{"id":153908,"date":"2026-07-20T09:00:27","date_gmt":"2026-07-20T07:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153908"},"modified":"2026-07-20T14:31:18","modified_gmt":"2026-07-20T12:31:18","slug":"vom-sozialstaat-zum-primat-der-aussenpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153908","title":{"rendered":"Vom Sozialstaat zum Primat der Au\u00dfenpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Mit zunehmender Taktzahl &uuml;berlegt und beschlie&szlig;t die Bundesregierung Streichungen und K&uuml;rzungen &ndash; als Reformen bezeichnet &ndash; staatlicher Leistungen in vielen Politikbereichen sowie Beitragserh&ouml;hungen (Renten-, Pflege- und Krankenkassenbeitr&auml;ge) und l&auml;ngere Lebensarbeitszeiten. Ist der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar? Sind Leistungseinbu&szlig;en auf der einen und Beitragserh&ouml;hungen auf der anderen Seite unumg&auml;nglich, um den Sozialstaat mit Verfassungsrang auf einem Mindeststandart halten zu k&ouml;nnen? Sind private Vorsorgema&szlig;nahmen alternativlos, um nicht sp&auml;ter Pfandflaschen aus den M&uuml;lleimern picken zu m&uuml;ssen? Und warum ist so viel Geld f&uuml;r die Aufr&uuml;stung, die Militarisierung, und f&uuml;r die Ukraine da? Gibt es hier einen Zusammenhang? Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6858\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-153908-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260720_Vom_Sozialstaat_zum_Primat_der_Aussenpolitik_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260720_Vom_Sozialstaat_zum_Primat_der_Aussenpolitik_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260720_Vom_Sozialstaat_zum_Primat_der_Aussenpolitik_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260720_Vom_Sozialstaat_zum_Primat_der_Aussenpolitik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=153908-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260720_Vom_Sozialstaat_zum_Primat_der_Aussenpolitik_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260720_Vom_Sozialstaat_zum_Primat_der_Aussenpolitik_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Steuergelder &ndash; Erarbeitete Gelder der B&uuml;rger<\/strong><\/p><p>Jeder Staat ben&ouml;tigt, um seiner Aufgabe, das gesellschaftliche Miteinander organisieren (Gesetze und Verhaltensregeln) und seinen B&uuml;rgern Sicherheit (grundlegendste staatliche Funktionen) bieten zu k&ouml;nnen, einen Staatsapparat. Der Staatsapparat besteht aus Personal (Beamte und Angestellte), Immobilien, IT, Fuhrpark etc. Das ist der Mindeststandard von Staatlichkeit. Dar&uuml;ber hinaus kennzeichnet sich die moderne Staatlichkeit, insbesondere in Westeuropa, durch die Organisation von Bildungs-, Gesundheits-, Sozialstrukturen etc. &ndash; also dem Sozialstaat. Der moderne Staat, der Sozialstaat ist ein Produkt des 20. Jahrhunderts &ndash; er ist das Ergebnis harter K&auml;mpfe zwischen Kapital und Arbeit.<\/p><p>Der moderne Sozialstaat ist auch das Ergebnis eines Konkurrenzkampfes zwischen dem Kapitalismus des Westens und des wenig gegl&uuml;ckten sozialistischen Staatsprojekts Osteuropas. Der skandinavische Wohlfahrtsstaat und auch der Rheinische Kapitalismus konnten zwar nicht den Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit aufheben &ndash; wie auch? &ndash;, er war aber das erfolgreichste Projekt der Vers&ouml;hnung von Kapital und Arbeit. Der Staat wie auch seine moderne Form, der Sozialstaat, muss finanziert werden. Dementsprechend ben&ouml;tigt der Staat Einnahmen. Diese generiert er aus einer Vielzahl von Steuerformen wie beispielsweise der Lohnsteuer, Mehrwertsteuer, KFZ-Steuer etc. und Beitr&auml;gen respektive staatlichen Versicherungen wie der Krankenversicherung, Pflegeversicherung etc.