{"id":153941,"date":"2026-07-21T09:00:32","date_gmt":"2026-07-21T07:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153941"},"modified":"2026-07-21T10:37:43","modified_gmt":"2026-07-21T08:37:43","slug":"palaestina-kaempft-um-seine-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153941","title":{"rendered":"Pal\u00e4stina k\u00e4mpft um seine Zukunft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Vertreibung, leeren Versprechen und kolonialen Fantasien im Land eines unterdr&uuml;ckten Volkes. <\/strong>Der folgende dreiteilige Beitrag zeichnet auf Grundlage arabischer Quellen die aktuelle Lage in Gaza und im Westjordanland nach und beleuchtet die politische Rolle der EU im Kontext des US-israelischen &bdquo;Gaza-Friedensplans&ldquo;. Im Mittelpunkt steht zudem die Unterst&uuml;tzung europ&auml;ischer Staaten f&uuml;r die israelische Politik sowie der Umgang mit dem UN-Hilfswerk UNRWA. Am Beispiel einer Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung wird gezeigt, wie die Organisation systematisch unter Druck geraten ist. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Teil I<\/strong><\/p><p>Gaza, Westjordanland, Juli 2026.<\/p><p>Die Tage sind blutig in Gaza. Kampfjets und Drohnen t&ouml;ten Kinder, bombardieren Kliniken und Zelte, in denen Familien, deren H&auml;user von Israel zerst&ouml;rt wurden, Schutz gesucht hatten. In einer Polizeistation in Gaza Stadt werden sechs Polizeibeamte get&ouml;tet. Bei einem Drohnenangriff auf eine Gruppe von Menschen vor der Ahmad-Yassin-Moschee im Nuseirat-Fl&uuml;chtlingslager werden acht Menschen get&ouml;tet und 20 Menschen verletzt. Sie waren Teilnehmer einer Trauerfeier f&uuml;r eine Person, die am Vortag dort get&ouml;tet worden war. Ein israelischer Soldat erschie&szlig;t Ahmad Nasser Saleem. Der Mann ist Fahrer f&uuml;r die Organisation &bdquo;World Central Kitchen&ldquo; und beim israelischen Milit&auml;r, den Vereinten Nationen und dem Weltern&auml;hrungsprogramm seit acht Jahren als Fahrer registriert. Die israelischen Soldaten hatten ihn gestoppt, als er Hilfsg&uuml;ter vom Grenz&uuml;bergang Karem Abu Salem zu einem Lagerhaus der &bdquo;World Kitchen Organisation&ldquo; transportierte. Er war in einem Konvoi mit vier Lastwagen unterwegs. Ein Wagen hatte eine Panne, alle hielten an. Israelische Soldaten ordneten an, dass die Fahrer einzeln aussteigen und sich am Stra&szlig;enrand aufstellen sollten. Ahmad Saleem hatte die H&auml;nde erhoben, berichtet ein anderer Fahrer. Der vor ihm stehende Soldat konnte kein Arabisch, der Fahrer kein Hebr&auml;isch. Pl&ouml;tzlich scho&szlig; der israelische Soldat dem Fahrer Saleem mit seinem M16-Gewehr direkt in den Kopf, wie der Fahrer <a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/news\/aid-driver-shot-gaza\">berichtete<\/a>: &bdquo;Es war eine Hinrichtung auf offener Stra&szlig;e.&ldquo;<\/p><p><strong>Blutig sind die Tage auch im Westjordanland<\/strong><\/p><p>Blutig sind die Tage auch im Westjordanland, der von Israel besetzten Westbank. Immer mehr &bdquo;Au&szlig;enposten&ldquo; der nationalreligi&ouml;sen Siedlerbewegung werden errichtet, immer mehr Angriffe und Zerst&ouml;rungen pal&auml;stinensischer D&ouml;rfer werden gemeldet. L&auml;ngst haben die Siedler freie Hand, morden und brandschatzen pal&auml;stinensische D&ouml;rfer und H&ouml;fe, stehlen das Vieh der pal&auml;stinensischen Bauern, die sie von ihrem Land vertreiben. W&auml;hrend die Teams von Frankreich und England um Platz 3 der Fu&szlig;ballweltmeisterschaft in Miami spielen, stirbt im Westjordanland der 17-j&auml;hrige <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/video\/newsfeed\/2026\/7\/19\/palestinian-teenage-footballer-dies-after-israeli-settler-attack\">Fadi al Naasan<\/a> aus dem Ort Al Mughayyir. Es ist der 18. Juli. Fadi stirbt an den Folgen eines Angriffs von Siedlern auf sein Dorf eine Woche zuvor. Er habe die Schreie von M&auml;dchen und Frauen geh&ouml;rt, die von den Siedlern angegriffen wurden, und sei dorthin gelaufen, sagt sein Vater. Die Siedler schossen auf ihn und er wurde lebensgef&auml;hrlich verletzt sp&auml;ter in ein Krankenhaus gebracht, wo er starb. Drei Monate zuvor war sein 14-j&auml;hriger Cousin bei einem Siedlerangriff get&ouml;tet worden. Die <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/Da9Z1pflB4F\/\">Beerdigung<\/a> war am 19. Juli. Fadi spielte im Jugendteam der pal&auml;stinensischen nationalen Fu&szlig;ballmannschaft.<\/p><p>Im Jahr 2026 hat es im besetzten Westjordanland t&auml;glich durchschnittlich 6 Siedler&uuml;berf&auml;lle auf pal&auml;stinensische D&ouml;rfer gegeben. Die Vereinten Nationen haben seit dem 7. Oktober 2023 mindestens 1.111 Pal&auml;stinenser gez&auml;hlt, die durch Siedlergewalt get&ouml;tet wurden. Die Zahl stammt von OCHA, dem UN-B&uuml;ro f&uuml;r die Koordination humanit&auml;rer Hilfe.