{"id":15423,"date":"2012-12-11T10:21:07","date_gmt":"2012-12-11T09:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15423"},"modified":"2015-05-10T18:09:24","modified_gmt":"2015-05-10T16:09:24","slug":"steinbrucks-nominierungsrede-und-was-dazu-zu-sagen-ware","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15423","title":{"rendered":"Steinbr\u00fccks Nominierungsrede und was dazu zu sagen w\u00e4re"},"content":{"rendered":"<p>In seinem gestrigen Beitrag &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15410\">Steinbr&uuml;cks Rede: Ein kr&auml;ftiges Sowohl-als-auch<\/a>&ldquo; k&uuml;ndigte Albrecht M&uuml;ller bereits an, dass die NachDenkSeiten sich noch einmal ausf&uuml;hrlich mit zur Nominierungsrede von Peer Steinbr&uuml;ck &auml;u&szlig;ern w&uuml;rden. Steinbr&uuml;ck mag die Delegierten in Hannover &uuml;berzeugt haben, die NachDenkSeiten konnte er nicht &uuml;berzeugen. F&uuml;r unsere Leser haben wir einige Kernpassagen aus Steinbr&uuml;cks Rede herausgesucht und sie f&uuml;r Sie analysiert. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Steinbr&uuml;ck und die Agenda 2010<\/strong><\/p><blockquote><p><em>Wir lassen uns auch nicht, liebe Genossinnen und Genossen, die Rendite der Reformpolitik der Regierung Schr&ouml;der stehlen, die vielen ausl&auml;ndischen Beobachtern Deutschland wie ein M&auml;rchenland vorkommen l&auml;sst. Wir sind es gewesen, die damals gegen Widerst&auml;nde und trotz Schwierigkeiten dieses Land vorangebracht haben! Auch  das  geh&ouml;rt  zur  Bilanz sozialdemokratischer Politik.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 4<\/p><p>W&auml;hrend der gesamten 100-min&uuml;tigen Rede verlor Peer Steinbr&uuml;ck kein einziges kritisches Wort zur politischen Vergangenheit der SPD zwischen 1998 und 2009. Das Wort &bdquo;Agenda&ldquo; kommt in seiner Rede gar nicht vor &ndash; auch der Begriff &bdquo;Hartz IV&ldquo; kommt ein keiner Stelle vor. Von einem Richtungswechsel ist hier &uuml;berhaupt nichts zu sp&uuml;ren. Im Gegenteil. Steinbr&uuml;ck bleibt sich treu. Der Mann, der vor zwei Jahren &uuml;berzeugt war, &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/a-716955.html\">dass die Agenda einmal als eine der gr&ouml;&szlig;ten politischen Leistungen der Nachkriegszeit in die Geschichtsb&uuml;cher eingehen wird<\/a>&ldquo; und seiner Partei noch vor <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2012-09\/steinmeier-grosse-koalition\">drei Monaten<\/a> beim Stichwort &bdquo;Umgang mit der Agenda 2010&ldquo; geraten hat, &bdquo;etwas mehr Stolz, etwas mehr Selbstbewusstsein &uuml;ber das, was uns gelungen ist&ldquo;, zu &uuml;ben, blieb seiner Linie auch in Hannover treu. Dabei ist es ein echtes Kunstst&uuml;ck, 100 Minuten &uuml;ber Politik zu reden und sozial&ouml;konomische Missst&auml;nde anzuprangern, ohne die Ursache f&uuml;r diese Missst&auml;nde beim Namen zu nennen. Stellenweise geriet Steinbr&uuml;cks Kritik an der Realit&auml;t da schon zu unfreiwilliger Komik:<\/p><blockquote><p><em>Schauen wir uns die Wirklichkeit noch einmal an: Fast 7 Millionen Menschen arbeiten f&uuml;r einen Stundenlohn von weniger als 8,50 Euro. 1,3 Millionen arbeiten sogar f&uuml;r weniger als 5 Euro die Stunde. 900.000 Leiharbeiter arbeiten f&uuml;r weniger als 40 Prozent Lohn im Vergleich zu ihren gleich qualifizierten Kolleginnen und Kollegen. Fast jeder zweite neue Arbeitsvertrag ist inzwischen befristet.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 14<\/p><p>Diese &bdquo;Wirklichkeit&ldquo; ist freilich nicht einfach so vom Himmel gefallen, sondern eine direkte Folge der Agenda-Politik von SPD und Gr&uuml;nen, die sowohl von der CDU als auch von der FDP damals wie heute voll und ganz getragen wurde und wird. Steinbr&uuml;cks Realit&auml;tskritik erinnert dabei an ein &auml;lteres Wahlplakat der Linken, auf dem Oskar Lafontaine mit dem Satz &bdquo;Erst die Menschen in Armut treiben und dann von Mindestlohn schw&auml;tzen&ldquo; abgebildet ist.