{"id":156116,"date":"2026-09-13T11:00:58","date_gmt":"2026-09-13T09:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156116"},"modified":"2026-09-11T23:19:40","modified_gmt":"2026-09-11T21:19:40","slug":"suedphilippinen-endlich-frieden-in-suedostasiens-aeltester-konfliktregion-teil-ii-von-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156116","title":{"rendered":"S\u00fcdphilippinen: Endlich Frieden in S\u00fcdostasiens \u00e4ltester Konfliktregion? (Teil II von II)"},"content":{"rendered":"<p>Von 1571 bis 1898 w&auml;hrte die spanische Herrschaft &uuml;ber jenen s&uuml;dostasiatischen Archipel, den sie unter dem Namen &bdquo;Philippinen&ldquo; als Kolonie in Besitz genommen hatten. Doch nur den n&ouml;rdlichen und zentralen Teil des Inselreiches vermochten die Konquistadoren unter ihre Kontrolle zu bringen. Im s&uuml;dlichen Landesteil widersetzten sich die islamisierten Gesellschaften, von den Spaniern abf&auml;llig <em>&bdquo;Moros&ldquo;<\/em> genannt, dem Kolonialjoch. Erst w&auml;hrend der sich unmittelbar anschlie&szlig;enden US-amerikanischen Herrschaft &uuml;ber das Land (1898-1946) wurde der S&uuml;den in blutigen <em>&bdquo;Befriedungs&ldquo;-<\/em>kampagnen unterworfen. Externer Kolonialismus und interne Kolonisierung sorgten auch in den folgenden acht Jahrzehnten f&uuml;r Gewalt, Vertreibung und teilweise b&uuml;rgerkriegs&auml;hnliche Zust&auml;nde, in deren Verlauf etwa 150.000 Menschen ihr Leben verloren. Nach z&auml;hen Waffenstillstands- sowie Friedensverhandlungen sollen nunmehr am 14. September fast 2,4 Millionen W&auml;hler in einem historischen Urnengang dar&uuml;ber abstimmen, wer fortan im Rahmen eines 80-k&ouml;pfigen Parlaments die Politik in der autonomen <em>Bangsamoro Region im Muslimischen Mindanao (BARMM)<\/em> bestimmt. <em>Bangsamoro<\/em> (das Volk bzw. die Nation der Moros) ist die einzige autonome Region unter den 18 Regionen des Landes, die einzige Region, die aus einem Friedensabkommen hervorgegangen ist, und die einzige Region mit einer parlamentarischen Struktur im Rahmen eines pr&auml;sidialen Regierungssystems. Ein kritischer R&uuml;ck- und Ausblick unseres S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>. Den ersten Teil k&ouml;nnen Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156112\">hier nachlesen<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vereitelte Autonomie oder Von Konfrontation zur Kooperation<\/strong><\/p><p>Eine Z&auml;sur in der Geschichte der <em>Moro Nationalen Befreiungsfront (MNLF)<\/em> und des j&uuml;ngeren Moro-Widerstands bildete das <em>am 23. Dezember 1976 im libyschen Tripolis unterzeichnete Abkommen<\/em> zwischen Manila und der MNLF. Im Vordergrund standen dabei:<\/p><ul>\n<li>die politische und friedliche Beilegung des Konflikts, der mittlerweile zu einem offenen B&uuml;rgerkrieg eskaliert war, sowie<\/li>\n<li>Autonomie f&uuml;r die Moros &bdquo;innerhalb der nationalen Souver&auml;nit&auml;t und territorialen Integrit&auml;t der Republik der Philippinen&ldquo;.<\/li>\n<\/ul><p>Die MNLF sah sich mithin zur Preisgabe ihrer urspr&uuml;nglich maximalistischen Forderung nach staatlicher Eigenst&auml;ndigkeit gezwungen. Nutznie&szlig;er des <em>Tripolis-Abkommens<\/em> war eindeutig die Regierung in Manila, welche eine vereinbarte <em>Autonome Moslem-Region<\/em> nicht verwirklichte, MNLF-Abtr&uuml;nnige mit finanziellen Zuwendungen zu k&ouml;dern und sie mit Hilfe zugeschanzter Posten in Ministerien und Beh&ouml;rden politisch zu kooptieren vermochte. Scharenweise kehrten desillusionierte MNLF-Kader ihrer Organisation den R&uuml;cken. Zudem blieben etliche Mitglieder des Zentralkomitees der MNLF, darunter auch Nur Misuari, in Libyen und anderen Nahoststaaten, sodass die organisationsinterne Kommunikation nur durch Emiss&auml;re erfolgte. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Unter solchen Bedingungen brachen auch interethnische Rivalit&auml;ten im Moro-Widerstand auf und es kam zu Friktionen zwischen der Auslandsf&uuml;hrung und lokalen Kommandeuren ebenso wie unter den vor Ort agierenden Befehlshabern.<\/p><p>W&auml;hrend der Pr&auml;sidentschaft von Fidel V. Ramos (1992-98) erfolgte eine noch weitergehende Ann&auml;herung zwischen MNLF-F&uuml;hrung und der Zentralregierung, die zum <em>Endg&uuml;ltigen Friedensabkommen vom 2. September 1996<\/em> f&uuml;hrte. Zu den Bestimmungen dieses Abkommens geh&ouml;rte zwar die Schaffung einer (anf&auml;nglich aus lediglich vier Provinzen bestehenden) <em>Autonomen Region in Moslem Mindanao (ARMM)<\/em>, deren Gouverneur Misuari wurde, und der <em>S&uuml;dphilippinische Rat f&uuml;r Frieden und Entwicklung (SPCPD)<\/em>. Doch die Machtbefugnisse dieser beiden Instanzen blieben vage und, problematischer noch, deren finanzielle Ausstattung vom Goodwill der Zentralregierung in Manila abh&auml;ngig.