<\/p><p>Die Siedler agieren unter dem Schutz der israelischen Besatzungsarmee. Sie machen selbst vor einem <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/3000000331108\/demokratischer-us-politiker-im-westjordanland-von-israel-festgehalten\">US-Abgeordneten<\/a> nicht halt, wie der Demokratische Abgeordnete Ro Khannan <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/video\/newsfeed\/2026\/7\/11\/us-rep-ro-khanna-speaks-out-about-being-harassed-by-israeli-settlers#flips-6400903377112:0\">berichtete.<\/a> Die Pal&auml;stinenser dagegen dokumentieren die Gewalttaten gegen sich oft wagemutig mit dem eigenen Handy. Diese Videoaufnahmen werden &uuml;ber &bdquo;soziale Medien&ldquo; verbreitet, doch Schutz erhalten die Pal&auml;stinenser nicht. Im Gegenteil, die Siedlungen werden ausgebaut.<\/p><p><strong>EU: Wir sind besorgt<\/strong><\/p><p>Br&uuml;ssel, 17.7.2026. In der &uuml;blichen faden Form hat der Sprecher f&uuml;r EU-Au&szlig;en- und -Sicherheitspolitik sich zu den j&uuml;ngsten angek&uuml;ndigten Ausweitungen von Siedlungen im Westjordanland <a href=\"https:\/\/www.eeas.europa.eu\/eeas\/israelpalestine-statement-spokesperson-settlement-expansion_en?channel=eeas_press_alerts&amp;date=2026-07-17&amp;newsid=0&amp;langid=en&amp;source=mail\">ge&auml;u&szlig;ert<\/a>. Die Zusage weiterer Finanzmittel f&uuml;r den Siedlungsausbau sei eine &bdquo;besorgniserregende Entwicklung&ldquo;, hei&szlig;t es in seiner Stellungnahme. Es werde zu einer weiteren &bdquo;Verfestigung von Siedlungen&ldquo; in &bdquo;besonders sensiblen Gebieten&ldquo; des Westjordanlandes f&uuml;hren. Pal&auml;stinensische Gemeinden k&ouml;nnten weiter &bdquo;zerteilt und isoliert&ldquo; werden und damit &bdquo;gr&ouml;&szlig;eren Risiken von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt&ldquo; sein. Die EU lehne die Erkl&auml;rung der israelischen Regierung ab, die Siedlung Givat Ze&rsquo;ev im Westjordanland zu einer offiziellen Gemeinde Israels zu erkl&auml;ren. Seit langem vertrete die EU den Standpunkt, &bdquo;die Souver&auml;nit&auml;t Israels &uuml;ber die seit Juni 1967 von Israel besetzten Gebiete nicht anzuerkennen&ldquo;, so der EU-Sprecher weiter. Das sei &bdquo;im Einklang mit den einschl&auml;gigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats&ldquo;. Die EU fordere Israel erneut auf, &bdquo;von einer weiteren Ausweitung der Siedlungen, der Legalisierung von Au&szlig;enposten, Landenteignungen, Abrissen, Zwangsr&auml;umungen und anderen einseitigen Ma&szlig;nahmen abzusehen, die die Realisierbarkeit der Zwei-Staaten-L&ouml;sung untergraben&ldquo;, endet die knappe Erkl&auml;rung.<\/p><p>Tats&auml;chlich w&auml;ren Sanktionen m&ouml;glich, wenn Israel weiter und absichtlich gegen das internationale Recht, gegen das humanit&auml;re internationale Recht und UN-Resolutionen verst&ouml;&szlig;t. Ein Verfahren wegen m&ouml;glichen Genozids, eines V&ouml;lkermords gegen die Pal&auml;stinenser in Gaza, l&auml;uft bereits am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. In der Europ&auml;ischen Union gibt es zahlreiche Staaten, die das EU-Assoziierungsabkommen mit Israel aussetzen wollen. 1,3 Millionen EU-B&uuml;rger <a href=\"https:\/\/eci.ec.europa.eu\/055\/public\/#\/screen\/home\/disabled\">unterst&uuml;tzen<\/a> eine entsprechende Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative, dieses Abkommen und damit alle Handelserleichterungen f&uuml;r Israel vollst&auml;ndig auszusetzen.<\/p><p><strong>UN-Charta, Kapitel VII Artikel 41 ff<\/strong><\/p><p>M&ouml;glich w&auml;ren diese Ma&szlig;nahmen allemal und noch mehr davon werden in der UN-Charta Kapitel VII vorgeschlagen, sollte ein Land den Frieden bedrohen oder andere L&auml;nder angreifen. Artikel 41 z&auml;hlt Zwangsma&szlig;nahmen auf, die jeder einzelne Staat jenseits milit&auml;rischen Eingreifens in Kraft setzen kann: vollst&auml;ndige oder teilweise Unterbrechung der Wirtschaftsbeziehungen, des Eisenbahn-, See- und Luftverkehrs, der Post-, Telegraphen- und Funkverbindungen und den Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Dass seitens der EU solche Ma&szlig;nahmen ergriffen werden, wie viele EU-Mitgliedsstaaten fordern, scheitert seit Monaten auch und vor allem an Deutschland.<\/p><p>&Auml;hnlich sieht es bei einem Einfuhrverbot f&uuml;r Waren aus, die in israelischen Siedlungen im Westjordanland produziert werden. Die EU hat lange festgestellt &ndash; und darauf verweist auch der Sprecher in seiner Erkl&auml;rung vom 17. Juli &ndash;, dass die israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland v&ouml;lkerrechtswidrig sind. Zu dem Ergebnis kam auch der Internationale Strafgerichtshof. Deutschland allerdings ist gegen ein Verbot von Warenimport aus den illegalen israelischen Siedlungen. Au&szlig;enminister Wadephul verweist darauf, dass ein EU-Verbot nur einstimmig beschlossen werden k&ouml;nne, diese Auffassung werde von Deutschland geteilt. Ein deutsches Veto w&uuml;rde die Einstimmigkeit verhindern. Auch von Italien ist bekannt, dass es sich gegen Sanktionen gegen Israel ausspricht.