{"id":155947,"date":"2026-09-07T14:09:15","date_gmt":"2026-09-07T12:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155947"},"modified":"2026-09-07T14:40:57","modified_gmt":"2026-09-07T12:40:57","slug":"nach-sachsen-anhalt-cdu-will-begriffsstutzige-waehler-emotional-an-die-hand-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155947","title":{"rendered":"Nach Sachsen-Anhalt: CDU will begriffsstutzige W\u00e4hler \u201eemotional\u201c an die Hand nehmen"},"content":{"rendered":"<p>Man w&uuml;rde die B&uuml;rger nicht ausreichend &bdquo;emotional erreichen&ldquo; &ndash; ein Satz aus der &bdquo;Wahlanalyse&ldquo; von CDU-Generalsekret&auml;rin Franziska Hoppermann illustriert zweierlei: zum einen den Charakter der emotionalen Ablenkung der Bundesregierung von ihren b&uuml;rgerfeindlichen politischen Handlungen. Zum anderen, wie sehr sich diese emotionale Meinungsmache (vorerst) abgenutzt hat. Ein Kommentar von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Generalsekret&auml;rin der CDU, Franziska Hoppermann, hat am Sonntag das schlechte Abschneiden ihrer Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt auch mit der folgenden Aussage begr&uuml;ndet (<a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy85ZjJmNGJhMS01NDlhLTQ1YjMtOTU0OS01ZjViMGE5ZmQ1NTU\">in der <em>ARD<\/em><\/a>, ab Minute 29:35):<\/p><blockquote><p>&bdquo;Uns gelingt es im Moment offensichtlich nicht ausreichend, die Menschen emotional so zu erreichen, dass sie uns auf unserem politischen Reformkurs folgen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Der begriffsstutzige B&uuml;rger<\/strong><\/p><p>In dieser Aussage steckt einiges drin: Zum einen werden gro&szlig;e Teile des Wahlvolks mal wieder f&uuml;r zu dumm erkl&auml;rt, den Kern der sozialfeindlichen Sozial-&bdquo;Reformen&ldquo; der Bundesregierung zu erfassen: Um den &bdquo;guten&ldquo; Sinn der b&uuml;rgerfeindlichen &bdquo;Reformen&ldquo; zu begreifen, m&uuml;ssen die begriffsstutzigen B&uuml;rger darum erst emotional &bdquo;erreicht&ldquo; (also weichgekocht) werden.<\/p><p>Zum anderen wird indirekt zugegeben, dass man die B&uuml;rger gerne mit emotionalen (also unsachlichen) Strategien vom sozialfeindlichen Wesenskern der &bdquo;Reformen&ldquo; ablenken m&ouml;chte, um dadurch eine Zustimmung (oder wenigstens eine stille Duldung) zu erschleichen.<\/p><p>Zu guter Letzt ist der Satz ein partei-strategischer Offenbarungseid, wenn Hoppermann tats&auml;chlich selber daran glauben sollte, dass man W&auml;hler nicht dadurch zur&uuml;ckgewinnt, dass man seine Politik &auml;ndert, sondern dadurch, dass man die B&uuml;rger emotional &bdquo;erreicht&ldquo;: Die Zeit, in der die CDU noch mit emotionalen Erkl&auml;rungen der eigenen Politik und der gleichzeitigen Weigerung, diese Politik inhaltlich zu ver&auml;ndern, an den Wahlurnen leidlich erfolgreich sein konnte, sind offensichtlich vorerst vorbei. Und wenn es eine Sache gibt, die zahlreiche B&uuml;rger inzwischen wirklich nicht mehr h&ouml;ren k&ouml;nnen, dann die Behauptung vonseiten &bdquo;der Politik&ldquo;, dass es nicht zuerst um die politischen Inhalte und deren gravierenden Folgen f&uuml;r die B&uuml;rger im Alltag gehe, sondern darum, die b&uuml;rgerfeindlichen Inhalte &bdquo;richtig zu erkl&auml;ren&ldquo;.