{"id":15615,"date":"2013-01-03T16:47:37","date_gmt":"2013-01-03T15:47:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15615"},"modified":"2015-06-18T13:00:06","modified_gmt":"2015-06-18T11:00:06","slug":"kritik-an-israels-regierung-antisemitismus-und-die-taz-macht-bei-dieser-ublen-hatz-auf-freitag-herausgeber-augstein-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15615","title":{"rendered":"Kritik an Israels Regierung = Antisemitismus. Und die TAZ macht bei dieser \u00fcblen Hatz auf \u201eFreitag\u201c-Herausgeber Augstein mit."},"content":{"rendered":"<p>Als Fazit seiner Beobachtungen im Jahr 2012 setzte das Simon Wiesenthal Center (SWC) den deutschen Publizisten Jakob Augstein auf Platz 9 seiner Liste der &bdquo;Top Ten&ldquo;-Antisemiten und Israel-Kritiker. Vor Augstein wurden immerhin noch die &Auml;gyptische Muslimbruderschaft und das Regime des Iran platziert. Das SWC beruft sich zur Begr&uuml;ndung auf Henryk M. Broder und nennt diesen Rechtspopulisten einen &bdquo;weltweit anerkannten Experten&ldquo; f&uuml;r Antisemitismus. Die israelische Zeitung Jerusalem Post &uuml;bernimmt die Wertung des SWC. Die TAZ widmet dem Vorgang am 29. Dezember einen verst&auml;ndnisvollen Wischi-Waschi-Kommentar.<br>\nDie Auflistung Jakob Augsteins ist ein unglaublicher Vorgang. Es ist ein weiterer Versuch, Kritiker an der israelischen Politik mundtot zu machen. Das zielt auf Kritiker au&szlig;erhalb und innerhalb Israels. Wenn Augstein diese zweifelhafte Ehre mithilfe der &uuml;blen Methoden eines Broder zuteil wird, dann m&uuml;ssen auch andere Kritiker demn&auml;chst &Auml;hnliches bef&uuml;rchten. &ndash; Damit Sie sich ein Bild von dem Vorgang machen k&ouml;nnen, folgt eine Kurzdokumentation und am Ende ein erweiterter Einordnungsversuch. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol type=\"a\">\n<li><strong>Kurz-Dokumentation des Vorgangs<\/strong>\n<ol>\n<li><strong>Die offizielle Pressemitteilung des Simon Wiesenthal Center (SWC):<\/strong>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.wiesenthal.com\/atf\/cf\/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D\/TT_2012_2.PDF\">&bdquo;2012 Top Ten Anti-Semitic\/Anti-Israel Slurs [PDF &ndash; 392 KB]&ldquo;*<\/a><\/strong><br>\n(* Slurs = Verunglimpfungen)<\/p>\n<p>Auf der Top-Ten-Liste erscheint als Nr.1 der anti-semitischen\/anti-israelischen Verunglimpfer die &Auml;gyptische Muslimbruderschaft, dann als Nr. 2 das iranische Regime, unter Nummer 5, 6 und 7 drei Rechtsradikale Parteien und als Nr. 9 Jakob Augstein.<br>\nAls &bdquo;Beleg&ldquo; werden es f&uuml;nf Zitate aus Spiegel Online-Kolumnen von Jakob Augstein angef&uuml;hrt. Diese werden am Ende dann so kommentiert:<\/p>\n<blockquote><p><em>Respected Die Welt columnist Henryk M. Broder, who has testified as an expert in the Bundestag about German Anti-Semitism, labeled Augstein a &ldquo;little Streicher&rdquo; adding: &ldquo;Jakob Augstein is not a salon anti-Semite, he&rsquo;s a pure&nbsp;anti-Semite&hellip;an offender by conviction who only missed the opportunity to make his career with the Gestapo&nbsp;because he was born after the war. He certainly would have had what it takes.