<\/p><p><strong>Wadephul: Was Deutschland und Europa n&uuml;tzt<\/strong><\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/newsroom\/2775816-2775816\">Interview<\/a> mit der <em>Neuen Osnabr&uuml;cker Zeitung<\/em> Ende Juni hatte Wadephul seine Sicht auf das Internationale Recht klar gemacht. Demnach bilde das &bdquo;V&ouml;lkerrecht immer den Rahmen&ldquo;, sei aber &bdquo;nicht der einzige Ma&szlig;stab, an dem wir unsere Au&szlig;enpolitik ausrichten d&uuml;rfen. Es gibt auch andere Aspekte wie Wirtschaftsinteressen oder B&uuml;ndnissysteme, die wir ber&uuml;cksichtigen m&uuml;ssen. Au&szlig;enpolitik ist bisweilen der n&uuml;chterne Blick auf das, was Deutschland und Europa n&uuml;tzt.&ldquo;<\/p><p>Wadephul m&ouml;chte den Einfluss Deutschlands in der Region ausweiten und sieht die besten Chancen daf&uuml;r, wenn man <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=F0tL_EJgEiw\">&bdquo;mit Israel im Gespr&auml;ch&ldquo;<\/a> bleibt. F&uuml;r den Libanon schl&auml;gt er eine <a href=\"https:\/\/live.deutsche-boerse.com\/nachrichten\/Wadephul-schlaegt-EU-Mission-als-Ersatz-fuer-UN-Truppe-im-Libanon-vor-a73853ad-ab45-46b3-b8d7-d78ae97cce19\">EU-Mission<\/a> vor, wenn das Mandat der UN-Friedenstruppe UNIFIL Ende des Jahres ausl&auml;uft. &bdquo;Wir sollten in der EU pr&uuml;fen, ob wir im Anschluss an die Unifil-Mission mit einem europ&auml;ischen Mandat daf&uuml;r sorgen k&ouml;nnen, dass kein Sicherheitsvakuum entsteht&ldquo;, sagte Wadephul dem <em>RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND)<\/em>. Das k&ouml;nne die Voraussetzung daf&uuml;r schaffen, dass sich die israelische Armee zur&uuml;ckzieht, &bdquo;ohne dass die Hisbollah mit ihrem Terror zur&uuml;ckkehrt&ldquo;.<\/p><p>Auch Frankreich und Italien planen eine Unterst&uuml;tzungsmission f&uuml;r den S&uuml;dlibanon. Derzeit gibt es eine Art Parallelmandat zur UNIFIL, das aus den USA und Frankreich besteht, die sich mit Libanon und Israel verst&auml;ndigen. Ihr Auftrag ist, den Waffenstillstand von November 2024 zu &uuml;berwachen. Sehr erfolgreich ist dieses Parallelmandat nicht. Seit November 2024 haben israelische Truppen mehr als 15.000 Mal die Souver&auml;nit&auml;t des Libanon missachtet und in der Luft, auf See und zu Land die bestehende, von den Vereinten Nationen markierte Waffenstillstandslinie zwischen beiden L&auml;ndern gebrochen. Die Zahl basiert auf <a href=\"https:\/\/prezly.msf.org.uk\/msf-update-southern-lebanon-where-is-the-ceasefire\">Angaben<\/a> von UNIFIL und von der libanesischen Regierung.<\/p><p>86 Abgeordnete (von 128) des libanesischen Parlaments haben sich am 13. Juli mit einem Schreiben an den UN-Generalsekret&auml;r und den UN-Sicherheitsrat gewandt und fordern eine St&auml;rkung und Verl&auml;ngerung des UNIFIL-Mandats f&uuml;r den S&uuml;dlibanon. Die UN-Resolution 1701 sei nicht erf&uuml;llt. Das Mandat zu beenden, missachte die &bdquo;historischen Gr&uuml;nde&ldquo; der Mission, erkl&auml;rte der Abgeordnete Melhem Khalaf vor Journalisten in Beirut. Dazu geh&ouml;rten der Abzug israelischer Truppen, die Herstellung von Frieden und Sicherheit in der Region, die Etablierung der staatlichen libanesischen Autorit&auml;t. Es g&auml;be weiterhin Angriffe und keinen Waffenstillstand. Die UNIFIL-Truppen in dieser Situation abzuziehen, untergrabe die Glaubw&uuml;rdigkeit der Vereinten Nationen, so der Abgeordnete Khalaf. Die Anwesenheit der UNIFIL sei nicht nur eine Sache politischen Willens, sondern eine legale Notwendigkeit. Internationale Agenturen und Medien berichteten kaum &uuml;ber <a href=\"https:\/\/today.lorientlejour.com\/article\/1541139\/aoun-i-will-ask-trump-to-pressure-israel-for-its-full-withdrawal-from-lebanon.html\">die Abgeordneten-Initiative.<\/a><\/p><p><strong>Neuwahlen in den pal&auml;stinensischen Gebieten<\/strong><\/p><p>Am 9. Juli hat ein Komitee aus Technokraten die Regierung der Hamas abgel&ouml;st. Der Vorsitzende der pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde, Mahmud Abbas, der au&szlig;erhalb von Pal&auml;stina als &bdquo;pal&auml;stinensischer Pr&auml;sident&ldquo; bezeichnet wird, hat &ndash; nach 20 Jahren &ndash; wieder <a href=\"https:\/\/magazin.zenith.me\/de\/politik\/wahlen-palaestina\">Neuwahlen<\/a> zum &bdquo;Gesetzgebenden Rat&ldquo;, dem Parlament der Pal&auml;stinenser, angek&uuml;ndigt. Sie sollen am 28. November stattfinden.<\/p><p>Die letzten pal&auml;stinensischen Wahlen fanden am 25. Januar 2006 statt. Damals war die Hamas mit 44,45 Prozent der Gewinner und erhielt im pal&auml;stinensischen Parlament 74 der 132 Sitze. Die Fatah erhielt 41,43 Prozent der Stimmen und nahmen 45 Sitze ein.