{"id":155782,"date":"2026-09-04T11:53:55","date_gmt":"2026-09-04T09:53:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155782"},"modified":"2026-09-04T12:43:37","modified_gmt":"2026-09-04T10:43:37","slug":"flexible-rechtsordnung-sozialleistungsbetrueger-in-die-mangel-aber-schongang-fuer-steuerraeuber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155782","title":{"rendered":"Flexible Rechtsordnung. Sozialleistungsbetr\u00fcger in die Mangel, aber Schongang f\u00fcr Steuerr\u00e4uber"},"content":{"rendered":"<p>Eine neue <a href=\"https:\/\/www.finanzwende-recherche.de\/unsere-themen\/finanzkriminalitaet\/gleichheit-vor-dem-gesetz-wird-steuerhinterziehung-so-konsequent-verfolgt-wie-sozialleistungsbetrug\/\">Studie<\/a> von &bdquo;Finanzwende&ldquo; zeigt auf: Wer in Deutschland gewollt oder ungewollt zu viel Sozialhilfe oder B&uuml;rgergeld einstreicht, wird mit aller H&auml;rte verfolgt, bestraft, mitunter weggesperrt. Dagegen sind Finanzkriminelle, die das Gemeinwesen um Millionen- oder Milliardensummen erleichtern, in der Regel fein raus, werden nur selten entdeckt und noch viel seltener verurteilt. Aber formal gelten alle B&uuml;rger vor dem Gesetz als gleich. Mach&rsquo; die Augen auf, Justitia! Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWas bedeutet schon kriminell? Nehmen wir einen Menschen, der im Leben nicht vom Gl&uuml;ck verfolgt ist. In der Studie, von der hier die Rede sein wird, hei&szlig;t er Paul. Er w&auml;chst bei seinem betagten Vater auf, seine Mutter ist fr&uuml;h verstorben. Nach Abschluss der Schule mit mittlerer Reife beginnt Paul eine Lehre, die er abbrechen muss, weil sein Vater erkrankt und zum Pflegefall wird. Paul k&uuml;mmert sich um ihn, tr&auml;gt gro&szlig;e Teile der Kosten selbst, seine beruflichen Ambitionen geraten dabei aus dem Blick. Irgendwann wird Paul selbst zum Sozialfall, er gibt seine Wohnung auf und zieht zur&uuml;ck zu seinem Vater, um den besser unterst&uuml;tzen zu k&ouml;nnen. Aber er verst&ouml;&szlig;t gegen die Regeln: Dem Sozialamt meldet er nicht, dass er eine Haushaltsgemeinschaft bildet, wodurch er Leistungen bezieht, die ihm nicht zustehen.<\/p><p>Jonas hat es leichter gehabt. Als Sohn eines Anwalts und einer &Auml;rztin ist eine erfolgreiche Karriere praktisch vorgezeichnet. Er macht Abitur, studiert an Eliteunis in M&uuml;nchen und London, wird ebenfalls Jurist und startet beruflich in einem Unternehmen durch, das am internationalen Finanzmarkt operiert. Schnell verdient Jonas sehr viel Geld, was ihm sp&auml;ter, nach seiner Hochzeit und dem Bau eines eigenen Hauses, aber nicht mehr gen&uuml;gt. Er verlegt sich auf illegale Gesch&auml;fte und schafft es mithilfe seiner guten Branchenkontakte, die Steuerkassen gleich mehrerer Staaten systematisch um Millionenbetr&auml;ge zu erleichtern.<\/p><p><strong>Gnadenlos bei Armutsdelikten <\/strong><\/p><p>Paul und Jonas haben sich beide strafbar gemacht. Aber welches Vergehen wiegt schwerer? Eines, das auf eine pers&ouml;nliche, mithin existenzielle Notlage zur&uuml;ckgeht und bei dem es um einen &uuml;berschaubaren Schaden geht? Oder eines, das von Gier getrieben ist und bei dem zielgerichtet gewaltige Summen ergaunert werden? Legt man Ma&szlig;st&auml;be wie Moral, Anstand und Empathie an, erscheint die Antwort klar. <\/p><p>Woran sich die n&auml;chste Frage anschlie&szlig;t: Auf welche Art von Verbrechen sollte der Staat seine knappen Ressourcen konzentrieren, um den f&uuml;r die Gesellschaft gr&ouml;&szlig;ten Nutzen zu erzielen? Auf die Bestrafung von Sozialleistungsmissbrauch, bei dem &bdquo;T&auml;ter&ldquo; mithin sogar unwissentlich mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind? Oder auf die wirklich &bdquo;gro&szlig;en Fische&ldquo;, die zu fangen dem Gemeinwesen substanzielle finanzielle Ertr&auml;ge einbringt &ndash; um damit beispielsweise die Versorgung in der Pflege auf ein Niveau zu heben, das auch Angeh&ouml;rigen mehr Unabh&auml;ngigkeit garantiert? Auch hier liegt die Antwort auf der Hand.