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Broder wird also als Experte eingef&uuml;hrt, der im deutschen Bundestag als Zeuge f&uuml;r den deutschen Antisemitismus aufgetreten sei. Broder nenne Augstein einen kleinen Streicher (Streicher war Herausgeber des &bdquo;St&uuml;rmer&ldquo;, eines &uuml;blen anti-semitischen und pornographischen Hetzblattes der Nazis). Augstein sei kein Salon-Antisemit sondern ein reiner Antisemit aus &Uuml;berzeugung. Er habe Dank sp&auml;ter Geburt nach dem Krieg die Gelegenheit verpasst, eine Karriere bei der Gestapo zu machen.<\/p>\n<p>Eigentlich m&uuml;sste schon der Vergleich mit Streicher, der Juden ausgeraubt und f&uuml;r ihre Vernichtung agitiert hatte, reichen, um die Finger von einer solchen Einordnung zu lassen und den Vorgang entsprechend zu kommentieren.<\/p>\n<p><strong>Fortsetzung in der Jerusalem Post<\/strong><\/p>\n<p>Die gleiche Begr&uuml;ndung findet sich dann auch in der Jerusalem Post, auf den das SWC anstatt der eigenen Pressmitteilung auf seiner <a href=\"http:\/\/www.jpost.com\/JewishWorld\/JewishFeatures\/Article.aspx?id=297625\">Facebook-Seite verlinkt<\/a>:<\/p>\n<p>Zitat:<\/p>\n<blockquote><p><em>The German&nbsp;Spiegel&nbsp;magazine online columnist Jakob Augstein, who owns the left-wing weekly&nbsp;Freitag, joined the list of anti-Semites at spot No. 9. The Wiesenthal Center listed him under the caption &ldquo;Influential German media personality&rsquo;s bigotry,&rdquo; and cited a&nbsp;series of quotes, including, &ldquo;With backing from the US, where the president must secure the support of Jewish lobby groups, and in Germany, where coping with history, in the meantime, has a military component, the Netanyahu government keeps the world on&nbsp;a leash with an ever-swelling war chant.&rdquo; [&hellip;]<\/em><br>\n<em>In September, author and journalist Henryk Broder, one of Germany&rsquo;s main experts on modern anti-Semitism, termed Augstein &ldquo;a pure anti-Semite&hellip;who only missed the opportunity to make his career with the Gestapo because he was born after the war. He&nbsp;certainly would have had what it takes.&rdquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch der Ersteller der Liste Rabbi Abraham Cooper st&uuml;tzt sich auf Henryk M. Broder als &bdquo;weltweit&ldquo; anerkannten <a href=\"http:\/\/ondemand-mp3.dradio.de\/file\/dradio\/2013\/01\/03\/drk_20130103_1243_0f97b8a8.mp3%20\">&bdquo;Experten f&uuml;r Antisemitismus&ldquo;<\/a>.<br>\nEs sieht also danach aus, als sei der f&uuml;r seine <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/henryk-m-broder\/article108470738\/Nordeuropa-arbeitet-und-zahlt-fuer-den-Sueden.html\">Ausl&auml;nderhetze und Islamfeindlichkeit<\/a> bekannte Rechtspopulist Broder (&bdquo;Achse des Guten&ldquo;), der immer einer der Ersten ist, wenn es darum geht, anders Denkenden, vor allem aus der Linken Antisemitismus anzudichten (etwa dem T&uuml;binger B&uuml;rgermeister Boris Palmer, die Schriftsteller Ingo Schulze und G&uuml;nter Grass) vom Simon Wiesenthal Zentrum als Kronzeuge gegen Augstein herangezogen worden.<\/p><\/li>\n<li><strong>Ein paar Hinweise zur Vorgeschichte Broder-Augstein<\/strong>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.achgut.com\/dadgdx\/index.php\/dadgd\/article\/eine_frage_an_jakob_augstein_herausgeber_des_freitag\/\">4.9.12 Broder: &ldquo;Eine Frage an Jakob Augstein, Herausgeber des FREITAG&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.achgut.com\/dadgdx\/index.php\/dadgd\/article\/ein_lupenreiner_antisemit_eine_antisemitische_dreckschleuder\/\">17.9.12 Broder: &ldquo;Ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/kritik-an-israel-inflationaerer-gebrauch-des-antisemitismus-vorwurfs-a-869280.html\">26.11.12 Augstein: &ldquo;&Uuml;berall Antisemiten&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/henryk-m-broder\/article111546855\/Was-Antisemitismus-und-Koerpergeruch-verbindet.html\">27.11.12 Broder: &ldquo;Was Antisemitismus und K&ouml;rpergeruch verbindet&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/henryk-m-broder\/article111852281\/Brief-an-meinen-Lieblings-Antisemiten-Augstein.html\">6.12.12 Broder: &ldquo;Brief an meinen Lieblings-Antisemiten Augstein&rdquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.theeuropean.de\/alexander-wallasch\/5596-broder-gegen-augstein-die-naechste\">10.12.12 Alexander Wallasch: &ldquo;No Country for old men&rdquo;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Zu Broder:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.theeuropean.de\/alexander-wallasch\/10858-broder-buch-vergesst-auschwitz#10858\">Broder Buch vergesst Auschwitz<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10216\">Der Brandstifter und die Biederm&auml;nner<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/zentralrat-der-juden-pausenclown-broder-da-warf-er-eine-kippa-1.50982\">Zentralrat der Juden &ndash; Pausenclown Broder &ndash; da warf er eine Kippa<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Aktuelle Kommentierungen:<\/strong>\n<ol type=\"a\">\n<li><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/antisemitismus-vorwurf-eine-offene-gesellschaft-12011369.html\">FAZ. Nils Mimkmar:<\/a>\n<p>Zitat daraus:<\/p>\n<blockquote><p><em>Die Nominierung von Jakob Augstein auf Platz neun der Liste der zehn schlimmsten Antisemiten ist ein schwerer intellektueller und strategischer Fehler des Simon Wiesenthal Centers (SWC). So wird nicht nur ein kritischer&nbsp;Journalist in unangemessene Gesellschaft gestellt, all jenen, die zu recht auf ihr stehen &ndash; den neun anderen Personen und Gruppen also, wird es leicht gemacht, sich mit dem Verwies auf solche Beliebigkeit zu exkulpieren. [&hellip;]<\/em><br>\n<em>Jakob Augstein hat in dieser Reihe nichts verloren: In seinen Texten geht es nicht um die Juden und nicht um den Juden. Er propagiert keine Gewalt, zieht keine Traditionslinien und operiert nicht mit Vorurteilen. Was er kritisiert,&nbsp;ist nicht das Symptom eines in der Existenz der Juden oder Israels wurzelnden &Uuml;bels, sondern das Resultat politischer Entscheidungen der aktuellen israelischen Regierung. [&hellip;]<\/em><br>\n<em>Zum echten Heuler wird diese Plazierung durch ihre Begr&uuml;ndung. Sie stammt ausgerechnet von Henryk M. Broder, den das Center als respektierten Kolumnisten und Experten in dieser Frage vorstellt. Nicht erw&auml;hnt wird die lange&nbsp;&ouml;ffentliche Fehde zwischen den beiden. Broder ist in der Tat respektiert &ndash; als begnadeter Polemiker. Deutsche Debatten sind oft verklemmt und von allgemeiner Zur&uuml;ckhaltung gepr&auml;gt, Broder &auml;ndert das zuverl&auml;ssig: Er ist der Bud&nbsp;Spencer unter den deutschen Kommentatoren. Wenn er hinlangt, liegen anschlie&szlig;end alle auf dem Parkett und sehen Sternchen. Ihn aber als weisen Experten zu benennen f&uuml;hrt in die Irre, es ist als riefe man, um das Portr&auml;t eines&nbsp;Mannes zu schreiben, nur bei dessen Exfrau an.