{"id":154740,"date":"2026-08-08T14:00:11","date_gmt":"2026-08-08T12:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154740"},"modified":"2026-08-07T20:17:53","modified_gmt":"2026-08-07T18:17:53","slug":"zwischen-gespraechen-und-besatzung-libanon-vor-der-israelischen-mauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154740","title":{"rendered":"Zwischen Gespr\u00e4chen und Besatzung &#8211; Libanon vor der israelischen Mauer"},"content":{"rendered":"<p>Der Libanon steht unter Druck. Innenpolitisch durchlebt das Land seit 2019 eine schwere Wirtschaftskrise, Korruption und Vetternwirtschaft haben nicht nur das Bankenwesen zum Einsturz gebracht. Die Zentrale der staatlichen Stromversorgung &Eacute;lectricit&eacute; du Liban (EDL) ist seit der Explosion im Hafen von Beirut (2020) eine Ruine. Strom- und Wasserversorgung, Bildung, Gesundheitsversorgung sind mangels zuverl&auml;ssiger Funktionst&uuml;chtigkeit teilweise privatisiert, was der Bev&ouml;lkerung zus&auml;tzliche Zahlungen abverlangt. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n&Uuml;berweisungen von Familienangeh&ouml;rigen aus aller Welt erreichen nach Angaben der Weltbank j&auml;hrlich zwischen 5,8 bis zu 6,7 Milliarden US-Dollar und machen teilweise mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Staates aus. Das Geld wird &uuml;ber private Geldinstitute und Transfers geschickt und erm&ouml;glicht, notwendige Krankenhauskosten oder die Schul- oder Studiengeb&uuml;hren f&uuml;r die Kinder zu bezahlen. Das Geld hilft, die hohen Geb&uuml;hren f&uuml;r Mobiltelefon, Strom aus Generatoren und f&uuml;r zus&auml;tzliche Wasserlieferungen zu bezahlen. Oder es hilft, Solarpanels zu kaufen, Reparaturen an den bei israelischen Angriffen zerst&ouml;rten Wohnh&auml;usern zu bezahlen oder einen Kleinkredit abzubezahlen.<\/p><p>Seit dem 19. Jahrhundert sind Hunderttausende Libanesen wegen Hungersnot, Zwangsrekrutierung (Osmanisches Reich), Kriegen und Arbeitslosigkeit ausgewandert oder geflohen und leben heute auf allen Kontinenten der Welt. Ihre R&uuml;ck&uuml;berweisungen an Familienangeh&ouml;rige im Libanon sind die eigentliche &ouml;konomische Basis der rund f&uuml;nf Millionen Libanesen, die heute noch im Zedernstaat leben.<\/p><p><strong>Israel verweigert Abzug<\/strong><\/p><p>Die aktuelle Situation f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung im Libanon hat sich weiter verschlechtert. Fast 20 Prozent im S&uuml;den des Landes sind von israelischen Truppen besetzt, die t&auml;glich H&auml;user, H&ouml;fe, Schulen, Friedh&ouml;fe, Gottesh&auml;user, Oliven- und Obsthaine in die Luft sprengen, mit Bulldozern plattwalzen oder in Brand setzen. Die libanesische Regierungsspitze, Pr&auml;sident Joseph Aoun und Ministerpr&auml;sident Nawal Salam, haben die Hisbollah, die der israelischen Armee und ihren Besatzungstruppen im Libanon seit den fr&uuml;hen 1980er-Jahren Widerstand leistete, f&uuml;r illegal erkl&auml;rt und deren Entwaffnung angeordnet.