{"id":155928,"date":"2026-09-07T11:00:00","date_gmt":"2026-09-07T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155928"},"modified":"2026-09-07T09:59:40","modified_gmt":"2026-09-07T07:59:40","slug":"operation-economic-outcast-ist-politisches-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155928","title":{"rendered":"\u201eOperation Economic Outcast\u201c ist politisches Theater"},"content":{"rendered":"<p>Die beiden US-&Ouml;konomen Richard Wolff und Michael Hudson entlarven die neuen Sekund&auml;rsanktionen der US-Regierung gegen die Handelspartner des Iran als Versuch, Pr&auml;sident Donald Trump bis zu den Zwischenwahlen im November als &bdquo;starken Mann&ldquo; erscheinen zu lassen. Die Drohung des Ausschlusses aus dem Dollarsystem werde die Abwendung vom Dollar und die Nutzung des chinesischen Zahlungssystems CIPS vorantreiben und sei im Grunde ein wirtschaftlicher Selbstmord der USA. Die Voraussetzungen zur &Ouml;ffnung der Stra&szlig;e von Hormus, die der Iran nach dem Scheitern des vorl&auml;ufigen Friedensabkommens von der US-Regierung verlangt, gehen indes weit &uuml;ber die urspr&uuml;nglichen Forderungen hinaus &ndash; wie der US-Politikwissenschaftler John Mearsheimer erkl&auml;rt. Letzterer warnt daher vor dem Einsatz taktischer Atomwaffen. Von <strong>Karsten Montag<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMit der am 24. August eingeleiteten <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/releases\/2026\/08\/operation-economic-outcast-total-isolation-of-the-iranian-regime\/\">&bdquo;Operation Economic Outcast&ldquo;<\/a> (&bdquo;Operation wirtschaftlicher Ausschluss&ldquo;) versucht die US-Regierung verst&auml;rkt, dem Iran wirtschaftlich zu schaden. Diesmal sollen mit sogenannten Sekund&auml;rsanktionen die Handelspartner des Landes getroffen werden. Doch sowohl die bereits im M&auml;rz 2025 angek&uuml;ndigten wirtschaftlichen Sanktionen unter dem Titel <a href=\"https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/sb0045\">&bdquo;Making Iran Broke Again&ldquo;<\/a> als auch die milit&auml;rischen Interventionen im Juni 2025 sowie seit Februar 2026 sind gescheitert. Statt die iranische F&uuml;hrung mit Angriffen auf Urananreicherungsanlagen, einem Enthauptungsschlag, Angriffen auf Raketenstellungen und Infrastruktur sowie mit einer Blockade der Stra&szlig;e von Hormus in die Knie zu zwingen, sind die Treibstoff- und D&uuml;ngerpreise in der ganzen Welt &ndash; einschlie&szlig;lich in den USA &ndash; in die H&ouml;he und Trumps Umfragewerte in den Keller gegangen. Statt die iranische Bev&ouml;lkerung aufgrund der wirtschaftlichen Einbu&szlig;en des Landes zu Protesten gegen die eigene F&uuml;hrung zu bewegen, haben die milit&auml;rischen Angriffe die Unterst&uuml;tzung der iranischen F&uuml;hrung im eigenen Land noch verst&auml;rkt.<\/p><p>In zwei vorangegangenen Beitr&auml;gen (siehe <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=152806\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154625\">hier<\/a>) wurde versucht, die Folgen des Krieges gegen den Iran n&auml;her zu beleuchten und eine rationale Erkl&auml;rung f&uuml;r die Entscheidung der US-Regierung zu finden, nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens am 17. Juni 2026 &ndash; dem so genannten &bdquo;Memorandum of Understanding&ldquo;, kurz MoU &ndash; den Iran erneut anzugreifen. W&auml;hrend das Abkommen als ein Eingest&auml;ndnis des Scheiterns der wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Aktionen gegen den Iran &ndash; und damit als eine rationale Entscheidung &ndash; gewertet werden kann, handelte US-Pr&auml;sident Donald Trump mit der Anordnung erneuter Angriffe offensichtlich un&uuml;berlegt. Auch die Wirkung der von US-Finanzminister Scott Bessent angek&uuml;ndigten neuen Sekund&auml;rsanktionen, die angeblich zu einem <a href=\"https:\/\/archive.is\/20260824131419\/https:\/\/www.ft.com\/content\/cb865200-1a06-40be-86a3-10ee2bb05804\">&bdquo;&ouml;konomischen D-Day&ldquo;<\/a> f&uuml;r den Iran f&uuml;hren sollen, ist &auml;u&szlig;erst fraglich.