{"id":15505,"date":"2012-12-19T08:43:03","date_gmt":"2012-12-19T07:43:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15505"},"modified":"2015-05-11T08:37:56","modified_gmt":"2015-05-11T06:37:56","slug":"armut-ist-politisch-gewollt-oder-es-kann-nicht-sein-was-nicht-sein-darf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15505","title":{"rendered":"&#8220;Armut ist politisch gewollt&#8221; &#8211; oder: Es kann nicht sein, was nicht sein darf"},"content":{"rendered":"<p>Zeitgleich zu den Kirchen, Wohlfahrtsverb&auml;nden und Gewerkschaften legte der &bdquo;Wissenschaftliche Beirat&ldquo; des Wirtschaftsministeriums ein Gegengutachten vor. Wie schon beim Armutsbericht der Bundesregierung versucht das &bdquo;R&ouml;sler&ldquo;-Ministerium erneut, die Wirklichkeit  zu verf&auml;lschen. Der <a href=\"http:\/\/www.hinzundkunzt.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/SchattenberichtSonderausgabeklein.pdf\">&bdquo;Schattenbericht&ldquo; der Nationalen Armutskonferenz (nak)[PDF &ndash; 2 MB]<\/a> stellt noch einmal die allseits bekannte traurige Realit&auml;t dar und res&uuml;miert, dass &bdquo;Armut politisch gewollt sei&ldquo;. Das eigentlich zur Verharmlosung und zur Ablenkung von der Wirklichkeit gedachte &bdquo;Gegen&ldquo;-Gutachten zum Thema <a href=\"http:\/\/www.bmwi.de\/BMWi\/Redaktion\/PDF\/Publikationen\/Studien\/gutachttext-wissenschaftlicher-beirat-altersarmut,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf\">&bdquo;Altersarmut&ldquo; des &bdquo;Wissenschaftlichen Beirats&ldquo; [PDF &ndash; 110 KB]<\/a> best&auml;tigt dieses Urteil der nak einer politisch gewollten Armut unfreiwillig nur ein weiteres Mal, indem es die Armut einfach wegdefiniert. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Nationale Armutskonferenz (nak) stellt fest:<\/strong><\/p><ul>\n<li>dass die Armutsquote seit Jahren auf dem &bdquo;skandal&ouml;s hohen Niveau&ldquo; zwischen 14 und 16 Prozent liege, also die deutsche Politik zwischen 11,5 und 13 Millionen Menschen in Armut belasse,<\/li>\n<\/ul><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/HBBrSkUO_Pxgen_r_700xA.jpg\" alt=\"Armutsquote seit Jahren auf dem skandal&ouml;s hohen Niveau\" title=\"Armutsquote seit Jahren auf dem skandal&ouml;s hohen Niveau\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/die-nationale-armutskonferenz-prangert-an-die-armut-in-deutschland-ist-politisch-gewollt_aid_884325.html\">FOCUS Online<\/a><\/p><ul>\n<li>dass jeder Vierte im Niedriglohnsektor arbeite,<\/li>\n<\/ul><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abbIII32.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/abbIII32_th.jpg\" alt=\"Jeder Vierte arbeitet im Niedriglohnsektor\" title=\"Jeder Vierte arbeitet im Niedriglohnsektor\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/tl_files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Einkommen-Armut\/Datensammlung\/PDF-Dateien\/abbIII32.pdf\">Sozialpolitik aktuell in Deutschland [PDF &ndash; 90 KB]<\/a><\/p><ul>\n<li>dass 7,6 Millionen Mensch oder 9,3 Prozent der Bev&ouml;lkerung staatliche Leistungen zur Sicherung des Existenzminimums ben&ouml;tigten.<\/li>\n<li>dass eine &bdquo;dramatische Zunahme&ldquo; der Einkommensarmut im Alter absehbar sei.<\/li>\n<li>dass die Chancen aus der Armut  herauszukommen sich &bdquo;entscheidend verschlechtert&ldquo; h&auml;tten.  Wer einmal arm sei, habe immer weniger Chancen habe der Armut zu entkommen. Auch nach den j&uuml;ngsten, vom Bundesverfassungsgericht erzwungen &Auml;nderungen bei den Hartz-Regels&auml;tzen von Kindern und durch das sog. Bildungs- und Teilhabepaket h&auml;tten diese Kinder aus von Armut betroffenen Familien &bdquo;keine Chance&ldquo; aus dem Armutskreislauf aufzusteigen.