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>FR vom 4.1.2013:<br>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/kultur\/antisemitismus-broder-diffamiert-augstein,1472786,21374630.html\">Broder diffamiert Augstein<\/a><\/strong><br>\nVon Christian Bommarius\n<blockquote><p><em>Augstein erlaubt sich Kritik an Netanjahu<\/em><\/p>\n<p><em>Augstein hat weder in seinen Artikeln im Freitag noch als Kolumnist von Spiegel online Juden beleidigt oder den Staat Israel. Er hat f&uuml;r keine Vernichtung pl&auml;diert und f&uuml;r keine Vertreibung, aus seinen Texten spricht kein Hass und kein Ressentiment. Augstein nimmt sich lediglich die Freiheit, die Regierung Netanjahu daf&uuml;r zu kritisieren, wof&uuml;r sie alle Welt kritisiert. Also kritisiert er die v&ouml;lkerrechtswidrige Siedlungspolitik der israelischen Regierung, also kritisiert er das Bombardement des Gaza-Streifens (&bdquo;An Frieden haben beide Seiten kein Interesse&ldquo;), also kritisiert er die ultraorthodoxen Fundamentalisten, von denen drei im Kabinett Nethanjahus s&auml;&szlig;en, nachdem er vorausgeschickt hat: &bdquo; Israel wird von islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht.&ldquo;<\/em><\/p>\n<p><em>Die Kritik, die Jakob Augstein regelm&auml;&szlig;ig an der Politik der israelischen Regierung &auml;u&szlig;ert, ist weder besonders polemisch noch einseitig. Sie deckt sich mit der Haltung vieler Israelis, die seit Jahr und Tag ihre Regierungen kritisieren, nicht nur, weil sie ein friedliches Mit- und Nebeneinander mit den Pal&auml;stinensern mutwillig unm&ouml;glich machen, sondern auch, weil diese kompromisslos unvers&ouml;hnliche Politik die Existenz Israels auf Dauer absehbar gef&auml;hrdet. Die Frage, wer den Bestand des Staates Israel auf lange Sicht eher gef&auml;hrdet &ndash; arabische Despoten und Terroristen oder Benjamin Netanjahu &ndash; ist noch nicht entschieden.<\/em><\/p>\n<p><em>Kritik an der Politik der israelischen Regierung muss erlaubt sein, sie ist auch geboten. Und selbstverst&auml;ndlich ist sie auch dort erlaubt, wo sie am dringendsten geboten ist: in Israel. In der einzigen Demokratie des Nahen Ostens wird der politische Meinungskampf sogar h&auml;rter gef&uuml;hrt als in den meisten westeurop&auml;ischen Demokratien, zuweilen so hart, dass manche israelische Regierungskritiker sich umstandslos auf der Negativliste des Wiesenthals Center wiederfinden m&uuml;ssten &ndash; w&auml;re der Unfug einer solchen Reaktion nicht offensichtlich. &hellip;<\/em><\/p>\n<p><em>Es spricht f&uuml;r den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei heruml&auml;uft, aber es spricht gegen das Simon-Wiesenthal-Center, dass es den L&uuml;gen und Verleumdungen dieser trostlosen Witzfigur aufgesessen ist. Wer Broder Glauben schenkt, der vertraut auch einem Bankr&auml;uber sein Bargeld an und einem Kannibalen die Ehefrau. Mit der weltweiten Ausrufung Augsteins als Antisemit hat sich das Simon Wiesenthal Center &ndash; m&ouml;glicherweise ungewollt, aber grob fahrl&auml;ssig &ndash; zum Komplizen Broders gemacht und zum Vollstrecker der Rufmordkampagne, die Broder seit L&auml;ngerem gegen den Freitag-Herausgeber f&uuml;hrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Broder verwendet die Sprache der Nazis<\/em><\/p>\n<p><em>&bdquo;Parasit&ldquo;, &bdquo;parasit&auml;res Pack&ldquo;, &bdquo;Pack&ldquo; &ndash; Broder ist der einzige deutsche Journalist, der sich unentwegt der Sprache des Nationalsozialismus bedient, ohne als durchgeknallter Rechtsextremist geoutet zu werden. Als h&auml;tte er Dolf Sternbergers &bdquo;W&ouml;rterbuch des Unmenschen&ldquo; gepl&uuml;ndert und sich Begriff f&uuml;r Begriff einverleibt, spricht und schreibt er in der Sprache Hitlers und Goebbels&rsquo;, nur eben, dass er nicht Juden diffamiert, sondern jeden, den er zur Strecke bringen will.