{"id":155481,"date":"2026-08-30T12:00:00","date_gmt":"2026-08-30T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155481"},"modified":"2026-08-28T14:58:32","modified_gmt":"2026-08-28T12:58:32","slug":"warum-eigentlich-vereinbarten-machthaber-trump-und-genosse-kim-noch-immer-kein-neuerliches-tete-a-tete-der-glosse-2-akt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155481","title":{"rendered":"Warum eigentlich vereinbarten Machthaber Trump und Genosse Kim noch immer kein neuerliches T\u00eate-\u00e0-T\u00eate? Der Glosse 2. Akt"},"content":{"rendered":"<p>Vor neun Jahren, genau am 28. August 2017, erschien auf diesen Seiten der erste Text unseres mittlerweile Ost- und S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>, den Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39814\">hier nachlesen k&ouml;nnen<\/a>. Er gab dieser Glosse den Titel <em>&bdquo;(Sur-)Reales aus FernOstWest: Warum Mister President und Genosse Kim nicht einfach mal zusammen einen Hamburger essen gehen&ldquo;<\/em>. Was den NDS-Herausgeber <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong> zur Kurznotiz bewog: &bdquo;Den Wahnsinn gut auf den Punkt gebracht.&ldquo; Nun, der Wahnsinn ist nicht nur geblieben: Er nahm in all den verflossenen Jahren &ndash; erst recht mit der zweiten Amtszeit von Machthaber Big Don im Wei&szlig;en Haus &ndash; exponentiell zu. Zwischenzeitlich entdeckte dieser pikanterweise so etwas wie eine Art M&auml;nnerfreundschaft mit dem international ge&auml;chteten nordkoreanischen Genossen Kim Jong-Un. Dieser wiederum &ndash; offiziell Vorsitzender des Komitees f&uuml;r Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee, Generalsekret&auml;r der Partei der Arbeit Koreas (PdAK) und seit dem 29. Dezember 2011 &bdquo;Oberster F&uuml;hrer&ldquo; genannt &ndash; wei&szlig; nur zu gut, dass Big Don mit Iran und anderen unprovozierten Angriffskriegen derma&szlig;en &bdquo;besch&auml;ftigt&ldquo; ist, dass ein viertes direktes Zusammentreffen seit Herbst 2017 (noch) nicht auf der Agenda steht. Wenngleich ein solches T&ecirc;te-&agrave;-T&ecirc;te f&auml;llig w&auml;re, meint <strong>Rainer Werning <\/strong>in seiner Fortsetzungsglosse.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Tobender Big Don<\/strong><\/p><p>Oh, wie unbarmherzig Mr. Trump noch zur Jahreswende 2017\/18 mit seinem Kollegen im fernen Pj&ouml;ngjang umsprang. Er schalt ihn einen &bdquo;Raketenmann&ldquo;, drohte ihm und seinem Land, es &bdquo;mit Feuer und Zorn&ldquo; zu &uuml;berziehen und &bdquo;auszul&ouml;schen&ldquo;. Nun, der Oberste F&uuml;hrer hielt wacker dagegen und prahlte seinerseits damit, &bdquo;den geistig verwirrten US-Greis mit Feuer zu z&auml;hmen&ldquo;. Beide Politiker br&uuml;steten sich in egomanischem Wettstreit auch damit, &uuml;ber den jeweils gr&ouml;&szlig;ten &ndash; na ja &ndash; Atomknopf zu verf&uuml;gen. Nur: Big Don hatte seine Drohung im Herbst 2017 vor versammelter UN-Vollversammlung vorgetragen. Einen solchen Poltergeist live hatte das erlauchte Gremium bis dato noch nicht erlebt.