{"id":154105,"date":"2026-07-24T10:00:54","date_gmt":"2026-07-24T08:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154105"},"modified":"2026-07-24T10:24:58","modified_gmt":"2026-07-24T08:24:58","slug":"klingbeils-aktionsplan-gegen-steuerbetrug-vom-mutigen-tiger-zum-bettvorleger-der-maechtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154105","title":{"rendered":"Klingbeils Aktionsplan gegen Steuerbetrug: vom mutigen Tiger zum Bettvorleger der M\u00e4chtigen"},"content":{"rendered":"<p>Warum &uuml;berf&auml;llige Ma&szlig;nahmen gegen Steuer- und Finanzkriminalit&auml;t an Personalmangel, zersplitterten Zust&auml;ndigkeiten, fehlender Kontrolle der tats&auml;chlichen Einnahmen und dem ausbleibenden Abbau legaler Steuerprivilegien scheitern. Von <strong>Detlef Koch<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDeutschlands Finanzminister Lars Klingbeil will st&auml;rker gegen Steuerbetrug und Geldw&auml;sche vorgehen? Gemeinsam mit Justizministerin Stefanie Hubig stellte er am Donnerstag, dem 16. Juli 2026, einen &bdquo;Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalit&auml;t&ldquo; vor. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><strong>Gute Absicht &ndash; wenig Wirkung<\/strong><\/p><p>Der Aktionsplan ist keineswegs bedeutungslos. Ein gemeinsames Zentrum soll Bund und L&auml;nder bei gro&szlig;en Verfahren zusammenbringen. Ein Datenanalysezentrum, eine beh&ouml;rden&uuml;bergreifende Plattform und KI-gest&uuml;tzte Instrumente sollen Muster fr&uuml;her erkennen. Hinzu kommen transaktionsnahe Umsatzsteuermeldungen, eine gezieltere Bundesbetriebspr&uuml;fung, besserer Hinweisgeberschutz, eine wissenschaftlich begleitete Steuerl&uuml;ckensch&auml;tzung sowie eine engere europ&auml;ische und internationale Zusammenarbeit. Das sind richtige, teilweise lange &uuml;berf&auml;llige Ans&auml;tze.<\/p><p>Doch die 26 Punkte haben h&ouml;chst unterschiedliche Reifegrade. Manche sollen erst gepr&uuml;ft, andere gesetzlich ausgestaltet, wieder andere institutionell aufgebaut werden. Die Pressemitteilung der Ministerien wechselt entsprechend zwischen &bdquo;soll&ldquo;, &bdquo;wird&ldquo;, &bdquo;wollen wir&ldquo; und &bdquo;pr&uuml;fen&ldquo;.  [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Das wirkt auf skrupellose Steuerbetr&uuml;ger nicht gerade einsch&uuml;chternd. Von einem Umsatzsteuermeldesystem zu einem funktionierenden IT-Verfahren m&uuml;ssen noch einige H&uuml;rden genommen werden, eine angek&uuml;ndigte Bundeskompetenz ist auch noch lange keine verfassungsrechtlich abgesicherte Zust&auml;ndigkeit des Bundes und von einem gemeinsamen Zentrum zu einer einsatzf&auml;higen Ermittlungsbeh&ouml;rde ist auch noch ein langer Weg.<\/p><p>Selbst die gest&auml;rkten Befugnisse der Finanzkontrolle bei Schwarzarbeit und rund 1.500 zus&auml;tzliche ben&ouml;tigte Stellen beim Zoll werden erst wirksam, wenn auch 1.500 Steuerfahnder ausgebildet und eingestellt sind. Das Gleiche gilt f&uuml;r die fehlenden Kapazit&auml;ten in Landesfinanz&auml;mtern, Staatsanwaltschaften und Gerichten.<\/p><p><strong>Ohne Personal bleibt der Aktionsplan gegen Wirtschaftskriminelle eine leere Drohung<\/strong><\/p><p>Die amtlichen Zahlen zeigen das Kernproblem. Im Jahr 2024 arbeiteten in den Finanz&auml;mtern der L&auml;nder rund 96.901 Vollzeitfachkr&auml;fte; zugleich waren 6.869 Planstellen nicht besetzt. Es gab 12.360 Betriebspr&uuml;fer und lediglich 2.529 Steuerfahnder. Von 8,83 Millionen erfassten Betrieben wurden 140.764 gepr&uuml;ft. Das sind l&auml;cherliche 1,6 Prozent. Die amtlichen Daten weisen zudem einen langfristigen R&uuml;ckgang der Betriebspr&uuml;fer aus. Die Zahl der Steuerfahnder lag 2024 nur wenig &uuml;ber 2010 und sogar leicht unter dem Stand von 2005. Die j&uuml;ngsten Personal- und Pr&uuml;fdaten best&auml;tigen den Engpass. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p>Zwar ist die Steuerfahndung Sache der L&auml;nder. Doch der Bund kann gemeinsame Standards setzen, sich an Pr&uuml;fungen beteiligen und mit den L&auml;ndern verbindliche Ziele vereinbaren. Was fehlt, ist ein mehrj&auml;hriger Bund-L&auml;nder-Pakt, der zus&auml;tzliches Personal und eine verl&auml;ssliche Finanzierung festschreibt. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Ein m&ouml;gliches &ndash; ausdr&uuml;cklich nicht amtliches &ndash; Reformszenario w&auml;re m&ouml;glicherweise, innerhalb von f&uuml;nf Jahren ca. 10.000 zus&auml;tzliche Vollzeitstellen aufzubauen: 5.000 f&uuml;r Betriebs-, Konzern- und Hochverm&ouml;gendenpr&uuml;fungen, 1.800 f&uuml;r die Steuerfahndung, ca. 1.000 f&uuml;r Strafverfahren, Vollstreckung und Verm&ouml;genssicherung, 600 f&uuml;r Staatsanwaltschaften und Justiz, 1.100 f&uuml;r IT und Datenanalyse sowie 500 f&uuml;r Ausbildung und Koordination. Diese Modellrechnung orientiert sich an den dokumentierten Personall&uuml;cken und den im Aktionsplan der Bundesregierung genannten Aufgabenfeldern. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Ersatz f&uuml;r Pensionierungen und Fluktuation k&auml;men hinzu. Diese Dinge brauchen Zeit. Eine unbesetzte Planstelle muss erstmal besetzt werden k&ouml;nnen und selbst mit der Einstellung einer ausgebildeten Fachkraft wird diese nicht &uuml;ber Nacht zum erfahrenen Spezialisten &ndash; diese werden aber genau gebraucht.<\/p><p>Nach den Kostenberechnungen der Beh&ouml;rden w&uuml;rde dieses Modell rund zwei Milliarden Euro pro Jahr kosten. F&uuml;r den Aufbau w&auml;ren einmalig etwa 1,5 Milliarden Euro n&ouml;tig. Wenn das System vollst&auml;ndig arbeitet, k&ouml;nnte der Staat jedes Jahr nur allein dadurch rund 4,4 Milliarden Euro mehr Steuern einnehmen. Nach Abzug der laufenden Kosten blieben davon etwa 2,4 Milliarden Euro zus&auml;tzlich in der Staatskasse. &Uuml;ber einen Zeitraum von zehn Jahren erg&auml;be sich so ein &Uuml;berschuss von rund 15,5 Milliarden Euro. M&ouml;gliche zus&auml;tzliche Einnahmen, weil bessere Kontrollen Steuerhinterziehung schon im Vorfeld verhindern, d&uuml;rfen erwartet werden.<\/p><p><strong>Mehrergebnis ist noch keine Mehreinnahme<\/strong><\/p><p>Die allgemeine Betriebspr&uuml;fung meldete 2024 ein &bdquo;Mehrergebnis&ldquo; von 10,9 Milliarden Euro. Die Steuerfahndung stellte vorl&auml;ufig 2,6 Milliarden Euro Mehrsteuern fest. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Gleichzeitig bestanden Ende 2024 bei den L&auml;ndern 6,243 Milliarden Euro vollstreckbare R&uuml;ckst&auml;nde. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Diese Gr&ouml;&szlig;en d&uuml;rfen weder addiert noch als Einnahmen ausgegeben werden. Das BMF warnt selbst, das festgestellte Mehrergebnis sei nicht mit haushaltswirksamem Mehraufkommen gleichzusetzen.<\/p><p>Wie gro&szlig; die L&uuml;cke sein kann, zeigte der Bundesrechnungshof schon 2019: [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] In einer risikoorientierten Stichprobe wurde weniger als die H&auml;lfte der statistisch ausgewiesenen zus&auml;tzlichen Steuern tats&auml;chlich eingenommen. Rechtsbehelfe, Insolvenzen, Doppelz&auml;hlungen und blo&szlig;e zeitliche Verschiebungen spielten dabei auch eine Rolle. Daraus l&auml;sst sich eines ableiten &ndash; wir brauchen zwingend eine Reform zur Messung von Steuereinnahmen.