<\/p><p>Die Steuereinnahmen werden, so zumindest der Leitgedanke, im Sinne und zum Wohle der Gesellschaft umverteilt, also wieder ausgegeben. Dies geschieht treuh&auml;nderisch &ndash; soll hei&szlig;en: In einem demokratisch verfassten Staatsgebilde sind die Gelder nicht das frei verf&uuml;gbare Privateigentum der jeweiligen Regierung, sondern diese Regierung hat die Gelder nur treuh&auml;nderisch zu verwalten. So weit zur Theorie.<\/p><p>Die Praxis sieht in erheblichem Ausma&szlig; anders aus: Steuergelder werden auch genutzt, um ideologische Projekte umzusetzen wie die <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Der-Wahrheitskomplex\/2379\">Finanzierung sogenannter NGOs<\/a>. Steuergelder sind Verhandlungsmasse in Regierungskoalitionen, um jeweils das eigene Klientel zu finanzieren. Oder Steuergelder werden genutzt, um in der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik mehr Gestaltungsr&auml;ume zu schaffen &ndash; Stichwort: <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2025\/kw20-de-regierungserklaerung-merz-1064956\">&bdquo;<em>Die Bundeswehr zur st&auml;rksten konventionellen Armee Europas&ldquo;<\/em><\/a> zu machen. Nicht selten treffen alle drei Faktoren (Ideologie, Verhandlungsmasse und Gro&szlig;machtambitionen) auf einmal zu. Und genau diesen Prozess erleben Deutschland und EU-Europa derweil:<\/p><p>Der Weg von der Errungenschaft des Sozialstaates der Nachkriegsordnung (1945 &ndash; 1990) &uuml;ber den verhandelbaren, zu &bdquo;reformierenden&ldquo; Sozialstaat der unipolaren Ordnung &ndash; also den Wegfall des sozialistischen Konkurrenzprojektes (1991 bis Mitte der 2010er-Jahre) &ndash; hin zum Sicherheitsstaat im Inneren und &Auml;u&szlig;eren der letzten zehn Jahre. Dieser Prozess ist kein Schicksal, er ist von Menschen gemacht &ndash; von einer politisch-medialen und &ouml;konomischen Elite gewollt und umgesetzt.<\/p><p><strong>Das Primat der Au&szlig;enpolitik &ndash; ein elit&auml;res und obrigkeitsstaatliches Projekt<\/strong><\/p><p>Das Primat der Au&szlig;enpolitik, mithin der Vorrang der Au&szlig;enpolitik gegen&uuml;ber der Innenpolitik (als Sammelbegriff f&uuml;r alle innenpolitischen Politikbereiche wie die Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik etc.) ist ein Elitenprojekt, ein Projekt der &ouml;konomischen, politischen und medialen Eliten eines Landes. Alle innenpolitischen Politikfelder haben sich den au&szlig;enpolitischen Ambitionen unterzuordnen bzw. diesen zu dienen &ndash; sowohl was die Aufmerksamkeitsressource der Politikentscheider als auch die finanziellen Ressourcen eines Landes anbetrifft. Und damit das Elitenprojekt als vermeintlich gesamtgesellschaftliches Projekt der &Ouml;ffentlichkeit verkauft werden kann, kommt die Propaganda ins Spiel. Sie hat genau diese Aufgabe, die Gesellschaft hinter ihrer politisch-&ouml;konomischen F&uuml;hrung brav zu versammeln.