<\/p><p>Allerdings sind die Zust&auml;nde hierzulande genau umgekehrt. Menschen wie Paul werden von staatlichen Regelh&uuml;tern eifrig und gnadenlos verfolgt und in der Mehrzahl der F&auml;lle &uuml;berf&uuml;hrt. Wogegen Jonas ziemlich sicher sein kann, gar nicht erst behelligt zu werden, und wenn doch, von allzu schweren Konsequenzen verschont zu bleiben. Die &bdquo;B&uuml;rgerbewegung Finanzwende&ldquo; hat die schiefen Verh&auml;ltnisse und fehlenden Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeiten in ihrem neuesten Report bis in die Tiefe durchleuchtet. Der Titel und die Ausgangsfrage der Arbeit lautet: <a href=\"https:\/\/www.finanzwende-recherche.de\/wp-content\/uploads\/Report_Gleichheit-vor-dem-Gesetz_Wird-Steuerhinterziehung-so-konsequent-verfolgt-wie-Sozialleistungsbetrug.pdf\">&bdquo;Gleichheit vor dem Gesetz: Wird Steuerhinterziehung so konsequent verfolgt wie Sozialleistungsbetrug?&ldquo;<\/a><\/p><p>Die Antwort der Forscher aus der Abteilung &bdquo;Finanzwende Recherche&ldquo; ist einmal mehr eindeutig: Nein! In der deutschen Rechtsordnung existierten &bdquo;systemische Ungleichheiten&ldquo;, befinden sie. Personen, die sogenannte Armutsdelikte begingen, m&uuml;ssten damit rechnen, &bdquo;dass Beh&ouml;rden und Justiz gegen sie h&auml;rter vorgehen als gegen finanziell meist stark aufgestellte Wirtschaftskriminelle&ldquo;. Unter &bdquo;Armutsdelikten&ldquo; sind Rechtsverletzungen durch Menschen zu verstehen, die in prek&auml;ren Verh&auml;ltnissen leben und in der Regel zum &bdquo;Gesetzesbrecher&ldquo; werden, &bdquo;um elementare Bed&uuml;rfnisse zu befriedigen&ldquo;. Dagegen stehe bei Elitenkriminalit&auml;t oft &bdquo;Gewinnmaximierung einer bereits &ouml;konomisch gut ausgestatteten Gruppe im Vordergrund&ldquo;.<\/p><p><strong>Strafbefreit und freigekauft <\/strong><\/p><p>Untersucht wurden gesetzliche Regelungen, die Verwaltungs- und Strafverfolgungspraxis sowie die verf&uuml;gbaren statistischen Daten zu Wirtschaftskriminalit&auml;t und Sozialleistungsbetrug. Die Unwuchten beginnen damit, dass es bis heute keinen Verbrechenstatbestand f&uuml;r schwere Steuerhinterziehung gibt und Vergehen lediglich im Rahmen der Abgabenordnung (AO) verfolgt werden. Ein Privileg mehr: Ertappte Delinquenten haben die M&ouml;glichkeit, durch Selbstanzeige straffrei bleiben zu k&ouml;nnen. Wer sich reuig zeigt und den angerichteten Schaden bis zu einer H&ouml;he von 25.000 Euro ausgleicht, hat weder ein Ermittlungsverfahren noch eine Verurteilung zu f&uuml;rchten. Bei Summen oberhalb dieser Schwelle entf&auml;llt zwar die Straffreiheit, gleichwohl bleibt die Option, dass die Tat nicht weiterverfolgt wird.<\/p><p>Wer sich hingegen 1.000 Euro zu viel an Sozialhilfe erschleicht, kann sich nicht freikaufen. Das regelwidrige Erlangen von Sozialleistungen ist ein Betrugsdelikt im Strafgesetzbuch. Wer &uuml;berf&uuml;hrt wurde, wird bestraft, und wer die Strafe nicht begleichen kann, landet qua Ersatzfreiheitsstrafe im Gef&auml;ngnis. Auf zwei nicht gezahlte Tagess&auml;tze steht ein Tag Haft, bei 80 Tagess&auml;tzen sind es 40 Tage hinter Gittern. Schon f&uuml;r sich betrachtet wirkt das ma&szlig;los &uuml;berzogen. Angesichts des Schongangs, mit dem Steuerdieben begegnet wird, erst recht. Au&szlig;erdem halten die Forscher fest: &bdquo;Faktisch geht bei der Ersatzfreiheitsstrafe eine Person f&uuml;r eine Tat in Haft, obwohl ein Gericht die Tat als nicht gravierend genug f&uuml;r eine Haftstrafe eingestuft hatte.