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Die besondere Note der taz:<\/strong>\n<p><strong>Ein Kommentar<\/strong> von <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Jakob-Augstein\/!108179\/%20\">Cigdem Akyol vom 29.12.2012<\/a>:<\/p>\n<p>Dieser Kommentar ist als Anlage angeh&auml;ngt hinterfragt. Das besonders Interessante daran:<\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>Die &bdquo;Auszeichnung f&uuml;r Antisemitismus&ldquo;, wie es in der &Uuml;berschrift hei&szlig;t, wird nicht grundlegend zur&uuml;ckgewiesen, sondern im Gegenteil noch verst&auml;rkt durch folgenden Satz in der Anmoderation: &bdquo;Journalist Broder findet Platz 9 sogar noch zu weit hinten.&ldquo; Das ist nicht satirisch gemeint. Es kommt schon durch die neutrale Kennzeichnung Broders als &bdquo;Journalist&ldquo; objektiv daher.<\/li>\n<li>Broder wird dann im weiteren Verlauf ein bisschen kritisiert und Augstein wird in seiner Kritik an Broder ein bisschen Recht gegeben. Augsteins Diagnose, bei Broder seien seit langem die Bremsen defekt, wird als &bdquo;durchaus nicht immer ganz unsinnig&ldquo; bezeichnet. Dann aber hei&szlig;t es im n&auml;chsten Absatz:<br>\n&bdquo;Doch das SWC ist schon eine ganz andere Liga als Broder. Jedes Jahr gibt das Zentrum eine Liste der &bdquo;meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher&ldquo; heraus. Es vergibt auch Noten an L&auml;nder f&uuml;r die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechern. Sie reichen von A wie ausgezeichnet bis F wie fehlerhaft.&ldquo;<br>\nDa wird also ein Unterschied zwischen Broders Einsch&auml;tzung und jener des Simon Wiesenthal Centers konstruiert und verschwiegen, dass sich die Einsch&auml;tzung und das Ranking des SWC vor allem auf Broder als &bdquo;Experten&ldquo; st&uuml;tzt. &ndash; Das ist eine Methode, die eigentlich der TAZ unw&uuml;rdig sein sollte. Es geht aber &auml;hnlich weiter im Text:<\/li>\n<li>So wird im Kommentar die Frage gestellt, ob Augstein &bdquo;von einem linken, intellektuellen Antisemitismus infiziert&ldquo; sein k&ouml;nnte. Das ist interessant, weil damit den linken Kritikern der aktuellen Politik der israelischen Regierung quasi automatisch die Zugeh&ouml;rigkeit zu einer antisemitischen Community zugeschrieben wird.<\/li>\n<li>Dann wird in dem TAZ-Kommentar der Eindruck erweckt, die Einordnung Augsteins in die Liste der Top Ten sei belegt mit seinen Aussagen aus den SpiegelOnline Kolumnen. Es ist zu empfehlen, diese Aussagen unter Nr. 9 der Liste des SWC nachzulesen und dann den drittletzten Absatz des Kommentars der TAZ zu &bdquo;genie&szlig;en&ldquo;:<br>\n<blockquote><p><em>&bdquo;Doch Augstein pauschalisiert nahezu durchgehend, differenziert kaum, seine Wortwahl ist gruselig. Nur vier Beispiele: &bdquo;Gaza ist ein Gef&auml;ngnis. Ein Lager. Israel br&uuml;tet sich dort seine eigenen Gegner aus&ldquo; (19.11., Spiegel Online), der israelischen Regierung attestiert er Kapital aus dem Mohammed-Schm&auml;hvideo zu schlagen (17.9., Spiegel Online), &bdquo;Sie (die israelische Politik) hat Angst vor der Zukunft und au&szlig;er Gewalt kennt sie kaum eine Antwort&ldquo; (15.9.2011, Spiegel Online). Schon alleine Gaza und Lager in einem Atemzug zu nennen, ist unertr&auml;glich. In einem Beitrag giftet Augstein gegen ultraorthodoxe Juden, die Kinder bespucken w&uuml;rden und folgert daraus: &bdquo;Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache&ldquo; (19.11., Spiegel Online).