{"id":155309,"date":"2026-08-25T10:00:59","date_gmt":"2026-08-25T08:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155309"},"modified":"2026-08-25T09:55:17","modified_gmt":"2026-08-25T07:55:17","slug":"maut-aus-der-mottenkiste-der-neue-verkehrsminister-ist-fuer-manch-alten-hut-zu-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155309","title":{"rendered":"Maut aus der Mottenkiste \u2013 Der neue Verkehrsminister ist f\u00fcr manch alten Hut zu haben"},"content":{"rendered":"<p>Patrick Schnieder musste gehen, f&uuml;r ihn &uuml;bernahm Steffen Bilger das Zepter im Bundesverkehrsressort. Aber was passte dem Kanzler nicht am &bdquo;Arbeiter&ldquo; aus der Eifel? Dass er den Ausverkauf der Autobahnverwaltung nicht auf die Spitze treiben und nicht in Andi Scheuers Spuren wandeln wollte oder doch nur, dass er zu &bdquo;schweigsam&ldquo; war? Die n&auml;here Zukunft d&uuml;rfte die Antwort liefern. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWarum musste Patrick Schnieder (CDU) sein Amt abgeben? Die Frage ist auch Wochen nach der gro&szlig;en Personalrochade im Berliner Regierungszirkus nicht beantwortet &ndash; am wenigsten durch den Bundeskanzler selbst. Eine offizielle Stellungnahme zur Entlassung des Eifelaners als Bundesverkehrsminister hat sich Friedrich Merz (CDU) bis heute verkniffen. Und weshalb wurde nur ihm, anders als allen anderen am Wechselspiel Beteiligten, kein neuer Posten angetragen? Auch hierzu: eisiges Schweigen.<\/p><p>Was also hat sich der Mann geleistet, dass er bei seinem Chef so in Ungnade gefallen ist? Schnieder war weder eine Skandalnudel wie sein Vorvorg&auml;nger Andreas Scheuer (CSU), noch fiel er durch Peinlichkeiten auf wie Ex-FDP-Amtsinhaber Volker Wissing (ein allgemeines Tempolimit: &bdquo;So viele Schilder haben wir gar nicht auf Lager&ldquo;, oder kein Deutschlandtakt vor 2070). Fachlich lag der Geschasste auch nicht voll daneben. Immerhin scheint nach der Bestellung von Evelyn Palla als Frontfrau der Deutschen Bahn (DB) ein Ende der Leidenszeit des Staatskonzerns und seiner Kunden wenigstens in Sichtweite zu r&uuml;cken. Zuletzt pr&auml;sentierte die Neue sogar <a href=\"https:\/\/www.zdfheute.de\/wirtschaft\/unternehmen\/deutsche-bahn-halbjahresbilanz-palla-bilger-100.html\">schwarze Zahlen<\/a> (wenngleich mit <a href=\"https:\/\/buergerbahn-denkfabrik.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/PM_17_26_DB_Bilanz_01.08.2026.pdf\">Tricks und doppeltem Boden<\/a>).<\/p><p>Oder war Schnieder dem Kanzler vielleicht zu blass, zu uncharismatisch, weil er gerade nicht mit viel Get&ouml;se agierte, sondern im Ruf des &bdquo;stabilen Arbeiters&ldquo; steht, wie <em>Die Zeit<\/em> hinter Bezahlschranke schrieb? Und vor allem: Was macht seinen Nachfolger Steffen Bilger (CDU) aus Merz&lsquo; Sicht zur besseren L&ouml;sung? Auf der Suche nach einer Erkl&auml;rung lohnt es sich, den &ouml;ffentlichen, genauer den ver&ouml;ffentlichten Diskurs zu verfolgen. Tats&auml;chlich erlebt mit dem Verschwinden Schnieders in den Leitmedien urpl&ouml;tzlich eine Idee eine Art Wiederauferstehung, die eigentlich totgeglaubt schien.