<\/p><p>Doch wie wir es zwischenzeitlich trefflich erahnten, ist der Mann gem&auml;&szlig; Einsch&auml;tzung international namhafter Psychiater und Psychotherapeuten wie Reinhard Haller und Otto F. Kernberg als <em>&bdquo;maligner (b&ouml;sartiger) Narzisst&ldquo;<\/em> zu klassifizieren. Doch Obacht und gemach: Dabei handelt es sich lediglich um eine &ouml;ffentliche Einsch&auml;tzung, mitnichten um eine offizielle Diagnose. Das w&auml;re sie nur dann, h&auml;tte sich der eitle Big Don einer pers&ouml;nlichen Untersuchung seines Astralleibes und seines von Allmachtfantasien getr&uuml;bten Hirns unterzogen. So m&uuml;ssen wir uns als ahnungslose Laien einfach darauf verlassen, was uns die Gurus der Wissenschaft mit solchem Befund sagen wollen. Verdutzt reiben wir uns die Augen, sobald wir erfahren, welch merkw&uuml;rdige Dinge sich hinter einem diagnostizierten &bdquo;<em>malignem Narzissten&ldquo;<\/em> verbergen: Da ist vom Gef&uuml;hl extremer &Uuml;berlegenheit, verbunden mit der Abwertung anderer Menschen die Rede, gar vom offenkundigen Mangel an Mitgef&uuml;hl und dem Nutzen von Mitmenschen f&uuml;r eigene Zwecke. Schlimmer noch: Solch sonder- wie unberechenbare Personen sind aggressiv, rachs&uuml;chtig bei Kritik, ausgepr&auml;gt antisozial und sadistisch sowie von Paranoia befallen, sodass sie allerorten Feinde am Werk w&auml;hnen, wo keine sind.<\/p><p><strong>Tastende Kims<\/strong><\/p><p>Als der <em>Oberste F&uuml;hrer<\/em> Kim das erste Mal solch ungew&ouml;hnliche Dinge &uuml;ber seinen Kollegen am Potomac River vernahm, konsultierte er umgehend den engsten Weggef&auml;hrten seiner Familie &ndash; den alten weisen <em>Kim Yong-Nam<\/em>. Dieser Anfang November 2025 97-j&auml;hrig verstorbene Doyen und Grandseigneur nordkoreanischer Politik und Diplomatie, lange Zeit Au&szlig;enminister und als Vorsitzender des Pr&auml;sidiums der Obersten Volksversammlung nominelles Staatsoberhaupt der DVRK, sprang seinem Obersten F&uuml;hrer hurtig mit Rat und Tat zur Seite.<br>\nAls kosmopolitisch versierte Pers&ouml;nlichkeit votierte Kim Yong-Nam f&uuml;r Augenma&szlig; und empfahl eine Politik der ruhigen Hand, um mit erratischen Berserkern vom Schlage Trumps angemessen umzugehen. Was hei&szlig;t Berserkern? Dialektisch bestens geschult, wusste der kluge Kim Yong-Nam nur zu gut, dass Machthaber Trump samt dessen MAGA-Raunen doch Unglaubliches geleistet hatte, was der international(istisch)en Linken bis dato verg&ouml;nnt blieb. Trump schwelgt doch in Allmachtfantasien, schei&szlig;t buchst&auml;blich aufs V&ouml;lkerrecht und droht jedem und allem mit &bdquo;Feuer, Zorn und Schwert&ldquo;, gar &bdquo;Vernichtung&ldquo;, die sich seinem imperialen Diktat widersetzen. In diesem Sinne demaskierte sich Big Don bis zur Kenntlichkeit und mutierte so zum ideellen Gesamtimperialisten &bdquo;in god&rsquo;s own country&ldquo;. Imperialismus unverh&uuml;llt &ndash; ohne Wenn und Aber!<\/p><p>Mit dieser Erkenntnis im Gep&auml;ck reiste Kim Yong-Nam gemeinsam mit des Obersten F&uuml;hrer j&uuml;ngeren Schwester, der innerhalb der DVRK-Nomenklatura nicht minder mit Macht und Einfluss ausgestatteten <em>Kim Yo-Jong, <\/em>Anfang Februar 2018 zu den XXIII. Olympischen Winterspielen ins s&uuml;dkoreanische Pj&ouml;ngjang, um dort deren Er&ouml;ffnungsfeier beizuwohnen. Dort gab&rsquo;s unter anderem ein T&ecirc;te-&agrave;-T&ecirc;te mit Pr&auml;sident <em>Moon Jae-In <\/em>(2017 &ndash; 2022), was so etwas wie einen Sesam-&ouml;ffne-dich-Effekt bewirken sollte. Zwar sind beide Koreas noch de