<\/p><p>Neuwahlen Ende November sind fraglich. Unklar ist, ob Israel die Wahlen zulassen wird. Unklar ist, wie angesichts der Tr&uuml;mmerlandschaft von Gaza die Menschen dort w&auml;hlen sollen, und Tatsache ist, dass aufgrund der Kriegsverh&auml;ltnisse und Vertreibungen kein aktuelles Einwohnermeldesystem der Pal&auml;stinenser vorliegt. Allgemein wird in Pal&auml;stina und von Beobachtern der Termin f&uuml;r Neuwahlen als Reaktion auf den anhaltenden internationalen Druck gesehen, dass die pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde und das gesamte politische System in den pal&auml;stinensischen Gebieten &bdquo;reformiert&ldquo; werden soll. Auch Gelder f&uuml;r Wiederaufbau und andere Hilfsprojekte werden von &bdquo;Reformen&ldquo; abh&auml;ngig gemacht.<\/p><p><strong>Teil II<\/strong><\/p><p><strong>EU beansprucht F&uuml;hrungsrolle<\/strong><\/p><p>Auch die Europ&auml;ische Union bezeichnet &bdquo;Reformen&ldquo; als wesentliche Voraussetzung, um den Pal&auml;stinensern umfassende Hilfe und Unterst&uuml;tzung f&uuml;r eine Zwei-Staaten-L&ouml;sung zu gew&auml;hren. Die <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/api\/files\/attachment\/882649\/Factsheet_EU%20Support%20to%20Palestinians.pdf\">Europ&auml;ische Union<\/a> sei &bdquo;der verl&auml;sslichste und glaubw&uuml;rdigste Partner f&uuml;r das pal&auml;stinensische Volk. Wir sind der gr&ouml;&szlig;te Geber und der st&auml;rkste Unterst&uuml;tzer einer Zwei-Staaten-L&ouml;sung,&ldquo; <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_26_1567\">erkl&auml;rte Kaja Kallas<\/a>, EU-Au&szlig;enbeauftragte und Vizepr&auml;sidentin der EU-Kommission, in Br&uuml;ssel am 13.7.2026. Damit das aber &bdquo;Wirklichkeit&ldquo; werden k&ouml;nne, m&uuml;sse die Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde &bdquo;an den Reformen festhalten und ihre eigene Regierungsf&auml;higkeit st&auml;rken&ldquo;. Anlass ihrer Erkl&auml;rung war das zweite Treffen der &bdquo;Pal&auml;stina Gebergruppe&ldquo; in Br&uuml;ssel am gleichen Tag.<\/p><p><a href=\"https:\/\/north-africa-middle-east-gulf.ec.europa.eu\/palestine-donor-group-second-meeting-2026-07-13_en\"><strong>Pal&auml;stina Gebergruppe<\/strong><\/a><\/p><p>Die EU-Kommissarin f&uuml;r den Mittelmeerraum, <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_26_1567#:~:text=Die%20Pal%C3%A4stinensische%20Gebergruppe%20wird,Kommission%20f%C3%BCr%20den%20Mittelmeerraum\">Dubravka Suica, erkl&auml;rte,<\/a> die &bdquo;Pal&auml;stina Gebergruppe&ldquo; nehme als internationale Plattform f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung der Pal&auml;stinenser an Bedeutung zu, zumal man &bdquo;die notwendigen Reformen f&uuml;r eine effektive, transparente und rechenschaftspflichtige pal&auml;stinensische Autorit&auml;t vorantreibt&ldquo;. Das Ziel sei klar, so die Kommissarin. Man &bdquo;helfe, Hoffnung, Widerstandsf&auml;higkeit und eine bessere Zukunft f&uuml;r das pal&auml;stinensische Volk aufzubauen&ldquo;.<\/p><p>Die &bdquo;Pal&auml;stina Gebergruppe&ldquo; versammelt Minister, Regierungsvertreter und Delegierte von Finanz- und Hilfsorganisationen, um den &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/das-steht-im-20-punkte-plan-fuer-den-gazastreifen-100.html\">Gaza-Friedensplan<\/a>&ldquo; zu unterst&uuml;tzen. Dabei handelt es sich um einen 20-Punkte-Plan, auf den die USA und Israel sich geeinigt hatten. Beim ersten Treffen der &bdquo;Pal&auml;stina Gebergruppe&ldquo; am <a href=\"https:\/\/north-africa-middle-east-gulf.ec.europa.eu\/news\/palestine-donor-group-eu-leads-international-efforts-strong-and-viable-palestinian-governance-2025-11-20_en\">20. November 2025<\/a> waren in Br&uuml;ssel Vertreter aus EU- und arabischen Staaten, m&ouml;gliche Geber, internationale und regionale Organisationen und Institutionen zusammengetroffen. Man sprach &uuml;ber die finanzielle Situation der Pal&auml;stinensischen Autonomiebeh&ouml;rde (PA), die in Zukunft ja die Kontrolle &uuml;ber den Gazastreifen &uuml;bernehmen soll. &Uuml;berpr&uuml;ft wurde, wie weit die PA es mit ihrem Reformprogramm gebracht hat, das von der EU mit einem Unterst&uuml;tzungsprogramm in H&ouml;he von 1,6 Milliarden Euro verkn&uuml;pft worden war. Auch &uuml;ber die wirtschaftliche Erholung des Westjordanlandes sei gesprochen worden, hie&szlig; es in der betreffenden EU-Erkl&auml;rung.