known as the Hannibal directive. <a href=\"https:\/\/t.co\/yCaTSM8g1X\">pic.twitter.com\/yCaTSM8g1X<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Jvnior (@Jvnior) <a href=\"https:\/\/x.com\/Jvnior\/status\/2070938148431921651?ref_src=twsrc%5Etfw\">June 27, 2026<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Dieses Video ist ein klarer Beleg daf&uuml;r, dass Israel am 7. Oktober 2024 die Hannibal-Direktive ausgerufen hat. Von wem es stammt, ist unbekannt. Wahrscheinlich war es ein Angeh&ouml;riger von Polizei oder Milit&auml;r. Wer es eineinhalb Jahre sp&auml;ter geleakt hat, ist ebenfalls unbekannt. Auf jeden Fall hat das Video Sprengkraft und d&uuml;rfte vor allem im kommenden Wahlkampf eine Rolle spielen.<\/p><p><strong>Was ist die Hannibal-Direktive?<\/strong><\/p><p>Seit der Besetzung von Teilen des S&uuml;dlibanons durch israelische Truppen in den fr&uuml;hen 1980ern kam es immer wieder zu Geiselnahmen israelischer Soldaten durch die Hisbollah. Diese Geiselnahmen waren der israelischen Regierung ein Dorn im Auge, da sie einerseits die Kriegsbereitschaft der eigenen Bev&ouml;lkerung unterminierten und andererseits oft Jahre sp&auml;ter zu einem Austausch der Geiseln gegen teils hochrangige arabische Gefangene der Israelis f&uuml;hrten. In der Milit&auml;rf&uuml;hrung setzte sich daher 1986 eine Gruppe von Falken durch, die die Verhinderung dieser Geiselnahmen auch zu dem Preis umsetzten, dass dabei die gefangenen eigenen Soldaten gef&auml;hrdet und im Extremfall sogar durch eigenen Beschuss <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/2003-05-21\/ty-article\/the-hannibal-procedure\/0000017f-dbb8-db22-a17f-ffb9aba40000\">get&ouml;tet wurden<\/a>. Benannt wurde diese Direktive nach dem karthagischen Feldherren Hannibal, der sich der Sage nach lieber vergiftete, als in r&ouml;mische Gefangenschaft zu geraten.<\/p><p>Konkret besagt diese Direktive, dass israelische Milit&auml;rs im Falle einer Gefangennahme eines israelischen Soldaten &ndash; wenn keine sanfteren Mittel zur Verf&uuml;gung stehen &ndash; verpflichtet sind, die Verschleppung bzw. Geiselnahme mit allen Mitteln zu beenden, auch wenn sie dabei das Leben ihres Kameraden gef&auml;hrden; also z.B. durch Beschuss von Fahrzeugen oder Geb&auml;uden, in denen der Verschleppte vermutet wird. Die Begr&uuml;ndung: Die nationale Gefahr durch eine erfolgreiche Geiselnahme sei h&ouml;her zu bewerten als der Verlust eines Soldaten.<\/p><p>In der j&uuml;ngeren Geschichte wurde die Hannibal-Direktive zwar <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hannibal_Directive\">mehrfach angewendet<\/a>, gilt aber selbst innerhalb Israels als hoch kontrovers, zumal die vors&auml;tzliche T&ouml;tung eigener B&uuml;rger durch die israelische Verfassung nicht gedeckt ist. Vor allem unter Reservisten und Wehrpflichtigen samt deren Angeh&ouml;rigen gab es immer Kritik an dieser Direktive. Doch diese Kritik lief lange ins Leere, da die Hannibal-Direktive &uuml;ber Jahre hinweg von der Milit&auml;rf&uuml;hrung schlichtweg geleugnet wurde. Zwar gab es eine <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/2003-05-21\/ty-article\/continuation-of-the-hannibal-procedure\/0000017f-e256-d75c-a7ff-fedfe9620000\">schriftliche Form dieser Direktive<\/a>, die jedoch einer Geheimhaltung unterlag und offenbar nur ausgesuchten Kommandeuren vorlag. Auf den unteren und mittleren Befehlsebenen existiert die Hannibal-Direktive nur als m&uuml;ndliche &Uuml;berlieferung.<\/p><p>Zeitweilig wurde die Direktive immer wieder ausgesetzt und umdefiniert. 2011 wurde sie in ihrer vermeintlich letztg&uuml;ltigen Form von niemand anderem als Benny Gantz <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/news\/news-desk\/hadar-goldin-hannibal-directive\">wieder eingef&uuml;hrt<\/a> &ndash; damals war Gantz Generalstabschef der israelischen Streitkr&auml;fte. Nach dem &Uuml;berfall vom 7. Oktober geh&ouml;rte er dem dreik&ouml;pfigen Kriegskabinett an, dass Benjamin Netanjahu gebildet hat.