{"id":156010,"date":"2026-09-09T09:05:24","date_gmt":"2026-09-09T07:05:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156010"},"modified":"2026-09-09T09:22:16","modified_gmt":"2026-09-09T07:22:16","slug":"kriegsvorbereitung-statt-zukunftsperspektive-in-deutschland-diesmal-remarques-heimatstadt-wird-zur-ruestungsschmiede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156010","title":{"rendered":"Kriegsvorbereitung statt Zukunftsperspektive in Deutschland, diesmal: Remarques Heimatstadt wird zur R\u00fcstungsschmiede"},"content":{"rendered":"<p>P&uuml;nktlich nach dem 1. September, dem Weltfriedenstag, erreicht die deutsche &Ouml;ffentlichkeit eine weitere Nachricht unter vielen, dass der Umbau der Zivilgesellschaft in eine kriegerische St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck vorankommt. Das VW-Autowerk Osnabr&uuml;ck wird zu einer R&uuml;stungsfabrik umgebaut. Man nennt es zynisch &bdquo;Rettung durch R&uuml;stung&ldquo;, das Land Niedersachsen (also wir) &uuml;bernimmt das Werk zusammen mit dem israelischen R&uuml;stungskonzern Rafael. Statt PKW werden k&uuml;nftig Teile f&uuml;r das Raketenabwehrsystem &bdquo;Iron Dome&ldquo; produziert und so ein paar Arbeitspl&auml;tze &bdquo;gesichert&ldquo;. Doch Osnabr&uuml;cks Selbstverst&auml;ndnis als Friedensstadt br&ouml;ckelt mit diesem Umbau. Was w&uuml;rde ihr ber&uuml;hmter Sohn Erich Maria Remarque sagen? Der Schriftsteller nannte die Profiteure einst beim Namen &ndash; und die, welche die Zeche zahlen, auch. Ein Kommentar von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Lesen Sie dazu auch:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154814\">Freddie Ponton &ndash; Die VW-&Uuml;bernahme in Osnabr&uuml;ck durch die israelische Waffenindustrie<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=155701\">Freddie Ponton &ndash; Wie israelische Waffen &bdquo;deutsch&ldquo; werden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=149025\">Thomas Trares &ndash; Die Transformation der Automobil- in die R&uuml;stungsindustrie &ndash; das VW-Werk in Osnabr&uuml;ck ist kein Einzelfall<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138128\">Jens Berger &ndash; R&uuml;stungsland Niedersachsen: Weg vom Auto, hin zum Panzer &ndash; mit tatkr&auml;ftiger Unterst&uuml;tzung der SPD<\/a>\n<\/p><\/div><p><strong>Zivil t&ouml;nende Wortwahl einer Nachricht ist verlogen <\/strong><\/p><p>Klingt ja beruhigend: Kompetenzzentrum, Sicherheit, Verteidigungsl&ouml;sungen. Wer sollte etwas dagegen sagen? Die Aussichten werden ebenfalls als rosig verkauft, wir leben ja in schweren Wende-Zeiten: Statt Autos, konkret schicke Cabrios rollen halt bald R&uuml;stungsg&uuml;ter vom Band. Und die Politik redet sich passend dazu den ganzen Jammer auch noch sch&ouml;n: Was k&uuml;nftig in Osnabr&uuml;ck produziert werde, sei ein Beitrag ganz im Sinne der Philosophie der Friedensstadt Osnabr&uuml;ck. Der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/osnabrueck_emsland\/ruestung-statt-cabrios-land-will-vw-werk-osnabrueck-uebernehmen,vw-1490.html\"><em>Norddeutsche Rundfunk<\/em><\/a> winkt das ebenfalls durch:<\/p><blockquote><p>\n<em>Zuk&uuml;nftig werde der Standort &bdquo;zu einem Kompetenzzentrum f&uuml;r Sicherheits- und Verteidigungsl&ouml;sungen weiterentwickelt&rdquo;, hei&szlig;t es schriftlich vom VW-Betriebsrat. Am VW-Standort Osnabr&uuml;ck sollen voraussichtlich R&uuml;stungsg&uuml;ter f&uuml;r Israel produziert werden. Daf&uuml;r ist eine Zusammenarbeit mit Rafael Advanced Defense Systems angek&uuml;ndigt. Der Finanzinvestor ist Aurelius Capital &ndash; eine internationale Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in Israel. Die Produktion des T-Roc Cabriolets wird den Angaben des Betriebsrats zufolge wie vereinbart im Sp&auml;tsommer 2027 auslaufen. VW zieht sich demnach vollst&auml;ndig vom Standort Osnabr&uuml;ck zur&uuml;ck.