{"id":156050,"date":"2026-09-10T09:00:13","date_gmt":"2026-09-10T07:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156050"},"modified":"2026-09-10T09:29:20","modified_gmt":"2026-09-10T07:29:20","slug":"haushalt-2027-mit-volldampf-in-die-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156050","title":{"rendered":"Haushalt 2027: Mit Volldampf in die Katastrophe"},"content":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die Industrie und das Bildungssystem erodieren, treibt der Haushaltsentwurf 2027 Rekordschulden, R&uuml;stung und Eskalation mit Russland voran, auf Kosten von Sozialstaat und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn diesen Tagen reiht sich eine &ouml;konomische Hiobsbotschaft an die andere. W&auml;hrend die deutsche Industrie einen Produktionsr&uuml;ckgang verzeichnet und ganze Unternehmen wie VW auf der Kippe stehen, sind laut PISA-Studie Sch&uuml;ler in Deutschland so schlecht wie noch nie. Lesen, Rechnen, Schreiben: f&uuml;r immer mehr schlicht Fehlanzeige. Ein Land im Niedergang, der sich weiter beschleunigt &ndash; das ist das Bild, das sich immer weiter konturiert. Die Bundesregierung aber reagiert wie ein Fahrer, dessen Fahrzeug auf einen Abgrund zurast und der dann noch einmal kr&auml;ftig Gas gibt. Die Vorlage des Haushaltsentwurfs l&auml;sst jedenfalls keinen anderen Schluss zu, als dass der Kurs der Selbstzerst&ouml;rung der deutschen Wirtschaft wie des Sozialstaats in unserem Land weiter beschleunigt wird.<\/p><p><strong>200 Milliarden Schulden &ndash; f&uuml;r den Kriegshaushalt<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend Finanzminister Lars Klingbeil von einem &bdquo;einzigartigen Zukunftsprogramm&ldquo; spricht, erreicht die Neuverschuldung mit 200 Milliarden Euro einen neuen Rekord. Damit sollen gigantische R&uuml;stungsausgaben finanziert werden. Neben einem geplanten R&uuml;stungshaushalt von 109 Milliarden Euro wird auf Teile des Sonderverm&ouml;gens in H&ouml;he von 30 Milliarden zugegriffen. <\/p><p>Was die bei der NATO anrechenbaren Milit&auml;rausgaben angeht, sind zus&auml;tzlich die milliardenschwere Ukrainehilfe und die in anderen Ressorts versteckten Ausgaben f&uuml;r Milit&auml;r und R&uuml;stung zu nennen. Insgesamt d&uuml;rfte 2027 nach dem Willen der Bundesregierung damit ein Drittel des Bundeshaushalts mit einer Gesamth&ouml;he von 555 Milliarden Euro f&uuml;r Kriegsvorbereitung, Milit&auml;r und R&uuml;stung ausgegeben werden. Sowohl, was die j&auml;hrlichen Steigerungsraten, als auch, was die hohen Prozentanteile der Milit&auml;rausgaben am Haushalt angeht, muss man in die drei&szlig;iger Jahre des letzten Jahrhunderts nach der Macht&uuml;bergabe an die NSDAP zur&uuml;ckgehen, um &auml;hnliche Werte zu finden.<\/p><p><strong>Konsulate zu, Br&uuml;cken weg &ndash; Mobilmachung gegen Russland<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend die USA Unterh&auml;ndler nach Moskau und Kiew entsandt haben, um den Ukrainekrieg durch einen Verhandlungsfrieden beenden zu k&ouml;nnen &ndash; geopolitisch motiviert, um noch mehr Ressourcen in den Krieg gegen den Iran stecken zu k&ouml;nnen &ndash;, setzt die Bundesregierung auf eine beispiellose Eskalation. Unter dem Vorwand, auf den Leipziger Drohnenflug reagieren zu wollen, hat Berlin das Russische Haus und das Bonner Generalkonsulat Russlands geschlossen, verbunden mit einer Kampfansage gegen russische Schiffe. <\/p><p>Auch hier muss man weit in der Geschichte zur&uuml;ckgreifen, um eine Parallele zur heutigen Entscheidung der Bundesregierung zu finden. 