<\/p><p>Bereits Anfang Oktober 1996, nur einen Monat nach Unterzeichnung des Friedensabkommens, wurde in einer entsprechenden Exekutivorder aus dem Pr&auml;sidentenpalast Malaca&ntilde;ang verf&uuml;gt, dass Fragen der Finanzhoheit und Ressourcenzuteilung f&uuml;r ARMM und SPCPD k&uuml;nftig exklusiv der Regierung in Manila obl&auml;gen, die MNLF mithin ausgehebelt und ihr Restvertrauen innerhalb des auf genuine Selbstbestimmung bedachten Teils der Moro-Bev&ouml;lkerung verspielt wurde. Gefolgsleute von einst ziehen Misuari nunmehr der Kapitulation vor, da er sich darauf eingelassen hatte, dass laut der Vereinbarung vom 2. September 1996 k&uuml;nftige Unstimmigkeiten und Probleme bei der Umsetzung des Friedensabkommens <em>im Rahmen<\/em> der Verfassung und Rechtsprechung der Republik der Philippinen zu l&ouml;sen seien.<\/p><p>Anstelle der MNLF und Nur Misuari trat fortan die <em>Moro Islamic Liberation Front<\/em> (MILF) unter ihrem Vorsitzenden <em>Hashim Salamat<\/em>, der an Kairos altehrw&uuml;rdiger Al-Azhar Universit&auml;t ausgebildet worden war, als Hauptprotagonist der Moro-Anliegen in Erscheinung. Ihr erkl&auml;rtes Ziel war es, den Moro-Widerstand nach dem &bdquo;Tripolis-Desaster&ldquo; zu revitalisieren und am Selbstbestimmungsrecht der Moros festzuhalten. 1978 trat die MILF, die sich nach der Unterzeichnung des Tripolis-Abkommens von der MNLF abgespalten hatte, erstmals &ouml;ffentlich in Erscheinung und avancierte seitdem zur bedeutendsten Organisation des Moro-Widerstands. Die Regierung bezifferte die Zahl ihrer Kombattanten, der <em>Bangsamoro Islamic Armed Forces<\/em> (BIAF), in jenen Tagen auf circa 12.500 Mann.<\/p><p>Die MILF konzentrierte sich auf den Aufbau beziehungsweise die St&auml;rkung sektoraler Organisationen in der Region und unterhielt bis zum Fr&uuml;hjahr 2000 insgesamt 46 &uuml;ber ganz Mindanao verstreute sogenannte <em>Camps<\/em>, bei denen es sich allerdings um selbstverwaltete Gemeinwesen handelte. Am 9. Juli 2000 nahm das philippinische Milit&auml;r nach einer milit&auml;rischen Gro&szlig;offensive das Hauptquartier der MILF, <em>Camp Abubakar (Provinz Maguindanao)<\/em>, ein, und im Gegenzug verk&uuml;ndete ihr Vorsitzender Salamat den <em>jihad<\/em>. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Im Unterschied zur langj&auml;hrig autokratischen F&uuml;hrung der MNLF praktizierte die MILF einen kollektiven F&uuml;hrungsstil und hielt nach wie vor am strategischen Konzept eines unabh&auml;ngigen Bangsa-Moro-Staates fest. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/p><p><strong>MILF versus MNLF und Abu Sayyaf<\/strong><\/p><p>Eine Folge langj&auml;hriger Peripherisierung, Pauperisierung und Marginalisierung der muslimischen Bev&ouml;lkerung einerseits und des politischen Kotaus der MNLF andererseits war aber auch das Entstehen solcher Gruppen wie der <em>Abu Sayyaf<\/em> (ASG). [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Da ihre Gr&uuml;nder in Afghanistan zur Zeit der sowjetischen Okkupation (1979-89) gek&auml;mpft hatten, wurden ihr Kontakte zu <em>Osama bin Laden<\/em> und <em>al-Qaida<\/em> nachgesagt sowie zu <em>Ramzi Ahmed Yousef<\/em> (auch Ramsi Ahmed Yussef geschrieben), der wegen des Anschlags am 26. Februar 1993 auf das <em>World Trade Center<\/em> in New York verurteilt worden war. Ende der 1980er-Jahre nach erfolglosen Friedensverhandlungen Nur Misuaris mit Pr&auml;sidentin <em>Corazon C. Aquino<\/em> (1986-92) entstanden, rekrutierte die ASG Mitglieder mit Kampferfahrungen in Afghanistan haupts&auml;chlich auf der Insel Basilan. In den 1990er-Jahren machte die Gruppe durch diverse Terroranschl&auml;ge gegen &ouml;ffentliche Einrichtungen (z.B. Kirchen, Passagierschiffe und Kaufh&auml;user) und Zivilisten sowie durch Erpressung und Kidnapping reicher in- wie ausl&auml;ndischer Gesch&auml;ftsleute auf sich aufmerksam. International bekannt wurde die ASG im Jahre 2000, als es ihr gelang, von der ostmalaysischen Insel Sipadan aus mehrere westliche Touristen auf die Insel Jolo zu entf&uuml;hren &ndash; darunter auch die G&ouml;ttinger Familie Wallert &ndash; und nach deren mehrmonatiger Geiselhaft L&ouml;segelder in H&ouml;he von nahezu einer Milliarde Peso (damals rund 50 Millionen DM) zu erpressen. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Seitdem hatte die philippinische Regierung die Existenz und das Treiben der ASG wiederholt f&uuml;r ihre politischen Zwecke einzuspannen versucht, was auf dem H&ouml;hepunkt der Jolo-Geiselnahme im philippinischen Senat auf Kritik gesto&szlig;en war.