<\/p><p><strong>Ein EU-Team f&uuml;r Gaza<\/strong><\/p><p>Am 9. Juli wurde in Br&uuml;ssel die &bdquo;<a href=\"https:\/\/north-africa-middle-east-gulf.ec.europa.eu\/news\/eu-launches-team-gaza-initiative-support-early-recovery-gaza-initial-amount-nearly-eur900-million-2026-07-09_en\">Initiative Team Gaza<\/a>&ldquo; (TGI) aus der Taufe gehoben. Mit dieser werde man konkrete Projekte starten, um den Alltag der Menschen zu verbessern, erkl&auml;rte EU-Kommissarin Suica. &bdquo;Team Gaza&ldquo; solle den Gazastreifen mit einem Programm f&uuml;r die &bdquo;Fr&uuml;herholung&ldquo; unterst&uuml;tzen. Das vorgesehene Startkapital wurde mit 883,6 Millionen Euro angegeben. Dem &bdquo;Team Gaza&ldquo; geh&ouml;ren neben der EU-Kommission und der Europ&auml;ischen Investitionsbank die Regierungen von Spanien, D&auml;nemark, Vereinigtes K&ouml;nigreich, Deutschland, Norwegen, Finnland, Italien, Niederlande, Frankreich, Schweiz, Japan, Schweden und Belgien an. Die Weltbank hat ihre Unterst&uuml;tzung signalisiert, Australien und Kanada haben eine Absichtserkl&auml;rung abgegeben, sich der Initiative anzuschlie&szlig;en. Die Initiative kn&uuml;pft an vorherige EU-Pl&auml;ne und Initiativen an, die f&uuml;r die <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/api\/files\/attachment\/882649\/Factsheet_EU%20Support%20to%20Palestinians.pdf\">Unterst&uuml;tzung<\/a> der &bdquo;notleidenden Bev&ouml;lkerung in dem vom Krieg zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas schwer zerst&ouml;rten Pal&auml;stinenser-Gebiet&ldquo;, dem Gazastreifen, seit 2023 gebildet wurden.<\/p><p><strong>Schnellbewertung der Sch&auml;den und des Bedarfs<\/strong><\/p><p>Die Initiative beruft sich eigenen Angaben zufolge auf die &bdquo;Schnellbewertung der Sch&auml;den und des Bedarfs in Gaza&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.un.org\/unispal\/document\/final-gaza-press-release-20apr26\/\">eine Studie<\/a>, die gemeinsam von der Weltbank, den Vereinten Nationen und der EU am 19. April 2026 vorgelegt worden war. Die 68 Seiten umfassende Studie &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.un.org\/unispal\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/full_report-_gaza_strip_rapid_damage_and_needs_assessment_rdna_2026_1.pdf\">Final Gaza Rapid Damage and Needs Assessment<\/a>&ldquo; (RDNA) untersucht die Kosten der Sch&auml;den, des wirtschaftlichen Verlusts und die Erfordernisse f&uuml;r Erholung und Wiederaufbau in Gaza nach 24 Monaten Krieg. Demnach werden in den kommenden 10 Jahren sch&auml;tzungsweise 71,4 Milliarden US-Dollar gebraucht. In dem Betrag enthalten sind 26,3 Milliarden USD, um in den ersten 18 Monaten wichtige Grundversorgung und erforderliche Infrastruktur zu restaurieren und die &ouml;konomische Erholung zu unterst&uuml;tzen. Die Kosten der &bdquo;physischen Infrastruktursch&auml;den&ldquo; werden in der Studie auf 35,2 Milliarden USD gesch&auml;tzt. Die wirtschaftlichen und sozialen Verluste werden auf 22,7 Milliarden US-Dollar gesch&auml;tzt.<\/p><p>Am schlimmsten seien die Sektoren Wohnen, Gesundheit, Bildung, Handel und Landwirtschaft betroffen, hei&szlig;t es in der RDNA-Studie. Mehr als 371.888 Wohneinheiten seien besch&auml;digt oder zerst&ouml;rt, mehr als 50 Prozent der Krankenh&auml;user seien au&szlig;er Betrieb, nahezu alle Schulen seien besch&auml;digt oder zerst&ouml;rt, die Wirtschaftsleistung in Gaza sei um 84 Prozent zur&uuml;ckgegangen. Der Bericht sch&auml;tzt, dass die menschliche Entwicklung im gesamten Gazastreifen um 77 Jahre zur&uuml;ckgeworfen wurde. Etwa 1,9 Millionen Menschen wurden nicht einmal, sondern mehrfach vertrieben. Mehr als 60 Prozent der Bev&ouml;lkerung haben ihr Zuhause verloren. Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen, alte Menschen und Personen, die bereits zuvor besonders schutzbed&uuml;rftig waren, h&auml;tten die gr&ouml;&szlig;te Last zu tragen. Zu Toten, Verletzten, Vermissten, Verschwundenen, Verschleppten und inhaftierten Personen macht die Studie keine Angaben.<\/p><p>Basierend auf dieser Studie will nun die &bdquo;Initiative Team Gaza&ldquo; Projekte starten, die auch mit der Weltbank koordiniert werden k&ouml;nnen, wie die EU mitteilte. Gemeint seien Projekte, die von der Weltbank ausgesetzt worden seien, nun aber reaktiviert werden. Die Projekte sollen in den Bereichen &bdquo;Wasser und Hygiene, Tr&uuml;mmer- und Abfallentsorgung, Gesundheit, Energie, Landwirtschaft und Ern&auml;hrungssysteme&ldquo; umgesetzt werden.<\/p><p><strong>Die UN-Sicherheitsratsresolution 2803<\/strong><\/p><p>Die von der EU angef&uuml;hrte Hilfsinitiative f&uuml;r Gaza basiert wiederum auf der UN-Sicherheitsratsresolution 2803 mit dem Namen &bdquo;Umfassender Plan zu Beendigung des Gaza-Konflikts&ldquo;. Dieser &bdquo;umfassende Plan&ldquo; war am 17. November 2025 im UN-Sicherheitsrat von den USA eingebracht worden. Russland und China hatten sich der Stimme enthalten, nachdem der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, <a href=\"https:\/\/usun.usmission.gov\/explanation-of-position-before-the-vote-on-a-u-s-drafted-un-security-council-resolution-on-the-situation-in-the-middle-east\/\">Mike Waltz, erkl&auml;rt<\/a> hatte, &bdquo;eine Stimme gegen diese Resolution ist eine Stimme f&uuml;r die R&uuml;ckkehr zum Krieg.&ldquo; Mit anderen Worten, Ablehnung der von den USA eingebrachten Resolution bedeute &bdquo;Fortsetzung des Krieges in Gaza&ldquo;.