jure im Kriegszustand, doch diese Personen pflegten untereinander einen gesitteten Umgang. In dieser politischen Gemengelage fiel Pr&auml;sident Moon nolens volens eine Mittlerrolle zu, die er meisterlich erf&uuml;llte. S&uuml;dkorea ist aus nordkoreanischer Sicht ein &bdquo;Vasall des US-Imperialismus&ldquo;, wiewohl sich Moon als bekennender Bef&uuml;rworter der sogenannten <em>&bdquo;Sonnenscheinpolitik&ldquo;<\/em> verstand &ndash; der s&uuml;dkoreanischen Variante der unter Willy Brandt praktizierten Politik des <em>&bdquo;Wandels durch Ann&auml;herung&ldquo;. <\/em>Seine Politik war mitausschlaggebend daf&uuml;r, dass es wenige Wochen sp&auml;ter zum wahrlich historischen US-amerikanisch-nordkoreanischen Gipfeltreffen in Singapur kam.<\/p><p><strong>Singapur &ndash; Hanoi &ndash; 38. Breitengrad: Stationen einer tempor&auml;ren M&auml;nnerfreundschaft<\/strong><\/p><p>Am 12. Juni 2018 fand im <em>Hotel Capella<\/em> auf der Insel Sentosa in Singapur ein Treffen statt, das politische Beobachter und Analysten Wochen zuvor f&uuml;r schier undenkbar gehalten h&auml;tten. Da trat anstelle langj&auml;hrig gen&auml;hrten politischen Hasses pl&ouml;tzlich ein diplomatisches L&auml;cheln. Wie das? Es gibt Mitmenschen, die als langj&auml;hrige CIA-Mitarbeiter zahlreiche ebenso verdeckte wie schmutzige Operationen deckten oder diese gar (mit-)inszenierten und sich nach all ihren Dienstjahren &ndash; auf einmal gel&auml;utert &ndash; ihres Verstandes bedienen und zu stupenden Erkenntnissen gelangen. Ein Mann dieser Spezies ist <em>Donald P. Gregg<\/em>, der in den fr&uuml;hen 1990er-Jahren US-Botschafter in Seoul war und zu einem intimen Korea-Kenner avancierte. Nach intensivem Studium der US-Politik vis-&agrave;-vis Nordkorea gelangte er zu dem Schluss: Washington betreibt keine konsistente Nordkorea-Politik; es offenbart allenfalls eine hartn&auml;ckige Haltung gegen&uuml;ber diesem Land &ndash; und die ist durchtr&auml;nkt mit Hass.<\/p><p>Das Treffen in Singapur hatte hohen Symbolcharakter, von dem konkrete Ergebnisse von vornherein nicht zu erwarten waren. Ergebnisse sollte es auf dem vereinbarten Nachfolgetreffen am 27. und 28. Februar 2019 geben, das ausgerechnet dort stattfand, wo die USA ein bis heute nicht verwundenes Debakel erlitten hatten &ndash; in Vietnams Hauptstadt Hanoi. Dazu war der Oberste F&uuml;hrer eigens in einem gepanzerten Zug angereist. Die R&uuml;ckreise wurde zum Trauma, da das Treffen in Hanoi ergebnislos verlief. Genosse Kim setzte auf einen Abbau von Sanktionen gegen sein Land, w&auml;hrend Big Don Nordkoreas Denuklearisierung anstrebte. Letztlich war es sein eigener Nationaler Sicherheitsberater John R. Bolton, der da kr&auml;ftig in die Suppe spuckte und durch immer h&ouml;her geschraubte Forderungen ein Scheitern des zweiten Gipfels billigend in Kauf nahm.