<\/p><p>Zwischen den beiden zitierten Passagen vergingen in der Rede rund 30 Minuten. Kritische Beobachter sollten jedoch eins und eins zusammenz&auml;hlen k&ouml;nnen. Auch wenn die Delegierten dies verdr&auml;ngen, die immer noch nicht aufgearbeitete Vergangenheit der SPD k&ouml;nnte sp&auml;testens im Wahlkampf ein Bumerang werden. Was soll die wahlk&auml;mpfende Parteibasis kritischen Passanten denn antworten? Die Schaffung eines Niedriglohnsektors war nun einmal das <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/Hartz_I-IV_Einfuehrung_groesster_EU-Niedriglohnsektor.pdf\">erkl&auml;rte Ziel [PDF &ndash; 91.4 KB]<\/a> der Agenda-Politik der SPD und die Leiharbeit wurde erst durch die Agenda 2010 zu einem fl&auml;chendeckenden Problem. Wie kann man die Folgen der Agenda 2010 beklagen, die Agenda selbst allerdings als &bdquo;gr&ouml;&szlig;te politische Leistung der Nachkriegszeit&ldquo; verkl&auml;ren? <\/p><p><strong>Auch seine Amtszeit als Bundesfinanzminister reflektiert Steinbr&uuml;ck nicht kritisch<\/strong><\/p><p>Es ist jedoch nicht nur die Agenda 2010, die Steinbr&uuml;ck bei seiner Rede ausblendet. Wer die kurzen Passagen anh&ouml;rt, in denen Steinbr&uuml;ck Themen aufgreift, mit denen er als Bundesfinanzminister direkt zu tun hatte, kann nicht wirklich glauben, dass es sich hier um ein- und dieselbe Person handelt:<\/p><blockquote><p><em>[&hellip;] statt Kapitulation vor dem Erpressungspotential von Finanzm&auml;rkten &ndash; eine rigidere Regulierung und Aufsicht von Finanzm&auml;rkten, und schlie&szlig;lich: Statt Leisetreterei im Umgang mit Steuerbetrug und Steuerhinterziehung &ndash; kein Pardon mit Steuers&uuml;ndern!<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 8<\/p><p>Was heute eine &bdquo;rigide Aufsicht von Finanzm&auml;rkten&ldquo; sein soll, war im <a href=\"http:\/\/www.cdu.de\/doc\/pdf\/05_11_11_Koalitionsvertrag.pdf\">Koalitionsvertrag der gro&szlig;en Koalition [PDF &ndash; 619 KB]<\/a>, den Peer Steinbr&uuml;ck ma&szlig;geblich mitgeschrieben hat, noch eine Aufsicht &bdquo;mit Augenma&szlig;&ldquo;. Von einer &bdquo;rigiden Regulierung&ldquo; wollte er damals &uuml;berhaupt nichts wissen und Regulierung stattdessen abbauen. Und sein an die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hunnenrede\">Hunnenrede<\/a> von Kaiser Wilhelm II erinnerndes &bdquo;kein Pardon mit Steuers&uuml;ndern!&ldquo; erinnert geradezu frappierend an seine &bdquo;Drohung&ldquo;, gegen Schweizer Banken mit &bdquo;der Kavallerie&ldquo; vorzugehen. Au&szlig;er gro&szlig;m&auml;uligen Spr&uuml;chen geschah in seiner Amtszeit diesbez&uuml;glich jedoch gar nichts. Steinbr&uuml;ck wollte die Kavallerie losschicken, was ankam war jedoch ein altersm&uuml;des Zirkuspony mit einem Clown mit Flitzebogen. Wie er &bdquo;ohne Pardon&ldquo; gegen &bdquo;Steuers&uuml;nder&ldquo; (das korrekte Wort w&auml;re Steuerhinterzieher) vorgehen will, sagt Steinbr&uuml;ck freilich nicht. Doch nicht nur zu diesem Thema gibt sich Steinbr&uuml;ck betont nebul&ouml;s &ndash; wer in seiner Rede konkrete Forderungen sucht, sucht meist vergebens. <\/p><blockquote><p><em>Die B&uuml;rger registrieren sehr genau, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden und dass sie, die Steuerzahler, die Letzten sind, die f&uuml;r Risikoignoranz und Fehlentscheidungen von Banken haften m&uuml;ssen. Sie registrieren sehr genau, dass ein wichtiges Element dieser Sozialen Marktwirtschaft nicht mehr stimmt, n&auml;mlich dass Haftung und Risiko zusammenfallen. Damit muss Schluss sein!