<\/p><p>Unter Vermittlung der US-Administration &ndash; genauer gesagt unter der Drohung des US-Sonderbotschafters Tom Barrack, der <a href=\"https:\/\/today.lorientlejour.com\/article\/1465739\/behind-thomas-barracks-visit-to-lebanon.html\">gesamte Libanon<\/a> k&ouml;nne zerst&ouml;rt und von Israel &uuml;berrollt werden &ndash; beauftragte der libanesische Pr&auml;sident die libanesische Botschafterin in den USA, Gespr&auml;che mit dem israelischen Botschafter in den USA aufzunehmen. Die Gespr&auml;che fanden im Dreier-Format mit dem US-Au&szlig;enminister zun&auml;chst im US-Au&szlig;enministerium in Washington statt. Ergebnis war ein trilaterales Rahmenabkommen.<\/p><p>Anfang August traf man sich zur mittlerweile <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2026\/8\/4\/seventh-round-of-israel-lebanon-talks-begins-whats-on-the-agenda\">siebten Gespr&auml;chsrunde<\/a> in Rom. Die Forderungen des Libanon und Israels liegen weit auseinander. Die US-Vermittler versuchen, die Libanesen von ihrer Kernforderung &ndash; der vollst&auml;ndige R&uuml;ckzug der israelischen Truppen aus dem gesamten libanesischen Territorium &ndash; abzubringen. Doch es herrscht Stillstand.<\/p><p>Israel verweigert kategorisch den Vorschlag, &uuml;ber sogenannte &bdquo;Pilot-Zonen&ldquo; mit einem &bdquo;R&uuml;ckzug auf Raten&ldquo; guten Willen zu zeigen. Nach den ersten drei Orten &ndash; von denen die israelische Armee nur am Rande des einen Ortes anwesend war &ndash; wollen die Libanesen die Orte Khiam und Bint Jbeil zu zwei weiteren &bdquo;Pilot-Zonen&ldquo; erkl&auml;ren. Beide Orte liegen zwischen der von den Vereinten Nationen markierten Waffenstillstandslinie, der &bdquo;Blauen Linie&ldquo; und dem Litani-Fluss. Israel h&auml;lt das Gebiet besetzt und denkt nicht daran, sich von dort zur&uuml;ckzuziehen, <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/liveblog_entry\/israel-said-refusing-further-withdrawals-from-lebanon-amid-spat-over-who-will-verify-hezbollah-disarmament\/\">wie israelische Offizielle t&auml;glich betonen<\/a>. Berichten zufolge werden dort aktuell sogar &bdquo;Wahlzentren&ldquo; eingerichtet, damit sich die israelischen Besatzungssoldaten dort Ende Oktober an den Parlamentswahlen zur Knesset beteiligen k&ouml;nnen.<\/p><p>Der Plan der &bdquo;Pilot-Zonen&ldquo; sah vor, dass die israelische Armee abzieht, die libanesische Armee dort Stellung bezieht und die Entwaffnung der Hisbollah beginnen kann. Die Hisbollah lehnt den Plan ab, und General Rodolphe Haykal, der Oberkommandierende der libanesischen Armee, wei&szlig; ebenso wie der libanesische General a. D. und amtierende Pr&auml;sident des Libanon, Joseph Aoun, dass die Entwaffnung der Hisbollah nur in Absprache mit ihr m&ouml;glich sein wird. Voraussetzung daf&uuml;r ist der vollst&auml;ndige Abzug der israelischen Streitkr&auml;fte aus dem Libanon. Da aber gibt es keine Bewegung.<\/p><p>Der Libanon und die libanesische Verhandlungsdelegation st&uuml;nden in Rom vor einer &bdquo;israelischen Mauer&ldquo;, hei&szlig;t es in der libanesischen Tageszeitung <em>L&rsquo;Orient Le Jour<\/em> (englisch). Und im Libanon steht die Bev&ouml;lkerung vor einer Feuerwand. Denn w&auml;hrend in Rom geredet wird, erh&ouml;ht Israel den milit&auml;rischen Druck auf das Land.<\/p><p><strong>Spielregeln im Nahen Osten ver&auml;ndern<\/strong><\/p><p>Israel plant eine lange Besatzung im Libanon, wobei diese weit &uuml;ber die &bdquo;Sicherheit f&uuml;r Israel und seine B&uuml;rger&ldquo; hinausgehen soll. Die israelische Tageszeitung <em>Maariv<\/em> ver&ouml;ffentlichte zu Beginn der Gespr&auml;che in Rom am Dienstag einen Bericht &uuml;ber einen &bdquo;geheimen Anhang&ldquo; zu dem trilateralen Rahmenvertrag zwischen USA, Israel und Libanon. Darin sollen langfristige wirtschaftliche und verfassungsrechtliche Aspekte enthalten sein.