<\/p><p>Bolton war und blieb w&auml;hrend seiner politischen Karriere ein &bdquo;Falke&ldquo; par excellence und trieb seinen Chef in Hanoi zu Maximalforderungen (wie die vollst&auml;ndige &Uuml;bergabe aller nordkoreanischen Atomwaffen), was f&uuml;r die Gegenseite nat&uuml;rlich unannehmbar war. Der langj&auml;hrige CIA-Analyst und Kritiker der US-Au&szlig;enpolitik Ray McGovern hatte bereits John R. Bolton ein Jahr zuvor (2018) als &bdquo;Irren&ldquo; im Westfl&uuml;gel des Wei&szlig;en Hauses bezeichnet. McGovern kritisierte damit scharf dessen Berufung zum Nationalen Sicherheitsberater und warf der US-Politik und insbesondere Bolton vor, eine aggressive, von Konfrontation und Wut gepr&auml;gte Haltung &ndash; unter anderem in der Nordkorea- und Iran-Politik &ndash; zu vertreten. Bolton schreckte nicht davor zur&uuml;ck, einen &bdquo;Milit&auml;rschlag&ldquo; gegen beide L&auml;nder in Betracht zu ziehen. Mit Blick auf Korea hatte <em>US-General Gary Luck<\/em> &ndash; Ex-Kommandeur der US-Streitkr&auml;fte in Korea &ndash; bereits im Sommer 1994 Pr&auml;sident Bill Clinton gewarnt, dass jeder Milit&auml;rschlag oder jede Pr&auml;ventivbombardierung nordkoreanischer Atomanlagen einen verheerenden zweiten Koreakrieg ausl&ouml;sen w&uuml;rde. Er sch&auml;tzte die Kosten einer solchen &bdquo;Operation&ldquo; auf &uuml;ber eine Million Menschenleben und eine Billion US-Dollar an wirtschaftlichem Schaden!<\/p><p>In Hanoi hatte man zwar unverrichteter Dinge den Verhandlungstisch verlassen, nicht aber die T&uuml;re zugeschlagen. Vier Monate sp&auml;ter kam es zum dritten Zusammentreffen zwischen Big Don und dem Obersten F&uuml;hrer. Ersterer genoss am 30. Juni 2019 das Privileg, als erster oberster Staatsmann der USA die innerkoreanische Demarkationslinie entlang des 38. Breitengrads &uuml;berschritten zu haben. Die Bilder dieser Zusammenkunft bildeten den denkbar sch&auml;rfsten Kontrast zum martialischen Gehabe und Drohen um die Jahreswende 2017\/18. Man begr&uuml;&szlig;te sich herzlich, hielt gar H&auml;ndchen, der Gastgeber lie&szlig; &uuml;bersetzen &bdquo;Sch&ouml;n, Sie wieder zu sehen. Ich h&auml;tte nie erwartet, Sie hier zu treffen&rdquo;, w&auml;hrend sich der verdutzte Gast nach einem sp&auml;teren Briefwechsel mit Kim zu der Bemerkung hinrei&szlig;en lie&szlig;: &bdquo;Wir haben uns verliebt.&ldquo;<\/p><p><strong>Reaktiviertes Feindbild &ndash; h&uuml;ben wie dr&uuml;ben<\/strong><\/p><p>Wie zu erwarten war, dauerte dieser Honeymoon nicht lange. Seitdem fand man schnell wieder zur&uuml;ck zu ebenso altbekannten wie schrillen T&ouml;nen. Und Politiken auf der koreanischen Halbinsel erwiesen sich wieder einmal &ndash; zumal unter harschen Bedingungen der Covid-19-Pandemie &ndash; als das, was sie seit Ende des Koreakrieges im Sommer 1953 waren &ndash; betuliche Bewegungen in der Starrheit.<\/p><p>Diesmal war es der Oberste F&uuml;hrer im Verbund mit seiner Schwester Kim Yo-Jong, welche zwischenzeitlich innerhalb der PdAK-Propagandaabteilung eine steile Karriere durchlief, die das Feindbild USA reaktivierten, die Vereinigten Staaten als &bdquo;gr&ouml;&szlig;ten Feind&rdquo; ihres Landes titulierten und damit drohten, die eigenen nuklearen F&auml;higkeiten weiter auszubauen. Beide f&uuml;gten hinzu, dass sich die Politik Washingtons gegen Pj&ouml;ngjang nicht &auml;ndern wird, unabh&auml;ngig davon, wer im Wei&szlig;en Haus sitzt. Als Trib&uuml;ne hatte man den 8. Kongress der regierenden PdAK gew&auml;hlt, der im Januar 2021 stattfand &ndash; wenige Tage vor der Amtseinf&uuml;hrung von Joe Biden als Nachfolger von Big Don.