<\/em><\/p>\n<p><em>Osnabr&uuml;cks Oberb&uuml;rgermeisterin Katharina P&ouml;tter (CDU) begr&uuml;&szlig;te die Einigung ebenfalls. Der Erhalt des Industriestandortes im Stadtteil Fledder habe f&uuml;r Osnabr&uuml;ck oberste Priorit&auml;t. Die Ausrichtung auf moderne Sicherheits- und Verteidigungsl&ouml;sungen stehe im Einklang mit der Resolution des Rates, so P&ouml;tter. Im April habe der Rat mit breiter Mehrheit erkl&auml;rt, dass ein Beitrag zum Schutz von Demokratie und Freiheit mit der Identit&auml;t als Friedensstadt vereinbar sei.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Remarque setzte sich f&uuml;r eine friedliche Welt ein &ndash; dazu braucht es keine Aufr&uuml;stung<\/strong><\/p><p>Ja, Osnabr&uuml;ck ist Friedensstadt, dank ihres Sohnes Erich Maria Remarque. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg, wurde an der Westfront mehrfach verwundet und begann 1917 zu schreiben. Sein erstes Werk hie&szlig; &bdquo;&Uuml;ber den Krieg&ldquo;. Sp&auml;ter schuf er eindringliche Romane (z.B. &bdquo;Im Westen nichts Neues&ldquo;), die seinen grandiosen Weltruhm begr&uuml;ndeten. Bis heute lesen sich seine Zeilen als nimmerm&uuml;de Aufforderung, die Sinnlosigkeit von Militarismus, Fanatismus, Reaktion, Aufr&uuml;stung, Krieg und Vernichtung anzuprangern und sich f&uuml;r eine friedliche Welt mit friedlichem Schaffen nicht nur einzusetzen, sondern diese zu hegen und zu pflegen. Was soll das nun also, eine Autofabrik in eine R&uuml;stungsfabrik umzuwandeln? Was soll das, den Arbeitern das auch noch als &sbquo;Perspektive&lsquo; zu verkaufen? Hauptsache Arbeit, Hauptsache Lohn und Brot? Was soll das, dass ein profitabler Konzern VW sich hier zur&uuml;ckzieht, um anderswo noch mehr Rendite einzufahren?<\/p><p>Bei all den ach so harten Verhandlungen der flei&szlig;igen Verhandler um das Osnabr&uuml;cker Werk bis hin zu den Gewerkschaften war Remarque im Geiste nicht zugegen. Es wurde sich nicht dagegengestemmt. Warum erinnerte sich keiner an dessen wunderbaren, klaren, entlarvenden Satz:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die daf&uuml;r sind, besonders die, die nicht hingehen m&uuml;ssen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>R&uuml;stungsfabriken produzieren keine Werte, die Zeche bezahlen die vielen Menschen<\/strong><\/p><p>Remarque w&uuml;rde protestieren, er wei&szlig;, warum: Das, was k&uuml;nftig in Osnabr&uuml;ck produziert werden wird, kommt auch in einem Krieg, der lange schon im Gang ist, zum Einsatz. Wie die OB P&ouml;tter meint, seien das &bdquo;moderne&ldquo; Sicherheits- und Verteidigungsl&ouml;sungen, im Einklang mit der Resolution des Stadtrates stehend, und ein Beitrag zum Schutz von Demokratie und Freiheit. Alles im Verbund w&auml;re mit der Identit&auml;t als Friedensstadt vereinbar, wird behauptet &ndash; und profitabel sowieso, Wachstum und Wohlstand schaffend. Es geht wieder aufw&auml;rts? Die teilnehmenden Akteure m&uuml;ssten es besser wissen. Und nein, es ist weder modern noch zukunftsweisend, es ist ein weiterer Schritt ins Verderben.<\/p><p>&Uuml;brigens, in der neoliberalen und aus meiner Sicht &uuml;beraus reaktion&auml;ren Gazette <em>NZZ<\/em> las ich zum Thema R&uuml;stung gleich Wachstum usw. k&uuml;rzlich, dass ahnungslose, verblendete Politiker und &Ouml;konomen davon ausgehen, dass mehr Geld f&uuml;r R&uuml;stung (in allen m&ouml;glichen Auspr&auml;gungen) mehr Wachstum erzeuge. Dann folgte dieser NZZ-Satz: &bdquo;Doch das stimmt nicht.