<\/p><p>Jeder Steuerfall braucht eine pseudonymisierte, beh&ouml;rden&uuml;bergreifende Kennung. Eine einheitliche Erfassung muss nachvollziehbar machen, wie viel von den zun&auml;chst festgestellten Mehrsteuern tats&auml;chlich festgesetzt, bestandskr&auml;ftig und am Ende eingezogen oder verrechnet wurden. Daneben m&uuml;ssen verhinderte Erstattungen, Zinsen, Geldbu&szlig;en und endg&uuml;ltige Verm&ouml;genseinziehungen getrennt erscheinen. Eine Art unabh&auml;ngiges &bdquo;Tax-Gap-Office&ldquo; sollte Methoden, Unsicherheiten und Revisionen offenlegen. Der im Auftrag der EU-Kommission erstellte Bericht sch&auml;tzt die deutsche Mehrwertsteuer-Compliance-L&uuml;cke f&uuml;r 2023 auf 31,295 Milliarden Euro oder 9,7 Prozent [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] des theoretisch geschuldeten Mehrwertsteueraufkommens. Diese L&uuml;cke ist nicht allein mit Betrug zu erkl&auml;ren. Sie umfasst auch Ausf&auml;lle durch Insolvenzen und Konkurse, Verwaltungsfehler und legale Steuergestaltung. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Ebenso wichtig ist der Fahndungsfokus. L&ouml;hne sind durch Steuerabzug und Drittmeldungen bereits weitgehend transparent. Die gr&ouml;&szlig;ten Betrugsm&ouml;glichkeiten ergeben sich durch eine gigantische Informationsflut und kaum durchschaubare Komplexit&auml;t bei multinationalen Konzernen, gro&szlig;en privaten Unternehmens- und Verm&ouml;gensgruppen, sehr verm&ouml;genden Privatpersonen, Banken, Fonds, Offshore- und Immobilienstrukturen, professionellen Vermittlern sowie organisiertem Umsatzsteuerbetrug. Dort braucht es dauerhafte hochprofessionelle Spezialteams. <\/p><p>F&uuml;r abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte und kleine Unternehmen, die oft aus Unkenntnis einfache Fehler machen, sind dagegen oft schon Erkl&auml;rungen, Beratung, Bagatellgrenzen und schnelle Korrekturen angemessen. Der Fahndungsfokus sollte sich nach Informations-, Komplexit&auml;ts- und Schadensrisiko richten und auf Hochverm&ouml;gende konzentrieren &ndash; nicht weil Reiche unter Generalverdacht stehen, sondern weil extrem hohe Summen im Spiel sind.<\/p><p><strong>Fahndung ersetzt kein gerechtes Steuerrecht<\/strong><\/p><p>Eine ernsthafte Politik muss vier Dinge auseinanderhalten:<\/p><ul>\n<li>Steuerhinterziehung ist illegal. <\/li>\n<li>Aggressive Steuergestaltung kann missbr&auml;uchlich sein, ist aber kein eigener Straftatbestand.<\/li>\n<li>Steuervermeidung nutzt legale Spielr&auml;ume. <\/li>\n<li>Steuerverg&uuml;nstigungen wiederum sind politisch beschlossene Ausnahmen. <\/li>\n<\/ul><p>Fahnder d&uuml;rfen selbst illegitimes, aber legales Verhalten nicht nachtr&auml;glich kriminalisieren. Der Gesetzgeber hat ja selbst diese ungerechten Ergebnisse geschaffen oder geduldet. Jetzt gilt es, diese Ungerechtigkeit zu beenden.<\/p><p>Der Aktionsplan bleibt hier auffallend vage. Bei aggressiven Dividendengestaltungen sollen Versch&auml;rfungen lediglich &bdquo;gepr&uuml;ft&ldquo; werden. Zur weitreichenden Verschonung gro&szlig;er Betriebsverm&ouml;gen bei der Erbschaftsteuer, zum proportionalen Satz von 25 Prozent auf viele private Kapitaleink&uuml;nfte oder zu weiterhin m&ouml;glichen Share-Deal-Gestaltungen bei Immobilien enth&auml;lt er &uuml;berhaupt keine konkrete Reform. Die 85- oder 100-prozentige Verschonung von Betriebsverm&ouml;gen ist an Bedingungen gebunden und soll angeblich Arbeitspl&auml;tze sch&uuml;tzen und bei gro&szlig;en Erwerbungen greifen Abschmelzung oder Bed&uuml;rfnispr&uuml;fung. Dennoch weist der 30. Subventionsbericht daf&uuml;r ein j&auml;hrliches Steuerverg&uuml;nstigungsvolumen von 8,8 Milliarden Euro aus. [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Gerade hier muss Bed&uuml;rftigkeit noch deutlich sch&auml;rfer kontrolliert werden. Liquidit&auml;tsprobleme kann man gegebenenfalls auch durch Stundung l&ouml;sen.