{"id":15460,"date":"2012-12-14T08:20:22","date_gmt":"2012-12-14T07:20:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15460"},"modified":"2015-05-11T08:13:16","modified_gmt":"2015-05-11T06:13:16","slug":"ausgrenzung-des-hochschulpolitischen-programms-des-dgb-aus-der-offentlichen-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15460","title":{"rendered":"Ausgrenzung des hochschulpolitischen Programms des DGB aus der \u00f6ffentlichen Debatte"},"content":{"rendered":"<p>Am Dienstag den 11. Dezember hat der DGB  ein <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++a03542d4-4454-11e2-a494-00188b4dc422\">hochschulpolitisches Programm f&uuml;r eine demokratische und soziale Hochschule<\/a> der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt. Bis auf eine Vorabmeldung im <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/themen\/hochschulpolitisches%20Programm\">Berliner Tagesspiegel<\/a> habe ich bisher auf keiner Suchmaschine auch nur eine einzige Meldung dar&uuml;ber in den Medien gefunden. Nicht einmal der &bdquo;Informationsdienst Wissenschaft&ldquo; (idw), wo sonst nahezu jede Presseerkl&auml;rung einer einzelnen Hochschule einen Eintrag wert ist, ist bisher darauf eingegangen.<br>\nVergleicht man diese mediale Missachtung einmal mit der Aufmerksamkeit, die beliebige Pressemeldungen zur Hochschulpolitik des Stifterverbandes f&uuml;r die deutsche Wissenschaft oder ganz zu schweigen der Bertelsmann Stiftung oder der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in den Medien ausl&ouml;st, dann muss man von einer demokratischen und sozialen Ausgrenzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Feld der Hochschulpolitik sprechen. Eine demokratische und soziale Hochschule, wie sie die Gewerkschaften fordern, scheint f&uuml;r die ver&ouml;ffentlichte Meinung kein Thema zu sein. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die hochschulpolitische Ausgrenzung der Gewerkschaften<\/strong><\/p><p>Gibt man bei Google die Suchworte &bdquo;unternehmerische&ldquo; oder &bdquo;entfesselte&ldquo; Hochschule  &ndash; also die Leitbegriffe des bertelsmannschen Hochschulleitbildes &ndash; ein, so findet man in Sekundenbruchteilen hunderttausende von Fundstellen der unterschiedlichsten Medien. Beim gewerkschaftlichen Leitbild einer demokratischen und sozialen Hochschule findet man ganz &uuml;berwiegend nur gewerkschaftsnahe Quellen. Das hat sicherlich auch mit den Algorithmen der Suchmaschinen zu tun, es d&uuml;rfte aber &uuml;berwiegend daran liegen, dass den Vorstellungen der Arbeitnehmervertretungen zur Hochschulpolitik keine &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit gewidmet wird. <\/p><p>W&auml;hrend Stellungnahmen von Wirtschaftsverb&auml;nden oder wirtschaftsnahen Lobbyorganisationen zur Hochschulpolitik einen hohen &ouml;ffentlichen Aufmerksamkeitswert genie&szlig;en, stehen auch noch so differenzierte oder gr&uuml;ndliche &Uuml;berlegungen &uuml;ber die Zukunft des Hochschulwesens von Arbeitnehmerseite offenbar vor eine Barriere des Verschweigens. Das gewerkschaftliche Leitbild einer demokratischen und sozialen Hochschule wird paradoxerweise sozial ausgegrenzt und findet in den demokratischen Meinungsbildungsprozess kaum Eingang. Gerade so als h&auml;tten die Vertreter der Arbeitnehmerschaft nichts mit den Hochschulen zu tun, als h&auml;tten sie im terti&auml;ren Bildungssektor nichts zu suchen.