{"id":155640,"date":"2026-09-02T13:00:38","date_gmt":"2026-09-02T11:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155640"},"modified":"2026-09-02T14:44:21","modified_gmt":"2026-09-02T12:44:21","slug":"island-hat-zu-recht-nein-zur-eu-gesagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155640","title":{"rendered":"Island hat zu Recht \u201eNein\u201c zur EU gesagt"},"content":{"rendered":"<p>War der Beitritt zur EU vor zwanzig oder drei&szlig;ig Jahren schon eine schlechte Idee, so ist er heute eine unendlich viel schlechtere. Denn die EU von 2026 ist nicht einmal mehr die EU von 2008. Die oligarchische Maschinerie des Blocks &ndash; die Sparpolitik, die Technokratie, die Verachtung der Demokratie &ndash; hat sich zu etwas weitaus Monstr&ouml;serem gewandelt: zu einer voll entwickelten Kriegsmaschine. Eine Einsch&auml;tzung von <strong>Thomas Fazi<\/strong> zum Ausgang des Referendums in Island zur EU.<br>\n<!--more--><br>\nAm Samstag lehnten die Isl&auml;nder den Vorschlag ihrer Regierung ab, die Beitrittsverhandlungen mit der Europ&auml;ischen Union wieder aufzunehmen: 52,8 Prozent stimmten dagegen, 47,2 Prozent daf&uuml;r, bei einer Wahlbeteiligung von 82,5 Prozent. Mehr als vier von f&uuml;nf Isl&auml;ndern gingen zur Wahl, um eine Frage zu beantworten, die die meisten europ&auml;ischen W&auml;hler noch nie beantworten durften &ndash; und die Regierung hat, was ihr hoch anzurechnen ist, erkl&auml;rt, dass sie sich an das Ergebnis halten werde. Das sind sehr gute Nachrichten f&uuml;r Island. Tats&auml;chlich hat das Land selbst in der Vergangenheit bereits bessere Argumente gegen die EU geliefert, als es jeder Artikel k&ouml;nnte.<\/p><p>Als 2008 die Finanzkrise ausbrach, wurde Island h&auml;rter getroffen als fast jedes andere Land in Europa. Neunzig Prozent seines Bankensystems brachen zusammen. Und dennoch erholte es sich schneller und besser als praktisch alle anderen. Warum? Weil das Land etwas besa&szlig;, das die L&auml;nder der Eurozone aufgegeben hatten: Souver&auml;nit&auml;t.<\/p><p>Island konnte seine W&auml;hrung anpassen lassen; es konnte seine Banken scheitern lassen, anstatt von der EZB gezwungen zu werden, sie auf Kosten seiner B&uuml;rger zu retten; es konnte aus eigener Machtvollkommenheit Kapitalkontrollen verh&auml;ngen und diese nach eigenem Zeitplan wieder aufheben &ndash; was es erst 2017 vollst&auml;ndig tat. Und es konnte seine eigene Bev&ouml;lkerung fragen, was sie wollte: Zweimal, bei den &bdquo;Icesave-Referenden&ldquo; von 2010 und 2011, weigerten sich die Isl&auml;nder, die privaten Schulden gescheiterter Banker zu schultern.<\/p><p>Vergleichen Sie das mit Griechenland, Irland, Portugal oder meinem eigenen Land, Italien: L&auml;nder, die, gefangen im Euro, jahrelang unter drakonischen Sparma&szlig;nahmen, Massenarbeitslosigkeit und sozialer Verw&uuml;stung litten, verordnet von nicht gew&auml;hlten Technokraten in Br&uuml;ssel und Frankfurt. Island hat die Krise gerade deshalb gut &uuml;berstanden, weil es, relativ gesehen, ein viel freieres Land war. Das war die Lehre aus dem Jahr 2008 &ndash; und sie gilt heute mehr denn je.