{"id":154366,"date":"2026-07-30T11:00:56","date_gmt":"2026-07-30T09:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154366"},"modified":"2026-07-30T11:16:09","modified_gmt":"2026-07-30T09:16:09","slug":"bafoeg-zum-abgewoehnen-zu-spaet-zu-wenig-und-fuer-manche-gar-nichts-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154366","title":{"rendered":"BAf\u00f6G zum Abgew\u00f6hnen: Zu sp\u00e4t, zu wenig und f\u00fcr manche gar nichts mehr"},"content":{"rendered":"<p>Nach monatelanger H&auml;ngepartie liegt er endlich vor: ein Gesetzentwurf zur Reform der Bundesausbildungsf&ouml;rderung. Alles verschiebt sich um mindestens ein halbes Jahr, die &bdquo;Gleichstellung&ldquo; mit der Grundsicherung k&ouml;nnte zur Mogelpackung werden und obendrauf gibt es &bdquo;substanziellen Sozialabbau&ldquo;. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nUnd ewig gr&uuml;&szlig;t das Murmeltier. Am Mittwoch h&auml;tte es passieren sollen, mal wieder. Laut einer j&uuml;ngeren Ank&uuml;ndigung des Bundesministeriums f&uuml;r Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) wollte sich das Bundeskabinett mit dem BAf&ouml;G befassen, konkret: mit der Gesetzesvorlage f&uuml;r eine 30. Novelle des Bundesausbildungsf&ouml;rderungsgesetzes. Dazu kam es nicht, mal wieder. Das Thema wurde kurzfristig vertagt, auf eine <a href=\"https:\/\/www.jmwiarda.de\/blog\/2026\/07\/23\/mehr-bafoeg-aber-nicht-fuer-alle\">Sitzung irgendwann im August<\/a>, wie der Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda auf seinem Blog festhielt. Nichts Genaues wei&szlig; man nicht. Wie so oft davor.<\/p><p>Nach dem urspr&uuml;nglichen Fahrplan m&uuml;sste das Gesetz l&auml;ngst in Sack und T&uuml;ten sein und zum bevorstehenden Wintersemester Anfang Oktober in Kraft treten, die Regelungen zum Sch&uuml;ler-BAf&ouml;G sogar schon zum 1. August. Aber Plan A ist l&auml;ngst vom Tisch, abger&auml;umt nach einer beispiellosen H&auml;ngepartie, die sich inzwischen weit &uuml;ber ein halbes Jahr hinzieht. Den ersten Abgabetermin lie&szlig; Forschungsministerin Dorothee B&auml;r bereits im Februar sausen. Einen Gesetzentwurf hatte sie damals zwar im K&ouml;cher, aber eben keinen, der beschlussreif gewesen w&auml;re. Die CSU-Frau konnte sich mit Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nicht rechtzeitig auf eine Finanzierung des Projekts verst&auml;ndigen, verbreiteten seinerzeit die Medien.<\/p><p><strong>Unw&uuml;rdiges Schauspiel<\/strong><\/p><p>Die Fronten m&uuml;ssen ziemlich verh&auml;rtet gewesen sein, weshalb Wochen und Monate verstrichen, ohne dass sich etwas tat. Dann Ende April der Durchbruch &ndash; dachte man. Union und SPD verk&uuml;ndeten eine <a href=\"https:\/\/www.bafoeg-rechner.de\/Hintergrund\/art-3119-bafoeg-refoermchen-2026.php\">Einigung<\/a>, der Weg f&uuml;r die Reform sei frei und die Beschlussfassung vor der Sommerpause gesichert. Von wegen! Auf dem Kabinettstisch landete B&auml;rs Vorlage trotzdem nicht, derweil das Zeitfenster f&uuml;r einen geregelten Gesetzgebungsprozess immer enger wurde. Ende Mai funkte pl&ouml;tzlich Jens Spahn (CDU), damals noch Unionsfraktionschef, dazwischen, und erkl&auml;rte eine BAf&ouml;G-Erh&ouml;hung f&uuml;r <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151186\">nicht finanzierbar<\/a>. Wenig sp&auml;ter folgte der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=151592\">Offenbarungseid<\/a> durch B&auml;r: Sie habe geh&ouml;rt, &bdquo;dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterst&uuml;tzt wird&ldquo;.