{"id":156117,"date":"2026-09-11T13:00:05","date_gmt":"2026-09-11T11:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156117"},"modified":"2026-09-11T14:30:24","modified_gmt":"2026-09-11T12:30:24","slug":"25-jahre-krieg-gegen-den-terror-keine-gedenkstaette-fuer-die-mehr-als-45-millionen-toten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156117","title":{"rendered":"25 Jahre \u201eKrieg gegen den Terror\u201c &#8211; Keine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die mehr als 4,5 Millionen Toten"},"content":{"rendered":"<p>25 Jahre nach dem 11. September 2001 sind die damaligen Ereignisse in New York &bdquo;Thema des Tages&ldquo; in den Medien. Bis zu 3.000 Menschen verloren ihr Leben, als zwei Flugzeuge in die zwei T&uuml;rme des Welthandelszentrums flogen, die dann zusammenbrachen. &bdquo;Ikonische Bilder&ldquo; der ersch&uuml;tternden Ereignisse werden wieder und wieder gezeigt, auch die diesj&auml;hrige Trauerfeier am Denkmal &bdquo;Ground Zero&ldquo; wird live in alle Welt &uuml;bertragen. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>&bdquo;Sch&uuml;tzen diese Kriege &uuml;berhaupt jemanden? Welche Alternativen gibt es, und wie k&ouml;nnen wir als Nation Priorit&auml;ten setzen und in diese Alternativen investieren?&ldquo; (Stephanie Savell, Projekt &bdquo;Kosten des Krieges&ldquo;)<\/p><\/blockquote><p>Die US-Armee startete am 14. September 2001 den &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; mit der Bombardierung von Afghanistan. Es folgten Kriege gegen Irak, Libyen, Somalia, Sudan, Jemen und Syrien, Staaten und Nationen wurden verw&uuml;stet. Der israelische Staat er&ouml;ffnete &ndash; mit Unterst&uuml;tzung von USA und Partnern &ndash; nach dem 7. Oktober 2023 weitere sieben Fronten, um &bdquo;Terroristen&ldquo; zu eliminieren: Gazastreifen, Westjordanland, Libanon und erneut Jemen, Syrien, Irak und Iran.<\/p><p>Mindestens 4,5 Millionen Menschen starben in den letzten 25 Jahren dort, wo der &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; herrscht. Sie starben im Krieg und an den Folgen der &bdquo;ewigen Kriege nach dem 11. September 2001&ldquo;. Mehr als 38 Millionen Menschen wurden zu Fl&uuml;chtlingen, weil ihre Heimatl&auml;nder bombardiert und ihre Lebensgrundlagen verw&uuml;stet wurden. Ein Denkmal f&uuml;r sie gibt es nicht, und auch keine Trauerfeier. Im Gegenteil, der Krieg geht weiter.<\/p><p><strong>Der Krieg geht weiter<\/strong><\/p><p>Am 10. September 2026, einen Tag vor dem 25. Gedenktag, wird ein <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/paper\/YemenAirstrikes\">Bericht<\/a> &uuml;ber die Folgen des US-Krieges gegen Jemen ver&ouml;ffentlicht, bekannt auch als &bdquo;Armenhaus der arabischen Welt&ldquo;. Ver&ouml;ffentlicht wird der Bericht vom Projekt &bdquo;Kosten des Krieges&ldquo; an der Brown-Universit&auml;t in Rhodes Island, USA. Das Projekt dokumentiert seit 2001 die Folgen der US-gef&uuml;hrten &bdquo;Kriege gegen den Terror&ldquo;.