<\/p><p>Das ist angesichts der Tatsache, dass heute ann&auml;hrend die H&auml;lfte eines Altersjahrgang &uuml;ber eine Studienberechtigung verf&uuml;gt und etwa 40 Prozent aller Studienberechtigungen &uuml;ber das berufliche Bildungssystem oder den &bdquo;zweiten Bildungsweg&ldquo; vergeben werden, ein bemerkenswertes Ph&auml;nomen des Verlustes an Meinungsvielfalt in einer angeblich pluralen Gesellschaft, die sich st&auml;ndig der &bdquo;Sozialpartnerschaft&ldquo; zwischen &bdquo;Arbeitgebern&ldquo; und &bdquo;Arbeitnehmern&ldquo; r&uuml;hmt. Da wohl die meisten Journalisten irgendwann einmal eine Hochschule besucht haben, mag sich in deren Wahrnehmungshorizont, die gleiche &bdquo;soziale Abschottung&ldquo; wiederspiegeln, die wir auch bei den Studierenden an den Hochschulen gegen&uuml;ber Kindern aus Elternh&auml;usern, die keinen akademischen Abschluss vorfinden.<\/p><p>Sicherlich tragen die Gewerkschaften an dieser Wahrnehmungsasymmetrie ein St&uuml;ck weit selber Schuld, haben sie sich doch erst recht sp&auml;t (wieder) in die hochschulpolitische Debatte eingeschaltet. Es hat lange gedauert, bis die Gewerkschaften mindestens genauso intensiv, wie sie f&uuml;r eine bessere berufliche Bildung streiten, auch auf dem Feld der Hochschulbildung aktiv geworden sind. Die gesellschaftliche Gruppe, deren Interessen Gewerkschaften vertreten, n&auml;mlich Arbeitnehmer und deren Kinder waren und sind eben an den Hochschulen dramatisch <a href=\"http:\/\/www.vodafone-stiftung.de\/scripts\/getdata.php?DOWNLOAD=YES&amp;id=16870\">unterrepr&auml;sentiert [PDF &ndash; 415 KB]<\/a>, so dass in den Zw&auml;ngen der Alltagsarbeit von Gewerkschaftern die Hochschulpolitik in der Agenda nicht gerade die oberste Priorit&auml;t einnahm. <\/p><p>Anders als etwa die Arbeitgeberseite mit ihrem &bdquo;Stifterverband f&uuml;r die deutsche Wissenschaft&ldquo; oder die Lobby der Marktgl&auml;ubigen, wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) oder in besonderer Weise die Bertelsmann Stiftung mit ihrem Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung (CHE) war die Stimme der Gewerkschaften in der Zeit der &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Umbr&uuml;che seit den preu&szlig;ischen Universit&auml;tsreformen&ldquo; (so der fr&uuml;here Chef des CHE) weg vom humboldtschen Bildungsideal hin zum hayekschen Glauben an die &Uuml;berlegenheit der Markt- und Wettbewerbssteuerung einer &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; kaum zu vernehmen. Die an den Hochschulen vertretenen Gewerkschaften GEW und ver.di waren viel zu schwach, um dem  &bdquo;Reform-Tsunami&ldquo; der letzten Dekade etwas entgegensetzen zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Auch in den neuen Aufsichts- und Entscheidungsstrukturen des &bdquo;New Public Managements&ldquo; der vom Staat und den Parlamenten &bdquo;entfesselten&ldquo; Hochschulen sind die Gewerkschaften nur marginal vertreten. Gerade einmal drei Prozent der extern (mit)besetzten Hochschulr&auml;te an den Hochschulen wurden mit gewerkschaftlichen Mitgliedern besetzt und Arbeitnehmervertreter sind damit gegen&uuml;ber den Repr&auml;sentanten aus der Wirtschaft, die nahezu die H&auml;lfte der Hochschulratsvorsitzenden stellten, gemessen an ihrem Stellenwert als &bdquo;Sozialpartner&ldquo; dramatisch <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2959\">unterrepr&auml;sentiert<\/a>.