<\/p><p>Zu harscher Kritik an der Hannibal-Direktive auch innerhalb der Milit&auml;rf&uuml;hrung kam es <a href=\"https:\/\/www.ibtimes.co.uk\/hadar-goldin-hannibal-directive-israels-nightmare-dilemma-stop-soldier-becoming-hamas-1459367\">2014 nach dem &bdquo;Schwarzen Freitag&ldquo;<\/a>, als das israelische Milit&auml;r die Geiselnahme eines ihrer Soldaten w&auml;hrend des Gaza-Kriegs durch eine massive Bombardierung eines Viertels von Rafah &bdquo;beenden&ldquo; wollte. Dabei starben nicht nur der entf&uuml;hrte israelische Soldat, sondern auch rund 200 pal&auml;stinensische Zivilisten &ndash; darunter 75 Kinder. Funkspr&uuml;che, die sp&auml;ter von der Medienplattform <em>Ynet<\/em> ver&ouml;ffentlicht wurden, belegten, dass die Milit&auml;rf&uuml;hrung an diesem Tag die Hannibal-Direktive ausgerufen hatte. Das Massaker wurde sp&auml;ter unter anderem von der UN als Kriegsverbrechen gewertet, f&uuml;hrte jedoch vor allem durch internen Protest dazu, dass sich die Regierung gezwungen sah, die Direktive 2016 zumindest offiziell auszusetzen &ndash; bis zum 7. Oktober 2023.<\/p><p><strong>Der 7. Oktober<\/strong><\/p><p>Der 7. Oktober 2023 wird von vielen politischen Kommentatoren als Israels 9\/11 bezeichnet. An zahlreichen Stellen &uuml;berquerten Hamas-K&auml;mpfer die als sicher geltenden Grenzanlagen des Gaza-Streifens, drangen in israelisches Gebiet ein, ver&uuml;bten Massaker an Zivilisten, t&ouml;teten Soldaten. Mit 1.139 Todesopfern &ndash; darunter 695 israelischen Zivilisten &ndash; war der Blutzoll gewaltig. Rund 240 Menschen wurden an diesem Tag von der Hamas in den Gaza-Streifen verschleppt.<\/p><p>Schon fr&uuml;h behaupteten alternative Medien, allen voran <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2023\/11\/21\/haaretz-grayzone-conspiracy-israeli-festivalgoers\/\">Max Blumenthal von <em>Grayzone<\/em><\/a>, dass an diesem Tag die Hannibal-Direktive ausgerufen wurde. So sollen vor allem bei den K&auml;mpfen auf dem Gel&auml;nde des Nova-Festivals nahe des Kibbuz Re&acute;im israelische Kampfhubschrauber durch den Beschuss von Fahrzeugen, in denen Geiseln verschleppt wurden, ma&szlig;geblich dazu beigetragen haben, dass am Ende 364 Festivalbesucher den Tod fanden. Diese Berichte wurden von der israelischen Zeitung <em>Haaretz<\/em> seinerzeit <a href=\"https:\/\/www.haaretz.com\/israel-news\/2023-11-27\/ty-article-opinion\/exposing-max-blumenthals-deceptive-claim-israel-is-responsible-for-most-october-7-victims\/0000018c-102f-d65f-a7dd-f0ff7b550000\">als Verschw&ouml;rungstheorie gebrandmarkt<\/a>.<\/p><p>Dabei gab es bereits im Dezember 2023 auch von <em>Haaretz<\/em> selbst <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SkjRqAJYDUg\">erste Recherchen<\/a>, die die These untermauerten, dass am 7. Oktober die Hannibal-Direktive ausgerufen wurde. Ein Oberst der israelischen Luftwaffe sprach gegen&uuml;ber <em>Haaretz<\/em> gar von einem <a href=\"https:\/\/www.haaretz.co.il\/hblocked?returnTo=https%3A%2F%2Fwww.haaretz.co.il%2Fdigital%2Fpodcast%2Fweekly%2F2023-11-09%2Fty-article-podcast%2F0000018b-b3a5-d3c1-a39b-bfe55acb0000\">&bdquo;Massen-Hannibal&ldquo;<\/a>. Im Januar 2024 ergaben Recherchen der israelischen Zeitung <em>Yedioth Ahronoth<\/em>, dass am Mittag des 7. Oktober die Hannibal-Direktive ausgerufen und der Befehl ausgesprochen wurde, es &bdquo;mit allen Mitteln&ldquo; (englisch: &bdquo;at all costs&ldquo;) zu verhindern, dass &bdquo;Terroristen der Hamas mit Geiseln in den Gaza-Streifen zur&uuml;ckkehren&ldquo;. Sp&auml;tere Untersuchungen ergaben, dass rund 70 Fahrzeuge auf der Stra&szlig;e nach Gaza durch Helikopter, Drohnen oder Panzer der Israelis zerst&ouml;rt wurden, wobei oft alle Insassen &ndash; inklusive der Geiseln &ndash; get&ouml;tet wurden.