<\/p><p>Der Resolutionstext &uuml;bernimmt den gleichlautenden &bdquo;Umfassenden Plan&ldquo; des am 29. September 2025 von den USA vorgeschlagenen 20-Punkte-Friedensplans, mit dem zwischen den USA und Israel ein Waffenstillstand f&uuml;r Gaza vereinbart worden war. Der Text wird als Anhang 1 in der <a href=\"https:\/\/docs.un.org\/en\/s\/res\/2803(2025)\">UN-Sicherheitsratsresolution 2803<\/a> &uuml;bernommen. Die Staaten, die diesen Plan &bdquo;ausgehandelt, unterschrieben, akzeptiert oder begr&uuml;&szlig;t&ldquo; hatten, werden gelobt. Begr&uuml;&szlig;t wird zudem die &bdquo;historische Trump-Erkl&auml;rung f&uuml;r dauerhaften Frieden und Wohlstand&ldquo; vom 13. Oktober 2025 sowie die &bdquo;konstruktive Rolle, die die Staaten USA, Katar, &Auml;gypten und T&uuml;rkei bei der Aushandlung des Waffenstillstandes im Gaza-Streifen&ldquo; gespielt h&auml;tten. Die Situation im Gazastreifen bedrohe den regionalen Frieden und die Sicherheit der Nachbarstaaten, hei&szlig;t es weiter. Man nehme zudem die &bdquo;relevanten Resolutionen des Sicherheitsrates &uuml;ber die Lage im Mittleren Osten, einschlie&szlig;lich der pal&auml;stinensischen Frage zur Kenntnis&ldquo;.<\/p><p>Nach UN-Angaben wurden zwischen 1967 und 1989 vom UN-Sicherheitsrat 131 Resolutionen zur Lage im Mittleren Osten und der pal&auml;stinensischen Frage angenommen. Die Sicherheit der Pal&auml;stinenser, ihre Perspektive auf &bdquo;Frieden und Wohlstand&ldquo; hat sich dennoch stetig verschlechtert. Im j&uuml;ngsten Bericht der UN f&uuml;r den UN-Sicherheitsrat Ende Juni hei&szlig;t es, dass sich das Leid der Bev&ouml;lkerung im Gaza-Streifen &bdquo;immens vergr&ouml;&szlig;ert&ldquo; habe. Israel bricht t&auml;glich den &bdquo;Waffenstillstand&ldquo;, der offiziell am 10. Oktober 2025 in Kraft getreten sein soll. Die israelische Armee h&auml;lt rund 70 Prozent des Gaza-Streifens besetzt und verst&ouml;&szlig;t t&auml;glich gegen die UN-Sicherheitsratsresolution 2803.<\/p><p><strong>Teil III<\/strong><\/p><p><strong>Koloniale Fantasie<\/strong><\/p><p>Anders als die EU, europ&auml;ische Staaten und Staaten der Region, die den &bdquo;Friedensplan&ldquo; von Donald Trump begr&uuml;&szlig;en, der zur UNSR-Resolution 2803 wurde, gibt es auch scharfe Kritik daran. Die Resolution &uuml;bergebe praktisch die Kontrolle &uuml;ber Gaza an die USA und an Israel, so der unabh&auml;ngige UN-Experte Balakrishnan Rajagopal. &bdquo;Diese besch&auml;mende Resolution des UN-Sicherheitsrates zu Gaza widerspricht fundamental dem internationalen Recht. Es ist eine koloniale Fantasie, die es so kaum in der Geschichte der UN gegeben hat. Sie wird vermutlich scheitern und muss von allen Staaten und jedem, jeder Einzelnen zur&uuml;ckgewiesen werden.&ldquo; Der geb&uuml;rtige Inder Rajagopal ist Professor f&uuml;r Recht und Entwicklung am Massachusetts Institute f&uuml;r Technologie (MIT). Von 2020 bis 2026 war er <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/en\/special-procedures\/sr-housing\/mr-balakrishnan-rajagopal\">UN-Sonderberichterstatter<\/a> f&uuml;r angemessenen Wohnraum als Bestandteil des Rechts auf einen angemessenen Lebensstandard sowie f&uuml;r das Recht auf Nichtdiskriminierung.<\/p><p>Es ist kein Wunder, dass die kritischen Stimmen an dem US-israelischen &bdquo;Gaza Friedensplan&ldquo; nicht von den EU-Institutionen oder NATO-Mitgliedsstaaten wie Deutschland kommen, sondern aus den L&auml;ndern des Globalen S&uuml;dens. Deren Stimmen finden kein Geh&ouml;r im UN-Sicherheitsrat, wohl aber in der UN-Vollversammlung, wo seit 1948 Hunderte von Resolutionen f&uuml;r die Rechte der Pal&auml;stinenser verabschiedet wurden.<\/p><p><strong>Beispiel <a href=\"https:\/\/www.unrwa.org\/who-we-are?tid=85\">UNRWA<\/a><\/strong><\/p><p>Seit dem 1. April 1948 str&ouml;mten Hunderttausende Pal&auml;stinenser aus dem Norden Pal&auml;stinas in die benachbarten L&auml;nder Jordanien, Syrien, Libanon und Richtung Gaza, um sich vor den mordenden zionistischen Milizen in Sicherheit zu bringen, die ihre D&ouml;rfer in Brand steckten. Einer der ersten Berichte vom <a href=\"https:\/\/www.icrc.org\/sites\/default\/files\/external\/doc\/fr\/assets\/files\/2013\/deir-yassin-rapport-cicr-1948.pdf\">13. April 1948<\/a> liegt vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz &uuml;ber &bdquo;die K&auml;mpfe&ldquo; in Deir Yassin vor. Am 11. Dezember 1948 verabschiedete die UN-Vollversammlung die Resolution 194 (III) zum Recht auf R&uuml;ckkehr der pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge in ihre Heimat. Am 8. Dezember 1949 &ndash; zum Ende des Israelisch-Arabischen Krieges (1948\/49) und der Vertreibung von mehr als 700.000 Pal&auml;stinensern aus ihrer Heimat &ndash; verabschiedete die UN-Vollversammlung die Resolution 302 (IV) zur Gr&uuml;ndung des UN-Hilfswerks f&uuml;r die pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge UNRWA mit dem Mandat, diesen zu helfen und Arbeit zu finden. Ziel war, &bdquo;die Bedingungen des Hungerns und der Not&ldquo; zu verhindern und die &bdquo;Bedingungen f&uuml;r Frieden und Stabilit&auml;t zu f&ouml;rdern&ldquo;. Am 1. Mai 1950 nahm <a href=\"https:\/\/www.unrwa.org\/who-we-are?tid=85#slideshow-2\">die UNRWA<\/a> ihre Arbeit &bdquo;im Dienst der pal&auml;stinensischen Fl&uuml;chtlinge&ldquo; auf.