<\/p><p>Das zentrale Argument der &bdquo;Ja&ldquo;-Seite &ndash; und jedes europafreundlichen Kommentators, der nun erkl&auml;rt, das Ergebnis sei ein Fehler &ndash; war, dass die angebotene Wahl illusorisch sei. Island geh&ouml;rt bereits zum Europ&auml;ischen Wirtschaftsraum (EWR), einem Abkommen, dem es gemeinsam mit Norwegen und Liechtenstein angeh&ouml;rt und das den EU-Binnenmarkt auf drei Staaten ausdehnt, die keine EU-Mitglieder sind. Demnach, so lautete das &bdquo;Ja&ldquo;-Argument, setze Island bereits den Gro&szlig;teil der EU-Gesetzgebung um, ohne bei deren Ausarbeitung mitreden zu k&ouml;nnen. Die w&auml;hrend des Wahlkampfs am weitesten verbreitete Version dieser Behauptung <a href=\"https:\/\/islandogevropa.is\/en\/cards\/how-much-have-we-already-adopted-through-the-eea\">bezifferte dies<\/a> konkret: Seit 1994 wurden fast 9.000 EU-Rechtsakte, also 75 Prozent des EU-Rechtsrahmens, in Island umgesetzt, wobei lediglich Landwirtschaft, Fischerei, Zoll und der Euro au&szlig;en vor blieben. Eine Mitgliedschaft w&uuml;rde lediglich das Stimmrecht hinzuf&uuml;gen. Warum sollte man einen Platz am Tisch ablehnen, an dem man bereits sitzt?<\/p><p>Bei genauerer Betrachtung h&auml;lt dieses Argument jedoch nicht stand. Im Jahr 2012 ver&ouml;ffentlichte die norwegische Regierung ihre 900-seitige <a href=\"https:\/\/www.regjeringen.no\/contentassets\/5d3982d042a2472eb1b20639cd8b2341\/no\/pdfs\/nou201220120002000dddpdfs.pdf\">Bestandsaufnahme<\/a> ihrer Beziehungen zu Br&uuml;ssel &ndash; und ihre Schlussfolgerungen sind von Bedeutung, da Norwegen als EWR-Mitglied au&szlig;erhalb der EU genau in derselben Position ist wie Island. Der Bericht kam in seiner Zusammenfassung zu dem Schluss, dass Norwegen etwa drei Viertel der EU-Rechtsvorschriften &uuml;bernommen habe. Derselbe Bericht erkl&auml;rt jedoch auch, dass Norwegen zwar rund 70 Prozent der EU-Richtlinien &uuml;bernommen habe &ndash; aber nur 17 Prozent der EU-Verordnungen. Verordnungen sind zahlenm&auml;&szlig;ig weitaus h&auml;ufiger als Richtlinien. Kombiniert man beide Kategorien, sinkt die Zahl auf knapp unter 30 Prozent. Das entspricht in etwa den Erwartungen: Von den rund 23.000 derzeit geltenden EU-Rechtsakten gelten etwa 5.000 in den EWR-Staaten.<\/p><p>Und was dabei au&szlig;en vor bleibt, ist kein Rest an technischen Details. Die Gemeinsame Fischereipolitik gilt nicht f&uuml;r Island, das in seinen eigenen Gew&auml;ssern seine eigenen Fangquoten festlegt &ndash; genau die Frage, um die sich die Kampagne drehte. Ebenso wenig gilt die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), und Island beh&auml;lt Agrarz&ouml;lle bei, die zu den h&ouml;chsten der Welt z&auml;hlen &ndash; was f&uuml;r die Landwirtschaft in solch hohen Breitengraden keine Nebensache ist. Das Land steht au&szlig;erhalb der Zollunion und au&szlig;erhalb der gemeinsamen Handelspolitik und handelt daher seine eigenen Handelsabkommen aus, darunter eines mit China, das kein EU-Mitgliedsstaat unterzeichnen d&uuml;rfte.<\/p><p>Am wichtigsten ist vielleicht, dass Steuerwesen, Geldpolitik und W&auml;hrung unter isl&auml;ndischer Kontrolle bleiben, ebenso wie die Zentralbank, die diese Bereiche verwaltet.<\/p><p>In der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik schlie&szlig;t sich Island den Positionen der EU an, wenn es dies w&uuml;nscht, ist aber nicht dazu verpflichtet. Und dann ist da noch die Rechtsarchitektur selbst, in der der eigentliche Unterschied liegt. EWR-Staaten unterliegen nicht dem Europ&auml;ischen Gerichtshof (EuGH); sie sind dem EFTA-Gerichtshof unterstellt, dessen Stellungnahmen f&uuml;r nationale Gerichte formell beratenden Charakter haben und nicht bindend sind. Das EU-Recht hat in Island nicht denselben Vorrang und dieselbe unmittelbare Wirkung wie in einem Mitgliedsstaat. Und gem&auml;&szlig; Artikel 102 des EWR-Abkommens behalten die EFTA-Staaten das formelle Recht, die &Uuml;bernahme eines neuen Rechtsakts abzulehnen &ndash; politisch kostspielig, selten genutzt, aber real und rechtlich f&uuml;r kein Mitglied der Europ&auml;ischen Union verf&uuml;gbar.