<\/p><p>Das war zwar Quatsch, denn die SPD hatte das Vorhaben gar nicht aufgegeben, erf&uuml;llte aber seinen Zweck: Zeit zu gewinnen, um die Umsetzung weiter zu verschleppen oder mithin ganz zu vereiteln. Diese schlechteste aller Optionen ist inzwischen zwar weniger wahrscheinlich, aber auch nicht ganz abwegig. Schlie&szlig;lich verbleiben jetzt wieder mehrere Monate f&uuml;r neue Quersch&uuml;sse, Provokationen und Zerw&uuml;rfnisse.<\/p><p>Immerhin eines ist jetzt allerdings anders: B&auml;r hat ihren <a href=\"https:\/\/www.bmftr.bund.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/gesetze\/bafoeg_30_AendG\/referentenentwurf\/referentenentwurf_bafoeg_30.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Gesetzentwurf<\/a> vor acht Tagen offiziell vorgelegt. Allerdings ist der wohl so unausgereift, dass er regierungsintern weiterhin nicht konsensf&auml;hig ist und es deshalb noch immer nicht ins Kabinett geschafft hat. Das mag auch daran liegen, dass dort Punkte auftauchen, von denen davor nie die Rede war und die einmal mehr der SPD &uuml;bel aufsto&szlig;en d&uuml;rften.<\/p><p><strong>Schluss mit 45<\/strong><\/p><p>Zum Beispiel: Wer mit 45 Jahren oder sp&auml;ter ein Studium oder eine schulische Ausbildung beginnt, soll k&uuml;nftig keinen Anspruch mehr auf BAf&ouml;G haben. Entsprechende Ausnahmeregelungen fallen nach einer zweij&auml;hrigen &Uuml;bergangsphase weg. Das betrifft etwa diejenigen, die bei vorhandener Berufsqualifikation auch ohne Abitur studieren, oder jene, die die Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg erlangt haben. Auch langj&auml;hrige Kindererziehungszeiten und famili&auml;re Sorgearbeit sollen nicht l&auml;nger einen BAf&ouml;G-Anspruch jenseits der 45 begr&uuml;nden.<\/p><p>F&uuml;r die Gesellschaft lohnt sich das einfach nicht, hei&szlig;t es in der Vorlage. Die auf den Studienabschluss folgende Erwerbst&auml;tigkeit sei in der Regel zu kurz, um dem &bdquo;Interesse der Allgemeinheit an Fachkr&auml;ftenachwuchs beziehungsweise dem fiskalischen Gemeinwohlinteresse (&hellip;) in ausreichendem Ma&szlig;e&ldquo; zu dienen. Anders ausgedr&uuml;ckt: &Auml;ltere Menschen zu f&ouml;rdern, h&auml;lt die Regierung f&uuml;r verzichtbar, weil der Ertrag den Aufwand nicht rechtfertigt &ndash; angeblich. Fr&uuml;her stand einmal das Konzept des &bdquo;lebenslangen Lernens&ldquo; hoch im Kurs. B&auml;r will sich das sparen. Tats&auml;chlich geht es um rund 1.000 F&auml;lle oder 0,2 Prozent aller BAf&ouml;G-Empf&auml;nger, also um Kleckerbetr&auml;ge. Das verst&auml;rkt noch den Eindruck, dass die Regierung aus Prinzip auch noch das geringste K&uuml;rzungspotenzial aussch&ouml;pft und dabei auf m&ouml;gliche Folgekosten pfeift.<\/p><p><strong>Null Euro f&uuml;r &bdquo;Hotel Mama&ldquo;<\/strong><\/p><p>Neu ist auch der Plan, den Unterkunftszuschlag f&uuml;r bei den Eltern wohnende Studierende zun&auml;chst von aktuell 59 auf 41 Euro abzuschmelzen und von 2029 an vollst&auml;ndig abzuschaffen. Die lapidare Begr&uuml;ndung lautet hier: &bdquo;Bei zu Hause wohnenden Studierenden ist davon auszugehen, dass der angehobene Bedarfssatz nach &sect; 13 Absatz 1 ausreichend ist.