<\/p><p>Hierbei spielt auch das Wirken so mancher Kulturschaffender und Intellektuellen, die einst als kritisch galten, eine wichtige Rolle, um die Deutungshoheit &uuml;ber die Narrative zugunsten des Elitenprojekts zu festigen. Das Primat der Au&szlig;enpolitik mit dem Ziel eines Gro&szlig;machtstatus, kolonialistischer und imperialistischer Unterwerfung anderer Staaten und Gesellschaften ist umso leichter, je mehr die eigene Bev&ouml;lkerung bis in den Bereich der unteren sozialen Schichten glaubt, pers&ouml;nlich davon profitieren zu k&ouml;nnen. Es kommt die Kosten-Nutzen-Rechnung ins Spiel. Die Frage ist nur, ob die Kosten f&uuml;r den gr&ouml;&szlig;ten Teil der Gesellschaft nicht h&ouml;her sind als der Nutzen (Abbau des Sozialstaats, l&auml;ngere Arbeitszeiten etc.). Wenn der Nutzen f&uuml;r die politisch-&ouml;konomischen Eliten gegeben ist, ist er nicht automatisch f&uuml;r den Rest der Gesellschaft gesichert &ndash; eher im Gegenteil.<\/p><p><strong>Primat der Au&szlig;enpolitik Deutschlands<\/strong><\/p><p>Das Primat der Au&szlig;enpolitik hat auch in Deutschland seine tiefgreifenden und destruktiven Spuren hinterlassen. Es hat Deutschland und seinen Nachbarn nicht gutgetan. Diesem Politikverst&auml;ndnis des Primats der Au&szlig;enpolitik folgten zwei Weltkriege mit zwei Niederlagen, einem zerst&ouml;rten Europa und anschlie&szlig;enden Souver&auml;nit&auml;tsverlusten Deutschlands sowie der erzwungenen &ndash; tempor&auml;ren &ndash; R&uuml;ckverlagerung auf das Primat der Innenpolitik.<\/p><p><strong>a. Kaiserreich<\/strong><\/p><p>Wenige Jahre nach der Gr&uuml;ndung des Deutschen Reiches wuchs auch der Wunsch nach einem Gro&szlig;machtstatus. <em>&bdquo;Mit einem Worte: wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne&ldquo;, <\/em>so der damalige Staatssekret&auml;r und nachfolgend Reichskanzler von B&uuml;low in einer Reichstagsrede 1897.<\/p><p>Mit dieser Rede wurde der imperialistische Anspruch Deutschlands als bis dahin zu kurz gekommene Kolonialmacht hervorgehoben. Und als ernst zu nehmende Kolonialmacht ben&ouml;tigte das Deutsche Reich eine Kriegsflotte. Um diese zu finanzieren, trat 1902 u.a. die Sektsteuer in Kraft, die &uuml;brigens bis heute g&uuml;ltig ist und dem Bundeshaushalt bis zu 325 Millionen Euro Steuereinnahmen beschert. Das ganze elit&auml;re Projekt, Deutschland zur Gro&szlig;macht zu erheben, scheiterte kl&auml;glich in den Sch&uuml;tzengr&auml;ben von Verdun. Ab Ende 1918 war Deutschland viele Jahre mit sich selbst besch&auml;ftigt (Primat der Innenpolitik): Ende der Monarchie, Aufbau der neuen Republik (Weimarer Republik) als neuer Staat, Wiederaufbau der Wirtschaft und der schm&auml;hliche Umgang mit den &uuml;berzogenen Bedingungen des Versailler Diktats. Die deutsche Au&szlig;enpolitik war f&uuml;r rund 15 Jahre zwar ein wichtiger, indes kein priorit&auml;rer Politikbereich.<\/p><p><strong>b. Drittes Reich<\/strong><\/p><p>Das n&auml;chste gl&uuml;cklose Projekt, die Au&szlig;enpolitik zum Primat staatlichen Handelns aufzuwerten und Deutschland auf diese Weise zur Weltmacht zu erheben, initiierte ein &Ouml;sterreicher, der in den 1920er-Jahren bereits den deutschen Expansionismus als f&uuml;r die &bdquo;Herrenrasse&ldquo; alternativlose Schicksalsaufgabe der deutschen Gesellschaft erfolgreich verkaufte. Neben der Ausl&ouml;schung von Millionen von europ&auml;ischen Juden war sein gr&ouml;&szlig;tes Ziel die Lebensraumschaffung im Osten, also die dauerhafte Unterwerfung Polens und der Sowjetunion, sowie die Vernichtung und Versklavung der slawischen V&ouml;lker.