<\/p><p>Also nein: Island h&auml;lt sich noch nicht an alle Regeln. Es h&auml;lt sich an die Binnenmarktvorschriften, zu deren Einhaltung es sich verpflichtet hat, und hat alles andere beibehalten. Deshalb bricht das Argument, &bdquo;Ihr habt die Regeln bereits, da k&ouml;nnt ihr auch gleich mitentscheiden&ldquo;, bei genauerer Betrachtung zusammen. Den Isl&auml;ndern wurde kein Stimmrecht angeboten. Ihnen wurden sechs von 720 Sitzen im Europ&auml;ischen Parlament und eine von 28 Stimmen im Rat angeboten &ndash; im Austausch gegen ihre Fischerei, ihre Landwirtschaft, ihre Handelspolitik und &ndash; da kein nach Maastricht beigetretener Staat &uuml;ber die Ausnahmeregelung D&auml;nemarks verf&uuml;gt &ndash; eine grunds&auml;tzliche Verpflichtung zur Einf&uuml;hrung des Euro. Schweden hat gezeigt, dass diese Verpflichtung mehr oder weniger auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden kann, doch ein unbefristeter Aufschub mit Duldung der Institutionen ist nicht dasselbe wie ein Ablehnungsrecht.<\/p><p>Im Gegenzug h&auml;tte Island (m&ouml;glicherweise) geringf&uuml;gig g&uuml;nstigere Importe und etwas mehr Tourismus erhalten, w&auml;hrend es gleichzeitig zu einem Nettozahler des EU-Haushalts geworden w&auml;re.<\/p><p>Das tiefgreifendere Problem des Pro-EU-Arguments besteht jedoch darin, dass es die Europ&auml;ische Union so behandelt, als w&auml;re sie kaum mehr als ein sehr gro&szlig;es Handelsabkommen &ndash; ein Regelwerk technischer Standards zur Kennzeichnung von Marmelade und zur Gr&ouml;&szlig;e von Fr&uuml;chten, zu dem eine Mitgliedschaft lediglich eine Stimme hinzuf&uuml;gen w&uuml;rde. Doch die EU ist kein Regelwerk; sie ist eine politische, institutionelle und ideologische Megamaschine, und ihre Macht &uuml;ber die Mitgliedsstaaten geht weit &uuml;ber den Prozentsatz der umgesetzten Richtlinien hinaus. L&auml;nder, die der EU beitreten, &uuml;bernehmen faktisch eine &bdquo;Wirtschaftsverfassung&ldquo;, die sie an einen neoliberalen Rahmen bindet, den keine demokratische Abstimmung au&szlig;er Kraft setzen kann &ndash; und den die EU-Institutionen r&uuml;cksichtslos durchsetzen.<\/p><p>Dies zeigt sich besonders deutlich bei den L&auml;ndern der Eurozone. Im November 2010 drohte der Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Zentralbank in einem privaten Schreiben an den irischen Finanzminister damit, die Notfallliquidit&auml;t f&uuml;r irische Banken zu k&uuml;rzen, sollte sich die Regierung nicht einem Rettungsprogramm unterwerfen. Im August 2011 schrieb die EZB an den italienischen Ministerpr&auml;sidenten und legte detailliert dar, welche Arbeitsmarkt- und Rentengesetze seine Regierung verabschieden m&uuml;sse &ndash; und innerhalb von drei Monaten war diese Regierung weg und durch einen Technokraten ersetzt worden.<\/p><p>Im Juni 2015, als Griechenland kurz vor einer Volksabstimmung &uuml;ber die Bedingungen seines eigenen Sparprogramms stand, deckelte die EZB die Notfallliquidit&auml;t und schloss das griechische Bankensystem f&uuml;r die Dauer der Kampagne. Die Griechen stimmten trotzdem mit 61 Prozent mit &bdquo;Nein&ldquo; &ndash; doch die Regierung setzte dennoch eine neue Welle von EU-diktierten Sparma&szlig;nahmen um.