<\/p><p><strong>Die &bdquo;Reform&ldquo;-Welle schwappt zur&uuml;ck<\/strong><\/p><p>Es ist allerh&ouml;chste Zeit, dass sich die Gewerkschaften und ihr Dachverband der DGB (wieder) in die hochschulpolitische Debatte einmischen und die Hochschulpolitik als &bdquo;Schl&uuml;ssel zur Gesellschaftsreform&ldquo; (Reinhard Mohn) nicht mehr l&auml;nger nur der Bertelsmann Stiftung, dem Stifterverband f&uuml;r die deutsche Wissenschaft, dem Aktionsrat Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw), der von den Arbeitgeberverb&auml;nden der Metall- und Elektro-Industrie finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), dem arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) oder etwa auch die McKinsey &amp; Company Inc. &uuml;berlassen.<\/p><p>Nat&uuml;rlich haben die Hochschul-&bdquo;Reformen&ldquo; der letzten Dekade Fakten geschaffen, die nicht mehr oder nur schwer korrigierbar sind, aber da diese Reformwellen inzwischen auf zahllose Sandb&auml;nke aufgelaufen sind und allm&auml;hlich zur&uuml;ckschwappen, ist vielleicht ein guter Zeitpunkt gekommen, die &ouml;ffentliche Debatte von der wettbewerbsgesteuerten in Richtung auf eine wieder mehr demokratische und vor allem auch auf eine soziale Hochschule zu lenken. Der Korrekturbedarf am Bologna-Prozess der Studienreform ist mittlerweile in allen hochschulpolitischen Lagern anerkannt und die bildungspolitische Barriere der Studiengeb&uuml;hren, wird inzwischen sogar von der CSU in Bayern &ndash; neben Niedersachsen das <a href=\"http:\/\/www.studis-online.de\/StudInfo\/Gebuehren\/\">letzte Land<\/a> mit einer &bdquo;Studienmaut&ldquo; &ndash; in Frage gestellt. <\/p><p>Dass Gewerkschaften in die hochschulpolitische Debatte eingreifen, ist schon deshalb wichtig, weil allein aus den Hochschulen heraus ein neuerlicher Leitbildwechsel nicht zu erwarten ist. W&auml;re es allein nach den Hochschulen gegangen, so h&auml;tten diese das  &bdquo;Doping&ldquo; der Studiengeb&uuml;hren niemals absetzen wollen. Und warum sollten die Hochschulpr&auml;sidien auch freiwillig wieder etwas von der ihnen einmal zugestandenen Macht preisgeben. K&ouml;nnen sie doch mit den Hochschulr&auml;ten im R&uuml;cken und ihrer ohnehin massiv gest&auml;rkte Durchgriffsgewalt praktisch jeden l&auml;stigen Widerstand der Hochschulgremien gegen ihre Top-Down-Entscheidungen brechen. Zu einer wirklichen Alternative zur &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule hin zu einer demokratischeren, freieren und sozialeren Wissenschaftsorganisation wird es nur kommen, wenn gleichzeitig auch ein gesellschaftlicher Leitbildwechsel weg vom mit &bdquo;neoliberal&ldquo; nur unzul&auml;nglich umschriebenen vorherrschenden Weltbild gelingt. Das wird zwar noch ein langer Weg sein, doch bekanntlich beginnt auch der l&auml;ngste Marsch mit dem ersten Schritt. <\/p><p>Die gewerkschaftliche Hans-B&ouml;ckler-Stiftung hat vor zwei Jahren mit ihrem Projekt eines <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4506\">&bdquo;Leitbildes Demokratische und soziale Hochschule&ldquo;<\/a> einen ersten Stein ins Wasser geworfen. Zwar hat sich die Kritik an den Hochschulreformen der letzten Jahre nicht nur unter Studierenden sondern auch unter Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern weit verbreitet, doch das alternative gewerkschaftliche  Leitbild erreichte im Wesentlichen nur die innergewerkschaftlichen Kreise. Mehr Nachdruck wird nun erhofft, wenn die Dachorganisation der Gewerkschaftsbewegung ein hochschulpolitisches Programm der &Ouml;ffentlichkeit vorstellt. Doch den Medien war das &ndash; wie