<\/p><p><strong>Fratzscher-Kommission<\/strong><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/ein-lob-der-autobahnmaut-so-koennte-steffen-bilger-vorgehen-accg-201118010.html\">&bdquo;Ein Lob der Autobahnmaut&ldquo;<\/a> titelte so etwa in der Vorwoche die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)<\/em>. Der Autor dr&uuml;ckt in dem Beitrag sein Bedauern aus, dass das Konzept nutzerfinanzierter Fernstra&szlig;en mit dem kl&auml;glichen Scheitern der &bdquo;Ausl&auml;ndermaut&ldquo; vor dem Europ&auml;ischen Gerichtshof (EuGH) 2019 und insbesondere der Rolle, die damals CSU-Minister Scheuer spielte, &bdquo;diskreditiert&ldquo; worden sei. Dabei brauche auch Deutschland dringendst &bdquo;eine vom Bundeshaushalt unabh&auml;ngige Infrastrukturfinanzierung&ldquo;, findet der Schreiber und setzt dann den Rauswurf Schnieders ins rechte Licht: Merz n&auml;mlich w&uuml;nsche sich, &bdquo;dass privates Kapital zur Finanzierung unserer Infrastrukturmodernisierung mobilisiert wird&ldquo;.<\/p><p>Gesagt hat der Kanzler dies tats&auml;chlich so, am 27. Juli, als er Bilger vor der Presse als Spitzenmann des Bundesverkehrsministeriums (BMV) vorschlug. Und der Berufene solle bitte sch&ouml;n daf&uuml;r sorgen, fuhr er fort, &bdquo;dass wir schneller und besser werden beim Thema Aufbruch&ldquo;. Die Finanzwirtschaft steht schon lange Gewehr bei Fu&szlig;, die Erf&uuml;llung ureigenster staatlicher Aufgaben gewinnbringend in die eigene Hand zu nehmen. Zur&uuml;ck gehen die Bestrebungen auf die sogenannte Fratzscher-Kommission, benannt nach dem Pr&auml;sidenten des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte den Zirkel aus marktliberalen &Ouml;konomen und Vertretern der Finanzbranche 2014 mit der Aufgabe betraut, hochprofitable Anlagem&ouml;glichkeiten f&uuml;r von Niedrigzinsen gebeutelte Banken und Versicherungen &bdquo;zur St&auml;rkung von Investitionen in Deutschland&ldquo; zu erschlie&szlig;en. Faktisch zielen die Pl&auml;ne auf den Ausverkauf der staatlichen Sph&auml;re zugunsten gieriger Geldgeier und zum Nachteil der Allgemeinheit.<\/p><p><strong>Scheuer-Schlamassel<\/strong><\/p><p>Aber die Umsetzung zieht sich hin, und speziell der Schlamassel bei der Pkw-Maut brachte die Dinge ins Stocken. Bekanntlich hatte Scheuer die Betreibervertr&auml;ge ohne Rechtssicherheit gemacht, wof&uuml;r der Bund sp&auml;ter <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100936\">Schadensersatz in H&ouml;he von 243 Millionen Euro<\/a> berappen musste. Das kam nicht gut an beim Volk, das auch nicht ahnte, worum es bei der Sache wirklich ging. Denn die Scheuer-Maut sollte nur der Auftakt zu einer allgemeinen Maut sein und lediglich zeitlich begrenzt ausl&auml;ndische Fahrzeughalter treffen, sp&auml;ter dann alle.<\/p><p>Das <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=52667\">&bdquo;Betriebssystem&ldquo;<\/a> dazu haben Wirtschaftspr&uuml;fer von PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Kanzlei Graf von Westphalen (GvW) in diversen Gutachten entworfen. Wie seinerzeit die <em>Berliner Zeitung<\/em> daraus zitierte, solle die Finanzierung der Bundesautobahnen &bdquo;perspektivisch (&hellip;) auf Basis unmittelbar vom Nutzer bereitgestellter Finanzierungsbetr&auml;ge vollst&auml;ndig au&szlig;erhalb des Bundeshaushalts sichergestellt und abgewickelt werden k&ouml;nnen (,Stra&szlig;e finanziert Stra&szlig;e&rsquo;)&ldquo;. Und weiter: &bdquo;Es sollen bei Bedarf haushaltsexterne Mittel erschlossen werden k&ouml;nnen, etwa durch die M&ouml;glichkeit zur Fremdkapitalaufnahme sowie die &Ouml;ffnung f&uuml;r privates Beteiligungskapital auf Projektebene, sofern dies wirtschaftlich ist.&ldquo;<\/p><p>F&uuml;r das Vorhaben hat die damalige Gro&szlig;e Koalition den Bundesl&auml;ndern eigens die Fernstra&szlig;enverwaltung entrissen und die Kompetenzen f&uuml;r Planung, Bau und Unterhaltung in die Hoheit der daf&uuml;r errichteten bundeseigenen Autobahn GmbH gelegt. 