&ldquo; Die <em>NZZ<\/em> meinte dann weiter, dass der ganze Spa&szlig;, der &bdquo;Hype&ldquo; nur ein konjunkturelles Strohfeuer ausl&ouml;sen w&uuml;rde und am Ende einzig h&ouml;here Staatsschulden &uuml;brig blieben. Um es mit Remarque zu sagen: Es gibt welche, die davon profitieren, und welche, die daf&uuml;r zahlen.<\/p><p><strong>Der deutsche Konzern, der gerade spart und sich zur&uuml;ckzieht, als g&auml;be es kein Morgen &hellip;<\/strong><\/p><p>Volkswagen geht es ganz und gar nicht schlecht. Das Zauberwort f&uuml;r die Profiteure lautet: Rendite. Ich las, dass der Konzern 22 Milliarden Euro an seine Anteilseigner aussch&uuml;ttete und im Gesch&auml;ftsjahr 2025 trotz eines massiven Gewinneinbruchs immer noch Milliarden an die Aktion&auml;re &uuml;berwies. Die Logik der ach so sozialverantwortlichen Macher lautet in Wahrheit: Jobabbau und Werkschlie&szlig;ungen hier, viel Geld an Aktion&auml;re und Eigent&uuml;merfamilien Porsche und Pi&euml;ch dort. 50.000 Stellen sollen gestrichen werden, die Modellvielfalt halbiert. Damit meinen die Manager, die Umsatzrendite auf neun Prozent zu steigern. Apropos Modellvielfalt: Das Cabrio aus Osnabr&uuml;ck braucht es halt auch nicht mehr, sollen die ruhig R&uuml;stungsg&uuml;ter bauen. Die Zeche bezahlen wir.<\/p><p><strong>Was f&uuml;r eine Perspektive &ndash; Friedensstadt-Transformation<\/strong><\/p><p>Die Osnabr&uuml;cker werden sich daran gew&ouml;hnen, dass es k&uuml;nftig vielleicht den Slogan des israelischen R&uuml;stungskonzerns Rafael geben wird: &bdquo;Aus der Friedensstadt f&uuml;r unseren Iron Dome.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.volkswagen-newsroom.com\/en\/volkswagen-osnabrueck-gmbh-7805\">Volkwagen AG<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>P&uuml;nktlich nach dem 1. September, dem Weltfriedenstag, erreicht die deutsche &Ouml;ffentlichkeit eine weitere Nachricht unter vielen, dass der Umbau der Zivilgesellschaft in eine kriegerische St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck vorankommt. Das VW-Autowerk Osnabr&uuml;ck wird zu einer R&uuml;stungsfabrik umgebaut. Man nennt es zynisch &bdquo;Rettung durch R&uuml;stung&ldquo;, das Land Niedersachsen (also wir) &uuml;bernimmt das Werk zusammen mit dem israelischen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156010\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":154815,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[172,13,30],"tags":[1557,893,906,3009,443,1371],"class_list":["post-156010","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aufruestung","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-israel","tag-militarisierung","tag-ruestungsindustrie","tag-standortschliessungen","tag-standortwettbewerb","tag-volkswagen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/260810-Ponton-takeover-DB2022IM00018_medium.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=156010"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156010\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":156021,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156010\/revisions\/156021"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/154815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=156010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=156010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=156010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}