oben erw&auml;hnt &ndash; bisher kaum eine Meldung wert. Dabei ber&uuml;hren die gewerkschaftlichen Forderungen den Kern der Misere des sog. terti&auml;ren Bildungssektors, also die Hochschulbildung selbst, mehr Chancengleichheit, die Attraktivit&auml;t und die Freiheit wissenschaftlichen Arbeitens, das Verh&auml;ltnis zwischen Staat und einem autonomen Forschen und Studieren und die Finanzierungsstrukturen eines zukunftsfesten Hochschulwesens. <\/p><p><strong>14 Eckpunkte f&uuml;r eine demokratische und soziale Hochschule<\/strong><\/p><ol>\n<li>Der DGB tritt in seinem Leitbild f&uuml;r eine <strong>soziale &Ouml;ffnung der Hochschulen<\/strong> ein.<br>\nDazu geh&ouml;ren entsprechend gestaltete Studieneingangsphasen genauso wie umfassende fach- und studienorganisationsbezogene Beratungs- und F&ouml;rderangebote, aber auch Angebote f&uuml;r ein berufsbegleitendes Studium oder ein Teilzeitstudium als Regelangebot. Die &Uuml;berg&auml;nge zwischen Schule, Arbeitswelt und Hochschule m&uuml;ssten aktiv gestaltet werden und individuell gestaltbar bleiben. Der freie Hochschulzugang d&uuml;rfe nicht den Auswahlkriterien einzelner Hochschulen unterliegen. Es wird ein bedarfs- und nachfrageorientierten Ausbau der Studienpl&auml;tze und damit eine &Uuml;berwindung des Numerus Clausus gefordert. Um das <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/090722_hochschulzulassung_zbs2_2009_lieb.pdf\">Chaos bei der Hochschulzulassung [PDF &ndash; 80 KB]<\/a> zu beenden, m&uuml;ssten in Studieng&auml;ngen, in denen die Studienpl&auml;tze knapp sind, diese zentral nach Ma&szlig;gabe eines Bundesgesetzes vergeben werden. Dabei sollen neben Leistungskriterien auch soziale Kriterien sowie politisches und soziales Engagement zu ber&uuml;cksichtigen sein.<\/li>\n<li>Der DGB strebt die <strong>Durchl&auml;ssigkeit und Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung<\/strong> an (Studieren auch ohne Abitur). Absolvent\/innen eines anerkannten mindestens dreij&auml;hrigen Ausbildungsberufes sollen das Recht auf den allgemeinen Hochschulzugang erhalten. Das setzt auch den Ausbau von berufsbegleitenden Studieng&auml;ngen und von Teilzeit-Studienangeboten oder von dualen Studieng&auml;ngen voraus. Und nat&uuml;rlich verlangt eine heterogenere Studierendenschaft angemessene Lernarrangements und eine entsprechende Didaktik.<\/li>\n<li>Der DGB beklagt die <strong>mangelnde Ausrichtung der Hochschulen auf ein &bdquo;lebensbegleitendes Lernen&ldquo;<\/strong> und kritisiert die Privatisierungstendenzen im Bereich der Weiterbildung.<\/li>\n<li>Zum Leitbild der Gewerkschaften geh&ouml;rt der <strong>Abbau finanzieller H&uuml;rden auf dem Weg zur Hochschule<\/strong> (Abschaffung der Studiengeb&uuml;hren und daf&uuml;r ein sozial gerechteres Steuersystem) genauso wie ein Rechtsanspruch auf eine bedarfsdeckende Studienfinanzierung mit einer Verbesserung der Bedarfss&auml;tze und einer schrittweisen Senkung des Darlehensanteils. Die Leistungen des Familienleistungsausgleichs sollten zuk&uuml;nftig zusammengefasst, in die staatliche Studienfinanzierung integriert und allen Studierenden &ndash; unabh&auml;ngig vom Einkommen der Eltern &ndash; direkt ausgezahlt werden.<\/li>\n<li>Der DGB greift die allgemeine <strong>Kritik an den &auml;u&szlig;eren Studienbedingungen und an der inhaltlichen Studienreform<\/strong> im Rahmen des Bologna-Prozesses auf.  