<\/p><p>Auf diesem Parteitag wurde auch und gerade Bilanz gezogen, wie man sich das Verh&auml;ltnis zu Washington nach dem No-Deal-Gipfel in Hanoi vorstellt. Laut der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur <em>KCNA<\/em><\/p><blockquote><p><em>&bdquo;ist der Schl&uuml;ssel zum Aufbau neuer nordkoreanisch-amerikanischer Beziehungen die R&uuml;cknahme der feindseligen Nordkorea-Politik der USA. Das Prinzip Auge um Auge wird weiterhin gegen&uuml;ber Washington die Regel sein. (&hellip;) Unsere au&szlig;enpolitischen Aktivit&auml;ten sollten sich darauf konzentrieren, die USA, das Haupthindernis und den gr&ouml;&szlig;ten Feind unserer revolution&auml;ren Entwicklung, zu unterdr&uuml;cken und zu bezwingen.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Unter Bezugnahme auf die Gipfeltreffen sagte Kim, die feindselige Politik der USA habe sich trotz der &bdquo;Bem&uuml;hungen&rdquo; des Nordens und &bdquo;maximaler Geduld&rdquo; zum Abbau der Spannungen in der Region &bdquo;verschlechtert&rdquo;. Es gelte nunmehr, die milit&auml;rische Macht der DVRK zu st&auml;rken &ndash; qua Verbesserungen bei der F&auml;higkeit zum Raketenangriff auf Objekte mit einer Reichweite von 15.000 Kilometern und der Miniaturisierung von Atomsprengk&ouml;pfen. Auf dem 8. Parteitag wurde ebenfalls bekannt, dass das Land das Design eines neuen Atom-U-Boots fertiggestellt hat. Laut KCNA hie&szlig; es:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die Realit&auml;t zeigt, dass wir die nationalen Verteidigungsf&auml;higkeiten ohne einen Moment des Z&ouml;gerns st&auml;rken m&uuml;ssen, um die nuklearen Drohungen der USA abzuschrecken und Frieden und Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel zu bringen. (&hellip;) Wir m&uuml;ssen die Sicherheit unseres Volkes, das Schicksal unserer Revolution, die selbstst&auml;ndige Entwicklung des Landes sowie den Aufbau der Atomenergie unnachgiebig verfolgen.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p><strong>St&auml;rkere Hinwendung zu Russland und zur Volksrepublik China<\/strong><\/p><p>In Bezug auf S&uuml;dkorea war die Friedensstimmung wie im Jahr 2018 verflogen, da die innerkoreanischen Beziehungen seit dem Gipfeltreffen in Hanoi ins Stocken gerieten und Sanktionen dem grenz&uuml;berschreitenden Austausch und der Zusammenarbeit im Wege standen. &Uuml;berhaupt: Seit dem 8. Parteitag der PdAK verfolgte Pj&ouml;ngjang anstelle einer S&uuml;d- eine Westpolitik mit st&auml;rkerer Hinwendung zur VR China und mehr noch zu Russland. Im Juni 2024 unterzeichneten Kim Jong-Un und Wladimir Putin bei einem Treffen in Pj&ouml;ngjang einen <em>Partnerschaftsvertrag<\/em>, der im November desselben Jahres ratifiziert wurde. Dieser sieht u. a. einen gegenseitigen Beistand im Falle einer Aggression gegen eine der Vertragsparteien vor.<\/p><p>Eine Win-win-Situation, wodurch die DVRK durch die Lieferung von Hochtechnologien und Russland im Gegenzug durch die Entsendung nordkoreanischer Soldaten, von Kriegsger&auml;t und Munition profitiert, die es in der Ukraine einsetzt. Eine Sanktionspolitik verpufft unter solchen Bedingungen, und die vom &bdquo;Westen&ldquo; gehegte Vorstellung, eine vielf&auml;ltige G&uuml;terverknappung w&uuml;rde in Nordkorea den Unmut gegen die Herrschenden sch&uuml;ren, erwies sich als Wunschtraum. Wie denn mittlerweile auch das Postulat einer Denuklearisierung der DVRK aus deren Sicht ein f&uuml;r alle Mal vom Tisch und kein Thema ist. Mehr noch: Kim Yo-Jong, seit Anfang dieses Jahres Leiterin der Abteilung Agitation und Propaganda im Zentralkomitee der PdAK, hat mehrfach in &ouml;ffentlichen Stellungnahmen den Status ihres Landes als (neunte) Atomwaffenmacht f&uuml;r nicht verhandelbar erkl&auml;rt &ndash; eine aus ihrer Sicht &bdquo;unumkehrbare Realit&auml;t &ndash; unabh&auml;ngig davon, ob andere ihn anerkennen oder nicht.