<\/p><p><strong>Der Bock wird zum G&auml;rtner<\/strong><\/p><p>Steuerrecht entsteht zudem nicht im luftleeren Raum. Banken, Verb&auml;nde, Berater und Unternehmen besitzen Fachwissen, das der Staat ben&ouml;tigt, aber oft nicht hat. Der Staat sollte auch in der Lage sein, seine ureigensten Interessen sichtbar zu machen. <\/p><p>Was bei Cum-Ex geschah, ist heute allgemein bekannt. Der problematische Einfluss der Finanzakteure beim Cum-Ex-Skandal lag nicht in einer nachweislich eingeschleusten Gesetzesl&uuml;cke, sondern in der Verengung des Problems. Der Bankenverband kannte die Gefahr doppelter Steuerbescheinigungen seit Jahren, stellte sie dem Finanzministerium aber als begrenztes technisches Problem dar. Vorgeschichte, Haftungsinteressen, Gr&ouml;&szlig;enordnung und Dringlichkeit blieben weitgehend unerw&auml;hnt. Zugleich akzeptierte die Branche eine L&ouml;sung, die Gesch&auml;fte &uuml;ber ausl&auml;ndische Banken nicht erfasste. Das Finanzministerium lie&szlig; den Verband Entw&uuml;rfe gegenlesen und &uuml;bernahm Teile seiner Darstellung in die Gesetzesbegr&uuml;ndung. <\/p><p>Auch nach dem Cum-Ex-Skandal nehmen Banken, Wirtschafts- und Steuerverb&auml;nde weiterhin im Rahmen von sogenannten Verb&auml;ndeanh&ouml;rungen Einfluss auf steuerpolitische Gesetzgebungsverfahren. Kritiker wie Anne Brorhilker oder die B&uuml;rgerorganisation Finanzwende bem&auml;ngeln, dass die Finanzlobby noch immer erheblichen Einfluss auf die Steuerpolitik aus&uuml;bt. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><strong>Strafen, Daten und der Rechtsstaat<\/strong><\/p><p>F&uuml;r organisierte Steuerkriminalit&auml;t k&ouml;nnen h&ouml;here Strafen gerechtfertigt sein. Der geplante Strafrahmen von bis zu 15 Jahren und ein Verbrechenstatbestand mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe l&ouml;sen den Vollzugsengpass jedoch nicht. Abschreckung entsteht vor allem aus einem hinreichend hohen Entdeckungsrisiko, z&uuml;gigen Ermittlungen und einer realistischen Aussicht auf Einziehung des betr&uuml;gerisch erworbenen Verm&ouml;gens &ndash; nicht aus der abstrakten Obergrenze eines selten angewandten Strafrahmens.<\/p><p>Auch die angek&uuml;ndigte Abschaffung der Selbstanzeige verlangt mehr Pr&auml;zision als die Formel vom &bdquo;Freikaufen&ldquo;. Das geltende Recht unterscheidet zwischen &sect; 371 der Abgabenordnung (AO) <em>Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung<\/em> und &sect; 398a der Abgabenordnung, <em>Absehen von Verfolgung in besonderen F<\/em><em>&auml;<\/em><em>llen<\/em> <\/p><p>&sect; 371 kann bei vollst&auml;ndiger, rechtzeitiger Berichtigung und Zahlung Straffreiheit gew&auml;hren. [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Greifen bestimmte Ausschlussgr&uuml;nde wegen der H&ouml;he oder Schwere der Tat, erm&ouml;glicht &sect; 398a AO unter zus&auml;tzlichen Zahlungen ein Absehen von der Verfolgung. [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Bevor die strafbefreiende Selbstanzeige abgeschafft wird, sollte der Staat untersuchen, was sie in der Praxis wirklich gebracht hat. Welche Hauptsteuern wurden tats&auml;chlich vereinnahmt, welche Informationen und Verm&ouml;genswerte wurden tats&auml;chlich gewonnen? Straffreiheit kann enger gefasst werden. Ein rechtlich kontrolliertes Kooperationsregime sollte aber Beweise, Zahlung und R&uuml;ckkehr zur Steuerehrlichkeit weiterhin erm&ouml;glichen.