{"id":153874,"date":"2026-07-18T14:00:09","date_gmt":"2026-07-18T12:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153874"},"modified":"2026-07-18T09:46:59","modified_gmt":"2026-07-18T07:46:59","slug":"die-koreanische-welle-und-die-kulturelle-hegemonie-des-westens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153874","title":{"rendered":"Die koreanische Welle ersch\u00fcttert die kulturelle Hegemonie des Westens"},"content":{"rendered":"<p>Am letzten Wochenende besuchten jeweils rund 70.000 Menschen die zwei Konzerte der koreanischen Boyband BTS in der M&uuml;nchner Allianz Arena. Tausende Teenager und junge Erwachsene campierten tagelang vor den Arena-Toren, sangen fehlerfrei Liedtexte auf Koreanisch und weinten Tr&auml;nen der Ergriffenheit &uuml;ber die Gef&uuml;hle und Gedanken, die dort beschrieben wurden. Diese Band und andere koreanische Bands mit ihrer k&uuml;nstlichen Optik, die an Comicfiguren erinnert, und der f&uuml;r viele verwirrenden Verbindung von weiblicher und m&auml;nnlicher &Auml;sthetik, ihren oft sensiblen und poetischen Texten und dem gleichzeitig extrem westlichen Musikstil erobern die Herzen von jungen &ndash; und &auml;lteren &ndash; Menschen im Westen und weltweit. Ist der Siegeszug koreanischer Musik und koreanischer Fernsehserien, den wir aktuell erleben, nur ein Ph&auml;nomen der Jugendkultur oder auch Zeichen einer Verschiebung der kulturellen Vorherrschaft in der Welt? Ein Essay von <strong>Maike Gosch<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5990\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-153874-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260718_Die_koreanische_Welle_und_die_kulturelle_Hegemonie_des_Westens_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260718_Die_koreanische_Welle_und_die_kulturelle_Hegemonie_des_Westens_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260718_Die_koreanische_Welle_und_die_kulturelle_Hegemonie_des_Westens_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260718_Die_koreanische_Welle_und_die_kulturelle_Hegemonie_des_Westens_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=153874-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260718_Die_koreanische_Welle_und_die_kulturelle_Hegemonie_des_Westens_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260718_Die_koreanische_Welle_und_die_kulturelle_Hegemonie_des_Westens_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>W&auml;hrend die zunehmende Multipolarit&auml;t der Welt und der gleichzeitige Abstieg der westlichen Vorherrschaft von geopolitischen Analysten in Hinblick auf &bdquo;hard power&ldquo; wie wirtschaftliche, logistische und politische Aspekte umfassend diskutiert werden, gibt es aktuell auf einem ganz anderen Feld einen vielleicht ebenso folgenschweren Wandel: Die schleichende Erosion der bisher unangefochtenen kulturellen Hegemonie des Westens auf der Ebene von Kunst, Kultur und Popkultur.<\/p><p><strong>Der Aufstieg zur Kultur-Supermacht<\/strong><\/p><p>Eine entscheidende Rolle in dieser Entwicklung spielt die sogenannte <em>Hallyu<\/em>, die &bdquo;koreanischen Welle&ldquo;, also der Siegeszug von koreanischer Popmusik (K-Pop) und koreanischen Serien (K-Drama) weltweit. Was hat es damit auf sich?<\/p><p>Was als regionales Ph&auml;nomen begann, hat sich zu einem globalen Milliardenmarkt entwickelt: Allein im Jahr 2025 sp&uuml;lten die koreanischen Kulturexporte die Rekordsumme von rund 19 Milliarden US-Dollar in die s&uuml;dkoreanische Wirtschaft &ndash; wobei die Musikexporte (K-Pop) im Vergleich zum Vorjahr um spektakul&auml;re 84 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar stiegen. K-Dramas dominieren immer st&auml;rker die globalen Streaming-Charts: Auf <em>Netflix<\/em> machten s&uuml;dkoreanische Produktionen zuletzt Milliarden von Streaming-Stunden aus, angef&uuml;hrt von globalen Superhits wie der Serie &bdquo;Squid Game&rdquo;, deren Staffeln jeweils weit &uuml;ber 1,4 Milliarden Sehstunden generierten. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Musikexport generiert im Ausland gesch&auml;tzte 300 bis 400 Millionen Euro (basierend auf den Auslandsdaten der GEMA und den Erhebungen der Musikwirtschaftsstudie von BVMI und Initiative Musik). <\/p><p>Was ist das Geheimnis dieses Erfolgs? Und warum wurde gerade S&uuml;dkorea zu einem kulturellen Exportweltmeister? S&uuml;dkorea war nach dem verheerenden Koreakrieg (1950 &ndash; 1953) zun&auml;chst ein zerst&ouml;rtes, bitterarmes Land. Geopolitisch war es eine De-facto-Kolonie, ein Protektorat der USA, das jahrzehntelang unter einer Reihe von brutalen, vom Westen im Namen des Antikommunismus gest&uuml;tzten Milit&auml;rdiktatoren litt. <\/p><p>Doch auf kultureller Ebene entstand durch die Verbindung des US-amerikanischen und generell des westlichen Einflusses mit der eigenen koreanischen Kultur und Kunsttradition eine sehr fruchtbare Mischung. Die s&uuml;dkoreanische Bev&ouml;lkerung wuchs zwangsl&auml;ufig mit US-amerikanischen Filmen, amerikanischer Popmusik und westlichem Konsumdenken auf. Man lernte das Handwerk der Besatzer, kopierte ihre Produktionsweisen und eignete sich ihre Techniken an.<\/p><p>Der &Uuml;bergang zur Demokratie Ende der 1980er-Jahre, getragen von breiten gesellschaftlichen Protesten, ging mit einem wirtschaftlichen Umbruch einher, der in der asiatischen Finanzkrise von 1997 gipfelte. Um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden, musste S&uuml;dkorea ein Rettungspaket des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) in H&ouml;he von 58 Milliarden US-Dollar in Anspruch nehmen. Die damit verbundenen neoliberalen Auflagen waren gravierend und f&uuml;hrten zu Massenentlassungen sowie einem sprunghaften Anstieg der Suizidraten. In dieser Krise leitete die Regierung unter Pr&auml;sident Kim Dae-jung eine fundamentale Neuausrichtung der Industriepolitik ein. Da der traditionelle verarbeitende Sektor geschw&auml;cht war, definierte der Staat die Kreativ- und Informationstechnologie-Branche als neue strategische Wachstumsfelder. <\/p><p>In Korea entstand eine hochgradig attraktive Hybridkultur. Sie kombinierte handwerkliche, visuelle und musikalische Techniken des Westens mit ostasiatischen, konfuzianisch gepr&auml;gten Erz&auml;hlungen und Inhalten. Es geht in koreanischen Songtexten und Filmen um Selbstliebe, famili&auml;re Loyalit&auml;t, die dr&uuml;ckenden Lasten des gesellschaftlichen Konkurrenzkampfes, um Gemeinschaft und Einsamkeit. Sie enthalten beruhigende und lyrische Elemente in der Tradition der asiatischen &bdquo;Trostliteratur&ldquo;, die dem oft oberfl&auml;chlichen westlichen Blockbuster-Kino manchmal fehlen. Alles in einer &Auml;sthetik, die f&uuml;r ein westlich sozialisiertes Publikum vertraut genug ist, um nicht abzuschrecken, aber gleichzeitig genug kulturell neue und interessante Aspekte enth&auml;lt, um eine gro&szlig;e Anziehungskraft zu entfalten.<\/p><p><strong>&bdquo;Gangnam Style&rdquo; und Romantik-Tourismus<\/strong><\/p><p>Die <em>Hallyu<\/em> hatte die ersten gro&szlig;en Erfolge zun&auml;chst im asiatischen Raum. Schon in den sp&auml;ten 1990er- und fr&uuml;hen 2000er-Jahren feierten koreanische Seifenopern, Serien und Popgruppen enorme Erfolge in China, Japan und S&uuml;dostasien. Doch der weltweite Siegeszug bahnte sich bereits an und wurde durch die neuen Entwicklungen in Technologie und Medienstrukturen weiter vorangetrieben.