{"id":154414,"date":"2026-07-31T12:26:02","date_gmt":"2026-07-31T10:26:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154414"},"modified":"2026-07-31T13:04:13","modified_gmt":"2026-07-31T11:04:13","slug":"projekt-friedensnoten-eiszeit-peter-maffay-ueber-die-nukleare-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154414","title":{"rendered":"Projekt Friedensnoten: \u201eEiszeit\u201c \u2013 Peter Maffay \u00fcber die nukleare Katastrophe"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r das Projekt <em><a href=\"https:\/\/friedensnoten.de\/\">Friedensnoten<\/a><\/em> macht sich Marcus Kl&ouml;ckner Gedanken zu dem Lied &bdquo;Eiszeit&ldquo; von Peter Maffay. Eine erweiterte, l&auml;ngere Live-Version des Liedes, das Maffay mit seiner Band 2001 spielte, r&uuml;ckt dabei in den Vordergrund. Bevor der K&uuml;nstler zu singen anf&auml;ngt, &auml;u&szlig;ert er sich zu jener Zeit der Aufr&uuml;stung in der alten Bonner Republik, als &bdquo;Hunderttausende auf die Stra&szlig;e gingen, um gegen diesen Wahnsinn zu demonstrieren&ldquo;. Aber was sagt Maffay heute? Mit kritischem Ton fragt er Boris Pistorius in einem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Maffay.de\/posts\/wir-leben-nicht-mehr-im-friedennach-deutschland-muss-kriegst%C3%BCchtig-werden-jetzt-\/1356906145788257\/\">Facebook-Post<\/a>, ob wir bald &bdquo;mit der Bekanntgabe der Mobilmachung rechnen&ldquo; m&uuml;ssten. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p><em>Da sa&szlig;en wir in einem halbfertigen Haus, in Tutzing, am Starnberger See, zwei Musiker unterm Dach in einem kleinen Zimmer &ndash; und schrieben ein paar Songs. In dieser Zeit der Auf- und Abr&uuml;stung, als Hunderttausende auf die Stra&szlig;e gingen, um gegen diesen Wahnsinn zu demonstrieren, haben wir versucht, das Gef&uuml;hl, unsere Angst, in einem Lied zum Ausdruck zu bringen. Dieses Lied, das dabei rausgekommen ist, das hei&szlig;t: Eiszeit.<\/em><\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend Peter Maffay im Februar 2001 bei einem Live-Konzert in Hamburg <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SBlQRDEld9g\">diese Zeilen<\/a> mit ruhiger, erz&auml;hlender Stimme zu seinen Fans spricht, spielt die Band bereits den Anfang eines der bekanntesten Maffay-Lieder ein. Keyboards, Synthesizer erzeugen einen zart hallenden Klangteppich, lange, schwebende Akkorde sind zu h&ouml;ren, sanfte Gitarrenlaute dringen ans Ohr, ruhige, perlende Kl&auml;nge erf&uuml;llen den Raum, ein zur&uuml;ckhaltendes Schlagzeugspiel bereitet sich vor, ein tiefer Bass schallt vorsichtig. Der Raum f&uuml;r den melancholischen R&uuml;ckblick auf eine Zeit gro&szlig;er Gefahr, aber auch menschlichen Mutes und demokratischen Verantwortungsbewusstseins &ouml;ffnet sich, langsam bauen Maffay und seine Band Spannung auf. Das Spiel der Instrumente wird schneller, und nach einem &uuml;ber zweimin&uuml;tigen Intro beginnt Maffay zu singen:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Berge spucken Lava aus in den silberklaren Mond<\/em><br>\n    <em>Aschenregen f&auml;llt auf uns, die Erde hat Milliarden Volt<\/em><br>\n    <em>Und aus den Quellen schie&szlig;t Glut so hoch bis zum Saturn<\/em><\/p>\n<p>    <em>Atlantis kommt jetzt hoch<\/em><br>\n    <em>Doch wo bleibt der Mensch der sich daran freut?