&ldquo; Dagegen werde ein &bdquo;wohlhabender, gut situierter T&auml;ter wie Jonas (&hellip;) so gut wie nie Gefahr laufen, seine Geldstrafe nicht bezahlen zu k&ouml;nnen und diese in Haft absitzen zu m&uuml;ssen&ldquo;. Paul dagegen trifft die volle H&auml;rte des Gesetzes.<\/p><p><strong>Klassenjustiz <\/strong><\/p><p>Versch&auml;rft werde die Ungleichheit noch dadurch, dass betuchte Kreise &uuml;ber eine &bdquo;erhebliche finanzielle und personelle Beschwerdemacht verf&uuml;gen&ldquo;. F&uuml;r gew&ouml;hnlich bringen sie teure Anw&auml;lte in Stellung, w&auml;hrend es gesetzlich nicht vorgesehen ist, Personen in prek&auml;rer Lebenslage einen Pflichtverteidiger an die Seite zu stellen. Aus der Perspektive von Jonas ist das eine &bdquo;klasse Justiz&ldquo;. Marxisten kennen f&uuml;r die ermittelte &bdquo;systemische Privilegierung&ldquo; von Kapitalisten einen anderen Begriff: Klassenjustiz. Der b&uuml;rgerliche Staat l&auml;sst die Kleinen h&auml;ngen und die Gro&szlig;en laufen. Das ist nichts Neues, aber die Dimensionen haben sich ge&auml;ndert: Allein f&uuml;r Deutschland soll sich die Schadenssumme durch illegale Cum-Ex- und Cum-Cum-Finanzschiebereien auf 40 Milliarden Euro belaufen. Bis dato gab es wenig mehr als zwei Dutzend rechtskr&auml;ftige Verurteilungen. Dabei konnten die Gerichte von der Beute h&ouml;chstens vier Milliarden Euro zur&uuml;ckholen.<\/p><p>Das hat Methode. In der Analyse von &bdquo;Finanzwende&ldquo; hei&szlig;t es unter Verweis auf den &bdquo;Statistischen Bericht Staatsanwaltschaften&ldquo;, dass 2024 der &bdquo;&uuml;berwiegende Teil der Ermittlungsverfahren im Sachgebiet Wirtschafts- und Steuerstrafsachen sowie der Geldw&auml;schedelikte eingestellt wurde&ldquo;. Kam es &uuml;berhaupt zur Anklage, seien &bdquo;meistens Geldstrafen&ldquo; verh&auml;ngt worden, nur sehr selten Freiheitsstrafen, &bdquo;die dann fast immer zur Bew&auml;hrung ausgesetzt wurden&ldquo;. Das Bundesministerium f&uuml;r Finanzen (BMF) hat f&uuml;r 2024 rund 50.000 abgeschlossene Strafverfahren erfasst. 38.000 F&auml;lle wurden eingestellt. Neben dem &bdquo;statistisch erfassten Hellfeld&ldquo; bestehe mutma&szlig;lich ein &bdquo;gro&szlig;es Dunkelfeld&ldquo;, schreibt &bdquo;Finanzwende Recherche&ldquo;. So gehe etwa das Bundeskriminalamt (BKA) davon aus, &bdquo;dass das Anzeigeverhalten in Teilbereichen der Wirtschaftskriminalit&auml;t nur gering ausgepr&auml;gt ist&ldquo;.<\/p><p>Ganz anders verh&auml;lt es sich, wenn es um rechtswidrigen Bezug von Transferleistungen geht. 2024 z&auml;hlte die &bdquo;Bundesagentur f&uuml;r Arbeit&ldquo; rund 129.000 eingeleitete Straf- und Bu&szlig;geldverfahren, wobei bei einer Erledigungsquote von 96 Prozent 100.000 Mal ein Missbrauch festgestellt wurde. Nur 226 F&auml;lle ordnete die BA bandenm&auml;&szlig;igem Betrug zu, den gro&szlig;en Rest einfachen Menschen, die in ihrer Not wissentlich oder ungewollt das Gesetz &uuml;bertreten hatten. &bdquo;Finanzwende&ldquo; wollte von der BA wissen, wie hoch der daraus erwachsene Schaden war, und erfuhr nichts &ndash; weil dazu &bdquo;keine validen statistischen Daten&ldquo; vorl&auml;gen. Die Gr&uuml;nde f&uuml;r den Missstand behielt die Beh&ouml;rde f&uuml;r sich.