<\/p><p>Die Informationen f&uuml;r den aktuellen Jemen-Bericht hat ein Vorort-Team der Menschenrechtsorganisation Mwatana zusammengetragen. Zahlreiche Orte, die bombardiert worden waren, wurden aufgesucht, mit 59 &Uuml;berlebenden, Familienangeh&ouml;rigen von Opfern, Rettungskr&auml;ften und anderen direkten Augenzeugen waren Interviews gemacht worden. Zwischen Dezember 2023 und Mai 2025 wurden 46 US-Luftangriffe dokumentiert, bei denen 213 Menschen get&ouml;tet und 363 verletzt worden waren, darunter 50 Kinder und 25 Frauen. Die US-Bomben zerst&ouml;rten zivile Infrastruktur, H&auml;user, Gesch&auml;fte, Bauernh&ouml;fe, Wohngebiete. Die Angriffe verletzten zudem zahlreiche Regeln und Standards des internationalen humanit&auml;ren Rechts, hei&szlig;t es in dem Bericht. Im Rahmen des US-Krieges gegen den Terror im Jemen sind demnach in den ersten 20 Jahren 12.690 Zivilisten get&ouml;tet worden. Verantwortlich seien neben den US-Angriffen nicht n&auml;her bezeichnete Kriegsparteien. Nach dem 7. Oktober 2023 gaben die USA bis zu 4,95 Milliarden US-Dollar aus, um Krieg gegen die Houthi-Bewegung (Ansarallah) im Jemen, Iran und in der ganzen Region zu f&uuml;hren.<\/p><p>Eine der &bdquo;andauernden und nachhaltigen Folgen&ldquo; der US-Angriffe auf die Zivilbev&ouml;lkerung sei der Verlust der Ern&auml;hrer von Familien, die get&ouml;tet, verletzt oder verst&uuml;mmelt worden seien. Eine weitere nachhaltige Folge der US-Bombardierungen sei die Zerst&ouml;rung der Lebensgrundlagen, wenn Bauernh&ouml;fe, Gesch&auml;fte, Fabriken, Werkst&auml;tten und kleine Unternehmen besch&auml;digt oder zerst&ouml;rt worden seien. Die v&ouml;llige oder teilweise Zerst&ouml;rung ziviler Infrastruktur versch&auml;rfe die Not der Bev&ouml;lkerung.<\/p><p><strong>Die Kosten des Krieges<\/strong><\/p><p>Das Projekt &bdquo;Kosten des Krieges&ldquo; hat seit dem 11. September 2001 pr&auml;zise die Kosten des &bdquo;Krieges gegen den Terror&ldquo; dokumentarisch erfasst. Dort spricht man von den &bdquo;immerw&auml;hrenden Kriegen nach dem 11. September&ldquo;, den &bdquo;forever wars post 9\/11&ldquo;. Das Projekt hat 38 Millionen Vertriebene aus diesen Kriegen dokumentiert, mehr als 4,5 Millionen Tote, die direkt im Krieg oder an den Folgen der Kriege gestorben sind. Die Zahlen beziehen sich auf Afghanistan, Irak, Libyen, Pakistan, Somalia, Syrien und Jemen, die Kosten des US-Finanzministerium werden demnach auf mehr als 8 Trillionen US-Dollar gesch&auml;tzt. Umgerechnet w&auml;ren das 6 Trillionen 882 Milliarden 300 Millionen Euro.<\/p><p>Die &bdquo;Kosten des Krieges&ldquo; werden in die menschlichen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen und umweltbezogenen Kosten aufgeteilt. Die auf die <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/costs\/human\">Menschen<\/a> bezogenen Kosten umfassen Zivilisten, Vertriebene, das US-Milit&auml;r, Veteranen, US-Alliierte und Sicherheitsfirmen. Die <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/costs\/economic\">wirtschaftlichen Kosten<\/a> sind unterteilt in die Kosten f&uuml;r den US-Bundeshaushalt und in weitere Kosten der US-Wirtschaft. Die <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/costs\/social-political\">sozialen und politischen Kosten<\/a> betreffen die globale Ausweitung (sogenannter) Anti-Terror-Operationen sowie die Auswirkungen f&uuml;r Menschenrechte und b&uuml;rgerliche Freiheiten. Die <a href=\"https:\/\/costsofwar.watson.brown.edu\/costs\/environmental\">umweltbezogenen Kosten<\/a> umfassen das, was am ehesten als &bdquo;Lebensgrundlagen&ldquo; beschrieben werden kann. Die Vergiftung und Zerst&ouml;rung von Luft, Wasser, Boden und mehr durch Bombardierungen, Einsatz giftiger Stoffe auch in Munition, Abfall, Reste des Milit&auml;rs, umfassende Zerst&ouml;rung von Agrarland. Umweltzerst&ouml;rung ist auch eine absichtlich eingesetzte Waffe im Krieg.