<\/p><p>Der Sprecher des chinesischen Au&szlig;enministeriums hat vier Tage nach der Ank&uuml;ndigung von &bdquo;Operation Economic Outcast&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.mfa.gov.cn\/eng\/xw\/fyrbt\/202608\/t20260828_12012299.html\">erkl&auml;rt<\/a>, sein Land lehne &bdquo;unrechtm&auml;&szlig;ige einseitige Sanktionen&ldquo; ab. Diese Haltung sei &bdquo;konsequent und eindeutig&ldquo;. China ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner des Iran und nimmt <a href=\"https:\/\/www.uscc.gov\/sites\/default\/files\/2026-03\/China-Iran_Fact_Sheet--A_Short_Primer_on_the_Relationship_.pdf\">nach Angaben des US-Kongresses<\/a> &uuml;ber 90 Prozent der iranischen Erd&ouml;lexporte ab.<\/p><p>Auch Pakistan, ein weiterer wichtiger Handelspartner des Iran, <a href=\"https:\/\/saudigazette.com.sa\/article\/664117\/world\/pakistan-says-not-bound-by-unilateral-us-sanctions-on-iran\">hat ge&auml;u&szlig;ert<\/a>, es sei nicht &bdquo;verpflichtet&ldquo;, die einseitigen US-Sanktionen gegen den Iran einzuhalten, sofern diese nicht von den Vereinten Nationen verh&auml;ngt w&uuml;rden. Der US-&Ouml;konom Jeffrey Sachs kommt daher mit seiner Co-Autorin Sybil Fares in einem <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/opinions\/2026\/8\/31\/the-looming-failure-of-operation-economic-outcast\">aktuellen Beitrag<\/a> zu dem Schluss, dass die &bdquo;Operation Economic Outcast&ldquo; wahrscheinlich ihre Ziele nicht erreichen wird. Die beiden Autoren bezeichnen den neuen Ansatz der US-Regierung zudem als &bdquo;rechtswidrig&ldquo; und &bdquo;grausam&ldquo;.<\/p><p><strong>&bdquo;Operation Economic Outcast&ldquo; ist ein Theaterst&uuml;ck und wirtschaftlicher Selbstmord der USA<\/strong><\/p><p>Wenn die neuen Sekund&auml;rsanktionen der US-Regierung offensichtlich zum Scheitern verurteilt sind, was ist dann deren eigentliches Ziel? Auf diese Frage haben die beiden US-&Ouml;konomen Richard Wolff und Michael Hudson k&uuml;rzlich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NRAtA95qT1Y\">in einem Interview<\/a> mit dem in Brasilien lebenden iranischen Ingenieur Nima Alkhorshid eine einleuchtende und plausible Antwort geliefert. Nach Ansicht von Wolff haben die Sanktionen prim&auml;r zum Ziel, dass sich Politiker wie Donald Trump und Scott Bessent der amerikanischen &Ouml;ffentlichkeit bis zu den US-Zwischenwahlen Anfang November als &bdquo;harte Kerle&ldquo; pr&auml;sentieren k&ouml;nnen. Der ganze Trubel sei eine Art &bdquo;Hollywood-Produkt&ldquo; &ndash; ein &bdquo;Theaterst&uuml;ck&ldquo; und das &bdquo;verzweifelte Verhalten&ldquo; der US-Regierung vor den anstehenden Wahlen. Dar&uuml;ber hinaus sei die Operation &bdquo;kein ernst zu nehmendes Vorhaben&ldquo;.