<\/p><p><strong>260 Millionen versus 200 Milliarden <\/strong><\/p><p>Aber es gibt Anhaltspunkte: 2023 sollen die Jobcenter B&uuml;rgergeld im Umfang <a href=\"https:\/\/table.media\/berlin\/news\/leistungsmissbrauch-260-millionen-euro-schaden\">von 258 Millionen Euro<\/a> zugunsten von Menschen bewilligt haben, die darauf keinen Anspruch hatten. Die Zahl stammt von der BA selbst, wobei sie damals in ihrem Jahresgutachten erg&auml;nzte, schwerwiegende F&auml;lle k&auml;men im Verh&auml;ltnis zur Gesamtzahl der Leistungsberechtigten eher selten vor. Lediglich 4,5 Millionen Euro entfielen auf &bdquo;bandenm&auml;&szlig;igen Leistungsmissbrauch&ldquo;, vorwiegend aus dem Ausland organisiert. Keine Frage: Auch in diesem Bereich gibt es eine mithin hohe Dunkelziffer nicht ermittelter F&auml;lle. Dennoch ist das Problem k&uuml;mmerlich, vergleicht man es mit den Verlusten des Staates, die auf das Konto von Finanzkriminellen gehen. Experten sch&auml;tzen diese auf j&auml;hrlich <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/steuerhinterziehung-deutschland-strafverfolgung-100.html\">zwischen 100 und 200 Milliarden Euro<\/a>.<\/p><p>In der medialen und politischen Debatte sind die Verh&auml;ltnisse allerdings auf den Kopf gestellt. Der unrechtm&auml;&szlig;ige Zuschlag von B&uuml;rgergeld (neuerdings Grundsicherungsgeld) wird hier fast wie ein Kapitalverbrechen verhandelt, &uuml;ber systematischen Steuerdiebstahl aber kaum ein Wort verloren. Und speziell der verm&ouml;gende Bundeskanzler mit bestem Draht zur Finanzlobby tut so, also st&uuml;nde Deutschland kurz vorm Ruin, weil sich &bdquo;Faulenzer&ldquo;, &bdquo;Sozialschmarotzer&ldquo; und &bdquo;Clankriminelle&ldquo; aus Osteuropa schamlos am deutschen Sozialstaat bedienten.<\/p><p>Wirtschaftskriminalit&auml;t spiele &bdquo;sowohl im &ouml;ffentlichen Diskurs um Gerechtigkeitsfragen als auch in Haushaltsdebatten viel seltener eine Rolle&ldquo;, stellt auch der Report fest. Es dominierten &bdquo;Bilder des bewundernswert cleveren Schurken im eleganten Anzug und von Wirtschaftskriminalit&auml;t als Kavaliersdelikt&ldquo;. Man wolle Sozialleistungsbetrug nicht verharmlosen, &auml;u&szlig;erte sich Anne Brorhilker, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin von &bdquo;Finanzwende Recherche&ldquo;, in einer <a href=\"https:\/\/www.finanzwende-recherche.de\/presse\/neuer-finanzwende-recherche-report-keine-gleichheit-vor-dem-gesetz\/\">Medienmitteilung<\/a>. Es m&uuml;sse aber mit demselben Ma&szlig; gemessen werden. &bdquo;Wer dem Staat Millionen oder Milliarden entzieht, darf nicht davon profitieren, dass unsere Beh&ouml;rden f&uuml;r komplexe Wirtschaftskriminalit&auml;t schlechter aufgestellt sind als f&uuml;r einfach zu ermittelnde Armutsdelikte.&ldquo;<\/p><p><strong>Schwerer Stand f&uuml;r Steuerfahnder <\/strong><\/p><p>Sie wei&szlig;, wovon sie spricht: Brorhilker war einmal <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114287\">Deutschlands f&uuml;hrende Cum-Ex-J&auml;gerin<\/a>, bis sie im April 2024 auf mutma&szlig;liches Betreiben des NRW-Justizministeriums von ihrem Posten als K&ouml;lner Oberstaatsanw&auml;ltin weggeekelt wurde. Nicht zuletzt d&uuml;rfte das ihrem Bem&uuml;hen geschuldet gewesen sein, die Rolle von Olaf Scholz (SPD) als m&ouml;glichem Strafvereiteler und Steuervermeidungshelfer im Amt des fr&uuml;heren Hamburger B&uuml;rgermeisters im Zusammenhang mit den Cum-Ex-Gaunereien zu kl&auml;ren.