<\/li>\n<\/ul><p>Der Zusammenschluss von Sozial- und Wohlfahrtsverb&auml;nden wie der Arbeiterwohlfahrt, dem Parit&auml;tischen Gesamtverband, Caritas und Diakonie sowie Gewerkschaften wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) fordert als Gegenmittel unter anderem gesetzliche Mindestl&ouml;hne, h&ouml;here Regels&auml;tze oder F&ouml;rderprogramme gegen Wohnungsnot. Die nak ist &bdquo;schockiert&ldquo; &uuml;ber die durch das Wirtschaftsministerium gesch&ouml;nte  Fassung des <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/tl_files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Einkommen-Armut\/Dokumente\/ARB_der_BR_vom_%2021112012.pdf\">regierungsamtlichen &bdquo;Armuts- und Reichtumsbericht&ldquo; [PDF &ndash; 5 MB]<\/a> (hier auch noch einmal in der <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/tl_files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Einkommen-Armut\/Dokumente\/Entwurf%204.%20Armutsbericht%20der%20Bundesregierung%2017.9.2012.pdf\">Fassung des Sozialministeriums [PDF &ndash; 12 MB]<\/a>). <\/p><p>Es seien doch die Gesetze, die zu einer Ausweitung der Niedrigl&ouml;hne gef&uuml;hrt h&auml;tten und es sei doch der Hartz-IV-Regelsatz von derzeit 374 Euro, &bdquo;der arm macht und nicht aus der Armut heraushilft&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/die-nationale-armutskonferenz-prangert-an-die-armut-in-deutschland-ist-politisch-gewollt_aid_884325.html\">sagte die nak-Sprecherin Michaela Hofmann<\/a>. <\/p><p>Soviel zu den keineswegs neuen, traurigen Tatsachen, die immer wieder beiseitegeschoben werden.<\/p><p><strong>Wirtschaftsminister R&ouml;sler bringt dagegen seine bezahlten Wissenschaftler in Stellung<\/strong><\/p><p>Es war sicherlich kein Zufall, dass am gleichen Tag an dem die Nationale Armutskonferenz ihren &bdquo;Schattenbericht&ldquo; vorstellte, das Bundeswirtschaftsministerium mit einem schon am 30. November verabschiedeten Gutachten des von seinem Hause finanzierten &bdquo;Wissenschaftlichen Beirats&ldquo; an die &Ouml;ffentlichkeit trat. <\/p><p>Der federf&uuml;hrende Betreuer dieses &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Gutachtens, Axel B&ouml;rsch-Supan &ndash; inzwischen zum gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Direktor eines Max-Planck-Instituts &bdquo;geadelt&ldquo;- sieht in der Altersarmut derzeit kein gro&szlig;es Problem. <\/p><p>Das hat allerdings f&uuml;r die gegenw&auml;rtige Situation auch niemand, auch nicht die nak behauptet. Aber nat&uuml;rlich wurden in den meisten Medien beide Ver&ouml;ffentlichungen in einem Aufwasch behandelt und gegen&uuml;bergestellt. Das Ablenkungsman&ouml;ver vom Grundproblem der zunehmenden Armut insgesamt ist also wieder einmal weitgehend gelungen.<\/p><p>Man muss wissen, dass B&ouml;rsch-Supan zu den &bdquo;wissenschaftlichen&ldquo; Lobbyisten der privaten Altersvorsorge geh&ouml;rt. Er war neben Bernd Raffelh&uuml;schen und Bert R&uuml;rup einer der lautst&auml;rksten professoralen Mietm&auml;uler  f&uuml;r eine Zerst&ouml;rung der gesetzlichen Rente, damit die Versicherungswirtschaft h&ouml;here Anteile an einer privaten Altersvorsorge <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3924\">gewinnen konnte<\/a>. Dementsprechend war er nat&uuml;rlich auch ein vehementer <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1628\">Verfechter der Rente mit 67<\/a>.