<\/p><p><em>Maariv<\/em> zufolge haben israelische Beamte Teile des Abkommens an die &Ouml;ffentlichkeit gebracht, w&auml;hrend libanesische Berichte die Existenz des Anhangs best&auml;tigt haben sollen, hei&szlig;t es auf Nachfrage der Autorin aus Beirut. Das Dokument sieht ein vollst&auml;ndiges Ende des Kriegszustands zwischen den beiden L&auml;ndern sowie einen direkten Mechanismus zur milit&auml;rischen und sicherheitspolitischen Koordination zwischen der israelischen und der libanesischen Armee vor.<\/p><p>Sobald dieser Mechanismus aktiviert sei, w&auml;re keine Vermittlung durch ein Drittland mehr erforderlich. Auf jegliche externe Aufsicht und die &Uuml;berpr&uuml;fung der Entwaffnung im S&uuml;dlibanon k&ouml;nne verzichtet werden. Laut &bdquo;Maariv&ldquo; w&uuml;rde dies, sollte es umgesetzt werden, einen Wandel vom traditionellen Modell der internationalen Vermittlung hin zu einer direkten bilateralen Beziehung bedeuten. Angesichts der realen Machtverh&auml;ltnisse von Libanon und Israel w&uuml;rde Israel damit die Kontrolle &uuml;ber den Libanon &uuml;bernehmen.<\/p><p>Auf Druck von USA und Israel und deren westlichen EU-Partnern hat der UN-Sicherheitsrat das langj&auml;hrige Mandat der <a href=\"https:\/\/unifil.unmissions.org\/en\/unifil-mandate\">UN-Friedensmission im S&uuml;dlibanon<\/a> zum Jahresende 2026 gestoppt. Alle UNIFIL-Truppen sollen bis Ende 2027 abgezogen sein. <a href=\"https:\/\/english.news.cn\/20260724\/3dca97254a7843db8ee1082c2563747f\/c.html\">Ein Schreiben<\/a> von 86 der 120 libanesischen Parlamentsabgeordneten, in dem eine St&auml;rkung von UNIFIL und ein Verbleiben der Mission im S&uuml;dlibanon gefordert wird, wurde Ende Juli dem UN-Vertreter im Libanon &uuml;berreicht. Medial und politisch wurden das Schreiben und die darin formulierten Forderungen und Warnungen weitgehend ignoriert.<\/p><p>Kern des beschriebenen Anhang-Dokuments ist <em>Maariv<\/em> zufolge die &Ouml;konomie des Libanon, Gas und &Ouml;l. Eine Neuordnung unter Aufsicht der USA und Kontrolle Israels soll demnach die &bdquo;Spielregeln im Nahen Osten ver&auml;ndern&ldquo;. Die libanesischen seeseitigen Gas- und &Ouml;lvorkommen sollen mit US-Zustimmung gef&ouml;rdert werden. Der Hafen von Haifa (Israel) soll demnach zum wichtigsten Knotenpunkt f&uuml;r den Export von &Ouml;l und Erdgas nach Europa ausgebaut werden.<\/p><p>Der &bdquo;Anhang&ldquo;, sollte er tats&auml;chlich bestehen, erinnert stark an die kolonial-imperialen Interessen des ehemaligen Gro&szlig;britannien im Ersten Weltkrieg und bei den Pariser Friedensgespr&auml;chen 1919. Damals sa&szlig;en britische &Ouml;lunternehmen mit am Verhandlungstisch, um die Kontrolle des &Ouml;ls aus Iran, Irak, Saudi-Arabien &bdquo;von der Quelle bis zum Hafen&ldquo; f&uuml;r den Export sicherzustellen. Die H&auml;fen, um die es damals ging, waren Basra (Persischer Golf) und Haifa (nach 1919 britisches Mandatsgebiet).