<\/p><p>Im Jahr 2012 feierte der exzentrische Rapper Psy mit seinem eing&auml;ngigen Hit &bdquo;Gangnam Style&ldquo; und dem dazugeh&ouml;rigen satirischen Video einen Riesenerfolg im Westen. Es war das erste Video in der Geschichte des Internets, das auf <em>YouTube<\/em> die magische Marke von einer Milliarde Aufrufen knackte &ndash; und das in der damals unvorstellbaren Rekordzeit von nur rund f&uuml;nf Monaten. <em>YouTube<\/em> und kurze Zeit sp&auml;ter Streaming-Giganten wie <em>Netflix<\/em> bildeten einen globalen &bdquo;Superhighway&ldquo;. Mit ihnen umgingen die Fans die traditionellen, fast ausschlie&szlig;lich im Westen angesiedelten medialen Vertriebskan&auml;le f&uuml;r kulturelle Inhalte. Jahrzehntelang hatten die Programmdirektoren der gro&szlig;en US-amerikanischen und europ&auml;ischen Fernsehsender, Kinoverleiher und Plattenlabels dar&uuml;ber bestimmt, was auf den Bildschirmen und in den Radios der westlichen Welt lief und was die Bev&ouml;lkerung demgem&auml;&szlig; zu sehen und zu h&ouml;ren bekam.<\/p><p>Pl&ouml;tzlich gab es alternative Kan&auml;le, die diese Filter umgingen. Jugendliche, die zuvor oft schon durch japanische Animes, J-Pop, Pok&eacute;mon oder Videospiele sozialisiert worden waren, fanden &uuml;ber die Algorithmen der neuen Plattformen eine unersch&ouml;pfliche Fundgrube koreanischer (und nat&uuml;rlich auch anderer globaler) Kulturproduktionen.<\/p><p>Ein weiterer Faktor des Erfolgs war auch die hocheffektive, globale, fast schon graswurzelartig organisierte Fankultur in diesem Bereich. In der &Auml;ra der sozialen Netzwerke sind Konsumenten keine passiven Empf&auml;nger mehr. Die sogenannten &bdquo;Cover Dances&ldquo; &ndash; bei denen junge Menschen auf der ganzen Welt die Choreografien ihrer K-Pop-Idole synchron nachtanzen und filmen &ndash; dominieren Plattformen wie TikTok. Die Zahl der K-Pop-bezogenen Videos auf der Plattform stieg von rund 97 Millionen Ende 2021 auf &uuml;ber 145 Millionen im Jahr 2024 und steigt seitdem weiter an. <\/p><p>Die wirtschaftlichen Dimensionen dieser kulturellen Entwicklung sind enorm. Laut den Berichten des s&uuml;dkoreanischen Kulturministeriums und der Exportbeh&ouml;rden generiert die Kreativindustrie des Landes (Musik, Filme, Serien, Webtoons, Videospiele) mittlerweile Exporte im Wert von &uuml;ber 13 Milliarden US-Dollar j&auml;hrlich.<\/p><p>Nicht zu vernachl&auml;ssigen sind dabei die sekund&auml;ren Effekte dieser Entwicklung: Jeder Dollar, der durch den Export von K-Content eingenommen wird, zieht statistisch einen Folgeexport von rund zwei Dollar in verkn&uuml;pften Konsumg&uuml;terbranchen nach sich. Die Kosmetikindustrie (Stichwort: &bdquo;K-Beauty&ldquo;) ist das prominenteste Beispiel: S&uuml;dkorea hat sich in den letzten Jahren an die Weltspitze katapultiert und exportiert heute &ndash; direkt hinter dem traditionellen Spitzenreiter Frankreich &ndash; weltweit mehr Kosmetik als die USA oder Deutschland.<\/p><p>Gleichzeitig gibt es auch erhebliche Auswirkungen auf den Tourismus. Junge Menschen, insbesondere junge Frauen, pilgern nicht mehr nur zu den klassischen romantischen Kulissen von Paris oder Venedig. Sie reisen nach Seoul. Das Land steuert mittlerweile rasant auf die historische Marke von fast 20 Millionen ausl&auml;ndischen Besuchern im Jahr zu. Das Bemerkenswerteste an diesem Boom ist ein radikaler demografischer Wandel: Mehr als jeder dritte Tourist, der S&uuml;dkorea heute besucht, ist unter 30 Jahre alt. Sie suchen die Drehorte ihrer Lieblings-Dramen auf, angezogen von den dort gezeigten Bildern einer hypermodernen und zugleich von Respekt, emotionaler Tiefe und Romantik gepr&auml;gten Gesellschaft.