<\/p><p>Es ist deshalb nicht weiter erstaunlich, dass der von B&ouml;rsch-Supan betreute &bdquo;wissenschaftliche Beirat&ldquo; des Wirtschaftsministers behauptet, dass <em>&bdquo;die Ursachen der Altersarmut nicht prim&auml;r in den Rentenreformen der Jahre 2001-2007, sondern in unzureichenden Erwerbsbiographien zu suchen sind&ldquo;<\/em>. Und f&uuml;r seine Biografie ist schlie&szlig;lich jeder selbst verantwortlich &ndash; wird dabei unter der Hand suggeriert. <\/p><p><strong>Gegen von der Leyen und gegen das Rentenkonzept der SPD<\/strong><\/p><p>In seinem neuesten &bdquo;Gutachten&ldquo; spricht sich dieser &bdquo;wissenschaftliche Beirat&ldquo; z.B. sowohl gegen die &bdquo;Lebensleistungsrente&ldquo; von der Leyens als auch gegen die &bdquo;Solidarrente&ldquo; der SPD aus. Diese Formen der Absicherung von Altersarmut w&uuml;rden <em>&bdquo;die ohnehin bestehenden negativen Anreizeffekte auf das Arbeitsangebot verst&auml;rken.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Will sagen, ohne die Drohung mit Altersarmut w&auml;ren nach Meinung dieses Beirats die Menschen noch weniger bereit Arbeit zu jedem Preis anzunehmen.<\/p><p><strong>Altersarmut wird bek&auml;mpft, indem man sie einfach wegdefiniert<\/strong><\/p><p>Im &Uuml;brigen sei der Begriff <em>&bdquo;altersarm&ldquo;<\/em> sehr <em>&bdquo;emotionsbesetzt&ldquo;<\/em>. Eigentlich bestehe die Gefahr einer zunehmenden Altersarmut gar nicht. Denn: <em>&bdquo;Altersarmut im Sinne eines Einkommens, das unter dem Existenzminimum liegt (gemessen am Bedarf eines Rentnerhaushalts in Analogie zu den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts f&uuml;r Grundsicherungsempf&auml;nger) kann es in Deutschland wegen der &bdquo;Grundsicherung im Alter&ldquo; eigentlich nicht geben, da diese ja gerade nach dem Bedarf eines Rentnerhaushalts bemessen ist.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Dass die bedarfsorientierte und bed&uuml;rftigkeitsgepr&uuml;fte Mindestsicherung zur Sicherstellung des Lebensunterhalts &ndash; also 374 Euro im Monat f&uuml;r Alleinstehende und 674 Euro f&uuml;r (Ehe-) Paare (nebst Zusch&uuml;sse f&uuml;r das Wohnen) &ndash; nicht als &bdquo;arm&ldquo; betrachtet wird, ist eine ziemlich eigenwillige Definition von Armut, die allen internationalen Definitionen der Armut widerspricht. <\/p><p>Und wenn man Altersarmut erst am Grundsicherungsniveau misst, dann sind halt &acute;nur` 2,6 Prozent der &uuml;ber 65-J&auml;hrigen derzeit altersarm. Der &bdquo;wissenschaftliche Beirat&ldquo; betrachtet es sogar als  Erfolgsmeldung, dass der Anteil der &uuml;ber 65-J&auml;hrigen die unter 60% des Medianeinkommens liegen &acute;nur` bei 15,3 Prozent liegt, w&auml;hrend die durchschnittliche Armutsgef&auml;hrdung 2011 bei 20,0 Prozent lag.  <\/p><p>Doch so ganz k&ouml;nnen selbst diese Experten das Armutsproblem nicht sch&ouml;nschreiben: Es liege aber eben derzeit <em>&bdquo;eher bei den Jungen: 22,4% der 18-25j&auml;hrigen sind armutsgef&auml;hrdet, 37,1% der alleinerzogenen Kinder leben in armutsgef&auml;hrdeten Haushalten. Noch ernster ist die Situation bei Menschen mit Migrationshintergrund. Hier sind 28,5% der Jugendlichen und 49,3% der alleinerzogenen Kinder armutsgef&auml;hrdet.&ldquo;<\/em><\/p><p>Trotz ihres parteilichen Eintretens f&uuml;r die Renten-&bdquo;Reformen&ldquo; kommen die &bdquo;R&ouml;sler&ldquo;-Berater nicht um das Eingest&auml;ndnis herum: <em>&bdquo;In der Zukunft wird sich das Risiko der Altersarmut erh&ouml;hen, wenn im Zuge der Bev&ouml;lkerungsalterung das Nettorentenniveau vor Steuern bis 2030 voraussichtlich von 51% im Jahr 2005 auf etwa 43% im Jahr 2030 sinken wird.