&ldquo; Tats&auml;chlich will die Koalition &ndash; erkl&auml;rterma&szlig;en &ndash; den BAf&ouml;G-Grundbedarf schrittweise auf das Niveau des Grundsicherungsgeldes (fr&uuml;her B&uuml;rgergeld) anheben und somit mit der Existenzsicherung f&uuml;r erwerbsf&auml;hige hilfebed&uuml;rftige Menschen gleichstellen. Das, was in eigenem Haushalt (Wohnung, WG) lebende Studierende dadurch mehr haben werden, will die Regierung den im &bdquo;Hotel Mama&ldquo; Lebenden zu zwei Dritteln wieder abziehen. Ihnen blieben damit nach Umsetzung aller Erh&ouml;hungsschritte lediglich 29 Euro mehr zum Leben.<\/p><p>&bdquo;Substanziellen Sozialabbau&ldquo; beklagt Andreas Keller, Mitglied im Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Viele junge Menschen k&ouml;nnten sich eine eigene Bude nicht mehr leisten, schrieben sich an der n&auml;chstgelegenen Hochschule ein und blieben bei ihren Eltern wohnen, bemerkte er gegen&uuml;ber den <em>NachDenkSeiten<\/em>. &bdquo;Die Streichung des Zuschusses trifft eine ohnehin benachteiligte Gruppe besonders hart.&ldquo; Kritik kommt auch vom &bdquo;freien zusammenschluss von student*innenschaften&ldquo; (fzs). In der Konsequenz w&uuml;rden die h&ouml;heren Bedarfss&auml;tze nicht den Betroffenen zugutekommen, sondern mittelbar f&uuml;r die Finanzierung der Wohnkosten des elterlichen Haushalts draufgehen, monierte der studentische Dachverband in einer <a href=\"https:\/\/www.fzs.de\/2026\/07\/24\/stellungnahme-des-fzs-zum-referentinnenentwurf-des-30-bafoeg-aenderungsgesetzes\/\">Stellungnahme<\/a>.<\/p><p>Sinnentleert erscheint der Ansatz insbesondere angesichts der grassierenden Wohnungsnot. F&uuml;r immer mehr Studierende ist das Elternhaus die letzte Zufluchtsst&auml;tte, weil sich auf dem freien Markt keine Bleibe mehr zu bezahlbarem Preis finden l&auml;sst. Mit dem Wegfall des Unterkunftszuschlags werden sie und ihre Eltern doppelt f&uuml;r einen Missstand bestraft, der ma&szlig;geblich auf politisches Verschulden zur&uuml;ckgeht. Letztlich droht sich die Misere dadurch sogar zu versch&auml;rfen. F&uuml;r zunehmend mehr Eltern k&ouml;nnte die Unterbringung des Nachwuchses bei wegbrechender staatlicher Hilfe zum Problem werden. Vielleicht m&uuml;ssen k&uuml;nftig immer mehr Kinder deshalb zwangsweise &bdquo;fl&uuml;gge&ldquo; werden, wodurch es auf dem Wohnungsmarkt noch einmal enger zugehen w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Wohnzuschlag unzureichend<\/strong><\/p><p>Dabei ist dort sowieso kaum noch Platz, geschweige denn zu erschwinglichen Kosten. Abhilfe soll hier die BAf&ouml;G-Wohnpauschale f&uuml;r au&szlig;erhalb des Elternhauses lebende Studierende schaffen. Urspr&uuml;nglich sollte die Aufstockung der Zulage von 380 auf 440 Euro als Schritt eins der BAf&ouml;G-Novelle im bevorstehenden Herbst greifen. Nun soll dies erst zum Sommersemester 2027 geschehen. Das w&auml;re nicht nur noch sp&auml;ter als sp&auml;t, sondern bei Weitem unzureichend. Aktuell zahlt man f&uuml;r ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft <a href=\"https:\/\/www.moses-mendelssohn-institut.de\/aktuelles\/SoSe2026\">im Bundesmittel 512 Euro<\/a>, vielerorts deutlich mehr, in M&uuml;nchen sind es 800 Euro. In einem halben Jahr wird es noch einmal teurer geworden sein. Eine gro&szlig;e Mehrheit der BAf&ouml;G-Empf&auml;nger muss schon heute kr&auml;ftig draufzahlen f&uuml;r ein Dach &uuml;ber dem Kopf. Dabei wird es auch bei 60 Euro mehr bleiben.