{"id":154020,"date":"2026-07-23T12:00:54","date_gmt":"2026-07-23T10:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154020"},"modified":"2026-07-23T14:58:43","modified_gmt":"2026-07-23T12:58:43","slug":"der-ferngesteuerte-krieg-geht-an-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154020","title":{"rendered":"Der ferngesteuerte Krieg geht an Land"},"content":{"rendered":"<p>Bei einem k&uuml;rzlichen Angriff der Ukraine wurden Wasserfahrzeug, Bodenroboter und Luftaufkl&auml;rung zu einem gemeinsamen milit&auml;rischen Vorgang verbunden. Die Soldaten bleiben dabei auf Abstand, die Maschinen bringen sich gegenseitig ins Kampfgebiet. Kriege ver&auml;ndern ihren Charakter &ndash; und es gibt Berichte, Deutschland beteilige sich an der Finanzierung von 50.000 Angriffsdrohnen f&uuml;r die Ukraine. Eine angemessene parlamentarische Debatte dar&uuml;ber findet nicht statt. Von <strong>G&uuml;nther Burbach<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7254\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-154020-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260722-Ferngesteuerter-Krieg-geht-an-Land-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260722-Ferngesteuerter-Krieg-geht-an-Land-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260722-Ferngesteuerter-Krieg-geht-an-Land-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260722-Ferngesteuerter-Krieg-geht-an-Land-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=154020-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/260722-Ferngesteuerter-Krieg-geht-an-Land-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"260722-Ferngesteuerter-Krieg-geht-an-Land-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ein flaches, unbemanntes Boot n&auml;hert sich einer K&uuml;ste. Auf seiner Ladefl&auml;che steht ein kleines Kettenfahrzeug. Das Boot erreicht den Strand, das Fahrzeug rollt herunter und f&auml;hrt an Land. Auf seinem Aufbau befindet sich ein Maschinengewehr. Wenig sp&auml;ter sind Sch&uuml;sse zu sehen. Gefilmt wird der Vorgang aus der Luft.<\/p><p>Die Bilder wurden Mitte Juli von der ukrainischen 123. Territorialverteidigungsbrigade ver&ouml;ffentlicht. Nach deren Angaben ereignete sich der Einsatz auf der von Russland besetzten Kinburn-Nehrung im S&uuml;den der Ukraine. Ein unbemanntes Wasserfahrzeug habe einen bewaffneten Bodenroboter &uuml;ber das Schwarze Meer transportiert, an der gegnerisch kontrollierten K&uuml;ste abgesetzt und dort eine Kampfaufgabe ausf&uuml;hren lassen.<\/p><p>Was genau beschossen wurde, teilte die Brigade nicht mit. Auch &uuml;ber den Erfolg der Operation liegen keine unabh&auml;ngig &uuml;berpr&uuml;fbaren Angaben vor. Belegt ist durch das ver&ouml;ffentlichte Video lediglich der Ablauf: Ein unbemanntes Boot bringt ein bewaffnetes Fahrzeug an Land, das anschlie&szlig;end sein Maschinengewehr abfeuert. Ukrainische Soldaten sind am Einsatzort nicht zu sehen.<\/p><p>Die Brigade bezeichnete den Vorgang als ersten bekannten Kampfeinsatz dieser Art weltweit. Unabh&auml;ngig best&auml;tigen l&auml;sst sich dieser Anspruch nicht. Trotzdem zeigen die Aufnahmen eine Entwicklung, die &uuml;ber diesen einzelnen Angriff hinausweist. Wasserfahrzeug, Bodenroboter und Luftaufkl&auml;rung werden zu einem gemeinsamen milit&auml;rischen Vorgang verbunden. Die Soldaten bleiben auf Abstand. Die Maschinen bringen sich gegenseitig ins Kampfgebiet.