2018 gegr&uuml;ndet, hat die <a href=\"https:\/\/www.autobahn.de\/\">&bdquo;Autobahn GmbH des Bundes&ldquo;<\/a> seit Anfang 2021 volle Verantwortung f&uuml;r das operative Gesch&auml;ft und wurde so zur Herrin &uuml;ber Deutschlands &uuml;berregionale Stra&szlig;en. Insbesondere soll sie als privatrechtliche Gesellschaft in gro&szlig;em Stil private Investoren einbinden und im Speziellen mittels &ouml;ffentlich-privater Partnerschaft (&Ouml;PP) Neubau- und Instandsetzungsprojekte realisieren.<\/p><p><strong>Finanzwirtschaft macht Druck<\/strong><\/p><p>Aber irgendwie lief die Sache bisher nicht so wie gew&uuml;nscht, auch weil der Laden bis heute finanziell wie personell schlecht aufgestellt ist. Aktuell sollen allein rund 1.000 Stellen unbesetzt sein. &bdquo;Besserung&ldquo; verspricht sich die Regierung von einer &bdquo;Reform&ldquo;, die noch unter der &Auml;gide Schnieders eingeleitet wurde. Ein seit Anfang Juni vorliegender Gesetzentwurf des BMV hat zum Ziel, die Finanzierung von Autobahnen, Tunneln und Br&uuml;cken nachhaltiger und unabh&auml;ngiger vom j&auml;hrlichen Bundeshaushalt zu machen. Daf&uuml;r sollen die Einnahmen aus der Lkw-Maut zum gr&ouml;&szlig;ten Teil direkt an die GmbH flie&szlig;en und nicht wie bisher an den Bund. Vor allem aber soll die Gesellschaft die M&ouml;glichkeit erhalten, <a href=\"https:\/\/www.auto-motor-und-sport.de\/verkehr\/aenderung-der-autobahn-finanzierung-kredite-und-maut-millionen-fuer-autobahn-gmbh\/\">Kredite am freien Kapitalmarkt aufzunehmen und Anleihen auszugeben<\/a>.<\/p><p>Der Vorschlag, Gelder aus dem sogenannten Sonderverm&ouml;gen f&uuml;r Infrastruktur und Klimaneutralit&auml;t (SVIK) im Umfang von 500 Milliarden Euro mit privaten Mitteln zu &bdquo;hebeln&ldquo;, sprich zu vermehren, kommt aus der Finanzwirtschaft. So hat etwa der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, Wolfgang Fink, schon zu Jahresanfang in einem Interview mit <em>Die Zeit<\/em> (hinter Bezahlschranke) f&uuml;r das Modell geworben. Zitat:<\/p><blockquote><p>&bdquo;So k&ouml;nnen wir die Infrastruktur langfristig sanieren und f&uuml;r dringend ben&ouml;tigte Investitionen in Deutschland sorgen. Globale Infrastrukturfonds oder Pensionsfonds zeigen gro&szlig;es Interesse an solchen Projekten, nur brauchen sie einen klaren Investitionsrahmen daf&uuml;r.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Ein paar S&auml;tze sp&auml;ter setzt Fink mit der f&uuml;r ihn rhetorischen Frage nach:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Sollten wir zum Beispiel unsere Verkehrsinfrastruktur nicht, wie in anderen L&auml;ndern auch, st&auml;rker &uuml;ber die Nutzer finanzieren, etwa &uuml;ber eine Maut?&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Weg mit dem Bedenkentr&auml;ger<\/strong><\/p><p>Allerdings war wohl Schnieder nicht ganz Feuer und Flamme f&uuml;r derlei Konzepte. Als Mitte Juni der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) einen &auml;hnlichen Vorsto&szlig; unternahm und bekr&auml;ftigte, dass insbesondere die Diskussion &uuml;ber eine Pkw-Maut <a href=\"https:\/\/www.bauindustrie.de\/pm\/verkehrsinfrastruktur-des-bundes-dauerhaft-sichern\">&bdquo;perspektivisch kein Tabu mehr sein&ldquo;<\/a> d&uuml;rfe, sah sich der &ndash; damals noch &ndash; Verkehrsminister zu einem <a href=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/politik\/kuenftige-maut-fuer-autofahrer-verkehrsminister-spricht-ein-machtwort-4658714\">&bdquo;Machtwort&ldquo;<\/a> veranlasst. &Uuml;ber einen Sprecher lie&szlig; er &bdquo;unmissverst&auml;ndlich ausrichten: &bdquo;&sbquo;Die Einf&uuml;hrung einer Maut f&uuml;r Pkw ist nicht vorgesehen und wird derzeit nicht verfolgt&lsquo;&ldquo;, hielt dazu der <em>Nordkurier<\/em> fest. &Uuml;berdies hatte er sich vor nicht langer Zeit &uuml;ber fehlendes Geld beschwert. Dieses reiche &bdquo;nicht f&uuml;r all die anstehenden Aufgaben&ldquo;, und &bdquo;die Zustandsnoten der Stra&szlig;en werden sich mit dem jetzigen Budget jedenfalls eher nicht verbessern&ldquo;.