<\/p><p>Hudson bezeichnete die Drohung Bessents, mit dem Iran kooperierende L&auml;nder, Banken und Unternehmen vom Dollarsystem auszuschlie&szlig;en, als &bdquo;wirtschaftlichen Selbstmord&ldquo; der USA. Denn eine Ausgrenzung vom Finanztransaktionsnetzwerk &bdquo;Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication&ldquo; (SWIFT) und vom &bdquo;Clearing House Interbank Payments System&ldquo; (CHIPS), einem elektronischen Abwicklungssystem f&uuml;r den Zahlungsverkehr mit US-Dollar, w&uuml;rde die Handelspartner des Iran unweigerlich auf die 2015 von der chinesischen Zentralbank entwickelten Alternative &bdquo;Cross-Border Inter-Bank Payments System&ldquo; (CIPS) zur&uuml;ckgreifen lassen. Wenn Trump und Bessent China, Russland und viele L&auml;nder des Globalen S&uuml;dens vom Dollar abschneiden wollen, dann w&uuml;rden sie damit faktisch den Dollar isolieren. Die USA w&uuml;rden jegliche F&auml;higkeit verlieren, mit dem Dollar Handel zu treiben, zu investieren und Zahlungen zu erhalten &ndash; einschlie&szlig;lich Schuldendienstzahlungen aus dem Globalen S&uuml;den, aus Asien und aus jedem anderen Land, welches das chinesische System nutze, so Hudson.<\/p><p>Wolff verwies in diesem Kontext auf die M&ouml;glichkeit, mit Schattenbanken die Sanktionen zu umgehen. Jede Bank von Bedeutung, die Gesch&auml;fte mit dem Iran mache und von Bessents Drohungen betroffen sei, w&uuml;rde eine neue Bank gr&uuml;nden, die ausschlie&szlig;lich mit dem Westen &uuml;ber SWIFT und CHIPS Zahlungsverkehr betreibt. Diese Schattenbank befinde sich &bdquo;zuf&auml;llig&ldquo; im selben Geb&auml;ude wie diejenige Bank, die &uuml;ber CIPS mit dem Iran Gesch&auml;fte macht. Wenn der Zahlungsvorgang mit dem Iran erledigt sei und die Bank ihre Provision erhalten habe, werde ein Bankangestellter sie &uuml;ber den Flur zur anderen Bank bringen und sie dort &uuml;bergeben, und es werde eine Interbank&uuml;berweisung au&szlig;erhalb des SWIFT-Systems stattfinden. Dieses Vorgehen sei nicht nachverfolgbar und damit nicht zu sanktionieren, erl&auml;uterte Wolff.<\/p><p>Die Ank&uuml;ndigung der &bdquo;Operation Economic Outcast&ldquo; m&ouml;ge zwar aktuell nur wie ein kleines Man&ouml;ver aussehen, k&ouml;nnte aber im R&uuml;ckblick ein &bdquo;Meilenstein&ldquo; auf dem Weg weg vom Dollar und weg von der dollarisierten Weltwirtschaft sein, erkl&auml;rte Wolff weiter. Selbst Bessent sei dies offensichtlich bewusst, da er in seiner Pressekonferenz zu den Sekund&auml;rsanktionen gesagt habe, er wolle damit das &bdquo;Weltwirtschaftssystem&ldquo; nicht sprengen. Selbst Trump und Bessent seien nicht so verr&uuml;ckt, China und Russland herauszufordern und das zu gef&auml;hrden, was derzeit noch vom &bdquo;amerikanischen Imperium&ldquo; &uuml;brig sei, so Wolff. Aus diesem Grund habe CIA-Chef John Ratcliffe den Medien aus dem Weg gehen und heimlich nach Moskau fliegen m&uuml;ssen, um die Russen zu beschwichtigen. Denn die neue Weltmacht befinde sich heute in Moskau und Peking.<\/p><p>Abschlie&szlig;end machte Hudson in dem Interview darauf aufmerksam, dass die US-Regierung derzeit die strategische &Ouml;lreserve des Landes zu niedrigen Preisen vornehmlich an US-&Ouml;lkonzerne ver&auml;u&szlig;ert. Sobald der &Ouml;lpreis infolge der Krise weiter ansteige, w&uuml;rden sich die Vereinigten Staaten an die amerikanischen &Ouml;lkonzerne wenden und all dieses &Ouml;l zum vielleicht doppelten urspr&uuml;nglichen Preis zur&uuml;ckkaufen. Das werde den Unternehmen Gewinne in H&ouml;he von Hunderten von Milliarden Dollar bescheren und diese ganze &Ouml;lkrise zu einem &bdquo;Goldgruben-Gesch&auml;ft&ldquo; f&uuml;r die US-&Ouml;lindustrie machen.<\/p><p>Wolff erkl&auml;rte zum Abschluss, der &bdquo;unglaubliche Reichtum&ldquo; Westeuropas in den letzten f&uuml;nf Jahrhunderten beruhte auf der kolonialen Ausbeutung der Welt. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg h&auml;tten sich die imperialistischen europ&auml;ischen L&auml;nder gegenseitig &bdquo;in St&uuml;cke&ldquo; gesprengt. Der Grund, warum die USA in den vergangenen 70 Jahren so &bdquo;unglaublich reich&ldquo; waren, lag in der Vereinigung dieser Kolonialmacht unter ihrem eigenen Dach. Das derzeitige Problem sei, dass dieses gesamte kapitalistische und imperialistische System auseinanderf&auml;llt &ndash; und niemand wisse so recht, wie man damit umgehen soll.<\/p><p><strong>Forderungen des Iran gegen&uuml;ber den USA mittlerweile deutlich h&ouml;her als noch vor dem vorl&auml;ufigen Waffenstillstandsabkommen<\/strong><\/p><p>Nachdem das im Juni unterzeichnete MoU scheiterte und die USA erneut den Iran angriffen, verlangte die iranische F&uuml;hrung am 8. August <a href=\"https:\/\/www.iranintl.com\/en\/202608081919\">neue Voraussetzungen<\/a> von der US-Regierung, um die Stra&szlig;e von Hormus wieder f&uuml;r den Seeverkehr zu &ouml;ffnen. Der US-Politikwissenschaftler <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XdcyNELIqvw&amp;t=1295s\">John Mearsheimer erkl&auml;rt<\/a> auf seinem YouTube-Kanal, wie sich die aktuellen iranischen Forderungen von denjenigen unterscheiden, die zum vorl&auml;ufigen &Uuml;bereinkommen vom 17. Juni gef&uuml;hrt haben. Neben der Auflage f&uuml;r beide Seiten, die Blockade der Stra&szlig;e von Hormus zu beenden, seien die USA im MoU dazu verpflichtet worden,<\/p><ul>\n<li>die &Ouml;lsanktionen gegen den Iran aufzuheben,<\/li>\n<li>einen Waffenstillstand zwischen den USA, Israel und dem Iran zu versichern sowie<\/li>\n<li>einen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon herbeizuf&uuml;hren.<\/li>\n<\/ul><p>Die weiteren Punkte des MoU,<\/p><ul>\n<li>die Kontrolle der Stra&szlig;e von Hormus,<\/li>\n<li>Geb&uuml;hren zur Nutzung der Meerenge,<\/li>\n<li>die US-Milit&auml;rpr&auml;senz in der Region,<\/li>\n<li>das Aufheben aller Sanktionen gegen den Iran,<\/li>\n<li>die R&uuml;ckgabe der eingefrorenen iranischen Auslandsverm&ouml;gen,<\/li>\n<li>die Zahlung von Reparationen an den Iran sowie<\/li>\n<li>das Urananreicherungsprogramm,<\/li>\n<\/ul><p>sollten innerhalb einer Frist von 60 Tagen verhandelt werden.<\/p><p>In den Forderungen vom 8. August sollen sich die USA laut Mearsheimer jedoch dazu verpflichten, bis auf die Verhandlungen zum iranischen Urananreicherungsprogramm alle Punkte des MoU ohne Verhandlungen anzuerkennen &ndash; einschlie&szlig;lich<\/p><ul>\n<li>der Herbeif&uuml;hrung eines Waffenstillstands nicht nur im Libanon, sondern auch in Gaza, im Jemen und im Irak,<\/li>\n<li>der Anerkennung der Kontrolle des Iran und des Oman &uuml;ber die Stra&szlig;e von Hormus,<\/li>\n<li>der Akzeptanz von Geb&uuml;hren f&uuml;r die Nutzung des Seeweges und<\/li>\n<li>der Zahlung von 300 Milliarden Dollar Reparationen.<\/li>\n<\/ul><p>Damit w&uuml;rde die US-Regierung jeglichen Verhandlungsspielraum zur Eingrenzung des iranischen Urananreicherungsprogramms verlieren, so Mearsheimer. Dar&uuml;ber hinaus sei es wichtig, zu verstehen, dass die Iraner nach den Angriffen der USA und Israels seit dem 28. Februar nun einen &bdquo;enormen Anreiz&ldquo; h&auml;tten, sich Atomwaffen zu beschaffen. Dass US-Pr&auml;sident Trump eine derartige &bdquo;dem&uuml;tigende Niederlage&ldquo; akzeptieren wird, sei aus Sicht des US-Politologen nur schwer vorstellbar. Es stelle sich die Frage, welche Optionen ihm verbleiben, wenn er das Abkommen nicht akzeptieren will und gleichzeitig unbedingt die Meerenge &ouml;ffnen m&ouml;chte.