<\/p><p><strong>Keine autonome Waffe, aber bereits mit KI-Unterst&uuml;tzung<\/strong><\/p><p>In der Berichterstattung werden ferngesteuerte und autonome Systeme h&auml;ufig miteinander verwechselt. Auch bei der Operation auf der Kinburn-Nehrung gibt es keinen Beleg daf&uuml;r, dass ein Roboter selbstst&auml;ndig &uuml;ber sein Ziel oder den Einsatz der Waffe entschied.<\/p><p>Das Bodenfahrzeug war mit einer Waffenstation des Typs Wolly 7.62 ausger&uuml;stet. Nach Angaben des ukrainischen Herstellers DevDroid wird die Anlage aus der Entfernung bedient. Eine Kamera &uuml;bertr&auml;gt Bilder an den Bediener, der das Ziel beobachtet und die Waffe abfeuert. Das Fahrzeug war unbemannt, aber nach dem &ouml;ffentlich bekannten Stand nicht autonom.<\/p><p>DevDroid erkl&auml;rte allerdings auch, dass K&uuml;nstliche Intelligenz den Bediener bei der Zielerfassung unterst&uuml;tze. Welche Aufgaben das Programm genau &uuml;bernimmt und wie zuverl&auml;ssig es arbeitet, ist &ouml;ffentlich nicht dokumentiert. Die Aussage zeigt dennoch, an welcher Stelle KI in den Einsatz einzieht: Sie muss nicht sofort die Entscheidung &uuml;ber den Schuss &uuml;bernehmen. Zun&auml;chst gen&uuml;gt es, wenn sie Bilder auswertet, m&ouml;gliche Ziele erkennt und dem Bediener eine Auswahl pr&auml;sentiert.<\/p><p>Damit ver&auml;ndert sich bereits die menschliche Entscheidung. Der Soldat sucht nicht mehr allein auf einem Videobild nach einem Ziel. Eine Software kann ihm markieren, was sie f&uuml;r milit&auml;risch relevant h&auml;lt. Der Mensch entscheidet anschlie&szlig;end auf Grundlage einer maschinellen Vorauswahl.<\/p><p>Wie gro&szlig; der menschliche Einfluss tats&auml;chlich bleibt, h&auml;ngt davon ab, wie das System konstruiert ist, wie viel Zeit f&uuml;r eine Pr&uuml;fung zur Verf&uuml;gung steht und welche Informationen der Bediener neben der automatischen Markierung erh&auml;lt. Dar&uuml;ber ist bei dem eingesetzten ukrainischen Fahrzeug nichts N&auml;heres bekannt. Die Bilder erlauben deshalb keine Behauptung, hier habe eine KI eigenst&auml;ndig geschossen. Sie erlauben aber ebenso wenig die beruhigende Feststellung, KI spiele bei diesem Einsatz keine Rolle. Der Hersteller selbst sagt, dass sie bei der Zielerfassung hilft.<\/p><p><strong>Roboter werden zu regul&auml;ren Kampfmitteln<\/strong><\/p><p>Unbemannte Bodenfahrzeuge sind im Ukraine-Krieg keine v&ouml;llig neue Erscheinung. Bereits im Februar 2025 k&uuml;ndigte das ukrainische Verteidigungsministerium die Aufstellung besonderer Robotereinheiten an. <em>Reuters<\/em> berichtete damals unter Berufung auf Verteidigungsminister Rustem Umjerow, dass der Einsatz unbemannter Bodensysteme erheblich ausgeweitet werden solle.<\/p><p>Die Fahrzeuge sollten f&uuml;r offensive und defensive Aufgaben, f&uuml;r Transporte, die Bergung Verwundeter sowie das Legen und R&auml;umen von Minen eingesetzt werden. Nach Angaben des Ministeriums waren entsprechende Systeme seit dem Sommer 2024 gemeinsam mit Soldaten erprobt worden. <em>Reuters<\/em> wies zugleich darauf hin, dass die eingesetzten Bodenfahrzeuge gew&ouml;hnlich &uuml;ber Kamerabilder ferngesteuert w&uuml;rden.<\/p><p>F&uuml;r Transporte und die Bergung Verwundeter liegt der Nutzen auf der Hand. Ein Roboter kann Munition durch ein beschossenes Gebiet bringen oder einen Verletzten zur&uuml;ckholen, ohne dass weitere Soldaten daf&uuml;r ihr Leben riskieren m&uuml;ssen. Dasselbe Fahrgestell kann jedoch auch Minen transportieren oder mit einer Waffenstation ausger&uuml;stet werden.