<\/p><p>Der deutsche Vernichtungsfeldzug kostete 27 Millionen sowjetische Leben, etwa die H&auml;lfte waren Zivilisten. Hinzu kommen Millionen Tote in Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien, Griechenland, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und auch in Deutschland. Weitere Folgen waren signifikante Territorialverluste (Pommern, Ostpreu&szlig;en, Schlesien) sowie eine massive Zerst&ouml;rung der deutschen Infrastruktur &ndash; das Land lag in Schutt und Asche und wurde letztlich f&uuml;r 40 Jahre in zwei Staaten, die BRD und die DDR, geteilt. Die Souver&auml;nit&auml;tsfrage f&uuml;r die geteilte Nation stellte sich erst wieder ab dem 3. Oktober 1990. Bis dahin war die deutsche Au&szlig;enpolitik im Sinne einer souver&auml;nen Au&szlig;enpolitik nolens volens auf beiden Seiten der Mauer praktisch kaum vorhanden.<\/p><p>Beide deutsche Staaten bewegten sich als Objekte im Kosmos der beiden antagonistischen Superm&auml;chte (USA und Sowjetunion). Beide deutsche Staaten hatten nun sehr viel Zeit, die Innenpolitik zur Entwicklung der Gesellschaft zu priorisieren. W&auml;hrend die DDR sich im sozialistischen Projekt versuchte und letztlich scheiterte, praktizierte die BRD ein Wirtschaftswunder und baute den Sozialstaat aus. Man hatte zwar auf der Weltb&uuml;hne nicht viel zu melden, aber zu Hause stieg der Lebensstandard, und auch die demokratische Teilhabe gewann &ndash; wenn auch noch heute ausbauf&auml;hig &ndash; an Boden.<\/p><p><strong>Primat der Au&szlig;enpolitik &ndash; Klappe, die Dritte<\/strong><\/p><p>Die ersten akademischen Debatten &uuml;ber eine Wiederbelebung einer eigenen Au&szlig;enpolitik regte der deutsche Politikwissenschaftler H.-P. Schwarz 1985 in seinem Buch mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.persee.fr\/doc\/alauj_0002-5712_1986_num_97_1_3387_t1_0084_0000_2\">&bdquo;<em>Die gez&auml;hmten Deutschen. Von der Machtbesessenheit zur Machtvergessenheit&ldquo;<\/em><\/a> an. Aber erst f&uuml;nf Jahre sp&auml;ter &ndash; nach dem Ende der globalen Bipolarit&auml;t und der Wiederherstellung der deutschen Einheit &ndash; wurde das Primat der Au&szlig;enpolitik vorsichtig auch wieder im politisch-medialen Umfeld diskutiert.<\/p><p>Die erste gro&szlig;e souver&auml;ne au&szlig;enpolitische Entscheidung des soeben wiedervereinten Deutschlands war die Unterst&uuml;tzung der sezessionistischen Ambitionen der slowenischen und kroatischen F&uuml;hrungseliten zur Zerlegung des jugoslawischen Bundestaates. Das milit&auml;rische Engagement begann bereits Anfang der 1990er-Jahre mit der harmlosen UNAMIC-Mission in Kambodscha, gefolgt von der Beteiligung an der UN-Mission UNOSOM in Somalia &uuml;ber das UNO-mandatierte NATO-&bdquo;Engagement&ldquo; (I-FOR \/S-FOR) in Bosnien-Herzegowina und gipfelte schlie&szlig;lich in der offenen Beteiligung am rechtswidrigen und unprovozierten Angriffskrieg der NATO gegen Rest-Jugoslawien 1999.