&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Dass Augstein durchgehend pauschalisiert habe, kann ich nicht erkennen. Dass seine Wortwahl &bdquo;gruselig&ldquo; ist, k&ouml;nnte man am Begriff &bdquo;Lager&ldquo; festmachen. Das Wort h&auml;tte Augstein vielleicht besser nicht benutzt. Dar&uuml;ber kann man streiten. Die Charakterisierung als antisemitisch verdient aber diese Wortwahl genauso wenig wie die anderen zitierten &Auml;u&szlig;erungen. Dass zum Beispiel Gewalt und Vergeltung bei israelischen Politikern eine viel zu gro&szlig;e Rolle spielen, darf man doch wohl noch beklagen und schreiben.\n<\/p><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/www.publikative.org\/2012\/12\/31\/augsteins-israelkritik-eine-frage-der-obsession\/\">Hier eine Kommentierung eines Broder-Sympathisanten<\/a><\/strong><\/li>\n<li><strong><a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/pages\/Jakob-Augstein\/254924654552470?fref=ts\">Augsteins Kommentar<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<li><strong>Schlussbemerkung in eigener Sache<\/strong>\n<p>Wir NachDenkSeiten-Macher haben uns bisher mit Berichten und Kommentaren zum Nahen Osten, zu Israel und zu Pal&auml;stina, sehr zur&uuml;ckgehalten. Wir wissen um die Komplexit&auml;t der dortigen Verh&auml;ltnisse.<br>\nBei der Abstempelung Jakob Augsteins als Top-Antisemit geht es jedoch nicht um die Politik in Nahost, sondern um die Brandmarkung eines kritischen Journalisten und damit des kritischen Journalismus insgesamt.<br>\nDas Simon-Wiesenthal-Zentrum setzt sich damit dem Verdacht aus, Kritiker der israelischen Politik durch Rufsch&auml;digung mundtot zu machen. Damit hat es seinen Ruf selbst besch&auml;digt.<br>\nWer Hendryk M. Broder als Kronzeugen f&uuml;r die Verunglimpfung Israels und des Judentums heranzieht, stellt sich an die Seite eines islamophoben Rechtspopulisten und verunglimpft sich damit selbst. <\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Anhang<\/strong><br>\n<strong>TAZ Kommentar:<\/strong><\/p><p>29.12.2012<br>\nJakob Augstein<\/p><p><strong>Auszeichnung f&uuml;r Antisemitismus<\/strong><br>\nJakob Augstein wurde vom SWC in die &bdquo;Top Ten der antisemitischen Beschimpfungen&ldquo; gew&auml;hlt. Journalist Broder findet Platz 9 sogar noch zu weit hinten.<br>\n<strong>von Cigdem Akyol<\/strong><br>\nBERLIN taz | Jakob Augstein ist Herausgeber der linken Wochenzeitung <em>Der Freitag<\/em>, Buchautor, Journalist und Medienpreistr&auml;ger. Zum Jahresende hat der 45-J&auml;hrige noch ein neues Alleinstellungsmerkmal dazu bekommen: Das Simon Wiesenthal Center (SWC) setzte Augstein auf Platz 9 der <em>&bdquo;2012 Top Ten Anti-Semitic\/Anti-Israel Slurs&ldquo;<\/em>, also die &bdquo;Top Ten der antisemitischen und antiisraelischen Beschimpfungen&ldquo;.