<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und der Refrain beginnt mit voller Intensit&auml;t:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Eiszeit, Eiszeit<\/em><br>\n    <em>Wenn die Meere untergehen und die Erde bricht<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>In einer stark bildhaften, k&uuml;nstlerisch gepr&auml;gten Sprache beschreibt Maffay die nukleare Katastrophe.<\/p><p>Die Zeit, auf die Maffay mit seinen Worten vor Beginn des Songs anspielte, fand ihren H&ouml;hepunkt, als im Bonner Hofgarten zwischen 300.000 und 500.000 Menschen f&uuml;r den Frieden, gegen die Politik der Aufr&uuml;stung und die Stationierung von Pershing-2-Raketen demonstrierten.<\/p><p>Mit rauchig-rockiger Stimme singt Maffay weiter:<\/p><blockquote><p>\n    <em>Kontinente rasen dann in Sekunden auf sich zu<\/em><br>\n    <em>Wer sieht noch den letzten Blitz dann vor dieser Explosion?<\/em><br>\n    <em>Die Wolken sind so rot und wo einst die W&uuml;ste war<\/em><br>\n    <em>G&auml;hnt nur ein schwarzes Loch<\/em><br>\n    <em>Und der letzte Mensch bittet um den Tod<\/em><\/p>\n<p>    <em>Eiszeit, Eiszeit<\/em><br>\n    <em>Wenn die Meere untergehen und die Erde bricht<\/em><\/p>\n<p>    <em>Dann hat kein Sprengkopf mehr irgendwo ein letztes Ziel<\/em><br>\n    <em>Bleibt dies nur Utopie? Rotes Telefon<\/em><br>\n    <em>Wenn du versagst<\/em><\/p>\n<p>    <em>Eiszeit, Eiszeit<\/em><br>\n    <em>Wenn die Meere untergehen<\/em><br>\n    <em>Und die Erde bricht (wenn die Erde bricht)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Den apokalyptischen Bildern und der k&uuml;nstlerischen Verfremdung folgt der unmissverst&auml;ndliche Bezug zur politischen Verantwortung: &bdquo;Rotes Telefon, wenn Du versagst&ldquo;.<\/p><p>Maffay mit seiner erfahrenen Band versteht es, in diesem Lied die Live-Energie voll auszunutzen, das Publikum &bdquo;geht mit&ldquo;, eine eigene Dynamik entsteht. &Uuml;ber die Strophen steigt die Intensit&auml;t der Instrumente und dann folgt der H&ouml;hepunkt, ein Solo-Gitarrenspiel, von einem der wohl besten deutschen Gitarristen: Frank Dietz.<\/p><p>Mit viel Gef&uuml;hl und noch mehr K&ouml;nnen und Kunst beginnt der Blues-Rocker mit einem Gitarrenspiel, das &uuml;ber zwei Minuten gehen wird und von Fans als &bdquo;episch&ldquo; oder &bdquo;g&ouml;ttlich&ldquo; betrachtet wird.<\/p><p>Was Dietz an dieser Stelle abliefert, ist nicht nur ein Gitarrenspiel. Er erz&auml;hlt mit seinem Instrument regelrecht die Geschichte des Liedes, er zieht die Saiten, l&auml;sst die T&ouml;ne sprechen und transportiert auf der Gef&uuml;hlsebene Trauer, Hoffnungslosigkeit, Wut, aber auch den Widerstand. Auf die emotionale Bedrohung folgt ab Minute 5:50 die von der Band flankierte Explosion seines langsam aufgebauten Auftritts. Mit Staunen und Ehrfurcht beobachtet die Band Dietzes Darbietung, w&auml;hrend das Publikum zu einem Sonderapplaus ansetzt. Dietz&lsquo; Gitarrensolo ist an diesem Abend wohl zu einem der emotionalsten der deutschen Rockgeschichte geworden.<\/p><p>Das Lied &ndash; und speziell diese Version &ndash; ist ein Kunstwerk, das in der langen Reihe der friedensbewegten Lieder seinen festen Platz hat.<\/p><p>Das Unvorstellbare, die Zerst&ouml;rung des Planeten und in der Konsequenz auch der Menschheit, war damals ernst. In einer Zeit, in der die Gro&szlig;m&auml;chte immer wieder aufger&uuml;stet und ein gigantisches Nukleararsenal aufgebaut haben, hing das Damoklesschwert des Atomkriegs &uuml;ber der Menschheit.