<\/p><p>Am 8. Mai 2000 hielt Senator Aquilino Pimentel in seinem und im Namen der anderen beiden aus Mindanao stammenden Senatoren, Teofisto F. Guingona und Robert Z. Barbers, eine in dreifacher Hinsicht bemerkenswerte Rede im philippinischen Senat. Erstens handelte es sich um eine partei&uuml;bergreifende Stellungnahme. Zweitens attackierte sie scharf den von Pr&auml;sident Joseph E. Estrada kurz zuvor proklamierten <em>&bdquo;totalen Krieg&ldquo;<\/em> gegen den Moro-Widerstand in Zentralmindanao. Schlie&szlig;lich enthielt sie Pikantes zur Abu Sayyaf. In dieser mit <em>&bdquo;Stop Hostilities for the People&rsquo;s Sake&ldquo;<\/em> betitelten Stellungnahme hie&szlig; es auszugsweise:<\/p><blockquote><p>&bdquo;(&hellip;) Die MILF und Abu Sayyaf st&auml;ndig zusammenzuw&uuml;rfeln, als handele es sich um ein und denselben Hund mit unterschiedlichen Halsb&auml;ndern, ist unstatthaft. Die MILF hat eine politische Agenda. Die Abu Sayyaf ist eine durch und durch kriminelle Vereinigung. Die MILF k&auml;mpft daf&uuml;r, die eigene Kultur, Religion und Identit&auml;t zu wahren. Abu Sayyaf k&auml;mpft hingegen, um ihre Verbrechen in ein Business zu verwandeln, von dem einzig diese Gruppe profitiert. Abu-Sayyaf-K&auml;mpfer wurden urspr&uuml;nglich als freiwillige Mudschahedin rekrutiert, um im amerikanischen Stellvertreterkrieg in Afghanistan in den fr&uuml;hen 1980er-Jahren zu dienen. (&hellip;) Finanzielle und logistische Unterst&uuml;tzung erhielt Abu Sayyaf von US-Undercover-Agenten &ndash; mit eventueller Verbindung zur CIA. Osama bin Laden k&ouml;nnte dabei den Hauptkurier gespielt haben, was entweder die finanzielle Unterst&uuml;tzung oder Waffenlieferung an Abu Sayyaf oder gar beides betrifft.&ldquo; (&Uuml;bersetzung: RW)<\/p><\/blockquote><p>Fazit der Senatoren: Widerstandsk&auml;mpfer werden von einflussreichen politischen Kr&auml;ften zuerst kreiert und politisch instrumentalisiert, um im Bedarfsfall als Terroristen abgestempelt und verteufelt zu werden.<\/p><p><strong>Milit&auml;rstrategische und regionalpolitische Kalk&uuml;le im Kontext des &bdquo;Antiterrors&ldquo;<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Manila jedenfalls bedeuteten das Geiseldrama von 2000 und all die damit zusammenh&auml;ngenden Aspekte tats&auml;chlich oder vermeintlich bedrohter nationaler Sicherheit eine noch engere Anbindung an die alte Kolonialmacht USA. Dies zeigte sich auff&auml;llig in dem innigen Verh&auml;ltnis, das Estradas Nachfolgerin, Pr&auml;sidentin <em>Gloria Macapagal-Arroyo (2001-10)<\/em>, mit dem zeitgleich (Ende Januar 2001) ins Wei&szlig;e Haus eingezogenen US-Pr&auml;sidenten George W. Bush pflegte. Vor allem einte beide der Kampf gegen den Terror &ndash; erst recht nach den Anschl&auml;gen vom 11. September 2001 und der am 6. M&auml;rz 2007 erfolgten Unterzeichnung des <em>Anti-Terror Bill<\/em>, der in Manila besch&ouml;nigend <em>Human Security Act of 2007<\/em> genannt wird.<\/p><p>Bush lie&szlig; unmittelbar nach den Anschl&auml;gen in New York und Washington die ASG auf die erste Liste von 27 weltweit operierenden Terrororganisationen setzen. Und Frau Arroyos erster Staatsbesuch in den USA im November 2001 f&uuml;hrte &uuml;ber die sofortige Bereitstellung von Wirtschafts- und Finanzhilfen sowie milit&auml;rischer Soforthilfe in H&ouml;he von knapp 100 Millionen US-Dollar hinaus zur verst&auml;rkten Zusammenarbeit der Streitkr&auml;fte beider L&auml;nder.<\/p><p>Auf der Basis des seit August 1951 existierenden <em>Gemeinsamen Verteidigungspakts (Mutual Defense Treaty)<\/em>, des am 1. Juni 1999 in Kraft getretenen <em>Visiting Forces Agreement (VFA)<\/em> und des nach 9\/11 in Geheimverhandlungen ausgearbeiteten <em>Mutual Logistics Support Agreement (MLSA)<\/em> wurden seit Jahresbeginn 2002 zahlreiche US-amerikanisch-philippinische Milit&auml;roperationen auf Basilan, Jolo und in Zentralmindanao durchgef&uuml;hrt. Stets wurde betont, diese Man&ouml;ver richteten sich priorit&auml;r gegen die Abu Sayyaf. Seit Januar 2002 gaben sich in Manila auch hochrangige US-amerikanische Politiker, Geheimdienststrategen und Milit&auml;rs buchst&auml;blich die Klinke in die Hand, um ein regionales Krisenmanagement zu koordinieren.<\/p><p>F&uuml;r die Bush-Administration war S&uuml;dostasien &ndash; so w&ouml;rtlich &ndash; die <em>&bdquo;neue Zufluchtsst&auml;tte f&uuml;r Terroristen&ldquo; (&bdquo;new haven for terrorists&ldquo;)<\/em>. Und dort sind und bleiben die Philippinen als ehemalige Kolonie auch in postkolonialen Zeiten der verl&auml;sslichste Br&uuml;ckenkopf. Aus Afghanistan, erl&auml;uterte CIA-Direktor George Tenet dem <em>U.S. Senate Armed Services Committee<\/em> Ende M&auml;rz 2002, h&auml;tten sich etliche Al-Qaida-K&auml;mpfer und Gefolgsleute Osama bin Ladens in die Philippinen, nach Malaysia und Indonesien abgesetzt, deren K&uuml;stenstreifen nicht ausreichend kontrolliert w&uuml;rden. Um ebendiese Kontrolle zu erh&ouml;hen und den &bdquo;Kampf gegen den internationalen Terror robust zu f&uuml;hren&ldquo;, war kurz zuvor FBI-Direktor Robert Mueller in die Hauptst&auml;dte Manila, Kuala Lumpur und Jakarta gereist.<\/p><p>Konkret ging es um die Stationierung US-amerikanischer Truppenverb&auml;nde vor Ort, um sowohl an der &bdquo;S&uuml;dflanke&ldquo; Chinas (dem in der Sicht Washingtons, langfristig betrachtet, gr&ouml;&szlig;ten strategischen Rivalen) als auch nahe der Stra&szlig;e von Malakka (zwischen Malaysia, Singapur und Indonesien) pr&auml;sent zu sein. Hierbei handelte und handelt es sich um die strategisch bedeutsamste Seeroute in S&uuml;dostasien, &uuml;ber die nahezu die komplette &Ouml;l- und Gasversorgung aus dem Nahen und Mittleren Osten f&uuml;r die Boom&ouml;konomien Ostasiens erfolgt und &uuml;ber die in umgekehrter Richtung der L&ouml;wenanteil deren Exporte transportiert wird. Eine Sperrung der Stra&szlig;e von Malakka infolge terroristischer Angriffe auf mit Fl&uuml;ssiggas beladene Frachter oder das Sprengen von &Ouml;ltankern gilt als Horrorvorstellung &ndash; mit desastr&ouml;sen Folgen f&uuml;r die globale &Ouml;konomie und &Ouml;kologie. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p><strong>Erneut ein schwerer R&uuml;ckschlag f&uuml;r den Frieden<\/strong><\/p><p>Zwischenzeitlich war es auf Vermittlung und unter der &Auml;gide der malaysischen Regierung zu Friedensgespr&auml;chen zwischen der philippinischen Regierung und der MILF in Kuala Lumpur gekommen, nachdem man sich zuvor &uuml;ber ein Waffenstillstandsabkommen verst&auml;ndigt hatte. Um dieses zu &uuml;berwachen und als Mediator bei den laufenden Friedensverhandlungen zu wirken, hatte sich Malaysia zudem bereit erkl&auml;rt, in der s&uuml;dphilippinischen Stadt Cotabato den Vorsitz eines dort eingerichteten <em>International Monitoring Team (IMT)<\/em> zu &uuml;bernehmen. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Nach langwierigen Verhandlungsrunden schien man im Sommer 2008 endlich einen Durchbruch erzielt zu haben. Jedenfalls verk&uuml;ndete die philippinische Pr&auml;sidentin in ihrer Rede <em>Zur Lage der Nation<\/em> Ende Juli 2008, eine Friedensvereinbarung mit der MILF sei zum Greifen nahe und noch vor Ablauf ihrer Amtszeit Ende Juni 2010 werde es im S&uuml;den des Landes endlich dauerhaft Frieden geben.<\/p><p>Der 5. August 2008 h&auml;tte in dieser Hinsicht ein historischer Tag sein k&ouml;nnen. Bereits am 27. Juli war unter der Schirmherrschaft Malaysias von Vertretern Manilas und der MILF endlich das sogenannte <em>Memorandum of Agreement on Ancestral Domain (MoA-AD)<\/em> ausgehandelt worden. An jenem 5. August, so sah es die Etikette vor, sollte es in einer feierlichen Zeremonie unterzeichnet werden. Die Vertragspartner und hohe geladene ausl&auml;ndische G&auml;ste, unter ihnen die in Manila akkreditierten Botschafter der USA, Australiens und Japans sowie der Sonderemiss&auml;r der <em>Organisation der Islamischen Kooperation (OIC)<\/em>, weilten bereits in der malaysischen Metropole Kuala Lumpur, als der Oberste Gerichtshof der Philippinen im letzten Moment qua einstweiliger Verf&uuml;gung die offizielle Vertragsunterzeichnung vereitelte.<\/p><p>Ein h&ouml;chst ungew&ouml;hnlicher Vorgang in der Geschichte internationaler Diplomatie. Das Gericht in Manila begr&uuml;ndete seinen Schritt damit, es m&uuml;sse pr&uuml;fen, ob kurzfristig eingereichten Petitionen philippinischer Regionalpolitiker und Gesch&auml;ftsleuten, das MoA-AD versto&szlig;e gegen geltendes Recht und sei nicht verfassungskonform, stattzugeben sei. Eine Auffassung, die das Gericht letztlich in seinem abschlie&szlig;enden, mit acht zu sieben Stimmen denkbar knappen Urteil vom 14. Oktober 2008 best&auml;tigte.<\/p><p>Die neu-alte Pattsituation lenkte rasch Wasser auf die M&uuml;hlen jener Kr&auml;fte, denen Verhandlungen eh suspekt waren und die sich bitter entt&auml;uscht dar&uuml;ber zeigten, dass trotzdem keine greifbaren Ergebnisse erzielt wurden. Bereits Mitte August 2008 lieferten sich Einheiten der AFP und der BIAF zun&auml;chst Scharm&uuml;tzel, dann offene Gefechte. W&auml;hrend in Manila die Nationalpolizei in h&ouml;chste Alarmbereitschaft versetzt wurde, da man Anschl&auml;ge der MILF gegen &ouml;ffentliche Einrichtungen bef&uuml;rchtete, weiteten sich die Kampfhandlungen in Mindanao weiter aus. Am 21. August sprach das <em>Weltern&auml;hrungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP)<\/em> von &uuml;ber 220.000 Menschen, die angesichts der Kampfhandlungen auf der Flucht waren. Bis zur Jahreswende 2008\/09 wurden die Zahlen st&auml;ndig nach oben &ndash; bis ann&auml;hernd 600.000 Personen &ndash; korrigiert, w&auml;hrend die Sicherheitsvorkehrungen f&uuml;r in- wie ausl&auml;ndisches Hilfspersonal laut Stephen Anderson, dem WFP-Repr&auml;sentanten im Lande, drastisch erh&ouml;ht werden mussten.<\/p><p>Wut und tiefe Entt&auml;uschung machten sich unter den Bef&uuml;rwortern des MoA-AD breit. Vor allem die zahlreichen um Ausgleich und Frieden bem&uuml;hten Nichtregierungsorganisationen auf Mindanao hatten im MoA-AD endlich einen Silberstreif am Horizont ausgemacht, um wenigstens die jahrelangen milit&auml;rischen Auseinandersetzungen im Interesse der Zivilbev&ouml;lkerung zu deeskalieren. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Der stets um Contenance bem&uuml;hte Chefunterh&auml;ndler der MILF, Mohagher Iqbal, hatte gro&szlig;e M&uuml;he, nicht aus der Haut zu fahren:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die philippinische Regierung muss sich sch&auml;men, sich vor Vertretern der internationalen Gemeinschaft derma&szlig;en blamiert zu haben. Selbst der Gastgeber, die Regierung Malaysias, hat dem MoA-AD vollumf&auml;nglich zugestimmt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dieses, so Iqbal weiter, sei schlie&szlig;lich einvernehmlich ausgehandelt und vereinbart worden und deshalb auch bindend. F&uuml;r Nachbesserungen sehe die MILF-F&uuml;hrung keinen Handlungsbedarf.