<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 5<\/p><p>Wer wollte Peer Steinbr&uuml;ck hier widersprechen? Aber warum hat Steinbr&uuml;ck dann w&auml;hrend seiner Amtszeit aktiv daf&uuml;r gesorgt, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden? Bei der &bdquo;Rettung&ldquo; von IKB, HRE und Commerzbank sozialisierte Steinbr&uuml;ck die Verluste der Banken in einer so noch nie gekannten Dimension. Und warum hat er auch von der Oppositionsbank aus jedem Gesetzentwurf <a href=\"http:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/peer_steinbrueck-575-37981.html\">zugestimmt<\/a>, der dem Steuerzahler die Kosten der Fehlentscheidungen von Bankern aufb&uuml;rdet? Wenn die B&uuml;rger dies wirklich &bdquo;sehr genau registrieren&ldquo;, dann d&uuml;rften sie Peer Steinbr&uuml;ck auch nicht w&auml;hlen.<\/p><p><strong>Steinbr&uuml;ck entdeckt den Wohlfahrtsstaat<\/strong><\/p><blockquote><p><em>Es geht um eine Renaissance der sozialen Marktwirtschaft. Und es geht darum, die Marktwirtschaft wieder sehr viel st&auml;rker auf das Gemeinwohl zu verpflichten.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 7<\/p><p>Eine Renaissance der sozialen Marktwirtschaft will auch die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Was sich Peer Steinbr&uuml;ck darunter konkret vorstellt, lie&szlig; er in Hannover seine Zuh&ouml;rer nicht wissen. Daf&uuml;r entdeckte Steinbr&uuml;ck jedoch seine neue Liebe zum Wohlfahrtsstaat, den er vor wenigen Jahren noch als einen &bdquo;gutge&ouml;lten Sumo-Ringer&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-53364511.html\">bezeichnete<\/a>, den man &bdquo;endlich zu packen kriegen m&uuml;sse&ldquo;. Heute klingt das komplett anders:<\/p><blockquote><p><em>Der soziale Wohlfahrtsstaat  ist seit jeher das gro&szlig;e Projekt der deutschen Sozialdemokratie. Er ist die Grundlage daf&uuml;r, Marktwirtschaft und Gemeinwohl miteinander zu vers&ouml;hnen. Dieser soziale Wohlfahrtsstaat ist keine Zutat, kein Luxus je nach Kassenlage, sondern die materielle Einl&ouml;sung des Solidarit&auml;tsversprechens.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 4<\/p><p>Wann Peer Steinbr&uuml;ck seine Liebe nicht nur den Wohlfahrtsstaat, sondern auch die Solidarit&auml;t entdeckt hat, ist leider nicht bekannt. Fr&uuml;her hatte der Kandidat zu diesem Thema eine etwas andere Meinung: <\/p><blockquote><p><em>Soziale Gerechtigkeit muss k&uuml;nftig hei&szlig;en, eine Politik f&uuml;r jene zu machen, die etwas f&uuml;r die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitspl&auml;tze schaffen, kurzum, die Leistung f&uuml;r sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die &ndash; und nur um sie &ndash; muss sich Politik k&uuml;mmern.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2003\/47\/Steinbr_9fck\/seite-5%20von%2013.11.2003\">Peer Steinbr&uuml;ck in der ZEIT<\/a><\/p><p>Heute &uuml;bt er sich stattdessen lieber in vorgeheuchelter Empathie und gibt vor, Menschen zu verstehen, die beispielsweise wegen ihres fortgeschrittenen Alters keinen Arbeitsplatz mehr bekommen. Doch wie glaubhaft sind solche Lippenbekenntnisse?  Wie glaubhaft ist es, wenn der Mann, der den deutschen Immobilienmarkt h&ouml;chstpers&ouml;nlich f&uuml;r b&ouml;rsennotierte Immobilienfonds &ouml;ffnete und offene Immobilienfonds mit Steuernachl&auml;ssen <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/finanzen\/geldanlage\/:steinbrueck-bringt-rei-ts-auf-den-weg\/116635.html\">verw&ouml;hnt hat<\/a> heute vorgibt, die Sorgen vor steigenden Mieten ernstnehmen zu wollen? <\/p><p><strong>Armes reiches Deutschland<\/strong><\/p><p>Warum Deutschland &bdquo;ausl&auml;ndischen Beobachtern&ldquo; wie ein &bdquo;M&auml;rchenland&ldquo; (s.o.) vorkommen soll, wird aus Steinbr&uuml;cks Rede nicht klar.