<\/p><p>Der Einsatz auf der Kinburn-Nehrung f&uuml;hrt diese Entwicklung weiter. Das bewaffnete Fahrzeug musste nicht auf dem Landweg an die Front gebracht werden. Ein unbemanntes Boot transportierte es &uuml;ber das Wasser und setzte es an einem von russischen Truppen kontrollierten K&uuml;stenabschnitt ab.<\/p><p>Damit wird aus einem einzelnen Roboter ein Verbund verschiedener unbemannter Systeme. Das Boot &uuml;bernimmt den Transport, das Bodenfahrzeug den Einsatz an Land. Eine Kamera in der Luft dokumentiert den Vorgang. Alle gef&auml;hrlichen Abschnitte der Operation k&ouml;nnen aus der Entfernung begleitet werden.<\/p><p>F&uuml;r die Soldaten, die solche Ger&auml;te einsetzen, verringert das zun&auml;chst das unmittelbare Risiko. Gleichzeitig w&auml;chst die Reichweite milit&auml;rischer Operationen, bei denen niemand mehr pers&ouml;nlich das Zielgebiet betreten muss. Ein gescheiterter Angriff kostet dann m&ouml;glicherweise ein Boot und einen Bodenroboter, aber keine eigene Landungstruppe.<\/p><p>Dieser Unterschied ist politisch bedeutsam. Der Einsatz bewaffneter Gewalt wird f&uuml;r die angreifende Seite nicht folgenlos. Aber ein materieller Verlust besitzt eine andere Wirkung als get&ouml;tete oder gefangene Soldaten. Unbemannte Systeme k&ouml;nnen deshalb Operationen erm&ouml;glichen, die mit einer menschlichen Besatzung als zu gef&auml;hrlich gelten w&uuml;rden. Genau das war nach Angaben der ukrainischen Seite einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r die Roboterlandung.<\/p><p><strong>50.000 Angriffsdrohnen mit automatischer Zielverfolgung<\/strong><\/p><p>Fast zeitgleich mit der Ver&ouml;ffentlichung der Bilder wurde eine deutsche Beteiligung am Ausbau KI-gest&uuml;tzter Angriffstechnik bekannt. <em>Reuters<\/em> berichtete am 12. Juli unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Quelle, Deutschland finanziere 50.000 Angriffsdrohnen f&uuml;r die Ukraine.<\/p><p>Die Drohnen vom Typ Shrike werden vom ukrainischen Hersteller SkyFall produziert. Sie sollen nach dem Reuters-Bericht mit Software des US-Unternehmens Auterion ausger&uuml;stet sein. Diese Software sei daf&uuml;r entwickelt worden, bewegliche Ziele in der letzten Flugphase automatisch zu verfolgen und zu treffen.<\/p><p>Der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von Auterion best&auml;tigte <em>Reuters<\/em> die Gr&ouml;&szlig;e des Auftrags und einen Wert von rund 90 Millionen Euro. Er erkl&auml;rte, finanziert werde die Bestellung von einem europ&auml;ischen Land. SkyFall best&auml;tigte gegen&uuml;ber <em>Reuters<\/em> eine deutsche Beteiligung, wollte aber keine Einzelheiten des Gesch&auml;fts nennen. Das deutsche Verteidigungsministerium verweigerte unter Hinweis auf die operative Sicherheit eine Stellungnahme. Auch das ukrainische Verteidigungsministerium &auml;u&szlig;erte sich nicht.<\/p><p>Damit ist nicht jede Vertragsangabe amtlich best&auml;tigt. Die zentralen Bestandteile der Reuters-Meldung beruhen jedoch nicht allein auf einer anonymen Quelle: Der Softwarehersteller best&auml;tigte Umfang und Wert des Auftrags, der Drohnenhersteller die deutsche Beteiligung.<\/p><p>Technisch ist besonders die letzte Phase des Drohnenfluges von Bedeutung. FPV-Drohnen werden gew&ouml;hnlich von einem Piloten gelenkt, der das Kamerabild des Flugger&auml;ts sieht. Elektronische St&ouml;rsender k&ouml;nnen diese Verbindung unterbrechen. Kann die Software ein zuvor erfasstes bewegliches Ziel weiterverfolgen, muss der Pilot auf den letzten Metern nicht mehr jede Kurskorrektur selbst vornehmen.