<\/p><p>Es war sowohl auf politischer als auch milit&auml;rischer Ebene ein intendiert schleichender Prozess, ein Gew&ouml;hnungsprozess f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit zur R&uuml;ckkehr in die Normalit&auml;t der internationalen Politik, wie es so gerne in au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Fachkreisen formuliert wurde. Und nun sind wir an dem Punkt angekommen, an dem ganz offen das Primat der Au&szlig;enpolitik &ndash; ohne jedoch diese Formulierung zu verwenden &ndash; und die Leidensf&auml;higkeit des deutschen Michel gefordert wird:<\/p><p>Bundeskanzler Friedrich Merz, der Au&szlig;enkanzler, der die Bundeswehr &bdquo;<em>zu st&auml;rksten konventionellen Armee Europas<\/em>&ldquo; aufr&uuml;sten will. Minister Pistorius, der hemmungslos den Begriff &bdquo;<em>kriegstauglich<\/em>&ldquo; als Normalit&auml;t wieder in den deutschen Wortschatz erhebt. Minister Klingbeil, der selbstherrlich festlegt, die Menschen seien bereit, <a href=\"https:\/\/live.deutsche-boerse.com\/nachrichten\/SPD-Chef-Klingbeil-Menschen-sind-bereit-Opfer-zu-bringen-6697e53a-6491-4b0a-b559-bfcebd384d06\"><em>&bdquo;Opfer zu bringen&ldquo;<\/em><\/a>. Ob die besagten Menschen wohl auch um ihre Opferbereitschaft wissen?<\/p><p>Und schlie&szlig;lich darf der Union-Kiesewetter nicht fehlen, der davor warnt, <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/kiesewetter-cdu-soziales-und-sicherheit-nicht-gegeneinander-ausspielen-102.html\">Sicherheit und Soziales nicht gegeneinander auszuspielen<\/a>, was &uuml;bersetzt hei&szlig;t: H&ouml;rt auf zu jammern, der Gro&szlig;machtstatus hat nun mal seinen Preis. Womit er allerdings auch recht hat: Denn jeder Euro, der f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/prien-unterhaltsvorschuss-gesetzentwurf-regierungsabstimmung-100.html\">&bdquo;soziales Ged&ouml;ns&ldquo; wie Unterhaltsvorschuss<\/a> ausgegeben wird, fehlt schlie&szlig;lich f&uuml;r die Aufr&uuml;stung und milit&auml;risch gest&uuml;tzte Machtprojektion. Diese ausufernde Sozialdekadenz muss reduziert werden. Fr&uuml;her f&uuml;tterten die Witwen ihre f&uuml;nf Kinder auch durch &ndash; das waren noch Zeiten (Satire).<\/p><p>Die Elite ist bestrebt, die Gesellschaft davon zu &uuml;berzeugen, gegen deren objektive Interessen das Elitenprojekt Gro&szlig;macht mitzuunterst&uuml;tzen. Aller Erfahrung nach &ndash; siehe Primat der Au&szlig;enpolitik Kaiserreich und Drittes Reich &ndash; stehen die Chancen der Eliten daf&uuml;r nicht schlecht. Die &ouml;ffentliche Gegenwehr ist &uuml;berschaubar. Deutschland gilt mittlerweile als einer der gr&ouml;&szlig;ten Unterst&uuml;tzer der Ukraine &ndash; sowohl finanziell als auch mit R&uuml;stungsg&uuml;tern und auf dem politischen Parkett. Deutschland als EU-F&uuml;hrungsnation im Abwehrkampf gegen Russland, so sieht Kanzler Merz Deutschland und er sich selbst in der F&uuml;hrungsfunktion. Daf&uuml;r soll die Gesellschaft mehr leisten, mehr und l&auml;nger arbeiten, weniger jammern, weniger krank machen und weniger Steuergelder konsumieren. Und genauso sind die &bdquo;Reformen&ldquo; der Bundesregierung zu verstehen: Die Gesellschaft soll mehr leisten, damit die Regierung &uuml;ber mehr Steuergelder verf&uuml;gen kann, die sie eben nicht treuh&auml;nderisch zum Allgemeinwohl umverteilt, sondern f&uuml;r das Elitenprojekt deutsche F&uuml;hrungsrolle in EU-Europa und in Europa ben&ouml;tigt &ndash; ganz so, als geh&ouml;rten die Steuergelder der Regierung.