<\/p><p>Tats&auml;chlich ist der BMV-Etat 2025 und 2026 empfindlich geschrumpft beziehungsweise wurden betr&auml;chtliche Teile davon ins &bdquo;Sonderverm&ouml;gen&ldquo; umgeschichtet. Gleichwohl d&uuml;rfte der Aderlass auch ein Druckmittel gewesen sein, um Schnieder auf Linie zu bringen und seine Vorbehalte gegen eine Gro&szlig;mobilmachung privaten Kapitals aufzugeben. Jedenfalls schrieb einmal mehr <em>Die Zeit<\/em> unmittelbar vor dessen Entlassung, der scheidende Minister sei bei der Umsetzung solcher Projekte &bdquo;viel verhaltener als der Kanzler&ldquo; und habe die Mehrheitsmeinung seines Hauses geteilt, wonach &ouml;ffentlich-private Partnerschaften &bdquo;nicht der K&ouml;nigsweg (seien), mit dem sich alles in Wohlgefallen aufl&ouml;se&ldquo;.<\/p><p>Ist mit seiner politischen Entsorgung nun der &bdquo;K&ouml;nigsweg&ldquo; geebnet? Auf alle F&auml;lle ist nach der Ernennung Bilgers zum Schnieder-Nachfolger die Debatte wie auf Knopfdruck er&ouml;ffnet. Besagter Beitrag der <em>FAZ<\/em> tischte gleich &bdquo;ein paar gute Ratschl&auml;ge f&uuml;r den neuen Bundesverkehrsminister&ldquo; auf. So sei aus Sicht der Autofahrer eine streckenabh&auml;ngige Maut &bdquo;das Gerechteste, was es gibt. Denn sie folgt dem &sbquo;Verursacherprinzip&lsquo;. Nur wer auch auf der Stra&szlig;e f&auml;hrt, zahlt.&ldquo; Schon Mitte Mai hatte dieselbe <em>FAZ<\/em> (hinter Bezahlschranke) konstatiert: &bdquo;Ohne Pkw-Maut geht es nicht.&ldquo; Bek&uuml;mmert merkte die Autorin seinerzeit an, dass die Maut nach dem Scheuer-Debakel nicht so umgestaltet wurde, &bdquo;dass sie Nutzen stiftet, ohne die Autofahrer zu sehr zu belasten&ldquo;. Nicht einmal die Gr&uuml;nen wagten sich an das Instrument ran.<\/p><p><strong>Todsichere Bank<\/strong><\/p><p>Damit sind die vermeintlich guten &bdquo;Argumente&ldquo; benannt, also &bdquo;Gerechtigkeit&ldquo; und &bdquo;Beitrag zum Klimaschutz&ldquo;. Um beides geht es ganz bestimmt nicht. Nat&uuml;rlich w&auml;re eine Maut mit &ouml;kologischer Lenkungswirkung, die den Verkehr von der Stra&szlig;e auf die zu verbilligende Schiene bef&ouml;rdert, ein Gebot der Stunde. Aber als solche war sie hierzulande nie konzipiert, sondern einzig als Teil einer Maschinerie zur Bereicherung von Investoren. Dass insbesondere &Ouml;PPs gewaltige Geldverschwendungsapparate zum Nachteil der Allgemeinheit sind, haben die Rechnungsh&ouml;fe von Bund und L&auml;ndern wiederholt beanstandet. Der Staat &uuml;bertr&auml;gt ureigenste Aufgaben unter Umgehung der Schuldenbremse und mittels Schattenhaushalten an Dritte, die diese zu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67726\">verl&auml;sslich explodierenden Kosten<\/a> erledigen und nach Auslaufen der auf Jahrzehnte angelegten Vertr&auml;ge einen Scherbenhaufen zur&uuml;cklassen.<\/p><p>Oder Berge an Schutt und menschlichem Leid: Beim Einsturz der Morandi-Br&uuml;cke in Genua vor acht Jahren hatten 43 Menschen ihr Leben verloren. Im Juli wurde der ehemalige Chef des privaten Autobahnbetreibers Autostrade per l&rsquo;Italia (ASPI) von einem italienischen Gericht zu zw&ouml;lf Jahren Haft verurteilt. Wichtiger als eine sichere Infrastruktur sei ihm der Profit gewesen, befanden die Richter. Die ASPI geh&ouml;rt einem Public-Private-Partnership-Konsortium, zu dem sich neben dem italienischen Staat eine Reihe von Private-Equity-Gesellschaften, sogenannte Heuschrecken, gesellen. Sie fallen &uuml;ber alles her, womit sich schnell maximaler Gewinn generieren l&auml;sst. Und bevorzugt st&uuml;rzen sie sich auf Projekte in staatlicher Regie, weil die eine todsichere Bank sind.