<\/p><p>Seit seiner Gr&uuml;ndung im Mai 1948 hat der Staat Israel gegen die Vereinten Nationen und gegen die UNRWA agiert. Am 17. September 1948 wurde der schwedische UN-Sonderbotschafter Graf Folke Bernadotte von der zionistischen Miliz Lehi (Stern Gruppe) ermordet. Mit ihm wurde der franz&ouml;sische Offizier Oberst Andr&eacute; S&eacute;rot <a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/video\/mideast-mediators-murder-palestine-1948\">ermordet.<\/a> Bernadotte hatte zwischen den Arabern und Israel &uuml;ber ein Ende des Krieges verhandelt. Den Zionisten galt er als Freund der Araber.<\/p><p>Die UNRWA wird seit Jahrzehnten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110489\">von Israel diffamiert<\/a>. Verfahren gegen UNRWA wurden eingeleitet, Kontrollmechanismen installiert, Lehrer in UNRWA-Schulen werden &uuml;berwacht. Nach dem pal&auml;stinensischen Angriff auf israelische Milit&auml;rbasen, &Uuml;berwachungszentren und D&ouml;rfer &ouml;stlich des Gaza-Streifens am 7. Oktober 2023 startete Israel eine massive Anklagekampagne gegen die UNRWA, die angeblich mit den Organisationen bei dem Angriff kooperiert habe. Die UNRWA wurde beschuldigt, dass ihre Mitarbeiter der Hamas oder dem Islamischen Jihad angeh&ouml;rt haben und Fahrzeuge der UNRWA bei dem Angriff benutzt h&auml;tten. Zahlreiche L&auml;nder stellten ihre Zahlungen an die UN-Organisation ein, die israelische Armee bombardierte deren Schulen, Kinderg&auml;rten, Lager und Krankenh&auml;user in Gaza und demolierte B&uuml;ros und Fahrzeuge der Organisation. Eine von der UN eingeleitete Untersuchung ergab, dass die israelischen Vorw&uuml;rfe gegen UNRWA nicht belegt waren. UNRWA selbst ver&ouml;ffentlichte ein ausf&uuml;hrliches Papier (Englisch) unter dem Titel &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.unrwa.org\/unrwa-claims-versus-facts-2025\">Vorw&uuml;rfe versus Fakten<\/a>&ldquo;. Die Knesset entzog der UNRWA schlie&szlig;lich das Recht, in den besetzten pal&auml;stinensischen Gebieten und in Gaza zu arbeiten. Das Hauptquartier der Organisation in Ostjerusalem wurde zerst&ouml;rt. Die UNRWA wird heute <a href=\"https:\/\/youtu.be\/rpDDcYyAypo\">mehr denn je gebraucht<\/a>, aber wer setzt sich f&uuml;r das V&ouml;lkerrecht und die UN-Organisationen ein?<\/p><p><strong>Internationale Kampagne gegen die UNRWA<\/strong><\/p><p>Inzwischen ist bekannt, dass israelische Regierungen in Folge eine umfassende internationale Kampagne gegen die UNRWA aufgebaut haben. Deutschland hat sich dabei als guter Partner erwiesen, wie <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/Studien\/Studien_6-26_UNRWA_Web.pdf\">eine Untersuchung der Rosa-Luxemburg-Stiftung<\/a> zeigt.<\/p><p>&bdquo;Die Kampagne gegen das UNRWA (Hilfswerk) und das R&uuml;ckkehrrecht der Pal&auml;stinenser in Deutschland&ldquo; ist der Titel einer Studie, in der nachgewiesen wird, wie Beschuldigungen gegen UNRWA &uuml;ber ein transnationales Netzwerk von Organisationen zun&auml;chst behauptet, medial verbreitet und von Parteien und Regierungsstellen politisch und bei den Vereinten Nationen umgesetzt wurden. Die Studie spricht von einer &bdquo;Advocacy Kampagne&ldquo;, mit der gezielt die Rolle der UNRWA und das Recht der Pal&auml;stinenser auf R&uuml;ckkehr (UNGA-Resolution 194, III) infrage gestellt wird. Die Studie stellt die Aktivit&auml;ten der beteiligten Organisationen und &bdquo;staatlich gef&ouml;rderte Akteure mit rechtsgerichteten, israelnahen Positionen&ldquo; vor, die zwischen 2014 und 2026 Behauptungen und Berichte entwickelten und verbreiteten, hei&szlig;t es in der Presseerkl&auml;rung der RL-Stiftung zum Erscheinen der Studie. Die Akteure behaupteten demnach, &bdquo;UNRWA trage aufgrund mangelnder Neutralit&auml;t zur Aufrechterhaltung des israelisch-pal&auml;stinensischen Konflikts bei&ldquo;. Anhand von Dokumentenanalysen, parlamentarischen Anfragen, Gespr&auml;chen mit Abgeordneten und Mitarbeitern, Protokollen &uuml;ber einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zeige die Studie, wie die von dem Netzwerk entwickelte Darstellung den politischen Raum in Deutschland durchsetzt hat. Beteiligt waren sogenannte &bdquo;Menschenrechtsorganisationen&ldquo;, Parteien, Einzelpersonen und Medien, hei&szlig;t es in einer <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/128021\/6308503\">Presseerkl&auml;rung<\/a> der RL-Stiftung.