<\/p><p><strong>Abgenutzte Floskeln<\/strong><\/p><p>Ich glaube nicht, dass die CDU-Generalsekret&auml;rin Hoppermann selber an ihre Aussage glaubt, in dem Sinn, dass das eine erfolgversprechende Parteistrategie f&uuml;r die Zukunft sei. Aber das hindert nicht daran, das Prinzip zu nutzen: Weite Teile der etablierten Politik sind ja noch stark daran gew&ouml;hnt, dass man mit solchen Wahl-&bdquo;Analysen&ldquo; und dem Verweis auf Gef&uuml;hle echte Nachfragen nach den konkret-inhaltlichen Folgen der eigenen b&uuml;rgerfeindlichen Politik vermeiden kann. Der Satz ist ein Element aus Zeiten, in denen man unter Mithilfe verb&uuml;ndeter Journalisten viele B&uuml;rger mit emotionalen Ablenkungen einlullen und vom tats&auml;chlichen inhaltlichen Kern bestimmter politischer (K&uuml;rzungs-)Vorhaben ablenken konnte. Das hat lange gut funktioniert.<\/p><p>Auch wenn diese Praxis nie ganz wirkungslos sein wird und sie schnell und mit Macht wieder die alte Kraft erlangen wird &ndash; momentan ist der Vertrauensverlust vieler B&uuml;rger in die Bundesregierung und ihre enttarnten Floskeln so deutlich, dass die Strategie immerhin geschw&auml;cht ist. Damit sagt man &uuml;brigens nicht, dass die AfD dieses Vertrauen nun eher verdient h&auml;tte oder dass sich die Partei nicht ebenfalls unangemessener emotionaler Ablenkung bedienen w&uuml;rde. Auch in Sachen b&uuml;rgerfeindlicher Sozialpolitik ist <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127687\">die neoliberale AfD<\/a> meiner Meinung nach keine Alternative.<\/p><p><strong>&bdquo;Die Regierung droht mit noch mehr Kommunikation&ldquo;<\/strong><\/p><p>Doch zur&uuml;ck zu den &bdquo;etablierten&ldquo; Parteien: Vor kurzem noch wirkungsvolle emotionale Propaganda-Floskeln aus Richtung von CDU\/SPD\/FDP\/GR&Uuml;NE klingen f&uuml;r immer mehr Menschen nur noch hohl und schal. Das war zwar in den Ohren kritischer Mitb&uuml;rger schon lange so, aber nun wird der hohle und schale Charakter der Floskeln auch allgemein immer deutlicher &ndash; das ist zumindest mein Eindruck. Weiter auf die Wirkung emotionaler Floskeln zu setzen, anstatt politisch-inhaltlich auf B&uuml;rgerunmut zu reagieren, wird den Niedergang nicht nur der CDU beschleunigen. Das &bdquo;nicht ausreichend&ldquo; in Hoppermanns Aussage klingt jedoch, als solle die emotionale und &bdquo;erkl&auml;rende&ldquo; Masche trotzdem noch verst&auml;rkt werden.<\/p><p>Ich wei&szlig; nicht mehr, wo ich es gelesen habe, aber k&uuml;rzlich gab es nach einer Wahl eine treffende &Uuml;berschrift zum Thema dieses Artikels, sie lautete sinngem&auml;&szlig;: &bdquo;Die Regierung droht mit noch mehr Kommunikation.&ldquo;<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155924\">Wahlen in Sachsen-Anhalt: Weiter so hat sich erledigt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155935\">Von wegen &bdquo;die AfD halbieren&ldquo;<\/a><\/p>\n<\/div><p><small>Titelbild: Screenshot\/ARD<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/a42caab601e246ffb043d5ee8bbd870c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man w&uuml;rde die B&uuml;rger nicht ausreichend &bdquo;emotional erreichen&ldquo; &ndash; ein Satz aus der &bdquo;Wahlanalyse&ldquo; von CDU-Generalsekret&auml;rin Franziska Hoppermann illustriert zweierlei: zum einen den Charakter der emotionalen Ablenkung der Bundesregierung von ihren b&uuml;rgerfeindlichen politischen Handlungen. 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