<\/p><p>Die Zeche zahlt am Ende immer der Steuerzahler, wogegen eine klassische &ouml;ffentliche Beschaffungsma&szlig;nahme schon wegen der unschlagbar niedrigen Zinsen in aller Regel deutlich g&uuml;nstiger ausf&auml;llt. Das Gesparte lie&szlig;e sich trefflich in tats&auml;chlich sinnvolle &ouml;kologische Projekte investieren, nicht solche, die mit gr&uuml;nem M&auml;ntelchen die Abzockerei von Autofahrern zum Ziel haben und gerade nicht den Anspruch, Individualverkehr von der Stra&szlig;e auf die Schiene zu bekommen. Jedenfalls ist die deutsche Politik mit Wirkung der sogenannten Schuldenbremse und der Schwarzen Null vom &bdquo;klassischen&ldquo; Weg abgekommen. Und so halst die &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; k&uuml;nftigen Generationen noch viel h&ouml;here Schulden und &ouml;kologische Sch&auml;den auf. Ein Schelm, wer B&ouml;ses dabei denkt &hellip;<\/p><p><strong>Auf Wellenl&auml;nge mit Andi<\/strong><\/p><p>Und was denkt und will der Neue im Kabinett Merz? Gefragt nach m&ouml;glichen Pl&auml;nen, eine Maut einzuf&uuml;hren, wiegelte Bilger am vergangenen Mittwoch in der ARD-Sendung &bdquo;Maischberger&ldquo; ab. Das sei &bdquo;kein Projekt, f&uuml;r das ich jetzt eine Initiative starten werde&ldquo; und &bdquo;nicht Teil des Koalitionsvertrags&ldquo; &ndash; <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/mobilitaet\/maischberger-verkehrsminister-steffen-bilger-arbeitet-nicht-an-pkw-maut-a-fc3ba605-871a-4f5c-be6b-aaf3590ca106\">&bdquo;aber nat&uuml;rlich wei&szlig; ich, dass es Argumente daf&uuml;r gibt&ldquo;<\/a>. Der 47-J&auml;hrige war von M&auml;rz 2018 bis Dezember 2021 Parlamentarischer Staatssekret&auml;r im Verkehrsministerium &ndash; unter Scheuer. Im Bundestag hatte er schon 2014 und damit lange vor dem vernichtenden EuGH-Urteil &ouml;ffentlich erkl&auml;rt: &bdquo;Wir jedenfalls sind &uuml;berzeugt, das Vorhaben ist vereinbar mit dem EU-Recht.&ldquo;<\/p><p>So kann man sich t&auml;uschen und die B&uuml;rger im Land. Eine Absage an eine Maut in Zeiten miserabelster Umfrage- und Kompetenzwerte seiner Partei und des Bundeskanzlers ist fraglos kein Siegel f&uuml;r Ehrlichkeit. Zumal ihn mit seinem Ex-Chef Scheuer manches mehr verbindet: seine <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/aus-der-lobbywelt\/steffen-bilger-neuer-verkehrsminister-mit-naehe-zur-autolobby-126219\/\">&bdquo;N&auml;he zur Autolobby&ldquo;<\/a>, sein Einstehen f&uuml;r teure und unsinnige Tunnelbauten (S21-Pfaffensteigtunnel, anf&auml;nglich sogar <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/politik\/801\/in-scheuers-fussstapfen-11044.html\">&bdquo;Bilger-Tunnel&ldquo;<\/a> genannt), seine Aversion gegen ein Tempolimit, das Verbrenner-Aus sowie Umweltverb&auml;nde. Vielleicht ja auch ein gest&ouml;rtes Verh&auml;ltnis zur Wahrheit? Scheuer steht demn&auml;chst wegen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137769\">mutma&szlig;licher Falschaussagen<\/a> beim Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags vor Gericht.