<\/p><p>In einem &ouml;ffentlichen <a href=\"https:\/\/x.com\/CostsOfWar\/status\/2097363508925276618\">Brief von Stephanie Savell<\/a>, Direktorin des Projekts &bdquo;Die Kosten des Krieges&ldquo;, schreibt sie, man gedenke &bdquo;der Verw&uuml;stung, die tausende amerikanischer Familien&ldquo; durch die Anschl&auml;ge am 11. September 2001 erlebt h&auml;tten. Ebenfalls gedenke man &bdquo;der tiefgreifenden Auswirkungen der darauffolgenden, von den USA gef&uuml;hrten Kriege&ldquo;. Weiter hei&szlig;t es: &bdquo;Die Milit&auml;roperationen, die urspr&uuml;nglich im Namen dessen gestartet wurden, was Pr&auml;sident Bush als &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; bezeichnete &ndash; beginnend mit der Invasion in Afghanistan im Jahr 2001 &ndash;, erstrecken sich mittlerweile auf Dutzende von L&auml;ndern und fordern weiterhin unvorstellbare Opfer an Menschenleben. Die Trump-Regierung nutzt die Terrorismusbek&auml;mpfung weiterhin als Rechtfertigung f&uuml;r die Einleitung und Versch&auml;rfung einer Reihe von Operationen und Ma&szlig;nahmen, darunter Luftangriffe auf Schiffe in der Karibik und im &ouml;stlichen Pazifik sowie die Absetzung des venezolanischen Pr&auml;sidenten Maduro &ndash; Operationen, die im vergangenen Jahr &uuml;ber 4,7 Milliarden US-Dollar gekostet haben. Die Forschungsarbeit unseres Projekts dokumentiert nicht nur die umfassenden Kosten, sondern unterstreicht auch die Dringlichkeit, &uuml;bergeordnete Fragen zu diesen Milit&auml;roperationen zu stellen.&ldquo;<\/p><p>Ein halbes Jahr nach Beginn des aktuellen Krieges mit dem Iran m&uuml;sse man &bdquo;wichtige Lehren&ldquo; ziehen. Die Entscheidung, Krieg zu f&uuml;hren, f&uuml;hre &bdquo;&uuml;ber durch Gewalt get&ouml;tete Menschen hinaus zur Zerst&ouml;rung von Volkswirtschaften, wichtiger Infrastruktur und der Umwelt&ldquo; lange nach dem offiziellen Ende eines Krieges. Die Zahl der Toten in den Kriegsgebieten nach dem 11. September steige weiter an, &bdquo;vor allem Kinder kommen durch die Nachwirkungen des Krieges, wie etwa die Ausbreitung von Krankheiten, ums Leben&ldquo;. Die wichtigsten Fragen w&uuml;rden nicht gestellt, so Savell: &bdquo;Sch&uuml;tzen diese Kriege &uuml;berhaupt jemanden? Welche Alternativen gibt es, und wie k&ouml;nnen wir als Nation Priorit&auml;ten setzen und in diese Alternativen investieren?&ldquo;<\/p><p><strong>Der &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am 11. September waren zwei Flugzeuge in die T&uuml;rme des Welthandelszentrums in New York geflogen, die einst&uuml;rzten. Ein Flugzeug st&uuml;rzte in das Pentagon, ein viertes Flugzeug st&uuml;rzte &uuml;ber freiem Feld ab. US-Geheimdienste hatten den offenbar lange geplanten Anschlag nicht verhindert. Eine unabh&auml;ngige Aufkl&auml;rung fand nie statt.