&ldquo;<\/p><p><strong>Ambitioniertes Atomwaffen- und Raketenprogramm<\/strong><\/p><p>Nordkorea hat sein Atomwaffen- und Raketenprogramm seitdem stark beschleunigt und den Status als Atommacht in seiner Verfassung verankert, um ein &bdquo;exponentielles Wachstum&ldquo; seines Arsenals gesetzlich zu untermauern. Laut aktuellen Berichten unabh&auml;ngiger US-Analysten und Experten von <em>38 North<\/em> verf&uuml;gt das Land sch&auml;tzungsweise &uuml;ber 60 bis 100 einsatzbereite Nuklearwaffen und besitzt die Infrastruktur, um j&auml;hrlich Material f&uuml;r weitere sieben bis 18 Sprengk&ouml;pfe zu produzieren. Das Raketenarsenal hat sich technologisch stark diversifiziert und zielt darauf ab, feindliche Luftabwehrsysteme zu durchbrechen. Mit Modellen wie der <em>Hwasong-19<\/em> und der <em>Hwasong-20<\/em> (benannt nach dem Planeten Mars) verf&uuml;gt das Regime &uuml;ber Interkontinentalraketen (ICBM), die das US-amerikanische Festland erreichen k&ouml;nnen. Die Nutzung von Feststoffantrieben verk&uuml;rzt die Startvorbereitungszeit drastisch und erschwert Fr&uuml;hwarnungen.<\/p><p>&Uuml;berdies testet Nordkorea regelm&auml;&szlig;ig man&ouml;vrierf&auml;hige Kurzstreckenraketen, Marschflugk&ouml;rper sowie Hyperschallwaffen, die im Tiefflug radargest&uuml;tzte Abwehrsysteme in S&uuml;dkorea und Japan umgehen sollen. Ein strategischer Schwerpunkt liegt auf der Nuklearisierung der Seestreitkr&auml;fte. Die Volksrepublik treibt den Bau gro&szlig;er &Uuml;berwasserschiffe und U-Boote voran, die mit nuklearf&auml;higen Marschflugk&ouml;rpern (SLCM) und ballistischen Raketen (SLBM) best&uuml;ckt sind. All das geschieht im Kontext ihrer offiziellen <em>Py&#335;ngjin-<\/em>Strategie, worunter die gleichzeitige Entwicklung der nationalen Wirtschaft und der nationalen Verteidigung verstanden wird. Tats&auml;chlich w&auml;chst das Bruttoinlandsprodukt und erfreuen sich Urlaubsorte wie beispielsweise die &ouml;stliche Hafenstadt Wonsan mit ihren ausgedehnten Badestr&auml;nden und neu errichteten Hotelkomplexen gro&szlig;er Beliebtheit.<\/p><p><strong>Postscript oder Neuerliche Bewegungen in der Starrheit<\/strong><\/p><p>Dieser Text war im Wesentlichen abgeschlossen, als einmal mehr unverhoffte Bewegung in die Starrheit kam. Diesmal war es Big Don, der am 16. August, just einen Tag vor Beginn des j&auml;hrlich gemeinsam stattfindenden US-amerikanisch-s&uuml;dkoreanischen Sommerman&ouml;vers<em> Ulchi Freedom Shield,<\/em> anordnete, dieses deutlich zu reduzieren. Wenige Stunden vor dem geplanten Beginn der &Uuml;bungen erkl&auml;rte Trump auf seiner Plattform <em>Truth Social<\/em>, er sei &bdquo;nicht gl&uuml;cklich&ldquo; dar&uuml;ber, dass die USA einer Teilnahme zugestimmt h&auml;tten, und hob seine &bdquo;sehr guten Beziehungen&ldquo; zu Kim Jong-Un hervor:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Diese &Uuml;bungen sind nicht nur kostspielig [&hellip;], sondern senden auch ein v&ouml;llig unangemessenes und feindseliges Signal an ein Land, das, solange Donald J. Trump Pr&auml;sident ist, keine Bedrohung darstellt und respektvoll ist.