<\/p><p>Das bedeutet nicht zwangsl&auml;ufig, dass eine KI das Ziel eigenst&auml;ndig aussucht. Nach der Reuters-Beschreibung geht es um die automatische Verfolgung und Bek&auml;mpfung eines bereits erfassten Objekts. Trotzdem wird ein Teil des t&ouml;dlichen Vorgangs an die Software &uuml;bertragen: Sie h&auml;lt das Ziel fest und steuert die Drohne w&auml;hrend der entscheidenden letzten Flugphase.<\/p><p>Bei 50.000 Drohnen handelt es sich nicht mehr um einen kleinen Versuch. Sollten die von <em>Reuters<\/em> beschriebenen Lieferungen vollst&auml;ndig erfolgen, wird eine Technik zur automatischen Zielverfolgung in gro&szlig;er St&uuml;ckzahl in einen laufenden Krieg eingebracht. Eine &ouml;ffentliche parlamentarische Debatte &uuml;ber die genauen F&auml;higkeiten dieser Systeme, ihre Einsatzregeln und die deutsche Verantwortung daf&uuml;r ist bisher nicht erkennbar.<\/p><p><strong>Der Mensch bleibt beteiligt, aber an welcher Stelle?<\/strong><\/p><p>Die entscheidende Grenze verl&auml;uft nicht zwischen einem Roboter und einem Menschen. Sie verl&auml;uft zwischen verschiedenen Formen der Kontrolle.<\/p><p>Ein ferngesteuertes Fahrzeug kann jede Bewegung auf unmittelbaren Befehl eines Bedieners ausf&uuml;hren. Ein anderes System kann seine Route selbst berechnen, Hindernissen ausweichen oder ein markiertes Objekt verfolgen. Eine KI kann dem Menschen lediglich Vorschl&auml;ge anzeigen. Sie kann aber auch gro&szlig;e Teile des Vorgangs vorbereiten, sodass dem Bediener am Ende nur die Best&auml;tigung bleibt.<\/p><p>Deshalb reicht die Versicherung, ein Mensch bleibe beteiligt, f&uuml;r sich genommen nicht aus. Entscheidend ist, was dieser Mensch noch selbst beurteilen kann. Kennt er die Umgebung des Ziels? Sieht er das vollst&auml;ndige Kamerabild oder nur einen von der Software ausgew&auml;hlten Ausschnitt? Kann er die Empfehlung der Maschine pr&uuml;fen? Kann er den Angriff jederzeit abbrechen?<\/p><p>Diese Fragen stellen sich bereits bei Systemen, die offiziell nicht als autonome Waffen gelten. Der Bodenroboter auf der Kinburn-Nehrung wurde ferngesteuert. Gleichzeitig soll KI bei seiner Zielerfassung helfen. Die von <em>Reuters<\/em> beschriebenen Shrike-Drohnen werden zun&auml;chst von Piloten gelenkt. In der letzten Flugphase kann Software die weitere Zielverfolgung &uuml;bernehmen.<\/p><p>Zwischen vollst&auml;ndiger menschlicher Steuerung und vollst&auml;ndiger Autonomie liegt ein breites Feld. Genau dort findet derzeit die milit&auml;rische Entwicklung statt.<\/p><p>Seit 2014 beraten Staaten im Rahmen der UN-Konvention &uuml;ber bestimmte konventionelle Waffen &uuml;ber sogenannte t&ouml;dliche autonome Waffensysteme. Eine verbindliche internationale Regelung gibt es bis heute nicht.<\/p><p>Im M&auml;rz 2026 berichtete <em>Reuters<\/em> &uuml;ber eine neue Verhandlungsrunde in Genf. 128 Staaten sollten bis zum Ende des Mandats im September versuchen, sich im Konsens auf einen nicht bindenden Text zu einigen. Dieser k&ouml;nnte sp&auml;ter die Grundlage f&uuml;r Verhandlungen &uuml;ber Verbote und Beschr&auml;nkungen schaffen.<\/p><p>Robert in den Bosch, Vorsitzender der zust&auml;ndigen Expertengruppe, warnte davor, dass die politische Verst&auml;ndigung von der technischen Entwicklung &uuml;berholt werden k&ouml;nne. Russland und die Vereinigten Staaten lehnen <em>Reuters<\/em> zufolge ein neues, rechtlich bindendes Instrument ab. Sie vertreten die Auffassung, die bestehenden Regeln des internationalen Rechts reichten aus.