<\/p><p>Am 14. September 2001 begann die Bombardierung Afghanistans. Am <a href=\"https:\/\/youtu.be\/a1tnRhIpzqQ\">20. September 2001<\/a> erkl&auml;rte US-Pr&auml;sident <a href=\"https:\/\/www.georgewbushlibrary.gov\/research\/topic-guides\/global-war-terror\">George W. Bush<\/a> den &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; und gegen Al Qaida, die f&uuml;r den Angriff am 11. September verantwortlich gemacht wurde.<\/p><p>Am 11. Oktober 2001 sprach Bush vor dem US-Kongress von einem &bdquo;Angriff gegen die Herzen und Seelen der zivilisierten Welt&ldquo;. Die Welt komme zusammen, &bdquo;um einen neuen, anderen Krieg zu f&uuml;hren&ldquo;. Es solle der erste und, so hoffe man, &bdquo;einzige Krieg des 21. Jahrhunderts sein&ldquo;, so Bush: &bdquo;Ein Krieg gegen alle, die den Terror exportieren wollen und ein Krieg gegen die Regierungen, die diese (Anm. KL: Terroristen) unterst&uuml;tzen oder ihnen Zuflucht gew&auml;hren.&ldquo;<\/p><p>Man werde &bdquo;mit Al Qaida beginnen&ldquo;, aber der Krieg werde damit nicht enden. Jede einzelne Terrorgruppe werde &bdquo;gefunden, gestoppt und zerschlagen&ldquo;. Er habe bereits eine Liste solcher Gruppen zusammenstellen lassen, das sei aber &bdquo;erst der Anfang&ldquo;. Man werde weitere Namen hinzuf&uuml;gen, Guthaben einfrieren und damit die Finanzierung aller Terrorgruppen weltweit stoppen, so Bush. Ein entsprechendes &bdquo;Zentrum f&uuml;r die Aufsp&uuml;rung, Identifizierung und Untersuchung der finanziellen Infrastruktur internationaler Terrornetzwerke&ldquo; sei im Finanzministerium eingerichtet worden. Der Krieg werde nicht nur milit&auml;risch, sondern diplomatisch, finanziell und geheim gef&uuml;hrt, so Bush: &bdquo;Wer nicht f&uuml;r uns ist, ist gegen uns.&ldquo; Frei nach dem Motto: Alles ist erlaubt gegen die Barbaren.<\/p><p>Jahre sp&auml;ter, 2007, erkl&auml;rte General Wesley Clark a.D. in einem Interview mit dem US-Sender <em>Democracy Now<\/em>, der Pentagon-Plan nach dem 11. September 2001 sei gewesen, sieben L&auml;nder in f&uuml;nf Jahren &bdquo;auszuschalten&ldquo;: &bdquo;Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan, und Iran&ldquo; z&auml;hlte Clark auf. Das geschah und geschieht bis heute mit der Unterst&uuml;tzung von mehr als 80 Staaten in unterschiedlichen US-gef&uuml;hrten &bdquo;Anti-Terror-Allianzen&ldquo;.<\/p><p><strong>Whistleblower<\/strong><\/p><p>Die verschiedenen US-Geheimdienste und ihre befreundeten Dienste haben das Geschehen am 11. September 2001 kommen sehen. Sie probten es in Planspielen, die Personen, die die Flugzeuge besetzt und in die jeweiligen Ziele geflogen haben sollen, waren seit langem auf Beobachtungslisten von Diensten. Doch die Angriffe wurden nicht verhindert.<\/p><p>WikiLeaks sorgte seit 2006 daf&uuml;r, dass Details &uuml;ber die milit&auml;rischen &bdquo;Operationen&ldquo; der US-Armee in Afghanistan und Irak &ouml;ffentlich wurden. Die Plattform wurde von Whistleblowern kontaktiert, Soldaten der US-Armee, die eigene Berichte und Daten an WikiLeaks weiterleiteten. Der Australier Julian Assange trat mit WikiLeaks an die &Ouml;ffentlichkeit, Dutzende internationale Medien kooperierten mit der Plattform und sorgten f&uuml;r eine gro&szlig;e Verbreitung des Materials, das Kriegsverbrechen der US-Armee zeigte.