<\/p><p><strong>Taktische Atomwaffen k&ouml;nnen einen Sieg nicht herbeif&uuml;hren<\/strong><\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Cc6zJaHNaD4\">weiteren Beitrag<\/a> seines YouTube-Kanals geht Mearsheimer auf das Problem ein, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr &uuml;ber die industrielle Basis verf&uuml;gen, um Russland in der Ukraine oder den Iran in einem direkten Schlagabtausch mit konventionellen Waffen zu besiegen &ndash; geschweige denn China in einer m&ouml;glichen lang andauernden milit&auml;rischen Konfrontation. Aus diesem Grund gebe es in der Presse zahlreiche Berichte, wonach die Vereinigten Staaten sehr daran interessiert seien, ihre Optionen im Hinblick auf den Einsatz von Atomwaffen zu erweitern. In diesem Zusammenhang sei viel dar&uuml;ber gesprochen worden, k&uuml;nftig st&auml;rker auf taktische Atomwaffen zu setzen &ndash; sowohl zu Abschreckungszwecken als auch zur Kriegsf&uuml;hrung.<\/p><p>Um die Gef&auml;hrlichkeit und Sinnlosigkeit dieser Optionen herauszustellen, greift Mearsheimer auf die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Carte_Blanche_(NATO_exercise)\">NATO-&Uuml;bung &bdquo;Carte Blanche&ldquo;<\/a> aus dem Jahr 1955 zur&uuml;ck. Da die Bundesrepublik Deutschland in den ersten zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht &uuml;ber eine konventionelle Armee verf&uuml;gte, habe die NATO in dieser &Uuml;bung die Verteidigung Westdeutschlands nach einem konventionellen Angriff durch die Sowjetunion mit taktischen Atomwaffen simuliert. Das Ergebnis sei gewesen, dass in diesem Szenario 1,7 Millionen Westdeutsche starben und 3,5 Millionen verwundet wurden. Zudem ber&uuml;cksichtigten diese Zahlen nicht die Todesf&auml;lle, die sp&auml;ter infolge der Strahlenvergiftung eintreten w&uuml;rden. Im Grunde genommen besage dies, dass man Deutschland zerst&ouml;ren muss, um Deutschland zu retten. Die Kriegs&uuml;bung sei als Beweis daf&uuml;r angesehen worden, dass es schwer vorstellbar war, wie man Westdeutschland mit taktischen Atomwaffen verteidigen k&ouml;nnte, ohne es als funktionierenden Staat zu zerst&ouml;ren, so Mearsheimer.<\/p><p>Aus den Erkenntnissen dieser &Uuml;bung habe die NATO 1967 schlussendlich die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Flexible_Response\">Verteidigungsstrategie MC 14\/3<\/a> verabschiedet, f&uuml;hrt der Politologe weiter aus. Diese Doktrin sehe vor, nach einer gescheiterten konventionellen Verteidigung Westeuropas zun&auml;chst nur eine Handvoll Nuklearwaffen gegen ausgew&auml;hlte Ziele beispielsweise in Ostdeutschland, in der Tschechoslowakei oder in Polen einzusetzen, um den Gegner vor einer weiteren Eskalation abzuschrecken. Damit habe man sich in der NATO erhofft, dass die Sowjetunion ihre Offensive gegen Westeuropa einstellt, um keinen weltweiten Atomkrieg zu riskieren. Im Mittelpunkt dieser Strategie habe die Gefahr der Eskalation gestanden, nicht die M&ouml;glichkeit, einen Krieg mit taktischen Atomwaffen zu gewinnen. Daher sei es &bdquo;v&ouml;llig ausgeschlossen&ldquo;, dass die Vereinigten Staaten in Europa oder in Ostasien einen Krieg mit taktischen Atomwaffen f&uuml;hren und diesen Krieg in irgendeiner sinnvollen Weise gewinnen k&ouml;nnten, machte Mearsheimer deutlich. Eine m&ouml;gliche Eskalation bis hin zu einem weltweiten Atomkrieg sei jedoch beim Einsatz taktischer Atomwaffen nur schwer kontrollierbar.<\/p><p><small>Titelbild: rustamxakim \/ shutterstock.com<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/4c6ec99f703341e7bc8aed068509b141\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden US-&Ouml;konomen Richard Wolff und Michael Hudson entlarven die neuen Sekund&auml;rsanktionen der US-Regierung gegen die Handelspartner des Iran als Versuch, Pr&auml;sident Donald Trump bis zu den Zwischenwahlen im November als &bdquo;starken Mann&ldquo; erscheinen zu lassen. 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