<\/p><p><strong>Die W&uuml;rde der Menschen<\/strong><\/p><p>Bei allen beschriebenen Entwicklungen spielt die libanesische Bev&ouml;lkerung f&uuml;r Medien und Politik keine Rolle. Der Alltag im Libanon ist von gro&szlig;em Leid und Verlusten, von Unsicherheit und vor allem von Unrecht gepr&auml;gt. Internationale Akteure der westlichen Hemisph&auml;re schweigen &uuml;ber die Kriegsverbrechen der israelischen Armee und Regierung, um ihre eigenen Interessen durchsetzen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Das Reden &uuml;ber &bdquo;Frieden&ldquo;, &bdquo;Verhandlungen&ldquo; und &bdquo;&Uuml;bergangsprozesse&ldquo; verdeckt nur das, was wirklich geschieht: Israel verw&uuml;stet und zerst&ouml;rt den s&uuml;dlichen Libanon mit Geld und Waffen, die seine Partner in der US-Administration, aus Gro&szlig;britannien, Frankreich, Deutschland und Italien liefern. Israelische Regierungsoffizielle drohen dem s&uuml;dlichen Libanon, es werde <a href=\"https:\/\/www.timesofisrael.com\/liveblog_entry\/katz-says-israel-will-demolish-lebanon-border-villages-create-gaza-style-buffer-zone\/\">aussehen wie Gaza<\/a> &ndash; zerst&ouml;rt.<\/p><p>Die internationalen Haftbefehle gegen Netanjahu und Gallant wegen des V&ouml;lkermordes in Gaza werden ignoriert und von der US-Administration &bdquo;mit einer <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/releases\/office-of-the-spokesperson\/2026\/07\/state-department-launches-campaign-to-dismantle-international-criminal-courts-threat-to-american-sovereignty\">Kampagne zur Zerst&ouml;rung des Internationalen Strafgerichtshofs<\/a>&ldquo; in Den Haag beantwortet. Das internationale und humanit&auml;re Recht wird gebrochen, die W&uuml;rde der Menschen in der Region wird mit F&uuml;ssen getreten. Politik und Medien schauen zu, wie das Leben der Menschen, denen sie nie begegnet sind, die ihnen nie auch nur ein Haar gekr&uuml;mmt haben, in Schutt und Asche gelegt wird.<\/p><p><strong>&bdquo;Auch den Friedhof haben sie zerst&ouml;rt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Es ist Montag, 3. August, als die Autorin die folgende Nachricht erreicht:<\/p><blockquote><p>\n    <em>&bdquo;Heute Morgen hat Israel kaltbl&uuml;tig unser letztes der Familie verbliebenes Zuhause zerst&ouml;rt. Sie haben es mit Sprengstoff zerrissen. In wenigen Augenblicken wurde das Zuhause, das meine Familie gebaut hat, in dem wir gelebt haben, wohin wir immer zur&uuml;ckkehren konnten, gesch&uuml;tzt und geliebt lebten, in Schutt und Asche gelegt. Und so hat schlie&szlig;lich auch unser Zuhause das gleiche Schicksal ereilt wie unser ganzes Dorf, das schon zerst&ouml;rt wurde. <\/em><\/p>\n<p>    <em>Wir waren kein politisches Haus, wir waren ein ziviles Haus, ein Zuhause f&uuml;r ganz normale Leute: gebildet, weltoffen und offen f&uuml;r jedermann. Unser Zuhause glaubte an den Frieden und wir sind immer offen f&uuml;r Frieden eingetreten, nicht f&uuml;r eine bestimmte Seite, f&uuml;r alle. Nichts hat uns gesch&uuml;tzt. Die Straflosigkeit Israels, die durch die &uuml;berw&auml;ltigende amerikanische Macht und Unterst&uuml;tzung erm&ouml;glich wird, hat schlie&szlig;lich unsere T&uuml;r erreicht. Besonders grausam daran ist, zu wissen, dass es nicht das erste Mal geschieht.