<\/p><p>Auch <a href=\"https:\/\/www.disruptionlab.org\/intelligence-and-cybersurveillance\">Thomas Drake<\/a>, ein ehemaliger leitender Angestellter der National Security Agency, NSA, deckte die Vers&auml;umnisse der Geheimdienste im Zusammenhang mit den Anschl&auml;gen vom 11. September 2001 auf, als es WikiLeaks noch nicht gab. Er informierte anonym eine US-Zeitung &uuml;ber massive Betrugsf&auml;lle in Milliardenh&ouml;he, Verschwendung und Missbrauch sowie ein von Pr&auml;sident Bush genehmigtes geheimes Massen&uuml;berwachungsprogramm, das gegen die Verfassung verstie&szlig;. Er wurde identifiziert und nach dem Spionagegesetz angeklagt und musste mit einer jahrzehntelangen Haftstrafe rechnen, kam jedoch im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Gericht frei. Drake hatte lange im Milit&auml;r und in verschiedenen Geheimoperationen gedient, wie er bereits 2014 in <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/whistleblower-journalisten-und-der-nsa-skandal-100.html\"><em>Deutschlandfunk<\/em><\/a> berichtete. Heute widmet er sich der Frage, wie Privatsph&auml;re und Menschenrechte vor Machtmissbrauch gesch&uuml;tzt werden k&ouml;nnen.<\/p><p>2014 waren die Medien f&uuml;r den NSA-Skandal sensibilisiert, weil Edward Snowden, ebenfalls NSA-Mitarbeiter, sein Land verlassen und Beweise f&uuml;r die Massen&uuml;berwachung mitgenommen hatte. Den Journalisten Glenn Greenwald und Ewen MacAskill und der Filmemacherin Laura Poitras <a href=\"https:\/\/citizenfourfilm.com\/\">berichtete<\/a> er nach seiner Flucht detailliert &uuml;ber die &Uuml;berwachungsprogramme der NSA.<\/p><p>Doch &ndash; bis auf wenige &ndash; scheint die Welt das alles vergessen zu haben. Der &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; hat sich ausgeweitet und versucht, die Entstehung einer multipolaren Weltordnung zu verhindern.<\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Kognitive-Kriegsfuehrung\/1634\">Kognitive Kriegsf&uuml;hrung<\/a> &ndash; Das Ziel ist der Kopf<\/strong><\/p><p>Stimmen f&uuml;r Dialog und Frieden werden diffamiert. Das internationale Recht wird missachtet und verkommt. Medien begleiten wie Kriegstrommler und Trompeter fr&uuml;herer Heere politische Krisen und dr&auml;ngen zur Eskalation. Die Berichterstattung ist Teil einer hybriden Drohkulisse geworden. Schauplatz ist vor allem das Internet und sind die Medien. Das Ziel ist der Kopf jeder einzelnen Person, der Medien liest, h&ouml;rt, sieht.<\/p><p>Medien im virtuellen, digitalen und elektronischen Raum sind Akteure dieser &bdquo;hybriden Bedrohung&ldquo;, die die &Ouml;ffentlichkeit beeinflussen sollen. Die EU und die Bundesregierung spricht von Desinformation durch feindliche Staaten, die sich gegen Europa und gegen die &bdquo;freie, westliche, wertegeleitete&ldquo; Welt richten. Tats&auml;chlich ist allerdings diese Darstellung Teil einer Drohkulisse, die von der <a href=\"https:\/\/www.act.nato.int\/activities\/cognitive-warfare\/\">NATO<\/a> mit Beginn des &bdquo;Krieges gegen den Terror&ldquo; intensiv entwickelt wurde und wird. Der &bdquo;Krieg gegen Terror&ldquo; angeblicher Desinformation richtet sich vor allem gegen innere &bdquo;Feinde&ldquo;.