{"id":15599,"date":"2013-01-03T08:40:12","date_gmt":"2013-01-03T07:40:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15599"},"modified":"2022-10-18T15:23:47","modified_gmt":"2022-10-18T13:23:47","slug":"npd-verbotsantrag-volker-und-die-starken-v-manner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15599","title":{"rendered":"NPD-Verbotsantrag: Volker und die starken V-M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kommentar von J&ouml;rg Wellbrock<\/strong><\/p><p><strong>Durch alle Parteien zieht sich die Diskussion dar&uuml;ber, ob ein Verbot der NPD durchsetzbar ist und etwas am politischen Klima in Deutschland &auml;ndern w&uuml;rde. Wie geheuchelt diese Debatte sein kann, zeigt ein Blick auf die Aktivit&auml;ten von Volker Bouffier, dem Ministerpr&auml;sidenten Hessens.<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nBundestagspr&auml;sident Norbert Lammert h&auml;lt nichts von einem NDP-Verbotsantrag. Dieser sei erstens nur ein Reflex auf die Morde des NSU. Zweitens st&auml;nde er rechtlich auf wackligen Beinen. Als wenig durchdacht bezeichnete Lammert die Idee, die NPD zu verbieten. &bdquo;<em>Man sollte es besser bleiben lassen<\/em>&ldquo;, sagte er der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em>. Das Geschrei danach war gro&szlig;, und so konterte ausgerechnet Hessens Ministerpr&auml;sident Volker Bouffier (CDU), er halte einen Verbotsantrag durchaus f&uuml;r m&ouml;glich. Das h&auml;tte geheuchelter kaum sein k&ouml;nnen, denn erstens m&uuml;sste Bouffier selbst sehr genau wissen, dass die seit Jahren durchgef&uuml;hrten Eins&auml;tze von V-M&auml;nnern den Erfolg eines Verbotsverfahrens gef&auml;hrden. Und zweitens wurde er von Sebastian Edathy, dem Vorsitzenden des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages, nicht zuf&auml;llig der &bdquo;<em>Strafverhinderung<\/em>&ldquo; beschuldigt. Hintergrund dieser Behauptung war Bouffiers merkw&uuml;rdiges Verhalten nach dem NSU-Mord an Halit Yozgat im Jahr 2006. Dessen Internetcaf&eacute; erhielt am 6 April des Jahres Besuch von Andreas Tremme, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit 12 Jahren f&uuml;r den Verfassungsschutz arbeitete. Der F&uuml;hrer von V-Leuten aus der neofaschistischen Szene gilt als besonders radikal und erhielt den bezeichnenden Spitznamen &bdquo;Klein-Adolf&ldquo;. <\/p><p>Das Internetcaf&eacute; von Halit Yozgat betrat Tremme um kurz vor f&uuml;nf am Nachmittag. Er surfte dort bis 17:01:40, dann loggte er sich aus. Was danach geschah, befand Volker Bouffier als nicht weiter erw&auml;hnenswert, obwohl nur zwei Minuten nach dem Ausloggen Yozgat von seinem Vater und einem Kunden erschossen aufgefunden wurde. F&uuml;r die Polizei galt Tremme als Hauptverd&auml;chtiger, er sei die &bdquo;<em>erste und einzige hei&szlig;e Spur<\/em>&ldquo; gewesen. Kurze Zeit sp&auml;ter jedoch erkaltete diese Spur auf wundersame Weise. Der damalige hessische Innenminister und heutige Ministerpr&auml;sident Bouffier sah die Priorit&auml;t auf dem &bdquo;<em>Wohl des Landes Hessen<\/em>&ldquo; und erteilte Tremme die Erlaubnis, &uuml;ber die Vorg&auml;nge im Internetcaf&eacute; zu schweigen. Das tat der dann auch und arbeitet heute unbehelligt f&uuml;r das Regierungspr&auml;sidium in Kassel. Auch die Generalbundesanwaltschaft sieht keinen Grund, gegen Tremme zu ermitteln.<\/p><p>F&uuml;r Bouffier ging es eindeutig um den Schutz seiner V-M&auml;nner, das &auml;u&szlig;erte er ganz offen, als er vor dem NSU-Untersuchungsausschuss aussagte. Schlie&szlig;lich habe die Polizei im Zuge der Ermittlungen entweder alle V-M&auml;nner oder keinen von ihnen befragen wollen. Und so wurde niemand befragt, sicher ist sicher. Dass Bouffier die Mordserie als &bdquo;ungeheuerlich&ldquo; empfand und sein Gef&uuml;hl &bdquo;erdr&uuml;ckend&ldquo; sei, wenn er bedenke, dass der T&auml;ter noch nicht gefasst werden konnte, empfand nicht nur SPD-Obfrau Eva H&ouml;gl als Provokation. Ein &bdquo;<em>eiskalter B&uuml;rokrat<\/em>&ldquo; sei