<\/p><p>Anders sah das die Regierung in Manila. Hatte Pr&auml;sidentin Arroyo noch Ende Juli 2008 ihrem Verhandlungsteam in Malaysia gr&uuml;nes Licht gegeben, das MoA-AD zu unterzeichnen, schlug sie nach dem Fiasko in Kuala Lumpur wieder harsche T&ouml;ne an. Nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates k&uuml;ndigte sie in ihrer gleichzeitigen Eigenschaft als AFP-Oberkommandierende an, &bdquo;jeden Zoll philippinischen Territoriums&ldquo; entschlossen zu verteidigen. Auf einmal agierte man in Manila gem&auml;&szlig; der Maxime, mit bewaffneten Gruppierungen lediglich im Kontext ihrer <em>&bdquo;Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration&ldquo;<\/em> zu verhandeln. Weitere Gespr&auml;che mit der MILF f&auml;nden nur statt, wenn man das MoA-AD grundlegend &uuml;berdenke und dar&uuml;ber neu verhandele. Eine Position, die kritische Medienvertreter, Menschenrechtsanw&auml;lte und Nichtregierungsorganisationen als inakzeptabel betrachteten und darauf verwiesen, dass &bdquo;Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration&ldquo; den Schlussakkord eines Friedensprozesses bildeten, nicht aber zu dessen Vorbedingungen gemacht werden k&ouml;nnten.<\/p><p>So kritisierte beispielsweise der Kolumnist Neal Cruz in der landesweit auflagenst&auml;rksten Tageszeitung <em>Philippine Daily Inquirer<\/em> am 6. August 2008, einen Tag nach der gescheiterten Unterzeichnung des MoA-AD, Manilas Motive als &bdquo;hinterh&auml;ltig und niedertr&auml;chtig&ldquo;:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn das MoA-AD nicht implementiert wird, kann die MILF mit gutem Recht sagen, dass die Regierung in schlechter Absicht handelte, und sie kann notfalls sogar die Unabh&auml;ngigkeit erkl&auml;ren, da sie &uuml;ber s&auml;mtliche Elemente verf&uuml;gt, die einen Staat auszeichnen: Regierung, Volk, Territorium und internationale Anerkennung. (&hellip;) Was soll denn das, erst nach einem ausgehandelten Abkommen wolle man Konsultationen abhalten? Solche werden normalerweise vor einem Abkommen durchgef&uuml;hrt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Durchbruch nach politischem Tauziehen<\/strong><\/p><p>Die Friedensverhandlungen scheiterten nach der abgebrochenen formellen Unterzeichnung des MOA-AD. Feindseligkeiten flammten wieder auf, wodurch mindestens 600.000 Menschen vertrieben wurden. Das in Genf ans&auml;ssige <em>Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC)<\/em> bezeichnete in seinem Bericht vom April 2009 die Binnenvertreibung von 600.000 Einwohnern in Mindanao im Jahr 2008 aufgrund erneuter Gefechte zwischen der Regierung und der MILF als &bdquo;die weltweit gr&ouml;&szlig;te neue Vertreibung&ldquo; unter den insgesamt 4,2 Millionen registrierten Vertriebenen in jenem Jahr.<\/p><p>Die Regierung verk&uuml;ndete am 23. Juli 2009 eine Aussetzung der Milit&auml;roperationen, woraufhin die MILF ebenfalls ihre milit&auml;rischen Aktionen einstellte. Die Friedensgespr&auml;che wurden jedoch erst im Dezember 2009 offiziell wieder aufgenommen, diesmal in Anwesenheit der <em>Internationalen Kontaktgruppe<\/em>, die sich aus Vertretern von Regierungen und internationalen Nichtregierungsorganisationen zusammensetzte.<\/p><p>W&auml;hrend der neunj&auml;hrigen Amtszeit der Regierung Arroyo wurde kein Friedensabkommen unterzeichnet. Ihr Nachfolger <em>Benigno Simeon Aquino III.<\/em> (2010-16) war der vierte Pr&auml;sident (Ramos &ndash; Estrada &ndash; Arroyo &ndash; Aquino), dem die Verantwortung f&uuml;r den Abschluss eines Friedensabkommens mit der MILF &uuml;bertragen worden war, und der sechste Pr&auml;sident (Marcos Sr. &ndash; Cory Aquino &ndash; Ramos &ndash; Estrada &ndash; Arroyo &ndash; Aquino), der die Umsetzung des Tripolis-Abkommens von 1976 und des endg&uuml;ltigen Friedensabkommens von 1996 mit der MNLF zum Abschluss bringen sollte. Aquino versprach, den Bangsamoro-Friedensprozess nicht an die n&auml;chste Regierung weiterzugeben.<\/p><p>Unter Abweichung vom Protokoll flogen Aquino und wichtige Kabinettsmitglieder am 4. August 2011 ins japanische Narita, um sich dort mit dem neuen <em>MILF-Vorsitzenden Ahod Balawag Ebrahim<\/em> &ndash; besser bekannt unter dem Namen <em>Al Haj Murad<\/em> Ebrahim &ndash; und Mitgliedern des MILF-Zentralkomitees zu treffen. Man wolle, so hie&szlig; es in Narita unisono, den Friedensprozess beschleunigen mit dem Ziel, bis 2013 ein Abkommen zu unterzeichnen, damit die Umsetzung in den folgenden drei Jahren bis zu Aquinos Ausscheiden aus dem Amt am 30. Juni 2016 erfolgen k&ouml;nnte.