<\/p><p><strong>Reflexion der Abwesenheit in New York<\/strong><\/p><p>&bdquo;Wo warst Du, wo waren Sie, als die T&uuml;rme einst&uuml;rzten&ldquo;, ist eine Standardfrage in Funk und Fernsehen, gefolgt von Erinnerungen &uuml;berlebender Augenzeugen.<\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/politik\/jahrestag-elfter-september-anschlaege-interview-100.html\">Interview<\/a> berichtet eine Journalistin, wie es war, als sie die rauchenden Tr&uuml;mmer am Tag nach dem 11. September 2001 sah: &bdquo;Als ich vor dem riesigen Tr&uuml;mmerfeld stand, ging mir pl&ouml;tzlich durch den Kopf: Wow. Das ist Krieg, so f&uuml;hlt sich also Krieg an&ldquo;, erinnert sie sich.<\/p><p>Monica Iken-Murphy, die ihren Mann verlor, als der S&uuml;dturm einst&uuml;rzte, wo er arbeitete, erinnert sich auch. Sie und ihr Mann waren seit zwei Jahren ein Paar, seit einem Jahr verheiratet. Das Leben hatte vor ihnen gelegen und wurde zerst&ouml;rt, berichtet sie in einer <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/die-frau-der-nyc-das-9-11-memorial-verdankt-monica-iken-murphy-102.html\">Radioreportage<\/a>. Als sie h&ouml;rte, dass Investoren planten, neue T&uuml;rme zu errichten, wo Hunderte Menschen gestorben waren, setzte sich Monica Iken-Murphy vehement f&uuml;r den Bau eines Denkmals ein, das schlie&szlig;lich auch gebaut wurde.<\/p><p>Zwei gro&szlig;e Wasserbecken befinden sich heute dort, wo die T&uuml;rme des Welthandelszentrums standen. Tag und Nacht str&ouml;mt Wasser in die Becken hinab, am Beckenrand sind die Namen von 2.752 Personen eingraviert, die aus den Tr&uuml;mmern tot geborgen werden konnten. Die Wasserbecken sind mit einem Park umgeben, f&uuml;r Monica Iken-Murphy ist es heute der Ort, wo sie ihrem Mann nahe sein kann. <a href=\"https:\/\/www.newyork.de\/ueber-new-york\/geschichte\/new-yorker-geschichten\/reflecting-absence\/\">Reflecting Absence<\/a>, so der Name des Denkmals. Reflexion, Nachdenken &uuml;ber die Abwesenheit.<\/p><p><strong>Kein Ort der Erinnerung f&uuml;r 4,5 Millionen Menschen<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die mehr als 4,5 Millionen Menschen, die in Folge des US-gef&uuml;hrten Krieges get&ouml;tet wurden, gibt es keine Gedenkst&auml;tte. Auch f&uuml;r die mehr als 38 Millionen Menschen, die durch die Kriege vertrieben wurden, f&uuml;r deren verw&uuml;stete D&ouml;rfer, Felder, Lebensgrundlagen gibt es kein Denkmal. Es gibt keinen Ort f&uuml;r die Erinnerung an ihre Toten, wo sie einmal in Ruhe sitzen k&ouml;nnen. Die Vertriebenen leben in Zelten, Ruinen, oft in der Illegalit&auml;t. Sie sind in Gefangenenlagern eingepfercht, in Gef&auml;ngnissen verschwunden, bei der Schleusung durch unbekannte Gebiete gestorben oder get&ouml;tet worden oder sie sind auf der &Uuml;berfahrt &uuml;ber das Mittelmeer ertrunken.