<\/p><p>Aber auch Mitgliedsstaaten, die ihre eigene W&auml;hrung beibehalten haben, k&ouml;nnen durch verschiedene Druckmittel in die Schranken gewiesen werden. Unter den fr&uuml;heren nationalkonservativen Regierungen in Polen und Ungarn enthielt die Kommission beiden L&auml;ndern enorme Summen vor &ndash; rund 137 Milliarden Euro im Fall von Polen und etwa 32 Milliarden Euro im Fall von Ungarn, jeweils etwa ein Sechstel des nationalen BIP. Dabei handelte es sich um Mittel, die sowohl aus dem regul&auml;ren Haushalt als auch aus dem &bdquo;Next Generation EU&ldquo;-Wiederaufbaufonds stammten &ndash;, angeblich aus Gr&uuml;nden der Rechtsstaatlichkeit.<\/p><p>Die Opposition in beiden L&auml;ndern machte dann genau diese Hebelwirkung zum Wahlkampfthema: W&auml;hlt uns, und das Geld wird freigegeben. In beiden F&auml;llen funktionierte es wie versprochen. Als die Wahlen in Polen im Oktober 2023 die pro-europ&auml;ische Koalition von Donald Tusk an die Macht brachten, wurden die Mittel innerhalb weniger Monate freigegeben. Und als die Ungarn im April dieses Jahres Viktor Orb&aacute;n abw&auml;hlten, begr&uuml;&szlig;te Ursula von der Leyen das Ergebnis mit der Erkl&auml;rung, Ungarn habe sich f&uuml;r Europa entschieden, und die Kommission machte sich umgehend daran, die Gelder f&uuml;r die neue Regierung unter P&eacute;ter Magyar freizugeben.<\/p><p>Geld war dabei nicht das einzige Instrument. Beide L&auml;nder waren zudem Ziele des EU-eigenen Propagandaapparats, vor allem des CERV-Programms (Citizens, Equality, Rights and Values), &uuml;ber das nach 2021 jeweils rund 40 Millionen Euro an jedes der beiden L&auml;nder flossen &ndash; an NGOs, Thinktanks und Kommunen zur F&ouml;rderung von &bdquo;EU-Werten&ldquo; und in einer Reihe von F&auml;llen f&uuml;r Ma&szlig;nahmen, die ganz direkt darauf abzielten, die amtierende Regierung zu untergraben. Es ist legitim anzunehmen, dass beide Instrumente wahrscheinlich eine Rolle bei dem &bdquo;Regimewechsel&ldquo; gespielt haben, der in diesen L&auml;ndern stattfand &ndash; und dies wurde von einigen der beteiligten lokalen Akteure sogar offen <a href=\"https:\/\/europeandemocracyhub.epd.eu\/the-end-of-polands-illiberal-experiment\/\">zugegeben<\/a>.<\/p><p>Dies macht deutlich: War der Beitritt zur EU vor zwanzig oder drei&szlig;ig Jahren schon eine schlechte Idee, so ist er heute eine unendlich viel schlechtere. Denn die EU von 2026 ist nicht einmal mehr die EU von 2008. Die oligarchische Maschinerie des Blocks &ndash; die Sparpolitik, die Technokratie, die Verachtung der Demokratie &ndash; hat sich zu etwas weitaus Monstr&ouml;serem gewandelt: zu einer voll entwickelten Kriegsmaschine. Die EU hat ein 800-Milliarden-Euro-R&uuml;stungsprogramm namens &bdquo;ReArm Europe&ldquo; auf den Weg gebracht, das hastig in &bdquo;Readiness 2030&ldquo; umbenannt wurde &ndash; zus&auml;tzlich zu den auf dem NATO-Gipfel in Den Haag vereinbarten nationalen Verpflichtungen, die Milit&auml;rausgaben auf 5 Prozent des BIP anzuheben. Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der gr&ouml;&szlig;ten Fraktion im Europ&auml;ischen Parlament, spricht offen von mehr als sechs Billionen Euro an europ&auml;ischen Milit&auml;rausgaben im kommenden Jahrzehnt und besteht darauf, dass dieser Ausbau festgeschrieben werden muss, damit &ndash; wie er es ausdr&uuml;ckt &ndash; keine zuk&uuml;nftige Regierung ihn r&uuml;ckg&auml;ngig machen kann.