&ldquo;<\/em><\/p><p>Aber das ist f&uuml;r die Experten kein Problem. Sie unterstellen einfach mal, dass bis zum Jahre 2030 die mittlere Lebensarbeitszeit um vier Jahre ansteigen wird und die damit zus&auml;tzlich erworbenen Entgeltpunkte bei der gesetzlichen Rentenversicherung knapp zwei Drittel der Absenkung des Netto-Rentenniveaus kompensieren werde. Und um der traurigen Wirklichkeit im Hinblick auf die Besch&auml;ftigung &auml;lterer Menschen noch eine weitere blau&auml;ugige Hypothese hinzuzuf&uuml;gen, f&uuml;hrt dieser &bdquo;Beirat&ldquo; seine Luftbuchung fort: <em>&bdquo;Addiert man eine vollumf&auml;ngliche Riester- oder gleich hohe Betriebsrente, wird das &uuml;brige Drittel ab einer j&auml;hrlichen Rendite von 1,5% und einer Einzahlungsdauer von etwas &uuml;ber 25 Jahren kompensiert. Eine erh&ouml;hte Altersarmut entsteht daher nicht per se aus den rentenpolitischen Ma&szlig;nahmenpaket der letzten Jahre, sondern nur dann, wenn die Kompensationsma&szlig;nahmen f&uuml;r die Absenkung des Rentenniveaus nicht ergriffen werden oder nicht greifen k&ouml;nnen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Mit solchen Hirngespinsten kann man nat&uuml;rlich eine drohende Altersarmut schlicht und einfach wegdefinieren. Das ist Wissenschaft nach dem Motto, umso schlimmer f&uuml;r die Wirklichkeit, wenn sie unseren Annahmen nicht entspricht. Die Leute sind schlie&szlig;lich selbst schuld, wenn sie nicht l&auml;nger arbeiten oder wenn nur 45 Prozent der Berechtigten eine Riester-Rente abschlie&szlig;en und wenn es bei den armutsbedrohten Einkommensschichten gar nur 25 Prozent sind.<\/p><p><strong>Zauberformel Bildung<\/strong><\/p><p>Immer wenn die Besch&ouml;nigungs-Ideologen selbst eingestehen m&uuml;ssen, dass ihre Ideologie an der Wirklichkeit scheitert, f&auml;llt das Zauberwort Bildung: <em>&bdquo;Das grunds&auml;tzlichste Mittel zur Bek&auml;mpfung der Altersarmut besteht folglich darin, m&ouml;glichst viele Menschen durch angemessene Bildung davor zu bewahren, dass sie in die Gruppe der Geringverdiener geraten.&ldquo;<\/em> Nach der herrschenden Ideologie <em>&bdquo;jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied&ldquo; ist deshalb eine bessere Qualifizierung eines der geeignetsten Mittel &bdquo;das &Uuml;bel Altersarmut an der Wurzel zu packen&ldquo;<\/em>.<\/p><p>Sicherlich ist Bildung nach wie vor die beste Absicherung vor Arbeitslosigkeit, denn der Arbeitsmarkt wird immer die jeweils Bestqualifiziertesten aufnehmen, aber die Besch&ouml;niger tun so, als ob allein durch Bildung Arbeitspl&auml;tze geschaffen w&uuml;rden. Ein hohes Bildungsniveau sch&uuml;tzt beileibe <a href=\"http:\/\/schule201.schul-cms.eu\/index.php\/article\/detail\/5688\">nicht mehr vor Arbeitslosigkeit<\/a> und schon gar nicht vor <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2012-03\/niedriglohn-junge-arbeitnehmer\">Niedrigl&ouml;hnen<\/a>, unbezahlten Praktika oder befristeten Stellen.  <\/p><p><strong>Es kann nicht sein, was nicht sein darf<\/strong><\/p><p>Besonders grotesk ist die Begr&uuml;ndung dieses &bdquo;wissenschaftlichen Beirats&ldquo; f&uuml;r die Ablehnung eines Mindestlohns. Weil diese Zirkelargumentation so verbreitet ist, hier das ganze Zitat:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Vorschlag, Altersarmut durch einen allgemein g&uuml;ltigen gesetzlichen Mindestlohn zu vermeiden, erweist sich aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive als nicht tragf&auml;hig. Um eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu erhalten, braucht