<\/p><p>Der Bund Katholischer Unternehmer kritisiert, dass Transaktionsmeldungen, Spiegelserver und f&uuml;nfzehnj&auml;hrige Aufbewahrungsfristen rechtskonforme Unternehmen erheblich belasten k&ouml;nnen. &Uuml;bergangsfristen, Bagatellgrenzen, einheitliche Schnittstellen und eine unabh&auml;ngige Kostenpr&uuml;fung sind deshalb vermutlich notwendig. Aber das soll nat&uuml;rlich nicht bedeuten, dass Vertrauen auf einmal eine Alternative zu Kontrolle sei. Lobbyverb&auml;nde behaupten immer wieder, dass der Staat nur ein Ausgabenproblem habe, aber bestehende Steuerpflichten und das Gleichheitsgebot werden dadurch nicht unverbindlich.<\/p><p>Dasselbe gilt f&uuml;r die Grundrechte. Steuergeheimnis, Datenschutz, Unschuldsvermutung, Berufsgeheimnisse und Rechtsschutz sind keine l&auml;stigen Hindernisse, sondern Bedingungen legitimer Macht. Eine zentrale Datenplattform mit KI, langen Speicherfristen und Spiegelservern braucht pr&auml;zise Zweckbindungen, Datenminimierung und L&ouml;schregeln, protokollierte Zugriffe, unabh&auml;ngige Modell-Audits, ver&ouml;ffentlichte Fehler- und Verteilungspr&uuml;fungen, menschliche Letztentscheidungen, nachvollziehbare Begr&uuml;ndungen und wirksame Rechtsbehelfe. Ein Risikoscore darf eine Pr&uuml;fung priorisieren, aber er darf keinen Schuldigen erzeugen.<\/p><p><strong>Schlusskommentar<\/strong><\/p><p>Steuern sind keine mit elit&auml;rer Herablassung gegebenen Almosen oder ein z&ouml;gerlich gegebenes Dankesch&ouml;n an den Staat. Sie sind ein ethisch gebotener Pflichtbeitrag an die Gesellschaft, von der wir alle profitieren. Steuern sind die materielle Grundlage f&uuml;r Schulen und Krankenh&auml;user, f&uuml;r saubere Wege, Sicherheit und soziale Absicherung in Lebenskrisen bis hin zur Infrastruktur. Wer ihre Zahlung hinterzieht, ist nichts weiter als ein gew&ouml;hnlicher Dieb, der uns alle bestohlen hat. <\/p><p>Ein Staat verliert Glaubw&uuml;rdigkeit, wenn er Lohneinkommen nahezu l&uuml;ckenlos erfasst, Transferleistungsbezieher vollst&auml;ndig durchleuchtet, aber komplexe Konzern-, Verm&ouml;gens- und Offshore-Strukturen wegen Personalmangel, zersplitterten Zust&auml;ndigkeiten oder politisch geschaffenen Privilegien nur unzureichend pr&uuml;ft. Das besch&auml;digt den Sozialstaat, benachteiligt ehrliche Unternehmen und best&auml;tigt den Verdacht, dass wirtschaftlich m&auml;chtige Akteure sich das Recht kaufen k&ouml;nnen.<\/p><p>Wir wissen jetzt nur: Klingbeils Plan springt wie ein m&auml;chtiger Tiger auf eine gewissenlose Machtelite von Steuerbetr&uuml;gern und Finanzlobbyisten, um dann als flauschiger Bettvorleger zu ihren F&uuml;&szlig;en zu landen und sich f&uuml;ttern zu lassen.<\/p><p><small>Titelbild: Studio Romantic \/ Shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/Steuern\/aktionsplan-gegen-steuer-und-finanzkriminalitaet.