Der vermeintliche Widerspruch zwischen einem Studium als &bdquo;Bildung durch Wissenschaft&ldquo; und beruflicher &bdquo;Ausbildung&ldquo; wird durch die Kompromissformel aufzul&ouml;sen versucht, dass eine Studium einer &bdquo;wissenschaftliche Berufsausbildung&ldquo; dienen soll, die sich nicht an den aktuellen Erfordernissen der beruflich verwertbaren Fertigkeiten des Arbeitsmarktes sondern an einer vorrausschauenden Berufsorientierung ausrichten m&uuml;sse. &bdquo;Eine so verstandene wissenschaftliche Berufsausbildung meint einen kritisch-reflektierten Praxisbezug im Studium, der fachliche und methodische Qualifikation in den Kontext gesellschaftlicher Prozesse stellt und auf die Entwicklung umfassender Handlungskompetenz ausgerichtet ist.&ldquo;<br>\nErfolge bei der Verbesserung der Qualit&auml;t der Lehre verspricht sich der DGB nur, wenn die Lehre einen eigenst&auml;ndigen Stellenwert als Quelle wissenschaftlicher Reputation erf&auml;hrt.<\/li>\n<li>Die Gewerkschaften treten f&uuml;r eine <strong>Weiterentwicklung des &bdquo;Europ&auml;ischen Hochschulraums&ldquo;<\/strong> ein und kritisieren dementsprechend die unzureichende Bilanz des Bologna-Prozesses, der mit spezialisierten Modulen, kleinteiligen Pr&uuml;fungen und mangelnder Transparenz ausufernder Bachelor-Studienangeboten schon die Mobilit&auml;t zwischen deutschen Hochschulen erschwert habe.<\/li>\n<li><strong>Staatlich verantwortete und demokratisch legitimierte Rahmenbedingungen<\/strong> (aufgabengerechte Finanzierung, Hochschulentwicklungsplanung, Sicherung des Hochschulzugangs, soziale Absicherung des Studierens) sollen die Wissenschaftsfreiheit gegen die anonymen  Zw&auml;nge des <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8139\">Wettbewerbs auf dem Forschungs- und Ausbildungsmarkt<\/a> absichern. Ein Verst&auml;ndnis von Hochschulautonomie, das sich aus der Freiheit der Wissenschaft zum Nutzen und Fortschritt der gesamten Gesellschaft ableiten soll. Ziel ist eine demokratische Hochschule f&uuml;r eine demokratische Gesellschaft. Dazu geh&ouml;ren f&uuml;r den DGB die Verankerung verfasster Studierendenschaften genauso wie die (viertel-)parit&auml;tischen (Mit-)Entscheidungssrechte aller Mitgliedsgruppen an den Hochschulen oder Beauftragte f&uuml;r benachteiligte Gruppen.<br>\nDie Kontrolle der Hochschulen soll nicht l&auml;nger bei demokratisch nicht legitimierten und niemand zur Rechenschaft verpflichteten externen Hochschulr&auml;ten obliegen, die Br&uuml;cke zur Gesellschaft soll mit plural zusammengesetzten Kuratorien in beratender Funktion geschlagen werden.<\/li>\n<li>Als wichtiger Akteur bei der Bew&auml;ltigung gesellschaftlicher Herausforderungen m&uuml;ssen die Hochschulen <strong>attraktive Arbeitgeber f&uuml;r qualifiziertes Personal<\/strong> sein. Die Hochschulen k&ouml;nnen auf Dauer die &bdquo;besten K&ouml;pfe&ldquo; nur gewinnen, wenn sie &bdquo;gute Arbeit&ldquo; bieten. Die Promovierenden sollen &ndash; wie das im Ausland &uuml;blich ist &ndash; als &bdquo;young researcher&ldquo; anerkannt werden. Postdocs und Juniorprofessoren sollen klare berufliche Perspektiven in unterschiedliche Karrierewege er&ouml;ffnet werden.<\/li>\n<li><strong>Geschlechtergerechtigkeit<\/strong> soll zu einem Qualit&auml;tsmerkmal f&uuml;r die Hochschulentwicklung werden.