<\/p><p><strong>Freie Fahrt f&uuml;r Renditej&auml;ger<\/strong><\/p><p>An anderer Stelle hatte Bilger einer Maut &uuml;brigens nicht g&auml;nzlich entsagt. F&uuml;r diese Wahlperiode stehe diese <a href=\"https:\/\/hasepost.de\/bilger-schliesst-pkw-maut-nicht-aus-743514\/\">&bdquo;nicht auf der Agenda&ldquo;<\/a>, lie&szlig; er sich vor elf Tagen zitieren. F&uuml;r die Zeit danach blieb er allerdings eine Aussage schuldig. Bis dahin lenkt die Diskussion mithin auch nur ab von der entscheidenden Z&auml;sur, die die beabsichtigte neue Finanzarchitektur der Autobahn GmbH bedeuten w&uuml;rde. Bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ist man alarmiert:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Dieser Plan ist eine Privatisierung durch die Hintert&uuml;r. Statt einer verl&auml;sslichen &ouml;ffentlichen Finanzierung durch den Eigent&uuml;mer Bund soll sich die GmbH ohne staatliche B&uuml;rgschaften am Kapitalmarkt tief verschulden &ndash; f&uuml;r die hohen Zinsen hat sie aber selbst zu sorgen, ohne dass die Bundeszusch&uuml;sse steigen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>In der zweiten Juliwoche brachte ver.di-Vizechefin Christine Behle ihre Sorge in einer <a href=\"https:\/\/www.verdi.de\/nachrichten\/autobahn-gmbh-verdi-will-finanzspekulation-verhindern\">Medienmitteilung<\/a> auf den Punkt:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn teure Kreditfinanzierungen zu weiteren Einsparungen im Bestand f&uuml;hren, werden die M&auml;ngel immer mehr auch auf der Stra&szlig;e zu sehen und zu sp&uuml;ren sein. (&hellip;) Die Autobahnen sind wesentliche &ouml;ffentliche Infrastruktur, die dem Gemeinwohl dient. Sie d&uuml;rfen nicht zum Spekulationsobjekt f&uuml;r Renditej&auml;ger werden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Vielleicht ist das aber auch nur eine Verschw&ouml;rungstheorie und das <em>Handelsblatt<\/em> hat recht. Am Sonntag entschl&uuml;sselte die Wirtschaftszeitung (hinter Bezahlschranke) messerscharf die &bdquo;vielleicht gr&ouml;&szlig;te Schw&auml;che&ldquo; Schnieders: &bdquo;das Schweigen&ldquo;. &Uuml;bersetzt: Er war einfach zu wenig telegen. Keine weiteren Fragen, bitte.<\/p><p><small>Titelbild: DesignRage \/ shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/8162810ea43d49edaea5d29705fbab3e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Patrick Schnieder musste gehen, f&uuml;r ihn &uuml;bernahm Steffen Bilger das Zepter im Bundesverkehrsressort. Aber was passte dem Kanzler nicht am &bdquo;Arbeiter&ldquo; aus der Eifel? 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Die n&auml;here Zukunft d&uuml;rfte<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155309\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":155310,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[188,160,144,73],"tags":[1494,2052,1576,2482,3587,3532,2447],"class_list":["post-155309","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bundesregierung","category-markt-und-staat","category-private-public-partnership","category-verkehrspolitik","tag-infrastruktur","tag-investitionen","tag-maut","tag-scheuer-andreas","tag-schnieder-patrick","tag-sondervermoegen","tag-strassenverkehr"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/shutterstock_1832470762.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155309","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=155309"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155309\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":155318,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155309\/revisions\/155318"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/155310"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=155309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=155309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=155309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}