<\/p><p>Am 13. Juni 2024 stellte auch <a href=\"https:\/\/archive.ph\/20240615152306\/https:\/www.telegraph.co.uk\/world-news\/2024\/06\/13\/israel-killed-dozen-own-citizens-on-october-7-un-claims\/\">die UN in ihrem Sonderbericht<\/a> fest, dass mindestens 14 israelische Zivilisten, darunter zwei zw&ouml;lfj&auml;hrige Zwillinge und ihre 68-j&auml;hrige Gro&szlig;mutter, am 7. Oktober durch den Beschuss der israelischen Armee starben. Die israelische Armee und das Kriegskabinett weisen diese Anschuldigungen bis heute zur&uuml;ck. Es mag in der un&uuml;bersichtlichen Lage zwar zu F&auml;llen von &bdquo;friendly fire&ldquo; gekommen sein, aber einen Befehl oder gar eine Direktive dazu habe es nie gegeben.<\/p><p>Diese Position ist nun nicht mehr haltbar. Selbst wenn man die <a href=\"https:\/\/archive.vn\/863CP\">Recherchen<\/a> von <em>Haaretz<\/em> &ndash; der Zeitung also, die Blumenthal zuvor als Verschw&ouml;rungstheoretiker bezeichnet hat &ndash;, die belegen, dass in mindestens drei konkreten F&auml;llen &ndash; darunter unter anderem auf dem Armeest&uuml;tzpunkt Re&acute;im, dem Hauptquartier der Gaza-Division in unmittelbarer N&auml;he des Nova-Festivalgel&auml;ndes &ndash; die Hannibal-Direktive von Kommandeuren ausgegeben wurde, noch damit abgetan hat, es handele sich nur um Vorw&uuml;rfe, die keine Beweiskraft haben; das nun geleakte Video stellt eindeutig einen Beweis dar.<\/p><p><strong>Was belegen die Enth&uuml;llungen und was belegen sind nicht?<\/strong><\/p><p>Haben Blumenthal und Co. also doch recht? Das ist trotz allem nicht belegt, aber dennoch sehr wahrscheinlich. Zun&auml;chst: Die Hannibal-Direktive sagt nichts &uuml;ber Zivilisten. Selbst nach Ausrufung dieser Direktive w&auml;re das israelische Milit&auml;r nicht durch die eigenen Verfahrensregeln dazu legitimiert, fahrl&auml;ssig oder gar vors&auml;tzlich die eigenen Zivilisten zu t&ouml;ten, damit sie nicht von der Hamas als Geiseln verschleppt werden k&ouml;nnen. Hannibal bezog sich stets nur auf Soldaten. Auch die &Auml;u&szlig;erungen aus dem geleakten Video beziehen sich auf die &bdquo;entf&uuml;hrten Soldaten&ldquo; und nicht auf Zivilisten. Die Enth&uuml;llungen beweisen daher nicht, dass gezielt israelische Zivilisten vom eigenen Milit&auml;r ermordet wurden, oder gar, dass die Hamas nicht f&uuml;r die Massaker verantwortlich ist.<\/p><p>Bewiesen ist damit jedoch, dass die Hannibal-Direktive trotz gegenteiliger Behauptungen der Regierung nicht ausgesetzt wurde, sondern immer noch in Kraft ist und am 7. Oktober 2023 ausgerufen wurde. Belegt ist jedoch &ndash; unabh&auml;ngig von der Hannibal-Direktive &ndash; auch, dass das israelische Milit&auml;r f&uuml;r einen Teil der am 7. Oktober gestorbenen Israelis verantwortlich ist. Wie viele Israelis &ndash; egal ob Zivilist oder Soldat &ndash; durch eigenen Beschuss starben, werden wir jedoch sicher nie erfahren, da die offiziellen Untersuchungen dies von Anfang an vertuscht haben.<\/p><p><strong>Welche Auswirkungen haben die Enth&uuml;llungen?<\/strong><\/p><p>Hannibal wurde eingef&uuml;hrt, um zu verhindern, dass der Staat Israel wegen eines oder mehrerer entf&uuml;hrten Soldaten erpresst wird. Das war auf die gro&szlig; angelegten Geiselnahmen vom 7. Oktober 2023 aber nicht &uuml;bertragbar. Ob die Hamas nun 150, 250 oder 450 israelische Zivilisten in den Gaza-Streifen verschleppt h&auml;tte, spielte eigentlich f&uuml;r die strategische Situation des Staates Israel in diesem Krieg keine Rolle. In jedem Fall hatte die Hamas ein gewaltiges Faustpfand in der Hand. Die israelische Regierung stand unter dem massiven Druck ihrer eigenen Bev&ouml;lkerung, die Massengeiselnahme m&ouml;glichst glimpflich zu beenden.