<\/p><p>Es ist ein Ph&auml;nomen, das in seiner Intensit&auml;t an den Jane-Austen-Hype um das England des 19. Jahrhunderts erinnert &ndash; mit dem Unterschied, dass die Projektionsfl&auml;chen hier nicht in der Vergangenheit einer untergegangenen Epoche liegen, sondern im realen, pulsierenden Zentrum einer ostasiatischen Metropole. Dass die Realit&auml;t kein K-Drama ist, entdecken viele von ihnen nat&uuml;rlich auch vor Ort. Dennoch brechen die wenigsten ihre Reise entt&auml;uscht ab; die Daten der Tourismusbeh&ouml;rden zeigen eine bemerkenswert hohe Zufriedenheit. Die jungen Reisenden finden sich schnell in den realen Widerspr&uuml;chen zwischen popkultureller Fiktion und dem extremen Leistungsdruck der koreanischen Gesellschaft zurecht &ndash; weil sie abseits der Hochglanz-Kulissen immer noch genug authentische Kultur, Gastfreundschaft, Shopping-M&ouml;glichkeiten und Nachtleben vorfinden, die sie genie&szlig;en k&ouml;nnen.<\/p><p>Es ist inzwischen &uuml;blich, das viele westliche junge Menschen nach Korea ziehen, um dort ihr &bdquo;Traumleben&ldquo; zu f&uuml;hren, so wie es fr&uuml;her Menschen aus der ganzen Welt nach Europa und in die USA zog. Das hat nicht nur &ouml;konomische Gr&uuml;nde, sondern auch kulturelle. Die Kultur hat eine Strahlkraft entwickelt, die sie anzieht. Auch viele koreanischst&auml;mmige Amerikaner und Briten ziehen in das Heimatland zur&uuml;ck &ndash; weil sich Jobaussichten und Lebensqualit&auml;t im Westen verschlechtert haben und diese mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Landes in Korea attraktiver geworden sind, aber auch, weil das Land durch den kulturellen Export an Attraktivit&auml;t enorm dazugewonnen hat. <\/p><p>Zus&auml;tzlich erweisen sich einstige Sprachbarrieren im Zeitalter k&uuml;nstlicher Intelligenz und automatischer &Uuml;bersetzungen als immer weniger relevant. Aber die Fans gehen sogar noch einen Schritt weiter: Millionen haben aus Begeisterung f&uuml;r koreanische Musik und Filme begonnen, die Sprache aktiv zu lernen. Im weltweiten <em>Duolingo Language Report 2025<\/em> rangiert Koreanisch stabil auf Platz 6 der meistgelernten Sprachen der Erde, und viele lernen diese Sprache ganz ohne wirtschaftliche oder praktische Motivation, sondern rein aus Interesse und Sympathie f&uuml;r das Land und die Kultur.<\/p><p>Und: Die Begeisterung f&uuml;r K-Pop und K-Dramas &ouml;ffnet im Westen und anderswo auf der Welt die T&uuml;ren f&uuml;r das Interesse an der gesamten ostasiatischen Kultur &ndash; einschlie&szlig;lich der chinesischen und japanischen. Und sie erfasst l&auml;ngst nicht mehr nur die Popkultur. Als im Oktober 2024 die s&uuml;dkoreanische Schriftstellerin Han Kang mit dem Nobelpreis f&uuml;r Literatur ausgezeichnet wurde, war das Zeichen einer Entwicklung, in der asiatische Kunst und Kultur im Westen nicht mehr als ethnisches Nischenprodukt wahrgenommen werden. Vielmehr zeigt es, dass asiatische Kunstschaffende auch auf dem Gebiet der Hochkultur heute auf absoluter Augenh&ouml;he mit dem Westen stehen und den globalen Zeitgeist entscheidend mitpr&auml;gen.<\/p><p><strong>Gef&uuml;hle und Geopolitik<\/strong><\/p><p>Man sollte daher bei allen materialistischen geopolitischen Analysen nicht vergessen: Auch Kunst und Kultur, auch die Gef&uuml;hle, Sehns&uuml;chte und Tr&auml;ume einer gro&szlig;en Anzahl von Menschen spielen eine wichtige Rolle bei der Ver&auml;nderung geopolitischer Realit&auml;ten. Machtverh&auml;ltnisse werden nicht nur durch die wirtschaftlichen Daten, internationale Abkommen, die Milit&auml;rinfrastruktur oder &uuml;ber Energiem&auml;rkte entschieden. Sie werden auch auf der Ebene der menschlichen Emotionen verhandelt.