Bouffier in ihren Augen. Gr&uuml;nen-Obmann Wolfgang Wieland witterte einen &bdquo;<em>Kalten Krieg<\/em>&ldquo; in Hessens Sicherheitsbeh&ouml;rden. &Uuml;ber all dem throne Volker Bouffier und beharre darauf, nicht nur nichts falsch, sondern sogar alles richtig gemacht zu haben. Doch selbst wenn Tremme nicht der M&ouml;rder von Halit Yozgart ist &ndash; und davon muss man aufgrund der Verfahrenspraxis bis auf weiteres ausgehen -, das Verhalten von Volker Bouffier zeigt, dass der &bdquo;<em>Schutz der Bundesrepublik<\/em>&ldquo; in diesem Mordfall der Schutz der V-M&auml;nner ist. Mit der Konsequenz, dass ein dringend Tatverd&auml;chtiger nicht einmal vernommen wurde.<\/p><p>Volker Bouffier war sp&auml;ter gewisserma&szlig;en nur konsequent, als er Hessens Enthaltung &uuml;ber den Antrag zum NPD-Verbotsantrag im Vorfeld kundtat und dann bei der Abstimmung umsetzte. Allein seine Begr&uuml;ndung ist absurd. Ein Verbotsantrag sei nur sinnvoll und gerechtfertigt, wenn eine Partei eine Gefahr f&uuml;r die Bundesrepublik Deutschland darstelle. Oder aber es m&uuml;sse ihr die Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung &ndash; hier: dem NSU &ndash; nachgewiesen werden. Beides sehe er nicht. Was er nicht ansprach, waren die V-M&auml;nner. Sie waren es, die beim letzten Verbotsverfahren ma&szlig;geblich zum Scheitern beigetragen hatten. Im Jahr 2003 h&auml;tten sich die Innenminister nur darauf einigen m&uuml;ssen, die V-M&auml;nner aus den F&uuml;hrungsetagen der NPD abzuziehen. Das taten sie aber nicht, das Scheitern des Antrages war also gewisserma&szlig;en ein Scheitern mit Ansage. Mit diesem Wissen ausgestattet, kann es nicht mehr verwundern, dass Bouffier gegen das NPD-Verbotsverfahren ist. Dass er argumentiert, ohne die V-M&auml;nner w&auml;re die Politik auf dem rechten Auge blind, darf bezweifelt werden, denn schon Christoph Ahlhaus (CDU), ehemals Innensenator Hamburg, sagte sehr trefflich, was ein V-Mann im Wesentlichen ist: Ein Rechtsextremist, &bdquo;<em>der sich ein paar Euro dazuverdient, indem er Informationen weitergibt.<\/em>&ldquo; Dass Wohl und Wehe der deutschen Demokratie also von M&auml;nnern abh&auml;ngen k&ouml;nnte, die ein paar Informationen verkaufen, klingt doch sehr weit hergeholt. Zumal es unwahrscheinlich ist, dass wirklich wertvolles Wissen weitergegeben wird, wenn es von &bdquo;Klein Adolf &amp; Co.&ldquo; dargereicht wird.<\/p><p>Volker Bouffier hat Zweifel am erneuten NPD-Verbotsantrag. Es begr&uuml;ndet diese Zweifel zwar nicht mit der Pr&auml;senz von V-M&auml;nnern, im Gegenteil. Aber er d&uuml;rfte wissen, dass es zahlreiche von ihnen in den F&uuml;hrungsgremien der NPD gibt. Und auch, dass dieser Umstand ein Hindernis darstellen wird, das zeigt die Begr&uuml;ndung des Bundesverfassungsgerichts beim damaligen Verfahren: &bdquo;<em>Die Beobachtung einer politischen Partei durch V-Leute staatlicher Beh&ouml;rden, die als Mitglieder des Bundesvorstands oder eines Landesvorstands fungieren &hellip; ist in der Regel unvereinbar mit Anforderungen an ein rechtsstaatliches Verfahren.<\/em>&ldquo; Da jedoch die NPD und zahlreiche andere rechtsradikale Organisationen zu einem nicht unerheblichen Teil durch V-Leute &uuml;berhaupt erst funktionieren, kann der Erfolg des Verbotsantrages infrage gestellt werden. Hausgemacht. Auf den Punkt brachte es ausgerechnet ein CDU-Politiker. Heribert Rech, bis zum Jahr 2011 amtierender Innenminister Baden-W&uuml;rttembergs, sagte &uuml;ber seine V-Leute: &bdquo;<em>Wenn ich alle meine verdeckten Ermittler aus den NDP-Gremien abziehen w&uuml;rde, dann w&uuml;rde die NPD in sich zusammenfallen.<\/em>&ldquo; So ginge es also auch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Kommentar von J&ouml;rg Wellbrock<\/strong><\/p>\n<p><strong>Durch alle Parteien zieht sich die Diskussion dar&uuml;ber, ob ein Verbot der NPD durchsetzbar ist und etwas am politischen Klima in Deutschland &auml;ndern w&uuml;rde. 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