1938 wurden im Rahmen der Gegenseitigkeit sowjetische Konsulate in Deutschland geschlossen, ideologisch verargumentiert auch mit dem Kampf gegen den &bdquo;Weltbolschewismus&ldquo;. Aber auch ohne etwaige Vorl&auml;ufer zu bem&uuml;hen, wird klar, dass die Bundesregierung darauf setzt, die diplomatischen Kontakte mit Russland auszud&uuml;nnen und den deutsch-russischen Kulturaustausch zu zerst&ouml;ren. Alle Br&uuml;cken nach Russland sollen offenbar abgebrochen werden. Unter dem Vorwand der Verteidigung setzt Bundeskanzler Merz auf eine geistige Mobilmachung f&uuml;r einen Krieg gegen Russland. Der Haushaltsentwurf f&uuml;r 2027 ist dabei nichts anderes als die materielle Vorbereitung dieses Projekts.<\/p><p>Sowohl die NATO-Hochr&uuml;stung Deutschlands als auch ein deutscher Krieg mit Russland scheinen angesichts der Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse und der atomaren Bewaffnung des erkl&auml;rten Feindes v&ouml;llig irreal. Es liegt allerdings der Schluss nahe, dass wir es bei der Regierung Merz und ihrer Koalition mit Apokalyptikern zu tun haben, die in ihrer Gro&szlig;mannssucht und Realit&auml;tsferne bereit sind, alles zu riskieren. Die Apokalypse der Zerst&ouml;rung darf allerdings nicht nur f&uuml;r die Kriegsbereitschaft gelten, sondern sowohl f&uuml;r die Zerst&ouml;rung der Industrie in Deutschland als auch f&uuml;r den sozialen Zusammenhalt in unserem Land.<\/p><p><strong>Wohngeld kappen, R&uuml;stung f&uuml;ttern<\/strong><\/p><p>Es wird klar, dass bereits jetzt f&uuml;r die Kriegsvorbereitungen Kranke, Rentner und Arme bluten sollen. Um nur ein besonders gravierendes Beispiel zu nennen: W&auml;hrend man den sozialen Wohnungsbau in der Ukraine f&ouml;rdert, soll ab dem 01.01.2027 das Wohngeld massiv gek&uuml;rzt werden; das trifft insbesondere Familien mit Kindern. Eine Milliarde Euro soll das bringen. Viele der ehemaligen Wohngeldbezieher werden so ins B&uuml;rgergeld gedr&auml;ngt. Verarmung und Krieg gehen hier Hand in Hand. <\/p><p>Optimistisch stimmt, dass dieses Modell der Enteignung der Arbeiter zugunsten der Profite der R&uuml;stungsschmieden auf zunehmenden Widerstand in der Bev&ouml;lkerung st&ouml;&szlig;t. Nach dem aktuellen INSA-Meinungstrend (4.&ndash;7. September 2026), den Alexander Wallasch auswertet, will eine relative Mehrheit der Deutschen k&uuml;nftig weniger statt mehr an Kiew zahlen; der Zuspruch f&uuml;r noch mehr Ukraine-Hilfe liegt unter 20 Prozent, etwas weniger als ein Drittel will das derzeitige Niveau halten. <\/p><p>Besonders deutlich f&uuml;r K&uuml;rzungen sind die Anh&auml;nger von AfD und BSW. Relativ mehrheitlich f&uuml;r mehr Hilfen sprechen sich allein die Gr&uuml;nen-W&auml;hler aus. Zugleich will eine absolute Mehrheit, dass Deutschland alle diplomatischen M&ouml;glichkeiten nutzt, um die Beziehungen zu Russland zu verbessern &ndash; nur 29 Prozent sehen das anders; Ausnahme unter den Parteianh&auml;ngern sind erneut die Gr&uuml;nen. <\/p><p>Eine Politik f&uuml;r die Mehrheit der Gesellschaft ist geboten; dies kann aber nur erfolgreich sein, wenn die Kriegstreiber von den Schalthebeln der Macht entfernt werden, bevor sie ein ganzes Land erneut ins Ungl&uuml;ck st&uuml;rzen.<\/p><p><small>Titelbild: Only_NewPhoto \/ Shutterstock<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W&auml;hrend die Industrie und das Bildungssystem erodieren, treibt der Haushaltsentwurf 2027 Rekordschulden, R&uuml;stung und Eskalation mit Russland voran, auf Kosten von Sozialstaat und gesellschaftlichem Zusammenhalt. 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