<\/p><p>Am 12. Oktober 2012 und 27. M&auml;rz 2014 wurde tats&auml;chlich sowohl das <em>Rahmenabkommen &uuml;ber die Bangsamoro (FAB)<\/em> als auch das <em>Umfassende Abkommen &uuml;ber die Bangsamoro (CAB)<\/em> vereinbart. Im <em>FAB<\/em> hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Einer der wichtigsten Schritte zur Ver&auml;nderung der gegenw&auml;rtigen Situation ist die Gr&uuml;ndung der &sbquo;Bangsamoro&lsquo; &ndash; der neuen autonomen politischen Einheit in Mindanao. Die Bangsamoro wird &uuml;ber die notwendigen Befugnisse verf&uuml;gen, um ihre eigene Regierung zu f&uuml;hren, einschlie&szlig;lich der Befugnisse, die f&uuml;r die Besteuerung, die Nutzung von Geldern und die Schaffung von Wohlstand sowie die Aufteilung der Einnahmen aus der Nutzung, Entwicklung und Ausbeutung der nat&uuml;rlichen Ressourcen in ihrem Gebiet erforderlich sind.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das <em>CAB<\/em> umfasst ohne Anh&auml;nge f&uuml;nf Seiten und gilt als das endg&uuml;ltige Friedensabkommen zwischen der Regierung in Manila und der MILF. Daraufhin erfolgten im Kongress hitzige Debatten &uuml;ber ein <em>Bangsamoro-Grundgesetz (BBL)<\/em> samt eines <em>Bangsamoro-Organisationsgesetzes (BOL)<\/em> mit der Ma&szlig;gabe, &uuml;ber deren Annahme letztlich qua Plebiszit eine Entscheidung herbeizuf&uuml;hren. Doch die Trag&ouml;die von <em>Mamasapano<\/em> am 25. Januar 2015 machte deren Verabschiedung unm&ouml;glich. An jenem Sonntag kamen 44 Angeh&ouml;rige der <em>Special Action Forces (SAF)<\/em> der philippinischen Nationalpolizei, 17 Mitglieder der <em>Bangsamoro Islamic Armed Forces (BIAF)<\/em> der MILF sowie f&uuml;nf Zivilisten ums Leben. Die SAF hatte es nicht f&uuml;r n&ouml;tig erachtet, sich in fraglichem Gebiet auf Mindanao mit der Gegenseite abzustimmen, als es darum ging, den mit internationalem Haftbefehl gesuchten <em>Zulkifli Abdhir<\/em> festzunehmen. Ein Desaster f&uuml;r die Aquino-Administration, von dem sich der Pr&auml;sident nicht mehr politisch erholen sollte.<\/p><p>Aquinos Nachfolger <em>Rodrigo R. Duterte<\/em> (2016-22), der als Pr&auml;sidentschaftskandidat versprochen hatte, die Friedensabkommen einzuhalten, war es schlie&szlig;lich verg&ouml;nnt, das BOL am 27. Juli 2018 als <em>Republic Act 11054<\/em> unter Dach und Fach zu bringen und somit die Formierung der neuen <em>Bangsamoro Autonomen Region im Muslimischen Mindanao (BARMM)<\/em> zu erm&ouml;glichen. Es wurde in zwei Referenden im 21. Januar und 6. Februar 2019 best&auml;tigt, woraufhin die staatliche <em>Wahlkommission (COMELEC)<\/em> die Ratifizierung des <em>BOL<\/em> bekannt gab, welches nunmehr die Provinzen Basilan (ohne Isabela City), Sulu, Tawi-Tawi sowie Maguindanao einschlie&szlig;lich Cotabato City sowie Lanao del Sur umfassen sollte.<\/p><p>Im Februar 2019 ernannte Duterte die Mitglieder einer 80-k&ouml;pfigen <em>Bangsamoro Transition Authority (BTA)<\/em>, die mit der Verwaltung der BARMM w&auml;hrend der &Uuml;bergangsphase betraut ward, die urspr&uuml;nglich am 30. Juni 2022 enden sollte. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Doch diese &Uuml;bergangsphase wurde aufgrund administrativer, technischer sowie juristischer Probleme zun&auml;chst bis zum 30. Juni 2025 verl&auml;ngert, dann erneut bis zum 30. Oktober 2025 und schlie&szlig;lich bis zum 30. Oktober 2026. Damit verz&ouml;gerten sich nat&uuml;rlich ebenfalls die avisierten ersten Parlamentswahlen in BARMM von Mai 2022 auf Mai 2025, dann auf Oktober 2025 und schlie&szlig;lich auf den 14. September 2026!<\/p><p><strong>Quo vadis BARMM?<\/strong><\/p><p>Diese Aufsch&uuml;be sch&uuml;rten nicht nur Frustrationen, sie waren auch (mit-)verantwortlich f&uuml;r das Aufkommen von Dissens und Widerstand inner- wie au&szlig;erhalb der MILF-F&uuml;hrung. Hatte sich diese einst als Abspaltung von der MNLF konstituiert, so waren es nunmehr Ex-MILF-Feldkommandeure, die als <em>Bangsamoro Islamic Freedom Movement (BIFM)<\/em> mitsamt ihrem bewaffneten Arm in Gestalt der <em>Bangsamoro Islamic Freedom Fighters (BIFF)<\/em> opponierten und der MILF-F&uuml;hrung vorwarfen, den Kampf f&uuml;r vollst&auml;ndige Unabh&auml;ngigkeit preisgegeben und sich stattdessen mit der Zentralregierung in Manila arrangiert zu haben. Gleichzeitig mach(t)en wirtschaftlich wie politisch potente Siedlerfamilien keinen Hehl daraus, dass sie die BARMM nicht widerstandslos tolerieren (werden). Eine gro&szlig;e Unbekannte ist und bleibt das Potenzial einer politisierten und radikalisierten Moro-Jugend, f&uuml;r die die Zerst&ouml;rung von Marawi City im Jahre 2017 traumatisch nachwirkt und von der ein Teil den Treueeid auf den <em>Islamischen Staat (IS)<\/em> geschworen und sich in dschihadistischen Gruppierungen formiert hat.<\/p><p>F&uuml;r gro&szlig;e Irritation sorgten direkte Regierungsinterventionen in die Angelegenheiten des interimistischen BTA-Ministerpr&auml;sidenten. Anfang M&auml;rz 2025 wurde der damalige Interimsministerpr&auml;sident der BARMM, Ahod Balawag Ebrahim, auf Dr&auml;ngen der Marcos-Administration unzeremoniell seines Amtes enthoben und durch den dritth&ouml;chsten Mann in der Hierarchie der MILF-F&uuml;hrung ersetzt &ndash; n&auml;mlich <em>Abdulraof Macacua<\/em> alias <em>Sammy Gambar<\/em>. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Gambar war fr&uuml;her Chef der <em>Bangsamoro Islamic Armed Forces (BIAF)<\/em>, des milit&auml;rischen Arms der MILF. Vor seiner Ernennung zum neuen Interimsministerpr&auml;sidenten war er Interimsgouverneur der neu geschaffenen Provinz Maguindanao del Norte, die aus der urspr&uuml;nglichen Provinz Maguindanao hervorgegangen war. Anschlie&szlig;end wurde unter der &Auml;gide Macacuas eine regionale Version der politischen Partei von Pr&auml;sident Marcos aus der Taufe gehoben. So ward erfolgreich ein Keil in die MILF-F&uuml;hrung getrieben, was zwangsl&auml;ufig dazu f&uuml;hrte, dass einige ihrer Spitzenpolitiker aufgrund winkender Pfr&uuml;nde und Posten die Seiten wechselten.<\/p><p>Anfang dieses Monats dann konterte das Zentralkomitee der MILF seinerseits und enthob Macacua seines Amtes als Chef der BIAF, nachdem er bereits im Juni auf unbestimmte Zeit suspendiert worden war. [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Mit ihm mussten &uuml;ber 40 weitere Feldkommandeure, stellvertretende Befehlshaber sowie Offiziere der mittleren F&uuml;hrungsebene demissionieren. Als Grund nannte das MILF-Zentralkomitee &bdquo;Ungehorsam und Befehlsverweigerung&ldquo;. Die Entlassung Macacuas und der anderen Kommandanten erfolgte vor einer gro&szlig;en Zahl von MILF-Mitgliedern und -Anh&auml;ngern, darunter auch schwer bewaffnete K&auml;mpfer, im Hauptquartier der Front in Camp Darapanan, Sultan Kudarat, Maguindanao del Norte.<\/p><p>In seiner Rede w&auml;hrend dieser Versammlung rief Ebrahim in seiner Eigenschaft als MILF-Vorsitzender und gleichzeitiger Spitzenkandidat der <em>United Bangsamoro Justice Party (UBJP)<\/em> bei den ersten Parlamentswahlen zur BARMM am 14. September zu Geschlossenheit auf. Anstelle von Macacua &uuml;bernahm er auch das Oberkommando &uuml;ber die BIAF, einen Posten, den er bereits fr&uuml;her, bevor der zum MILF-Chef avancierte, bekleidet hatte. Die UBJP ist eine von insgesamt 13 Parteien, die sich am 14. September zur Wahl stellen.<\/p><p>Lie&szlig;en sich indes &ndash; s&auml;mtlichen Unbilden zum Trotz &ndash; die Konflikte im S&uuml;den der Philippinen infolge der Wahlen dauerhaft politisch l&ouml;sen, f&uuml;hrte das auch zu sp&uuml;rbaren sozio&ouml;konomischen Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen f&uuml;r die Menschen in dieser Region. Dann n&auml;mlich k&ouml;nnte die Umsetzung einer ambitionierten Regionalkooperation an Konturen gewinnen, deren Grundz&uuml;ge bereits Mitte der 1990er-Jahre in Form des <em>BIMP-EAGA (Brunei-Indonesia-Malaysia-Philippines\/East Asian Growth Area)<\/em> konzipiert worden waren.<\/p><p><small>Titelbild: Titelbild: em_concepts\/shuttestock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Rainer Werning<\/strong> ist u.a. Co-Herausgeber der B&uuml;cher <em>Voices From Moro Land. Perspectives from Stakeholders and Observers on the Conflict in the Southern Philippines<\/em> (zusammen mit Peter Kreuzer) Petaling Jaya, Selangor, Malaysia, 2007: Strategic Information and Research Development Centre &amp; <em>Conflict in Moro Land &ndash; Prospects for Peace?<\/em> (zusammen mit Arndt Graf &amp; Peter Kreuzer), Pulau Pinang, Malaysia 2009: Universiti Sains Malaysia Press.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/hasp.ub.uni-heidelberg.de\/journals\/soai\/article\/view\/8827\"><em>Interview mit Nur Misuari: Der vergessene Krieg in Mindanao: &bdquo;Wir geben Frieden die Maximum-Chance&rdquo;<\/em><\/a> (1996), in: s&uuml;dostasien informationen (Juni), Essen &amp; McKenna, Thomas M. (1998): <em>Muslim Rulers and Rebels: Everyday Politics and Armed Separatism in the Southern Philippines.<\/em> Berkeley: University of California Press sowie Bowring, Philip (2023): <em>The Making of the Modern Philippines: Pieces of the Jigsaw State.<\/em> London: Bloomsbury Academic.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Werning, Rainer (2000): <em>Der erkl&auml;rte Krieg. Der philippinische Pr&auml;sident Estrada will die Moros &bdquo;pulverisieren&ldquo;<\/em>, in: Freitag (Berlin), 09. Juni. &ndash; W&ouml;rtlich hatte der Pr&auml;sident mit Blick auf den Moro-Widerstand erkl&auml;rt: &bdquo;<em>We&rsquo;ll pulverize them into ashes!<\/em>&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] In einem mehrst&uuml;ndigen Interview (8. M&auml;rz 2000) mit diesem Autor sagte der MILF-Vorsitzende Hashim Salamat in seinem Hauptquartier Camp Abubakar: <em>&bdquo;Unabh&auml;ngigkeit ist kein Verhandlungsthema. Wor&uuml;ber sich verhandeln l&auml;sst, betrifft das Territorium eines eigenst&auml;ndigen Bangsa-Moro-Staates.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Abu Sayyaf ist eine Hybridkonstruktion: <em>Abu Sayaaf<\/em> hei&szlig;t &bdquo;Vater des Scharfrichters&ldquo;, <em>Abu Seyef<\/em> hingegen &bdquo;Vater des Schwertes&ldquo;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] M&uuml;hlmann, Sophie (2003): <em>Berlin zahlte eine Million Dollar L&ouml;segeld f&uuml;r Renate Wallert<\/em>, in: Die Welt, 11. Dezember 2003 &amp; Aventajado, Roberto N. (2004): <em>140 Days of Terror: In the Clutches of the Abu Sayyaf<\/em>. Pasig City (Philippines): Anvil Publications.