man in den alten Bundesl&auml;ndern 23,2 und in den neuen Bundesl&auml;ndern 26,1 Entgeltpunkte. Dies entspricht w&auml;hrend eines 40j&auml;hrigen Erwerbslebens einem sozialversicherungspflichtigen Bruttoentgelt von j&auml;hrlich 18.500 Euro in Westdeutschland und 20.800 Euro in Ostdeutschland. Bei einer durchschnittlichen Jahresarbeitszeit von 1667 Stunden entspricht dies einem Bruttostundenlohn von 11,10 Euro in West- und 12,50 Euro in Ostdeutschland. Ein Mindestlohn, der eine Rente von 850 Euro im Monat sichert, l&auml;ge dementsprechend bei 14,40 Euro je Stunde in den alten bzw. 16,20 Euro in den neuen Bundesl&auml;ndern. Es ist unvorstellbar, dass so hohe Mindestl&ouml;hne keine negativen Besch&auml;ftigungseffekte auf dem Arbeitsmarkt hervorrufen w&uuml;rden, welche die Sicherung der Lohnh&ouml;he durch eine h&ouml;here Arbeitslosigkeit wieder konterkarieren.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Da wird also selbst der Mindestlohn &ndash; dessen H&ouml;he im politischen Raum nur zwischen 8.50 und 10 Euro diskutiert wird &ndash; abgelehnt, weil er nicht f&uuml;r die von der Arbeitsministerin und von der SPD geforderte Mindestrente  von 850 Euro zur Vermeidung von Altersarmut ausreiche, aber im gleichen Atemzug wird die Ausweitung und die Verl&auml;ngerung der Erwerbst&auml;tigkeit als wichtigstes Element zur Bek&auml;mpfung von Armut im Alter hervorgehoben. Das aber dann offenbar zu L&ouml;hnen, die noch unterhalb des Existenzminimums selbst in jungen Jahren liegen. <\/p><p>Eine Logik ergibt sich daraus nur, wenn man das verfassungsrechtlich garantierte Existenzminimum als ausreichende Alterssicherung nach einem lebenslangen Erwerbsleben betrachtet. Und wenn man das so sieht, dann gibt es eben keine Altersarmut mehr. <\/p><p>Wie reimte doch schon Christian Morgenstern:<\/p><blockquote><p>Und er kommt zu dem Ergebnis:<br>\n&ldquo;Nur ein Traum war das Erlebnis.<br>\nWeil&rdquo;, so schlie&szlig;t er messerscharf,<br>\n&ldquo;nicht sein k a n n, was nicht sein d a r f.&rdquo;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitgleich zu den Kirchen, Wohlfahrtsverb&auml;nden und Gewerkschaften legte der &bdquo;Wissenschaftliche Beirat&ldquo; des Wirtschaftsministeriums ein Gegengutachten vor. Wie schon beim Armutsbericht der Bundesregierung versucht das &bdquo;R&ouml;sler&ldquo;-Ministerium erneut, die Wirklichkeit zu verf&auml;lschen. Der <a href=\"http:\/\/www.hinzundkunzt.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/SchattenberichtSonderausgabeklein.pdf\">&bdquo;Schattenbericht&ldquo; der Nationalen Armutskonferenz (nak)[PDF &ndash; 2 MB]<\/a> stellt noch einmal die allseits bekannte traurige Realit&auml;t dar und res&uuml;miert, dass &bdquo;Armut politisch gewollt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15505\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[129,39,132],"tags":[635,1383,579,308,343,317,288],"class_list":["post-15505","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-rente","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-altersarmut","tag-armuts-und-reichtumsbericht","tag-boersch-supan-axel","tag-existenzminimum","tag-luegen-mit-zahlen","tag-mindestlohn","tag-prekaere-beschaeftigung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15505","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15505"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15505\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15508,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15505\/revisions\/15508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}