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Jamei, welch eine Steilvorlage f&uuml;r das agitprop-geschulte Schwesterherz des Obersten F&uuml;hrers! Kim Yo-Jong nahm den Ball des Big Don gern auf, bezichtigte die Regierung in Seoul des &bdquo;Vasallentums&ldquo; und sah die Politik ihrer eigenen Regierung vollauf best&auml;tigt, die stets solche Man&ouml;ver als &bdquo;feindselig&ldquo; eingestuft hatte und darin eine akute Bedrohung sah. So kann sie sich, die Big Don zum kleinen Donald schrumpfen l&auml;sst, mit ihrem Bruderherz erst einmal ganz entspannt zur&uuml;cklehnen und an den Ufern des Taedong-Flusses, der durch Pj&ouml;ngjang flie&szlig;t, angeln gehen. Anders formuliert: Die eigene Partitur stimmt und das langj&auml;hrig aus strikt systemimmanenter Sicht gen&auml;hrte Kalk&uuml;l gewiefter (Au&szlig;en-)Politik und Diplomatie geht auf: <em>Wenn man schon nicht in der internationalen Gemeinschaft als Freund geachtet ist, sind s&auml;mtliche Hebel in Bewegung zu setzen, um wenigstens als Feind auf Augenh&ouml;he ge&auml;chtet zu sein.<\/em><\/p><p>Wenn denn noch in diesem Jahr die vierte Zusammenkunft von Big Don und dem Vorsitzenden Kim zustande kommt, werden Symbolik und H&auml;ndchenhalten, gespickt mit netten Worten und Gesten, ausgedient haben. Dann wird es um Tacheles gehen, auf Gegenseitigkeit Resultate auszuhandeln, die konkrete Schritte in Richtung Deeskalation der vielf&auml;ltigen Konflikte auf der koreanischen Halbinsel weisen &ndash; Abbau von Sanktionen, g&auml;nzliche Einstellung weiterer Milit&auml;rman&ouml;ver, Reduzierung von Raketentests und die &Uuml;berf&uuml;hrung des seit dem Ende des Koreakrieges (27. Juli 1953) bestehenden Waffenstillstandsabkommens in einen Friedensvertrag. In diesem Kontext ist daran zu erinnern, dass S&uuml;dkorea <em>kein<\/em> Unterzeichner dieses Abkommens ist, da sein erster Pr&auml;sident Rhee Syngman den Krieg unbedingt bis zu &bdquo;seinem&ldquo; Sieg fortsetzen wollte. Last, but not least: Im Falle eines Krieges agiert ein in Korea stationierter US-amerikanischer Viersternegeneral (seit 20. Dezember 2024 <strong>General Xavier T. Brunson) <\/strong>gleichzeitig als Oberkommandierender der eigenen sowie der gesamten s&uuml;dkoreanischen Streitkr&auml;fte &ndash; ein Relikt des Kalten Krieges, dessen erste &bdquo;hei&szlig;e&ldquo; Phase ausgerechnet auf der Halbinsel ausgefochten ward!<\/p><p><em>Moon Chung-In<\/em>, ehemaliger Sonderberater von Ex-Pr&auml;sident Moon Jae-In f&uuml;r Au&szlig;enpolitik und nationale Sicherheit, ist zuzustimmen, wenn er betont, dass bei alledem umfangreiche Vorarbeiten erforderlich sind &ndash; darunter die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, der Austausch pers&ouml;nlicher Briefe und Sonderbeauftragter sowie eine klare Auflistung dessen, was jede Seite bereit ist, zu erhalten und im Gegenzug anzubieten:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Vorsitzender Kim wird nicht nur aus rein diplomatischen Gr&uuml;nden zum Gipfeltreffen mit Pr&auml;sident Trump zur&uuml;ckkehren. Dieses Mal wird er substanzielle Erfolge erzielen wollen, mit denen er sein eigenes Volk zu Hause beeindrucken kann. Kim wird versuchen, das Scheitern von Hanoi zu vermeiden.