<\/p><p>Warum sich durch den Halbjahresverzug auch die angek&uuml;ndigte Anpassung des BAf&ouml;G-Grundbedarfs an die Mindestsicherung f&uuml;r Langzeitarbeitslose nach hinten verschiebt, erscheint sachlich nicht erkl&auml;rbar, sondern folgt mutma&szlig;lich einmal mehr kaltem Sparkalk&uuml;l. Einst sollte der &Uuml;bergang in zwei Stufen bis zum Wintersemester 2028\/29 erledigt sein. Jetzt ist der Vollzug auf Sommersemester 2029 terminiert. Losgehen soll es zun&auml;chst mit einer Zugabe um 28 Euro auf 503 Euro zum 1. August 2027, weitere 60 Euro mehr soll es dann eineinhalb Jahre sp&auml;ter geben.<\/p><p>Die Zielmarke beziffert der B&auml;r-Entwurf mit 563 Euro, was dem heutigen Satz des neu eingef&uuml;hrten Grundsicherungsgeldes entspricht. &bdquo;Damit wird die derzeitige Studierendengeneration &uuml;ber Jahre hinweg mit einem Grundbedarf auskommen m&uuml;ssen, der das tats&auml;chliche Existenzminimum nicht abbildet&ldquo;, bem&auml;ngelte der fzs die lange Wartezeit. Wie die GEW und das Deutsche Studierendenwerk (DSW) fordern auch die Studentenvertreter ein Vorziehen der Erh&ouml;hungen bei Bedarfss&auml;tzen und Mietzuschlag schon zum kommenden Wintersemester &ndash; wenigstens r&uuml;ckwirkend.<\/p><p><strong>Von wegen Gleichstellung<\/strong><\/p><p>Die Sache hat einen Haken mehr. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD steht geschrieben, man passe den BAf&ouml;G-Grundbedarf <a href=\"https:\/\/www.koalitionsvertrag2025.de\/sites\/www.koalitionsvertrag2025.de\/files\/koav_2025.pdf\">&bdquo;dauerhaft an das Grundsicherungsniveau&ldquo;<\/a> an. Warum legt sich B&auml;r dann aber auf 563 Euro fest? Die H&ouml;he der Grundsicherung (davor B&uuml;rgergeld) ist nicht in Stein gemei&szlig;elt, sondern w&auml;chst mehr oder weniger regelm&auml;&szlig;ig im Rhythmus mit der Lohn- und Preisentwicklung. Dass sich die Leistung nach zwei Nullrunden noch immer auf dem Stand von Anfang 2024 bewegt, ist eine Ausnahmeerscheinung. Derzeit wird zwar bereits eine dritte Nullrunde diskutiert. Dennoch erscheint es kaum denk- und durchsetzbar, dass der Satz f&uuml;r weitere drei Jahre eingefroren bleibt.<\/p><p>M&uuml;sste der Gesetzentwurf dem nicht Rechnung tragen und entsprechend klar formulieren, die L&uuml;cke zwischen BAf&ouml;G und Grundsicherung nachhaltig zu schlie&szlig;en, derart, dass beide k&uuml;nftig in H&ouml;he und Geschwindigkeit im Gleichschritt &bdquo;marschieren&ldquo;? Oder geht das der Regierung dann doch zu weit? Sehr vage wirkt in diesem Zusammenhang auch die Aussage, wonach &bdquo;eine verl&auml;ssliche und transparente Regelung zur regelm&auml;&szlig;igen &Uuml;berpr&uuml;fung und Anpassung der F&ouml;rders&auml;tze (&hellip;) etabliert (wird)&ldquo;. Das jedenfalls l&auml;sst einiges an Spielraum gegen&uuml;ber dem von Bildungs- und Studierendenverb&auml;nden verlangten &bdquo;Automatismus&ldquo;, wonach die Leistungen im Jahrestakt an die ver&auml;nderten Lebensumst&auml;nde anzupassen sind.<\/p><p>GEW-Hochschulexperte Keller ist bedient. &bdquo;Die Anhebung der Bedarfss&auml;tze auf das heutige Grundsicherungsniveau erst 2029 greift zu kurz. Die Lebenshaltungskosten und damit das Grundsicherungsniveau d&uuml;rften bis dahin weiter steigen, der zus&auml;tzliche Bedarf an Lehr- und Lernmitteln vom Fachbuch bis zum Laptop ist von vornherein nicht ber&uuml;cksichtigt.