<\/p><blockquote><p><em>Die Menschen m&uuml;ssen immer  gebildeter sein, immer mobiler, immer flexibler, sie m&uuml;ssen sich immer mehr anstrengen  &ndash;  und  zugleich  m&uuml;ssen  sie  mit  immer  weniger  zufrieden sein und kriegen auch immer weniger Lohn und weniger Rechte. Mit dieser Entwicklung muss Schluss sein!<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 5<\/p><blockquote><p><em>Die Arbeitslosenzahlen suggerieren Stabilit&auml;t, obwohl sie nichts &uuml;ber die Qualit&auml;t und schon gar nichts &uuml;ber die Bezahlung der Arbeit sagen.<\/em><br>\n<em>Das derzeit vergleichsweise gute Wirtschaftswachstum suggeriert ein &bdquo;Weiter so!&ldquo;, obwohl immer weniger davon profitieren [&hellip;]<\/em><br>\n<em>Es gibt eben eine wachsende, eine steigende Zahl von B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern, die sich trotz stabiler Arbeitslosenzahlen und steigendem Wachstum ausgeschlossen und abgeh&auml;ngt f&uuml;hlen. Das sind inzwischen Millionen in Deutschland. [&hellip;]<\/em><br>\n<em>zum Beispiel in Produktionshallen von weltweit erfolgreichen Unternehmen, die Kolleginnen und Kollegen in der Montage besch&auml;ftigen, die das Gleiche tun, aber dennoch unterschiedlich &ndash; bis zu 30, 40 Prozent weniger &ndash;  bezahlt werden.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 9<\/p><p>Diese Passagen sind durchaus zutreffend und so oder so &auml;hnlich auch regelm&auml;&szlig;ig auf den NachDenkSeiten zu finden. F&uuml;r wen die triste Realit&auml;t ein &bdquo;M&auml;rchenland&ldquo; sein soll, erschlie&szlig;t sich jedoch nicht. F&uuml;r Unternehmen und Spekulanten mag Deutschland ja ein &bdquo;M&auml;rchenland&ldquo; sein, f&uuml;r die &bdquo;Millionen&ldquo;, die Steinbr&uuml;ck als &bdquo;Ausgeschlossene&ldquo; und &bdquo;Abgeh&auml;ngte&ldquo; bezeichnet, trifft dies jedoch ganz sicher nicht zu.<\/p><p><strong>Schwammige Kritik an Privatisierungen vom ehemaligen Privatisierungsfreund<\/strong><\/p><blockquote><p><em>Wir wollen nicht wie andere den Markt an die Stelle des Staates setzen und die Menschen damit allein lassen; denn es gibt Lebensbereiche, deren Qualit&auml;t nur erhalten und gesichert werden kann, wenn sie eben nicht zu reinen Marktbeziehungen werden. Dazu geh&ouml;rt Bildung. Dazu geh&ouml;rt die richtige Versorgung von B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger mit G&uuml;tern wie Wasser und Strom. Dazu geh&ouml;rt, dass Menschen sicher durch unsere Stra&szlig;en gehen k&ouml;nnen. Dazu geh&ouml;rt auch, dass Mieten erschwinglich sind und dass nicht nur Eliten sich Kultur leisten k&ouml;nnen. All dies geh&ouml;rt dazu.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 7<\/p><p>Was sind &bdquo;reine Marktbeziehungen&ldquo;? Noch nicht einmal die FDP w&uuml;rde so weit gehen, die Daseinsvorsorge komplett den Marktmechanismen zu unterwerfen. Steinbr&uuml;ck wirft zwar Begriffe wie &bdquo;Wasser&ldquo; und &bdquo;Strom&ldquo; in den Raum, pr&auml;zisiert jedoch nicht, was er &uuml;berhaupt will. Was ist eine &bdquo;richtige Versorgung&ldquo; mit Wasser und Strom? Und wenn der Kandidat schon das Thema Privatisierung der Daseinsvorsorge erw&auml;hnt, warum spricht er dann nicht vom Gesundheitssystem und der Altenpflege? In anderen Passagen streift er diese Themen zwar, bringt sie jedoch an keiner Stelle mit dem Themenkomplex &bdquo;Privatisierung&ldquo; in Verbindung. Er wolle keine Zwei-Klassen-Medizin, so Steinbr&uuml;ck. Das ist freilich wohlfeil. Denn wer sagt schon freim&uuml;tig, dass er eine Zwei-Klassen-Medizin will? All dies ist vor allem wegen der unterlassenen Konkretisierung ziemlich nichtssagend. Viel interessanter w&auml;re es da schon gewesen, zumindest im Ansatz zu erfahren, wie Peer Steinbr&uuml;ck sich konkrete politische Ma&szlig;nahmen vorstellt, mit denen seine