<\/em><\/p>\n<p>    <em>Im Jahr 1982, w&auml;hrend der Belagerung von Beirut, waren meine Eltern frisch verheiratet, als Israel sie aus ihrem ersten gemeinsamen Zuhause vertrieb. Sie bauten es wieder auf. W&auml;hrend der Besetzung des S&uuml;dlibanon, die im Jahr 2000 ihren H&ouml;hepunkt erreichte, mussten sie das Gleiche wieder durchleiden. Sie bauten ihr Zuhause wieder auf. Im Jahr 2006 brach erneut Krieg aus. Und wieder bauten sie alles neu auf. Jetzt, im Jahr 2026, hat Israel das, was noch &uuml;brig war, kaltbl&uuml;tig zerst&ouml;rt.<\/em><\/p>\n<p>    <em>&Uuml;ber mehr als vier Jahrzehnte hinweg musste meine Familie mit ansehen, wie ihr alles, wof&uuml;r sie gearbeitet hatte, immer wieder genommen wurde. H&auml;user. Land. Sicherheit. Ein ganzes Leben voller Arbeit. Eigentum im Wert von Millionen von Dollar und all das, was sich nicht in Geld ausdr&uuml;cken l&auml;sst. R&auml;ume voller Erinnerungen, Dinge, die von einem Lebensabschnitt in den n&auml;chsten mitgenommen wurden, das greifbare Zeugnis der Existenz einer Familie, die einfache Gewissheit, dass es irgendwo auf dieser Welt einen Ort gab, an den wir geh&ouml;rten. Verschwunden. Es gibt keine Verletzung, die einen Menschen mehr entmenschlicht. K&ouml;rperlich unversehrt zu sein ohne Menschlichkeit, ohne grundlegende W&uuml;rde und Gleichberechtigung ist ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod.<\/em><\/p>\n<p>    <em>K&ouml;rperliche Unversehrtheit ohne Menschlichkeit, ohne grundlegende W&uuml;rde und Gleichheit ist ein Schicksal, das schlimmer ist als der Tod. Sie haben uns alles genommen, nichts ist &uuml;brig geblieben. Und wir haben nichts getan, um das zu verdienen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der Nachricht beigef&uuml;gt ist ein Foto des sch&ouml;nen Familienhauses, umgeben von bl&uuml;hender Natur. &Uuml;ber den rotbraunen Ziegeld&auml;chern ein strahlend blauer Himmel. Darunter ein aktuelles Satellitenfoto, dass die Familie gesucht und gefunden hat. Die D&auml;cher sind weggesprengt, zu sehen ist ein graues Betongerippe, umgeben von grauen, verbrannten H&uuml;geln. Das Dorf hei&szlig;e <a href=\"https:\/\/timesofoman.com\/article\/175258-israeli-military-carries-out-explosion-in-lebanons-haddatha\">Hadatha<\/a> und liegt im Bezirk von Bint Jbeil, &bdquo;<em>die Bombardierungen gehen auch heute immer weiter&ldquo;<\/em>.<\/p><p>In einem Gespr&auml;ch wenige Tage sp&auml;ter erf&auml;hrt die Autorin, dass die Familie, die in alle Himmelsrichtungen verteilt lebt, jeden Sommer dort verbracht habe. Nachdem der Vater vor 15 Jahren pensioniert wurde, lebten die Eltern fest in dem Dorf und in ihrer sch&ouml;nen Villa. <em>&bdquo;Mein Vater hat das Land von seinem Vater geerbt, unsere Nachbarn waren unsere Onkel und Tanten. Im Ganzen waren es vier H&auml;user, die dort standen. Alle wurden am gleichen Tag mit Dynamit zerst&ouml;rt&rdquo;<\/em>. Sie hatten gedacht und wohl auch gehofft, dass die K&auml;mpfe aufgeh&ouml;rt h&auml;tten, ihr Dorf sei ja unter israelische Besatzung gekommen. <em>&bdquo;Wir dachten, dass wenigstens die Zerst&ouml;rung enden w&uuml;rde. Aber kaltbl&uuml;tig haben sie das ganze Dorf und die ganze Umgebung niedergewalzt, Haus f&uuml;r Haus.&ldquo;<\/em> Er sendet eine Sprachnachricht seiner Cousine. Sie weint, auch ihr Elternhaus wurde zerst&ouml;rt. <em>&bdquo;Auch den Friedhof haben sie zerst&ouml;rt&rdquo;<\/em>, f&uuml;gt er hinzu.