<\/p><p>Was bedeutet dieser gro&szlig;e Anstieg asiatischer und insbesondere koreanischer &bdquo;Soft Power&ldquo; nun f&uuml;r die geopolitische Lage? Stehen wir damit tats&auml;chlich vor dem Ende der kulturellen Hegemonie des Westens?<\/p><p><strong>Die positive Seite der Globalisierung<\/strong><\/p><p>Die Situation ist nat&uuml;rlich komplexer und weniger bin&auml;r. Was wir erleben, ist keine Abl&ouml;sung einer Hegemonie durch eine andere. K-Pop und K-Drama sind keine isolierten, &bdquo;rein&ldquo; asiatischen Produkte. Sie sind Hybrid aus westlicher und asiatischer Kultur, nutzen vielf&auml;ltige kulturelle Einfl&uuml;sse westlicher Kultur wie Pop und Hip-Hop, aber auch Erz&auml;hlstrukturen von westlichen romantischen Kom&ouml;dien oder High-School-Filmen. Es ist also nicht ein &bdquo;Sieg&ldquo; des Ostens &uuml;ber den Westen, sondern in gewisser Weise eine Synthese.<\/p><p>Diese Entwicklung ist damit auch ein Vorbote einer Welt, in der nicht eine Kultur die andere besiegen muss, um zu &uuml;berleben, sondern in der die Kulturen sich verbinden k&ouml;nnen, verschmelzen, sich gegenseitig befruchten und auf neue H&ouml;hen heben k&ouml;nnen.<\/p><p>Wir kritisieren oft die &bdquo;Globalisten&ldquo; &ndash; das hier ist die positive Seit der Globalisierung: Junge (und auch &auml;ltere) Menschen weltweit, die &uuml;ber alle Grenzen von Nationen, Kulturen, Ethnien und Sprachen hinweg Verbindungen sp&uuml;ren und Verbindungen schaffen.<\/p><p>Die Machtverh&auml;ltnisse in der Welt werden nicht nur durch Milit&auml;rmacht, Industriemacht und politische Macht entschieden. Daher kann die &bdquo;koreanische Welle&rdquo; ein Aufbrechen der westlichen kulturellen Hegemonie mit sich bringen. Denn sie kann dazu f&uuml;hren, dass wir im Westen Menschen aus allen L&auml;ndern und Kulturen auf Augenh&ouml;he begegnen und sie dadurch nat&uuml;rlich auch nicht mehr als Feinde oder Bedrohung sehen.<\/p><p>Nat&uuml;rlich ist die koreanische Entertainment-Welt selbst nicht frei von den Verwerfungen des Kapitalismus. Es gibt starke Ausbeutung der K&uuml;nstler in S&uuml;dkorea sowie harte Verwertungslogiken, die unmenschlicher sind als im Westen. Es geht nicht darum, diese zu glorifizieren. Sie leben ebenso im Hyperkapitalismus wie wir hier im Westen &ndash; und teilweise in einem gnadenloseren. Das unbarmherzige Sch&ouml;nheits- und Leistungsdiktat dort ist real, genauso wie die hohen Selbstmordraten.<\/p><p>In ihren Liedern und Filmen finden koreanische K&uuml;nstler einen Umgang mit diesem Schmerz und Antworten auf die &ndash; dort wie hier &ndash; bestehende Sehnsucht nach Gemeinschaft, Verletzlichkeit und Liebe, die sehr inspirierend sein kann &ndash; und verbindend wirkt. Hierdurch entsteht die gro&szlig;e Sogkraft ihrer Kunst, die die Aufmerksamkeit der Jugend nach Asien zieht und dabei Inhalte vermittelt, die zu gro&szlig;em Interesse und Respekt f&uuml;r ihre Kultur f&uuml;hren. Durch dieses globale Ph&auml;nomen w&auml;chst eine junge Generation heran, f&uuml;r die der Westen schon lange nicht mehr der Mittelpunkt der Welt ist.<\/p><p><small>Titelbild: Konzert der koreanischen Popgruppe BTS in M&uuml;nchen 2026 \/ Screenshot YouTube, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SNvMd1lWZOE\">redaktion24 (3:02)<\/a><\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/2327eaa3ecda44f4817306ff41d9e423\" width=\"1\" height=\"1\" alt='&bdquo;\"'><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=150010\">Milit&auml;risch-kultureller Komplex: NATO infiltriert Filmbranche<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=44098\">Achtung Kultur-Propaganda! 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