<\/p><p>In Afghanistan, Irak, Libyen, Pakistan, Somalia, Syrien und Jemen geht der Krieg noch immer weiter. Und Israel, das nach dem 7. Oktober 2023 mit den USA und Verb&uuml;ndeten einen weiteren &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; erkl&auml;rt hat, hat seinen Krieg auf sieben Fronten ausgeweitet: Gazastreifen, Westjordanland, Libanon, Syrien, Jemen, Irak und Iran. Der israelische Staat mit seiner &bdquo;Verteidigungsarmee&ldquo; hat verk&uuml;ndet, &bdquo;gegen menschliche Tiere&ldquo; im pal&auml;stinensischen Gazastreifen zu k&auml;mpfen. Im s&uuml;dlichen Libanon und in Syrien hat es Haus um Haus in Dutzenden D&ouml;rfern zerst&ouml;rt und mit Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht. Der israelische Staat will auf dem fruchtbaren Boden des S&uuml;dlibanon mit seiner &bdquo;Verteidigungsarmee eine &bdquo;Pufferzone&ldquo; schaffen, um sein eigenes &bdquo;auserw&auml;hltes Volk&ldquo; zu sch&uuml;tzen.<\/p><p>Daf&uuml;r wurde eine halbe Million Menschen von ihrem Boden, aus ihren H&auml;usern, aus ihren D&ouml;rfern im S&uuml;dlibanon vertrieben. Israel begr&uuml;ndet seinen Krieg damit, dass diese Menschen sich wehren und die Hisbollah unterst&uuml;tzen. Das entspricht dem 2. Zusatzprotokoll des Genfer Abkommens, wonach die Verteidigung gegen die Besatzung durch ein rassistisches Kolonialregime &ndash; Israel &ndash; zul&auml;ssig ist. Die Hisbollah hat sich ausdr&uuml;cklich darauf berufen und greift gezielt israelische Soldaten, Panzer, Truppenverb&auml;nde an. Israel dagegen t&ouml;tet die Menschen und zerst&ouml;rt zivile Infrastruktur.<\/p><p><strong>Vom &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo; zur &bdquo;vollst&auml;ndigen Ausl&ouml;schung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ein Bekannter der Autorin berichtete Anfang August von der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=154740\">Zerst&ouml;rung ihres Familienhauses<\/a> in einem Dorf bei Bint Jbeil durch die israelische Armee. Es war das vierte Mal, dass israelische Truppen ihr Haus zerst&ouml;rten. In einer telefonischen Nachricht Ende August spricht Mustapha S., so sein Name, erneut &uuml;ber den Verlust der Familie. Bevor &bdquo;sie&ldquo; die H&auml;user zerst&ouml;rten, w&uuml;rden sie immer das Eigentum der Bewohner pl&uuml;ndern und stehlen. Er wei&szlig; es von Augenzeugen aus dem Nachbarort, er kennt die Aufnahmen von israelischen Soldaten, die sich in den K&uuml;chen der H&auml;user vergn&uuml;gen, die sie besetzten und dann in die Luft sprengten. Die Tr&uuml;mmer seines Familienhauses enthielten keine Hinweise auf Einrichtungsgegenst&auml;nde, keine Farben, sagt er, kein Sessel rage irgendwo aus den Tr&uuml;mmern hervor. Dann berichtete er &uuml;ber die Zerst&ouml;rung ihres Friedhofes.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Als wir h&ouml;rten, dass der Friedhof mit Bulldozern v&ouml;llig eingeebnet wurde, haben wir uns gefragt: Warum?!! Das stellt in jeder Religion eine schwere Verletzung gegen&uuml;ber den Verstorbenen und ihrer W&uuml;rde dar. Doch dann wurde uns klar, dass Friedh&ouml;fe im S&uuml;dlibanon eine ganz entscheidende Rolle f&uuml;r die jeweilige Dorfgemeinschaft spielen. Alle Friedh&ouml;fe in den D&ouml;rfern sind zu Fu&szlig; erreichbar. In unserem Fall kann man den Friedhof von fast &uuml;berall im Dorf sehen, da er im Tal liegt. Um ihn herum erheben sich die H&uuml;gel, und wir k&ouml;nnen buchst&auml;blich sehen, wenn jemand zum Friedhof geht. Wenn meine Tante hinuntergeht, kann ich sie von unserem Haus aus als kleine Gestalt in der Ferne sehen und