<\/p><p>Als Kind habe er schon einmal die israelischen Besatzungstruppen erlebt, erinnert der Gespr&auml;chspartner sich: <em>&bdquo;Ich bin unter der Besatzung aufgewachsen, das war, bevor wir 1993 nach Katar geflohen sind. Ich werde nie die Kontrollpunkte vergessen, diese riesigen Waffen, die sie trugen. Ich war ja ein Kind&rdquo;<\/em>. Aber irgendwie sei es anders gewesen damals: <em>&bdquo;Sie waren Besatzer, ja, aber sie haben uns damals als Menschen gesehen.&rdquo;<\/em> Das habe sich ge&auml;ndert: <em>&bdquo;Menschlichkeit ist irgendwie v&ouml;llig im Hintergrund verschwunden.&ldquo;<\/em> Damals h&auml;tten seine Gro&szlig;eltern dort im Haus gelebt. Seine Familie habe immer den ganzen Sommer dort verbracht, wenn es keine Schule gab. <em>&bdquo;Um dorthin zu gelangen, mussten wir vier Kontrollpunkte passieren. Zwei syrische Kontrollpunkte und zwei israelische Kontrollpunkte. Die Israelis haben ihre Basis oben auf dem H&uuml;gel errichtet, dem h&ouml;chsten Punkt des Dorfes. Aber wir konnten damals unser Zuhause erreichen, unser Land, unsere Familien. In der Welt heute gibt es nur die Politik der verbrannten Erde.&ldquo;<\/em><\/p><p>Sp&auml;ter kommt noch eine Botschaft von ihm. Er hege keinen versteckten Groll gegen Juden oder Israelis, weder ihnen noch sonst jemandem w&uuml;nsche er, was ihm und seiner Familie gerade widerfahre. <em>&bdquo;Ich glaube an Diplomatie, ich glaube an den Frieden. Ich glaube an die Sicherheit von Juden im Mittleren Osten. Ich glaube an die Menschlichkeit und daran, dass meine Mitmenschen Mitgef&uuml;hl haben.&ldquo;<\/em> Das aber d&uuml;rfe <em>&bdquo;nicht auf Kosten des Friedens und der Menschlichkeit anderer&ldquo;<\/em> geschehen. <em>&bdquo;Wir sind alle gleich und sollten in diesen L&auml;ndern in Frieden und W&uuml;rde zusammenleben. Schluss mit dem Krieg!&ldquo;<\/em><\/p><p><small>Titelbild: mahdi313\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Libanon steht unter Druck. Innenpolitisch durchlebt das Land seit 2019 eine schwere Wirtschaftskrise, Korruption und Vetternwirtschaft haben nicht nur das Bankenwesen zum Einsturz gebracht. 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Strom- und Wasserversorgung, Bildung, Gesundheitsversorgung sind mangels zuverl&auml;ssiger Funktionst&uuml;chtigkeit teilweise<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154740\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":154741,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,171],"tags":[3240,2829,2175,1557,2254,1583,2376,2360],"class_list":["post-154740","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-hisbollah","tag-interventionspolitik","tag-israel","tag-lebensqualitaet","tag-libanon","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/shutterstock_2758582609.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154740","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=154740"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154740\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":154760,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/154740\/revisions\/154760"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/154741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=154740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=154740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=154740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}