sicher nicht falschen aber doch stets schwammigen Bilder eines gerechteren Staates umgesetzt werden k&ouml;nnten. <\/p><p>Wenn ausgerechnet Peer Steinbr&uuml;ck sich heute dar&uuml;ber beschwert, dass Bildung und Daseinsvorsorge nicht den M&auml;rkten unterworfen werden d&uuml;rften, hat dies einen tragikomischen Beigeschmack. In seiner Amtszeit als Bundesfinanzminister nahm die (Teil-)Privatisierung kommunaler Einrichtungen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4076\">erst richtig Fahrt auf<\/a>. Die sch&auml;rfsten Kritiker der Elche waren fr&uuml;her selber welche.<\/p><p><strong>Was Steinbr&uuml;ck nicht gesagt hat<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend Steinbr&uuml;ck &uuml;ber gef&uuml;hlte 99 Minuten seiner Rede abstrakt blieb und die Delegierten nicht durch konkrete Aussagen, die er im unwahrscheinlichen Fall eines Wahlsieges widerrufen m&uuml;sste, behelligte, ist es interessant, auch die Punkte herauszuheben, auf die er in seiner Mammutrede nicht eingegangen ist. So schwieg er beispielsweise komplett zum Thema Sicherheitspolitik und Friedenspolitik. Und auch zur Eurokrise hatte der Kandidat nicht viel zu sagen. <\/p><p>Glaubw&uuml;rdig ist das alles nicht. Bei Werbekampagnen &uuml;berlegt man sich sehr genau, welches Gesicht welche Botschaft glaubw&uuml;rdig transportieren k&ouml;nnte. Peer Steinbr&uuml;ck ist jedoch kein glaubw&uuml;rdiges Gesicht f&uuml;r einen Richtungswechsel der SPD und seine Nominierungsrede hat diesen Eindruck nur verst&auml;rkt. Ein Peer Steinbr&uuml;ck, der pl&ouml;tzlich von einem sozialen Wohlfahrtsstaat schw&auml;rmt, erinnert an eine Kampagne von McDonalds f&uuml;r ges&uuml;ndere Kinderern&auml;hrung. Ob Peer Steinbr&uuml;ck wei&szlig;, welche Gedanken er bei kritischen Betrachtern mit ausgerechnet diesem Lincoln-Zitat ausl&ouml;st?<\/p><blockquote><p><em>Man kann nach Abraham Lincoln alle Menschen einige Zeit und einige Menschen alle Zeit, aber nicht alle Menschen alle Zeit zum Narrenhalten.<\/em><\/p><\/blockquote><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/10122012_rede_steinbrueck.pdf\">Nominierungsrede [PDF &ndash; 228 KB]<\/a>, Seite 9<\/p><p>&Uuml;ber dieses Zitat sollte sich die SPD einmal ganz genau Gedanken machen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/3040d7fd3fc041cbb134fe7d3a4630de\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem gestrigen Beitrag &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15410\">Steinbr&uuml;cks Rede: Ein kr&auml;ftiges Sowohl-als-auch<\/a>&ldquo; k&uuml;ndigte Albrecht M&uuml;ller bereits an, dass die NachDenkSeiten sich noch einmal ausf&uuml;hrlich mit zur Nominierungsrede von Peer Steinbr&uuml;ck &auml;u&szlig;ern w&uuml;rden. Steinbr&uuml;ck mag die Delegierten in Hannover &uuml;berzeugt haben, die NachDenkSeiten konnte er nicht &uuml;berzeugen. F&uuml;r unsere Leser haben wir einige Kernpassagen aus Steinbr&uuml;cks Rede herausgesucht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15423\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[85,191,190],"tags":[312,253],"class_list":["post-15423","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pr","category-spd","category-wahlen","tag-reformpolitik","tag-steinbrueck-peer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15423","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15423"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15423\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26044,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15423\/revisions\/26044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15423"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15423"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15423"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}