<\/p><p>Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK ) widerspricht. Es fordert ein verbindliches Abkommen. Unvorhersehbare autonome Waffen sowie Systeme, die Menschen unmittelbar als Ziele ausw&auml;hlen, sollten verboten werden. F&uuml;r andere autonome Waffen verlangt das IKRK Beschr&auml;nkungen hinsichtlich der Ziele, des Einsatzgebietes, der Einsatzdauer und des Umfangs.<\/p><p>Vom 16. bis 20. November 2026 findet die n&auml;chste &Uuml;berpr&uuml;fungskonferenz der UN-Waffenkonvention statt. Das IKRK sieht darin eine entscheidende M&ouml;glichkeit, Verhandlungen &uuml;ber verbindliche Regeln zu beginnen.<\/p><p>W&auml;hrenddessen schreitet der praktische Einsatz weiter voran. Die NATO hat bereits 2022 in ihrem Plan zur Umsetzung autonomer Systeme erkl&auml;rt, die B&uuml;ndnispartner sollten solche Systeme langfristig in ihre Streitkr&auml;fte integrieren. Genannt werden miteinander kompatible &bdquo;Systeme von Systemen&ldquo;, verschiedene Autonomiestufen sowie &Uuml;bungen und Erprobungen mit dem Ziel, diese F&auml;higkeiten in gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;stab einzusetzen. Die NATO verbindet dies mit der Zusicherung, internationales Recht und eigene Grunds&auml;tze f&uuml;r den verantwortlichen Umgang mit KI einzuhalten.<\/p><p>Diese Zusicherung ersetzt jedoch keine international verbindliche Grenze. Sie beschreibt, wie das B&uuml;ndnis autonome Systeme einsetzen m&ouml;chte. Sie verhindert nicht, dass andere Staaten andere Regeln anwenden.<\/p><p><strong>Was die Bilder tats&auml;chlich zeigen<\/strong><\/p><p>Das Video von der Kinburn-Nehrung beweist keinen selbstst&auml;ndig entscheidenden Kampfroboter. Es beweist auch nicht, dass eine Maschine ohne menschlichen Befehl auf ein Ziel geschossen hat. Wer das behauptet, w&uuml;rde den bekannten Stand &uuml;bertreiben.<\/p><p>Der dokumentierte Vorgang ist aber auch ohne &Uuml;bertreibung weitreichend genug.<\/p><p>Ein unbemanntes Boot bringt ein bewaffnetes unbemanntes Fahrzeug an eine gegnerisch kontrollierte K&uuml;ste. Der Bodenroboter ist mit einem ferngesteuerten Maschinengewehr ausgestattet. Nach Angaben seines Herstellers unterst&uuml;tzt K&uuml;nstliche Intelligenz die Zielerfassung. Parallel sollen Zehntausende Angriffsdrohnen geliefert werden, deren Software bewegliche Ziele in der letzten Flugphase automatisch verfolgen kann.<\/p><p>Das sind keine Entw&uuml;rfe aus einem Entwicklungslabor. Es handelt sich um Systeme, die f&uuml;r einen laufenden Krieg hergestellt und dort eingesetzt werden.<\/p><p>Die politische Regulierung steht dagegen noch am Anfang. Seit mehr als zehn Jahren wird beraten. Im Jahr 2026 wird weiterhin um einen nicht bindenden Text gerungen, der m&ouml;glicherweise sp&auml;tere Verhandlungen vorbereitet. Zur selben Zeit werden Robotereinheiten aufgestellt, KI-gest&uuml;tzte Waffenstationen eingesetzt und Zehntausende Drohnen mit automatischer Zielverfolgung bestellt.<\/p><p>Der Roboter am Strand hat nicht selbst entschieden, dass er schie&szlig;en will. Das ist eine wichtige Feststellung. Ebenso wichtig ist eine andere: Der Mensch musste daf&uuml;r nicht mehr am Strand stehen.<\/p><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>\n<a href=\"https:\/\/united24media.com\/defense-tech\/ukraine-deploys-amphibious-ground-robot-by-drone-boat-in-world-first-combat-mission-20761\">UNITED24 Media, 14. Juli 2026: Ukraine Sends Secret Armed Ground Robot Ashore by Drone Boat in World-First Combat Mission<\/a><br>\nBericht &uuml;ber die Landung des bewaffneten Bodenroboters auf der Kinburn-Nehrung, die eingesetzte Waffenstation Wolly 7.62 und die KI-gest&uuml;tzte Zielerfassung.