<\/p><p>Im Ausland schaut man auch heute noch vor allem auf die grausamen Kriegsverbrechen der Israelis im Gazastreifen. Im Inland spielte dieser Aspekt zwar auch eine Rolle, doch hier stand der Krieg &ndash; vor allem bei den Anh&auml;ngern der Regierung &ndash; auch immer unter dem Motto, der Staat Israel m&uuml;sse alles tun, um die Geiseln zu befreien oder auf diplomatischem Wege zur&uuml;ckzubekommen. Das Leben der Geiseln nahm in der innenpolitischen Debatte eine gewichtige Rolle ein, und gerade von rechts war die Kritik am Kriegskabinett weniger auf die Kriegsverbrechen, sondern mehr auf die Unf&auml;higkeit der Regierung gerichtet, die Geiseln lebendig zur&uuml;ckzubekommen. Wenn nun publik wird, dass die Regierung nicht nur bei der Geisel-Frage versagt hat, sondern auch vors&auml;tzlich eigene Soldaten get&ouml;tet und wohl grob fahrl&auml;ssig den Tod israelischer Zivilisten in Kauf genommen hat, k&ouml;nnte dies den R&uuml;ckhalt der Regierung Netanjahu in den eigenen Reihen merklich schw&auml;chen.<\/p><p>Diese Gedanken sind wohlgemerkt einzig auf die innerisraelische Debatte gerichtet. F&uuml;r die Betrachtung des Krieges von au&szlig;en macht dies alles keinen gro&szlig;en Unterschied. Die Frage, ob Israel &ndash; fahrl&auml;ssig oder vors&auml;tzlich &ndash; f&uuml;r einen Teil der Opfer vom 7. Oktober 2023 verantwortlich ist, &auml;ndert nichts daran, dass die Hamas der Hauptverantwortliche f&uuml;r die Massaker am 7. Oktober ist. Es &auml;ndert jedoch auch nichts daran, dass der Staat Israel hauptverantwortlich f&uuml;r die mehr als 80.000 toten Pal&auml;stinenser in Gaza, f&uuml;r das uns&auml;gliche Leid und f&uuml;r die Saat an Gewalt ist, die durch diese Kriegsf&uuml;hrung auch in den n&auml;chsten Jahrzehnten aufgehen und weitere Opfer &ndash; Pal&auml;stinenser und Israelis &ndash; fordern wird.<\/p><p><small>Titelbild: Hamara\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/70b51d80138d4b0d8c2496dd48703501\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahre 1986 f&uuml;hrte die israelische Armeef&uuml;hrung eine bis heute hoch kontroverse geheime Milit&auml;rdoktrin ein. Die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hannibal_Directive\">&bdquo;Hannibal-Direktive&ldquo;<\/a> erlaubt es israelischen Milit&auml;rs, im Falle der Verschleppung eines Milit&auml;rangeh&ouml;rigen alle zur Verf&uuml;gung stehenden Mittel einzusetzen, um eine erfolgreiche Geiselnahme zu verhindern &ndash; darunter auch die T&ouml;tung des entf&uuml;hrten Soldaten. Offiziell wurde die Direktive 2016 ausgesetzt, doch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153811\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":117788,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,171],"tags":[3611,302,3482,822,2175,1557,304,2360],"class_list":["post-153811","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-aussenpolitische-doktrin","tag-gaza","tag-geiselnahme","tag-hamas","tag-interventionspolitik","tag-israel","tag-kriegsverbrechen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Shutterstock_2296749055.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153811","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153811"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153811\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153820,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153811\/revisions\/153820"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/117788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153811"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153811"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153811"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}