&ldquo; Der Forschungsministerin wirft der Gewerkschafter &bdquo;Wortbruch&ldquo; vor, nicht nur wegen der endlosen Verz&ouml;gerungen und der Unklarheiten, was den Umfang der k&uuml;nftigen Leistungen betrifft. &bdquo;Dazu kommen massive soziale Eingriffe, die so niemals im Gespr&auml;ch waren.&ldquo;<\/p><p><strong>Zwangsdigitalisierung<\/strong><\/p><p>Was ist noch geplant? Der Leistungsnachweis nach dem vierten Semester als Voraussetzung einer weiteren F&ouml;rderung soll abgeschafft werden. Das ist begr&uuml;&szlig;enswert, genauso wie der erleichterte Zugang zum Sch&uuml;ler-BAf&ouml;G f&uuml;r ab 30-J&auml;hrige mit eigenem Haushalt. H&ouml;here Zuschl&auml;ge zur studentischen Kranken- und Pflegeversicherung sind eine Selbstverst&auml;ndlichkeit, weil die Zuwendungen an den BAf&ouml;G-H&ouml;chstsatz gekoppelt sind. Die Anpassung der Elternfreibetr&auml;ge um j&auml;hrlich 1,5 Prozent ab Wintersemester 2028\/29 ist ein guter Ansatz, k&ouml;nnte aber bei der rasanten Entwicklung der Inflation zu kurz greifen und w&uuml;rde erst nach mehreren Jahren ohne jede Anpassung erfolgen.<\/p><p>In Sachen Entb&uuml;rokratisierung werden Verbesserungen angek&uuml;ndigt. Verwaltungsverfahren sollen insgesamt vereinfacht und die Digitalisierung vorangetrieben werden. Bei Letzterem schie&szlig;t die Regierung wie gewohnt &uuml;bers Ziel hinaus. So soll es k&uuml;nftig eine verpflichtende Antragsstellung &uuml;ber das Portal &bdquo;BAf&ouml;G Digital&ldquo; geben. Dabei ist das System in der Praxis nach jahrelangen Startschwierigkeiten noch immer st&ouml;ranf&auml;llig. Lediglich rund 50 Prozent der Studierenden w&auml;hlen bisher diesen Weg. Au&szlig;erdem ist es nicht einzusehen, dass man per Zwangsdigitalisierung f&uuml;r technisch nicht so affine Menschen und solche, die den neuen Medien kritisch begegnen oder sich einfach kein Smartphone leisten k&ouml;nnen, neue H&uuml;rden hochzieht.<\/p><p>Nichts ist dem B&auml;r-Entwurf zu einer Personaloffensive f&uuml;r die BAf&ouml;G-&Auml;mter zu entnehmen. Diese leiden seit Langem unter massiver &Uuml;berlastung bei technisch minderwertiger Ausstattung, wodurch sich monatelange Bearbeitungszeiten bei der Leistungsbewilligung ergeben. Genau in diesem Punkt setzt die Bundesregierung noch einen drauf: Indem sie die Erh&ouml;hungsrunden bei den Regels&auml;tzen sowie der Wohnpauschale jeweils am Anfang eines Sommersemesters und nicht wie &uuml;blich zum Wintersemester vornimmt, steht den &Auml;mtern noch mehr Papierkram und Stress ins Haus. &bdquo;Konkret m&uuml;ssten nun Hunderttausende BAf&ouml;G-Bescheide neu ausgestellt werden, sollte wie geplant die Wohnkostenpauschale zum Sommersemester 2027 angepasst werden&ldquo;, beklagte das DSW <a href=\"https:\/\/www.studierendenwerke.de\/aktuelles\/stellungnahmen\/stellungnahme\/stellungnahme-zum-entwurf-eines-dreissigsten-gesetzes-zur-aenderung-des-bundesausbildungsfoerderungsgesetzes-30-bafoegaendg\">in einer Bewertung<\/a> und erg&auml;nzte trocken: &bdquo;Sollte in den BAf&ouml;G-&Auml;mtern bei der Umsetzung der 30. BAf&ouml;G-Novelle wie heute abzusehen erheblicher Mehraufwand entstehen, muss dieser kompensiert werden.