<\/p><p>Und wer bezahlt das? Nachdem uns zwanzig Jahre lang gesagt wurde, es gebe kein Geld f&uuml;r Krankenh&auml;user, Schulen und Renten &ndash; dass die Sozialleistungen im Namen der &bdquo;haushaltspolitischen Nachhaltigkeit&ldquo; gek&uuml;rzt werden m&uuml;ssten &ndash;, ist das Geld auf wundersame Weise aufgetaucht, allerdings nur f&uuml;r Raketen, Drohnen und Munition. Die <em>Financial Times<\/em> sprach das Unausgesprochene laut aus: Europa muss seinen Sozialstaat beschneiden, um einen Kriegsstaat aufzubauen.<\/p><p>Man k&ouml;nnte einwenden, dass Island bereits der NATO angeh&ouml;rt und diesem Schicksal ohnehin nicht entgehen kann. Doch das ist eine zu vereinfachte Sichtweise &ndash; und Island selbst widerlegt sie. Das Land ist seit 1949 Mitglied des B&uuml;ndnisses und verf&uuml;gt nach wie vor &uuml;ber keine stehende Armee: 77 Jahre Mitgliedschaft, kein einziger isl&auml;ndischer Soldat. Die NATO verf&uuml;gt kaum &uuml;ber Mittel, ein Land tats&auml;chlich zu zwingen, ihrem Diktat zu folgen. Der Beitritt zur EU ist eine ganz andere Sache. Er bedeutet, die volle Kontrolle &uuml;ber die eigene Wirtschaft an das zu &uuml;bergeben, was faktisch zum politischen Arm der NATO geworden ist &ndash; einem Arm, der nicht z&ouml;gern wird, jedes ihm zur Verf&uuml;gung stehende Mittel einzusetzen, um die Mitgliedsstaaten in Einklang mit der EU-NATO-Strategie zu bringen.<\/p><p>Der milit&auml;rische Aufbau der EU wird als Mittel zur Abwehr einer angeblichen &bdquo;russischen Bedrohung&ldquo; gerechtfertigt, f&uuml;r die es keine ernstzunehmenden Beweise gibt, wie selbst der oberste US-Befehlshaber der NATO <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/751d4555-9e8c-42a0-a37b-80893727776c?syn-25a6b1a6=1\">zugab<\/a> &ndash; eine erfundene Bedrohung, deren eigentliche Funktion nicht Verteidigung, sondern Disziplinierung ist.<\/p><p>Denn das ist die zweite Seite dieser Militarisierung: Unterdr&uuml;ckung im eigenen Land. Eine f&uuml;r den Krieg mobilisierte Gesellschaft kann keine abweichenden Meinungen dulden, und die EU gibt nicht einmal mehr vor, dass dies nicht der Fall sei. Sie hat begonnen, ihre eigenen B&uuml;rger &ndash; Journalisten und Analysten wie H&uuml;seyin Do&#287;ru und Jacques Baud &ndash; zu sanktionieren, ihre Bankkonten einzufrieren, ihnen Reiseverbote aufzuerlegen und ihre Existenzgrundlagen zu zerst&ouml;ren, ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren und ohne dass jemals ein Gericht dar&uuml;ber entschieden h&auml;tte. Bestrafung durch b&uuml;rokratischen Erlass &ndash; wegen des Vergehens, die EU-NATO-Politik zu kritisieren.<\/p><p>Hinzu kommen das Verbot russischer Medien, der Zensurapparat des Digital Services Act (DSA), die Vorschl&auml;ge, im Rahmen von &bdquo;Chat Control&ldquo; jede private Nachricht auf dem Kontinent zu scannen, die systematische Einmischung der EU-Institutionen in nationale Wahlen, die regelrechte Annullierung einer Pr&auml;sidentschaftswahl in Rum&auml;nien im Jahr 2024 sowie die strafrechtliche Verfolgung von Oppositionspolitikern von Frankreich bis Deutschland.<\/p><p>F&uuml;hrt man diese Elemente zusammen, ergibt sich das Bild eines Blocks, der nicht nur mit Russland im Krieg steht, sondern in erster Linie mit seinem eigenen Volk.<\/p><p>Und der entscheidende Punkt ist, dass nichts davon ein Zufall ist und nichts davon die &bdquo;Entartung&ldquo; eines einst edlen Projekts darstellt. Dieses Projekt war schon von Anfang an darauf ausgelegt, die Macht von der Demokratie abzuschotten &ndash; um die wichtigen Entscheidungen au&szlig;erhalb der Reichweite der nationalen W&auml;hler zu platzieren. Heute geh&ouml;rt dazu sogar die Entscheidung &uuml;ber Krieg und Frieden.