<\/p><p>Was in Deutschland im Falle eines Falles passiert w&auml;re, davon k&uuml;ndet die Simulation eines Nuklearkriegs zwischen der NATO und der Sowjetunion, die noch im Jahr 1989 abgehalten wurde und &uuml;ber die der <em>Spiegel<\/em> <em><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/wir-europaeer-sollen-uns-opfern-a-884bc9b8-0002-0001-0000-000013495258\">berichtet<\/a><\/em> hatte.<\/p><p>Von Deutschland w&auml;re nichts mehr &uuml;brig geblieben.<\/p><p>Maffay, im Gegensatz zu vielen anderen K&uuml;nstlern, die damals ihren Mund aufgemacht haben, &auml;u&szlig;ert sich auch heute noch kritisch. In einem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Maffay.de\/posts\/wir-leben-nicht-mehr-im-friedennach-deutschland-muss-kriegst%C3%BCchtig-werden-jetzt-\/1356906145788257\/\">Facebook-Post<\/a> vom September 2025 <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/peter-maffay-kritisiert-merz-und-pistorius-euphorische-kriegsrhetorik-2360191\">schreibt<\/a> der K&uuml;nstler in Richtung Verteidigungsminister Boris Pistorius:<\/p><blockquote><p>\n    <em>&bdquo;Wir leben nicht mehr im Frieden&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>    <em>Nach &bdquo;Deutschland muss kriegst&uuml;chtig werden&ldquo; jetzt die n&auml;chste verbale Eskalation. Wann, Herr Pistorius, Herr Merz, m&uuml;ssen wir mit der Bekanntmachung der &bdquo;Mobilmachung&ldquo; rechnen? Sind Sie sich eigentlich im Klaren, welches &Ouml;l Sie da ins Feuer gie&szlig;en? Ist den &bdquo;starken Mann&ldquo; zu geben die einzige Option, die Ihnen einf&auml;llt angesichts der sich rasant versch&auml;rfenden Konfrontation mit Russland? Bek&auml;mpfen Sie und Ihre Kollegen die Ursachen, nicht die Symptome der Problematik, und h&ouml;ren Sie endlich auf mit dieser euphorischen Kriegsrhetorik und der damit verbundenen Propaganda. Verteidigungsf&auml;hig angesichts der seit drei Jahren stattfindenden, sich immer mehr ausweitenden Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Russland: ja. Unabh&auml;ngigkeit von den USA &ndash; in diesem Zusammenhang &ndash; ja, und konzertiertes europ&auml;isches Vorgehen ebenfalls.<\/em><\/p>\n<p>    <em>Aber mit Verstand und &Uuml;bersicht (&hellip;).<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und in der Tat: Die Konfrontationspolitik zwischen der NATO und Russland wird immer bedrohlicher. L&auml;ngst ist der Eindruck entstanden, dass ein Funke gen&uuml;gt, um einen hei&szlig;en Krieg hervorzubringen, oder um es mit Maffays Worten zu sagen: Dann spucken Berge Lava aus.<\/p><p>In Anbetracht dieser Situation dr&auml;ngt sich aus musikalischer Sicht die Frage auf: Wann kommt ein neuer &bdquo;Eiszeit-Song&ldquo;?<\/p><p><em>Anmerkung der Redaktion: Das Projekt <a href=\"https:\/\/friedensnoten.de\/\">Friedensnoten<\/a> wurde von dem K&uuml;nstler <strong>Jens Fischer Rodrian<\/strong> und dem Journalisten <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong> 2022 ins Leben gerufen. 2026 ist das Projekt zu einem Friedensb&uuml;ndnis von Radio M&uuml;nchen, Manova, NachDenkSeiten und Protestnoten geworden. Rund 80 Friedensnoten von gut 60 Autoren sind mittlerweile zusammengekommen.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Ralph Larmann &copy; Red Rooster Musikproduktion GmbH <\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r das Projekt <em><a href=\"https:\/\/friedensnoten.de\/\">Friedensnoten<\/a><\/em> macht sich Marcus Kl&ouml;ckner Gedanken zu dem Lied &bdquo;Eiszeit&ldquo; von Peter Maffay. Eine erweiterte, l&auml;ngere Live-Version des Liedes, das Maffay mit seiner Band 2001 spielte, r&uuml;ckt dabei in den Vordergrund. 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