<\/p><p>Wie er zu dieser zweifelhaften Ehre gekommen ist? Der Sohn des Spiegel-Begr&uuml;nders setzt sich in seiner Kolumne &bdquo;Im Zweifel links&ldquo; auf Spiegel online w&ouml;chentlich mit politischen Themen auseinander, besonders gerne mit Israel, welches er als &bdquo;Besatzungsmacht&ldquo; bezeichnet. Schon mehrfach gab es Kritik &uuml;ber Augsteins Ton, den er im Umgang mit den Nahen Osten zu Tage legte.<br>\n&bdquo;Fr&uuml;her war es eine Schande, f&uuml;r einen Antisemiten gehalten zu werden&ldquo;, schreibt Augstein in seiner <em>Kolumne vom 26. November<\/em> unter dem Titel &bdquo;&Uuml;berall Antisemiten&ldquo;. Und folgert daraus: &bdquo;Inzwischen muss man einen solchen Vorwurf nicht mehr ernst nehmen. Im Meer der hirn- und folgenlosen Injurien des Internets geht auch diese Beschimpfung einfach unter.&ldquo;<\/p><p><strong>Einziger Deutscher auf der Liste<\/strong><\/p><p>Doch der Journalist irrt: Diesmal hat es der Vorwurf der Judenfeindlichkeit bis nach Los Angeles ins renommierte SWC geschafft, Augstein ist als einziger Deutscher auf der Liste. Platz eins belegen die &auml;gyptischen Muslimbr&uuml;der Muhammad Badie und Futouh Abd al-Nabi Mansour. Der Artikel zum Ranking in der <em>Jerusalem Post<\/em> ist seit dem Erscheinen am Freitag der meistgeklickte.<br>\nIst Augstein ein Hamasversteher? Von einem linken, intellektuellen Antisemitismus infiziert? Einer der Polterstenden, Henryk M. Broder, hat diese Frage f&uuml;r sich jetzt deutlich mit Ja beantwortet. In seinem &bdquo;Brief an meinen Lieblings-Antisemiten&ldquo; (<em>Welt<\/em>, 6.12.) wendet sich der Journalist Broder direkt an Augstein und macht sich &uuml;ber dessen &bdquo;Juden-Obsession&ldquo; her: &bdquo;Auch ich kenne einen Antisemiten, den ich mag. Er ist umfassend gebildet, hat gute Manieren, ein Herz f&uuml;r die Armen und Ausgebeuteten und er verjubelt sein Erbe, um ein sieches Zeitungsprojekt am Leben zu erhalten. (&hellip;) Sie, Jakob Augstein, sind &lsquo;my favorite anti-Semite&rsquo;.&ldquo;<\/p><p>Broder ist im Meinungskampf wahrlich nicht der Feinste. &bdquo;Bei dem Publizisten Henryk M. Broder sind ohnehin schon seit langem alle Bremsen defekt&ldquo;, attestierte ihm Augstein im November. Eine Diagnose, die durchaus nicht immer ganz unsinnig erscheint.<\/p><p>Doch das SWC ist schon eine andere Liga als Broder. Jedes Jahr gibt das Zentrum eine Liste der &bdquo;meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher&ldquo; heraus. Es vergibt auch Noten an L&auml;nder f&uuml;r die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechern. Sie reichen von A wie ausgezeichnet bis F wie fehlerhaft.<\/p><p>Die 1977 gegr&uuml;ndete internationale Menschenrechtsorganisation hat ihren Hauptsitz in Los Angeles und wurde nach dem &ouml;sterreichischen Juden Simon Wiesenthal (1908 bis 2005) benannt. Der Nazij&auml;ger verlor viele Angeh&ouml;rige w&auml;hrend des Holocaust. Das Wiesenthal-Zentrum k&auml;mpft weltweit gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und V&ouml;lkermord und setzt sich f&uuml;r die F&ouml;rderung von Toleranz ein. Die Stellungnahmen haben Gewicht und werden weltweit geachtet.<\/p><p><strong>Nicht antisemitisch, aber eindeutig antiisraelisch<\/strong><\/p><p>Doch wie hat Augstein es geschafft, auf eine Liste mit Muslimbr&uuml;dern und dem ukrainischen Nationalisten Oleg Tyagnibok zu kommen? Augsteins Kolumnen sind nicht antisemitisch zu lesen, sie sind aber eindeutig antiisraelisch. Was sie auch sein d&uuml;rfen, denn Israelkritik ist nicht verboten, es geht nicht um undifferenziertes Beklatschen jeder Zumutung des israelischen Ministerpr&auml;sidenten Benjamin Netanjahu.