<\/p><p>Das Verh&auml;ltnis zu den USA ist derweil nicht eindeutig gekl&auml;rt: die bereitwillige, weil lang konditionierte masochistische Unterw&uuml;rfigkeit im transatlantischen Sinne (<a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/besuch-in-den-usa-habeck-sieht-deutschland-in-einer-dienenden-fuehrungsrolle_id_61552626.html\">&bdquo;<em>Je st&auml;rker Deutschland dient, umso gr&ouml;&szlig;er ist seine Rolle<\/em>&ldquo;<\/a>). Robert Habecks Besuch in den USA wird immer wieder durch das erratische Verhalten des US-Pr&auml;sidenten gest&ouml;rt, sodass auch eine F&uuml;hrungsrolle Deutschlands ohne Unterw&uuml;rfigkeit gegen&uuml;ber den USA als zweitbeste Option nolens volens in Betracht gezogen wird.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Welche der beiden Optionen auch immer praktiziert werden wird: Deutschland soll selbst zur f&uuml;hrenden Macht werden (Primat der Au&szlig;enpolitik), so der Wille der politischen, medialen und vermutlich auch &ouml;konomischen Elite. Und die Gesellschaft soll das gef&auml;lligst erneut ohne Widerstand mittragen und endlich wieder Opfer bringen. Mehr Leistung, mehr Arbeit, weniger Soziales. Das im Grundgesetz Artikel 20 benannte &bdquo;Volk&ldquo; als Souver&auml;n, als Tr&auml;ger der Demokratie und somit als Subjekt wird von der Elite zum auszupressenden Objekt degradiert. So weit, so gut &ndash; es war historisch nie anders.<\/p><p>Nur in diesem Fall gibt es ein Paradoxon: Auf der einen Seite soll die Gesellschaft mehr leisten und weniger Soziales konsumieren, auf der anderen Seite deindustrialisiert genau diese politische Elite das Land, sodass nicht mehr geleistet werden kann &ndash; die Auto- und Chemiebranche ganz vorne. Aber was soll&acute;s: Kanzler Merz ist eben nicht Innen-, sondern Au&szlig;enkanzler, und daf&uuml;r braucht er eine Menge Steuergelder &ndash; unsere Gelder.<\/p><p><small>Titelbild: ChatPGT, mit k&uuml;nstlicher Intelligenz erstellt<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/eb41e074be5e4c799bf50a7dced34546\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit zunehmender Taktzahl &uuml;berlegt und beschlie&szlig;t die Bundesregierung Streichungen und K&uuml;rzungen &ndash; als Reformen bezeichnet &ndash; staatlicher Leistungen in vielen Politikbereichen sowie Beitragserh&ouml;hungen (Renten-, Pflege- und Krankenkassenbeitr&auml;ge) und l&auml;ngere Lebensarbeitszeiten. Ist der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar? Sind Leistungseinbu&szlig;en auf der einen und Beitragserh&ouml;hungen auf der anderen Seite unumg&auml;nglich, um den Sozialstaat mit Verfassungsrang auf einem<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153908\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":153909,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,145],"tags":[423,1903,783,1367,488,2700],"class_list":["post-153908","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-sozialstaat","tag-austeritaetspolitik","tag-gemeinwohl","tag-merz-friedrich","tag-ruestungsausgaben","tag-steuererhoehungen","tag-systemkonkurrenz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/260718-Neu-Sozialstaat.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153908"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153937,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153908\/revisions\/153937"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/153909"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}