<\/p><p>Solche und andere Vorg&auml;nge lassen erahnen, wie eng die Bande zwischen politischen und den Geldeliten hierzulande sind. Erinnert sei an den Fall vor knapp 20 Jahren in Hessen, als erfolgreiche Steuerfahnder von Staats wegen <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/einfach-verrueckt-erklaert-11412804.html\">f&uuml;r verr&uuml;ckt erkl&auml;rt<\/a> wurden, um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Oder an Gustl Ferdinand Mollath, der in Bayern jahrelang zu Unrecht weggesperrt wurde, nachdem er die <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/202559.spinner-im-landtag.html?sstr=gustl%7Cbayern\">&bdquo;gr&ouml;&szlig;te Schwarzgeldverschiebung in die Schweiz&ldquo;<\/a> im Umfeld der HypoVereinsbank (HVB) angezeigt hatte.<\/p><p>Beide F&auml;lle waren in ihren Ausw&uuml;chsen geringf&uuml;gig im Anbetracht von Cum-Ex, Cum-Cum, den Panama-, Paradise- und Pandora-Papers, deren Ver&ouml;ffentlichung ein riesiges kriminelles Netzwerk enth&uuml;llte, mit dessen Hilfe Politiker, Prominente und Superreiche ihr Verm&ouml;gen &uuml;ber Briefkastenfirmen in Offshoresteueroasen verbuddelt haben. Trotzdem fielen die politischen Konsequenzen und die Ermittlungserfolge im Nachgang der eigentlich monstr&ouml;sen Skandale ziemlich kl&auml;glich aus. Und passenderweise ist auch der neueste Aktionsplan gegen Steuerbetrug von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154105\">&bdquo;vom mutigen Tiger zum Bettvorleger der M&auml;chtigen&ldquo;<\/a> mutiert, wie unl&auml;ngst Detlef Koch bei den <em>NachDenkSeiten<\/em> konstatierte. Demnach bleibe das Vorhaben &bdquo;ohne Personal (&hellip;) eine leere Drohung&ldquo;.<\/p><p><strong>Kein Wille, kein Weg <\/strong><\/p><p>Im Bestreben, &bdquo;mickrigste Fische&ldquo; zu fassen, die ein paar Euro zu viel an Sozialtransfers einstreichen, gibt es dagegen weder ethische, fiskalische noch personalpolitische Hemmnisse. Inzwischen suchen Jobcenter sogar ganz gezielt nach Fachexperten zur <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155153\">&bdquo;Bek&auml;mpfung von Leistungsmissbrauch&ldquo;<\/a>. Das Kontrastprogramm: Vor zwei Wochen titelte der <em>Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ)<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.shz.de\/deutschland-welt\/panorama\/artikel\/finanzaemter-vor-dem-kollaps-kaum-noch-steuerpruefungen-in-hamburg-51148936\">&bdquo;&Uuml;berlastete Finanz&auml;mter: Gute Zeiten f&uuml;r Steuerbetrug in Hamburg.&ldquo;<\/a><\/p><p>Als Ursachen f&uuml;r den laxen Umgang mit Finanzverbrechern nennt auch &bdquo;Finanzwende&ldquo; zu wenig Fachpersonal nebst schlechter IT-Infrastruktur, unzureichender Zusammenarbeit der Beh&ouml;rden und fehlendem Geld. Eines fehlt in der M&auml;ngelliste: Der Wille der Reichen und M&auml;chtigen, die Dinge zu &auml;ndern.<\/p><p><small>Titelbild: Pix Lab\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/a7158bbf423a4574b882b9b8dbb159c3\" title=\"\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue <a href=\"https:\/\/www.finanzwende-recherche.de\/unsere-themen\/finanzkriminalitaet\/gleichheit-vor-dem-gesetz-wird-steuerhinterziehung-so-konsequent-verfolgt-wie-sozialleistungsbetrug\/\">Studie<\/a> von &bdquo;Finanzwende&ldquo; zeigt auf: Wer in Deutschland gewollt oder ungewollt zu viel Sozialhilfe oder B&uuml;rgergeld einstreicht, wird mit aller H&auml;rte verfolgt, bestraft, mitunter weggesperrt. Dagegen sind Finanzkriminelle, die das Gemeinwesen um Millionen- oder Milliardensummen erleichtern, in der Regel fein raus, werden nur selten entdeckt und noch viel seltener verurteilt. 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