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=6\">Aktionsplan<\/a>: Steuer- und Finanzkriminalit&auml;t entschlossen bek&auml;mpfen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Pressemitteilungen\/Finanzpolitik\/2026\/07\/2026-07-16-aktionsplan-gegen-steuerkriminalitaet.html\">Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalit&auml;t<\/a>: Entdeckungsrisiko und Abschreckung sp&uuml;rbar erh&ouml;hen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>]  <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/21\/024\/2102452.pdf\">Deutscher Bundestag (2025)<\/a>: <em>Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke &ndash; Entwicklungen beim Steuervollzug 2024<\/em>. Bundestagsdrucksache 21\/2452, 29. Oktober 2025.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/fvg_1971\/FVG.pdf\">Bundesrepublik Deutschland (2026)<\/a>: <em>Gesetz &uuml;ber die Finanzverwaltung (Finanzverwaltungsgesetz &ndash; FVG)<\/em>, &sect;&sect; 19 und 21a.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/kurzmeldungen-1002510\">Deutscher Bundestag (2024)<\/a>: &lsquo;Steuermehreinnahmen durch Betriebspr&uuml;fungen&rsquo;, 13. Mai 2024.<br>\n<a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/kurzmeldungen-1121406\">Deutscher Bundestag (2025)<\/a>: &lsquo;Weniger unbesetzte Stellen und mehr IT-Fachleute&rsquo;, 5. November 2025.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Monatsberichte\/Ausgabe\/2025\/11\/Inhalte\/Kapitel-2-Analysen\/2-4-steuerliche-betriebspruefung-der-laender-pdf.pdf?__blob=publicationFile\">Ergebnisse<\/a> der steuerlichen Betriebspr&uuml;fung der L&auml;nder 2024<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>]  <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/21\/024\/2102452.pdf\">Antwort<\/a> der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke &ndash; Drucksache 21\/2001<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>]  <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/091\/1909100.pdf\">Bemerkungen<\/a> des Bundesrechnungshofes 2018 zur Haushalts- und Wirtschaftsf&uuml;hrung des Bundes &ndash; Drucksache 19\/9100<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>]  Die 9,7 Prozent beziehen sich auf die theoretische Mehrwertsteuerschuld (VTTL) und nicht auf die tats&auml;chlich eingenommenen Mehrwertsteuern.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>]  European Commission, <em>VAT gap in Europe &ndash; Report 2025<\/em>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/Broschueren_Bestellservice\/30-subventionsbericht.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=8\">30. Subventions-bericht<\/a> des Bundes 2023 &ndash; 2026<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>]  <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/kampf-gegen-finanzkriminalitaet-brorhilker-fordert-bundespruefer-gegen-milliardensteuerbetrug-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260106-930-502795\">Deutsche Presse-Agentur (2026)<\/a>: <em>Brorhilker fordert Bundespr&uuml;fer gegen Milliardensteuerbetrug<\/em>. 6. Januar 2026.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>]  Abgabenordnung <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/ao_1977\/__371.html\">(AO) &sect; 371 <\/a>Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>]  Abgabenordnung <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/ao_1977\/__398a.html\">(AO) &sect; 398a<\/a> Absehen von Verfolgung in besonderen F&auml;llen<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum &uuml;berf&auml;llige Ma&szlig;nahmen gegen Steuer- und Finanzkriminalit&auml;t an Personalmangel, zersplitterten Zust&auml;ndigkeiten, fehlender Kontrolle der tats&auml;chlichen Einnahmen und dem ausbleibenden Abbau legaler Steuerprivilegien scheitern. 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