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Siehe hierzu: Richardson, Michael (2004): <em>A Time Bomb for Global Trade: Maritime Related Terrorism in an Age of Weapons of Mass Destruction<\/em>. Singapore: Institute of Southeast Asian Studies Publications (ISEAS) &amp; Ong-Webb, Graham Gerard (ed.) (2006): <em>Piracy, Maritime Terrorism, and Securing the Malacca Straits<\/em>. Singapore: ISEAS.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Neben Malaysia geh&ouml;rten dem IMT auch Personal aus Libyen, Brunei und Japan an.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Williams, Timothy (2010): <em>The MoA-AD Debacle &ndash; An Analysis of Individuals&rsquo; Voices, Provincial Propaganda and National Disinterest<\/em>, in: Journal of Current Southeast Asian Affairs (Hamburg), 29.1: 121-144 &amp; Bredtmann, Tim (2016): <em>Der Friedensprozess auf den Philippinen und die Instrumentalisierung ethnischer und sozialer Grenzen<\/em>, in: Lutz-Auras, Ludmila\/Gottschlich, Pierre (Hrsg.): Menschen, Macht und Mauern: Fallbeispiele und Perspektiven. Wiesbaden: Springer VS, pp. 351&ndash;374.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Werning, Rainer\/Schwieger, J&ouml;rg (Hrsg.) (2025): <em>Von Marcos zu Marcos: Die Philippinen seit 1965<\/em>. Wien: Promedia Verlag.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.philstar.com\/nation\/2026\/07\/09\/2540926\/barmm-polls-dominant-political-parties-named\">https:\/\/www.philstar.com\/nation\/2026\/07\/09\/2540926\/barmm-polls-dominant-political-parties-named<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/mindanews.com\/peace-process\/2026\/08\/historic-1st-barmm-elections-debate-voters-get-preview-of-what-political-parties-stand-for\/\">https:\/\/mindanews.com\/peace-process\/2026\/08\/historic-1st-barmm-elections-debate-voters-get-preview-of-what-political-parties-stand-for\/<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/rpt\/asia-pacific\/philippines\/358-policing-bangsamoro-peace-southern-philippines\"><em>Policing the Bangsamoro: Peace in the Southern Philippines | International Crisis Group<\/em><\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/newsinfo.inquirer.net\/2298492\/milf-sacks-macacua-as-military-chief-dismisses-40-other-commanders\">https:\/\/newsinfo.inquirer.net\/2298492\/milf-sacks-macacua-as-military-chief-dismisses-40-other-commanders<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.luwaran.com\/news\/article\/3306\/milf-central-committee-indefinitely-suspends-macacua-as-biaf-chief-of-staff\"><em>MILF Central Committee indefinitely suspends Macacua as BIAF Chief of Staff<\/em><\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/rpt\/asia-pacific\/philippines\/355-peace-philippines-bangsamoros-moment-truth\"><em>Peace in the Philippines: The Bangsamoro&rsquo;s Moment of Truth | International Crisis Group<\/em><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von 1571 bis 1898 w&auml;hrte die spanische Herrschaft &uuml;ber jenen s&uuml;dostasiatischen Archipel, den sie unter dem Namen &bdquo;Philippinen&ldquo; als Kolonie in Besitz genommen hatten. Doch nur den n&ouml;rdlichen und zentralen Teil des Inselreiches vermochten die Konquistadoren unter ihre Kontrolle zu bringen. Im s&uuml;dlichen Landesteil widersetzten sich die islamisierten Gesellschaften, von den Spaniern abf&auml;llig <em>&bdquo;Moros&ldquo;<\/em> genannt,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156116\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":86992,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,171,166],"tags":[3192,3240,1055,2161,3482,1792,1564,2927,1971,1556,2376,2690],"class_list":["post-156116","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","category-terrorismus","tag-autonomie","tag-diplomatische-verhandlungen","tag-fluechtlinge","tag-friedensabkommen","tag-geiselnahme","tag-kolonialismus","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-malaysia","tag-philippinen","tag-usa","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-widerstandsbewegung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/shutterstock_1990540664.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156116","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=156116"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156116\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":156174,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156116\/revisions\/156174"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/86992"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=156116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=156116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=156116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}