<\/p><p>Am 13. Oktober 2025 hatte US-Pr&auml;sident Donald Trump zu einem &bdquo;Friedensgipfel 2025&ldquo; in den &auml;gyptischen Badeort Sharm el-Sheikh eingeladen. Politiker der arabischen Golfstaaten und aus anderen Staaten der Region, aus Europa und weit angereiste NATO-Mitgliedsstaaten wie Kanada stellten sich um Donald Trump herum f&uuml;r das &bdquo;Familienfoto&ldquo; auf. Trump hatte die Gelegenheit wahrgenommen und die Gr&uuml;ndung eines &bdquo;Friedensrates&ldquo; &ndash; Board of Peace &ndash; verk&uuml;ndet. Donald Trump &uuml;bernahm den Vorsitz.<\/p><p>Das offizielle <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/1\/1a\/Family_photo_of_the_2025_Sharm_El-Sheikh_Peace_Summit_%28Daniel_Torok%29.jpg\">Foto der Veranstaltung &bdquo;Peace Summit 2025&ldquo;<\/a> zeigt Donald Trump im Kreis seiner Partner: Vertreter regionaler, arabischer und europ&auml;ischer Staaten, selbst der Pr&auml;sident Kanadas, Mark Carney, war angereist. Er stand in einer Reihe mit Keir Starmer (GB), Friedrich Merz (D), Antonio Guterres (UN) und Gianni Infantino, Pr&auml;sident der FIFA. Die FIFA wolle Sport- und Fu&szlig;ballpl&auml;tze wieder aufbauen, sagte Infantino. Die Pr&auml;sentation von Jared Kushner, mit der er dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos im Januar 2026 seine <a href=\"https:\/\/i.abcnewsfe.com\/a\/9afa922f-e985-4438-8862-f3e595277431\/gaza-2-ht-gmh-260122_1769093494067_hpEmbed_11x6.jpg\">Wiederaufbaupl&auml;ne<\/a> f&uuml;r den Gaza-Streifen vorstellte, zeigt &Ouml;l- und Gas-F&ouml;rderanlagen, G&uuml;terumschlagpl&auml;tze, futuristische Hotelt&uuml;rme am Strand des Mittelmeeres, den Trump zur &bdquo;Riviera des Nahen Ostens&ldquo; ausbauen will. Vor dessen Toren leben die Armen, Vertriebenen, Hungrigen, Kr&uuml;ppel, die mit Hilfe versorgt werden?<\/p><p>Bertold Brecht hat in seiner <a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/buecher\/eulenspiegel-verlag\/titel\/kriegsfibel.html\">Kriegsfibel<\/a> den Satz gepr&auml;gt: &bdquo;Wenn die Oberen vom Frieden reden, wei&szlig; das gemeine Volk, dass es Krieg gibt&ldquo;. Niemand wei&szlig; das besser als die V&ouml;lker des Globalen S&uuml;dens, die &bdquo;hegemonialen Frieden&ldquo; verschiedener Imperien seit Jahrhunderten kennengelernt haben.<\/p><p>Im Gaza-Streifen herrscht angeblich ein Waffenstillstand seit 10. Oktober 2025. Seit diesem Tag wurde und wird von Israel t&auml;glich bombardiert und get&ouml;tet. Stand 17.7.2026 berichten das pal&auml;stinensische Gesundheitsministerium und OCHA, das UN-B&uuml;ro f&uuml;r die Koordinierung humanit&auml;rer Hilfe, von 1.123 Toten. Die Zahl der Verletzten im gleichen Zeitraum liegt bei 3.616.<\/p><p>Seit Beginn des Gazakrieges am 7. Oktober 2023 hat Israel 472 Soldaten im Gaza-Streifen verloren und meldet 3.004 Verletzte. Laut dem pal&auml;stinensischen Gesundheitsministerium und OCHA starben seit dem 7. Oktober im Gaza-Streifen mehr als 73.246, die Zahl der Verletzten wird mit 173.717 angegeben. Mindestens 10.000 Menschen sind unter den Tr&uuml;mmern vermisst oder wurden von israelischen Bulldozern, die selbst Tr&uuml;mmer dem Erdboden gleichmachen, namenlos verscharrt.<\/p><p><small>Titelbild: TexBr \/ shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Von Vertreibung, leeren Versprechen und kolonialen Fantasien im Land eines unterdr&uuml;ckten Volkes. <\/strong>Der folgende dreiteilige Beitrag zeichnet auf Grundlage arabischer Quellen die aktuelle Lage in Gaza und im Westjordanland nach und beleuchtet die politische Rolle der EU im Kontext des US-israelischen &bdquo;Gaza-Friedensplans&ldquo;. Im Mittelpunkt steht zudem die Unterst&uuml;tzung europ&auml;ischer Staaten f&uuml;r die israelische Politik sowie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=153941\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":153942,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,123,20,171],"tags":[2637,3360,3621,302,1557,1583,303,2039,1800,639,1556,1703,3549,2376,2474,2360,2920],"class_list":["post-153941","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-kampagnentarnworteneusprech","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-embargo","tag-europaeische-union","tag-friedensrat","tag-gaza","tag-israel","tag-libanon","tag-palaestina","tag-siedlungspolitik","tag-trump-donald","tag-uno","tag-usa","tag-voelkerrecht","tag-wadephul-johann","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-wiederaufbau","tag-zivile-opfer","tag-zweistaatenloesung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/shutterstock_2548624907.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153941","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=153941"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153941\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153973,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/153941\/revisions\/153973"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/153942"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=153941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=153941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=153941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}