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Aus dieser Perspektive betrachtet hat Big Don schlechtere Karten und ger&auml;t unter Zeitdruck, da sein Kalk&uuml;l einzig und allein darin besteht, im Vorfeld der Halbzeitwahlen im November innenpolitisch zu punkten &ndash; und sich wieder einmal in fataler Selbst&uuml;berh&ouml;hung als Anw&auml;rter auf den Friedensnobelpreis zu gerieren &hellip;<\/p><p><em><strong>Rainer Werning<\/strong><\/em> ist u.a. Co-Autor der beiden B&uuml;cher:<\/p><p><em>Korea: Von der Kolonie zum geteilten Land<\/em> (zusammen mit Du-Yul Song), Wien 2012: Promedia und<\/p><p><em>Brennpunkt Nordkorea: Wie gef&auml;hrlich ist die Region? Berichte, Daten und Fakten<\/em> (zusammen mit Helga Picht), Berlin 2018: edition berolina.<\/p><p><em><strong>Anmerkung:<\/strong> Da es nicht Usus ist, Texte dieser Art mit Anmerkungen beziehungsweise Quellen zu versehen, finden geneigte Leser, die sich n&auml;her mit dem Thema und vor allem mit der j&uuml;ngeren Geschichte Koreas befassen m&ouml;chten, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/260828-Trump+Kim-2Akt_LitVerzeichnis-Links.pdf\">hier ein PDF<\/a> mit weiterf&uuml;hrender Lekt&uuml;re &amp; Links, in dem auch die im Text verwendeten (w&ouml;rtlichen) Zitate der Protagonisten enthalten sind.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Rawpixel.com \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor neun Jahren, genau am 28. August 2017, erschien auf diesen Seiten der erste Text unseres mittlerweile Ost- und S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>, den Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=39814\">hier nachlesen k&ouml;nnen<\/a>. Er gab dieser Glosse den Titel <em>&bdquo;(Sur-)Reales aus FernOstWest: Warum Mister President und Genosse Kim nicht einfach mal zusammen einen Hamburger essen gehen&ldquo;<\/em>. Was den NDS-Herausgeber <strong>Albrecht<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155481\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":155482,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169],"tags":[1519,3240,3260,2883,2143,2301,1937,1485,3500,1800,1556,1019],"class_list":["post-155481","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","tag-atomwaffen","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-feindbild","tag-glosse","tag-kim-jong-un","tag-konfrontationspolitik","tag-militaermanoever","tag-nordkorea","tag-raketenstationierung","tag-trump-donald","tag-usa","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/shutterstock_2599911555.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155481","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=155481"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155481\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":155519,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155481\/revisions\/155519"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/155482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=155481"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=155481"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=155481"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}