<\/p><p>Doch Augstein pauschalisiert nahezu durchgehend, differenziert kaum, seine Wortwahl ist gruselig. Nur vier Beispiele: &bdquo;Gaza ist ein Gef&auml;ngnis. Ein Lager. Israel br&uuml;tet sich dort seine eigenen Gegner aus&ldquo; (<em>19.11., Spiegel Online<\/em>), der israelischen Regierung attestiert er Kapital aus dem Mohammed-Schm&auml;hvideo zu schlagen (<em>17.9., Spiegel Online<\/em>), &bdquo;Sie (die israelische Politik) hat Angst vor der Zukunft und au&szlig;er Gewalt kennt sie kaum eine Antwort&ldquo; (<em>15.9.2011, Spiegel Online<\/em>). Schon alleine Gaza und Lager in einem Atemzug zu nennen, ist unertr&auml;glich. In einem Beitrag giftet Augstein gegen ultraorthodoxe Juden, die Kinder bespucken w&uuml;rden und folgert daraus: &bdquo;Diese Leute sind aus dem gleichen Holz geschnitzt wie ihre islamistischen Gegner. Sie folgen dem Gesetz der Rache&ldquo; (<em>19.11., Spiegel Online<\/em>).<\/p><p>Broder findet sogar, dass der neunte Platz viel zu weit unten sei. &bdquo;Er geh&ouml;rt weiter nach oben, auf Platz drei etwa&ldquo;, sagte er der taz und bem&auml;ngelt insgesamt: &bdquo;Diese Liste hat einen Fehler. Moderne Antisemiten wie Augstein werden kaum ber&uuml;cksichtigt. Die klassischen Antisemiten und Holocaustleugner stehen zu sehr im Vordergrund.&ldquo; Eine Ansicht, die man nicht teilen muss und die angesichts Augsteins Kalender-Polemiken zu weit ausgeholt erscheint.<\/p><p>Ob er, wie ihm vorgeworfen wird, ein Antisemit ist oder sich als missverstandener Kritiker Israels sieht, das kann nur Augstein selbst beantworten. F&uuml;r die taz war er bisher nicht erreichbar. Auf Facebook postete er diese Stellungnahme: &bdquo;Das SWC ist eine wichtige, international anerkannte Einrichtung. F&uuml;r die Auseinandersetzung mit dem und den Kampf gegen den Antisemitismus hat das SWC meinen ganzen Respekt. Um so betr&uuml;blicher ist es, wenn dieser Kampf geschw&auml;cht wird. Das ist zwangsl&auml;ufig der Fall, wenn kritischer Journalismus als rassistisch oder antisemitisch diffamiert wird.&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Fazit seiner Beobachtungen im Jahr 2012 setzte das Simon Wiesenthal Center (SWC) den deutschen Publizisten Jakob Augstein auf Platz 9 seiner Liste der &bdquo;Top Ten&ldquo;-Antisemiten und Israel-Kritiker. Vor Augstein wurden immerhin noch die &Auml;gyptische Muslimbruderschaft und das Regime des Iran platziert. Das SWC beruft sich zur Begr&uuml;ndung auf Henryk M. Broder und nennt diesen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15615\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,123,12],"tags":[1198,341,590],"class_list":["post-15615","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antisemitismus","category-kampagnentarnworteneusprech","category-manipulation-des-monats","tag-augstein-jakob","tag-broder-henryk-m","tag-taz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15615","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15615"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15615\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26456,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15615\/revisions\/26456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}