&ldquo;<\/p><p><strong>Kein Platz f&uuml;r Kritik<\/strong><\/p><p>Das wird wohl eher nichts &ndash; so wenig, wie B&auml;rs Verhei&szlig;ungen eintreten d&uuml;rften. Die BMFTR-Chefin hatte einmal eine umfassende Erneuerung des BAf&ouml;G versprochen, um es endlich wieder attraktiver zu machen. Heute profitieren nicht einmal zw&ouml;lf Prozent der Studierenden von der staatlichen Unterst&uuml;tzung. Wegen der geringen Ertr&auml;ge und des Aufwandes bei der Bewilligung scheuen viele vor einem Antrag zur&uuml;ck, noch mehr wissen gar nicht, dass es die Leistung gibt. Wollte man diese Reserven tats&auml;chlich aussch&ouml;pfen, ginge das massiv ins Geld, das dann zum Beispiel zum Hochr&uuml;sten der Bundeswehr fehlen k&ouml;nnte.<\/p><p>Jahrzehntelang haben Bundesregierungen verschiedener Couleur tatkr&auml;ftig beziehungsweise tatenlos daf&uuml;r gesorgt, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101383\">das BAf&ouml;G zu entwerten und es jungen Menschen abzugew&ouml;hnen<\/a>. Sollte ausgerechnet diese Koalition es ernst damit meinen, der Sozialleistung zu neuer Bl&uuml;te zu verhelfen? Kaum etwas spricht daf&uuml;r, fast alles dagegen, nicht zuletzt die fortgesetzte Eierei. Wann das Kabinett den B&auml;r-Entwurf auf die Reise durchs Parlament schickt, steht in den Sternen &ndash; ebenso, wie es danach weiter geht.<\/p><p>Wozu auch beeilen? Schlie&szlig;lich hat man sich ja gerade ein halbes Jahr mehr Zeit verschafft. Nur bei der Verb&auml;ndeanh&ouml;rung im Onlineverfahren vor einer Woche konnte es B&auml;r nicht schnell genug gehen. Den Geladenen blieben davor blo&szlig; 72 Stunden zur Vorbereitung. Das passt: Erst eine halbe Ewigkeit hinhalten und dann die f&auml;llige Kritik im Sommerloch versenken. Auch das zum Abgew&ouml;hnen, mehr noch: zum Kotzen &hellip;<\/p><p><small>Titelbild: ChatGPT, erstellt mit k&uuml;nstlicher Intelligenz<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/411a0ec2de8c4acc854254caf4a0a06f\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach monatelanger H&auml;ngepartie liegt er endlich vor: ein Gesetzentwurf zur Reform der Bundesausbildungsf&ouml;rderung. Alles verschiebt sich um mindestens ein halbes Jahr, die &bdquo;Gleichstellung&ldquo; mit der Grundsicherung k&ouml;nnte zur Mogelpackung werden und obendrauf gibt es &bdquo;substanziellen Sozialabbau&ldquo;. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":154368,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[156,145],"tags":[423,524,3538,2094,1260,3622,3403],"class_list":["post-154366","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-schulden-sparen","category-sozialstaat","tag-austeritaetspolitik","tag-bafoeg","tag-baer-dorothee","tag-digitalisierung","tag-groko","tag-grundsicherung","tag-mietpreise"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/0762020f-8842-47c9-8993-bbde1d490e4f.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154366","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=154366"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154366\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":154370,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154366\/revisions\/154370"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/154368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=154366"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=154366"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=154366"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}