\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/germany-funds-50000-strike-drones-ukraine-source-says-2026-07-12\/\">Reuters, 12. Juli 2026: Germany funds 50,000 strike drones for Ukraine, source says<\/a><br>\nBericht &uuml;ber die deutsche Beteiligung an der Finanzierung von 50.000 Shrike-Angriffsdrohnen mit Software zur automatischen Verfolgung beweglicher Ziele.\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/aerospace-defense\/ukraines-military-roll-out-units-robotic-vehicles-2025-02-05\/\">Reuters, 5. Februar 2025: Ukraine&rsquo;s military to roll out units of robotic vehicles<\/a><br>\nBericht &uuml;ber den Aufbau ukrainischer Robotereinheiten und den Einsatz ferngesteuerter Bodenfahrzeuge f&uuml;r Kampf, Logistik, Verwundetenbergung und Minenr&auml;umung.\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/progress-rules-lethal-autonomous-weapons-urgently-needed-says-chair-geneva-talks-2026-03-03\/\">Reuters, 3. M&auml;rz 2026: Progress on rules for lethal autonomous weapons urgently needed, says chair of Geneva talks<\/a><br>\n&Uuml;berblick &uuml;ber die Genfer Verhandlungen von 128 Staaten und den weiterhin fehlenden verbindlichen internationalen Regeln f&uuml;r autonome Waffen.\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"https:\/\/www.icrc.org\/en\/article\/faq-artificial-intelligence-in-military-domain\">Internationales Komitee vom Roten Kreuz, 11. Juni 2026: Artificial Intelligence in the military domain<\/a><br>\nErl&auml;uterung der Gefahren autonomer Waffen und der Forderung des IKRK nach Verboten und verbindlichen Einsatzbeschr&auml;nkungen.\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"https:\/\/www.nato.int\/en\/about-us\/official-texts-and-resources\/official-texts\/2022\/10\/13\/summary-of-natos-autonomy-implementation-plan\">NATO, 13. Oktober 2022: Summary of NATO&rsquo;s Autonomy Implementation Plan<\/a><br>\nOffizieller NATO-Plan zur Entwicklung, Erprobung und gro&szlig;fl&auml;chigen Einf&uuml;hrung miteinander verbundener autonomer Milit&auml;rsysteme.\n<\/li>\n<\/ul><p><small>Titelbild: Es sarawuth \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem k&uuml;rzlichen Angriff der Ukraine wurden Wasserfahrzeug, Bodenroboter und Luftaufkl&auml;rung zu einem gemeinsamen milit&auml;rischen Vorgang verbunden. Die Soldaten bleiben dabei auf Abstand, die Maschinen bringen sich gegenseitig ins Kampfgebiet. Kriege ver&auml;ndern ihren Charakter &ndash; und es gibt Berichte, Deutschland beteilige sich an der Finanzierung von 50.000 Angriffsdrohnen f&uuml;r die Ukraine. Eine angemessene parlamentarische Debatte<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154020\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":154021,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,171],"tags":[3628,813,1805,3581,259,260],"class_list":["post-154020","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-militaereinsaetzekriege","tag-autonome-waffen","tag-drohnen","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-robotertechnik","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/shutterstock_2654597065.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=154020"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":154075,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154020\/revisions\/154075"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/154021"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=154020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=154020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=154020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}