wei&szlig;, dass sie das Grab unseres Gro&szlig;vaters besucht. Mit meinen Augen kann ich erkennen, wo mein Gro&szlig;vater begraben ist. Es ist Brauch, dass man, wenn man ins Dorf kommt, um die Eltern zu besuchen, zuerst den Friedhof besucht, bevor man einen Fu&szlig; ins Haus setzt. Man erweist seinen Vorfahren Respekt und geht dann erst nach Hause. Menschen, die ihre Angeh&ouml;rigen sehr vermissen, gehen schon vor Sonnenaufgang dorthin. Der Friedhof ist sehr wichtig im Leben der Dorfbewohner, hier ist auch ihre letzte Ruhest&auml;tte. Meine Eltern lebten mehr als 35 Jahre in einem arabischen Golfstaat; wir wussten immer, wo sie ihre letzte Ruhe finden, wo sie beigesetzt werden w&uuml;rden. Das ist f&uuml;r uns sehr wichtig &ndash; es ist, als h&auml;tte man im Leben ein eigenes Haus. F&uuml;r uns bedeutet diese Ruhest&auml;tte, insbesondere im eigenen Dorf, dass der eigene Name f&uuml;r die n&auml;chste Generation weiterlebt. Diesen Ort gibt es nun nicht mehr. Jetzt, nachdem der Schock etwas abgeklungen ist, wird uns klar: Das ist die vollst&auml;ndige Ausl&ouml;schung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: metamorworks \/ shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25 Jahre nach dem 11. September 2001 sind die damaligen Ereignisse in New York &bdquo;Thema des Tages&ldquo; in den Medien. Bis zu 3.000 Menschen verloren ihr Leben, als zwei Flugzeuge in die zwei T&uuml;rme des Welthandelszentrums flogen, die dann zusammenbrachen. &bdquo;Ikonische Bilder&ldquo; der ersch&uuml;tternden Ereignisse werden wieder und wieder gezeigt, auch die diesj&auml;hrige Trauerfeier am<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=156117\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":156118,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[212,171,11,166],"tags":[1194,351,1035,368,2387,1055,1494,641,951,1557,1573,1564,3208,304,1583,1052,1359,303,3399,1111,640,1553,2061,1556,1087,665,2360],"class_list":["post-156117","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gedenktagejahrestage","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","category-terrorismus","tag-1194","tag-afghanistan","tag-al-kaida","tag-bush-george-w","tag-denkmal","tag-fluechtlinge","tag-infrastruktur","tag-irak","tag-iran","tag-israel","tag-jemen","tag-krieg-gegen-den-terror","tag-kriegskosten","tag-kriegsverbrechen","tag-libanon","tag-libyen","tag-pakistan","tag-palaestina","tag-psychologische-kriegsfuehrung","tag-snowden-edward","tag-somalia","tag-syrien","tag-umweltverschmutzung","tag-usa","tag-whistleblower","tag-wikileaks-2","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/shutterstock_2667061169.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=156117"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156117\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":156148,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/156117\/revisions\/156148"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/156118"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=156117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=156117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=156117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}