<\/p><p>Island wurde w&auml;hrend des gesamten Wahlkampfs gesagt, dass eine Nation mit 400.000 Einwohnern in einer rauen Welt nicht auf sich alleingestellt sein k&ouml;nne; dass in einer Zeit der Rivalit&auml;ten um die Arktis und amerikanischer Unberechenbarkeit nur der Schutz des Blocks ausreiche. Es ist bemerkenswert, wie wenig die Bef&uuml;rworter der EU mittlerweile &uuml;ber Wohlstand sprechen und wie viel &uuml;ber Angst.<\/p><p>Doch wenn wir uns in der Welt umsehen, ist es nicht die nationale Souver&auml;nit&auml;t, die &uuml;berholt erscheint, sondern vielmehr die EU und ihre Vorstellung von einem supranationalen Imperium. Die L&auml;nder, denen es gut geht, sind jene, die im Rahmen flexibler, die Souver&auml;nit&auml;t respektierender Vereinbarungen zusammenarbeiten &ndash; die BRICS-Staaten, die ASEAN und in diesem Zusammenhang auch die EFTA selbst: Partnerschaften zwischen freien Nationen, keine Imperien. Island hat drei Jahrzehnte lang bewiesen, dass ein kleines Land vollen Zugang zum europ&auml;ischen Markt haben kann und gleichzeitig seine Fische, seine Landwirtschaft, seine W&auml;hrung, seine Handelspolitik und sein Entscheidungsrecht beh&auml;lt.<\/p><p>Es gibt noch eine weitere Sache, die es bewahrt hat, und der Samstag hat dies bewiesen: die F&auml;higkeit, befragt zu werden und die eigene Antwort respektiert zu sehen. Die Griechen wurden 2015 befragt, und ihre Antwort wurde innerhalb einer Woche beiseitegeschoben. Die Isl&auml;nder wurden am Samstag befragt, und ihre Regierung hat das Ergebnis akzeptiert.<\/p><p>Das ist das gesamte Argument in einem Satz. Island hat Europa 2008 vorgemacht, was der richtige Weg ist. Es hat dies gerade erneut getan.<\/p><p><em>Aus dem Englischen &uuml;bersetzt von Maike Gosch.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Smit \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/5b2d27696d8043e49ac7f098afb794df\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War der Beitritt zur EU vor zwanzig oder drei&szlig;ig Jahren schon eine schlechte Idee, so ist er heute eine unendlich viel schlechtere. Denn die EU von 2026 ist nicht einmal mehr die EU von 2008. Die oligarchische Maschinerie des Blocks &ndash; die Sparpolitik, die Technokratie, die Verachtung der Demokratie &ndash; hat sich zu etwas weitaus<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155640\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":155641,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[22],"tags":[423,241,1867,507,1348,2312,799,1367,309,3415,668,1464],"class_list":["post-155640","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-europaische-union","tag-austeritaetspolitik","tag-bankenrettung","tag-eu-mitgliedschaft","tag-ezb","tag-island","tag-norwegen","tag-polen","tag-ruestungsausgaben","tag-repressionen","tag-staatliche-souveraenitaet","tag-ungarn","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/shutterstock_2560925757.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=155640"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":155680,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/155640\/revisions\/155680"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/155641"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=155640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=155640"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=155640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}