<\/li>\n<li>Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften halten an der <strong>Einheit von Forschung und Lehre<\/strong> fest. Sie wenden sich gegen eine weitere Hierarchisierung der Hochschullandschaft nach dem amerikanischen Vorbild eines &bdquo;academic capitalism&ldquo;. Sie verlangen eine verl&auml;ssliche Grundfinanzierung und halten die zunehmende Steuerung der Forschung &uuml;ber Drittmittel f&uuml;r problematisch. Durch eine &bdquo;Zivilklausel&ldquo; soll eine friedliche Orientierung der Hochschulen festgeschrieben werden. Ein transparenter Zugang zu allen &ouml;ffentlich und privat finanzierten Forschungsergebnissen soll gesichert werden.<\/li>\n<li>Der terti&auml;re Bereich differenziert sich innerhalb und zwischen den Hochschulen aus. Umso wichtiger ist es nach den Vorstellungen der Gewerkschaften die <strong>Gleichwertigkeit und vor allem die Durchl&auml;ssigkeit zwischen den Hochschuleinrichtungen<\/strong> zu gew&auml;hrleisten. Eine Abschottung zwischen &bdquo;Elite&ldquo; und &bdquo;Masse&ldquo; wird abgelehnt. Der Durchstieg zur Promotion auch von der Fachhochschule soll offen stehen.<\/li>\n<li>Im hochschulpolitischen Programm wird eine <strong>bedarfs- und nachfragegerechte Finanzierung<\/strong> der Hochschulen gefordert. Damit die Hochschulen eigenst&auml;ndige (autonome) Schwerpunkte in Lehre und Forschung setzen k&ouml;nnen, sollen die Grundhaushalte wieder ausgeweitet werden. (Unpr&auml;zise bleibt das Programm bei der Frage nach zus&auml;tzlichen Finanzmitteln f&uuml;r einen bedarfsgerechten Kapazit&auml;tsausbau von Studienpl&auml;tzen.)<\/li>\n<li>Deutlich positionieren sich die Gewerkschaften gegen den mit der F&ouml;deralismusreform durchgesetzten Wettbewerbsf&ouml;deralismus und fordert eine <strong>gemeinsame Bildungsplanung von Bund und L&auml;ndern<\/strong> und eine nationale Bildungsstrategie ein. Es m&uuml;ssten wieder Grunds&auml;tze und damit ein Mindestma&szlig; an Regelungen &uuml;ber Ziele und Aufgaben, &uuml;ber die Organisation der Hochschulen, ihre Personalstruktur und Funktionsweisen sowie &uuml;ber Zug&auml;nge und Abschl&uuml;sse durch ein Hochschulgesetz auf Bundesebene eingef&uuml;hrt werden. Der Bund m&uuml;sse durch eine &Auml;nderung des Grundgesetzes auch wieder dauerhaft an der Grundfinanzierung der Hochschulen und am Hochschulbau beteiligt werden.<\/li>\n<li>Die Kernfrage wird nat&uuml;rlich bleiben, was die Gewerkschaften tun k&ouml;nnen, um <strong>von einem hochschulpolitischen Programm zur hochschulpolitischen Wirklichkeit<\/strong> durchdringen zu k&ouml;nnen.<\/li>\n<\/ol><p>Es ist ein Fortschritt dass die Gewerkschaften die Hochschulpolitik als wichtiges Feld der Gesellschaftspolitik begreifen und es bleibt richtig, dass es eine demokratische und soziale Hochschule ohne starke Gewerkschaften nicht geben wird. <\/p><p>Die Frage wird sein, ob die Gewerkschaften die Kraft und den n&ouml;tigen &bdquo;langen Atem&ldquo; haben werden, um einen Leitbildwechsel von der wettbewerbsgesteuerten &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule zu einer sozialen und demokratischen Hochschule ansto&szlig;en zu k&ouml;nnen. <\/p><p>Die Barrieren sind hoch. Das zeigt schon die eingangs beschriebene mediale Ausgrenzung des hochschulpolitischen Programms der Gewerkschaften. <\/p><p>Die Protagonisten der &bdquo;entfesselten Hochschule&ldquo; haben einen jahrzehntelangen Vorsprung. Das Paradigma der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; hat sich in den K&ouml;pfen der politischen Eliten festgesetzt. Auch die &uuml;berwiegende Mehrheit der Hochschulangeh&ouml;rigen ist auf den mit diesem Modell unmittelbar verbundenen neoliberalen Mainstream eingeschwenkt. Die Hochschulleitungen werden energischen Widerstand gegen eine demokratische (Wieder-) Eingrenzung ihrer teilweise autokratischen Machtbefugnisse leisten.<\/p><p>Es wird noch viel Kreativit&auml;t und noch mehr Anstrengungen kosten damit die Gewerkschaften mit  ihren Alternativen in der hochschulpolitische Geh&ouml;r finden.<br>\n(Siehe dazu: Warum sich Gewerkschaften so schwer tun, der &bdquo;unternehmerischen Hochschule&ldquo; ein fortschrittliches Leitbild <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8113\">entgegenzusetzen<\/a>)<\/p><p>Aber unterhalb der Oberfl&auml;che der ver&ouml;ffentlichten Meinung hat sich nicht nur unter den Studierenden sondern auch bei Professorinnen und Professoren und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Hochschulen erheblicher Unmut &uuml;ber die zur&uuml;ckliegenden &bdquo;Reformen&ldquo; angestaut. Und die politischen Erfolge bei der Abschaffung der Studiengeb&uuml;hren haben gezeigt, dass &ndash; &auml;hnlich wie in der Schulpolitik &ndash; Wahlentscheidungen auch durch hochschulpolitische Themen beeinflusst werden. Warum w&uuml;rde sonst die CSU ein Volksbegehren &uuml;ber die Abschaffung von Studiengeb&uuml;hren in Bayern scheuen wie der Teufel das Weihwasser? <\/p><p>Auch wenn die allgemeine Bev&ouml;lkerung eine gewisse Schwellenangst gegen&uuml;ber den Hochschulen hat, so gibt es doch nach wie vor einen weitgehenden Konsens, dass diese (zumal aus Steuergeldern finanzierten) Bildungs- und Forschungseinrichtungen in gesellschaftlicher Gesamtverantwortung stehen und damit offen f&uuml;r alle sein und der demokratischen und sozialen Entwicklung dienen sollen. <\/p><p>P.S.: Das nunmehr vorgelegte hochschulpolitische Programm des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist &ndash; wie sollte es anders sein &ndash; ein Kompromiss zwischen den auch unter den Gewerkschaften recht unterschiedlichen Str&ouml;mungen. Wer meine auf den NachDenkSeiten vielfach dargelegten hochschulpoltischen Positionen verfolgt hat, wird wissen, dass ich im Detail viel Kritisches anzumerken h&auml;tte. Doch im Grundsatz halte ich diesen Diskussionsansto&szlig; f&uuml;r richtig und unterst&uuml;tzenswert. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Dienstag den 11. Dezember hat der DGB ein <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++a03542d4-4454-11e2-a494-00188b4dc422\">hochschulpolitisches Programm f&uuml;r eine demokratische und soziale Hochschule<\/a> der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt. Bis auf eine Vorabmeldung im <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/themen\/hochschulpolitisches%20Programm\">Berliner Tagesspiegel<\/a> habe ich bisher auf keiner Suchmaschine auch nur eine einzige Meldung dar&uuml;ber in den Medien gefunden. Nicht einmal der &bdquo;Informationsdienst Wissenschaft&ldquo; (idw), wo sonst nahezu jede<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15460\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[109,17,41],"tags":[409,231,565],"class_list":["post-15460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gewerkschaften","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-medienanalyse","tag-bildungschancen","tag-che","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15460"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15463,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15460\/revisions\/15463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}